Das verlorene Knie – anstatt einer knöchernen Führung nur Bänder, Muskeln und Sehnen?

17. April 2020

Über Anforderungen im Berg- und Klettersport

Unsere Kniegelenke tun einiges damit Sprünge im Klettersport oder auch das Trail-Running den Berg hinunter gut geführt und abgefedert werden. Im Bergsport haben Kniegelenke eine wichtige und oftmals unterschätzte Funktion. Sie brauchen viel Training, um ihre beste Wirkung für unseren Lieblingssport zu entfalten.

Hier ein Blick auf die inneren Bänder – Kreuzbänder, Mensiken sowie Seitenbänder.

Das Knie dämpft die Druckkräfte, die auf unseren Körper wirken und balanciert nebenbei die Bewegungsabläufe mit der Hilfe eines komplexen Bandapparates. Auch im Klettersport ist ein trainiertes Knie ein wichtiges Instrument, wenn wir an „Dropknee“, das „Ägyptern“ denken. 

In einem der größten Gelenke unseres Körpers kommen die wichtigsten Röhrenknochen zusammen, die unsere Fortbewegung ermöglichen. Das Knie bildet das Bindeglied zwischen Ober- und Unterschenkel und das Kniegelenk besteht strenggenommen aus zwei Einzelgelenken.

Im größeren Gelenk wirken Oberschenkelknochen und Schienbein zusammen. Sie ermöglichen es uns im Zusammenspiel mit dem komplexen Bandapparat und der Muskulatur das Beugen und Strecken sowie die Rotation nach Innen und Außen.

Das kleinere Gelenk ist ebenfalls bedeutend für unsere Aufrichtung und unseren Bewegungsumfang. Dort wirken Kniescheibe und Oberschenkelknochen zusammen. Die Gelenke sind jedoch relativ frei und werden gestützt von Halte-, Verstärkungs-, Seiten-, und Binnenbändern. Hinzu wirken starke Muskeln, zwei Knorpelscheiben – die Menisken und Schleimbeutel als „Stoßdämpfer“ zusammen, die unsere Bewegungen optimieren.

Besonders relevant für den Berg- und Klettersport, ist die Funktionsfähigkeit der Bänder und des Gelenks. Diese Funktionsfähigkeit kann durch gezieltes Training der Muskulatur erhalten werden. Im Idealfall erfährt unser Knie mit dem im Vorfeld richtigen Training keine Schäden durch den Berg- und Klettersport.

Immer wieder betonen Fachleute aus der Sportmedizin und Physiotherapie, dass Ausgleichssportarten die beste Vorbereitung sind.

Sie führen zu einer besseren körperlichen Fitness und lassen auch ein besseres Körperempfinden entstehen. Ausgleichssportarten sind zum Beispiel Schwimmen oder Joggen, um die Bänder zu kräftigen. Aber auch mit Hilfe von Balance-Boards oder Thera-Bändern können wir unsere Knie gezielt trainieren.

Für sehr aktive berg- und kletteraffine Personen ist eine individuelle Trainingsberatung und Physiotherapie der beste Weg um Verletzungen zu vermeiden. Das Training für ein gut geführtes und muskulär gestütztes Knie sollten wir nicht unterschätzen.

Im Klettersport kann der Einsatz des Knies als Hebel unaufgewärmt und ohne richtiges Training direkt zu Mikroverletzungen im Bandapparat führen. 

Äußerst selten passieren knöcherne Knieverletzungen.

Auch beim Training in der Halle, beim Klettern am Berg oder beim Trail-Running kann unser Schmerzempfinden sehr unterschiedlich sein. Wichtig ist es, uns gegenseitig zu unterstützen und für eine richtigen Ablauf der Bewegung zu sorgen. Es ist hilfreich sich von Anderen beobachten und korrigieren zu lassen. Auch wenig Schmerz ist schon ein Zeichen, dass wir unsere Bewegung falsch ausführen. Das kann nicht gut sein kann.

Das Knie funktioniert in der Regel als Hebel.

Im Klettersport ägyptert es sich auch gerne und gut die Wand hoch. 

Doch: „Diese Zwangshaltung für das Kniegelenk erfordert eine gute und trainierte Muskulatur, damit die Bewegung gut geführt werden kann. Wenn tatsächlich untrainiert über das Gelenk gehebelt wird, werden Bänder und Menisken stark beansprucht. Wird dies häufiger gemacht, können durch Mikroverletzungen Bandläsionen oder bei plötzlicher Überbelastung ein Kreuzbandschaden entstehen.“ (Prof. Dr. Christian Lüring, Orthopädische Klinik, Klinikum Dortmund)

Auch das Trail-Running fordert eine stabile Muskulatur im Kniegelenk. Wenn wir vom Ägyptern absehen, ist das richtige Knietraining hier noch viel wichtiger. Ob wir jetzt klettern, wandern oder laufen, wir können festhalten, dass eher wenig schwere Verletzungen am Knie zu erwarten sind – außer wir stürzen äußerst unglücklich. 

Ein Aufprall aus geringer Höhe kann am Knie Bandverletzungen, Hämatome und Schwellungen mit sich bringen. Stürzen wir länger, ist es abhängig von der Sturzgeschwindigkeit möglich, dass es zu einer Kniescheibenfraktur kommt. Auch schwerwiegende Meniskusrisse entstehen erst durch starke Krafteinwirkung in der Verbindung mit einer Drehbewegung nach Innen oder Außen. 

Wir halten fest: Trainieren wir unsere Knie vorab ideal, haben wir ein geringes Verletzungsrisiko. Doch was tun wir im Falle der Fälle?

Wann wird operiert und woran lässt sich ein Fall für die Klinik erkennen? 

„Meniskusrisse und Kreuzbandrisse sollten auf jeden Fall bei Sportlerinnen und Sportlern sowie bei biologisch jungen Menschen operiert werden. Seitenbandrupturen werden in der Regel mit einer Schiene konservativ behandelt. Knöcherne Verletzungen werden üblicherweise operiert.

Ein Leitpunkt ist sicherlich der starke Schmerz. Wenn jemand wirklich Tränen in den Augen hat, wird es möglicherweise etwas Gravierendes sein. Bei starken Schwellungen, Blutergüssen, Fehlstellungen am Bein sowie Blockaden und Funktionslosigkeit sollte ein Rettungswagen gerufen bzw. eine unfallchirurgische oder orthopädische Praxis aufgesucht werden.“ (Prof. Dr. Christian Lüring, Orthopädische Klinik,Klinikum Dortmund)

Bei Verletzungen im kleineren Maße hilft die bekannte PECH Regel:

  • P – Pause
  • E – Eis
  • C – Compression
  • H – Hochlagern

Die PECH-Regel sollte so früh wie möglich nach Verletzungen angewandt werden. Kleinere Verletzungen und auch nur Prellungen brauchen Zeit zum Heilen.

Nach einer verletzungsbedingten Pause braucht das Knie vor allem wieder eine gute muskuläre Stütze. Das Training sollte langsam wieder begonnen und je nach Schmerzempfinden und Funktionsfähigkeit bedacht gesteigert werden. Denn ein gut trainiertes Knie ist im Berg-und Klettersport gar nicht mehr so verloren. 

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