Hegen Kletterschuhe. Foto: La Sportiva

Vom Hegen und Pflegen der Kletterschuhe

22. Juni 2015

Richtige Pflege erhöht die Lebensdauer. Foto: Red Chili

Richtige Pflege erhöht die Lebensdauer. Foto: Red Chili

Gute Kletterschuhe sind in der Halle und am Fels unverzichtbar. Sie tragen zwar nur indirekt zur Sicherheit beim Klettern bei, jedoch können sie das Gelingen oder Scheitern in einer Tour maßgeblich beeinflussen. Die verschiedenen Schuhtypen, Philosophien und individuellen Vorlieben sind dabei so zahlreich wie Sandkörner am Meer. Hat man jedoch einmal seinen Traumschuh gefunden, sollte man alles daran setzen, dass dieser auch eine Zeit lang hält. Gegen die generelle Abnutzung, die durch das Antreten entsteht, kann man freilich nur wenig tun. Es gibt aber trotzdem ein paar gute und einfache Methoden, wie ein Schuh vor vorzeitiger Alterung bewahrt werden kann.

Reibung erhalten

Wer sich schon einmal in plattigen Touren getummelt hat, der weiß, Reibung ist das A und O. Hält ein Schuh nicht zuverlässig am Fels, bringen selbst größte Armkraft und Wagemut nur wenig. Unterschiedliche Kletterschuhe haben aufgrund ihrer Sohle und Konstruktion eine unterschiedlich gute Reibung.

Generell lässt jedoch bei allen Modellen mit der Zeit die Haftung nach. Dieser Effekt verstärkt sich sogar, wenn damit viel im Freien geklettert wird. Der Grund für die abnehmende Haftungsfähigkeit ist meist die zunehmende Verschmutzung der Sohle. Auch wenn man es den Schuhen auf den ersten Blick nicht ansieht, so sind die Sohlen mit der Zeit mit einem wahren Dreckfilm aus Erde, Staub und Gummiabrieb überzogen. Dieses Problem lässt sich aber vergleichsweise leicht beheben. Einfach die Schuhe in lauwarmem Wasser mit einer groben Bürste gründlich säubern und die Sohle hält wieder so gut wie am ersten Tag.

Feiner Dreck schadet der Reibung. Foto: Red Chili

Feiner Dreck schadet der Reibung. Foto: Red Chili

Je nach Fußtechnik oder Klettergelände kann es an den Sohlen im Bereich der großen Zehen zu einem verstärkten Aufrauen des Gummis kommen. Diese Minirisse und kleinen Schuppen entstehen hauptsächlich durch das Scharren an der Wand sowie dem Drehen auf nur einem Fuß. Generell trägt diese Struktur im Gummi sogar zu einer besseren Sohlenhaftung bei. Nimmt sie mit der Zeit jedoch überhand, sollte man diesem Prozess entgegenwirken, da sonst die Abnutzung der Schuhe zu schnell voranschreitet. Auch hier bedarf es keinem großen handwerklichen Geschick oder teuren Maschinen. Mit einem feinen Schmirgelpapier kann man die aufgerauten Stellen sanft bearbeiten und somit überschüssiges Material abtragen. Bei gewissenhafter Arbeit erhält man eine optisch fast neue Sohle. Der Abnutzungsprozess wird obendrein verlangsamt.

Ein enorm wichtiger Punkt ist natürlich die Fußtechnik. Wer präzise Tritt und nicht die letzten 10cm über dem Trill als Landebahn nutz, kann sich sehr viel Gummi sparen. Der häufigste Grund für neue Schuhe ist nämlich eine durchgewetzte Sohlenspitze.

Geruch vorbeugen und bekämpfen

Ein allseits bekanntes Problem bei Kletterschuhen ist die Geruchsbildung. Zum einen gibt die Konstruktionsweise und Machart von Kletterschuhen kaum die Möglichkeit einer angemessenen Belüftung, zum anderen werden die Schuhe oft ohne Socken getragen, sodass sich der Schweiß direkt im Schuh festsetzen kann. Darin wiederum können sich Schweiß zersetzende Bakterien schnell vermehren, wodurch die Schuhe zu stinken beginnen. Bei Schuhen aus Kunstleder oder synthetischem Material schreitet dieser Prozess in der Regel schneller voran als bei Echtlederschuhen.

Nach langen Touren solltest Du die Schuhe gut trocknen - Aber nicht in der Sonne! Foto: Red Chili

Nach langen Touren solltest Du die Schuhe gut trocknen – aber nicht in der Sonne! Foto: Red Chili

Generell sollte man den Bakterien gar nicht erst die Chance geben, sich zu sehr in den Kletterschuhen einzunisten. Die einfachste Methode ist es, die Schuhe nach dem Klettern gründlich trocknen zu lassen. An der frischen Luft aufbewahrt, trocknen selbst komplett nassgeschwitzte Kletterschuhe schnell und den Bakterien wird somit der Nährboden entzogen. Auch das Ausstopfen mit Zeitungspapier kann diesen Vorgang beschleunigen. Keinesfalls sollte man frisch gebrauchte Kletterschuhe im Rucksack oder einer Schuhtasche lagern. Auch kann es helfen, die Schuhe nicht für längere Zeit am Fuß zu behalten, sondern sie nach jeder Route oder an jedem Standplatz kurz auszuziehen.

Manchmal hilft aber alle Vorsicht und Sorgsamkeit nicht und die Schuhe beginnen nach einer gewissen Zeit streng zu riechen. Auch in diesem Fall gibt es einige Tricks, wie man dem Gestank beikommen kann. Generell gilt, je früher das Problem in Angriff genommen wird, desto einfacher ist es auch wieder aus der Welt zu schaffen. Die einfachste Methode ist es, die Schuhe gründlich mit lauwarmem Wasser, einer Bürste und gewöhnlicher Seife zu reinigen.

Sind Verschmutzung und Geruchsbildung jedoch schlimmer, empfiehlt es sich, einmal in Omas Trickkiste zu greifen. Das Zaubermittel heißt Natron oder für die Chemiker unter uns: Natriumhydrogencarbonat. Das Pulver verändert den Säuregehalt im Schuh und macht ihn für die Bakterien uninteressant. Dazu das Pulver einfach gleichmäßig im Schuh verteilen.

Keinesfalls sollte man Kletterschuhe in der Waschmaschine waschen. Durch das Waschpulver leiden die Gummisohle, das Oberleder und die Schürsenkel meist stark. Auch die Form des Schuhs, dessen Vorspannung und individuelle Anpassung kann sich nach einem Waschgang verändert haben. Des Weiteren können sich Klebestellen ab- oder auflösen und die Klettverschlüsse sind nicht selten voller Flusen.

Generell kann man sagen. Manche Leute neigen mehr zu stinkenden Kletterschuhen als andere. Bei manchen reicht es die Schuhe regelmäßig gut zu lüften bei anderen nicht. Die sollten dann überlegen keine synthetischen Schuhe zu tragen oder wenn das ebenfalls nicht ausreicht, Socken in die Schuh zu ziehen.

Lebensdauer fördern

Öfter aus den Schuhen schlüpfen, anstatt auf die Ferse zu treten. Foto: Red Chili

Öfter aus den Schuhen schlüpfen, anstatt auf die Ferse zu treten. Foto: Red Chili

Wie so oft hängt auch die Lebensdauer von Kletterschuhen maßgeblich davon ab, wie sie behandelt werden. So sollte man Kletterschuhe nie hohen Temperaturen oder unnötiger Sonneneinstrahlung aussetzen. Wie bereits erwähnt, ist ein schnelles Trocknen der Kletterschuhe gut, um Geruchsbildung zu vermeiden, jedoch sollte dies nicht in der prallen Sonne geschehen. Durch die dauerhafte Einwirkung der Sonnenstrahlen kann es dazu kommen, dass der Sohlengummi spröde wird. Auch lösen sich Klebestellen schneller ab, was nicht selten zu einer unerwünschten Verformung der Schuhe führt. Der gleiche Effekt kann auch bei zu großer Hitze auftreten. Daher ist die dauerhafte Lagerung im Auto ebenfalls nicht zu empfehlen.

Oft gesehen und viel praktiziert, aber eigentlich Gift für die Schuhe, ist das Zusammentreten der Ferse. Gerade in der Kletterhalle oder an Sportkletterfelsen ist es oft Usus, nach einer gekletterten Tour nur hinten aus dem Schuh zu schlüpfen und auf dessen Fersenpartie zu stehen. Somit werden zwar die eigenen Füße entlastet und der neu gewonnene Freiraum im Zehenbereich fühlt sich angenehm an, jedoch leiden die Schuhe darunter stark. Gerade wenn es sich um Modelle mit einer hohen Vorspannung handelt, sollte man diese Vorgehensweise unterlassen und die Kletterschuhe gegen Badeschlappen oder Sportschuhe tauschen.

Alles in allem

Dann und wann tut es den Kletterschuhen gut, eine kleine „Frischzellenkur“ zu bekommen. Dies erhält nicht nur die Performance, sondern schont auch den Geruchssinn der Kletterpartner. Gute und angemessene Pflege muss dabei nicht teuer und aufwendig sein. In den meisten Fällen reichen einfache Hausmittel und ein paar Reinigungstipps aus Omas Trickkiste völlig aus. Wer darüber hinaus auch noch auf die richtige Lagerung achtet, wird lange Spaß an seinen Kletterschuhen haben.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. […] Quelle: Vom Hegen und Pflegen der Kletterschuhe – Basislager – Der Blog von Bergfreunde.de […]

  2. Nathan sagte am 21. August 2015 um 14:22 Uhr

    Kletterschuhe sind der hauptbestandteil des Kletterns.

    Man muss sie also oft vor Geruch und Abnutzung schonen, da sie nicht gerade billig sind.

    Toller Beitrag!

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