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Rubihorn Nordwand, „The Nameless Route“, M6+, 355 m, 9 SL

21. Januar 2020
Die Bergfreunde

Brüchiger Fels, schottrige Bänder, Nässe, jede Menge Gras in der Wand – die Beschreibung eines guten Kletterziels liest sich für gewöhnlich anders. Doch im Winter wendet sich das Blatt: Die Nordwand des Rubihorns wird zum attraktiven Mixedkletterziel. Und mit etwas Fantasie erkennt man dann sogar eine Miniatur-Ausgabe der Eiger Nordwand.

Erstbegehung

Hannes Neubert und ich machten uns im Dezember 2016 daran, mögliche neue Linien in der Rubihorn Nordwand auszutüfteln. Von 2017 bis 2019 waren wir immer wieder in der Wand, um diese Route einzurichten. Am Ende fehlte nur noch der passende Routenname, der sich diesmal einfach nicht finden ließ.

Charakter

„The Nameless Route“ ist eine kühne Mixedroute für routinierte Winterkletterer. Die ersten fünf Seillängen bieten steile Kletterei an gefrorenen Graspolstern und Felsrissen. Danach leitet eine Rampe in moderateres aber nicht weniger interessanteres Gelände. Bis zuletzt dominiert die fürs Rubihorn typische Graskletterei. Vorteil: Es braucht keine besonderen Bedingungen, es muss nur kalt sein. Bei Plusgraden wäre das Klettern nicht nur extrem gefährlich, auch würde die Route mit der Zeit zerstört werden.

Absicherung und Ernsthaftigkeit

Die Standplätze (bis auf die letzten beiden) und einzelne Zwischenhaken sind gebohrt und mit Markierungsschlingen ausgerüstet. Darüber hinaus muss die Route selbst abgesichert werden, was eine gute Übersicht und eine gewisse Initiative verlangt. Dennoch teils weite Runouts. Mit Blick auf eine mögliche Lawinengefahr im Zustieg und auch in der Wand ist diese Route sicherer als die Routen im zentralen Wandbereich.

Empfohlenes Material

  • 60-m-Doppelseile
  • Cams Gr. 0.3–3
  • Rocks Gr. 4–9
  • Kleines Sortiment Schlaghaken (insbesondere Knifeblades, evtl. auch 1 gr. BD Pecker)
  • 1–2 BD Spectre als Grasanker
  • Eisschrauben braucht man nicht

Anfahrt und Zustieg

Ausgangspunkt ist Reichenbach bei Oberstdorf. Von dort zu Fuß in 1h 30min zum Einstieg. Details siehe Eiskletterführer „Bregenz bis Garmisch“, Panico Alpinverlag und/oder Alpenvereinskarte Bayerische Alpen BY4.

Abstieg

Abseilen über die Route. In der 6. SL (Rampe) lässt man den Ersten ab (BH clippen), so dass dieser den darunterliegenden Stand anklettern kann. Alternativ, bei günstiger Lawinenlage, Fußabstieg zum unteren Gaisalpsee und weiter zum Wanderweg, der zur Gaisalpe führt.

Der Weiterweg zum Gipfel ist zwar möglich, aber wegen der Latschen sehr mühevoll.

Die einzelnen Seillängen

1. SL: 30 m, M5+ (1 BH, 1 fixer Grashaken)

Der Einstieg befindet sich am Sporn rechts der Schlucht, durch welche die Route „Rubi Love“ verläuft, links des markanten Ausbruchs. BH mit Markierungsschlinge von unten sichtbar. Vom BH gerade hoch, zuletzt Runout nach rechts zum Stand an großem Block (2 BH).

2. SL: 50 m, M5 (3 BH, 1 NH)

Links-rechts-Bogen zu Schuppe in Platte. Dort 2 BH. Danach kühne Graskletterei zu felsigem Aufschwung. Dort Klemmkeilriss, etwas links versteckt. Runout zum Stand (2 BH, vertikal versetzt).

3. SL: 40 m, M6+ (5 BH, 2 NH)

Linkshaltend, zunächst überhängend, dann leicht geneigt, zu Riss und diesen empor. Am Ende im einfacheren Gelände rechtshaltend zu Bolt an kleinem Pfeiler. Von diesem auf Schneeband ca. 7 m nach links zu Stand an Felsriegel (2 BH).

4. SL: 28 m, M4 (2 BH)

Kurz nach links, dann Quergang nach rechts an großen Graspolstern. Empor zu kleiner Rinne und über Felsköpfe nach rechts zum Stand (2 BH).

5. SL: 42 m, M4 (1 BH, 1 FK)

Linkshaltend empor zu Fixkeil und später Bolt. Am Bolt nach rechts. Plattiger Übergang zu Schneefeld mit kleinem Schneegrat. Dieser leitet zum Stand unterhalb eines kleinen Felsdaches (2 BH)

6. SL: 50 m, M4+ (1 BH)

Wenige Meter horizontal nach links zu grasigem Riss. Diesen hoch zu guter Klemmkeilstelle und weiter nach links zur großen Rampe. Achtung, Seilzug! Stand am Ende der Rampe (2 BH vertikal versetzt und mit Seil verbunden).

7. SL: 30 m, M3 (kein fixes Material)

Leicht linkshaltend in einfacher Graskletterei zu Latsche (Zwischensicherung) und weiter gerade hoch zu Stand an der darüberliegenden Wandstufe (2 BH).

8. SL: 55 m, M4 (kein fixes Material)

Zunächst linkshaltend über Rampe empor, dann leicht rechtshaltend in steiler Graskletterei zu Rinne. Über diese empor zu Stand an Latsche. Abseilschlingen müssen ggf. ausgegraben werden.

9. SL: 30 m, M2 (kein fixes Material)

Rechtshaltend zu Schneise in den Latschen und in leichter Kletterei zum Stand an großer Latsche kurz unterhalb des Gipfelgrates.

Hier findet ihr die vollständige Topo der Route zum Download: Topo Rubihorn Nordwand The Nameless Route

Preis vs. Leistung – Wie man auch mit kleinem Budget zu einer guten Ausrüstung kommt

19. Dezember 2019
Tipps und Tricks

Neulich mit ein paar Freunden bei mir zu Hause am Küchentisch: „Also wenn ich mir neue Expressen kaufe, dann nur diese ganz leichten von DMM oder Petzl oder so. Die sind zwar sauteuer, aber halt auch viel besser als alles andere. Auch wenn das dann mal mein Budget sprengt, von nichts kommt nichts“, sagt da einer und blickt unmittelbar in fragende Gesichter. Ich denke mir noch so: „Mann, an deiner Stelle hätte ich da mal schön die Klappe gehalten, denn da sitzen nicht nur Leute, die besser klettern als du, sondern einfach auch deutlich mehr Ahnung haben.“

Es kommt also wie es kommen muss. Als hätte man in ein Wespennest gestochen, bricht augenblicklich eine Diskussion los, die mehr oder weniger bis zum heutigen Tag anhält und an deren vorläufigem Ergebnis ich euch einmal teilhaben lassen möchte. Heute also im Ring: Preis vs. Leistung.

Oder konkret die Frage: Ist alles Teure automatisch immer gut und ist alles Günstige automatisch immer unterlegen? Und wie stelle ich es an, wenn ich nur ein kleines Budget habe, aber dennoch eine vollwertige Ausrüstung brauche?

Muss Qualität immer teuer sein?

Brauchbare Ausrüstung gibt’s schon für vergleichsweise kleines Geld, bessere Ausrüstung gibts dann für deutlich mehr Geld und die geilsten Ausrüstungsgegenstände überhaupt gibts für richtig fett Asche. Richtig oder falsch? Naja, diese Frage ist wie immer nicht ganz leicht und auch nicht ganz pauschal zu beantworten.

Da die Diskussion am Küchentisch mit dem Thema Expresssets begonnen hat, wollen wir die alte Tradition doch einfach einmal fortsetzen. Spielen wir also mal das Spiel mit und fragen: Wie sieht es mit Preis und Leistung im Bereich (Kletter-)Ausrüstung aus?

Es gibt nichts dran zu rütteln, egal wie Gurt, Karabiner, Seil und Co. daherkommen, sie müssen sicher sein. Die gute Nachricht gleich vorweg: Das sind sie. Jegliche Kletterausrüstung, die regulär in Deutschland und der EU vertrieben wird, muss gewissen Standards entsprechen und nach deren Kriterien geprüft sein. Hierzu gibt es die Europäische Norm (EN) die für jeden Ausrüstungsgegenstand formuliert wird und eine normierte Sicherheitsprüfung gewährleistet.

Jedes Prüfverfahren wird nur für eine bestimmte Produktgruppe angewendet und trägt eine eigene Kennung. Mit der Bezeichnung „conform european“ (CE-Zeichen) erklärt der Hersteller, dass es nach EN geprüft ist und für unbedenklich erklärt wurde. Die Zahl nach dem Zeichen gibt an, welche Prüfstelle die Prüfung vorgenommen hat.

Hierzu ein Beispiel. Auf meinem Klettergurt finden sich unter anderem folgende Angaben: EN 12277 und CE 0123. Das heißt: Der Gurt wurde nach der Norm für „Bergsteigerausrüstung und Anseilgurte“ getestet und vom TÜV München zertifiziert. Neben der EN gibt es aber auch noch die freiwillige Norm der Bergsportverbände, die UIAA-Norm. Diese Norm gilt weltweit und setzt in der Regel strengere Prüfkriterien an. Trägt ein Produkt das Logo der UIAA (Ein Berg in einem Kreis mit der Aufschrift „UIAA“), dann wurde es auch von der UIAA als konform getestet.

Die UIAA-Norm ist jedoch im Gegensatz zur Europäischen Norm nicht verpflichtend, daher sind auch nicht alle Produkte am Markt nach UIAA-Norm getestet. Beide Normen dienen jedoch dazu den Verbraucher vor gefährlicher oder mangelhafter Ware zu schützen. Billig = unsicher stimmt hier also zum Glück schon einmal nicht.

Gerade bei einem Klettergurt ist es wichtig, dass er gut sitzt. Wenn da schon bei der ersten Route was zwickt und klemmt, macht die ganze Klettersession keinen Spaß. Hier bin ich jedoch der Meinung, dass bequem oder unbequem keine Preisfrage ist, sondern vielmehr vom eigenen Körperbau und den persönlichen Bedürfnissen abhängt. Da heißt es im Zweifelsfall einfach mal anprobieren. Billig = zwangsläufig saumäßig unbequem, entspricht also auch nicht unbedingt der Wahrheit. Komfort kann aber noch was anderes bedeuten: Nämlich welche Extras bringt der Gurt mit und wie einfach lässt er sich anziehen oder einstellen?

Auch hier muss man sich die Frage nach den persönlichen Bedürfnissen stellen. Wer beispielsweise überwiegend in die Halle zum Sportklettern geht, braucht in der Regel keinen vollverstellbaren Gurt. Auch super viele Materialschlaufen oder Ösen für Eisschrauben sind da eher unwichtig. Viel wichtiger ist es da schon, dass man den Gurt einfach anziehen kann, dass die Schallen gut laufen und intuitiv zu handhaben sind. Doch all das ist zum Glück auch nicht zwangsläufig eine Frage des Preises. Der Aussage „billig = super unkomfortabel“ sei daher ein deutliches Fragezeichen hinzugefügt.

Bei der Kletterausrüstung geht das Gewicht einzelner Ausrüstungsgegenstände teils weit auseinander. Und klar ist dabei auch, was weniger wiegt, aber dennoch das Gleiche kann wie sein schwerer Kollege, ist gerne auch mal deutlich teurer. Schauen wir uns das Beispiel vom Anfang nochmals näher an. Es gibt Expresssets, die wiegen lediglich einen Bruchteil von Standardexpresssets. Da kann es dann schon einmal sein, dass die aktuell leichtesten Expressen am Markt nur gut die Hälfte von „normalen“ Expresssets wiegen.

Je nach Ausführung stehen sich da Werte von rund 65 Gramm bis ca. 125 Gramm gegenüber. Dazwischen gibt es praktisch alles zu unterschiedlichsten Preisen. Fragt man da nach dem Warum, sieht man recht schnell, ein besonderes Karabinerdesign und ein Band aus leichtem Dyneema ermöglichen den Leichtbau. Das sich das auf den Preis niederschlägt, ist da nur wenig verwunderlich. Dennoch sollte man sich auch hier fragen, wofür man den jeweiligen Ausrüstungsgegenstand hauptsächlich einsetzen wird.

Geschieht dies beispielsweise beim Alpinklettern oder in Bigwalls, lohnt es sich deutlicher auf das Gewicht zu schauen. Auch wer sich in den oberen Schwierigkeitsgraden zu Hause fühlt, hat da sicherlich besondere Ansprüche. Gerade aber für Einsteiger oder Genusskletterer, die sich überwiegend im heimischen Klettergarten bewegen, ist es sinnvoll, zwischen Preis und Gewicht abzuwägen.

Rucksäcke sind beim Bergsport quasi omnipräsent. Kein Wunder, man kann in sie Dinge hineinpacken, sie lassen sich deutlich angenehmer tragen als beispielsweise Omas alter Jutebeutel und man kann so herrlich ewig darin herumsuchen ohne den gewünschten Gegenstand zu finden. Aber mal Spaß bei Seite: Vom Radfahren bis hin zu Trekkingtouren es gibt fast keinen Bereich für den es nicht auch einen speziellen Rucksack gibt.

Kein Wunder also, dass die einzelnen Modelle mitunter stark unterschiedlich aussehen. Eines haben sie jedoch alle gemein: Sie müssen ordentlich was aushalten. Dennoch sind es auch in diesem Bereich eher das Gewicht, die Beschaffenheit des Tragegestells oder die allgemeine Ausstattung und Größe, die sich in erster Linie auf den Preis niederschlagen. Dass dies nicht zwingend zulasten der Robustheit oder Langlebigkeit gehen muss zeigen zahlreiche Modelle am Markt.

Mit kleinem Budget viel erreichen, so kanns was werden

Schön und gut, dass Preis und Leistung nicht unmittelbar miteinander zusammenhängen müssen, haben wir nun gesehen. Was aber kann man tun, wenn man mit einem vergleichsweise kleinen Budget eine möglichst vielseitige Ausrüstung zusammenstellen möchte?

Für nahezu jeden Einsatzbereich gibt es spezielle Ausrüstungsgegenstände und das macht auch Sinn. Dennoch fallen mir immer wieder Personen auf, die diesbezüglich zum Overdressen neigen. Da gibt es Leute, die um drei Bücher an die Uni zu tragen einen krassen Ultraleichtrucksack dabei haben. Oder andere, die auf eine Tageswanderung bei stabilstem Sommerwetter eine 3-Lagen-Gore-Jacke mitschleppen. Oder nochmals andere, die sich für den Biergartenbesuch eine polarisierte Gletscherbrille zugelegt haben. Oder, oder, oder. Das Paradoxe ist dabei nicht, dass diese Dinge nach dem Prinzip „eh da“ verwendet werden, sondern nicht selten speziell dafür angeschafft wurden. Und das ist aus rein rationalen Gesichtspunkten großer Quatsch. Wer einen dicken Geldbeutel sein eigen nennt, wird mich jetzt sicherlich müde anlächeln und dem sei das alles auch zugestanden. Für alle, die sich jedoch frei nach Bud Spencer die Frage stellen. „Und was ist nun mit den Kohlen?“, denen seien hier ein paar praktische Tipps an die Hand gegeben.

Anspruch und Wirklichkeit

Bei jeder Neuanschaffung schwingt immer auch die Frage mit, was hätte ich gerne und wozu brauche ich das. Wofür soll der Gegenstand später einmal hauptsächlich eingesetzt werden, ist er dieser Anforderung gewachsen oder ist er der komplette Overkill? Ein Trekkingrucksack mit krassen Tragesystem ist vielleicht für den Besuch bei Tante Lisbeth einfach too much. Wenn aber jemand beispielsweise einen super schlimmen Rücken hat und ohne Rucksack mit speziellem Tragesystem kaum existieren kann, macht es Sinn auch für Tagestouren oder kleinere Ausflüge gezielter auszuwählen.

Oder wer beispielsweise bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Arbeit fährt und dazu eben einen wasserdichten Rucksack oder robuste Satteltaschen braucht, der muss sicherlich anders auswählen, als jemand, der einmal im Sommer mit dem Rad zum Picknick fährt. Daher kann es absolut hilfreich sein, einfach einmal in sich selbst hineinzuhorchen wie genau die persönlichen Bedürfnisse gelagert sind. Als Budgettipp Nummer 1 gilt daher: Anspruch und Wirklichkeit genau gegeneinander abwägen.

Nein, ich will euch nicht überreden in Sandalen über Gletscher zu wandern oder statt eines vollwertigen Campingbestecks nur eine abgesägte Gabel mitzunehmen. Ich denke da vielmehr an Dinge, die einen imaginären „nice-to-have-Aufkleber“ haben. Hierzu ein Beispiel: Klar kann es bei Hoch- oder Skitouren nützlich und angenehm sein ein Sitzkissen für Pausen dabei zu haben. Zwingend brauchen tut das aber kein Mensch, denn man kann sich beispielsweise einfach auf den Rucksack oder die umgedrehten Skier oder gleich in die Kneipe setzen.

Dinge dieser Art gibt es viele. Wer also gerade dabei ist mit begrenzten Mitteln eine neue Ausrüstung zusammenzustellen, dem sei der Budgettipp Nummer 2 ans Herz gelegt: Nur das auf die Ausrüstungsliste setzen, was auch wirklich benötigt wird. Das hat sogar noch einen praktischen Nebeneffekt. Wer nicht allerlei unnötigen Plunder herumschleppt, tut sich unterwegs im wahrsten Sinn des Wortes oft leichter, hält länger durch oder kommt schneller an. Stellt man im Lauf der Zeit dann fest, dass dies oder das zum vollkommenen Glück noch fehlt, kann man es immer noch kaufen.

Qualität

Ein kluger Mann hat mir einmal in etwa Folgendes gesagt: „Ihr habt nicht genug Geld um euch billigen Mist zu kaufen.“ Das klingt erst einmal paradox, trifft aber den Nagel durchaus auf den Kopf. Dinge die manchmal zu absoluten Schleuderpreisen angeboten werden, gerne Billigware aus Fernost, halten oft nicht besonders lange.

Gerade im Bereich Outdoor und Camping beschert uns da so mancher Discounter alljährlich eine Flut an quasi Einwegprodukten. Im regelmäßigen und auch härteren Gebrauch kommen Produkte dieser Art nicht selten an ihre Grenzen. Wer dann nach einer Saison wieder neu kaufen muss, hat nichts gewonnen und legt in der Regel drauf. Allerdings kann es sich lohnen gerade im Bereich der Bekleidung einmal den hochwertigen Gebrauchtmarkt zu checken.

Bei sicherheitsrelevanten Ausrüstungsgegenständen wie Klettergurten, Seilen oder Karabinern ist davon jedoch abzuraten, weil man in der Regel nicht weiß, was der Vorgänger damit angestellt hat. Daher lautet der Budgettipp Nummer 3: Qualitativ hochwertige Sachen kaufen, dabei aber auf den Preis achten.

„Zweckentfremden“

Für jeden Sport und dessen Unterarten gibt es spezielle Produkte. Rucksäcke, Kleidung, Schuhe oder Sonnenbrillen seien da nur einmal als Beispiel genannt. Das mag ja auch alles seinen Sinn haben, dennoch lassen sich oft auch Dinge leicht zweckentfremden oder für andere Disziplinen einsetzen, ohne dass dies zu sehr auffällt oder stört. So können beispielsweise Teleskopstöcke nicht nur im Sommer bei langen Wanderungen nützlich sein, sie lassen sich vielmehr auch im Winter auf Skitour einsetzen. Auch kann ein kleiner Radrucksack prima für Tageswanderungen hergenommen werden.

Ich persönlich habe jahrelang meinen Kletterrucksack im Winter auf Skitour mitgenommen. Ein guter Freund trägt immer seine Laufshirts beim Tourenradfahren und es soll Leute geben, die das ein und selbe Softshell sowohl bei Hochtouren, als auch zum Skaten (also Langlaufen, nicht Kartenspielen) tragen. Wer hier ein wenig kreativ ist, kann den einen oder anderen Euro sparen. Somit lautet der Budgettipp Nummer 4: Die Vielseitigkeit einzelner Ausrüstungsgegenstände zum wichtigen Auswahlkriterium machen.

Zum Geleit

Bevor man sich was Neues anschafft, kann es hilfreich sein, darüber nachzudenken, wofür man das Ding denn genau braucht. Wer nur ein vergleichsweise kleines Budget zur Verfügung hat oder für die ersten Gehversuche in einer neuen Sportart nicht gleich den halben Monatslohn hinblättern möchte, kann sich hier und da ein paar Euros sparen, ohne gleich in der Ramschsparte zu landen. Der Ausspruch „weniger ist manchmal mehr“, passt hier vielleicht ganz gut. Und wie so oft im Leben ist auch in diesem Bereich eine Entscheidung nicht für die Ewigkeit. Für den Start in einer neuen Sportart sind Kompromisslösungen bezüglich der Ausrüstung meist eine gute Sache. Wer dann nach einiger Zeit sicher ist, dass er in der Sportart auch weiterkommen möchte, stellt ganz von alleine fest, was noch fehlt, bzw. wie genau die persönlichen Bedürfnisse gelagert sind.

Wer jetzt allerdings mit einem überlegenen Grinsen denkt, „Oh Mann, heute sind aber die Schwaben mal wieder besonders schwäbisch drauf“, dem sei nur eines gesagt: Ich bin Badenserin, du Schlauberger ;-)

Der lange Weg zurück Teil 3: „Wir bringen Sie wieder zum Laufen“ 

19. Dezember 2019
Tipps und Tricks

„Das MRT zeigt uns, dass das Sprungbein durch den Sturz und den Aufprall doch ausgeprägter geprellt ist, als wir zunächst gedacht haben. Ich würde Sie bitten an ihrer Aktivität etwas zurückzuschrauben. Wir wollen die Ruhigstellung noch etwas verlängern.“ 

Wenige Minuten später:

Zwei Monate sind 61 Tage, 61 Tage sind 1464 Stunden und das noch in Minuten? Ich bin müde. Ich kann die Verletzung und ihre Folgen nicht akzeptieren. Wir haben 35 Grad im Schatten und dieser riesige, schmerzende Stiefel um meinen Fuß, macht die Situation nicht erträglicher. Es sind die zwei Prozent Hoffnung auf eine gute Nachricht, die den Weg in die Uniklinik etwas leichter machten.

Nur sie kam nicht. So sprach die eigene Schmerz- und Körperwahrnehmung auch nicht für eine positive Entwicklung. Es sind die Reaktionen von Kolleginnen und Kollegen, wenn man die Projekte für die kommenden Monate absagen muss. Es ist die Sprachlosigkeit einiger Leute, die den Zustand nicht besser macht. Ein Satz eines älteren, sehr geschätzten Regisseurs und Kollegen bleibt in meinem Kopf hängen und kommt immer wieder in die Repeat-Schleife: „Ich verstehe das nicht, du bist doch so eine gute Künstlerin, du hast doch so eine gutes Körperbewusstsein, wie kann dir denn nur so ein Unfall passieren?!“ Ich finde keine passende Antwort.

Ich brauche mehr Informationen. Ich brauche Gewissheit. Ich brauche Ruhe.

Tipp 1 – Informationen

Ich will alles wissen – alles zu meinem Fuß, alles über Fußverletzungen im Klettersport und die Nachwirkung von Stürzen im Allgemeinen. Ich empfehle euch euren behandelnden Unfallchirurg oder mitbehandelnden Hausarzt zu fragen, um an weitere Informationen zu kommen. Bei mir lief es etwas anders. In meinem Bekanntenkreis konnte ich meine Fragen und vor allem mein Leid einfacher verständlich machen. Ich telefonierte mit Leistungssportlern aus Deutschland und Österreich.

Sie waren mir eine große Stütze für meine psychische Verfassung und in der Einschätzung der Schmerzen. Auch sprach ich immer wieder mit Unfallchirurgen, die vor allem Bergunfälle in den österreichischen Alpen behandeln. Wichtig hier zu erwähnen ist, dass ich den Chirurginnen und Chirurgen die gleichen Fragen gestellt habe, wie meinem behandelnden Chirurgen vor Ort, um im Idealfall dieselben Erklärungen und Herleitungen zu bekommen und fast immer bekam. Die Antworten führten dazu, dass Gewissheit entstehen konnte. Darüber hinaus hatte das Wissen über die Verletzung, das ich stetig ausbauen konnte, einen sehr befreienden Effekt.

Tipp 2 – Humor

Ich bin überzeugt, dass Lachen und Freude in solchen angespannten Situationen die wichtigsten heilungsfördernden Mittel sind, die es gibt. Sei es Situationskomik, die Witze der besten Freund*innen, lustige Videos oder Serien, die das Leben in der Zeit leichter und entspannter machen.

Tipp 3 – Freund*innen & Familie

Nahestehende und liebe Personen aus meinem Freundeskreis und meiner Familie hatten und haben eine enorme Wichtigkeit. Wenn ich zurückdenke, sind spontane Überraschungsbesuche und Ausflüge die schönsten Momente in der Zeit der Ruhigstellung. Sei es ein kleiner Trip im Rollstuhl zur Eisdiele, ein Ausflug ins Rhein-Main Tal oder ins bergige Umland – ein wenig Höhenluft atmen.

Auch barrierefreie Konzerte kann ich nur empfehlen. Ein wenig vorsichtig wäre ich im Nachhinein bei basslastiger Musik. Der Bass verursachte bei mir sehr starke Schmerzen.

Tipp 4 – Take it slowly – das Laufenlernen

Wenn ich beobachte, wie oft Kleinkinder bei den Versuchen zu Laufen stocken, sich neu sortieren, eine Pause machen und doch immer weiter machen – so langsam verliefe, rückblickend, bestimmt ein idealer Anfang des erneuten Laufenlernens. Durch die lange Ruhigstellung und die Verlagerung des Gewichts auf die linke Körperhälfte und die Krücken, haben sich der Körper und die natürlichen Abfolgen verändert. Das erstmalige Aufsetzen des rechten Fußes ohne feste Schuhe führte zu einer kleinen Nervenachterbahn.

Die Wahrnehmung und Empfindsamkeit gegenüber der Beschaffenheit des Bodens ist sehr hoch. Seien es Wiese, Waldwege, Erhebungen, kleine Steinchen oder Bürgersteige, die mit unebenen Platten gepflastert sind. All das, bekam ich ungefiltert von der Fußsohle ins Hirn gesendet. Positiv lässt sich so das Laufenlernen mit einer kleinen Entdeckungsreise gleichsetzen. Mein Tipp für euch – betrachtet das Laufenlernen als kleine Abenteuerreise und versucht es so entspannt und bewusst wie möglich anzugehen. Forciert keine Belastungen und Abläufe, die der Fuß eventuell noch gar nicht leisten kann.

Tipp 5 – Ausgleich & Sport

Im Hochsommer mit einem großen Stiefel, der bis zu den Knien reicht, ruhig gestellt zu sein, ist keine einfache Situation. Ich habe mir einen Rollstuhl geliehen, um mir die zwei Monate so angenehm, wie möglich zu machen. Durch dieses Extra konnte ich gut einen Ausgleich schaffen. Ideal ist es, wenn der Rollstuhl auch in der eigenen Wohnung nutzbar ist, dann ist das Leid unter der mangelnden Eigenständigkeit sehr viel geringer. In der ersten Zeit nach der Verletzung ist an Sport schon aufgrund der starken Schmerzen im ganzen Körper nicht zu denken.

Nach Absprache und mit sehr gutem Bewusstsein über die eigenen Fähigkeiten des Körpers trainierte ich in der Zeit der Ruhigstellung den Oberkörper. Wenn eher wenig Zugang zu dem eigenen körperlichen Befinden besteht, würde ich die Krücken als „sportliches“ Element empfehlen. Krücken im Hochsommer mit riesigem Stiefel am Bein, Schmerzen und nur einem Fuß als Stütze, dienen auch gut als Sportprogramm. Treppensteigen ist eine kurze und effiziente Auspower-Methode mit Sixpack Garantie.

Für mich hat als ausgleichende Methode die Alexander-Technik gut funktioniert. Statt Alexander-Technik können bestimmt auch Elemente aus Yoga oder Feldenkrais unterstützend sein. Die Alexander-Technik setzt sich mit dem individuellen Aufbau des Körpers und der individuellen Nutzung des Bewegungsapparates auseinander.

Sie ist ein gutes Mittel, um falsche Spannungen und Irritationen in Bewegungsabläufen zu lösen und wieder zu einer natürlichen Laufbewegung zu kommen. Auch während der Ruhigstellung hat die Technik mir geholfen, um die Verletzung und meine neue Lebenssituation anzunehmen und einen guten Zugang zu meinem Körper zu behalten. Natürlich ist in Zeiten der Ruhigstellung keine natürliche Bewegung zu erlernen – hier half mir die bewusste Wahrnehmung der Heilungsprozesse und der Veränderungen im Körper. Durch die Einschränkung schafft der Körper andere Bewegungsmuster.

Das Studieren des eigenen Körpers und das Optimieren von Bewegungsabläufen kann leicht zu einer Wissenschaft werden. Hier ist es wichtig, erst mal nur wahrzunehmen, zu verstehen und in Ruhe zu handeln um neue, stimmige Abläufe zu erreichen.

Im Allgemeinen ist Alexander-Technik hilfreich bei:

  • Stressreaktionen des Körpers und Geistes
  • ungünstigem Gebrauch des Bewegungsapparates
  • Schmerzen und Spannungen des Bewegungsapparates
  • Nervenerkrankungen und Unruhe

Neben der Alexander-Technik kann Physiotherapie hilfreich sein und sollte verschrieben werden, um die Bewegung des Gelenks zu fördern. Am besten geht ihr zu speziellen und erfahrenen Physiotherapie Zentren für Sportlerinnen und Sportler und nehmt nicht die erste Physiotherapie Praxis in eurer Nähe.

Tipp 6 – Reden, reden, reden

Ich kann euch nur ans Herz legen mit allen Personen, die bei eurem Sturz dabei waren, auch darüber zu sprechen. Nicht um den genauen Hergang zu erläutern, sondern vor allem über die Erinnerungen, die bleiben, zu reden. Seien es die Geräusche des Aufpralls, die anderen Personen im Kopf haben und einem selbst nicht präsent sind. Das Austauschen von Erinnerungen hat nicht nur mir geholfen, sondern auch allen Beteiligten ihre Erinnerungen zu verarbeiten.

Bergfreundin Anna:

Anna ist so richtig mit dem Bergsport in Berührung gekommen, als sie vor neun Jahren zum Studieren nach München zog. Seitdem sind Berge und Kletterhallen ihr zweites Zuhause. Als Journalistin fördert sie eine ethisch korrekte Berichterstattung und bringt sich gerne in heikle Recherchen ein. Durch ihre Arbeit als Theaterregisseurin können ihre journalistischen Projekte auch auf der Bühne wiedergefunden werden. Darüber hinaus gibt sie Seminare zu Körperarbeit, Körperwahrnehmung und Stimmbildung.

Der lange Weg zurück Teil 2: Der Fuß, eine geniale Konstruktion 

19. Dezember 2019
Tipps und Tricks

Das leise Aufkommen der Füße, der fließende Übergang zum erneuten Sprung und das Lösen vom Boden lassen das Gefühl von wiederkehrender Leichtigkeit entstehen. Der Fuß ist eine geniale Konstruktion. Allein die Abläufe von Sprüngen begeistern. 

26 Knochen, 33 Gelenke, 20 Muskeln, starke Sehnen und über 100 Bänder sind die Voraussetzung reibungsloser Bewegungen und einen festen Stand auf unseren Füßen. Um kontrollierte Abläufe zu ermöglichen, versorgen sehr viele Nerven unsere Füße. Durch unsere Nerven können wir auch die kleinsten Veränderungen im und um den Fuß wahrnehmen. 

In der natürlichen Bewegung übernehmen unsere Füße das Körpergewicht und verteilen es auf drei Punkte: das Fersenbein, den inneren und äußeren Fußballen. Unser Fersenbein trägt mit der größten Knochenstärke dabei die meiste Last. Sprungbein, Fußwurzelknochen, Mittelfußknochen und Zehen sind in erster Linie für unsere Fortbewegung zuständig. 

In Bezug zum Klettersport lässt sich der Umkehrschluss ziehen. 

Die Form der Kletterschuhe bedingt eine andere Kräfteverteilung. Eine entscheidende Rolle spielen vor allem Sprungbein, Fußwurzel-, Mittelfußknochen und Zehen, um eine Route erfolgreich zu klettern. Die Kletterschuhe konzentrieren den Druck bzw. das Gewicht hauptsächlich auf die großen Zehen. Dadurch soll ermöglicht werden mit mehr Präzision zu klettern. Hier könnte von einer Umkehr der Kräfte gesprochen werden.

Nicht mehr das Fersenbein trägt das meiste Gewicht, sondern der fragile Teil des Fußes. Hinzukommen der Vorspann und die Beugung (Downturn) der Schuhe, die den Füßen und vor allem Sehnen und Bändern stark zusetzen können. 

So kann schon die Wahl der Kletterschuhe zu Einschränkungen und Verletzungen am Fuß führen. Wichtig ist hier die professionelle Beratung. Vor allem beim regelmäßigen Sportklettern sollten die Schuhe eine ideale Passform haben. Die häufigsten Verletzungen durch unzureichendes Wissen bzw. unbedachtes Nutzen der Schuhe sind zum Beispiel Quetschungen, Nagelfrakturen oder die Entwicklung eines Hallux Valgus. 

Durch die Gestaltung der Kletterschuhe sind Fußverletzungen bei einem Aufprall, schon aus geringer Höhe, sehr häufig. 

Je nach Art des Aufpralls mit den Füßen auf den Boden können verschiedene Brüche entstehen. Mögliche Frakturen sind Brüche des oberen Sprunggelenks, vor allem des Sprungbeins, Brüche in und am Sprunggelenk, schließen neben dem Sprungbein, Waden- und Schienbein mit ein. Je nach Sturzverlauf passieren auch Brüche des Fersenbeins. Die Krafteinwirkung, somit die Sturzhöhe ist neben der Art des Aufpralls mitbestimmend für die Form der Fraktur.

Das Sprungbein, der Talus ist der stabilste Knochen des Fußes mit der Besonderheit, dass durch die geringe Durchblutung der Heilungsprozess sehr langwierig sein kann. Talusfrakturen sind im Klettersport mit Aufprall sehr häufig. Ausschlaggebend ist hier das Aufkommen der Füße – sind sie angezogen oder nach vorn gestreckt, in welchem Winkel stehen sie zum Unterschenkel? Ähnliche Verletzungen des Sprungbeins treten häufig bei Motorradstürzen oder anderen Stürzen aus der Höhe auf. Eine Fersenbeinfraktur hingegen kann auch schon durch einen Sturz ins Seil mit schwungvollem Wandkontakt verursacht werden. 

In jedem Fall ziehen Brüche der Knochen auch starke Verletzungen der Bänder, Sehnen, Muskeln und Nerven mit sich. Je nach Verletzung und Schädigung des Fußes sind lange Heilungsprozesse zu erwarten. Leichtere Verletzungen heilen in der Regel in einer Zeitspanne von bis zu drei Monaten ab. Schwerere hingegen fordern von Klettersportlerinnen und -sportlern ein Höchstmaß an Geduld und Eigeninitiative, da sie bis zu zwei Jahre und mehr andauern können. 

„Allen diesen schweren Verletzungen des Sprunggelenkes und des Fußes ist gemeinsam das Behandlungsziel – eine stabile, achsengerechte Heilung zu erzielen mit guter Funktion der Gelenke und Folgeschäden mit vermehrter Abnützung, Arthrose der beteiligten Gelenke zu vermeiden. Besonders wichtig bei diesen Verletzungen ist, die mitverletzten nicht-knöchernen Strukturen wie Haut, Muskulatur und Bandapparat zu beachten und den Operationszeitpunkt gut zu wählen.“ Dr. med. Konstantin Genelin, Tirol Kliniken Innsbruck. 

In meinem Fall lag eine Fraktur des Sprungbeins vor, Abriss einen Knochenfragments und Absprengungen der Bänder. Die Verletzungen des Fußes wurden nach einiger Zeit als schwerwiegend eingeordnet. Ich schreibe den Artikel jetzt sechs Monate nach meinem Sturz aus ca. 2,3 m Höhe. Aktuell gehe ich in der Ebene und habe noch Schwellungen und Schmerzen um den Talus. Die Stelle der Fraktur heilt immer noch. Eine ständige Begleitung nach solchen Verletzungen sind Schmerzen. Je nach Stärke der Verletzung entstehen auch Schmerzen in anderen Bereichen, wie Bein, Knie und Hüfte. Eine Herleitung der Schmerzen sowie ein Verständnis für die verschiedenen Intensitäten half mir sie auszuhalten und verbesserte den Umgang mit der Situation. 

Ein einfacher Erklärungsversuch: Insgesamt verfügen unsere Knochen über Nerven, Nervenfasern, Blutgefäße, Knochenmark, verschiedene Knochenstrukturen, Knochenzellen, Fettgewebe oder blutbildendem Gewebe. Im Knochen sorgen Zellen für die Wiederherstellung.

Neues Knochenmaterial wird durch Osteoblasten gebildet. Die Osteoklasten hingegen fördern überschüssiges Gewebe ab. Beziehen wir uns wieder auf die Fußverletzung haben wir es mit einer Trabekelfraktur zu tun. Diese Knochenstruktur ist komplexer und hat eine längere Heilungsdauer. Knochentrabekel sind Knochenbälkchen, die im Inneren des Knochens eine schwammartige Struktur (Spongiosa) bilden. Entlang der Belastungslinien des Körpers verfügen unsere Knochen über das besonders flexible und leichte Knochengewebe. 

Die hohe Sensibilität des Fußes trägt nicht viel zur Schmerzlinderung bei, ermöglicht jedoch ein umfassendes und treffendes Bild über den Heilungsprozess. 

Mehrere Zweige unserer Hauptnerven laufen in unseren Füßen aus. Die Schädigung der Nerven und zusätzliche Schwellungen führten in meinem Fall dazu, dass ich meine Zehen für ca. sechs Wochen nicht mehr ansteuern konnte. Auch strahlen die Schmerzen der Nerven bis ins Knie und in die Hüfte.

Bei Schädigungen der Bändern, Sehnen und Muskeln verläuft es ähnlich. Verletzungen der Bänder sind an Blutergüssen an den Beinen erkennbar. So zeichnen sie die Bahn der verletzten Bänder nach. Dies verdeutlicht recht anschaulich, wie Verletzungen weitere Strukturen beeinträchtigen. Auch Ödeme und Hämatome beeinflussen das System des Bewegungsapparates und führen zu zusätzlichen Spannungen, die Einschränkungen und Schmerzen verstärken. 

Langwierige Heilungsprozesse mit starken Einschränkungen stellen das Leben von aktiven Sportlerinnen und Sportlern schnell und plötzlich auf den Kopf. Neben der physischen Komponente rate ich daher auch die psychische Komponente wahrzunehmen und nicht zu ignorieren. Meist gibt es die Möglichkeit und Wege trotz starker Einschränkung sportlich aktiv zu sein und sich selbst vorerst neu im Leben zu orientieren. 

Heilungsprozesse beschleunigen?! Gibt es da nicht was? 

Im nächsten Artikel gebe ich Tipps, Anregungen sowie meine Erfahrung weiter, wie ihr lange Phasen der Ruhigstellung gut überstehen, und auch den Weg des erneuten Laufenlernens, entspannt angehen könnt.

Bergfreundin Anna:

Anna ist so richtig mit dem Bergsport in Berührung gekommen, als sie vor neun Jahren zum Studieren nach München zog. Seitdem sind Berge und Kletterhallen ihr zweites Zuhause. Als Journalistin fördert sie eine ethisch korrekte Berichterstattung und bringt sich gerne in heikle Recherchen ein. Durch ihre Arbeit als Theaterregisseurin können ihre journalistischen Projekte auch auf der Bühne wiedergefunden werden. Darüber hinaus gibt sie Seminare zu Körperarbeit, Körperwahrnehmung und Stimmbildung.

Der lange Weg zurück Teil 1: Hoch hinaus oder die Kunst des Sturzes

19. Dezember 2019
Die Bergfreunde

Es sind die Sekunden kurz vor dem Aufprall, in denen Du realisierst, was passieren wird. Die Bilder bleiben in deinem Kopf und kehren immer wieder zurück. Sie sind wie eine Mahnung, die immer bleibt, die immer wieder sagt, was passieren kann und was es zu vermeiden gilt. Den Moment, in dem Du bemerkst, was passieren wird, versuchst du so stark festzuhalten, dass Du am Ende des Aufpralls noch ansprechbar bist.

Es sind die entscheidenden Sekunden.

Ich finde mich in einer perfekten Seitenlage wieder. Ich bin beeindruckt. Selbst meine Hände bilden ein Schutzschild zwischen Kopf und Boden. Schnell denke ich, schnell Hilfe holen – bevor ich das Bewusstsein verliere. Ein Satz, der klar und deutlich für sich steht: „Hol‘ einen Krankenwagen, der Fuß ist komplett kaputt“. Zehn Sekunden später liege ich alleine in einer großen Kletter- und Boulderhalle. Mein Blick folgt meiner Kletterpartnerin, die aus der Halle rennt. Ich versuche bewusst meinen Puls zu halten und beruhige mich mit dem Wissen, dass es nicht mein erster Sturz ist und ich weiß in welcher Reihenfolge die Schockreaktionen eintreten. Nur das Bewusstsein muss bleiben, sonst wird es im Krankenhaus zu lange dauern, denke ich und konzentriere mich auf meine Atmung. Die Schmerzen kommen im Hirn an und lassen mich schaudern. Ich versuche sie in den Hintergrund zu drängen.

Es ist Pfingstsamstag und wir sind zu zweit in der Halle. Eine große Halle nur zu zweit zu nutzen – hat etwas sehr Schönes und irgendwie Gruseliges zugleich. – Das Training für eine Nepal-Exkursion für Anfang 2020 haben wir gerade begonnen. In zwei Monaten soll es ins britische Klettermekka, den Peak District gehen. Der Peak District bietet schöne Gritstone-Klippen, über 2000 Routen und Routenlängen von bis zu einem Kilometer.

Eine atemberaubende Landschaft, Berge und English Tea?!

„Ich kämpfe“, sage ich so leise, dass ich es selbst kaum hören kann. Ich blicke in das entsetzte Gesicht meiner Kletterpartnerin, die soeben meine Körperfarbe als nicht mehr existent beschrieben hat. „Sogar deine Lippen haben keine Farbe mehr.“ Ich versuche zu lächeln und denke mir, es gibt keine bessere Begleitung ins Krankenhaus. Eine Pharmazeutin, die klinische Studien betreut, wird für mich sprechen, falls ich es nicht mehr kann.

Es vergehen Stunden an verschiedensten Orten der Uniklinik Bonn. Das Gefühl für Zeit und Raum sind gebunden an einen Mikrokosmos, der an diesem Pfingstsamstag keinen Boulderunfall mehr gebraucht hätte. Ein junger Mann tanzt fröhlich mit einer Krücke in der Radiologie und ich wünsche mir nichts mehr als mit ihm tauschen zu können.

Das Zögern der Ärztin und des dazu gerufenen Facharztes strengt mich unglaublich an und ich wechsele in den für mich typischen „Schweigemodus“ und lächele nur noch.

Eine Art der stillen Akzeptanz verbunden mit dem klaren Abgeben von Eigenständigkeit.

Zehn Stunden nach meinem Unfall gibt es endlich eine vorläufige Diagnose, deren Schwere und Komplexität ich erst in den darauffolgenden Wochen und Monaten verstehen werde:

Knöcherner Ausriss aus dem Sprungbein, Absprengung des Deltabandkomplexes – Bänderdreieck am Innenknöchel, teilweise gerissene Bänder des Außenknöchels, Knochenmarködeme und Hämatome.

Für eine Person, die gerne unabhängig und sehr aktiv ist, bedeuten diese Monate auch zu erfahren, wie es sich anfühlt nicht die starke Frau sein zu können und zu lernen, dass Schwäche nichts Negatives ist und vor allem positive Seiten zu bieten hat.

Dass ich jetzt für das Basislager eine Reihe über komplexe Fußverletzungen im Kletter-/ Bouldersport, Behandlungsmethoden und Heilungsprozesse sowie ein Doppelinterview mit meinem behandelnden Unfallchirurgen veröffentlichen werde, habe ich letztlich meiner Verzweiflung zu verdanken. In einem Tweet an die Bergfreunde schrieb ich:

Shoppe gerade bei @Bergfreunde_de – das nenne ich Resignationsstufe 2… #climbingaccident #Sprunggelenk #4of8weeksdone #nowalksanymore  (@Journal.ist.in)

Mit dieser Reihe möchte ich meine Erfahrungen, medizinisches Fachwissen, Tipps und heilungsfördernde Übungen während der Phase der zweimonatigen Ruhigstellung an euch weitergeben.

Hoch hinaus muss nicht immer das Erreichen eines Berggipfels bedeuten.

Bergfreundin Anna:

Anna ist so richtig mit dem Bergsport in Berührung gekommen, als sie vor neun Jahren zum Studieren nach München zog. Seitdem sind Berge und Kletterhallen ihr zweites Zuhause. Als Journalistin fördert sie eine ethisch korrekte Berichterstattung und bringt sich gerne in heikle Recherchen ein. Durch ihre Arbeit als Theaterregisseurin können ihre journalistischen Projekte auch auf der Bühne wiedergefunden werden. Darüber hinaus gibt sie Seminare zu Körperarbeit, Körperwahrnehmung und Stimmbildung.

Techno-Routen im Voralptal: „The Shield“, „The School of Rock“ und „North Face Exit“

9. Dezember 2019
Die Bergfreunde

21. August 2008, Urner Alpen. In der Nacht hatte es geregnet, in den höheren Lagen sogar geschneit. Lukas Binder und ich warteten bis mittags, bis der Fels halbwegs abgetrocknet war. Dann stiegen wir ein und zündeten den Turbo. Nur 2 Stunden und 18 Minuten später blickten wir von der Gipfelnadel des Salbits zurück auf seinen großen, berühmten Westgrat, auf die vielen Granitzacken, die wir gerade überklettert hatten. Am Abend checkten wir am Zeltplatz auf der Göscheneralp ein, zusammen mit dem Rest unseres Expedkader-Teams, mit dem wir damals unterwegs waren.

Bevor wir weiterzogen, machten wir am nächsten Tag noch einen Ausflug ins Voralptal. Ein Teil des Teams landete schließlich am Einstieg der Techno-Route „Muja Hedder“ und ich eher zufällig in einer feinen Rissspur rechts der Route. Allerdings war mein Akku ziemlich leer an diesem Tag und ich kam nicht besonders weit. Daniel Gebel, einer unserer Trainer, kletterte den Riss zu Ende und setzte einen Bolt.

Zurück ins Voralptal

Gut 20 Minuten geht man von der Voralpkurve Richtung Voralphütte, bevor man den Weg nach rechts verlässt und über Blöcke zu einem kleinen Seitental aufsteigt, an dessen Eingang ein perfekter Granitpfeiler steht. Dieser Fels, vor allem aber das traumhaft schöne Voralptal, das Basecamp auf der Göscheneralp – all das hat einen festen Platz in meinem Herzen gewonnen. Es ist nicht die große Bühne, nicht Chamonix, nicht Patagonien, nicht das Yosemite Valley, nicht der Karakorum.

Aber ich fühle mich dort ein Stück weit zuhause. Keine Ahnung, warum es sieben Jahre dauern sollte, bis wir im Sommer 2015 an unserer Route weiterarbeiteten. Vielleicht hat es einfach eine Maschine wie Lorenz Gahse gebraucht. Fast zwei Tage hämmerte, putzte, und bohrte er, bis die 40 Meter lange 2. Seillänge dieser neuen Route geschafft war. Wir hatten nur eine Mini-Bohrmaschine dabei, und deren Akku gab nicht mehr viel her. Den Stand-Bolt bohrte Lorenz im Wesentlichen von Hand, und danach war er wirklich einmal platt.

Ein schwerer Schlag

Ebenfalls im Sommer 2015 gelang Finn Koch und mir die Erstbegehung der Route „The School of Rock“ (7a+, A3+, 195 m). Sie verläuft links der „Muja Hedder“ und mündet kurz vorm Gipfel des Pfeilers in die Route „Traumschiff“. Während der Erstbegehung setzten wir nur einen einzigen Bolt.

Erst später richteten wir die Standplätze mit jeweils zwei Bolts ein. Mitte August 2016 waren wir erneut in der Wand, um der Route den letzten Schliff zu verpassen. Anschließend eröffneten wir, vom Biwakband startend, eine weitere Seillänge der neuen Route. Lorenz war zu dieser Zeit länger verreist und deshalb nicht mit dabei. Wenig später verunglückte er im Alter von 17 Jahren im Wettersteingebirge. Es war ein schwerer Schlag. Ein einschneidendes Ereignis, das unsere Welt von jetzt auf nachher veränderte.

Es folgte eine schwierige Zeit, voller Zweifel und ohne Antrieb für eigene Kletterprojekte. Im Dezember 2016 machten wir, Finn und ich, uns auf den Weg zur Eiger Nordwand. Es war an der Zeit, mich meiner Situation zu stellen, wieder Mut und Energie aufzubringen. Nicht nur zum Klettern, sondern auch, um die Verantwortung für einen jungen Kletterpartner durch eine solche Wand zu tragen (durch diese Wand, von der Lorenz immer geträumt hatte). Uns glückte ein kleiner, für mich bedeutsamer Schritt nach vorn, letztendlich auch in Richtung Voralptal, wo noch immer ein gemeinsames Projekt auf seine Vollendung wartete.

Pendelquergang am Cliff

Von 2017 bis 2018 konnte ich mit dem NRW Alpinkader eine weitere Techno-Route im Voralptal erstbegehen: „Mosquito Circus“ (A3, 6c, 285 m). Parallel dazu, Ende Juni 2018, ging es dann auch endlich beim Langzeitprojekt voran. Vor allem aber tat es gut, nach einer langen Zeit mit Knieproblemen und einer Meniskusoperation überhaupt wieder in den Bergen unterwegs sein zu können.

Diesmal war Michaela Schuster mit von der Partie, und wenn sie am Start ist, dann geht auch was voran. Wir biwakierten in der Wand, am großen Band nach der dritten Seillänge. Urs Waldispühl und Lars Hofer, Erstbegeher der „Muja Hedder“, gaben uns das Okay, weiter oben in der Wand einen zusätzlichen Standplatz bohren zu dürfen.

Von diesem kletterten wir den perfekten Riss der 6. Seillänge der „Muja Hedder“ und von dort nach links weiter, um eine Verbindung zum Ausstieg unserer Route „The School of Rock“ zu schaffen. Ein paar Züge gingen noch an natürlichen Strukturen, bis ich vor einer absolut glatten Platte stand. Zwei 8-mm-Bolts und zwei BAT-Hook-Löcher später war wieder einmal der Akku der kleinen Bohrmaschine leer. Ich legte den Cliff ins letzte Loch und Michaela lies mich daran ab, bis ich tief genug war für einen gewagten Pendelquergang zum nächsten Riss…

The Shield

Zwei Tage später erreichten wir erneut die Headwall des Pfeilers und bohrten den noch fehlenden Bolt für den Pendelquergang. Über den Ausstieg der Route „The School of Rock“, die wiederum in der letzten Seillänge vom „Traumschiff“ mündet, konnten wir unsere Routenkombination schließlich zu Ende klettern.

Wir gaben ihr den Namen „The Shield“, inspiriert von der glatten Headwall des Pfeilers, durch die unsere Linie führt. Ein großer Name für eine solche Route? Vielleicht, aber nicht in meiner Wahrnehmung, in der „The Shield“ für mehr steht als nur ein paar Meter Fels.

Das Horror-Flake

Im Sommer 2018 gab es noch einmal eine Veränderung im Bereich der zweiten Seillänge. Diese beginnt mit einem feinen Hakenriss, gefolgt von einer Platte (Bolt) und einem etwas breiteren Riss, der wiederum zu einem Risssystem links unserer Route führt. Ein paar Haken zeugen davon, dass dort früher schon geklettert wurde. Allerdings wurde der Weiterweg zum Biwakband von einer großen, beängstigend hohlen Schuppe versperrt, die irgendwie an der Wand klebte.

Jedem war klar, dass man daran nicht klettern sollte. Also zweigte Lorenz damals (2015) vor der Schuppe rechts ab, umging das Problem mit Hilfe eines Bathooks und eines 8-mm-Bolts und konnte so einen weiter rechts verlaufenden Riss erreichen. Im August 2018 wurde die Schuppe dann von einem lokalen Bergführer ins Tal geschickt. Dadurch ergab sich nicht nur ein direkterer und einfacherer Zugang zum Biwakband, es änderte sich auch die Einschätzung unserer Linienführung, die plötzlich gesucht  erschien. Letztendlich ändert das aber nichts am Charakter der Route. Es ist offensichtlich, dass sie die interessantesten Strukturen sucht, nicht den einfachsten Weg durch die Wand.

North Face Exit

Im August 2019 erschlossen Korbinian Fischer und ich schließlich noch eine Ausstiegsvariante durch die überhängende Nordwand des Turms. Sie ist schwieriger als der Originalausstieg übers „Traumschiff“ und verleiht der Route mehr Eigenständigkeit. Der „North Face Exit“ verlangt kaum zusätzliches Material, so dass man sich nicht vorher auf eine Variante festlegen muss.

Eine Frage des Stils

Wir haben uns beim Einrichten unserer Routen viele Gedanken darüber gemacht, was wir bezwecken und hinterlassen wollen. Geht es uns primär darum, eine Erstbegehung zu realisieren oder wollen wir etwas für andere schaffen? Was wollen wir Wiederholern an Mühen und Gefahren zumuten?

Ist es überhaupt sinnvoll, eine Route zu zähmen? Je länger ich über diese Fragen nachdenke, desto unsicherer werde ich. So bleibt mir nur zu hoffen, dass unserer Arbeit von Wiederholern verstanden und wertgeschätzt wird – und natürlich, dass sie immer gesund und glücklich aus dem Voralptal zurückkehren.

Routeninfos The Shield (A3-, 6c, 215 m, 7 SL)

EB: Fritz Miller, Lorenz Gahse, Michaela Schuster, Daniel Gebel 2008–2018

  • Anspruchsvolle und abwechslungsreiche moderne Technoroute mit eleganter Linienführung und bester Felsqualität. „The Shield“ verläuft in Teilen gemeinsam mit den Routen „Muja Hedder“, „The School of Rock“ und „Traumschiff“. Die Schwierigkeiten (wie auch der Gesamtanspruch) dieser Routenkombination liegen zwischen „Muja Heddder“ und „Mosquito Circus“, weshalb wir uns für den unüblichen Grad A3- entschieden haben. Für die beiden Ausstiegslängen braucht man nur noch Freiklettermaterial inkl. folgender Cams: 1 x C4 #0.4–3 sowie 1 x #6 am Beginn des breiten Risses der 6. SL. Keile, Haken usw. können am Band gelassen werden.

 Empfohlenes Material

  • 50-m-Seile
  • Microkeile
  • Rocks 1-7
  • Offsetkeile (mittlere Größen)
  • Ballnuts Gr. 2–4 (optional)
  • 1–2 x Cam C3 #00–1
  • 2–3 x Cam C4 #0.3–0.5
  • 1 x Cam C4 #1–3
  • 5 Beaks/Peckers (3 x klein, 2 x mittel)
  • 5 Knifeblades (versch. Größen)
  • 2–3 Angles (V-Profilhaken), kleine und mittlere Größen
  • 2–3 LAs (Schmiedehaken), kleine und mittlere Größen
  • 2 Drehmomenthaken, kleine und mittlere Größe
  • 2 x Camhook small (optional)
  • 1 x Hook für 8-mm-Bohrloch
  • Kantenschutz fürs Seil empfehlenswert
  • Mückenspray

Routeninfos The School of Rock (7a+, A3+, 195 m, 7 SL)

EB: Fritz Miller, Finn Koch 08/2015

Sehr anspruchsvolle Route, die schwierige und teils schlecht absicherbare Freikletterei mit extremer Technokletterei verbindet. Die Standplätze liegen allesamt an bequemen Bändern oder Absätzen und sind mit jeweils zwei Bohrhaken ausgerüstet. Gebohrte Zwischenhaken gibt es aber nicht. In der 4. Seillänge muss eine längere Passage an kleinen Beaks und Cliffs geklettert werden. Achtung, hier sind weite und gefährliche Stürze möglich!

Die dritte Seillänge kann frei geklettert werden (linke Variante, 6c). Interessanter ist aber die rechte Variante, eine stumpfe, glatte Verschneidung (A2+). Am Band nach der Verschneidung fanden wir drei Bolts vor (einer ohne Lasche), deren Herkunft sich bisher nicht klären lies. Wir vermuten, dass diese Seillänge schon früher geklettert wurde. Die fixen Schlaghaken in dieser Länge bitte nicht entfernen – man muss sie beim Abseilen clippen!

Empfohlenes Material

  • 50-m-Seile
  • Micro-Offsetkeile und Offsetkeile (mittlere Größen)
  • Ballnuts Gr. 2–4 (optional)
  • 1 x Cam C3 #00 – 1
  • 2 x Cam C4 #0.3 – 2 (kleine Größen besser Aliens)
  • 1 x Cam C4 #3
  • 1 x Cam C4 #6 (empfehlenswert für SL 6)
  • 8 Beaks/Peckers (5 x klein, 3 x mittel)
  • 5 Knifeblades (versch. Größen)
  • 2–3 Angles (V-Profilhaken), kleine und mittlere Größen
  • 2–3 LAs (Schmiedehaken), kleine und mittlere Größen
  • Hooks (2 x Talon, 1 x Cliff, 1 x Grappling Hook)
  • Drahtbürste
  • Mückenspray

Routeninfos „North Face Exit“ (A2+, 5b, 75 m, 2 SL)

EB: Fritz Miller, Korbinian Fischer 08/2019

Luftiger Techno-Ausstieg von „The Shield“ und „The School of Rock“. Die erste Seillänge ist clean, in der zweiten Seillänge haben wir drei Bolts gebohrt sowie ein BAT-Hook-Loch (8mm) vor dem ersten Bolt. Für die letzten Meter der ersten Seillänge braucht man Kletterschuhe (Reibungsplatte). Schuhwechsel bei Absatz mit kleinem Baum (siehe Topo)!

Für den „North Face Exit“ benötigt man einen BD Talon, einen Cliff für das 8-mm-Bohrloch oder einen zweiten Talon sowie einen großen Hook (z. B. BD Grappling Hook).

Routeninfos „Muja Hedder“ (A2+, 5c, 155 m + 40 m 6c)

Der Techno-Klassiker im Voralptal. Infos gibt’s hier: http://www.techno-climbing.ch/

Tipp: Sitzbrett für den Hängestand nach der 1. Seillänge mitnehmen. Außerdem sind Rivethanger (Draht) und/oder ein paar M6-Muttern empfehlenswert, für die 6-mm-Bolts ohne Laschen. Darüber hinaus stecken hier und da noch Schlaghaken, die ich nicht im Topo eingezeichnet habe. In den letzten Jahren konnte man die Route ohne Probleme mit einem deutlich kleineren Hakensortiment als dem ursprünglich empfohlen wiederholen. 10 Schlaghaken verschiedener Art und Größe sowie 3 Beaks sollten locker genügen.

Allgemeine Informationen

Zustieg: Von der Voralpkurve (1402 m, Parkplatz und Bushaltestelle) dem Weg zur Voralphütte folgen. Nach 20 min Gatter, kurz darauf Doppelkehre. 13 m nach der zweiten Kehre weglos rechts hoch in schwache Waldschneise (ca. 1565 m). Den Steinmännern folgen bis kurz vor den Einstieg der Route „Traumschiff“ am untersten Ansatz des Pfeilers. Weiter aufsteigen, zuletzt über große Blöcke und durch Spalt direkt an der Wand zu den Einstiegen. Mit Bigwall-Gepäck insgesamt ca. 1h10.

Abseilen: Bis zum Biwakband seilt man am besten über „School of Rock“ ab, wie im Topo eingezeichnet. Alle Abseilstellen sind eingerichtet. Vom Gipfel des Turms einmal kurz abseilen (ca. 15 m) zu Bolt mit Maillon und Ring (Zwischenhaken vom „Traumschiff“). In der Verschneidung oberhalb des Biwakbandes Zwischensicherungen clippen, sonst hängt man in der Luft!

Topo der Routen (Fritz Miller): Topo The Shield und The School of Rock klein

Wasser: Am besten mitbringen, denn der Bach im Voralptal ist nicht immer klar. Weiter oben gibt’s kein Wasser mehr.

Taktik/Biwak: Nur schnelle Seilschaften können diese Routen als Tagestour klettern. Die meisten Teams werden Tal bis Tal eineinhalb oder zwei Tage brauchen. Entweder am ersten Tag die ersten Seillängen fixieren und im Tal übernachten oder am großen Band biwakieren. Dort ist Platz für bis zu 6 Personen. Das Gepäck kann mit einem „Haul“ aufgezogen werden (50 m). Thema „Klo“: Das Biwakband und auch der Einstiegs-Bereich darunter dürfen nicht beschmutzt werden! Man verrichtet sein Geschäft am besten in eine Plastiktüte, packt alles in eine weitere Plastiktüte, stopft das dann in eine leere Travellunch-Packung und verschließt diese (ggf. mit Tape). Diese Bombe dann im Tal verantwortungsvoll entsorgen. Für den Transport empfiehlt sich ein kleines Kunststoff-Fass mit Schraubdeckel.

Direct Alpine – technische Bergsteigerbekleidung aus Tschechien

27. November 2019
Ausrüstung

Eigentlich erinnert die Gründungsgeschichte von Direct Alpine ein wenig an die der Bergfreunde: Zwei junge Gründer, die eigentlich nichts lieber wollten, als den ganzen Tag am Fels verbringen, beginnen sich für die Ausrüstung und Bekleidung, die für ihr liebstes Hobby nötig ist,  zu beschäftigen. Die zwei kletter-begeisterten besten Freunde Radek Novacek und Jirka Silka gründen im Jahr 1997 eine kleine Handelsfirma in Liberec, Tschechien und beginnen so die Geschichte der heute erfolgreichen Outdoor-Marke Direct Alpine.

Die Firma hat nach wie vor ihren Sitz in Liberec und produziert in momentan 13 Werkstätten in Tschechien die Mehrheit ihrer Modelle. Auch wenn Direct Alpine teilweise noch als echter Geheimtipp gilt, ist die Marke bereits ein kleiner Hoffnungsträger in der tschechischen Textilindustrie. Denn die hatte schon rosigere Zeiten. Vor fast hundert Jahren galt Tschechien als die Textilhochburg schlechthin. Damals schossen große Webereien und Stickereien förmlich aus dem Boden.

Das Land war bekannt für ihre Textilindustrie und viele Menschen fanden Jobs in der Produktion oder im Handel von Kleidung. Doch wie wir wissen, kommt nach einem Berg auch schnell wieder das Tal. So schrumpfte nach dem zweiten Weltkrieg die tschechische Textilbranche immer mehr und umfasste Ende der Achtziger Jahre gerade mal noch 250.000 Beschäftigte.

Das klingt als gäbe ich in den nächsten Zeilen einen ausführlichen Geschichtsunterricht zur wirtschaftlichen Lage in Tschechien. Sicherlich auch ein spannendes Thema, aber wir wollen uns ja mit der Marke Direct Alpine beschäftigen.

Funktionalität & Qualität  – Ganz ohne Schnickschnack

Direct Alpine ist in erster Linie eine Marke, die hoch funktionale Outdoorkleidung für Bergsteiger herstellt. Die Bekleidung soll beim direkten Weg zum Gipfel, so das Motto, unterstützen und vor Wind und Wetter schützen. Mitgründer Radek Novácek ist nach wie vor Designer der Produkte und weiß „was es heißt, bei schlechtem Wetter zu wandern“. Das Sortiment für Männer und Frauen ist überschaubar. Jedes Teil wird daher ausführlich  im Labor und vom Direct Alpine Test Team, bestehend aus erfahrenen Bergsteigern, getestet. Dabei werden  unter anderem Atmungsaktivität, Wasserdichtigkeit, Windbeständigkeit und Abriebfestigkeit geprüft.

Die meisten Hosen und Jacken im Sortiment haben eine körperbetonte Passform. Die Marke setzt auf hochwertige, innovative Materialien, wie Cordura, Innenfutter aus atmungsaktivem Coolmax, Dermizax und Gelanots. Letzteres ist in der Branche noch sehr unbekannt und wird nur von wenigen Marken eingesetzt. Das Material wird beispielsweise für die Oberschutzjacke GUIDE von Direct Alpine verwendet. Es ist undurchlässig für Wasser in Tropfenform, allerdings durchlässig für Wasserdampf. Der Stoff besticht besonders in Sachen Atmungsaktivität.

Durch die hydrophile Struktur des Gelanots wird die entstehende Feuchtigkeit unter der Jacke angezogen und an die Außenseite geleitet. Je größer der Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenseite also ist, desto besser funktioniert dieser natürliche Prozess. Wenn es auf Ski-, Trekking- oder Klettertouren mal schweißtreibender wird, sollte die GUIDE ein guter Begleiter sein. Laut eigener Angabe der Marke, ist die GUIDE zu dem leichter als klassische Hardshelljacken. In unabhängigen Tests, wie vom Outdoor Magazin schneidet die Jacke sehr gut ab. Auch andere Produkte schneiden in den Tests gut bis sehr gut ab. So hat beispielsweise die FORAKER Wärmejacke, den Outdoor Editor´s Choice Award 2016 gewonnen.

Sowohl der Designprozess als auch die Produktion finden zu (fast) 100 Prozent in Tschechien statt. Dreizehn Werkstätten im ganzen Land arbeiten eng mit dem Design- und Entwicklungsteam zusammen. Die enge Zusammenarbeit und strenge Kontrolle kommt der Qualität der Produkte zugute.

Rund um punktet das „Made in Europe“-Label mit Transparenz und familiärer Unternehmenskultur. Gemäß dem Motto der Marke, wird auch beim Design auf unnötigen Schnickschnack verzichtet. Funktionalität, klare Linien, körperbetonte Passform und hochwertige Materialien stehen im Vordergrund, um nicht vom eigentlichen Ziel abzulenken: Den Berg zu besteigen.

Made in Europe – Aber wie steht´s um die Nachhaltigkeit?

Wer gerne in der Natur unterwegs ist, sollte natürlich auch respektvoll mit ihr umgehen. Und das beginnt nicht erst bei der Vesper auf dem Gipfel, wenn man die Müsliriegelverpackung wieder mit nach unten nimmt, sondern bereits beim Kauf der Ausrüstung. Vor allem durch Technologien, die Outdoorklamotten warm, wetterfest und wasserdicht machen, werden oft Chemikalien und Kunststoffe verwendet, die der Umwelt schaden. Allerdings ist die Outdoorbranche, womöglich gerade wegen der Liebe der Outdoor-Enthusiasten zur Natur, immer mehr dessen Auswirkung auf die Umwelt bewusst. Große Marken wie Vaude oder Patagonia machen Nachhaltigkeit zu einer der wichtigsten Prinzipien ihrer unternehmerischen Tätigkeit.

Auch Direct Alpine hat in Sachen Nachhaltigkeit einiges vorzuzeigen. Die Tatsache, dass die Marke in Europa beheimatet ist, hier produziert und auch die größten Abnehmer in Europa sitzen, erspart lange Transportwege und somit CO2-Emissionen. Einige Materialien sind bluesign® zertifiziert. Der unabhängige Gutachter verbessert und kontrolliert jede Phase der Produktion, um die Umweltbelastung der Textilindustrie zu verringern.

Seit 2016 wird bei der gesamten Kollektion auf die umweltschädliche Chemikalie PFOA verzichtet und für 2020 ist das Ziel alle PFC-Verbindungen um 60 % im Vergleich zur Kollektion W18 zu reduzieren. Auch setzt Direct Alpine immer mehr recycelte Materialien ein. So gab es zum 20-jährigen Jubiläum der Marke, die PATROL Bergsteigerhose, welche seit Firmenbeginn mit im Sortiment ist und mittlerweile als wahre Legende gilt, in der ECO Version. Das Material der PATROL ECO stammt aus einem Projekt zum Recycling alter Fischernetze und anderem Kunststoffabfall für die ökologische Produktion von Kleidung. In Sachen Langlebigkeit, Funktion und Komfort steht die „Ökoversion“ der traditionellen PATROL natürlich in nichts nach.

Abgesehen von einzelnen  Nachhaltigkeitsprojekten wie diesem, setzt Direct Alpine auch auf kleine Veränderungen, die Ressourcen sparen und die Umwelt schonen. So ist in Planung für die Kollektion W20 alle Etiketten aus recyceltem Material herzustellen, Kunststoffverpackungen um 20 % zu reduzieren und alle Baumwoll-T-Shirts aus Bio-Baumwolle herzustellen. Auch im Logistik- und Produktionsprozess will Direct Alpine bis zum nächsten Jahr die Reduzierung des Lufttransports von Materialien um 50 % reduzieren. 1 % des Sortiments wird aufgrund aufwendiger Verarbeitungsprozesse, für die in Tschechien die Infrastruktur (noch) fehlt, außerhalb der EU produziert. Dieser Anteil ist durch die Fair Wear Foundation und nach OECO-Tex 100 Standard zertifiziert.

Die Produktion innerhalb Europas spart nicht nur an CO2 Emissionen, sondern sorgt auch schon mal für Produktionsvoraussetzungen nach EU-Standards. Da die Produktion hauptsächlich in der Tschechischen Republik stattfindet, werden Arbeitsplätze geschaffen und die wirtschaftliche Lage der Textilproduktion wird verbessert und unterstützt.

Fazit

In Sachen Umweltschutz und Firmenethik geht es sicherlich immer noch ein Stück besser, fairer und ressourcenschonender. Allerdings gilt es nicht nur die absoluten Nachhaltigkeitsvorreiter für deren Aktionismus zu belohnen. Direct Alpine tut bereits einiges, um die Umwelt zu schonen. Die Marke befindet sich diesbezüglich ganz klar im soliden Mittelfeld, sie ist transparent und versteckt sich nicht hinter inhaltslosem „Green-Marketing“. Die Ziele sind klar definiert, dennoch scheint es den Gründern bewusst zu sein, dass sie (noch) kein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sind.

Das Wichtigste ist und bleibt allerdings, ob der Nutzer problemlos auf den Gipfel kommt, ohne dass Ausrüstung und Kleidung unnötig den Weg erschweren. Idealerweise sollte die Ausrüstung uns bei unserem Vorhaben vielmehr unter die Arme greifen. Beim Kauf von Direct Alpine Artikel können wir uns auf hochwertige Verarbeitung, und somit auf ein langes Leben der Produkte verlassen. Gerade für anspruchsvolle Touren in den Bergen eignen sich die Jacken und Hosen, durch die innovativen Membrantechnologien. Hier merkt man, dass die Produkte von anspruchsvollen Bergsteigern entwickelt wurden.

Auch wenn die Marke (noch) als Geheimtipp unter den Outdoor-Enthusiasten gilt, steigen der Bekanntheitsgrad und die Beliebtheit stetig. Das zeigen die sämtlichen positiven Tests und Berichte in der Welt der Outdoor-Blogs. Wenn Direct Alpine also das eigene Motto einhält, dann geht es mit mit der Marke wohl weiter direkt an die Spitze.

Die Bergfreunde beim Snow and Alpine Awareness Camp by Skylotec

25. November 2019
Die Bergfreunde

Nach einer langen Anfahrt von Tübingen aus, heißt uns das deutlich kühlere Galtür in Tirol willkommen. Wir, das sind Adrian und Kay, zwei Bergfreunde aus dem Gearhead-Team, die auf Einladung von Skylotec an einem der zahlreichen SAAC Klettersteigcamps teilnehmen.

Wir geben schnell unser Gepäck im Hotel ab und machen uns auf den Weg zum Alpinarium, dem örtlichen Erlebnismuseum. Die Gipfel rundum sind das erste Mal seit dem letzten Winter mit Schnee bedeckt. Eine kühle Erinnerung daran, dass Väterchen Frost gar nicht mehr so weit entfernt ist. Im Alpinarium werden wir von der Camp-Leitung begrüßt und schon geht es los.

Die Theorie

Die SAAC-Klettertsteigcamps sind in einen Theorie- und in einen Praxisteil gegliedert. Am ersten Tag werden theoretische Grundlagen erläutert, am zweiten Tag findet die Praxis am Klettersteig selbst statt. Wir lernen erst einmal das Offensichtliche:

“Ein Klettersteig ist ein mit Eisenleitern, Eisenstiften, Klammern (als Trittstufen) und (Stahl-)Seilen gesicherter (versicherter) Kletterweg am natürlichen oder künstlichen Fels.“

Auch die historischen Entwicklungen werden beleuchtet und wie genau sich Klettersteigen vom Wandern und Klettern unterscheidet. Als eigentlicher Sport wurde Klettersteigen in den 1970er Jahren populär und heute finden sich im gesamten Alpenraum Routen in ganz vielen verschiedenen Facetten und Schwierigkeitsgraden. Zuvor wurden Klettersteige primär als Versorgungsrouten zwischen abgelegenen Bergdörfern genutzt – heute ist es ein beliebter Freizeitsport.

Wir lernen natürlich, welche Ausrüstung für den Klettersteig wichtig ist, welche unterschiedlichen Normen es gibt, welche Empfehlungen und Neuentwicklungen. Alles in allem nicht viel Neues für uns, aber es ist ja von Vorteil, sein Wissen hin und wieder aufzufrischen. 

Da Skylotec Partner der SAAC-Camps ist, dürfen wir uns ausführlich mit dem Rider 3.0 beschäftigen. Das Rider funktioniert ähnlich wie eine Prusikschlinge und wird um das Kabel gelegt. Es läuft frei nach vorne und blockiert nur, wenn die Belastung nach unten geht. Es ist etwas schwerer als ein normaler Klettersteigkarabiner, funktioniert aber etwas einfacher und ist sicherer, da es direkt am Stahlseil blockiert und nicht bis zum nächsten Anker durchrutscht.

Denn generell ist Klettersteig zwar ein sicherer Sport, trotzdem solltet ihr nicht fallen. Geschieht dies trotzdem, stoppt euch der Bandfalldämpfer, allerdings ist dieser Stopp nicht unbedingt angenehm und er funktioniert auch nur einmal. Ähnlich wie der Airbag im Auto.

Was man außer einem Klettersteig-Set und etwas Schwindelfreiheit also sonst noch so braucht: Nun, das ist in der Regel ein bunter Mix aus Kletter- und Wanderausrüstung: Helm, Klettergurt zum Befestigen des Klettersteigsets, Schlingen und Karabiner, passendes Schuhwerk, Handschuhe, Erste-Hilfe-Set, ein Smartphone und Outdoor-Bekleidung.

Auch die Planung spielt beim Begehen eines Klettersteigs eine entscheidende Rolle. Es sollte natürlich vor der Tour das Wetter gecheckt werden. Gerade bei Nässe können Stahltritte auch mal rutschig werden und die Stahlseile funktionieren im Zweifel prima als Blitzableiter. Man sollte stets wissen, wann und wo man aus einer Route aussteigen kann. Die meisten Klettersteige bieten diese Möglichkeit. Natürlich sollte man auch mal einen Blick auf die Topo werfen, um zumindest eine ungefähre Idee der Route zu bekommen. Außerdem ist es wichtig, den Steig an das eigene Können anzupassen und vielleicht nicht gleich mit der schwersten Tour zu beginnen. https://www.bergsteigen.com/touren/klettersteig/familienklettersteig-little-ballun/

Bevor es dann endlich losgeht, sollte ein letzter Ausrüstungscheck stattfinden. Sitzt der Hüftgurt? Ist das Klettersteigset richtig eingehängt? Passt alles, kann es losgehen. Während der Tour macht es Sinn, auch immer mal wieder inne zu halten und in sich reinzufühlen, ob alles in Ordnung ist und nach möglichen Gefahren Ausschau zu halten. Ein Klettersteig kann durchaus auch einmal beschädigt sein. Wie immer am Berg gilt auch hier: Vorsicht ist besser als Nachsicht

Tag Zwei – aus Theorie wird Praxis

Tja, da ist er – der Schnee. Und das Anfang September. Fürs Klettersteiggehen nicht optimal. Ganz und gar nicht. Daher geht es für uns heute leider nicht in die Berge. Glücklicherweise bietet das Alpinarium aber einen kurzen Übungsklettersteig mit vielfältigen Passagen, die zum Üben der zuvor erlernten Techniken perfekt sind. 

Also legen wir los: Ausrüstungscheck. Haben wir alles für die Route? Ist die Ausrüstung in Schuss? Und natürlich der Partner-Check. Sicher ist sicher. Dann nochmal: Sitzt alles richtig? Doppelt hält schließlich besser. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Wir gehen in zwei Gruppen à 4 Personen mit jeweils zwei SAAC-Bergführern, die stets ein Auge auf uns haben und extrem hilfreich sind und uns ständig gute Tipps geben, wie wir die nächste Station am besten angehen. Super!

Wie auch beim Klettern ist es wichtig, das Hindernis genau zu analysieren und zu schauen, wie man es am besten bewältigt, statt einfach mit roher Kraft heranzugehen. Mach Pause, wenn nötig, lass dabei ausreichend Platz für den Vordermann oder die Vorderfrau, falls er oder sie ein Stück zurück klettern muss und am allerwichtigsten: Hab Spaß!

Unterm Strich…

Man muss es so sagen: Klettersteiggehen ist nicht so sicher, wie man gemeinhin denkt. Es ist kein “Klettern-Light” sondern eine eigene Sportart mit eigenen Techniken, spezieller Ausrüstung und Routen. Deshalb sollte man definitiv nicht blind an den ersten Klettersteig herangehen, sondern im Vorfeld alle wichtigen Parameter im Blick haben. Vor allem sollte man sich eine Route aussuchen, der man gewachsen ist. 

Wer sich noch unsicher ist, dem können wir an dieser Stelle eines der SAAC-Camps von Skylotec empfehlen. Obwohl es für Kay und mich nicht der erste Klettersteig war, haben wir dennoch einige neue Impulse bekommen und es kann ja auch nicht Schaden, das Wissen mal wieder aufzufrischen und auf den neuesten Stand zu bringen.

Rückruf: Kletterhelm Mulaz von La Sportiva

14. November 2019
Rückruf Archiv

Der Kletterhelm Mulaz von La Sportiva wird zurückgerufen! Grund dafür ist, dass der Helm einen Penetrationstest nach Punkt 4.2.2 der Norm EN 12492 nicht bestanden hat, so dass seine Schutzfunktion nicht zu 100 % garantiert werden kann.

Was Du nun tun solltest, falls dieser Artikel in Deinem Besitz ist, erfährst Du hier…

Wie weiß ich, ob mein Helm betroffen ist?

Alle betroffenen Kunden wurden von uns bereits angeschrieben. Hast Du keine E-Mail erhalten? Schau in Deinem Spam-Ordner nach. Falls Du den Helm bei uns gekauft hast und keine Mail bekommen hast, dann hast Du den Helm vermutlich vor dem 01.08.2017 gekauft und Dein Helm ist NICHT von dem Rückruf betroffen. Im Zweifel kontaktiere uns unter recall@bergfreunde.de.

Hast du Deinen Helm nicht bei uns gekauft? Wende Dich bitte an den Händler, bei dem Du ihn gekauft hast.

Was muss ich tun, wenn ich einen betroffenen Helm besitze?

Schneide die Kinnriemen des Helmes ab:

Schicke uns ein Foto der abgeschnittenen Kinnriemen und der „Individual Number“ an die recall@bergfreunde.de und Du bekommst den Kaufpreis von uns erstattet. Du musst deinen Helm NICHT einschicken nur unbrauchbar machen.

Sollte bei Deinem Helm der Aufkleber mit der Nummer fehlen, ist das nicht weiter schlimm. In diesem Fall reicht auch das Bild der abgeschnittenen Kinnriemen.

Van-Ausbau – An was man denken sollte und was ich gerne vorher gewusst hätte

31. Oktober 2019
Tipps und Tricks

Von absolut spärlich bis luxuriös, die Ausbauten eines Vans, in meinem Fall eines Caddys, sind so vielseitig wie auch ihre Benutzer. Und genau diese Vielseitigkeit ist es, was die Camper daran reizt. Hier gibt es nichts von der Stange und all seine Vorstellungen und Wünsche kann man in die Tat umsetzen. So muss man sich mit nichts arrangieren und bekommt die perfekte Einrichtung für sein Auto. So weit der Plan, doch Wunsch und Realität sind meistens zwei Paar Schuhe. Das musste auch ich feststellen, als ich mit der Planung für den Ausbau meines Caddys angefangen habe.

Aber von vorne. Dass ich irgendwann ein größeres Auto fahren wollte, stand irgendwie schon immer fest. Denn ich habe gerne immer alles dabei. Von Fahrrad bis Kletterzeug, Skiausrüstung“ und Schlafsack sollte alles Platz haben. Man weiß ja schließlich nie, was der Tag so bringt. Im Hinterkopf hatte ich ebenfalls, dass ich gerne die Möglichkeit hätte, in meinem Auto zu schlafen. Und das nicht zusammengekauert auf der Rückbank, sondern in einem richtigen Bett.

Die richtige Autowahl – Kosten-Nutzen Analyse

Der Anfang dieses Projekts und eigentlich auch die wichtigste Komponente ist das passende Auto zu finden. Und das ist gar nicht so leicht. Hierbei sollte man genau durchdenken, was das Auto alles haben soll und für was man es benutzen möchte. Das Budget spielt natürlich auch eine Rolle. Klar, gibt es fertig ausgebaute Busse mit allem Schnickschnack, aber genau das wollen wir ja eben nicht. Wenn jemand viel verreist und den Camper quasi als zweites Zuhause sieht, der ist mit einem größeren Auto sicher gut beraten. Da ich aber nicht ständig beim Campen bin und auch ein unkompliziertes Auto für den Alltag gesucht habe, ist die Größe eines Caddys optimal. Der ist nicht ganz so teuer und reicht für meine Bedürfnisse. Um auch flink beim Einparken zu sein, wählte ich die Variante mit kurzem Radstand. Dass das später zu einer komplizierteren Planung führen sollte, wusste ich da noch nicht. Trotzdem hat sich die Größe des Autos bewährt, da es zum Einen ideal für den täglichen Gebrauch ist und zum Anderen auch super unauffällig beim Campen ist.

Achtung beim TÜV – Gewicht, Sicherheit und Co.

Von vorne herein muss klar sein, ob man das Auto zu einem dauerhaften Camping-Van umbauen möchte oder ob man den Ausbau flexibel gestalten will. Also bei Bedarf reinbauen und wenn man gerade nicht wegfährt und das Auto im Alltag nutzen möchte, wieder rausbauen. Denn wer sein Auto dauerhaft umbaut, muss sich mit den jeweiligen Vorschriften des TÜV vertraut machen. Da kommen dann Dinge wie maximale Zuladung, die nicht überschritten werden darf, oder die Sicherheit der Insassen auf den Heimwerker zu. Wer sich dafür entscheidet, ein dauerhaftes Bettgestell im Auto unterzubringen, muss sich vielleicht mit mehr Vorschriften rumschlagen, kann sich dafür aber auch eine komfortablere Variante gönnen. Da ich meinen Caddy auch ohne Ausbau noch nutzen wollte, mussten wir penibel auf das Gewicht des Gestells achten. Denn wenn man das Bett wieder rausheben möchte, spielen vier bis fünf Kilo dann doch eine große Rolle.

Die Länge spielt doch eine Rolle

Somit sind die Grundlagen geklärt. Leicht und flexibel soll es sein. Fein wäre es, wenn ich das Gestell auch noch umklappen könnte. Der Nachteil des Caddys mit kurzem Radstand ist nämlich die fehlende Länge. Da man ja doch mindestens 1,90 Meter Länge für ein bequemes Bett braucht, wird es recht eng. An sich kein Problem, man fährt einfach die Fahrersessel nach vorne, kurbelt die Lehne nach vorne und klappt sein Bett aus. Das bedarf aber einer augeklügelten Klapptechnik und einem exakten Ausmessen. Schon wird die Planung etwas komplizierter. Da wir die Rückbank als Stütze für das Bett im Auto lassen wollten, mussten wir darauf achten, dass sich das Bett so zusammenklappen lässt, dass es perfekt in den Kofferraum passt. So kann man nämlich auch die Rückbank noch ungehindert nutzen und transportiert das Bettgestell ganz unauffällig. Dank der Rückbank war es auch möglich viel Gewicht einzusparen, da die Stützen wegfielen. Dass das auf Kosten des Stauraums geht, war mir da auch noch nicht bewusst.

Wir wählten dünne Holzplatten als „Lattenrost“. Nutzt man den Camper sehr oft, dann kann man durchaus in einen Lattenrost investieren. Da wir nur sporadisch damit verreisen, sollte es auch eine leichte Multiplex-Platte tun. Bei allen Arbeitsschritten war ja immer das Gewicht im Hinterkopf. Das einzig Schwere am Gestell sind tatsächlich die Stützen im Kofferraum und die Verstärkung der Holzplatten, wo sie nicht auf der umgeklappten Rückbank aufliegen. Damit das Bett klappbar ist, teilten wir die Holzplatte in drei Teile, die mit recycelten Schrankscharnieren verbunden wurden. Problem war nun, dass die Platten jetzt zwar auf der Rückbank auflagen, aber noch darüber hinaus Richtung Fahrerhaus reichten. Dadurch wurde das ganze Bett schief und instabil. Ich hätte gerne vorher gewusst, dass die Platte doch soweit darüber hinaus geht, dass es zusätzliche Stützen zwischen Rückbank und den vorderen Sesseln braucht. Wir tüftelten eine herausnehmbare, dünne Holzbank zusammen, die den Raum überbrückt. Die Stabilität ist damit zwar wieder ideal, jedoch haben wir uns damit einen Teil des Stauraums verbaut und ein extra Teil, bei dem ich nicht weiß wohin, wenn das Bett zurückgeklappt ist.

Jungfernfahrt und erste Korrekturen

Der Bau des Bettgestell kostete alles in allem nur einen Tag und stürzte mich auch nicht in ein finanzielles Desaster. Wer wirklich nur ein paar Tage im Caddy schläft, muss da auch nicht so viel investieren. Da wir sonst im Zelt nächtigten, dachten wir, die Isomatten würden auch super in den Caddy passen. Falsch gedacht! Da meine Matte viel zu breit war, schob sich die andere Matte an der Seite hoch. Komfort geht definitiv anders und wie schaut das überhaupt aus? Ich bin ein Fan von klaren Linien und Ordnung. Das Durcheinander mit den Matten machte mich sofort wahnsinnig. Parken, Bett umklappen, Matte ausblasen, Schlafen, Matte kleinmachen, Bett umklappen, weiter fahren. Das war ziemlich viel Aufwand. Zwischenzeitlich stapelten wir die Matten, ohne sie auszulassen, was nur zu noch mehr Chaos führte. Fazit war, dass man mit zwei Isomatten im Caddy nicht glücklich wird. Wer dazu noch Probleme mit dem Rücken hat, der sollte in eine angepasste Matratze investieren. Seitdem ich diese Matratze habe, schläft man nicht nur besser, sondern hat auch mehr Ordnung, denn sie lässt sich wie das Bettgestell ebenfalls klappen. So fliegt nichts mehr unordentlich durch den Caddy und er sieht schön aufgeräumt aus.

Was klappert denn da?

Schon beim Einbauen hatte ich Angst, dass das Holzgestell den Innenraum des Kofferraums zerkratzen könnte. Durch die Bewegung beim Fahren aber auch beim Schlafen kann das Gestell etwas verrutschen. Damit nichts zu schaden kommt, verkleidete ich die Ecken mit Anti-Rutschstoff. Sicher gibt es hier professionellere Lösungen, jedoch wurden Kratzer bisher effektiv verhindert. Da wir anfangs auf Isomatten schliefen, überzog ich auch die komplette Liegefläche mit dem Stoff, damit die Matten nicht rutschen. Mit einer angepassten Matratze ist das aber nicht zwingend nötig. Allerdings schützt der Stoff auch das Holz und lässt das Gestell irgendwie schicker wirken. Damit der Kofferraum geschützt wird, griff ich auf einfache Teppiche zurück. Wenn man viel draußen unterwegs ist und auch mal nasse Ausrüstung hat, dann ist eine abwaschbare Kofferraumschale aus Plastik sicher die bessere Lösung.

Hast du meine Schuhe gesehen? Und wo ist eigentlich der Gaskocher?

Mein Tick mit der Ordnung zieht sich sicher durch die ganze Organisation des Caddys. Unser Bett ist auf Höhe der umgeklappten Rückbank und bietet damit nur bedingt Stauraum. Alles was wir dabei haben, müssen wir entweder unter dem Bett oder hinter den Fahrersesseln unterbringen. Wenn man gerade schläft, wird alles Übrige ins Fahrerhaus gestellt. Chaos vorprogrammiert! Beim Ausbau haben wir tatsächlich nicht bedacht, dass Kletterzeug, Klamotten, Essen und Kochausrüstung viel Platz braucht. Nur durch Glück habe ich eine Box gefunden, die exakt unter das Bett passt. Darin wird nun Essen und Kochzeug aufbewahrt. Viel Proviant bringt man da aber nicht unter, für zwei Tage reicht es trotzdem.

Damit wir den Stauraum vergrößern konnten, bauten wir den einzelnen Sessel der Rückbank kurzerhand aus. Damit das Bett nach wie vor stabil bleibt, wurde der Platz mit Ausrüstung aufgefüllt, die dann als Stütze diente. Wer die Rückbank als Stütze benutzen möchte, hat sicher einen tollen Komfort im Bett, denn man kann fast aufrecht darin sitzen. Jedoch geht viel an Stauraum darunter verloren. Da muss man sich eben überlegen was wichtiger ist. Und auch wie sich das Bett ohne Rückbank konstruieren lässt. Wer einen besonderen Wert auf Ordnung legt, baut Schubläden. Zwar gehört das eher in die Kategorie dauerhafter Ausbau, bringt aber viele Vorteile mit sich. Nicht nur eine Kochstelle lässt sich darin verbauen, sondern der ganze Krimskrams wird ordentlich verstaut. Anbieter wie Reimo oder VanEssa bieten mittlerweile Ausbauten mit oder ohne Schubläden an, die man nicht fest in das Auto bauen muss. Das ist zwar dann nicht Marke Eigenbau, sicher aber eine Alternative, die man in Betracht ziehen kann.

Ein bisschen Romantik bitte

Roadtrip, Lagerfeuer, Sternenhimmel. Und dann gemütlich ins Auto verziehen und schlafen. Romantik pur! Doch vor allem auch eines: dunkel und kalt. Klar hat man Stirnlampen, aber wirklich praktisch sind die da nicht. Gleich am Anfang fiel die mangelnde Beleuchtung auf. Die integrierten Leuchten im Auto brennen ja nur, wenn man das Auto aufsperrt oder die Tür offen lässt. Und dann auch nicht ewig. Außerdem will man doch ein wenig Gemütlichkeit haben. Da im Auto weder Strom, Gas noch sonstiges vorhanden ist, wo man was anstecken könnte, mussten wir selbst was bauen. Was auch sonst? Im Zeitalter von Smartphones und Co. hat man seine Powerbank auf Campingtrips meistens dabei. Also bastelten wir eine LED-Leuchte mit USB-Anschluss. Dass die Leuchte in Herzform sein musste, hat natürlich keine praktischen Zwecke, nur romantische.

War da noch was? Ach ja, die Kälte! Da mein Auto ja kein geborener Camper ist, ist es dementsprechend auch nicht isoliert. Da es ein „normales“ Auto bleiben soll, wurde es auch nicht nachträglich isoliert. Also liegt man da so im Bett und denkt sich, dass es irgendwie verdammt schnell kalt wird. Und der Mond prallt einem auch ins Gesicht. Wer wie ich, durch solche Kleinigkeiten um den Schlaf gebracht wird, handelt schnell. Entweder man näht sich Vorhänge, oder man greift zu bewährten Thermomatten. Zwar sehen Vorhänge hübsch aus, aber ich möchte ja nichts dauerhaftes im Auto haben. Die Thermomatten hingegen lassen sich mit Saugnäpfen an den Fenstern befestigen, isolieren deutlich und dunkeln perfekt ab. Das einzig störende daran ist, dass man diese Matten nun auch irgendwo unterbringen muss.

Dauerbaustelle Camper-Caddy

Wer selbst einen Van ausgebaut hat, weiß, dass es irgendwie nie perfekt ist. Immer gibt es was auszubessern oder umzuorganisieren. Das hätte mir vorher klar sein können. Die erste Version des Ausbaus wird mit vielen kleinen Mängel daherkommen, die erst nach und nach deutlich werden. Wer noch vor diesem Projekt steht, sollte sich auf jeden Fall genug Zeit nehmen, um sich klar zu werden, was man möchte und wie oder ob das umzusetzen ist. Den perfekten Einklang aus Ordnung, Funktionalität und Komfort zu finden kann mitunter Jahre dauern. Jahre in denen man mit seinem Van von einem Abenteuer ins nächste fährt und immer mehr an Erfahrung gewinnt. Denn obwohl ein Auto nur ein Ding ist, wird es mit einem Umbau zu einer zweiten Heimat und zum Rückzugsort aus dem Alltag. Und das fängt bei der Planung schon an.

Solobegehung der Technoroute „Mosquito Circus“ (A3, 6c, 285 m), 8. – 9. August 2019 + Update Topo und Routeninfos

31. Oktober 2019
Die Bergfreunde

Im Frühjahr 2019 hatte ich einen kleinen Crash beim Bergsteigen – einen Sturz ins Seil aufgrund eines Schneebrettabgangs. Nach mehrmonatiger Verletzungspause tastete ich mich im August wieder ans Klettern heran. Dieser Bericht handelt von meiner ersten größeren Tour.

Allein unterwegs

Der Wetterbericht verspricht zwei gute Tage, eingebettet in labiles Wetter. Wieder einmal mache ich mich auf den Weg ins Voralptal. Mein Ziel: eine Solobegehung der Technoroute „Mosquito Circus“. Für mich ist es gut, allein unterwegs zu sein. So kann ich viele Pausen machen und einfach abbrechen, wenn ich beim Klettern Probleme bekomme. Zunächst aber muss ich 35 kg Material, Wasser und Verpflegung über steiles, wegloses Gelände zum Einstieg wuchten.

Vor über 15 Jahren habe ich ein Solo-Sicherungssystem ausgetüftelt, um mich bei Alleingängen sichern zu können. Nach meiner Solobegehung des „Weg durch den Fisch“ im Sommer 2007 habe ich es aber praktisch nicht mehr angerührt. Jetzt habe ich es wieder angelegt und starte in die Wand – ganz vorsichtig natürlich, denn zum einen traue ich dem Sicherungssystem nicht mehr so recht und zum anderen weiß ich nicht, wie gut ein Sturz meinem beschädigten Knie bekommen würde.

Drei Seillängen muss ich heute schaffen. Die erste führt über eine große Platte, ist 45 m lang und mit 6c, A2+ bewertet. Die nächsten beiden sind etwas leichter und kürzer. Es ist schon dämmrig, als ich endlich alles Zeug am Biwakplatz habe. Im Licht der Stirnlampe sortiere ich meine Ausrüstung für den nächsten Tag und verkrieche mich dann müde im Schlafsack.

Zurück in der Vertikalen

Vor der vierten Seillänge hatte ich etwas Angst. Sie ist knapp 40 Meter lang, startet am großen Band, wo ich biwakiert habe, und folgt einer Rissspur in einer offenen Verschneidung. Zunächst kann man noch ein paar Cams legen, dann muss man sich hochnageln. Man braucht dafür dünne Hartstahlhaken („Knifeblades“) und eine Handvoll „Beaks“ mittlerer Größe. „Beaks“ sind spezielle Haken für feine Risse. Ihre Spitze erinnert an einen Vogelschnabel, daher der Name. Der entscheidende Punkt ist aber, dass sie aufgrund ihrer Geometrie besser halten als normale Haken. Dummerweise hatte ich aber nur noch einen zu Hause. Die Horrorvorstellung ist, dass irgendwo ein Fixpunkt ausbricht und die immer größer werdende Wucht des Sturzes alle darunterliegenden Sicherungen aus der Wand reißt, bis ich schließlich auf dem Band aufschlage.

Ein unkalkulierbares Risiko? Ich denke nein – sofern es mir gelingt, mein Material so einzusetzen, dass ich immer wieder die richtige Antwort finde auf die kleinen Rätsel, die mir der Fels stellt. Es ist der entscheidende Teil des Spiels: erkennen, welche Sicherung sich wie und wo platzieren lässt, und dann, mit etwas handwerklichem Geschick, einen neuen Fixpunkt schaffen – und sich so einen weiteren Meter erarbeiten. Ganz unabhängig vom Risiko: Hat das noch viel mit Klettern zu tun? Ist es nicht ein Zeichen von Unvermögen oder zumindest Schwäche, sich mit einem derartigen Materialaufwand hochzuarbeiten? Mag sein. Aber ich bin schwach, ich bin verletzt, und doch hänge ich hier und bin glücklich.

Mosquito Circus – eine große Route

Die Sicherungstechnik beim seilgesicherten Soloklettern bringt den Vorteil mit sich, dass Seilreibung kein Thema ist. Es bietet sich deshalb an, längere Seillängen zu klettern und Stände auszulassen. Vor allem, wenn der Stand wie hier, zwischen der vierten und fünften Seillänge, etwas abseits der eigentlichen Kletterlinie liegt. Mit dem 60-m-Seil kann ich diese beiden Seillängen zusammenhängen. Allein der Vorstieg dieses Abschnitts kostet mich zweieinhalb Stunden. Jetzt muss ich wieder runter, den letzten Standplatz abbauen und bei Wiederaufstieg „cleanen“.

Irgendwann kommt die Sonne in die Wand. Ich bin erschöpft, werde immer langsamer und es fällt mir immer schwerer, mich zu konzentrieren. Aber irgendwie schaffe ich auch noch die letzte Länge. Fünf Stunden habe ich für die letzten 100 Meter der Route gebraucht. Am Ausstieg bringe ich noch ein Wandbuch an, in der Hoffnung, dass die Route ein paar Mal wiederholt werden wird. Wert ist sie es allemal: „Mosquito Circus“ ist viel mehr als eine Trainingsroute für große Wände. Man taucht schon hier voll ein in die Welt des Bigwallkletterns und erlebt die Ruhe und Einsamkeit der Berge auf eine besondere Art und Weise.

Mosquito Circus (A3, 6c, 285 m) – Routeninfos (Stand August 2019)

Erstbegangen und eingerichtet vom DAV NRW Alpinkader in neun Tagen im Sommer 2017 und 2018

Routenbeschreibung

  1. SL 45 m 6c und A2 bzw. 7a+ (linke Variante) oder 6c und A2+ (rechte Variante): Erst Freikletterei in großer Platte, dann entweder nach links zur Schuppe (einfacher) oder rechtshaltend mit 2 x Bathook zum feinen Riss (bessere Linie).
  2. SL 20 m A1 und 4: Nach rechts auf Rampe und weiter rechtshaltend zu Stand auf Podest.
  3. SL 40 m A2 und 4+: Linkshaltend bis zu großem Band (A2), dort nach rechts queren (4+).
  4. SL 40 m A3: Erst Verschneidung (viele Beaks und Knifeblades!), dann Rechtsquerung an Cam-Schuppe zum Stand. Am Ende der SL den Bogen über links klettern, nicht direkt zum Stand, wegen loser Riesenschuppe!
  5. SL 25 m A3 und 4: Links haltend in überhängende Platte mit 8-mm-Bolt und fixiertem Beak. Zuletzt einfach zum Stand.
  6. SL 45 m A2+ und 5b „Great-Roof-Pitch“: Feiner Riss in der rechten Wand – luftig. Am Ende Runout zum „Zweiten großen Band“.
  7. SL 10 m „Zweites großes Band“: Querung nach links. Stand an Cams.
  8. SL 60 m A2+ und 4+ „Chockstone-Crack“: Geschwungener Offwith-Riss. Die Klemmsteine sind locker – Umgehung rechts über Platte. Danach Pendelquergang an Bolt zu heikler Schuppe und weiter im Kamin.
  9. SL 40 m 5b und A1/2 „Nose“: Bis zum Baum heikel. Danach breiter Riss, Dachquerung nach rechts und kurze Ausstiegsverschneidung. Wandbuch am letzten Stand.

Abstieg/Abseilen

Abstieg entweder über den Gipfel des Mittleren Höhenberges (20-30 min vom Ausstieg der Route) und Salbithütte oder besser durch Abseilen:

  • SL 9 und SL 8 seilt man direkt ab (35 m, 55 m)
  • SL 7 zurückqueren zum 6. Stand („Zweites großes Band“)
  • 16 m zu Abseilstand mit Fixseil an der Dachkante des „Great Roof“
  • 20 m abseilen und sich zum Stand unterm Dach ziehen
  • 42 m zum „Ersten großen Band“
  • 20 m direkt runter zu Podest
  • 50 m zu kleinem Absatz
  • 20 m zum Wandfuß

Absicherung und Material

Die Stände sind gebohrt (jeweils zwei 10er-Bolts), abgesehen vom Cam-Stand am „Zweiten großen Band“. Außerdem stecken vereinzelt gebohrte Zwischenhaken und Schlaghaken. Inklusive Standhaken sind es im Schnitt drei Bohrhaken pro Länge. Davon wurde knapp die Hälfte während der Erstbegehung gesetzt, der Rest nachgebohrt, mit dem Gedanken, einzelne Stellen zu entschärfen und den Materialaufwand für Wiederholer in einem angemessenen Rahmen zu halten. Mit dem aufgeführten Material lässt sich

die Route weitestgehend gut absichern.

  • 60-m-Seile
  • 1 x Cam BD C3 #00
  • 2 x Cam BD C3 #0
  • 3 x Cam BD C4/X4 #0.2–0.5 (besser Aliens)
  • 2 x Cam BD C4 #0.75–4
  • 1 x Cam BD C4 #5
  • Rock 3–7 (besser Offset-Keile)
  • kleines Set Micro-Offset-Keile
  • 7 Beaks (1 x groß, 3 x mittel, 3 x klein)
  • 8 Knifeblades, verschiedene Längen und Dicken
  • 2–3 LAs, eher dünn
  • 2–3 Angles, eher dünn
  • 1 x Talon (für rechte Variante der 1. SL 2 x Talon)
  • 1 x Grappling Hook o. Ä.
  • Drahtbürste und Fugenkratzer empfehlenswert
  • Mückenspray
  • für den Zustieg feste Schuhe und dünne Lederhandschuhe

Tipps und Taktik

Am besten klettert man die Route in zwei Tagen (Tal bis Tal) mit Biwak am „Ersten großen Band“ und fixiert noch am ersten Tag die nächste(n) Seillänge(n). Ein Biwak ist aber auch am „Zweiten großen Band“ möglich. Den 3. Satz Cams #0.2–0.5 sowie die Cams #4–5 kann man bis zur „Great-Roof-Pitch“ im Haulbag lassen.

Zustieg und Einstieg

Von der Voralpkurve (1402 m, Parkplatz und Bushaltestelle) dem Weg zur Voralphütte folgen. Nach 20 min Gatter, kurz darauf Doppelkehre. 13 m nach der zweiten Kehre weglos rechts hoch in schwache Waldschneise (ca. 1565 m). Den Steinmännern folgen bis kurz vor den Einstieg der Route Traumschiff. Weiter zum Einstieg von Muja Hedder. Nun tendenziell rechts halten, an der Wand entlang (Wegspuren, vereinzelt kurze Fixseile). Nicht links im großen Couloir gehen (Steinschlaggefahr). Mit Bigwall-Gepäck insgesamt ca. 1,5 h. Einstieg auf ca. 1820 m bei kleinem Vorbau der markanten großen Platte (einzelner Bohrhaken).

Steinexkurs XXL – von interessantem Grundwissen bis zum heimischen Kletterfelsen

4. November 2019
Tipps und Tricks

Wir sammeln sie und bewundern sie, halten uns daran fest und klettern an ihnen hoch. Sogar manches Klettererherz scheint daraus zu bestehen. Gemeint sind Steine, Felsen von denen man als Kletterer aber auch Bergsteiger ständig umgeben ist. Man nimmt sie fast schon als selbstverständlich hin, als dass man sich noch sonderlich Gedanken darüber macht. Doch Mutter Natur hatte und hat immer noch eine Menge Arbeit damit, dass die Felsen heute so sind wie sie eben sind.

Und ist es da mal nicht an der Zeit, den ewigen Begleiter des Kletterers, den Felsen, etwas genauer unter die Lupe zu nehmen?  Denn wer weiß, auf welche Art von Stein man im jeweiligen Klettergebiet trifft, kann sich besser auf die Kletterei einstellen und gegebenenfalls spezielles Sicherungsmaterial mitbringen.

Ausflug in die geologische Geschichte

Dass wir heute überhaupt an Felsen klettern können, verdanken wir inneren und äußeren Dynamiken der Erde über eine lange Zeit hinweg. Die Erde ist nicht nur an der Oberfläche aktiv, sondern auch in ihrem Keller rührt sich einiges. Die unterschiedlich dicke Erdkruste schwimmt quasi als Haut auf dem äußeren Erdmantel, der aus Magma besteht.

Die Erdkruste wird in Platten unterteilt, die sich durch Konvektionsströme bewegen. Das führt dazu, dass an der einen Stelle Land versinkt und an der anderen Stelle wieder etwas neues entsteht (Entstehung der Alpen). An der Oberfläche, also wo wir leben, spielen Dynamiken wie Wetter, Wind und auch wir selbst eine Rolle. Durch diese äußeren Einflüsse werden über Jahrtausende ganze Gebirgsketten zerlegt und Sedimente ins Tal transportiert.

Eine Faustregel, die man sich merken kann, ist, je alpiner die Region ist, desto stärker ist die Erosion und je weicher das Ausgangsgestein ist, desto schneller wird es abgetragen.

Definition Gestein

Laut geologischer Definition ist ein Gestein ein natürlich vorkommendes Aggregat aus Mineralien (zum Beispiel Calzit bei Kalk), dessen Bruchstücke und Resten von Organismen. Teilweise beinhalten Gesteine auch nicht mineralische Substanzen. Daraus bilden sich die drei großen Hauptgruppen heraus, in die man Gesteine einteilt.

Sedimentgesteine

Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet Sediment Bodensatz, also Ablagerung. So sind also Sedimentgesteine durch die Verdichtung und Verfestigung von Gesteinsablagerungen entstanden. Wenn mehrere Schichten aufeinander liegen, wird der Druck erhöht, so dass Luft und Wasser aus den Gesteinen gepresst wird. Dabei verzahnt sich das Gestein ineinander. Wenn dann mineralhaltiges Wasser (beispielsweise mit Calzit) durch die Sedimente fließt entsteht ein natürlicher Zement, der die Schichten verkittet.

So wird aus dem lockeren Sediment eine feste Masse. Dabei gibt es nochmal zwei kleine Untergruppen. Klastische Sedimente (wie Sandstein) bestehen nur aus Bruchstücken anderer Gesteine, während biogene Sedimente wie viele Kalkfelsen aus den Kalkschalen kleiner Meerestiere entstanden. Sedimentgesteine sind in Deutschland weit verbreitet aber auch der Gipfel des Mount Everest besteht aus diesem Gestein.

Magmatische Gesteine

Hier ist der Name Programm. Heißes Magma steigt auf und dringt in umgebene Gesteinsschichten ein oder verdrängt diese. Entweder das Magma erstarrt noch innerhalb der Erdkruste, was man dann als Tiefengestein bezeichnet oder es erstarrt durch vulkanische Aktivität erst an der Oberfläche, was dann als Vulkanit bezeichnet wird.

Der Vorgang ist eng mit endo- und exogenen Vorgängen verbunden. Sie sind die ursprünglichsten Gesteine der Erde. Nicht nur entlang der Anden mit ihren aktiven Vulkanen sind solche Gesteine anzutreffen, auch in Mitteleuropa gibt es davon eine Vielzahl. Besonders bekannt ist hierbei Granit, der nicht nur in den Alpen tolle Wände darstellt.

Metamorphe Gesteine

Dabei können magmatische sowie Sedimentgesteine Ausgangspunkt sein. Diese werden dann unter hohem Druck und Temperatur in der Erdkruste umgewandelt und neu geformt. Somit ist diese Gesteinsart nur eine Neubildung von bereits vorhandenen Formationen, was allgemeine als Metamorphose bezeichnet wird. Dafür typisch ist die feine Schichtung oder Schieferung, die oft senkrecht zur ursprünglichen Schieferung verläuft. Als klettertauglich gilt hier der Gneis.

Ausgestattet mit diesem Grundwissen spaziert man nun zum nächsten Kletterfelsen und nimmt ihn unter die Lupe. Die Vielfalt der geologischen Prozesse ist genauso groß wie die Vielfalt der Gesteine, die uns umgeben. Jedoch gibt es einige, die sich als besonders kletterbar herausgestellt haben und teilweise auch fast vor der Haustüre stehen.

Die verschiedenen Felsarten

Sandstein – der mit der guten Reibung (Sediment)

Boulderer, die schon mal in Fontainebleau waren, erinnern sich sicher an den besonderen Felsen. Ebenso trifft man ihn in der sächsischen Schweiz und in der Pfalz. Sandstein besteht aus Ablagerungen von Quarzsand, der sich unter Druck zu Schichten verfestigt hat. Durch jahrzehntelange Erosion wurden die Steine wieder freigelegt. Die Zusammensetzung des Sandsteins hängt von seinem Ablagerungsort als auch vom Herkunftsort des Gesteins ab.

Durch den Transport in Flüssen weist Sandstein meistens eine Schrägschichtung auf. Er lockt mit guter Reibung und ungewöhnlichen Formen, wie Waben und Slopern, jedoch sollte man ihn nie bei Nässe oder mit dreckigen Schuhen klettern. Durch tonisches Bindemittel ist Sandstein besonders weich und zerbricht bei äußeren Einflüssen relativ schnell. Das erklärt auch die strengen Kletterregeln in Fontainebleau und dem Elbsandstein. Auch im Bezug auf Chalk und Sicherungsmaterial sollte man sich an die örtlichen Regeln halten, um den Felsen zu bewahren.

Konglomerat – der mit den coolen Formen (Sediment)

Unauffällig geht anders. Konglomerat fällt sofort ins Auge. Mit seinen großen Steinen schreit er förmlich danach beklettert zu werden. Man trifft ihn in der Eifel aber auch in Riglos (Spanien). Rund geschliffenen Steine wurden von Flüssen und Gletscherabflüssen zusammengetragen und riesige Ablagerungen entstanden. Diese wurden von weiteren Schichten überdeckt und über Jahrhunderte zusammengepresst.

Unter Druck und mit Hilfe chemischer Bindemittel entstand diese Formation. Dank Erosion ist der Fels heute kletterbar. Das Klettern erweist sich dort meist als sehr anstrengend, da Sloper und große Kiesel als Griffe dienen und kaum Reibung herrscht. Konglomerat wird zudem durch die glatte Oberfläche der eingeschlossenen Steine schnell speckig.

Dolomit und Kalk – die aus dem Meer (Sediment)

In unseren Breiten ist Kalk und Dolomit die häufigste Gesteinsart. In den südlichen Kalkalpen, im nördlichen Frankenjura und in den Dolomiten sind sie zu finden, aber auch in Frankreich und im Donautal. Beide bestehen aus marinen Ablagerungen. Während beim Dolomit Magnesiumcarbonat eingelagert wurde, besteht Kalk aus kristallinem Calzit.

Durch Erosion sind beide Gesteine stark strukturiert und bilden die unterschiedlichsten Griffformen, wie Löcher, Henkel und Leisten. Dolomit neigt zu einer größeren löchrigen Verwitterung und ist daher noch besser zum Klettern geeignet als Kalk. Die Kletterei ist hier vorwiegend fingerlastig und vor allem an Sintern kräftig und athletisch. Als Sicherungspunkte werden häufig die entstandenen Sanduhren verwendet.

Tuff – der für Sportkletterer (magmatisch)

Teneriffa und Gran Canaria beherbergen im Vergleich zu unseren Breiten mehr Tuffgestein. Noch bekannter unter Kletterern sind allerdings die Smith Rocks in Oregon, die die Klettergeschichte prägten. Charakteristisch für Tuff ist raues Gestein mit vielen kleinen und größeren Löchern, die sich perfekt als Tritte und Griffe eignen. Entstanden ist dieses Gestein durch vulkanische Aktivität. Vulkane spucken nicht nur Lava aus, sondern auch Gase, die die Lava in feinstes Material zerstäubt. Neben feinen Aschen können auch kleinere Gesteinsbruchstücke und größere glasige Brocken abgelagert werden.  Aus den verdichteten vulkanischen Aschen entsteht schlussendlich Tuff, der sich bestens für Sportkletterer eignet.

Basalt – der König der Säulen (magmatisch)

Basaltgestein trifft man hauptsächlich in Ettringen und in der Rhön, weltberühmt ist auch der Devil’s Tower in Wyoming. Sie ist die häufigste magmatische Gesteinsform der Welt und Unterlagerung aller Meeresböden. Durch schnelle Abkühlung an der Oberfläche fällt Basalt Feinkristallin aus und ist relativ dunkel gefärbt. Charakteristisch sind die meist hexagonalen, senkrechten Pfeilen, zwischen denen sich Risse bilden. Auch Verschneidungen sind typisch für Basalt. Einziges Manko ist, dass man die Rissstrukturen nicht optimal absichern kann, da sie meist geschlossen sind.

Granit – der aus der alpinen Welt (magmatisch)

Fährt man in den Schwarzwald, ins Harz oder ins Fichtelgebirge hat man Granit unter den Fingern. Er bildet auch die eindrucksvollsten Berggruppen der Alpen wie den Mont Blanc oder das Bergell-Massiv. Granit ist ein in der Tiefe erstarrtes Magma, dass angehoben und durch Erosion freigelegt wurde. Charakteristisch sind die mit dem bloßen Auge erkennbaren Kristalle aus Quarz, Felsspat und Glimmer. Diese sorgen auch für die sehr raue Oberfläche. Es winken zahlreiche massive Risse zum Klettern, die sich, anders als bei Basalt, bestens mobil absichern lassen.

Gneis – der Bruder vom Granit (metamorph)

Sobald man auf Granit trifft ist auch Gneis nicht weit. Im Ötztal, Zillertal aber auch im Tessin und im bayrischen Wald trifft man vermehrt auf den Bruder des Granits. Gneis ist ein metamorphes Gestein, das sich aus Granit oder auch Sandstein bilden kann. Durch hohen Druck verformte sich das Ausgangsgestein zu Gneis, der Bänderungen mit hellen und dunklen Lagen aufweist, weil sich bei der Metamorphose die hellen von den dunklen Bestandteilen trennen. Die starke Bänderung sorgt mit der Erosion dafür, dass sich viel mehr positive Griffe und Tritte bilden als beim Granit. Das geht aber auf Kosten der Reibung. Risse sind im Gneis zwar vorhanden, aber weniger ausgeprägt als im Granit. So gestaltet sich das Klettern und auch das Absichern hier als anspruchsvoller.

Quarzit – der Bruder vom Sandstein (metamorph)

In unseren Breiten ist Quarzit eher selten, dafür findet man ihn aber im Durance-Tal bei Briancon. Ähnlich wie beim Gneis geht der Quarzit aus einer Metamorphose hervor. Er entstand durch die Umwandlung von sehr quarzreichem Sandstein und ist ein helles und vor allem hartes Gestein. Zudem weist Quarzit keine Schieferung auf, ist aber im Gegensatz zum Sandstein viel stabiler und weniger anfällig für Erosion durch Kletterer. Oft wird aber auch Sandstein mit Quarzit verwechselt. Wenn dessen Poren mit Kieselsäure gefüllt und verhärtet sind, sehen sie sich zum Verwechseln ähnlich.

Dass der Steinexkurs nur einen kleinen Teil der unterschiedlichen Gesteine auf dieser Welt umfasst, versteht sich von selbst. Und was man nun mit dem gesammelten Wissen anfängt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Aber ist es nicht irgendwie cool, wenn man nicht nur die Wand hochläuft, sondern auch ein wenig Background- Informationen hat? Spätestens bei der Entscheidung wo der nächste Klettertrip hingehen soll und welches Material mit muss, ist es durchaus hilfreich zu wissen, ob man nun die gemütlichen Schlappen mitnehmen soll oder doch die aggressiven Latschen mit Downturn. Eines ist sicher, zu viel gewusst hat man wohl noch nie!

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