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Bergfreundinnen treffen Bergfreundinnen – Auf ein Wort!

5. März 2021
Die Bergfreunde

Wie steht es eigentlich um das Thema Gleichberechtigung im Bergsport? Nicht schlecht, würde man vielleicht in Anbetracht größer Women-Only-Werbekampagnen von Marken wie The North Face, adidas oder Salomon denken. Und überhaupt: Im Angesicht der Berge sind doch eh alle gleich, oder? Naja, nicht so ganz… Wie wir schon in unserem kleinen Bergfreundinnen-Portrait aus dem letzten Jahr schrieben, war Bergsport sogar bis kurz vor der Jahrtausendwende in einigen DAV-Sektionen noch eine rein männliche Angelegenheit.

Das hat sich zum Glück geändert. Ablesen kann man das z.B. am stark wachsenden Anteil an Outdoor-Produkten, die auf Bergfreundinnen zugeschnitten sind. Eine gute Entwicklung, keine Frage. Rosig ist deshalb allerdings auch noch nichts. Es gibt durchaus noch viele Marken, die „klischeebeladene“ Produkte verkaufen. Da finden sich knallig pinke Schuhe neben pastellfarbenen Kleidungsstücken. Gedecktere Farben? Sorry, nur für Jungs! Und was ist eigentlich mit Bekleidung für richtig anspruchsvolle bergsteigerische Unternehmungen? Auch hier gibt es einzelne Marken, die ihre technischen Produkte lediglich für die Herren der Schöpfung fertigen.

Grundsätzlich passiert sowas nicht aus Böswilligkeit, sondern am Ende schlicht aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Eine kleine, sehr spezialisierte Marke mit niedrigen Stückzahlen muss sich natürlich überlegen, für welche Zielgruppe sie ihre Produkte anbietet. Das gehört sicherlich auch zur Wahrheit. Drehen wir den Gedanken weiter, kommen wir aber schnell wieder beim Henne-Ei-Problem an, das sich schwer lösen lässt… oder?

Gleichberechtigung: Lasst uns drüber reden!

Das Prinzip ist nicht neu: Probleme lassen sich lösen, in dem man sie offen anspricht und darüber diskutiert. Und das wollen wir tun. Dafür haben wir uns die Bergfreundinnen eingeladen. Moment, denkt ihr jetzt zurecht, Bergfreundinnen arbeiten doch bei euch? Ja, auch.

In diesem Fall sprechen wir allerdings von den drei Podcasterinnen Katharina, Toni und Anna, die seit Mitte 2020 mit ihrem Podcast „Bergfreundinnen“ die Podcast-Landschaften aufmischen und zu allen möglichen Themen rund um Frauen & Bergsport diskutieren. Der Podcast wird vom bayerischen Rundfunk produziert und erscheint wöchentlich.

Und weil wir Bergfreunde unbedingt mitdiskutieren wollen, setzen wir uns natürlich dazu. Namentlich sind das die Bergfreunde-Kolleginnen Cora, Christa und Hannah, die ihr garantiert schon mal auf einem unserer Channels gesehen habt. Hannah haben wir euch in unserem Post aus dem letzten Jahr bereits vorgestellt. Christa ist die Abteilungsleiterin unserer Personalabteilung und ist begeisterte Bergsteigerin. Cora arbeitet in unserem Gearhead-Team und liebt die Kletterei.

Neben dem oben bereits angesprochenen Thema rund um die Sortimente im Outdoor-Bereich, geht es in unserem Talk außerdem um Frauencommunities im Bergsport, die generelle Gleichberechtigung in der Bergsport-Szene und natürlich auch um die Gleichberechtigung bei den Bergfreunden.

Nun wollen wir euch aber nicht mehr länger auf die Folter spannen. Hier findet ihr das Video, viel Spaß beim Anschauen, zuhören und mitdiskutieren:

Das Gender Data Gap und die Schlange vor dem Damenklo

8. März 2021
Die Bergfreunde

Wer kennt sie nicht, die altbekannte Schlange vor dem Damenklo? Stoff von Legenden, Liedern und zahlreichen Witzen. Doch warum entsteht sie überhaupt? Genau diese Frage (und viele weitere in Bezug auf Frauen) sind in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten oft unbeantwortet geblieben. Kuriose kleine und große Phänomene des Alltags, die einfach so hingenommen wurden. Sammelt und untersucht man diese, stößt man auf eine Gemeinsamkeit, die seit einigen Jahren einen Namen hat: Der Gender Data Gap.

Ganz banal herunter gebrochen besagt dieser: Über Frauen und ihren Alltag wurden und werden in allen Bereich des Lebens, wie z.B. Medizin, Gesellschaft und Wirtschaft, weniger Daten gesammelt als über Männer. Wer ein großes Datenschützerherz hat, findet das sicher erstmal ganz cool, doch der Gender Data Gap entwickelt sich im normalen Alltag zu einem Problem und birgt teilweise handfeste Gefahren.

Woher kommt der Gender Data Gap?

Ein Bereich, der uns als Outdoorsportler und mich als Kletterer am meisten Betrifft ist die Trainingslehre und im weitesten Sinne die Medizin. „Warum soll es denn da bitte ein Problem geben? Der menschliche Körper wird doch schon seit Jahrhunderten ausgiebigst erforscht!“, fragen sich vielleicht jetzt manche von euch. Tja, genau da liegt der Hund, bzw. die Kletterin begraben!

Einer der einflussreichsten und in den folgenden Jahrtausenden meistzitiertesten Forscher der Antike ist Aristoteles. Dieser sah den Mann als Prototyp des Menschen an, die Frau hingegen galt als eine Abweichung von diesem Prototypen. Nun ist der gute Aristoteles ja schon einige Jährchen unter der Erde und vermeintlich sind wir heutzutage viel weiter und haben einen differenzierten Blick auf die Materie… oder?

Die Antwort ist ein klares Jein! Da Frauen lange Zeit überhaupt nicht erforscht wurden, fehlt es an allen Ecken an Daten. Sehr, sehr vielen Daten. Bei klinischen Studien gilt bpsw. noch heute ein Mann von 70kg als „Norm“ für die Bevölkerung. Dass schon das eine starke Vereinfachung ist, ist nochmal ein eigenes Thema.

Weibliche Körper werden bei klinischen Tests oft außen vor gelassen. Der banale Grund: Aufgrund des Zykluses sind sie zu „komplex“ und sorgen für eine schwierigere Interpretation der Ergebnisse. So kommt es vor, dass regelmäßig Ergebnisse aus klinischen Studien universal für Frauen und Männer als gültig angesehen werden, obwohl keine einzige Frau an den Studien teilgenommen hat!

Sind Männer und Frauen anatomisch und physiologisch so unterschiedlich?

Nun ist natürlich die Frage: Ist es überhaupt notwendig, so einen Wirbel um das Thema zu machen? Sind wir, abgesehen von ein paar Geschlechtsorganen und ein paar komischen Hormonen, nicht alle gleich?

Die Forschung zur Gender Data Gap aus den letzten Jahr hat deutlich gezeigt: Das sind wir leider nicht. In jedem Gewebe und Organsystem gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede, sogar in so grundlegenden Funktionen wie dem Herzen oder der Lungenkapazität.

Aber wie können dann Frauen nach den gleichen Plänen trainieren wie Männer? Das ist doch dann nur zum Scheitern verurteilt, oder?  Zum Glück ist das auch inzwischen vielen Trainern und Firmen klar geworden. Wer eine Frau trainieren lässt wie einen Mann, bekommt im besten Fall schlechtere Ergebnisse und im schlechtesten Fall eine gesundheitsgeschädigte Athletin.

Dinge wie die Veränderung der Hormone während des Zyklus, ob es überhaupt eine Periode gibt und wie oft, sollten – wenn es ums Training geht – eine Rolle spielen. Auch die Stärken und Schwächen bei direktem Vergleich von Männern und Frauen helfen dabei heraus zu finden, wo man beim Training den Schwerpunkt setzen muss.

Eine Firma, die diesen Themen bei der Erforschung und Umsetzung viel Raum gibt, ist Lattice Training. Der Gründer Tom Randall erklärt uns im angeschlossenen Interview, was genau sie erforschen und wie die Ergebnisse im Alltag umgesetzt werden können.

Doch bevor wir uns dem Interview widmen: Was hat es denn nun mit der Schlange vor dem Damenklo auf sich?

Nachdem viele, vorher unbeachtete Daten zusammengetragen wurden ergibt sich folgendes Bild: Frau „müssen“ von Natur aus öfter, da sie kleinere Blasen haben. Gleichzeitig sind die Grundrisse von öffentlichen Toiletten für Männer und Frauen gleich groß. Ein Pissoir braucht allerdings viel weniger Platz als eine ganze Kabine! Folglich gibt es für das Geschlecht, das öfter muss, weniger Raum um das Geschäft zu verrichten.

Und schon haben wir eine wunderhübsche Menschentraube.

Tom Randall (Lattice.com) Im Interview zur Gender Data Gap

Eine Firma, die den Themen Frauen und spezifische Trainingsmethoden bei der Erforschung und Umsetzung viel Raum gibt ist Lattice Training. Der Gründer Tom Randall erklärt uns im Interview, was genau sie erforschen und wie die Ergebnisse im Alltag umgesetzt werden können.

Cora: Als Firma setzt Lattice Training sehr darauf Kletterer auf Herz und Nieren mit speziellen Leistungstest zu prüfen, um dann mit den Daten maßgeschneiderte Trainigspläne zu erstellen.
Für Menschen, die euch noch nicht kennen, wie lange gibt es euch schon, wie sammelt ihr eure Daten und was ist euer Hintergrund?

Tom: Als Firma gibt es uns seit 2016, aber das Konzept und die Anfänge der Datenforschung begannen schon 2016. Am Anfang gab es nur mich, der mit privaten Kunden und dem UK Kletterteam gearbeitet hat, aber nach 2016 habe ich mich mit einem zweiten Coach (Ollie) und einem Datenanalysten (Remus) zusammengetan. Als Firma ist es unser Ziel das beste kletterspezifische Leistungsprofiling, Coaching, als auch die besten Trainingspläne und Produkte anzubieten. Heutzutage sind wir ein 20-köpfiges Team, welches aus Doktoranden, Biochemikern, Berufskletterern und internationalen Wettkampfkletterern besteht. Sehr breit aufgestellt!

Die UN hat zum ersten Mal im Jahr 2006 versucht auf den Gender Data Gap aufmerksam zu machen, aber das allgemeine Publikum ist erst richtig 2019 auf das Thema gestoßen, als Caroline Criado Perez diesen Begriff in ihrem Buch “Unsichtbare Frauen” nutzte. Wann und wie ist euch dieses Thema zum ersten Mal bei euren Recherchen untergekommen?

Uns ist der Unterschied zum ersten Mal beim Vergleichen der Ergebnisse von Fingerkraft zwischen Männer und Frauen in Abhängigkeit zu ihrem gekletterten Grad aufgefallen. Es ist ein sehr deutlicher Unterschied!

Sammelt ihr eure Daten in einem zwei verschiedenen Pools, oder liegen sie bei euch als Gesamtpaket vor, egal welches Geschlecht der Kletterer hatte?

Die Antwort ist: Beides. Wir haben aufgeteilte Datenmodelle, sowie allumfassende Modelle. Wir versuchen diese Form kontinuierlich zu verbessern sowie ihre Aussagekraft richtig zu bewerten.

Was sind die größten Unterschiede im Training für Männer und Frauen?

Wenn man die Daten heran zieht liegen die größten Unterschiede bei der Kraft (Finger und Oberkörper), Flexibilität (Unter- und Oberkörper), sowie Schnellkraft (welche, wenn man es genau nimmt, ein Teil der generellen Kraft ist). Wenn man es ganz herunter bricht, kann man sagen, dass Frauen schwerere Grade bei weniger Kraft, aber mit einer größeren Flexibilität klettern, als die männliche Vergleichsgruppe.

2019 fand zum ersten man das „Womens climbing symposium“ unter eurer Führung statt, bei der ihr Tests an einer reinen Frauengruppe durchgeführt habe. Gab es da ein paar interessante Erkenntnisse?

Ja, auf jeden Fall! Hier ein paar Ergebnisse:

Kürzlich hat Dr Dave Giles, ein Forscher hier bei Lattice Training, mit der Hilfe von Ollie Tor (Coach) einen Artikel mit dem Titel „Anthropometry and performance characteristics of recreational advanced to elite female rock climbers“ (Anthropometrie und Leistungscharakteristika von weiblichen Freizeit- und Leistungskletterinnen) herausgebracht. Obwohl einige der Erkenntnisse auf den ersten Blick logisch erscheinen, gab es einige große Erkenntnisse, die wir daraus ziehen konnten – für Frauen haben Oberkörperschnellkraft, Fingerkraft, und Hüftflexibilität einen großen Einfluss auf ihre Kletterleistung.

Warum ist diese Erkenntnis hilfreich? Beim Training kann es schwer sein zu wissen, wo man anfangen sollte was den größten Effekt hat. Wenn man versucht überall gleichzeitig eine Basis aufzubauen, ist es leicht zu viel zu machen, womit dann offensichtlich die Chancen für eine Verletzung steigen. Diese Forschungsergebnisse helfen uns dabei, wo wir den Schwerpunkt beim Training legen müssen. Natürlich muss die Person als Individuum und ihre Ziele mit angeschaut werden! Oberkörperschnellkraft mag vielleicht nicht die höchste Priorität besitzen, wenn man gerne 50m Ausdauerrouten klettert, aber wenn die Hüftflexibilität im Vergleich eine Schwäche ist, dann kann man darauf den Focus legen, um effizienter zu klettern und die restlichen Stärken besser zu nutzen. Auf der anderen Seite kann eine Boulderin mit großartiger Hüftflexibilität sich dafür entscheiden den Fokus eher auf Fingerkraft und Oberkörperschnellkraft zu richten.

Die nächste Frage ist dann, wie trainiert man diese Bereiche?

Oberkörperschnellkraft – Kraft ist die Basis für Schnellkraft, also ist es wichtig zwischen der maximalen Zugkraft und dem Training des Oberkörpers hin und her zu wechseln. Übungen wie Klimmzüge mit extra Gewicht und TRX Zugübungen sind gut, um generelle Kraft aufzubauen. Wenn wir den Fokus auf die Schnellkraft legen, dann geht es darum ein Maximum an Kraft in einer kurzen Zeit zu nutzen. Bouldern ohne Nutzung der Füße, sowie dynamisches Klettern sind kletterspezifische Übungen für diesen Bereich.

Das Campus Board ist das bekannteste Gerät, es ist aber gut daran zu denken, dass eine eintönige vertikale Bewegung nicht so viel bringt wie Bouldern ohne Füße. Dies sind natürlich alles Übungen am oberen Ende des Leistungsspektrums – was also, wenn man nicht ohne Füße bouldern kann? Eine gute Übung sind sehr schnelle Klimmzüge. Eine Gewichtsabnahme kann hier helfen sich ganz auf die Schnelligkeit zu konzentrieren. Diese Fähigkeit kann man nun langsam ins Klettern einbauen, z.B. indem man weiter festhält, wenn die Füße im stark überhängenden Gelände abfallen oder indem man ein paar Züge ohne Füße im steilen Gelände macht.

Fingerkraft – Das klassische Trainingswerkzeug hier ist das Fingerboard, wo man maximalkräftiges Hängen nutzen kann, um die statische Kraft zu verbessern. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass, obwohl Fingerboardtraining ein guter Zusatz zum Klettern bietet, es sich hierbei um eine statische Übung handelt, während Klettern dynamisch ist. Aus diesem Grund muss auch dieses Training mit dem Klettern von schweren Routen oder Bouldern kombiniert werden, damit die Kontaktkraft nicht zurückbleibt. Wenn man das Fingerboard zum ersten Mal beim Training verwendet, ist es wichtig, sich an die hängende Position zu gewöhnen, während man die Schultern anspannt. Die Dauer und Intensität sollten hier langsam gesteigert werden. Falls das Fingerboardtraining eine zu große Belastung für die Schultern, neben dem Klettern darstellt, kann man auf tragbare, beschwerte Leisten und Blöcke (Zangengriff) zurückgreifen.

Hüftflexibilität – Wenn wir beim Klettern die Hüftflexibilität einsetzen, versuchen wir hier eine Ebene zu erreichen, z.B. wenn der Körper näher an die Wand kommen soll, was eine geringere Krümmung der Hüfte voraussetzt. Dehnungen wie Froschbeine sowie der Seitspagat und seine Vorstufen sind sehr hilfreich, um diese Flexibilität zu trainieren.

Zusammenfassend, nach euren Daten, worauf sollten sich Frauen beim Training am meisten konzentrieren und wo liegen hier die Männer im Vergleich?

Die logische Antwort ist natürlich die Schnellkraft (Finger, Arme, Rücken und Schultern). Im Vergleich dazu sollten Männer mehr Flexibilität machen.

Was sind die nächsten Themen, die ihr tiefer recherchieren möchtet?

Tracking und Überwachung von Athleten. Die besten Methoden und welchen Einfluss dies auf die Leistung und die Langzeitentwicklung des Athleten haben Frauenspezifische Trainingsmethoden und wie diese mit und um den weiblichen Zyklus geplant werden können.

Vielen Dank für das Interview!
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Weiterführende Quellen für die, die es interessiert:

  • Lattice Training
  • Caroline Criado Perez: Unsichtbare Frauen: Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert, 2019
  • Stacey Sims: Peak – Performance für Frauen: Wie Sie Ernährung und Fitness perfekt auf den weiblichen Organismus abstimmen, 2018
  • David Giles: Anthropometry and performance characteristics of recreational advanced to elite female rock climbers, 2020

Schnelle Hilfe bei Kopf- und Nackenproblemen: Eine anatomische Gebrauchsanweisung mit Klettermediziner Chris Lutter

23. Februar 2021
Tipps und Tricks

„Der Kopf kann ausweichen“, sagte mal ein Mediziner und Bergretter zu mir. Ich hielt meine Entrüstung zurück und dachte mir freundlich lächelnd, dass das nicht stimmen kann. Es stimmte auch nicht. Denn, wie ich in seinen nächsten Ausführungen erfahren durfte, sprach er von unserem Oberarmkopf im Schultergelenk. Doch die Vorstellung, dass unser Kopf wirklich vor allen Gefahren ausweichen könnte, finde ich sehr befreiend.

Wir wollen heute unseren Kopf- und Nackenbereich näher betrachten. Ich spreche mit Dr. med. Chris Lutter. Zusammen mit Volker Schöffl hat er in den letzten Jahren viel zu Kletterverletzungen geforscht und gearbeitet. Beide betreuen die deutsche Nationalmannschaft im Kletter- und Bouldersport. Aktuell arbeitet Chris Lutter im hohen Norden an der orthopädischen Klinik und Poliklinik der Uniklinik Rostock. 

Blicken wir zuerst auf die Haltung unseres Kopfes und des Nackens beim klassischen Klettern in der Halle oder am Fels: 

Die erste Aktivität, die mir einfällt, ist das Sichern einer anderen Person, die klettert. Dabei legen wir unseren Kopf in den Nacken um die Person besser im Blick zu haben. Je nach Aufrichtung unserer Wirbelsäule und Wandcharakter kann das Sichern für Schmerzen und Verspannungen sorgen. 

„Insgesamt ist darauf zu achten, dass die Haltung den ganzen Körper betrifft. Wenn der Kopf beim Sichern in den Nacken gelegt wird, hat diese Haltung auch Auswirkungen auf die gesamte Wirbelsäule.“

Lebenswichtige Strukturen und unsere Halswirbel

Unsere Halsregion ist besonders diffizil und gibt uns dadurch schnell Rückmeldung über Fehlstellungen oder Verspannungen. Die Wirbelsäule besteht in dem Bereich aus sieben Wirbelkörpern. Das obere Kopfgelenk wird aus dem Hinterhauptsbein und 1. Halswirbel gebildet. Das untere Kopfgelenk besteht aus Atlas und Axis. Der Atlas besitzt als einziger Wirbel keinen Wirbelkörper, sodass der „Zahn“ des Axis sich in unseren Atlas perfekt hineinschieben kann.

Diese Konstruktionen ermöglichen die flexiblen Dreh- und Nickbewegungen. Lebenswichtige Strukturen sind zwischen Kopf und Rumpf vor der Halswirbelsäule angelegt. Neben den Nervenbahnen, Blut- und Lymphgefäßen liegen vor der Wirbelsäule die Luftröhre, Speiseröhre, Schilddrüse sowie der Rachen und der Kehlkopf. Besonders geschützt wird all das mit der starken Halsmuskulatur und den Halsfaszien. Viele großflächige Muskeln gehen vom Kopf aus in die obere Extremitäten, die Schultern und Arme bis in die Finger über. Dadurch können sich starke Verspannungen und Schmerzen auf den ganzen Körper auswirken. 

Ein guter Schutz: Entspannung und Aufwärmen

So ist es nicht nur für die kletternde Person, sondern auch für die Person, die sichert unglaublich wichtig sich vorher aufzuwärmen. Mit einfachen Übungen können wir den ganzen Körper durchwärmen und den Kreislauf in Schwung bringen, sodass die Muskeln für weitere Belastungen vorbereitet sind. Wenn ihr schon in der Halle seid, eignen sich kleinere Übungen wie der Hampelmann, Kniebeugen, Hüpfen oder ein kurzes „die Treppen rauf und runter“ Joggen. Das beste Aufwärmen ist unweigerlich mit dem Rad zur Halle zu fahren oder eine Stelle des Wegs zu joggen. 

„Ganz gut wäre ein kurzes Cardio-Training, sodass der Kreislauf in den Schwung kommt. Anschließend sollte die ganze Wirbelsäule mit Mobilisierungsübungen miteinbezogen werden. Die beste Vorbereitung ist sicherlich, wenn einzelne Bewegungsrichtungen durchspielt werden. Und nicht den Kopf kreisen wie es oft empfohlen und vorgemacht wird, sondern vielmehr zu den Seiten neigen und nacheinander die Bewegungsrichtungen durchgehen.“

Anstelle der Kreisbewegungen macht ihr die Mobilisierung etappenweise. Zuerst legt ihr den Kopf auf die linke und rechte Schulter. Dann neigt ihr ihn nach vorn zur Brust und nach hinten in den Nacken. Ein wenig dreht ihr den Kopf dann, indem ihr entspannt über die linke und über die rechte Schulter schaut. 

Übungen für zwischendurch

Für eine kurze Entspannung und Entlastung der Nackenmuskulatur zwischendurch können zwei kleine Übungen hilfreich sein. 

In einer kleinen Pause legt ihr euch flach auf den Boden oder auf eine härtere Matte und legt den Kopf ab, sodass dieser im Idealfall parallel zur Decke liegt, also keine Neigung nach hinten aufweist. Je nach Körperbau und Gewicht ist es hilfreich eine kleine Erhöhung zum Beispiel ein dünnes Buch unter den Kopf zu legen. Die Hände liegen auf dem Handrücken entspannt neben dem Körper. In dieser Position bleibt ihr eine Weile, atmet bewusst und versucht euch maximal zu entspannen. Im übertragenen Sinne könnt ihr dabei versuchen eure eigene Spannung an den Boden abzugeben. 

Eine andere Übung dient der direkten Entlastung der Nackenmuskulatur. Dafür reicht es aus, wenn ihr aufrecht steht. 

„Für die Entlastung zwischendurch eignet sich die Vorstellung, dass eine Schnur hinten mittig am Kopf nach oben zieht. Zusätzlich versucht man dabei selbst sein Kinn nach hinten zu schieben. Diese Übung bringt die Wirbelsäule in die maximale Aufrichtung und kann entlastend wirken.“

Um den Nackenbereich zu schonen, werden häufig Sicherungsbrillen angeboten. In der Kletterhalle waren es bei mir früher, als ich mit Klettern anfing, meistens ältere Herren, die mit solchen Brillen in den verschiedensten Formen sicherten. Auch in den Pausen habe ich immer mit einem halben Ohr ihren Erläuterungen zugehört.

Macht es Sinn Sicherungsbrillen auch nur für kurze Routen in der Halle zu tragen?

„Einem Anfänger eine Sicherungsbrille aufzusetzen, grenzt an Körperverletzung für die Person, die am scharfen Ende des Seils hängt. Anfänger haben schon genügend mit dem Seilmanagement und ihrem Sicherungstool zu tun. Auch bei Kindern wäre ich zurückhaltend. Auch sie müssen den sicheren Umgang mit dem Seil lernen.“

So eignen sich Sicherungsbrillen am ehesten für Fortgeschrittene, die am Fels lange Touren unternehmen. Ob mit oder ohne Brille können beim Klettern und Sichern Verspannungen und Kopfschmerzen auftreten. Bei länger anhaltenden Beschwerden solltet ihr unbedingt eine Praxis aufsuchen. Wenn ihr Sehstörungen, Schwindel, Kribbelgefühle und generell Muskelschwäche im Oberkörper habt, müsst ihr dies unbedingt abklären lassen. 

Verletzungen beim Klettern und Bouldern und wie man sie vermeidet

Manchmal können auch Bewegungseinschränkungen der Arme ein Hinweis auf eine Verletzung in der Halswirbelsäule sein. Auf dem Röntgenbild seht ihr einen Bandscheibenvorfall bei einer jungen Kletterin. Neben starken Schmerzen machte sich der Vorfall durch eine verminderte Beweglichkeit im linken Arm bemerkbar. 

Vor allem im Bouldersport passieren häufiger vermeidbare Wirbelsäulenverletzungen als beim klassischen Sportklettern. Dazu muss man wissen, dass in Deutschland aktuell mehr Boulderhallen als Seilkletteranlagen gebaut werden. Aktuelle Zahlen des Deutschen Alpenvereins belegen generell einen hohen Anstieg an Neubauten in den letzten Jahren. Durchschnittlich werden seit 2010 pro Jahr 24 neue Anlagen erbaut. 

„Die wirklichen Anfängerinnen und Anfänger, die gerade die ersten Male in einer Halle bouldern, verletzen sich leichter als routinierte Sportler. Sie haben wenig Erfahrung und kein Wissen darüber, wie sie sich richtig abrollen. Da kann schon ein Sturz aus 30-50 cm ausreichen, um sich einen Wirbelkörper zu brechen.“

Ein gutes Körpergefühl ist beim Bouldern besonders wichtig. Gerade ungeübte Sportlerinnen und Sportler brauchen Zeit um ein Gefühl für den Sport zu entwickeln. Durch eine Einführung ähnlich wie beim Sportklettern blieben viele Verletzungen auch aus geringer Höhe vermeidbar. 

„Die Einführung interessierter Sportlerinnen und Sportler ist in unseren Hallen völlig unzureichend. Das ist in anderen Ländern zu Recht strenger geregelt. Doch sicherlich wird es früher oder später bei dem hohen Anstieg an Verletzungen in Boulderhallen durch die Versicherungen Druck geben. In den letzten Jahren traten vermehrt Unfälle auf, die keine spezifischen Verletzungen des Sports sind. Durch gezielte Einführungen lassen sich diese sehr leicht vermeiden. Ich wundere mich, dass bisher noch niemand in einer Boulderhalle zu Tode gekommen ist. Eine unachtsame Person kann von einem fallenden oder herabspringenden Boulderer erschlagen werden. Besonders Kinder sind hier gefährdet. Hier sollte besser aufgeklärt und überwacht werden.“

DAS ZWIEBELPRINZIP – Schicht für Schicht umgesetzt

8. Februar 2021
Kaufberatung

Wenn die Temperaturen schwanken, der Regen kommt und geht und körperliche Aktivitäten wechseln, gerät der Körper schnell vom Frieren ins Schwitzen und wieder zurück. Es sei denn, man ist eingekleidet wie eine Zwiebel – in mehreren passend zueinander angeordneten Schichten. Von diesem Zwiebelprinzip beim richtigen Einkleiden hat jeder irgendwo schonmal gehört. Und natürlich war es auch hier im Blog schon Thema, Bergfreundin Wiebke hatte sich der Sache angenommen. Allerdings ist das schon ein paar Jährchen her und wir haben damals auch eine Fortsetzung angekündigt. Die trifft hiermit nach dem Motto „besser spät als nie“ ein :-)

Im damaligen Artikel ging es um Sinn, Funktionsweise und allgemeine Grundlagen des Zwiebelprinzips. Feinheiten und Spezialfälle konnten in diesem Rahmen nicht behandelt werden, denn, wie Wiebke im hier nochmal nachzuschlagenden Artikel schrieb:

Im Grunde könnte man für jede Disziplin einen eigenen Artikel schreiben, um bei diesem Thema ansatzweise ausführlich genug zu sein. Das hat dann aber wiederum das Problem, dass sich die Disziplinen doch nicht so leicht von einander abgrenzen lassen und dann beginnt das Problem wieder von vorne.“

Damit waren schon einige Herausforderungen für die gelungene Umsetzung des Prinzips angeschnitten. In der Folge sollte es dann um die konkrete Umsetzung gehen – bei der all die kleinen Hindernisse möglichst elegant umschifft werden.

Eines dieser Hindernisse ist, dass es kein Patentrezept für den gesamten Berg- und Outdoorsport gibt, sondern, dass man eigentlich seine Bekleidung je nach Spezialdisziplin unterschiedliche zusammensetzen müsste. Das kann und will natürlich kaum jemand leisten. Was aber auch kein Problem ist, da die meisten Bergfreunde sowieso „nur“ eine oder zwei der genannten Disziplinen regelmäßig ausüben und dementsprechend mit einem oder zwei Standardoutfits ausreichend eingedeckt sind.

Schauen wir uns also einige Disziplinen beispielhaft an und versuchen, ein jeweils passendes Layering-Setup zusammenzustellen. Was leider auch wieder nur annäherungsweise „passen“ kann, weil jedeR BergfreundIn einen anderen Körperbau hat. Und weil ich mich hier auf Männervarianten beschränke, da ich hier wohl abzuschätzen, was für den Durchschnitt etwa passt. Vielleicht mag ja eine Bergfreundin noch einen weiteren Fortsetzungsartikel mit Beispiel-Setups für Frauen schreiben …

Auch bleibe ich hier bei wenigen „Mainstreamdisziplinen“ des Outdoorsports, denn wenn man von Expeditionen bis zu Alpinklettern und Wüstendurchquerungen jede Spezialität abdecken will, sprengt man ebenfalls jeden Rahmen.

Wir bleiben hier bei den grundlegenden, großen Kleidungsstücken, die Rumpf, Arme und Beine abdecken. Mütze, Handschuhe oder Gamaschen werden ohnehin „einfach so“ getragen. Dass alle hier vorgeschlagenen Klamotten-Kombos in eurem Lieblingsbergshop erhältlich sind, ist natürlich nur Zufall ;-)

Jede Sportart hat ihr optimales „Layering“

Bevor wir die optimale Zwiebel-Mischung für die nächste Outdoor-Action aus dem Schrank fischen, sollten wir überlegen, welche Anforderungen unsere Disziplin an das Gewebe stellt. Erstmal wären da die allgemeinen Anforderungen: wir wollen möglichst wenig schwitzen und möglichst wenig frieren. Hinzu kommen einige weniger elementare, aber für das Erlebnis und den Genuss entscheidende Faktoren.

So soll unsere Kleidermischung möglichst wenig stinken, kratzen oder jucken. Dann sollen sie auch noch möglichst wenig wiegen und möglichst wenig Platz im Rucksack wegnehmen. Und als ob das noch nicht genug wäre, sollten auch Größe und Schnitt der einzelnen Lagen zueinander passen und sich ohne Druck- oder Reibestellen zusammenfügen. Dieser Punkt ist etwas schwierig umzusetzen, da man sich in aller Regel nicht den kompletten Satz Kleidung auf einmal kauft, sondern meist nur das Teil, das gerade fehlt.

3, 4, 5? Wie viele Schichten überhaupt?

Das Minimum fürs funktionieren des Zwiebelprinzips sind drei Schichten, das praktikable Maximum dürfte bei fünf liegen. Ab dann wird’s nämlich langsam umständlich: Es passt nicht mehr alles zueinander, manches rutscht aufeinander herum, flatternde Zwischenräume stören, anderswo zieht und spannt es. Das wird umso störender, je intensiver man sich bewegt.

Aber: Die eine oder andere Extraschicht kann auch Vorteile bringen: so trocknen viele dünne Schichten schneller als wenige Dicke. Auch kann man ein dünnes Teil problemlos zwischendurch waschen oder zur Gewichtseinsparung in der Hütte zurücklassen, ohne sich gleich halbnackt am Viertausender zu fühlen. Da diese Vorteile umso mehr zum Tragen kommen, je länger eine Tour dauert, kann man als Kurzformel zusammenfassen: je länger die Tour, desto wichtiger werden die Vorteile eines „Viele dünne Lagen Konzepts“.

Kurz, es ist wie immer, die schnelle Fertiglösung gibt es nicht. Man muss von Fall zu Fall, von Tour zu Tour abwägen. Wer alles optimal abdecken will, braucht fünf Lagen an guter Funktionskleidung und zusätzlich jeweils eine robuste und dicke Baselayer, Midlayer und Hardshell. Dann lässt sich je nach Sportart beliebig variieren und je nach Bedarf auf 3-, 4- oder 5-Schicht-System „umsteigen“.

Damit zu den konkreten Vorschlägen, gegliedert nach den Haupt-Sportarten, die wir Bergfreunde gern ausüben. Alle Teile sind im Größe M und wenn möglich mittlerer Passform ausgesucht. Zusätzlich gibt es noch einige Hinweise, auf welche Besonderheiten bei den jeweiligen Sportarten zu achten ist.

Hochtour:

Baselayer:

Hose:

Kunstfaser:

Merino:

Mittlere Lage(n):
ohne Isolierung:

mit Isolierung:

mit Isolierung und Kapuze:

(normalerweise „beißt“ sich eine Kapuze in der mittleren Schicht mit der Kapuze der Hardshell, doch dafür kann die Midlayer die Hardshell gelegentlich ersetzen)

Hose (nur bei extremer Kälte notwendig):

Außenlage/Hardshell, 3-lagig:

günstiger:

Hose:

weiter Schnitt, günstiger:

klassischer Schnitt, teurer:

Worauf ist zu achten?

Äußere Bedingungen und Besonderheiten:

Kälte, wegen der dünneren Luft oft trockene Kälte, Wind stärker als im Tal, Nässeschutz wichtig – zwar nicht mehr Regen als „unten“, aber Auskühlung hat ernstere Auswirkungen. Sehr schnelle und intensive Wechsel von Temperatur und Wetter möglich – deshalb sollte alles leicht handzuhaben sein, also beispielsweise keine umständlichen Knopfleisten und Schnürungen. Egal wie lang die Tour – geringes Gewicht wird meist angestrebt, deshalb möglichst wenig Klamottenwechsel – sollten also Schmutz, Schweiß und Mief aushalten können.

Körperliche Anforderungen und Besonderheiten: sehr viel Bewegungsspielraum gefordert, selbst bei reinen „Gletscherhatschern“. Denn es wird nicht nur gelaufen und gestiegen, sondern auch mit dem Material hantiert, Steigeisen in irgendwelchen engen Nischen oder kleinen Absätzen angezogen auf engstem Raum. Wenn dann die Klamotten spannen oder verrutschen, ist das nervig. Deshalb ist Stretchmaterial sehr angenehm. Besser etwas enger und elastisch als weit, denn das flattert herum und bleibt hängen.

Ins Thema „Kleidung auf Hochtour“ kannst du dich übrigens hier im Basislager weiter vertiefen.

Trekking/Wandern

Baselayer:

wintertaugliches Komplettset mit Hose:

Kunstfaseroberteil mit Polygiene, günstiger als Merino:

Mittlere Lage(n):

isolierend:

Hose (nur bei extremer Kälte oder im Winter notwendig):

Außenlage/Hardshell:
klassische Lösung:

Daunen-Hardshell für winterliche Bedingungen:

Hose:

Worauf ist zu achten?

Hier gilt ähnliches wie bei Hochtouren, nur dass es im Normalfall eine Stufe „entspannter“ und weniger ernsthaft zugeht. Gleiches gilt für den Unterschied zwischen Trekking und Wandern – auch hier gibt es ein Gefälle. Nicht nur hinsichtlich Länge der Touren, sondern auch hinsichtlich der extremeren und schneller wechselnden Bedingungen beim Trekking. Es müssen öfter mal Kleidungsstücke gewaschen und getrocknet werden. Deshalb sollte man beim Trekking lieber mehr und dünnere Kleidungsstücke als wenige dicke Schichten tragen. Und die Kleidung muss deutlich mehr aushalten als ein Wanderoutfit.

Skitour

Baselayer:

mit Flachnähten:

mit RV und Stehkragen:

Hose:
elastisch, mit Zwickel:

Mittlere Lage(n):
isolierend:

isolierend, mit Kapuze:

günstig, als zusätzliche Midlayer geeignet:

Hose:

Außenlage/Hardshell:

Hose:
mit Hosenträgern, nicht wasserdicht, günstig:

High-End-Lösung, tiefschneetauglich:

Worauf ist zu achten?

Auch hier bestehen im Anforderungsprofil nur kleine Unterschiede zur Hochtour. Die Temperaturen gehen noch tiefer in den Keller und die Abfahrt vom Berg erfordert zusätzlichen Windschutz. Schwitzen ist außer bei steilen und anspruchsvollen Touren nicht das Hauptthema. Auf das An- und Ablegen von Klamotten während der Tour hat man im Winter noch weniger Lust als im Sommer. Deshalb sind eher wenige Lagen angenehm.

Trailrunning

Baselayer:

Kunstfaser-Komplettset für kalte Tage:

Oberteil mit Merinowolle:

Mittlere Lage(n):

Hose:
winddicht, gerunchshemmend:

Außenlage/Hardshell:
wasser- und winddicht, ultraleicht:

Hose:
wasser- und winddicht, ultraleicht:

Worauf ist zu achten?

Hier ist maximale Atmungsaktivität gefragt, während Kälte und Wind eher untergeordnete Faktoren sind. So lange man in Bewegung bleibt. Die entscheidende Frage ist, ob man nach dem Lauf schnell ins Warme kommt oder noch für längere Zeit draußen/oben am Berg verweilt. Im Normalfall wird jedenfalls eine dünne Isolationsschicht und eine leichte Hardshell reichen. Das Motto heißt „Leicht und aerodynamisch“.

Klettern/Bouldern

Baselayer:

Kunstfaser-Merino-Mix, Langarm:

Hose:

Mittlere Lage(n):

Hose:
für Bouldern, Halle, Sportklettern:

Außenlage/Hardshell:
Helmtauglich, fürs Alpinklettern:

Hose:

Worauf ist zu achten?

Während bei den anderen Disziplinen oft kontinuierliche, gleichmäßige Bewegungsphasen vorherrschen, hat man hier oftmals ein Stop and Go mit abwechselnd sehr intensiver und dann wieder sehr geringer Bewegungsaktivität. Je nachdem wie lang und schwierig die Klettertour ist, ergeben sich unterschiedlich lange bewegungsarme Phasen beim Sichern und an den Standplätzen.

Ein typisches Szenario: gerade noch haben athletische Züge in der sonnenbeschienenen Felswand für fette Schweißperlen gesorgt, jetzt steht man wenige Meter oberhalb am Standplatz im Schatten und es kommt Wind auf. Jetzt sollte im Idealfall eine einzelne ausreichend dicke Isolierschicht griffbereit sein. So ein Daunen- oder Kunstfaserjäckchen ist in der Regel auch automatisch guten Windschutz, auch wenn nicht explizit Windstopper oder ähnliches verarbeitet ist. Sich mehrere dünne Lagen umständlich und zeitraubend überzustreifen, ist angesichts von wenig Platz und oftmals auch engem Zeitplan nicht die Ideallösung.

Beim Bouldern kann man all diese Überlegungen recht entspannt angehen, denn man ist in der Regel nicht weit vom nächsten Hotelzimmer, Zelt oder Wohnmobil entfernt. Man ist auch eher selten heftigen Wechseln der Wetter- und Außenbedingungen ausgesetzt. Auf Beweglichkeit kommt es hingegen sehr stark an, weshalb sich hier eher wenige Lagen empfehlen.

Bike

Baselayer:

Kunstfaser:

Merino:

Hose:
Kunstfaser:

Mittlere Lage(n):

Außenlage/Hardshell:

Hose:
vielseitig, günstig:

sportlich, aerodynamisch:

Worauf ist zu achten?

Zunächst einmal könnte man hier diverse Unterdisziplinen wie Mountainbike, Rennrad, usw. berücksichtigen. Bleiben wir beim vielseitigen Standardszenario, in dem wir mit dem Bike zum Berg fahren. Dabei geht es mal über Landstraßen, mal über unbefestigte Wege, ohne dass es zu extremem Bergauf oder Bergab kommt. Dann bleiben der Windschutz und die Flexibilität bei aerodynamischer Passform als wichtigste spezifische Anforderung an die Bekleidung über. Mit einer Gore Windstopper Membran ist man auf dem Bike immer auf der sicheren Seite.

Richtig Atmen: Leistung steigern, Nervosität senken und rhythmisch klettern

10. Februar 2021
Tipps und Tricks

Täglich führst du ungefähr 20.000 unbewusste Atemzüge aus. Mit ihnen füllst du deine Lunge mit Luft, die den für unsere Zellen lebenswichtigen Sauerstoff enthält. Deine Atmung ist wie der Herzschlag oder die Verdauung eine unterbewusste Körperfunktion, die über das autonome Nervensystem gesteuert wird.

So musst du dir keine Gedanken über die Ausführung machen und kannst dich mit interessanten Dingen beschäftigen. – zum Beispiel klettern oder einen schönen Ausblick genießen.  Bei der sportlichen Aktivität führt die Belastung zu einer verstärkten Atmung und ein schöner Ausblick führt so manchmal dazu, dass dein Atem sprichwörtlich stillsteht.

Im Gegensatz zu Herzschlag und Verdauung ist die Atmung zwar eine unwillkürliche Organfunktion, kann aber bewusst verändert werden. So entspannst du dich, wenn du einmal tief durchatmest. In gleicher Weise aber können Stresssituationen zu einem unbewussten Anhalten der Atmung führen.

Mit einer bewussten Auseinandersetzung mit der Atmung kannst du diese in bestimmten Situationen gezielt nutzen, um deine körperlichen Reaktionen darauf zu steuern. So ist es möglich, sich mental auf eine kommende sportliche Leistung vorzubereiten. Wie bei einem Gewichtheber, der sich vor Leistung sprichwörtlich aufplustert, oder die Turnerin, die vor ihrer eleganten Kür noch einmal die Aufregung wegpustet.

In diesem Artikel lernst du die Lungenfunktion kennen und wie du mit bewussten Atemmustern einen positiven Effekt auf Körper und Geist erzeugen kannst. Diese können dir beim Klettern und in anderen Sportarten helfen.

Gasaustausch in der Lunge: Wie funktioniert das mit der Lunge und dem Sauerstoff?

Die Lunge ist unsere „Schnittstelle“ zur Umgebungsluft. Ihre Aufgabe ist es, den Sauerstoff (O2) aus der Luft aufzunehmen und Kohlenstoffdioxid (CO2) aus dem Körper abzugeben. Sie liegt wie ein auf den Kopf gedrehter Baum im Brustkorb. Von Mund und Nase beginnend führt die Luftröhre (Trachea) wie der dicke Baumstamm nach unten und teilt sich im Brustkorb auf zwei dicke Äste (linker und rechter Bronchus) auf. Diese verästeln sich wie eine Baumkrone in immer kleiner werdende Strukturen. Erst die Bronchien und dann in die kleinsten Bestandteile der Lunge, die Lungenbläschen (Alveolen).

Diese sind wie die Blätter eines Baumes für den Gasaustausch von O2 und CO2 verantwortlich. Hier treffen die Atemluft und die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) aufeinander. Hier wird der Luftsauerstoff gelöst und bindet sich an das Hämoglobin der roten Blutkörperchen. Die sauerstoffreichen Erythrozyten werden dann über den Blutkreislauf an die Zielorgane transportiert. Wenn wir gerade einen leckeren Kuchen gegessen haben in die Verdauungsorgane und während dem Sport in die arbeitende Muskulatur.

An der Zielzelle wird der Blutsauerstoff zusammen mit anderen nützlichen Energiespendern genutzt, auch Zellatmung genannt. Bei diesem Stoffwechselprozess entstehet immer Kohlenstoffdioxyd und Wasser. Das entstandene CO2 wird, wie Kohlensäure in einem Getränk, im Blut gelöst und zurück zur Lunge transportiert. In der Lunge wird daraus wieder Kohlenstoffdioxyd, das abgeatmet werden kann.

Aufgrund des feingliedrigen fraktalen Aufbaus besitzt die Lunge eine große Fläche für den Sauerstoffaustausch (Diffusionsfläche). Im ausgebreiteten Zustand beträgt sie ungefähr die Fläche eines Tennisfeldes. So kann die Lunge, zusammen mit ihrer hohen Elastizität, im Ruhezustand pro Atemzug durchschnittlich 700ml und bei hoher körperlicher Auslastung bis zu 3 Liter Luft aufnehmen und abgeben.

Paradox: Kohlenstoffdioxyd „steuert“ die Atmung

Wenn man daran denkt, ausreichend Sauerstoff aufzunehmen, scheint es logisch, wie beim Sport, die Atmung zu beschleunigen (Atemfrequenz) und tiefer einzuatmen (Atemzugvolumen). Man spricht auch von einer Erhöhung des Atemminutenvolumens. Bereits bei einer normalen Atmung nehmen die Erythrozyten bereits ca. 97% ihrer Kapazität auf. Damit ist dein Blut auch im Ruhezustand fast vollständig mit Sauerstoff gesättigt. Aber warum erhöhen wir beim Sport das Atemminutenvolumen?

Sauerstoff und Kohlenstoffdioxyd sind voneinander abhängig, da sie die chemischen Prozesse der Aufnahme und Abgabe des jeweilig anderen Gases beeinflussen. Gibt das Blut viel Sauerstoff an eine Zelle ab, so ist die CO2-Aufnahmefähigkeit erhöht (Haldane-Effekt). Im Gegensatz zur Sauerstoffsättigung existiert für die Kohlenstoffdioxidaufnahme keine maximale Aufnahmekapazität. Das bedeutet, dass sich bei hohen Belastungen im Sport eine große Menge an Kohlensäure (H2CO2) im Blut ansammeln kann.

Zusammen mit anderen Säuren ist die Senkung des Blut-pH-Werts und eine CO2-Anreicherung für eine schlechtere Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Hämoglobins verantwortlich (Bohr-Effekt). Mit der Erhöhung des Atemminutenvolumens reagiert dein Körper auf diesen Zustand und reguliert über eine erhöhte Abatmung von CO2. So wird verhindert, dass die Sauerstoffaufnahme der roten Blutkörperchen reduziert ist. Ist durch die Atmung keine Reduktion des pH-Wertes und der CO2-Menge möglich, wirst du zwangsläufig die sportliche Aktivität abbrechen (starke Azidose). Wann dieser Zustand auftritt ist vom aktuellen Trainingsniveau abhängig.

In gleicher Weise führt die Hyperventilation in Ruhe zu einer Senkung des Blut pH-Wertes und der CO2-Konzentration (respiratorische Alkalose). Dabei kommt es dann trotz der hohen Sauerstoffsättigung zu einer Unterversorgung des Gehirns, da die Hirngefäße auf den niedrigen CO2-Gehalt so reagieren, dass der Blutfluss im Gehirn reduziert wird. Dieses Beispiel soll auf einfache Art zeigen, wie unser Körper auf unsere Atmung reagiert.

So wird die Hyperventilation meist aufgrund einer psychischen Reaktion ausgelöst und wie in der Einleitung schon beschrieben, kann man sich durch ein tiefes Durchatmen entspannen. In den folgenden Absätzen erfährst du, wie und wann du mit bestimmten Atemtechniken deine Kletterleistung verbessern kannst. 

Selbstregulation durch Atemtechniken

Mit bestimmten Regulationstechniken der Atmung kannst du Körper und Geist in bestimmte Zustände bringen. Mit der Atmung ist es möglich, das Nervensystem gezielt anzusteuern. 

Die Bauch-/ Zwerchfellatmung aktiviert das parasympathische Nervensystem, wodurch der Körper entspannt und regeneriert. Mit ihr kannst du aktiv auf Stress- oder Angstsituationen eingehen und dich so selbst bei der Entspannung unterstützen. Zudem wird bei der Bauchatmung das volle Lungenvolumen genutzt. Bei ihr wird das Zwerchfell als wichtigster Atemmuskel voll genutzt und die Lunge kann bis in den letzten Winkel mit Luft gefüllt und geleert werden.

Wenn du merkst, dass du zu locker oder unmotiviert bei der Sache bist, kannst du dich über die Brustatmung aktivieren.

Was wird durch die Atmung beeinflusst?

  • Aufmerksamkeit / innere Ruhe
  • Entspannung / Motivation
  • Stress- / Angstreduktion 
  • Motorische Kontrolle
  • Kraftentwicklung
  • Erholung

Wann, wo, wie atmen?

Beginnen wir mit dem Wie. Zum Atmen stehen deinem Körper zwei unterschiedliche Atemöffnungen zur Verfügung: Mund und Nase. So unterschiedlich sie auf der Oberfläche ausschauen ist auch die Wirkung, durch welche der beiden Körperöffnungen du atmest. Denn sie bewirken ganz unterschiedliche Reaktionen in deinem Körper.

Atme bewusst (durch die Nase)

Um die Lunge mit Luft zu füllen, muss der Körper Platz schaffen, das kann er entweder über die Weitung der Brust oder des Bauchs. Gerade im Alltag atmen viele Menschen unbewusst durch den Mund in den Brustkorb hinein. Dabei erzeugen sie ungewollte körperliche Reaktionen und verpassen die genannte Vorbereitung der Luft für die Lunge.

Bei der Brust- und Schulteratmung ist die Muskulatur des Oberkörpers aktiv, entsprechend wird auch nur der obere Anteil der Lunge mit Luft gefüllt. Die Atmung besteht aus kurzen, flachen Atemzügen durch den Mund. In die oberflächliche Atmung verfallen viele Menschen oft unbewusst im Alltag. Der Effekt sind verstärkt Konzentrationsschwierigkeiten und Stressreaktionen wie Angst und Panik.

Der Grund dafür ist, dass diese Atmung das sympathische Nervensystem aktiviert. Welches für den sogenannten „Fight or Flight“ Modus verantwortlich ist. Diese Stressreaktion war/ist für den Körper wichtig, um schnell auf Gefahrensituationen reagieren zu können und deshalb eng an die Atmung gekoppelt. Doch diese Atmung ist auch im Sport bei maximaler Anstrengung aktiv. Denke an die Sprinter, die sich bei voller Erschöpfung nach unten gebeugt mit den Händen auf den Oberschenkeln abstützen und versuchen ihren „Lufthunger“ zu stillen. 

Wer durch die Nase atmet, nutzt automatisch die Bauch- und Zwerchfellatmung und damit den gesamten Brust- und Bauchbereich. Mit dieser Atmung kann das gesamte Lungenvolumen gefüllt werden und mit den automatisch langsamen, tiefen Atemzügen hat die Lunge die notwendige Zeit für den oben beschriebenen Gasaustausch. Zusätzlich wird die durch die Nase durchströmende Luft optimal auf die Lunge vorbereitet. Sie wird erwärmt und befeuchtet und die Nasenhärchen filtern Fremdpartikel und Krankheitserreger heraus.

Atmen durch die Nase…

  • … befeuchtet die Atemluft.
  • … wärmt die Luft auf Körpertemperatur auf.
  • … entfernt Fremdpartikel und Krankheitserreger.
  • … erweitert die Blutgefäße durch mehr Stickstoffdioxid (NO2) im Blut.
  • … führt zu einer ruhigen und tiefen Bauch-/Zwerchfellatmung.

Atemtechniken fürs Klettern

Der wohl bekannteste „Atmer“ in unserer schönen Kletterwelt ist wohl Adam Ondra. Bereits vor seinen aktuellen Erfolgen ist ihm der Ruf des lauten schreienden Jungtalents vorausgeeilt. Wer seine Videos und Filme kennt, wird einige der hier beschriebenen Atemtechniken wiedererkennen. Diese nutzt er aus den folgenden Gründen zu bestimmten Zeitpunkten beim Klettern.

  • Bauch-/ Nasenatmung zur Erholung und Entspannung
  • Aktivierungsatmung zur Motivation und Vorbereitung
  • Rhythmische Atmung mit der Kletterbewegung für Entschlossenheit und Konzentration
  • „Kampfschrei“ zur Aufrechterhaltung von Konzentration und Muskelspannung
  • Pressatmung zur maximalen Kraftentwicklung

Beim Klettern in schwierigen Routen hat ein unbewusstes Anhalten des Atems die Folge der Sauerstoffunterversorgung der Muskulatur und du erreichst schneller einen Ermüdungszustand. Das zu starke Atmen in den Ruhepositionen verhindert einen effektiven Gasaustausch in der Lunge und die Erholung der Konzentration. Ein unregelmäßiger Atemrhythmus vermindert die Körperspannung und reduziert die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislaufsystems.

Entspannungsatmung in Pausen und zur Stress- und Angstreduktion

Mit dieser Atemtechnik kannst du deine Nervosität senken, oder dich nach einer schweren Kletterpassage in einer Ruheposition gezielt erholen. Da sich bei vielen Kletterrouten schwierige und einfache Passagen abwechseln, kannst du dich von der Anstrengung der Crux erholen. Dabei kommen Herzschlag und Atmung wieder zur Ruhe. Dabei kannst du durch die Nase atmen und den Körper auf die kommende schwierige Stelle vorbereiten. Aber nicht alle Rastpositionen sind so gut, dass du dich vollständig erholen kannst, nutze sie dennoch so gut es geht.

  1. Atme in langsamen und tiefen Zügen durch die Nase ein (je nach Anstrengung bis zu 4 Sekunden)
  2. Halte einen Moment die Luft (1 bis 2 Sekunden) an.
  3. Atme in einem langen Atemzug so lange wie möglich durch den Mund aus (je nach Anstrengung bis zu 7 Sekunden).
  4. Wiederhole das in der Vorbereitungsphase bei Nervosität oder Anspannung in etwa 11 Mal mit einer aufrechten Körperhaltung.
  5. In der Ruheposition beim Klettern ist die Wiederholungszahl individuell anzupassen.
  6. Sobald sich dein Atem beruhig hat, kannst du weiterklettern.

Aktivierungsatmung für den „Wettkampfmodus“

Diese Atemtechnik hilft dir dabei, vor einem schweren Zug oder vor dem Einstieg in eine Route Körper und Geist in den Leistungsmodus zu bringen.

  1. Stehe aufrecht und mit „stolzer Brust“
  2. Atme über die Nase energetisch und kräftig ein
    1. Fokussiere dich auf die Brustatmung
    2. Hebe bewusst Brustkorb und Schultern
  3. Atme kräftig über den Mund aus

Die rhythmische Atmung – Taktgeber für die Kletterbewegung

Durch die Konzentration auf den richtigen Atemrhythmus gibst du dir auch einen Bewegungsrhythmus vor. Mit der Einatmung entspannst du soweit es geht, schaust dich nach dem nächsten Griff um und atmest bei der Zugbewegung zu diesem Griff, um dort angekommen wieder einzuatmen. Atmest du schneller, machst du auch schnellere Züge und umgekehrt. Mit der Kontrolle deiner Atmung kannst du damit deine Klettergeschwindigkeit steuern.

Da du dich nur mit einer bestimmten Geschwindigkeit bewegen kannst, wirst du auch nicht zu schnell und flach atmen. Am besten führst du schon direkt am Einstieg 5 bis 10 Atemzüge in deinem gewünschten Rhythmus durch, um dann in diesem in die Route einzusteigen. Dass du mal aus dem Rhythmus kommst oder dich die Anforderung der Tour aus dem Takt geraten lassen ist normal. Spätestens am nächsten Rastpunkt hast du die Möglichkeit wieder einzusteigen. 

Der „Kampfschrei“, für mehr Kraft und Konzentration

Im Kampfsport ist er ganz normal und wird vielen Anfängern gelehrt. Auch im Alltag kann man ihm begegnen, wenn man etwas Schweres hebt und dabei so ausatmet, dass ein Ton entsteht. Diese Technik hilft besonders in der Bewegung eine höhere Körperspannung aufzubauen. Bei der Ausführung eines kräftigen Zuges muss der Körper auf die neue Position reagieren und entstehende Impulse abdämpfen. Durch die Anspannung der Core-Muskulatur muss im Bauch- und Brustbereich Platz geschaffen werden. Durch die kräftige und schnelle Ausatmung entweicht Luft aus der Lunge. Da sie sehr schnell durch die Luftröhre strömt entsteht der Ton, durch den Schrei ist die Ausführung leichter. Gleichzeitig hilft diese Technik sich mehr auf den einen Moment, den wichtigen Zug zu konzentrieren. Man synchronisiert quasi die geplante Bewegung mit der muskulären Ausführung.

Pressatmung für eine kurzfristig erhöhte Kraftleistung

Mit einer gezielten Pressatmung kannst du deine Kraftreserven mobilisieren und so die schwierigste Kletterstelle oder das Boulderproblem lösen. Pressatmung bedeutet ein gezieltes Luftanhalten durch das Ausatmen gegen die geschlossene Stimmritze (du kannst keinen Ton mehr herausdrücken). Es kann im Gegensatz zum „Kampfschrei“ also kein Ton entstehen. Dabei erhöht sich der Innendruck im Bauchraum, der Brustkorb wird stark fixiert und der Körper kann bis zu 10% mehr Kraft entfalten. Gleichzeitig kann diese Methode bei sehr weiten Zügen helfen die letzten Zentimeter herauszuholen, da du dabei eine stark gestreckte Brustwirbelsäule hast.

ABER diese Methode ist mit Vorsicht zu genießen. Es kommt zu einer Erhöhung des systolischen Blutdrucks und stellt ein Risiko für bestimmte Personengruppen (mit Herz-Kreislauf-Problemen) dar. Frage hierzu deinen Arzt zum Thema Vasalva Manöver.

  1. Pressatmung ausschließlich an der schwierigsten Stelle.
  2. Danach wieder gezielt die rhythmische Kletteratmung anwenden.

Die richtige Atemtechnik ist für jeden Kletterer ein Plus. Besonders bei hohen Belastungen verbessert sie die Sauerstoffversorgung und erhöht die Kraftreserven. Wer es also schafft, bei der Kletterbewegung gleichmäßig zu atmen und die Körperspannung zu halten, kann ohne weiteres Training schon Fortschritte machen.

Beim Klettern kannst du die hier vorgestellten Techniken direkt an der Kletterwand ausprobieren. Am besten eignen sich erstmal Touren, die dir leicht fallen. So hast du wirklich die notwendige Kapazität, um aktiv an die Atmung zu denken. Später fällt es dir dann auch leichter diese in den anspruchsvollen Touren umzusetzen. Für Zuhause gibt es auch einige Übungen, die du durchführen kannst.

So kannst du bei deinem Training oder noch besser beim Yoga gezielt auf die Atmung achten, um zu lernen unter Körperspannung rhythmisch zu atmen. Mit der Anmerkung: durch die Nase. Zur Übung der Entspannungsatmung ist Pranayama zu empfehlen, was auch aus dem Yoga kommt. Bei dieser Technik atmest du in bestimmten Zyklen mit Atempausen ein und aus.

Hoffentlich bringt dich eine der Atemtechniken weiter. Da sie ohne großen Aufwand durchführbar sind, kannst du sie immer wieder gezielt einsetzen und diejenigen, die dir am besten gefallen, beibehalten und zur Gewohnheit machen. Viel Spaß beim Atmen. 

Überlastungen an Händen und Fingern vorbeugen – wer entscheidet über meine Fingerkraft?

12. Januar 2021
Tipps und Tricks

Die Fingerkraft ist erst einmal genetisch bestimmt. Doch gezieltes Fingertraining ist unerlässlich für eine gute und nachhaltige Performance beim Klettern. Viele Kletterinnen und Kletterer kennen es sicher: Hände und Finger können durch das Klettern oder Bouldern schnell mal überreizt und überlastet werden. 

In diesem Artikel spreche ich mit Prof. Dr. med. Volker Schöffl. Er ist ein sehr erfahrener Kletterer, Arzt der deutschen Nationalmannschaft Sportklettern und Leiter der Sektion Sportorthopädie, Sporttraumatologie, Sportmedizin, Chirurgie der oberen Extremität am Klinikum Bamberg. Wir sprechen über das beste Training zum Vorbeugen von Verletzungen sowie das wachsende Interesse an der Klettermedizin. Letztes Jahr stellt man ihn mir als „Primus inter pares“ zur Behandlung von Kletterverletzungen vor. Er wurde 2020 in die Focus Ärzteliste der besten Mediziner und Medizinerinnen Deutschlands aufgenommen. Also Textmarker raus und Obacht!

Unsere Hand- und Fingergelenke bestehen aus insgesamt 27 kleinen Knochen. Viele Sehnen und Muskeln mit denen wir unsere Hand und Finger bewegen können, haben ihren Ursprung im Ellenbogen und Unterarm. Sie fächern sich dann immer mehr auf. Die feine Beweglichkeit kommt auch durch die genialen Konstruktionen mit den Bändern und Sehnen zustande. Beispielsweise sorgen die Ringbänder und Kreuzbänder dafür, dass unsere Sehnen der Finger so fixiert sind, dass das Beugen funktioniert und nichts aneinander reibt während wir sie bewegen. 

Auch bei gut trainierten Leuten, die viel Erfahrung haben und ihren Körper optimal nutzen, fordert der Klettersport viel Kraft aus den Fingern und Händen. Umso wichtiger ist es sie stärker wahrzunehmen, fit zu halten und gezielt zu trainieren um mögliche Überlastungen vorzubeugen.

Übungen der Finger- und Handgelenke sollten immer individuell abgestimmt werden. Der Körperbau, eher breite oder fragile Gelenke und die eigene Fitness sollten bei der Auswahl der Übungen berücksichtigt werden. Um Beschwerden zu vermeiden, ist es immer wichtig bewusst den ganzen Körper beim Klettern oder Bouldern zu nutzen, sodass die Hände und Finger geringeren Belastungen ausgesetzt sind.

Es ist schon so, dass Leute mit dünnen Fingern anfälliger sind für Verletzungen. Die Überstreckbarkeit der Gelenke erhöht die Verletzungsgefahr. Ein isoliertes Fingertraining unabhängig von der Fingerkraft, lässt die Belastungen beim Klettern deutlich besser verkraften. Mit gutem Fingertraining kann ich vieles kontrollierter machen.“ 

Stärkere Fingergelenke bekommt ihr durch das Trainieren mit Softbällen, Tennisbällen, Therabändern, Finger-Stretchern oder Finger-Strengthenern. Von der Firma Theraband gibt es auch spezielle „Handexerciser“, die ganz gut sind. Natürlich eignet sich immer das Finger- oder Hangboard bei ausreichenden Vorkenntnissen und aufgewärmter Muskulatur. Nach den Belastungen durch das Klettern oder Bouldern könnt ihre eure Finger auch gut mit etwas Fingergymnastik verwöhnen. Dazu eignen sich zum Beispiel mittelgroße Holzkugeln, die ihr durch die Finger spielt.

Um vor allem die Finger zu schonen, werden immer häufiger Tapes verwendet. Doch, dass ist gar nicht mal so gut. Das Tapen von Fingergelenken ist keine gute Idee, wenn keine Verletzungen vorliegen. 

Generelles prophylaktisches Tapen hat in zwei Studien gezeigt, dass es zu mehr Verletzungen führt. Tapen nach einer Verletzung ist natürlich kein Problem. Doch zur Vorbeugung von Verletzungen rate ich, sich darauf zu konzentrieren, dass das Klettern nicht nur mit den Fingern stattfindet. Fingerkraft ist genetisch bedingt. Personen, die viel Fingerkraft haben, sind am Anfang vielleicht bevorteilt, doch dies führt oft zu Kletterbewegungen, die nicht auf den ganzen Körper verteilt sind. Dann kommt es schnell zu Überlastungen der Finger.

Finger und Hände können schnell mal zu viel belastet werden. Gerade Personen, die vor einer kurzen Zeit, vor 1 bis 2 Jahren, mit dem Klettern oder Bouldern begonnen haben, holen zu viel Kraft aus den Fingern und Händen, anstatt den ganzen Körper effektiv zu nutzen. Andauernde Schmerzen nach dem Sport weisen auf akute Überlastungen hin. 

Akute Überlastungen können ein bis zwei Wochen anhalten. Sie sind meist einfach zu behandeln. Durch eine Sportpause und Fingergymnastik lassen sich die Überlastungen schnell beruhigen. Wenn nach zwei Wochen keine Besserung eingetreten ist, sollte es weiter ärztlich abgeklärt werden. Über chronische Beschwerden sprechen wir nach 6-8 Wochen.“ 

Im Klettersport gehören Verletzungen an den Fingergelenken zu den häufigsten Verletzungsarten. Auch Verletzungen an den Händen sind häufiger auf zu hohe Belastungen als auf Stürze zurückzuführen. Durch ständige Überlastungen können sich zudem Knochenödeme in der Hand bilden. 

An Fingerverletzungen gibt es eine ganze Menge. Es können Bänder und Sehnen reißen oder der Kapsel-Band-Apparat durch ungünstige Belastung stark beschädigt werden. Die häufigsten Schäden sind Verletzungen der Ringbänder. Durch einen schwierigen Zug in aufgestellter Fingerposition reißen die Ringbänder ganz oder teilweise. Dies wird häufig von einem hörbaren „Schnalzen“ und im Anschluss durch zunehmende Schmerzen begleitet. 

Die meisten Verletzungen werden konservativ behandelt. Operationen an der Hand bringen immer Spätfolgen mit sich. Nach einer OP sollte die verletzte Hand schrittweise trainiert werden. Bei Fußverletzungen braucht es mindestens ein Jahr. Bei Verletzungen der Hand und Finger geht die Anpassung etwas schneller. Doch können bis zur Vollbelastung bei schwerwiegenderen Verletzungen schon mal drei bis sechs Monate vergehen.

Unsere Finger- und Handgelenke scheinen jetzt sehr anfällig für Überlastungen und Verletzungen zu sein. Doch machen sie auch einige Anpassungsprozesse, die uns vielleicht erst einmal gar nicht so bewusst sind. Bei Kletterinnen und Kletterin ist beispielsweise zu beobachten, dass die Gelenke der Finger dicker werden und somit unsere Seitenbänder an Kraft zunehmen und uns so vor Verletzungen schützen. 

Wir akzeptieren in der Klettermedizin viel mehr Anpassungserscheinungen als die normale Orthopädie. Bevor jemand ein Sportverbot ausspricht, gibt es in der Regel noch viele Möglichkeiten und Wege den Klettersport weiter auszuüben.

So sind verdickte Fingergelenke nicht grundsätzlich ein Problem. Auch Anpassungen an den Händen können toleriert werden. Bei anhaltenden Beschwerden oder langjährigem Klettersport, ist es ratsam eine Person aufzusuchen, die sich gut mit Kletterverletzungen auskennt. Volker Schöffl macht Mut, dass es inzwischen fast in jeder Ecke Hilfe gibt.

Natürlich geht die Behandlung von Hand- und Fingerverletzungen etwas weg von der klassischen Orthopädie. Bei anhaltenden Beschwerden nach Unfällen oder Überlastungen sollte man schauen, wer sich in der Region damit beschäftigt. Oft lassen sich auch in Kletterhallen die entsprechenden Kontakte finden. Ich glaube, dass überall jemand da ist, der weiterhelfen kann. Es gibt auch Unfallchirurgen und Sportmediziner, die mit dem Klettern nichts am Hut haben und sich extrem gut auskennen. Letztes Jahr hatte ich zwei chilenische Handchirurgen hier, die sich in die Klettermedizin einarbeiten wollten. Sie kannten alle Paper und waren extrem interessiert.“ 

Teilweise sind klettermedizinische Erkenntnisse schon in die klassische Orthopädie und Unfallchirurgie integriert. Doch längst nicht alle. Für Interessierte, ob mit Doktortitel oder ohne, haben Volker und Isabelle Schöffl, Christoph Lutter und Thomas Hochholzer das Buch „Klettermedizin – Grundlagen, Unfälle, Verletzungen und Therapie“ im Sommer 2020 herausgebracht. 

Über unsere Fingerkraft entscheiden wir Kletterinnen und Klettern nun doch schlussendlich selbst. Regelmäßiges Training und ein gutes Körperbewusstsein helfen uns die Kraft zu erhalten. 

Rotpunkt und Co. – Was bedeuten gängige Kletterbegriffe?

4. Januar 2021
Tipps und Tricks

Rotpunkt, Onsight und Flash… Begriffe, die heute unsere Kletterwelt prägen und die Kennzahl für Kletterleistung bilden. Daneben existieren auch weitere Ausdrücke, welche man nicht mehr so häufig zu hören bekommt. Woher kommen all diese Bezeichnungen und was bedeuten sie eigentlich?

Ein Grund ist die nicht so „friedliche“ Geschichte des Freikletterns. Ganz anders, als man sich die Hippiekultur des Kletterns vorstellt. Geprägt von Uneinigkeiten zwischen den jungen Wilden des Sportkletterns und den etablierten Könnern des Bergsteigens. Klettern ist eben nicht einfach nur ein Sport. Klettern ist eine Kunst und Lebenseinstellung und wird von vielen mit großer Leidenschaft gelebt. Ein Nährboden für viele Ideen und hitzige Diskussionen.

Das zeigen einige Beispiele, wie ganz aktuell ein Routenstreit im Frankenjura, 2012 im Rahmen der Freibegehung der Kompressor-Route am Cerro Torre bis hin zum Pfälzer Hakenkrieg in den 80ern. Irgendwann kam es dann aber zu einer gewissen Einigkeit. Über diese lebendige Klettergeschichte sind viele Begrifflichkeiten und Regeln entstanden. Einige haben sich etabliert, andere gehen verloren. Dieser Artikel klärt deshalb über etablierte Begriffe auf und für die Geeks unter euch werden ein paar kleine Leckerbissen serviert. Dabei handelt es sich aber nicht um Kuchen. Irgendwie schade, oder?

Exkurs – Freiklettern und Alpinismus waren nicht immer Freunde

So selbstverständlich wie heute war das Freiklettern nicht immer. Die Idee, die in den Köpfen vieler Kletterer steckt hat eine kurze, aber intensive Geschichte. Denn die Wurzeln der vertikalen Fortbewegung liegen im alpinen technischen Bergsteigen. Wo die bergsteigerischen Tugenden wie der Aussetzung von Gefahren und Wind und Wetter oder nicht in die Hanfseile stürzen im Vordergrund standen.

Es galt, tapfer zu sein und oben anzukommen, wenn es sein muss auch mit technischen Mitteln. So legten die Alpenvereine 1968 den Schwierigkeitsgrad UIAA 6+ als absolute Grenze des frei kletterbaren fest. Ein Limit, das ca. 10 Jahre später durch die Freikletterbewegung bereits auf den satten 9. Klettergrad heraufgesetzt wurde. Derzeit noch nicht im heute üblichen Stil, aber dennoch eine große Leistung, die damals noch nicht offiziell von den Vereinen anerkannt wurde.

Die Idee der jungen Wilden war, nur aus eigener Kraft an den natürlichen Haltepunkten die Wände zu bewältigen. Wobei Seil und Haken nur als Notsicherung gedacht waren. Das traf bei den alten auf wenig Begeisterung. Die pure Körperlichkeit des Sports stieß den alten Hasen so auf, dass 1978 beispielsweise der Pfälzer Hakenkrieg ausbrach.

Hier wurden Tritte ausgeschlagen, Haken abgesägt und einmal kam auch Schweröl zum Einsatz, damit die betroffene Tour nicht mehr frei machbar war. Letztendlich konnte sich die Freikletterbewegung etablieren. Sie schwappte aus den USA über die sächsische und die fränkische Schweiz, bis sie neu interpretiert wieder in die USA kam. Dabei entstanden viele Begrifflichkeiten, die eine Freikletterbegehung definieren.

Free Solo

Diese pure Form des Kletterns wird oft mit dem Freiklettern oder Freeclimbing verwechselt. Der Unterschied zwischen diesen Begriffen ist gar nicht so groß, aber macht einen großen Unterschied. Wer Free Solo aufsteigt klettert frei, ist aber komplett ohne Sicherheitsreserven unterwegs.

Diese Kletterer verzichten auf Seil und Klettergurt oder ähnliche Hilfsmittel die einen Absturz verhindern oder bremsen. So begründete Dean Potter beispielsweise den Begriff des Free Base indem er einen Fallschirm als Sicherheitsreserve bei sich hatte. Diesen konnte er bei einem Sturz ziehen und damit sicher zu Boden gleiten.

Eine Person die Free Solo klettert verzichtet auf solche Reserven. Meistens tragen sie einen Helm, der sie zumindest vor leichtem Steinschlag schützt, eine gefühlt kleine Sicherheitsreserve, da sie vor einem eigentlichen Absturz nicht hilft. Dies zeigt aber, dass die Jungs und Mädels nicht aus Wahnsinn unterwegs sind, sondern ein solches Vorhaben meist nur durchführen, wenn sie sich ihrer Sache absolut sicher sind. Alexander Huber hat mit „Free Solo – Klettern ohne Sicherung und ohne Grenzen“ ein Buch geschrieben, in dem er die Erfahrung einzelner Free Solo Kletterer zusammenbringt.

Rotpunkt, ist klar?!

Der Begehungsstil des Freikletterns schlechthin. Hier geht es darum, eine Route mindestens einmal am Stück frei zu durchsteigen, mit so vielen Versuchen, wie man eben benötigt. Die Sicherungskette darf beim Durchstieg nicht belastet werden.

Der von Kurt Albert geprägte Begriff spiegelt den Geist des Freikletterstils wider. Viele kennen den Rotpunkt, aber ausgelegt wird er unterschiedlich. Man munkelt, dass es selbst die Profis oft nicht „richtig“ machen, wenn sie eine Rotpunktbegehung bekanntgeben.

Teil der Diskussion ist, ob bei der Rotpunktbegehung einer Kletterroute die für die Sicherung notwendigen Expressschlingen am Klettergurt getragen werden müssen, um sie beim Durchstiegsversuch einzuhängen, hier spricht man auch von Pinkpoint.

Zu diesem Thema äußerte sich Kurt Albert ganz pragmatisch: „Wenn du einen Weg eh einübst warum sollst du dann jedes Mal die Sicherungen rausnehmen?“. So ist es mittlerweile gang und gäbe von der Rotpunktbegehung zu sprechen, unabhängig ob Exen bereits in der Wand hängen oder nicht. Bei einer Mehrseillängentour muss der Kletternde alle Seillängen „rotpunkten“ um diese auf seine Liste nehmen zu „dürfen“. Mehr wertvolle Klettergeschichte über den von Kurt Albert geprägten Begriff und ihn selbst findest du in seiner Biografie „Kurt Albert – frei denken, frei klettern, frei sein“ geschrieben von Tom Dauer, sehr lesenswert.

Onsight

Kennst du eine Route noch gar nicht? Hast du auch keinem dabei zugesehen, wie er sie klettert? Dann hast du die Chance auf eine Onsight Begehung. Sie ist gültig, wenn du über die Route nur die Informationen hast, die du dir selbst über Betrachten der Route holen kannst. Das ist wie die Sichtungsphase den die Wettkampfkletterer bei offiziellen Wettkämpfen haben. Nur ohne Zeitlimit. Und wenn dir während der Kletterer jemand von unten Züge oder Griffe ansagt, bist du beim nächsten Begriff…

Flash

Sofern du vor oder während deines ersten Kletterversuchs Informationen von anderen erhältst oder auch von einer Beschreibung im Kletterführer ist das kein Onsight mehr, aber ein Flash.

Hangdogging

Das ist kein Begehungsstil, sondern mehr eine Strategie für die höchsten Schwierigkeitsgrade. Je schwieriger eine Route ist, umso unwahrscheinlicher ist der Druchstieg im ersten Versuch (Onsight oder Flash).

Um sich die anspruchsvollsten Stellen einer Kletterroute auszutüfteln und einzuprägen, versuchen die meisten Kletterer die beste Lösung dafür zu finden. So klettern sie von Haken zu Haken, um sich jeweils in das Seil hineinzusetzen und diesen Bereich genauer unter die Lupe nehmen. Sie suchen nach den passenden Griffen und Körperpositionen und das für jede der schwierigen Kletterstellen. Diese einzelnen Puzzleteile werden dann für die Rotpunktbegehung zusammengesetzt.

„Sächsisch“ Klettern, Alles frei (a.f.)

Auch aus dem Elbsandstein kommen Wurzeln des Freikletterns, hier wurde Kurt unter anderem von Bernd Arnold für den Rotpunkt-Stil inspiriert. Die Sachsen haben die Idee ursprünglich von den Amerikanern übernommen. Im Gegensatz zum Rotpunkt ist es beim a.f. erlaubt die Sicherungspunkte zum Ausruhen zu belasten. Beim anschließenden Weiterklettern muss die letzte Kletterstellung wieder eingenommen werden und dann kann es weitergehen. So war eine Tour geschafft, wenn es ein Kletterer zwischen den Pausen alles frei klettern konnte.

Mit dem Rotkreis Yoyo

Rotkreis und Yoyo, zwei Begriffe eine Bedeutung. Das Yo-yo-ing kam damals aus den USA nach Europa und war über einen langen Zeitraum DER Begehungsstil. Auf diese Weise wurde zum Beispiel „The Face“ (8a+) im Altmühltal von Jerry Moffat im Yo-yo-stil erstbegangen. Dabei kletterte er bis zum Sturz, wenn er stürzte und musste sich wieder zum Boden (oder dem letzten Stand) ablassen, das Seil aber blieb so hängen. Was immerhin bedeutete, dass er im nächsten Versuch bis dorthin im Toprope ist. Aber die Züge an dieser Stelle durfte er nicht auschecken. Hätte Jerry in dieser Tour einen No Hand Rest gefunden, so hätte er nach einem Sturz nach dieser Stelle nicht mehr bis zum Boden heruntermüssen, sondern nur bis zu diesem Punkt.

Rotkreuz

Rotkreuz ist wohl ein verbreiteter Begehungsstil, denn es handelt sich dabei um das sturzfreie Klettern einer Route im Toprope oder im Nachstieg. An sich wird der Begriff kaum noch verwendet, ist aber bei Para-Climbing Wettkämpfen Pflicht.

Clean

Einige Routen können mit mobilen Sicherungspunkten wie Klemmkeilen, Friends und Schlingen abgesichert werden. Diese sind nach der Begehung wiederentfernbar. Sicherungen wie Normalhaken die den Felsen beschädigen sind im Clean Stil nicht erlaubt. So ist die Clean-Begehung dem Rotpunkt in etwa ähnlich. Hier wird die Pinkpointregelung aber strenger genommen und wer eine richtige Clean-Begehung machen möchte, muss alle Sicherungspunkte beim Durchstieg selbst legen.

Headpoint

Manche Trad Kletterouten sind so anspruchsvoll, dass man sie beim ersten Versuch lieber nicht von unten starten möchte. Damit die kritischen Stellen für die mobilen Sicherungen und die schwierigen Kletterpassagen auscheckt werden können ist es möglich erst im Toprope zu klettern. Der anschließende Durchstieg ohne Belastung der Sicherungskette und der eigens gelegten Sicherungen ist dann der Headpoint.

Punkt, Punkt… Komma, Strich fertig ist das Lachgesicht

Sind dir diese Regeln zu streng und du weißt jetzt nicht, was du als Kletterbegehung zählen lassen kannst? Dann ist das doch eigentlich ziemlich egal, da die meisten unter uns für sich und nicht für den Vergleich oder Wettkampf klettern. Die einzigen Regeln, an die du dich an den Felsen und auf dem Weg dorthin halten musst, sind gegenseitiger Respekt, Naturschutz und ggf. die StVO.

In allen anderen Bereichen gilt: genieße die Natur, die Emotionen, die Bewegungen und die Menschen, die du triffst. Ob du die Route, auf die eine oder die andere Weiße genießen durftest, ist dann nur noch Nebensache.

Abschließend möchte ich euch anregen, eure Meinung in die Kommentare zu schreiben. Eine viel diskutiertes Thema ist das Vorclippen von der ersten oder zweiten Expressschlinge. Gerade wenn der Einstieg besonders schwierig ist oder das Risiko als zu hoch wahrgenommen wird. Wie seht ihr das? Sicherheit oder „Schwäche“?

Komm Baby, kleb mir eine! – die Geschichte des Kinesiotapes

9. November 2020
Tipps und Tricks

Egal ob Schwimmbad, Biergarten, Fitnessstudio, Kletterhalle oder Sportveranstaltung, immer wieder sieht man Personen, die mit auffällig farbigem Tape beklebt sind. Klar, das hat irgendwas mit Gesundheit, Regeneration und Vorbeugung zu tun, oder so. Oder ist das doch nur eine neumodische Kriegsbemalung für den geneigten Hobbysportler? Bin ich vielleicht voll auf dem Holzweg, weil ich bislang mit Kinesio- oder Physiotape noch nie was zu tun gehabt habe? Und wo liegen die Unterschiede zum klassischen Tapen, das man beispielsweise vom Klettern her kennt? Aus diesem Grund stellen wir uns heute mal ganz dumm und fragen:

Kinesiotape, was ist das eigentlich?

Zunächst einmal das ganz Offensichtliche: Bei Kinesiotape handelt es sich um spezielle Pflasterstreifen die direkt auf die Haut aufgeklebt werden. Diese bestehen in der Regel aus Baumwolle oder Viskose mit einem Elasthananteil und sind hochelastisch. Hierdurch können sie sich den Bewegungen des jeweiligen Körperteils anpassen und wie eine zweite Haut dehnen und zusammenziehen. Hierbei kommt es zu unterschiedlichen Effekten auf die Haut, Muskeln und Sehnen, die unter anderem schmerzlindernd und stoffwechselanregend wirken. Aber dazu später mehr.

Die Anwendung von Kinesiotape zur Behandlung unterschiedlicher Beschwerden ist dabei keine ganz neue Idee. Bereits in den 1970 Jahren wurde die Methode, schmerzende Gelenke und Muskeln mit elastischen Verbänden zu behandeln, von einem japanischen Chiropraktiker entwickelt. Auch die zugehörigen Bänder kamen ab 1973 in Japan auf den Markt und werden seither zur Behandlung unterschiedlicher Leiden eingesetzt. Heute kommen elastische Tapes auch bei uns im vor allem im Bereich der Physiotherapie immer wieder zum Einsatz um ergänzend zu anderen Behandlungsmethoden therapeutische Erfolge zu erzielen.

Eine klare Abgrenzung muss man jedoch zum konventionellen Tapen ziehen. Aus medizinischer Sicht dient dieses eher dazu einzelne Körperteile ruhigzustellen. Bei Sportarten wie beispielsweise Klettern oder Turnen kommen außerdem immer wieder vergleichsweise starre Tapes zum Schutz der Hände und Finger zum Einsatz. Diese sind aber aufgrund der fehlenden Elastizität nicht für den oben beschriebenen Zweck geeignet.

Kinesiotape, was macht das so?

Für Kinesiotape gibt es zahlreiche Anwendungsgebiete. Generell kann es am gesamten Bewegungsapparat eingesetzt werden und hilft dabei Beschwerden und Schmerzen zu lindern. Im Bereich der Physiotherapie kommt es daher vor allem bei Verletzungen und Entzündungen von Bändern, Gelenken oder Muskeln zum Einsatz. Das Tape wird dabei zur Entlastung und / oder Stabilisierung der jeweiligen Körperteile eingesetzt.

Das Tapen wird dabei nicht selten begleitend zu einer anderen Therapie vorgenommen. Bei Gelenk-, Muskel- und Bandverletzungen wirken Tapeverbände vor allem stützend und schonend und helfen die Heilung zu beschleunigen. Auch Schmerzen, die durch Überlastung entstanden sind, können durch das gezielte Tapen gelindert werden. Darüber hinaus können Tapeverbände auch dabei helfen Instabilitäten nach einer Verletzung am Gelenk oder den Bändern auszugleichen. 

Vorteil: Durch das elastische Band wird der betroffene Körperteil nicht komplett ruhiggestellt, hierdurch ist leichtes Bewegen problemlos möglich und die betroffenen Muskeln bilden sich auch bei längerer Behandlung nicht übermäßig stark zurück. Darüber hinaus kann das Tape dabei helfen ungewollte Schonhaltungen zu vermeiden.

Außerdem soll das Tape eine Wirkung auf die Haut und das Gewebe haben. Dadurch, dass das Band direkt auf die Haut geklebt wird, verschiebt sich diese bei jeder Bewegung leicht gegenüber dem darunterliegenden Gewebe. Hierdurch sollen unterschiedliche Rezeptoren aktiviert werden, diese wiederum tragen dazu bei, dass die Muskelspannung reguliert oder der Blutfluss verbessert wird. Diese Theorie wurde bislang jedoch noch nicht durch experimentelle und mit ausreichend aussagekräftige Studien belegt und basiert daher überwiegend auf Erfahrungswerten. 

Kinesiotape, kann ich das auch selbst?

Ja, nein, vielleicht. Um einen der oben beschriebenen Effekte zu erreichen, muss man sich gut mit dem Körper und dessen Bestandteilen auskennen. Denn durch das Tapen wird Einfluss auf die Haut, Muskeln, Sehnen und Bänder genommen. Nur wer verstanden hat, wie dieses Zusammenspiel funktioniert, kann auch gezielt darauf Einfluss nehmen. Oft ist es beispielsweise notwendig, dass das Tape nicht nur an der richtigen Stelle aufgebracht wird, sondern auch, dass der jeweilige Körperteil vor dem Bekleben in eine bestimmte Stellung gebracht wird. 

Außerdem muss man zunächst einmal wissen, woher die jeweiligen Beschwerden kommen. Ist man beispielsweise beim Wandern umgeknickt, ist die Ursache für die Schmerzen im Sprunggelenk ja noch vergleichsweise leicht auszumachen. Bei komplexeren Leiden wie Rückenschmerzen wird es da schon deutlich undurchsichtiger. 

Man kann sich natürlich gerade bei kleineren Beschwerden an den gewünschten Effekt heranexperimentieren, doch auch hierzu sollte man sich gut mit der menschlichen Anatomie auskennen. Bei größeren Verletzungen oder starken Schmerzen hilft aber definitiv nur der Gang zum Arzt. Nach einer entsprechenden Diagnose ist es außerdem sinnvoll das Tapen von einem Arzt oder Physiotherapeuten vornehmen zu lassen. Oft ist es danach aber auch möglich, das Tapen nach den Vorgaben und mit der Anleitung des behandelten Arztes oder Therapeuten selbst vorzunehmen. 

Kinesiotape, so wird geklebt

Wie bereits beschrieben, ist die Selbstbehandlung mit Kinesiotape nicht immer ganz einfach oder sinnvoll. Wer sich jedoch dazu entschließt, sollte ein paar Punkte beachten:

  • Schritt 1: Rasieren. Ob Arme, Beine oder Rücken, je nach persönlicher Veranlagung sprießen die Haare manchmal fast besser als auf dem Kopf. Wichtig ist jedoch, dass das Tape vollflächig auf die Haut aufgebracht wird, das ist mit einer entsprechenden Behaarung aber nicht möglich, also weg damit.
  • Schritt 2: Säubern. Damit das Tape optimal kleben kann, muss die Haut frei von Schweiß und Fett sein. Auch Rückstande von Hautcremes können sich negativ auf die Haftung des Pflasters auswirken. Daher empfiehlt es sich die jeweilige Stelle gründlich mit Seife zu waschen und anschließend gut zu trocknen.
  • Schritt 3: Zuschneiden. Kinesiotape gibt es zumeist auf der Rolle und muss daher in der richtigen Länge zugeschnitten werden. Darüber hinaus rundet man vor dem Aufkleben die Ecken des Bandes ab. Hierdurch wird vermieden, dass sich das Band bei vermehrtem Kontakt mit der Kleidung an den Ecken aufstellt und vorzeitig ablöst. Abgesehen davon gibt es aber auch bereits fertige Zuschnitte zu kaufen.
  • Schritt 4: Aufkleben. Wie bereits erwähnt, hängt das fachgerechte Aufbringen von Kinesiotape stark mit dem zu behandelnden Problem und dem jeweiligen Körperteil ab. Ganz grundsätzlich gilt aber: Das Band wird neutral aufgeklebt, also nicht bereits vorab gedehnt.

Kinesiotapes bleiben in der Regel einige Tage auf der Haut. Bei guten Tapes ist dabei das Sporttreiben sowie der Schwimmbad- und Saunabesuch kein Problem.

Vorsicht bei einer Pflasterallergie. Wer in der Vergangenheit Probleme mit Pflastern bzw. deren Kleber bei sich festgestellt hat, sollte auch bei Kinesiotapes vorsichtig sein. Hier ist es auf jeden Fall sinnvoll Rücksprache mit dem Hausarzt zu halten. Auch ohne bereits bekannte Pflasterallergie kann es möglicherweise zu Hautirritationen kommen. In diesem Fall sollte das Tape unverzüglich entfernt werden. Tritt danach kurzfristig keine sichtbare Besserung ein, empfiehlt sich auch hier der Gang zum Arzt.

Kinesiotape, was es sonst noch zu wissen gibt

Während meiner Recherche zu diesem Thema haben sich mir ein paar Fragen gestellt, die ich hier einmal kurz mit euch teilen möchte.

Haben die Farben bei den Tapes irgendeine Aussagekraft oder besondere Wirkung?

Kurz: Nicht direkt. Bei Kinesiotape handelt es sich vereinfacht gesagt um elastische Pflasterstreifen. Diese enthalten keinerlei Wirkstoff. Es gibt jedoch die Ansicht, dass sich die einzelnen Farben entsprechend der Chinesischen Farbenlehre auf den Körper auswirken. Rot wird also theoretisch eine andere Bedeutung als beispielsweise Grün zugeschrieben. Interessanterweise unterscheiden sich aber hierbei die Ansichten, welche Farbe was bewirken soll teilweise erheblich. Auch gibt es für diese Theorie keine belegenden wissenschaftlichen Studien. Daher ist es deutlich sinnvoller, eine Farbe zu wählen, mit der man sich persönlich auch wohlfühlt. Pink mag da beispielsweise nicht Jedermanns Geschmack treffen.

Werde ich durch Kinesiotape zum besseren Sportler?

Auch das trifft leider nicht zu. Wer keinerlei Beschwerden hat und ganz normal seinem Training nachgeht, der braucht auch kein Kinesiotape. Klar könnte man es als eine Art moderne Kriegsbemalung einsetzen, man kann aber deshalb weder schneller rennen, noch weiter springen oder besser klettern.

Ist Kinesiotape das neue Wundermittel, das alle unsere Probleme löst?

Auch mit dieser Annahme sollte man eher vorsichtig sein. Wie bereits erwähnt, kann das Tapen bestimmter Körperteile eine begleitende therapeutische Maßnahme sein und hier durchaus gute Effekte erzielen. Gerade bei schwereren Verletzungen sollte aber auf jeden Fall Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden. Auch bei „alten“ Verletzungen, die immer mal wieder Probleme machen, kann durch gezieltes Tapen eine Verbesserung herbeigeführt werden. Wer allerdings davon ausgeht, dass durch das Aufkleben von Kinesiotape wahre Wunder vollbracht werden können, der wird sicherlich enttäuscht werden.

„Morgen geh ich sicher zum Trainieren, ganz sicher…“ oder wie man seine Motivation wiederfindet

3. November 2020
Tipps und Tricks

Wahrscheinlich war jeder Sportler, ob professionell oder hobbymäßig, schon mal an dem Punkt, an dem er sich einfach nicht zum Training aufraffen konnte. Der innere Schweinehund lässt grüßen.

Soweit ist das ja auch ganz normal und menschlich und doch lässt uns ein Motivationsloch nicht einfach kalt. Wir ärgern uns über uns selbst und sind unzufrieden, dass wir schon wieder auf der Couch gelandet sind, statt eine Runde durch den Park zu drehen. Es ist ja auch angenehmer nach der Arbeit daheim zu fläzen, als sich nochmal nach draußen zu begeben und sich anzustrengen. Ausreden sind da schnell zur Hand. 

  • „Heute ist es zu kalt.“
  • „Heute ist es zu warm.“
  • „Heute war es so anstrengend in der Arbeit.“
  • „Ich fühl mich irgendwie nicht so danach.“
  • „Und morgen geh ich ja dann auch sicher…“

…oder auch nicht. Um dem Motivationsloch den Kampf anzusagen, ist es manchmal hilfreich, sich zu fragen, woher die Unlust kommt. Hat man es in letzter Zeit etwas übertrieben? Ist der Körper zu platt, um noch mehr Leistung abzurufen? Reicht vielleicht einfach ein Tag Pause, oder zieht sich das Loch schon Wochen oder sogar Jahre hin?

Komfortzone und Routinen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir lieben unsere Routinen und geplanten Abläufe. Deshalb fällt es uns zeitweise auch so schwer aus Mustern auszubrechen und die Komfortzone zu verlassen. Und Sport, beziehungsweise das Training, liegt bei den meisten die es als Hobby betreiben, außerhalb der Komfortzone, denn es bedeutet Stress und Anstrengung. Deshalb ist es auch so schwer, nach der Arbeit noch eine Runde zu laufen, anstatt auf dem Sofa zu landen.

Doch unser Gehirn lässt sich da ganz einfach austricksen. Die Gewohnheit, jeden Abend auf dem Sofa zu landen, ist fest einprogrammiert. Doch genauso leicht lässt sich der Kopf umprogrammieren. Man sagt, eine neue Routine lässt sich innerhalb von etwa sechs Wochen manifestieren. Plant man also einmal die Woche abends zum Sport zu gehen (man will es ja nicht gleich übertreiben) und zieht das sechs Wochen durch, dann hat man sich eine neue Routine erschaffen und einem fällt es deutlich leichter die Bewegung zu wählen, statt das Sofa. Denn der Kopf weiß nun, dass es an einem Tag in der Woche zum Sport geht und sieht es nach einer Zeit als normale Gewohnheit an, mit der er sich wohlfühlt. 

Pause muss sein: Sport-Burnout

Trotzdem kann es vorkommen, dass man selbst mit sportlichen Routinen, einfach einen Hänger hat. Da rennt man fast täglich ins Fitnessstudio, zum Klettern, Yoga oder Laufen und plötzlich geht gar nichts mehr. Man will seine Trainingsklamotten nicht mal mehr ansehen. Ein klassisches Sport-Burnout. Sowas kann nach Übertraining oder Überlastung passieren, bei denen der  Körper das deutliche Signal sendet, dass er eine Pause braucht. Oder auch nach zu wenig Ruhetagen. Nicht umsonst gibt es im Job das Wochenende, an dem man sich körperlich und geistig erholen und wieder Kraft sammeln kann.

Das lässt sich so auch auf den Sport übertragen. Bei einem Motivationsloch helfen oft einige Tage Ruhe für den Körper und Abstand zum Training. Man kriegt den Kopf frei, die Muskeln regenerieren sich komplett und sind danach wieder voll einsatzfähig. Und da braucht man auch gar kein schlechtes Gewissen haben, denn ausreichend Regeneration gehört zum Sport genauso wie ein durchdachtes Training. Und neben dem ganzen Training darf man die Lebensqualität nicht ganz vergessen. Einmal ein Bierchen mit Freunden zu genießen, statt zum Trainieren zu gehen, hat noch niemandem geschadet.

Ziele: Warum tu ich mir das eigentlich an?

Man plagt sich durch eine Trainingseinheit, rennt im Regen seine fünf Kilometer Runde durch den Wald oder marschiert ins Fitnessstudio. Das kann ja gar keinen Spaß machen, oder? Sport soll keine Quälerei sein. Klar geht man gerne mal an seine Grenzen, aber der Spaß sollte dabei nie verloren gehen. Denn das Ganze hat auch seinen Sinn.

Mit regelmäßiger sportlicher Bewegung hält man sich fit und gesund. Wie oft bewundert man betagte Menschen, die immer noch aktiv Sport betreiben. Das kommt nicht von irgendwoher. Der Spruch „Wer rastet, der rostet.“ hat sicher einen wahren Kern. In einem Motivationsloch kann man sich immer ins Gedächtnis rufen, warum man das Ganze eigentlich macht. Gesundheit für jetzt und das hohe Alter, Vorbeugung vor Verletzungen, ein gesundes Herz-Kreislauf-System, die Traumfigur, bessere Blutwerte… Es gibt immer einen Grund sich sportlich zu betätigen.

Sport ist ein Geschenk – Dankbarkeit für einen gesunden Körper

Hört sich hochtrabend an, ist aber wahr. Denn viele Menschen haben nicht das Glück, vollkommen gesund zu sein und sich körperlich uneingeschränkt zu bewegen. Es muss nur eine kleine Verletzung dazwischenkommen und schon ist man ausgebremst. So kann man den Sport durchaus als Geschenk ansehen. Bei jedem Kilometer durch den Wald kann man seine Gesundheit feiern, denn man läuft! Verknüpft man sportliche Aktivitäten mit Dankbarkeit für einen gesunden Körper, dann verschwinden negative Gefühle ganz schnell. 

Mit musikalischem Schwung durchs Training

Ein alter Trick, der sich aber bewährt hat. Stellt euch eine Playlist mit motivierenden Liedern zusammen und schon läuft das Training wie von allein. Es gibt sogar spezielle Playlists zum Laufen, die sich am Schritttakt orientieren und man so das Laufen selbst fast vergisst. Ruhige Musik zum Yoga, Heavy Metall zum Krafttraining, für jede Sportart lässt sich ein Musik-Genre finden, das die Motivation ordentlich pusht. 

Shopping-Tour

Nein, shoppen gehen soll nicht das neue Cardio-Programm werden. Vielmehr hilft es der Motivation oft auf die Sprünge, wenn man sich neue Sportklamotten kauft. Klingt vielleicht oberflächlich, ist aber durchaus hilfreich. Denn wer will denn die neuen Klamotten im Schrank verstauben lassen? Schöner ist es doch, wenn man sie auch den Sportkollegen präsentiert. So eine neue Laufhose kann einen ordentlichen Motivationsschub geben.

Training mit Freunden oder Partnern

Oft ist es ziemlich schwer, sich alleine aufzuraffen. Gerade, wenn man in einem Motivationsloch ist. Man sucht sich Ausreden, um bequem daheim zu bleiben und beruhigt damit sein schlechtes Gewissen. Aber wie läuft es jetzt, wenn man sich mit jemandem zum Sport verabredet hat? Da ist es schon schwerer plausible Ausreden zu finden. Und man lässt seinen Partner ja auch ungern hängen. Zum einen hat man damit eine Art Verpflichtung zum Sport zu gehen und zum anderen macht das gemeinsame Training auch mehr Spaß. Man legt sich mehr ins Zeug und motiviert sich gegenseitig. Auch ein Coach kann bei einem Motivationsloch hilfreich sein, denn er kann bei Bedarf den nötigen „Tritt in den Hintern“ verpassen.

Kurz- und Langzeitziele

  • „Ich möchte 20 Kilo abnehmen.“
  • „Ich will endlich den 10er klettern können.“
  • „Ich will den Everest erklimmen!“

Das alles sind Ziele, die man normalerweise nicht innerhalb kurzer Zeit oder mit normalem Aufwand erreichen kann. Solche Ziele sind oft ein langer Weg, gepflastert von Rückschlägen, Tiefs und Burnouts. Beginnt man erst motiviert mit dem Training, wird einem bald bewusst, dass das Ziel doch sehr fern ist. Der weite Weg kann oft demotivierend wirken und man verliert den Fokus schnell.

Schöner wäre es doch, wenn man eine Woche trainiert und sein Ergebnis parat hat. Um sein Langzeitziel zu erreichen und die Motivation nicht zu verlieren, helfen Kurzzeitziele. Beispielsweise ist es für unsere Motivation besser zu sagen: „In einem Monat laufe ich die Runde schneller und leichter als heute.“, als zu sagen: „Nächstes Jahr schaffe ich den Marathon.“ Denn durch relativ schnell erreichbare Ziele hält man die Lust und Motivation hoch. Zudem machen kleine Erfolge stolz und man sieht, dass das Langzeitziel Stück für Stück erreicht wird. 

„Aber der klettert/läuft/schwimmt immer besser als ich!“

Wer hat sich nicht schon mit seinem Trainingspartner oder anderen Sportlern verglichen. Das kann durchaus motivierend sein. Andererseits ist auch schnell ein Frustgefühl da und man denkt sich: „Das schaffe ich ja nie.“ Schon ist die Motivation futsch und der Sinn des eigenen Trainings wird in Frage gestellt. Besser ist es, sich mit sich selbst zu vergleichen.

Wo war ich vor einem Jahr? Wo habe ich mich verbessert? Den Zug kann ich jetzt viel besser klettern als vor einer Woche.

Das sorgt für ein positives Mind-Set und blendet die Leistung anderer aus. Denn schließlich kann man nur an seinem eigenen Körper arbeiten. Da man die Hintergründe des anderen Sportlers nicht kennt, nicht weiß, wie viel Einsatz er für diese Leistung betreiben muss, kann man sich selbst auch nie mit anderen vergleichen. 

Variationen im Training

Jede Woche dasselbe Programm durchzukauen wirkt ermüdend. Steckt man in einem Motivationsloch, hilft es mehr Abwechslung ins Training zu bringen. Läuft man immer am selben Fluss entlang, ist es vielleicht auch mal spannend durch den Wald oder auf einen kleinen Berg zu laufen. Macht man täglich seine Yoga-Übungen in den eigenen vier Wänden, wäre es ja auch mal schön, die Session in den Park oder in den Garten zu verlegen. Im Krafttraining lassen sich einzelne Übungen auch mal wechseln, um der Monotonie entgegenzuwirken. 

Das Gefühl danach

Das Glückshormon Dopamin ist verantwortlich für das Hochgefühl nach dem Sport. Hat man eine sportliche Schaffenskrise, braucht man nur an das Gefühl nach dem Sport denken. Man ist ausgeglichen, innerlich zufrieden und einfach glücklich. Es fühlt sich so an als wäre man jeder Herausforderung gewachsen. Das kann durchaus süchtig machen und die Erinnerung daran hilft, dass man sich in einem Motivationsloch aufrafft und die Couch für zwei Stunden verlässt. Belohnt wird man danach mit einem herrlichen Gefühl. 

Wenn alle Stricke reißen

Jetzt hat man jeden Motivationsratgeber durchgelesen, sich einen Coach besorgt, läuft im Wald, statt am Fluss und das auch noch mit einer neuen Laufhose. Doch die Lust ist immer noch nicht da. Der Fokus ist einfach vollkommen abhandengekommen und die Motivation hat sich brav unter der Couch versteckt. Dann hilft nur eins: Abstand.

Denn sich täglich ins Training zu quälen, löst die Blockade nicht, sondern verschlimmert womöglich noch die Frustration. Man will ja gar nicht mal an seine Grenzen gehen, der Erfolg bleibt sowieso aus und schon sitzt man in einem Teufelskreislauf. Die Devise „Auf zu neuen Ufern“ kann nicht nur das bestehende Problem lösen, sondern auch den eigenen Horizont erweitern.

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, eine neue Sportart auszuprobieren. Wollte man nicht schon immer mal einen Pilates-Kurs machen oder mal die neue Boulderhalle auschecken? Alles was einen auf andere Gedanken bringt ist hilfreich. Zudem wird nebenbei der Körper weiter trainiert. Mit den neuen Reizen, die eine ungewohnte Sportart mit sich bringt, werden andere Muskelgruppen trainiert als bisher. Dadurch kann man gestärkt in seine alte Sportart zurückkehren oder vielleicht hat man sogar eine neue Leidenschaft entdeckt.

Denn möglicherweise schlummern noch viel mehr Talente in einem, die man erst entdeckt, wenn man die Gewohnheiten bricht. Sei es mit Sport zu beginnen, die Sportart zu wechseln, oder sich durch ein Motivationstief zu kämpfen. Am Ende geht man immer gestärkt aus einer sportlichen Motivationskrise! Man darf nur nicht die Flinte ins Korn, beziehungsweise die Laufschuhe/ Kletterschuhe/ Schwimmsachen ins Eck werfen!

Zug? Seil frei! – Fehlkommunikation am Fels

21. Oktober 2020
Tipps und Tricks

Ich bin zum klettern verabredet und treffe etwas verspätet ein, da ich separat zugestiegen bin. Wir sind in einem alpinen Ambiente, klettern aber kurze Sportkletterrouten. Als ich ankomme, bemerke ich Schrammen und Kratzer im gesamten Gesicht meines Bekannten, der bisher vom dritten Mann gesichert wurde. Auf Anfrage, was passiert sei, bekomme ich keine Antwort. Mein Bekannter klettert eine Route und erklärt daraufhin, dass er auf die Hütte geht um einen Schnaps zu trinken- ich bleibe irritiert zurück.

Erst eine Woche später kann er davon sprechen: „Ich hatte angenommen, vom Sichernden abgelassen zu werden, während er mich aus der Sicherung nahm! Plötzlich der freie Fall ins Ungewisse– instinktiv krallte ich mich in Graswasen, Latschen und Bäume- bis zum Aufprall. Dann kamst du daher…“ Um den psychischen Schock zu verdauen und nicht mit dem Klettern aufzuhören, stieg er von mir gesichert noch eine leichte Route vor, um anschließend den Schock und seine unverhoffte Wiedergeburt zu begießen.

Ablassen oder Abseilen

Immer wieder passieren Unfälle beim Klettern, weil sich Sichernder und Kletterer falsch verstehen: der Sichernde nimmt seinen Kletterer am Ende einer Sportkletterroute aus der Sicherung, während der Kletterer sich ins Seil setzt, um abgelassen zu werden. Der Kletterer stürzt in freiem Fall zu Boden. Ich kenne drei erfahrene Kletterer, die sich genau aufgrund dieser Situation „nur“ verletzten und mit einem „blauen Auge“ davon kamen. Sie haben echtes Glück gehabt!

So etwas darf beim Klettern eigentlich nicht passieren, und tut es doch. Ich habe mich umgehört und stelle fest, dass zum Thema „Fehlkommunikation am Fels“ fast jeder etwas zu erzählen hat. Leider. Anlass genug, um darüber zu schreiben und vielleicht auch die eigene Kommunikation zu überdenken.

Wo bin ich?

Kommandos beim Klettern sind kurz und eindeutig. Am besten, man spricht das Thema vor dem Klettern kurz an und klärt vor allem mit einem neuen Kletterpartner, was mit welchem Kommando gemeint ist. Es gibt eigentlich nicht viele Kommandos- dennoch sollte man sich immer vor Augen führen, was genau sie bedeuten und wo sie Anwendung finden (siehe Glossar). Beim Sportklettern kommen vor allem „zu“ (Seil einziehen und straff nehmen) und „ab“ (bitte ablassen) zum Einsatz.

Mit „Seil“ fordert der Kletterer mehr Seil. Bei Mehrseillängen- Routen kommt das Kommando „Stand“ hinzu, was so viel bedeutet wie: „Ich habe mich selbst gesichert- du kannst mich aus der Sicherung nehmen.“ Das Kommando „Stand“ hat im Sportklettern nichts verloren!!! Es sei denn, man hat sich wirklich selbst gesichert und möchte abseilen. Während das in Kalk- Klettergebieten eher unüblich ist, wird es in Sandstein- Gebieten durchaus praktiziert. Dennoch ist es beim Sportklettern ziemlich ungewöhnlich. Also denkt immer genau darüber nach, was ihr sagt.

Vom Winde verweht

Um das Risiko zu minimieren, ist beim Klettern Redundanz angesagt: zwei Haken verbunden zum Standplatz, der Prusik als Hintersicherung beim Abseilen und das sind nur einige wenige Beispiele. Warum nicht auch in der Kommunikation redundant sein? Lieber einmal nachfragen, bevor etwas passiert. Vor allem, wenn die Kommunikation aufgrund der äußeren Umstände schwierig ist- Lärm, lange Route, Wind. „Hast du Stand?“- „Naaa…“. Dieses bayerische „Naaa“ (zu Deutsch Nein) hörte sich eine Seillänge weiter unten gedämpft wie ein „…aaa“ von „Ja“ an.

Geistesgegenwärtig fragte ich lieber noch einmal nach, ob ich meinen Vorsteiger aus der Sicherung nehmen könne, was mit einem panischen „NEEIN!“ quittiert wurde. Seither lautet meine Devise: rückversichern und vor allem die Bitte um eindeutige Ansagen! Es spricht nichts dagegen, von den allgemeinen Kommandos abzuweichen, von mir aus auch Dialekt zu sprechen, solange die Wörter nicht gleich klingen und unmissverständlich sind. Und selbst unmissverständliche Worte kommen manchmal falsch an: Ich habe gehört, dass die Warnung „Stein“ (Vorsicht es fällt ein Stein herunter) des Kletterers vom Sichernden unten als „Stand“ verstanden wurde und ein „Seil frei“ folgte. Kommunikation ist am Fels keine leichte Sache!

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Wer jahrelang mit dem gleichen Kletterpartner klettert, versteht einander blind und ohne Worte. Mit neuen Kletterpartnern ist es nicht zwingend so. Ein kurzer Satz zur Kommunikation kann eigentlich nie schaden, genauso wie der obligate Partnercheck. Meistens werden Fehler aufgrund von Redundanz rechtzeitig behoben und man kommt mit einem Schrecken davon. Solche Geschichten lassen sich beim abendlichen Zusammensein nach dem Klettern gut erzählen und gemeinsam „verarbeiten“.

Meine Nummer 1 der Fehlkommunikationen ist folgende: Kletterer ruft „ZUUUU“ und erntet als Antwort ein „Seil frei“. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Aber nichts ist schlimmer, als Fehler totzuschweigen. Jeder macht Fehler. Wenn darüber gesprochen wird, müssen andere sie nicht wiederholen. Vielleicht habt auch ihr eine Geschichte, die ihr gern teilen möchtet, damit andere daraus lernen können? Ich freue mich auf konstruktive Beiträge!

Glossar Kommunikation beim Klettern

Kommandos müssen immer zwischen den Kletterpartnern abgesprochen werden, um Missverständnisse und Fehler zu vermeiden! Klettern ist ein Risikosport und erfolgt auf eigene Gefahr- für Unfälle aufgrund der im Glossar aufgeführten Kommandos wird nicht gehaftet!

KommandoBedeutungErwartete Aktion
ab / ablassenDer Kletterer möchte vom Sichernden abgelassen werden.Den Kletterer ablassen.
kommen/ nachkommenDer Vorsteiger hat den Nachsteiger in die Sicherung genommen und dieser kann nun losklettern.Antwort: „Ich komme“. 
SeilDer Kletterer bittet um mehr Seil, damit er weiterklettern oder klippen kann.Mehr Seil ausgeben.
Seil einBitte Seil einziehen.Seil einziehen.
Seil freiDer Sichernde hat den Kletterer aus der Sicherung genommen.Der Kletterer kann jetzt das Seil einholen.
Seil ausDer Kletterer zieht gerade Seil ein und der Nachsteiger informiert ihn, dass das Seil zu Ende ist.Der Nachsteiger wartet auf das Kommando „Kommen“ oder ein anderes ausgemachtes Zeichen, um gesichert nachsteigen zu können.
StandDer Kletterer befindet sich am Stand und hat sich selbst gesichert.Der Sichernde kann den Kletterer aus der Sicherung nehmen.
zu / ZugDer Kletterer bittet um weniger Seil, möchte sich ggf im straff gezogenen Seil setzen und ausruhen.Seil einziehen bis es straff ist.

Gib dem Ellenbogen deine Aufmerksamkeit!

9. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Sofort merken wir sportlichen Menschen, wenn unser Ellenbogengelenk beschädigt ist und nicht mehr reibungslos funktioniert.

Unsere Ellenbogen brauchen wir. Und ohne Ellenbogen die Wände hochklettern, das ist fast unmöglich. Wie ihr eure Armmuskulatur und den Ellenbogen schützen könnt und ob gezieltes Trainieren Sinn macht, erklären wir euch hier.

Über die Anforderungen an den Ellenbogen im Klettersport habe ich mit Dr. med. Andreas Thannheimer, Chefarzt am Klinikum Garmisch-Partenkirchen gesprochen. 

Das Ellenbogengelenk ist sehr gut geführt und auch die starken Muskeln haben beste Voraussetzungen, da sie nicht über das Gelenk verlaufen.

Das Ellenbogengelenk besteht aus drei Gelenken, die zusammen von einer Gelenkkapsel überdeckt werden. Die feste Gelenkkapsel wird unterstützt von fächerförmigen Seitenbändern, Innenbändern, sowie den kräftigen Sehnen der Bizeps-, und Trizepsmuskeln.

Beim Beugen und Strecken unseres Arms sorgen die Muskeln und weitere kleinere Muskeln auch nochmals dafür, dass das Gelenk eingespannt wird und stabil ist. Ein Meisterwerk! 

Bei Menschen, die viel trainieren und lange Klettersport betreiben, können Überlastungsschäden auftreten.

Bemerkbar werden die Überlastungen durch anhaltende Schmerzen am oder im Gelenk. Oft sind es Reizungen oder Entzündungen an den Sehnenansätzen, die erst einmal durch geringere Belastungen und Pausieren des Sports gemildert werden können. Diese sogenannten Ansatztendinosen halten in fortgeschrittenen Stadien lange an und müssen langwierig therapiert werden. 

„Der Tennis- und Golfer-Ellenbogen kann auch bei Kletterern auftreten. Da gibt es ungefähr tausend Methoden in der Behandlung. Bei diesen Überlastungsschäden hilft jedem Mensch etwas anderes. Die Heilung kann langwierig sein und chronische Schmerzen können bleiben. Mikroverletzungen an den Sehnen oder überlastungsbedingte Instabilitäten lassen sich erfolgreich operativ behandeln.“ 

Um den Ellenbogen wirklich schwer zu verletzen, muss im Gegensatz zum Schulterbereich viel direkte Kraft einwirken. 

Stürze gegen die Wand oder mit Bodenkontakt können ein Auslöser sein. Besonders gefährdet ist das Gelenk, wenn ein Auf- oder Anprall in der Beugestellung passiert 

„Bei einem Sturz mit Boden- oder Wandkontakt kommt die Stützfunktion mit der einhergehenden Stauchung über die Hand und den Unterarm in Frage. Es wird ja immer versucht sich doch noch abzufangen. Wenn der Ellenbogen in der Beugestellung ist, kann es zum Auskugeln des Gelenks kommen. Ein direkter Anprall führt oft zu Weichteilverletzungen oder Brüchen der Elle.“ 

Nach einem Sturz oder Anprall ist es wichtig zu klären, ob die Funktionalität noch erhalten ist und zu beobachten wie sich die Schwellungen und Schmerzen entwickeln. Wenn ihr das Gelenk nicht mehr strecken oder beugen könnt, ist es ratsam, direkt in die Klinik zu gehen oder eine entsprechende Praxis aufzusuchen.

Ein wenig ungünstig liegt im Falle von größeren Schwellungen und Hämatomen der Ellennerv (Nervus ulnaris).

Da solltet ihr kontrollieren, ob die Sensibilität im kleinen Finger sowie in der Hand gestört ist. Es kann sein, dass die Hämatome beim stärkeren Abdrücken des Nervs operativ entfernt werden müssen. Ansonsten gilt auch beim Ellenbogen: Hochlagern, kühlen und pausieren. Aber nicht ruhigstellen! Wenn die Schmerzen und Einschränkungen so stark sind, dass ihr das Gefühl habt, dass Gelenk ruhigstellen zu müssen, solltet ihr in eine Praxis oder Klinik gehen.

„Eine längerfristige Ruhigstellung des Ellenbogengelenkes sollte möglichst vermieden werden, da durch eine Ruhigstellung dauerhafte Bewegungseinschränkungen begünstigt werden können.“ 

Bei Luxationen, Verschiebungen oder Brüchen wird fast immer operiert.

Die Operationen sind meist etwas aufwendiger und komplexer, da das Ellenbogengelenk wieder so hergestellt werden muss, dass es hundertprozentig passt. Erfahrene Unfallchirurginnen und Sportmediziner sind dann eure Adresse! Einfache Luxationen, die reponiert und in der Führung bleiben, müssen nicht operiert werden.

„Für das Ellenbogengelenk ist eine hundert prozentige Kongruenz wichtig. Operativ muss versucht werden die Funktionalität bzw. Beweglichkeit bis auf wenige Millimeter wieder richtig und passend herzustellen. Bei wenigen Millimetern Fehlstellung reagiert das Gelenk sehr empfindlich und es kann schnell zu Arthrose kommen. Es gibt auch Sehnenrupturen der Bizeps- oder Trizepssehnen. Bei höherer Gewalteinwirkung kann die Bizepssehne abreißen. Bei einem direkten Anprall am Ellenhaken kann hier die Trizepssehne knöchern ausreißen. Bizeps- oder Trizepssehnenabrisse werden in aller Regel wieder operativ refixiert.“ 

Wichtig ist bei Wiederaufnahme des Trainings langsam anzufangen und auf die Schmerzen zu achten. 

Für mehr Mobilisation helfen euch diese Übungen, die ihr selbst machen könnt. 

Der Klassiker: 

Den Arm vor dem Körper gerade ausstrecken. Die Hand nach unten beugen und mit der anderen Hand Druck auf die gebeugte Hand ausüben bis ihr eine Dehnung verspürt. Der Arm ist im ersten Bild gerade vom Körper gestreckt. Im zweiten Bild ist die Handinnenfläche nach oben gedreht und zeigt zur Decke. Durch diese Variationen der Übung dehnt ihr alle Strukturen.

Den Ellenbogen unterstützen, könnt ihr mit Hilfe von kleinen Zwei-Kilo-Hanteln und einem Tisch. Euren Arm platziert ihr so auf dem Tisch, dass der Ellenbogen auf der Platte liegt und das Handgelenk an der Tischkante frei ist und überhängt. Mit der Hantel in der Hand geht ihr in die Extension und Flexion des Handgelenks. Die Übung macht ihr einmal mit der euch zugewandten Handinnenfläche und mit der euch zugewandten Handaußenfläche. 

Und hier eine Allround-Übung für Alle! Besonders gut für den Schulterbereich und Ellenbogen, ist das Aushängen. Dazu müsst ihr nicht euren ganzen Körper halten! Es reicht das Lehnen in die Streckung. Bei den Übungen unterstützen euch natürlich auch Physiopraxen, wie die Praxis von Tayfun Babayigit, die ihr auf den Bildern sehen könnt.

Azubi a.D.: IT-Bergfreund Jonas im Interview

5. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Etwas mehr als drei Jahre ist es jetzt her, dass unser Bergfreunde-IT-Azubi Jonas seinen ersten Arbeitstag bei uns antreten durfte. Für ihn sicher so aufregend wie für uns, denn er ist seit einer langen Zeit der erste Azubi, der die Bergfreunde-Bühne betritt.

Und letztens war es dann soweit: Jonas hat seine Abschlussprüfung in der Tasche und ist seitdem Vollzeit-Bergfreund! Wir haben das zum Anlass genommen und ihn mal zu einem kleinen Interview gebeten…

Jonas – Hand aufs Herz: Warum die Bergfreunde? Zufall? Fan? Was hat dich zu uns gebracht?

Es war tatsächlich – soweit ich mich erinnern kann – Zufall. Ich war damals noch auf dem technischen Gymnasium und in der 12. Klasse. Als ich immer weniger Lust hatte, mein Abi fertig zu machen, hab ich angefangen, mich über Ausbildungsberufe zu informieren und mir schließlich mal einen Überblick über potenzielle Stellen verschafft. Irgendwann wurde mir die Jobseite der Bergfreunde auf Facebook vorgeschlagen.

Die Bergfreunde kannte ich schon, da hab ich immer mein Kletterzeug bestellt, deshalb habe ich mal geschaut was die so für Jobs haben. Dort habe ich dann die Azubistelle gesehen und mich beworben. Ich dachte mir, wenn ich genommen werde, mach ich statt Abi nur Fachhochschulreife und eine Ausbildung. Falls nicht, mache ich mein Abi fertig und schau dann was passiert. Das war auch die einzige Stelle auf die ich mich beworben habe, die anderen Unternehmen haben mich nicht so Interessiert, als dass ich dafür mein Abi abgebrochen hätte.

Als du dich bei uns beworben hast, gab es eine lustige Geschichte wegen deines Tattoos: Erzähl mal. 

Die Bewerbungsphase war durch und mündlich war schon alles geklärt, soweit ich weiß hab ich nur noch auf den Ausbildungsvertrag gewartet. Zu dem Zeitpunkt war ich drauf und dran, mir ein Tattoo stechen zu lassen und war mir etwas unsicher, wie die Bergfreunde mit so etwas umgehen, daher hab ich damals nachgefragt, ob ein sichtbares Tattoo in Ordnung ist. Unterschrieben hätte ich auf jeden Fall, aber mein Tattoo hätte ich vielleicht an einer anderen Stelle stechen lassen.

Zu meiner Beruhigung war es kein Problem und ich habe sogar einen neuen Tattoovorschlag bekommen: ein schönes Tribal mit der Überschrift “System Administrator”. Spoiler: Ich habe mich für ein anderes Motiv entschieden. ;)

Kannst du dich noch an deine erste Woche erinnern? Wie war dein Eindruck von der Firma und den Kollegen?

Die erste Woche war – wenig verwunderlich – ganz anders als in der Schule und hat mir vor allem deutlich mehr Spaß gemacht. Die Kollegen waren alle super nett und ich wurde erstmal vielen Leuten vorgestellt, wurde herumgeführt, habe anderen über die Schulter geschaut, meinen Arbeitsplatz eingerichtet und das eine oder andere einfache Helpdesk-Ticket erledigt. Viel mehr ist glaube ich in der ersten Woche auch nicht passiert.

Hat sich der Eindruck gegenüber den Kollegen nach der ersten Neujahrsfeier grundlegend geändert?

Die Neujahrsfeier war richtig gut. Ich dachte ja eigentlich, Betriebsfeiern wären eine eher steife Angelegenheit. Ich sollte aber schnell eines besseren belehrt werden. Nach der Neujahrsfeier habe ich mich mit vielen Kollegen, die ich davor nicht so richtig kannte oder mit denen ich nicht viel zu tun hatte, viel mehr unterhalten und ich fand, das hat alles auch etwas gelockert.

Vor allem aber erinnere ich mich an den Kater am nächsten Tag, der war nicht ganz so angenehm.

Wie bist du eigentlich im Berufsfeld IT gelandet?

Ich war schon immer gerne am Computer und hatte da schon das eine oder andere Projekt. In der Schule war Informatik auch nie ein Problem. Meine Alternative wäre übrigens die Schreinerei gewesen, aber in der Informatik sind die Berufsaussichten doch etwas besser.

Neben Klettern und bei den Bergfreunde arbeiten, was machst du sonst so. Erzähl uns alle schmutzigen Geheimnisse! ;)

Ach, lauter nerdigen Kram. Die Klischees muss man ja auch bedienen. Ich spiele gerne Brettspiele, verbringe Zeit an der Playstation, sitze am Computer. Wenn dann der Nerd in mir mal im Keller bleibt und ich nicht beim Klettern bin, mache ich hin und wieder “Gettoworkout” im Rahmen des Unisport-Programms mit oder lass den Hobbyschreiner raus und bastle mir irgendwas aus Holz, meistens Trainingsgeräte fürs Klettern.

Wenn du die Wahl hättest: Welche drei Ausrüstungsgegenstände aus dem Bergfreunde-Shop würdest du dir sofort bestellen?

Neue Kletterschuhe könnte ich mal wieder gebrauchen, aber sonst fällt mir momentan nichts Spezielles ein. Kletterzeug kann man aber immer gebrauchen, einen Satz Cams oder ein paar Offset Nuts wären auch noch nützlich.

So, genug gequasselt: Die letzten Worte gehören dir. Was willst du den Bergfreunden da draußen noch sagen?

Passt auf euch auf und habt Spaß.

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