Alle Artikel zum Thema ‘Kaufberatung’

Du bist auf der Suche nach einem neuem Kletter- oder Wanderschuh? Weißt aber nicht, was Du kaufen sollst? Oder bist Dir nicht sicher auf was Du vor dem Kauf achten solltest?

Egal ob Bekleidung, Schuhe oder die neue Campingausrüstung. Hier findest Du alle wichtigen Informationen rund um das Thema Ausrüstung. Unsere Experten erklären Dir, auf was es ankommt. Dabei liegt uns Dein Wohlbefinden am Herzen, keine Verkaufszahlen. Denn wir verkaufen nicht nur, sondern sind selbst Anwender.

Getestet: Hanwag Ferrata II GTX Bergstiefel

12. August 2020
Kaufberatung

Der Markt für technische Bergstiefel ist überschwemmt mit Bergen (haha) von unterschiedlichen Modellen – könnt ihr uns glauben, ist ja schließlich unser Job! Wenn man sich auf die langwierige Suche nach einem geeigneten Modell für einen selbst begibt, ist dies vor allem die Suche nach der eigenen Motivation – Wie viel will ich wandern, wie viel klettern? Was, wenn man beides möchte, oder besser gesagt sich einen Weg am felsigen Abgrund entlang bahnen oder eine Klettersteig mit Kabelbrücken überqueren will? Wird man einen Gletscher queren? Auf rutschigen Felsplatten balancieren? Hanwag schickt in dieses Rennen den Ferrata II GTX.

DAS EINFÜHRUNG

Der aktualisierte Ferrata ist Hanwags neuster Beitrag im großen Markt der traditionellen Bergstiefel. Normalerweise bekannt für ihre klare Formen und klassischen Schnitte, fühlt sich die Welt des immer schnelleren und leichteren Alpinimus meilenweit entfernt an von Stiefel wie z.B. dem Tatra Top GTX mit seinem Voll-Leder-Schaft, dem steifen Knöchelbereich und dem traditionellen Leder-Design.

Der Ferrata kommt einem da hingegen vor wie der Hecht im Karpfenteich. Beste traditionelle Werte werden hier mit neuen Technologien zu einem roten Flitzer kombiniert. Klassisches Leder wird ohne Saum mit synthetischem Material zusammengefügt, wodurch ein schützender Oberschuh entsteht, ohne, dass man auf Atmungsaktivität verzichten muss. Der obere Schaft wird mit dem Rest des Schuhs durch eine Mikrofaserbrücke verbunden, was ihm erlaubt sich um den Knöchel herum zu biegen. Dies erlaubt einen einzigartigen Halt und Kontrolle auf rutschigem Untergrund und schwierigem Gelände. Die Zehenbox ist großflächig von Gummi geschützt, um es zu ermöglichen hier und da einen Riss, oder sogar eine leichte Einstiegsroute zu klettern ohne, dass der Schuh danach in Fetzen hängt.

DAS TECHNISCHE ZEUG

Die Liste der in diesem Stiefel verbauten Features liest sich mit feuchten Augen. Der Stiefel hat eine C-Wertung und ist bedingt Steigeisenfest durch die Lippe an der Ferse. Die Sohle kommt mit tiefen, weit auseinanderliegenden Stollen um einen guten Grip auf losen Steinen zu gewährleisten. Durch den vorderen, flachen Bereich können aber auch einige Klettermeter gemacht werden. Die Schnürung ist in zwei „Zonen“ aufgeteilt. Sobald man am Fuß die richtige Festigkeit erreicht hat, klippt man die Senkel einfach ein, und kann somit in Ruhe fertig Schnüren ohne, dass einem der untere Bereich wieder davon rutscht. Mit 1440g pro Paar (in Größe 42), positioniert sich der Stiefel klar für Sommertouren – im Winter wird es dann doch zu frisch um die Zehen.

DER TEST-ORT

Ah, die Alpen… schroffes Gelände, riesige Steinmassive, herrliche Routen, die das Auge des Betrachters in die Ferne… ah, Mist! Nachdem die Berge uns mit zu viel Wasser (von oben) den Aufenthalt vermiesen wollten, haben wir es den Zugvögeln gleichgetan und uns mal die herrlichen Mehrseillängen in mediterran gemäßigteren Gebieten angeschaut.Im Umkehrschluss heißt dies auch leider, dass wir bisher nicht dazu kamen die Stiefel im schneegeküssten Gelände mit Steigeisen zu testen, weshalb sich diese Bewertung mehr auf die wander- und kletterischen Fähigkeiten bezieht.

Zuerst aber eine allgemeine Ansage über Sardinien: Man, muss man da laufen! Obwohl eigentlich zum Klettern da, brachten wir es in den zwei Wochen Aufenthalt auf über 30 Stunden wandern um von und zu den Routen zu kommen. Das perfekte Testgelände für den Ferrata II war die legendäre Gorropu-Schlucht mit ihren technischen Boulderfeldern über, und manchmal auch unter, die man Kraxeln muss um zum Einstieg der verborgenen 500m hohen Wände zu kommen.

 BEEINDRUCKENDES

Kletterfähigkeit: Als großes Plus – im Gegensatz zu vielen Konkurrenten – kann der Ferrate mit einer großen, seitwärts weiter geführten, Kletterfläche an der Spitze aufwarten. Das klingt vielleicht erstmal nach nicht viel, aber die Fußspitze auf einem kleinen Tritt drehen zu können, ohne sofort abzurutschen macht den notwendigen Unterschied bei einfachen Klettereien aus.

Der beste Stiefel ist der, den man für einige Seillängen anbehalten kann, bevor man in die technischeren (aber weniger bequemen) Kletterschuhe schlüpft. Überraschend für so einen steifen Stiefel ist auch, dass der Ferrata einen guten Gripp auf stark abgerundeten Flächen behält, etwas, was wir nach Herzenslust an den glatt geschliffenen Steinen am Bachbett testen durften.

Höchster Komfort: Diese Stiefel wanderten aus dem Karton, auf den Trail und blickten nie zurück. Während man doch erwartet, dass jetzt erst einmal der lange Prozess des Einlaufens beginnt, zeigten sich die Ferratas vom ersten Tag an von ihrer gemütlichsten Seite. Obwohl die Steifheit der Bergstiefel nicht fehlt, waren sie auch noch nach Kilometerlängen Wegen mit einem schweren Kletterrucksack sehr bequem.

Haltbarkeit: Auf diesem Gebiet haben sich die Entwickler wirklich etwas gedacht, um dem Stiefel ein möglichst langes Leben zu bieten. Die wenigen Nähte auf dem Oberschuh bieten so wenig wie möglich Angriffsfläche und das Gummi an der Spitze und den Seiten schützt das Material vor gar zu spitzen Steinen.

WO’S HACKELT

Nicht schwer, aber auch kein Leichtgewicht: Auch wenn man sich alle Mühe gegeben hat das Gewicht des Schuhs so einzigartig wie möglich für seine Klasse zu machen, hat der Ferrata II immer noch eine Schokotafel zu viel auf den Rippen.

Im Direktvergleich mit den nächstliegenden Konkurrenten, wie z.B. dem federleichten Scarpa Ribelle Tech (1240g) erscheint der Ferrata doch eher wie ein kleiner Brummer, vor allem wenn man bedenkt, dass er für größere Füße auch mehr Gewicht mitbringt.

Packmaß: Seien wir ehrlich: An einem bestimmten Punkt werdet ihr den Stiefel in einen Rucksack packen wollen, spätestens dann, wenn die Klettergrade in die Höhe wandern. Genau dann seid ihr an dem Punkt angekommen, wo euch das Packmaß vermutlich ärgern wird.

Der faltbare Schaft erlaubt zwar etwas mehr Spielraum als ein normaler Stiefel, ist aber keine Konkurrenz zu einen luftig leichten Zustiegsschuh – diese können inzwischen, flexiblen Steigeisen wie dem Petzl Leopard sei Dank, auch als Konkurrenz an Routen mit kurzen Schneequerungen angesehen werden.

TAUGT‘S WAS?

Abgesehen von den kleinen, mäkeligen Punkten des höheren Gewichts und des kniffeliges Packmaßes tut der Ferrata II GTX genau das, was er soll. Reinschlüpfen und ewig lange Zustiege bezwingen, technische Kraxeleien, einfaches Felsklettern – alles möglich. Steigeisen an und der Gletscher gehört euch, auf geht’s über die Schneefelder, durch die Bäche und (wir vermuten) sogar über mit den Vorderzacken über kleinere Eishügel. Wenn ihr einen (ziemlich) leichten Stiefel sucht, den man am Berg ohne Rücksicht auf Verluste einsetzen kann, dann sollte der Ferrata II auf jeden Fall auf der Liste stehen.

Im Bergfreunde-Test: Die Osprey Poco Plus Kinderkraxe

5. August 2020
Kaufberatung

Hach ja, mit Kind und Kegel auf Tour gehen. Was kann es schöneres geben? Vielleicht allerhöchstens herauszufinden, woher der „Kegel“ in der Redewendung kommt? Weiß das jemand? Ok, ok, ganz anderes Thema. Ihr seid ja schließlich hier um einen Testbericht zu lesen!

Daher lautet die spannendere Fragen: Wenn man mit der ganzen Truppe ins Freie will, aber der Nachwuchs noch nicht lange auf den Beinen sein kann (oder will), wie schafft man es da eine ausgedehnte Wandertour zu nehmen? Die Lösung ist einfach und lautet: Mit einer Kraxe bzw. Kindertrage. Kollege John aus unserem Planning-Team durfte die Poco Plus Kindertrage von Osprey testen. Hier kommt sein Erfahrungsbericht:

Mein erster Eindruck

Da es uns als Familie wichtig ist, viel Zeit in der Natur zu verbringen und gerne etwas abseits der offiziellen asphaltierten „Buggy-konformen“-Wege auf Wanderschaft zu gehen, bleiben letztlich nicht viele Optionen – und so eine Trage kommt da gerade recht. 

Da unsere Tochter zum Zeitpunkt des Kaufs bereits 2 Jahre alt war, kam die Poco Plus dank der maximalen Körpergewichtsangabe von ganzen 22 Kilogramm für uns am ehesten in Frage, denn durch die höhere Gewichtskapazität ist sie auch für Kinder bis 3,5 Jahren nutzbar.

Als die Trage bei uns ankommt, ist der erste Eindruck von der gesamten Familie durchweg positiv. Unsere Kleine will sofort Probesitzen. Wir haben uns dann einige Minuten Zeit genommen und die Trage individuell auf Kind und Träger passend eingestellt. Das ist dank beigefügter Anleitung leicht verständlich und schnell machbar. Die Poco Plus lässt sich einfach (auch alleine), ähnlich wie ein Rucksack anziehen und das Gewicht verteilt sich super auf Rücken und Hüfte.

Der erste Ausflug

Wir haben mit guten Freunden und deren Kind einen schönen Ausflug gemacht und die Trage wurde stolz präsentiert. Unsere Freunde waren mit Buggy und wir mit Trage unterwegs, wir stellten schnell die Vorteile der Trage gegenüber dem Buggy fest. Wenn man spontan Querfeldein oder durch den Wald laufen möchte ist das damit natürlich problemlos möglich. 

Was für mich als Träger sehr angenehm war, war die Handfreiheit.  Diese ermöglichte mir während des Wanderns zu trinken, dem Kind etwas zu essen zu geben und es abzulenken ohne anzuhalten. Unsere Kleine fühlte sich so wohl, dass sie sogar ihren Mittagschlaf in der Trage machte – sonnengeschützt durch das leicht ausklappbare Sonnensegel.

Das integrierte Regencape kam bei unserem Ausflug zwar nicht zum Einsatz, ist aber sehr praktisch, da es wirklich den gesamten Körper des Kindes bedeckt – mehr dazu gleich noch.

Technische Daten im Überblick: 

  • Die Trage/Kraxe wiegt 3,6 Kg,
  • Maße in cm: H 73 x L 40 x P48/ gefaltet: H 76 x L 40 x P 29
  • Maximale Tragelast: 22 Kg (Gesamtgewicht von Kind, Ausrüstung und Rucksack) 
  • Hauptsächliches verwendetes Material ist Nylon
  • bluesign Label (Aus zugelassenen chemischen Produkten und Rohstoffen hergestellt)

Meine persönlichen Highlights der Osprey Poco Plus:

Das ausziehbare Sonnensegel versteckt sich in der Rücklehne des Kindersitzes und ist dort sehr platzsparend verstaut. Es lässt sich spielend leicht aufziehen und mit einem Hakensystem fixieren. Da braucht man noch nicht einmal die Bedienungsanleitung zu lesen.

Das Regencape findet man zusammengefaltet im unteren Staufach unterhalb des Sitzbereichs. Um es anzubringen muss zunächst das Sonnensegel aufgespannt sein. Der Rest geht dann aber ganz easy: Das Cape wird einfach über die gesamte Rückseite gezogen, mit Kletterverschlüssen und Ösen fixiert. Der kleine Passagier wird dadurch komplett vor Regen geschützt und hat sogar noch genug Platz, um weiter mit seinen Spielsachen zu spielen.

Besonders gut gefallen hat mir auch das Tragesystem. Die Polsterungen sind stark ausgeprägt und liegen sehr angenehm auf – das drückt definitiv nichts! Der Hüftgurt lässt sich auch unterwegs ganz leicht anpassen und ist mit kleinen Taschen bestückt. Hier wurde meiner Meinung sehr darauf geachtet, dass nicht nur der Passagier sondern auch der Träger oder die Trägerin besonders bequem unterwegs sind.

Was die Sicherheitsgurte angeht: da dürfte sich wohl jedes Kind pudelwohl fühlen. Sie sind – genauso wie alle anderen Teile in Greifnähe – angenehm gepolstert und schneiden nicht ein. Durch den breiten Nackenbereich steht gemütlichen Mittagsschläfchen nichts im Wege!

Und hier nochmal alle Features der Poco Plus im Überblick

  • Sonnenschutz (mit Sonnenlichtschutzfaktor 50 & UV-Faktor 22)
  • Integrierte Regenhülle
  • Spielzeugschlaufen und seitliche Netztaschen
  • Deluxe Kindercockpit
  • Höhen verstellbares Rückensystem
  • Verstellbarer Sicherheitsschultergurt
  • Einstellbare Bügel
  • Leichter Klapprahmen aus Aluminium
  • Reißverschluss-Aufbewahrungstasche
  • Dual Haltegriff
  • Einstellbarer Torso
  • Unteres Reißverschlussfach (17 L)
  • Hüftgurttaschen
  • Verstellbarer Fit on the Fly Hüftgurt (66cm-122cm)
  • Torso Dimensionierung: 38 cm-53cm
  • Seitliche Zugangstaschen aus Strech-Netzstoff
  • Großes Vorderseitenfach
  • Abnehmbarer „Sabberschutz“
  • Und alles Zusammen sehr gut und ausführlich mit Bildern und Handlungsanweisungen in der Bedienungsanweisung erklärt ( Auf der letzten Seite  des Handbuchs ist zudem eine „7 Jahre Allumfassende Garantie POCO Kindertransporter und Zubehör“ vermerkt

Fazit

Ohne jetzt in zu große Begeisterungsstürme verfallen zu wollen, aber die Trage hält was sie Verspricht. Besonders der hohe Tragekomfort und das ziemlich unkomplizierte Handling haben uns gut gefallen.

Das schon mehrfach erwähnte Sonnendach, der Regenschutz und ausreichend Stauraum runden das Gesamtpaket ab. Unterm Strich haben wir es bei der Poco Plus Kinderkraxe mit einem ziemlich durchdachten Teil zutun, dass zwar nicht gerade zu den günstigeren Modellen gehört, aber meiner Meinung jeden Cent Wert ist. Unser Kind fühlte sich jederzeit sehr wohl und sitzt sehr sicher und gerne über längere Zeit in der Trage,

Falls ihr euch für das gute Stück interessiert, könnt ihr es natürlich bei uns im Bergfreunde-Shop erstehen.

Causa Zeltgestänge: Warum nicht mal Carbon?

12. März 2019
Kaufberatung

Carbon ist leicht, robust, sehr hitze- und kältebeständig, kurzum eigentlich ein Wundermaterial, das nicht nur in der Outdoor-Branche zunehmend Verwendung findet. Carbon wird seit geraumer Zeit vor allem bei Trekkingstöcken eingesetzt und verdrängt hier mehr und mehr das bislang vorherrschende Aluminium. Und hier macht das auch durchaus Sinn!

Wenn ich jetzt aber nach anderer Outdoor-Ausrüstung suche, bei denen ein derartiges Material Sinn macht, wie z.B. bei Zelten, gibt es eine Überraschung: Selbst bei ultraleichten Zelten findet sich kaum ein Modell, das mit Carbongestänge ausgestattet wurde. Ein Anlass, sich einmal auf eine kurze Spurensuche nach den Gründen hierfür zu machen.

Aus Gründen…

Ich starte bei einem der renommiertesten Zelthersteller auf dem Markt: Hilleberg aus Schweden. Dort hatte man zwar eine Zeit lang bei einigen Modellen mit Carbon experimentiert, dies aber recht schnell wieder eingestellt. Nun gibt es nur noch die Möglichkeit einzelne Modelle, wie z.B. das Soulo auf ein Carbongestänge umzurüsten.

Warum ist das so? Hilleberg gibt an, dass die Bruchsicherheit von Aluminium durch die Steifigkeit, insbesondere bei den von ihnen verwendeten hochwertigen Legierungen, immer noch deutlich höher sei, als bei Carbon. Dies ist für das schwedische Renommierunternehmen, das die Robustheit und Windfestigkeit bei ihren Zelten in den Vordergrund stellt, wichtiger, als die mit Carbon verbundene Gewichtsersparnis. Deshalb wird man bei Hilleberg wohl auch in Zukunft auf hochwertige Aluminiumgestänge bauen.

Meine kleine Reise durch die Welt der Zeltgestänge geht bei zwei Firmen weiter, die für die Produktion ultraleichter Zelte bekannt sind – Nordisk und die US-Amerikaner von Big Agnes.

Nordisk hat als einer der ersten Hersteller mit dem Telemark 1 ein Modell ins Sortiment genommen, das es sowohl mit einem Aluminium- als auch mit einem Carbongestänge gibt. Hier findet man auch den ersten Hinweis warum Carbon doch sehr selten eingesetzt wird: Der Gewichtsunterschied zwischen den beiden Modellen beträgt gerade einmal rund 80 Gramm, während die Carbonvariante aber gleichzeitig 170,00 € teurer ist.

Genau diesen Umstand erfährt man auch als Begründung von den Produktentwicklern bei Big Agnes. Hier verzichtet man komplett auf den Einsatz von Carbon und versucht in Zusammenarbeit mit der Dong Ah Aluminium Corporation in Korea (daher übrigens auch der Name der weitverbreiteten DAC-Gestänge) die Aluminiumlegierungen vom Gewicht her zu optimieren. Big Agnes müsste seine Vorzeigemodelle Fly Creek UL und Copper Spur um bis zu 30% verteuern, wenn sie auf Carbon umsteigen würden. Dies rechtfertigt aus Sicht von Big Agnes nicht die mit Carbon verbundene Einsparung von Gewicht.

Es bewegt sich etwas

Also weit und breit kein Carbon auf dem Zeltmarkt in Sicht? Nicht ganz.

Mountain Safety Research (kurz MSR) aus Seattle in den USA ist in diesem Jahr vorgeprescht. Sie machen mit dem Carbon Reflex nun einen Versuch Carbongestänge zumindest im ultraleichten Bereich zu etablieren. Das Modell gibt es als Ein-Mann, Zwei-Mann und Drei-Mann-Zelt. Die Ein-Mann-Version wiegt 790 Gramm und bewegt sich damit in einem relativ normalen Rahmen für ultraleichte Zelte. Der Preis ist mit 489,00€ einigermaßen moderat.

Nichtsdestotrotz habe ich nach meiner Recherche so meine Zweifel, ob sich Carbongestänge dauerhaft auf dem Markt durchsetzen werden. Die Gewichtsersparnis scheint mir auf Dauer nicht groß genug zu sein, um die höheren Preise zu rechtfertigen.

Ich denke, dass sich im ultraleichten Bereich auch renommierte Hersteller wie MSR, Nordisk, oder Big Agnes zukünftig eher in den Bereich von Trekkingstockzelten wagen werden, in dem es noch viele Innovationsmöglichkeiten gibt. Dies wird momentan noch fast ausschließlich von kleinen Spartenherstellern wie Six Moon Designs oder ZPacks betrieben und hier gäbe es auch für größere Produzenten noch Marktanteile zu gewinnen. Hersteller, die deutlich stärker auf die Robustheit und Vier-Jahreszeitentauglichkeit ihrer Zelte achten wie z.B. Hilleberg, Exped oder auch Mountain Hardwear werden sehr sicher bei hochwertigen Aluminiumgestängen bleiben.

Was haltet ihr von den Carbon- und/oder Aluminiumgestängen? Lasst uns eure Meinung gerne mit einem Kommentar da!

Noch keine Geschenke? Wie wärs mit ein paar Bergfreu(n)den?

25. November 2020
Kaufberatung

Jo, is denn scho wieder Weihnachten? Jupp, ist es, und damit auch wieder Zeit für Konsumrausch, Verweigerung oder irgendwas dazwischen. Letzteres ist die schwierigste Option, denn hier muss man durchaus nachdenken und die Beschenkten richtig einschätzen, um passende Präsente zu erwischen. Klar im Vorteil sind hier all jene, die Bergfreunde und Outdoorenthusiasten wie uns unter ihren Angehörigen und Freunden haben. Denn bescheiden wie wir sind, kann man uns immer irgendwie zufrieden stimmen ;-P Außerdem gibt es einen riesengroßen und prall gefüllten Geschenkesack, in dem garantiert für Jeden etwas dabei ist. Ich habe da mal reingeschaut und mir einen Haufen Sachen ausgesucht, die ich mir auf jeden Fall gern selber schenken lassen würde ;-)

Der Schwerpunkt liegt dabei eher auf vielseitig verwendbaren Gegenständen. Extreme Spezialitäten wie den Haulbag fürs Bigwallclimbing werdet ihr hier also nicht finden. Auch macht es nicht viel Sinn komplexe Ausrüstungsgegenstände wie Tourenskischuhe, die zumeist individuell abgestimmt sein müssen, mit hineinzunehmen. Andererseits… so eine nagelneue Komplettausrüstung für den Einstieg in die gerade beginnende Skitourensaison hätte auch was, oder?

Es sollen hier auch nicht nur lustige Gadgets sein, sondern auch wirklich nützliche Dinge. Es sollen Kleinigkeiten dabei sein, die nicht die Welt kosten, und dicke Dinger, falls jemand dieses Weihnachten mal richtig Eindruck schinden will. Außerdem ist hier was für Kletterer dabei, für Campingfreaks, für Männer, für Frauen, für die reifere Generation und für Kids. Also, auf geht’s zum Bergfreundegeschenkekauf!

1. Passt immer: Der Bergfreunde-Weihnachtsgutschein

Den Einstieg macht das universale Alleskönnergeschenk, das nie verkehrt sein kann: Der Bergfreunde.de Weihnachts-Gutschein. Auch wenn man keine Idee hat oder nicht weiß, was der zu Beschenkende da genau in den Bergen treibt, sind mit diesem Geschenk leuchtende Augen garantiert. Der Gutschein-Code wird auf einer schönen Karte verschickt und ist unbegrenzt gültig. Der Gutschein-Betrag wird beim Einkauf im Bergfreunde.de Shop nach Eingabe des Gutschein-Codes automatisch verrechnet.

2. Falls der Winter zur Abwechslung mal wieder kalt wird: Winter-Outdoorjacken

  • Als Edelvariante empfiehlt sich die Swisswool Piz Bianco Jacket Winterjacke von Ortovox. Schon die Optik mit den gedeckten Farben verrät es: Hier handelt es sich um etwas richtig Hochwertiges! Die wohlige Wärme der winddichten und wasserabweisenden Outdoorjacke kommt von weichen Merinowoll-Inserts, die sich richtig gut anfühlen und natürliche funktionale Eigenschaften haben. Hinzu kommt eine super Ausstattung, die ebenfalls ein sehr weites Einsatzspektrum ermöglicht.
  • Die Günstig-aber-gut-Variante: Der Women’s Aden Wintermantel von Helly Hansen. Viel Funktion, angenehme Wärme und einen bewährten Markennamen kann man auch mit kleinerem Budget bekommen.

3. Endlich Ruhe im Massenlager: Ohrenstöpsel für unterwegs

Mit kleinem Kostenaufwand kann man etwas wirklich wertvolles schenken: Erholsame Nachtruhe. Die Eagle-Creek Ohrstöpsel sind waschbar und wiederverwendbar und kommen im Set mit sechs Plugs im praktischen Aufbewahrungsdöschen.

4. Was nicht passt wird passend gemacht: Mit dem Bear Grylls Gerber Multitool

Wer gleich nach dem Fest zum nächsten Wildnistrip aufbricht, sollte das Gerber Multitool noch einstecken. Schließlich benutzt auch Superman Bear Grylls solch ein Teil, wenn er im Dschungel und in der Wüste mal wieder eine Unterkunft baut, Feuer macht oder Käfern, Skorpionen und anderen Leckerbissen nachstellt.

5. Auch in dunklen Winternächten schön gemütlich: Die LED-Campleuchte

Die Apollo LED-Lampe von Black Diamond glänzt als Multitalent. Bei diesem Exemplar handelt es sich um eine klappbare Steh- und Hängelampe, die in alle Richtungen für bis zu 225 Lumen an blendfreiem Licht sorgt.

6. Funktionale und stimmungsvolle Winterklamotten

Wer nicht nur Wärme und Funktion, sondern auch stimmungsvolles Design mit Winter- und Gebirgsmotiven sucht, sollte sich mal bei der deutschen Edelschmiede mit dem Schweizer Bergdorf im Namen umschauen. Bitte hier entlang: Zum Bergfreunde-Maloja-Shop.

7. Überall sauberes Trinkwasser: Der Katadyn Pocket Filter

Bei etwas so Wichtigem wie sauberem Trinkwasser verlässt man sich gern auf ein richtig edles Schweizer Markenprodukt wie den Katadyn Pocket Filter. Der hat zwar seinen Preis, doch wenn man bedenkt, dass hier 50.000 Liter Wasser ohne Filterwechsel gereinigt werden, zahlt sich die Sache ganz sicher aus. Und nebenbei ist man mit dieser unabhängigen Wasserversorgung auch noch für den nächsten Weltuntergang gerüstet.

8. Für die langen Winterabende braucht es gute Bücher

9. Kalender

Wer das ganze Jahr über „on Fire“ bleiben will, greift zum Kalender. Im Bergfreunde-Kalender-Shop gibt es eine kleine aber feine Kalenderauswahl für Bergsportdisziplinen wie Klettern, Running oder Bouldern.

10. Immer voller Durchblick: Echo Pocket Mini-Fernglas

Eher ein schönes Spielzeug als wirklich notwendig, dafür aber auch wirklich klein und leicht: Das Brunton Echo Pocket Scope. Es passt in die Jackentasche und bietet dennoch gute Vergrößerungswerte!

11. Unverzichtbare Winterbegleiter: Fäustel und Fingerhandschuhe in einem

Vielseitiger als die Roeckl Kadane Handschuhe geht’s kaum, denn die taugen fürs Fahrrad genauso wie für den Alltag und den Berg. Möglich macht es die integrierte „Kapuze“ (der über die halboffenen Finger klappbare Fäustel). Wenn beim Hantieren mit GPS, Taschenmesser und Pausenstullen oder während einer Klettereinlage freie Finger gefragt sind, klappt man ihn einfach zurück und fixiert ihn am Klettverschluss auf der Oberhand. Funktioniert super, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

12. Gefütterte Hüttenschuhe mit Kunstfaserfüllung

Heimelige Gemütlichkeit auch im eiskalten Basecamp, Biwak oder Winterraum – geht sowas? Ja, sofern man die Camp Booties von Exped im Gepäck hat – kuschelig-warme und weiche „Hausschuhe“ mit Kunstfaserfüllung. Dank ihrer rutschfesten Sohle ist auch der Toilettengang nach draußen kein Problem.

13. Outdoor-Besteckset: Gute Tischmanieren auch in der Wildnis

Das KUPILKA – Geschenkset besteht aus Tasse, Untersetzer, Löffel und sorgt für Flair beim Campen und Picknicken. Es besteht aus einem neuartigen Verbundmaterial aus Kiefernholzfasern und dem Kunststoff Polypropylen, wodurch es unter anderem spülmaschinenfest und recycelbar ist.

14. Creme statt Staub: Dickflüssiger Chalk von den Bergfreunden

Mit dem LiquidChalk von Bergfreunde.de macht man sich und den Mitkletterern in langen winterlichen Hallensessions eine Freude. Man selbst hat staubtrockene Grip-Finger und die Anderen keinen Feinstaub in der Lunge. Und wenn es hart auf hart kommt, deckt man damit schnell noch einen Pickel ab ;-)

15. Weihnachtliche Leckereien

Warum nicht mal ein paar schöne Energieriegel statt der üblichen langweiligen Plätzchen? Okay, nicht wirklich, an Weihnachten bleiben wir lieber bei „richtigem“ Zuckerkram. Doch für unterwegs und draußen macht spezielle Trekking- und Outdoor-Nahrung oftmals Sinn. Das Zeug ist leichter, haltbarer, einfacher zu lagern, praktischer portioniert, schneller zubereitet und schmeckt manchmal trotzdem richtig anständig. Und dank all dieser Vorzüge lässt es sich auch sehr gut als Geschenk verpacken ;-)

Bei unserer Shopauswahl ist vom Müsli zum Frühstück mit fertigem Milchpulver, über Nudel- und Fleischgerichte, bis hin zu vegetarischem und veganem Trekking-Essen für jeden Kletterer, Wanderer oder Expeditionsteilnehmer das Richtige dabei.

16. Die berüchtigten Socken – aber anders!

Mut zum Klischee – mit Socken zu Weihnachten! Aber nicht mit irgendwelchen Socken, sondern mit den richtig sportlichen und fetzigen Winter Run Kompressionssocken für Läufer, Trailrunner und Skitourengeher! Die sehen zwar nicht so putzig aus, haben aber einiges mehr drauf als Omas Selbstgehäkelten vom letzten Jahr. Überzeugt euch selbst – beispielsweise mit den cep Winter-Kompressionssocken.

17. Farbenfrohe Trinkflasche für die Kurzen

Die Kids Wide Mouth von Hydro Flask Trink- und Thermosflasche ist praktisch und macht auch in der Schule einen coolen Eindruck. Und sie wartet mit kleinen Extras auf, die für die Kids von Vorteil sind.

18. Für die großen Jungs und Mädels: Der Fiskars Axt- und Messerschärfer

Mit diesem Teil machen Rechts- und Linkshänder nicht nur Messer, sondern auch Äxte wieder fit. Sehr einfach und intuitiv in der Bedienung, liefert der Fiskars Nachschärfer auch für Laien gute Ergebnisse. Ein super Geschenk für Bastlernaturen, die es kaum erwarten können gleich nach der Bescherung mit dem Schleifen loszulegen!

So, bis hierhin hat der Blick in den großen Bergfreunde-Jutesack hoffentlich für Jede und Jeden was Passendes zutage gefördert. Falls ich ein wirklich wichtiges Weihnachts-Must-Have übersehen haben sollte, gerne rein damit in die Kommentare!

Die richtigen Schuhe für den Klettersteig!

28. Februar 2019
Kaufberatung

Zum Teil gibt es für die Besteigung des Klettersteiges spezielle Ausrüstung; so zum Beispiel die Klettersteigbremse. Den größten Teil des Materials, wie Kleidung, Rucksack oder Gurt, haben Bergfreunde allerdings schon vom Klettern oder Bergsteigen her im Schrank. Wie sieht es da mit den Schuhen aus? Kann man die Zustiegsschuhe vom Alpinklettern hernehmen? Oder die steigeisenfesten Bergstiefel von den letzten Hochtouren? Gibt es überhaupt eine eigene Schuhkategorie namens „Klettersteigschuh“? Wenn ja, wie unterscheidet sich die Kategorie von anderen Bergschuhen und braucht man das dann wirklich überhaupt?

Fragen über Fragen, die ich nun für euch beantworten möchte.

Was ist der Unterschied? Was macht den Klettersteigschuh aus?

Die meisten Klettersteigschuhe unterscheiden sich nur in kleinen Details von gewöhnlichen Bergschuhen und sind irgendwo im Bereich zwischen leichten und weichen (und bei Hitze angenehmeren) Approach/Zustiegsschuhen und Trekkingstiefeln anzusiedeln. Die leichten Modelle eignen sich meist auch für (leichtes) Klettern, die schweren auch für Berg- und Hochtouren. Man kann viele Klettersteige natürlich auch mit normalen Bergschuhen begehen, doch empfehlenswert ist das höchstens für leichte und eher seltene Klettersteigeskapaden.

Die Hersteller fertigen Klettersteigschuhe in der Regel mit einer festeren Sohle und einem engeren Schaft als „normale“ Wander- und Trekkingschuhen an. Damit sollen sie besser für langes Steigen und Klettern geeignet sein, während Letztere bekanntlich für langes Gehen ausgelegt sind.

Grundsätzlich ist ein guter Klettersteigschuh eher ein Generalist als ein Spezialist. Man tritt ja bei der Begehung eines Steigs nicht nur auf Felstritten, Leitern und Eisenstiften an, sondern legt auch einen guten Teil des Weges auf „ganz normalen“ Bergpfaden zurück. Und es gibt durchaus genügend Klettersteige, für deren Begehung man durch wegloses Gelände oder gar Eis und Schnee muss. Unter diesen Umständen sollte man dann entweder einen besonders vielseitigen Schuh am Fuß haben oder eventuell sogar ein leichtes und flexibles Paar Approachschuhe mit einem (steigeisen)festen und steifen Bergstiefel kombiniert werden.

Als Faustregel kann man festhalten, dass ein fester Schuh mit fester Sohle und relativ hohem Stand der Füße weniger Präzision beim Auftreten, dafür aber kraftsparendes Stehen auf kleinen Tritten und Stiften bietet. Speziell für schwere Personen ist das wesentlich kraftsparender zu handhaben als ein weicher Schuh. Um es vereinfacht kurz zu fassen: je mehr direkter Felskontakt, desto weicher sollte der Schuh sein. Je mehr hochalpines Gelände, desto steifer (und steigeiesentauglicher) darf er sein.

Es macht deshalb Sinn sich vor dem Kauf zu überlegen welche Art Klettersteige (siehe Schwierigkeitsgrad) man mit den künftigen Schuhen bevorzugt angehen will. Dafür kann man sich die drei folgenden Fragen stellen: Wie lang werden die Zu- und Abstiege sein? Wie lang und sportlich werden die Klettersteig- und Kletterpassagen sein? Soll es hoch hinaus gehen?

Damit lassen sich dann folgende Überlegungen, was so ein Klettersteigschuh alles können muss, optimal einbringen:

Was müssen sie können?

Ganz klar: Auf glänzenden oder rostigen Eisenstiften, Stahlbügeln, Leitersprossen sowie Spitzen, Ecken und Kanten aller Art müssen die Klettersteigschuhe solide stehen. Und das bei voller Gewichtsbelastung. Nicht einmal, nicht zehnmal, sondern hunderte von Malen auf jeder Tour. Damit ist sonnenklar: die Verarbeitung muss zuverlässig stabil sein, vor allem an Nähten und Klebestellen.

Zum eigentlichen Klettersteig kommen wie gesagt noch Zu- und Abstieg hinzu. Die Schuhe müssen deshalb nicht nur stabil und gleichzeitig „gefühlvoll“ für den Steig sein, sondern auch  für das übrige Berggelände gut dämpfen und abrollen. Faustregeln, die ohne Wenn und Aber gelten, sind:

  1. Ein hoher Schaft, der mindestens über die Knöchel reicht, schützt besser vor dem Umknicken in unwegsamen Geländen.
  2. Der Schuh muss fest aber dennoch möglichst bequem sitzen. Im Zehenbereich muss genug Platz sein, um beim bergab gehen nicht vorne anzustoßen. Hier ist eine gut regulierbare Schnürung, die möglichst weit nach vorne-unten reicht, von Vorteil.

Ansonsten sind je nach Schwierigkeitsgrad und Terrain der anvisierten Klettersteige teilweise abweichende Eigenschaften und Schwerpunkte gefragt. Die Auswahl reicht von Allround-Alpinschuhen mit hohem Schaft bis zu leichteren und bei Hitze angenehmeren Approachschuhen, die „eigentlich“ für die Zustiege zu Klettertouren gedacht sind.

Egal welcher Schuh, am wichtigsten ist, dass er rutschfest sitzt und dass er im vorderen Teil genug Haltekraft aufbauen kann, um auf kleinen Tritten, Leisten und Vorsprüngen Halt zu finden. Aus diesen Gründen werden zumeist etwas enger geschnittene Modelle empfohlen. Generell gehen die Klettersteigschuh-Empfehlungen meist in Richtung Wanderschuhe der Kategorien B oder B/C mit einer griffigen Kletterzone im Profil.

Um das etwas zu präzisieren und auf den Einzelfall abzustimmen, gehen wir nun die Schuhdetails durch:

Sohle

Hier ist die eierlegende Wollmilchsau gefragt: die Sohle muss sowohl verwindungssteif als auch klettertauglich sein. Damit die Füße genügend Gefühl für den Untergrund erhalten, darf die Sohle nicht zu hoch bzw. zu dick sein. Hierfür kommen eigentlich nur die „mittelharten“ und mittelhohen Sohlen von Kategorie B oder maximal B/C-Bergschuhen infrage.

Das Profil muss von vorn und innen genug Reibung zum Auftreten am Fels besitzen. Gleichzeitig sollte er allerdings auch griffig genug für die Zu- und Abstiege über Geröll, Schrofen, erdigen Untergrund, Schnee und feuchte Wiesen sein. Klingt kaum machbar, doch da die Sohle genau wie der menschliche Fuß sehr gut in verschiedene Zonen eingeteilt werden kann, lässt sich diese vielschichtige Herausforderung durchaus meistern.

Eine zonierte Sohle ist ein Hauptmerkmal guter Klettersteigschuhe. Der vordere Bereich sollte für leichtere und mittlere Klettersteige fest und steif sein, um kraftsparenden Stand auch auf kleinen Felsvorsprüngen zu gewährleisten.

Je sportlicher das Niveau der Steige wird, desto mehr Flexibilität ist im Vorfußbereich gefragt. Die Flexibilität ist notwendig, um einen guten Antritt „auf Reibung“ zu haben. Den Spagat zwischen diesen Anforderungen schafft eine kleine Reibungszone ohne Profil und eine leichte nach oben gezogene vordere Abrundung der Sohle. Die Reibungszone befindet sich dabei unterhalb des großen Zehs (und evtl. noch am Innenballen).

Unterhalb des Mittelfußes und der Ferse muss die Sohle tief profiliert sein, um Halt im Gelände und auf den Steighilfen zu geben. Im Übergang zwischen Ballenbereich und Absatz sollte sich eine ausgeprägte Vertiefung – der so genannte Trittleitersteg – befinden. Die Vertiefung verhindert das Abrutschen auf (nassen) Eisenstiften und Leitersprossen.

Schaft

Der Hauptunterschied zu Trekking- und Wanderschuhen ist bei Klettersteigschuhen eine etwas schlanker geschnittene und exakt anpassbare Zehenbox. Sie sollte nur so groß sein, dass die Zehen beim Abstieg nicht vorne anstoßen.

Ansonsten unterscheiden sich die Anforderungen an den Schaft je nachdem, wie sportlich-felsbetont es zugeht und wie hoch die Klettersteige gelegen sind. Für die Fun-Klettersteige in der Nähe von Talorten reicht ein relativ niedriger und „luftiger“ Schaft mit viel Bewegungsfreiheit. Für den hochalpinen Bereich mit den niedrigeren Temperaturen und dem losen Geröll darf es hingegen gern etwas geschlossener und geschützter sein. In letzterem Falle erhöht ein den Schaft umlaufender Gummirand (Geröllschutzrand) die Lebensdauer der Schuhe deutlich.

Idealerweise ist der klettersteigtaugliche Schaft, aufgrund des oft schrägen Antretens und Stehens, etwas beweglicher als bei normalen Wanderschuhen. Viele Klettersteig-Modelle bekannter Marken wie La Sportiva oder Lowa erfüllen diese scheinbar widersprüchlichen Anforderungen bemerkenswert gut.

Wie bei Bergschuhen sollte auch hier der Schaft atmungsaktiv und wasserabweisend sein. Allerdings hat die Atmungsaktivität bei Bergschuhen ein größeres Gewicht, da Klettersteige nur sehr selten bei unsicheren Wetteraussichten angegangen werden. Wer Klettersteige überwiegend als Tagestouren in nicht allzu großer Höhe plant, kann dampfdurchlässige Klettersteigschuhe mit Membran-freiem Mesh-Innenfutter in Betracht ziehen. Bei mehrtägigen und/oder hochalpinen Touren und zu erwartenden Querungen von Schneefeldern sieht das natürlich anders aus. Dann steht die Wasserdichtigkeit wieder höher in der Prioritätenliste.

Textil oder Leder? Beides!

Beim Material hat man die Wahl zwischen textilen Kunststoffen und Leder. Textilelemente sind preiswerter, da sie leichter zu konstruieren und zu verarbeiten sind. Das Leder bietet auch ohne Membranen Wasserresistzenz, Atmungsaktivität und ein angenehmeres Trageklima bietet.

Häufig kombiniert man die beiden Materialien, um die jeweiligen Vorteile punktgenau und effizient zu nutzen. Im Bereich der Zehen, Fersen und Sohlenränder ist Leder ideal, da es formstabiler und abriebfester ist. An der Lasche bzw. Zunge des Schuhs ist wiederum Textil von Vorteil, da es weicher, leichter und beweglicher ist. Bei fast allen in Deutschland verkauften Klettersteig- und Approachschuhe wird der Schaft als Textil-Leder-Gemisch mit einer Membran-Zwischenlage (meist GoreTex) gefertigt.

Schnürung

Eine leichte und genau zu justierende Schnürung hilft, den Schuh so passgenau an den Fuß zu bringen wie man ihn in den wechselnden Situationen braucht. Gute Klettersteigschuhe haben daher eine weit nach vorn in den Zehenbereich reichende Schnürung. Ansonsten ist das Schnürsystem der Klettersteigschuhe mit dem der „normalen“ Bergschuhe weitgehend identisch.

In der Regel sorgt die Kombination aus unten angebrachten Schlaufen und oben angeordneten Haken für eine gute Anpassbarkeit. Daneben sorgt meist ein Tiefzughaken für ein optimales Andrücken der Ferse. Schnürungen, die sich mit einem einzigen Zug über den gesamten Fuß hinweg ziehen, sind besonders komfortable aber nicht unbedingt erforderlich.

„Nur“ Klettersteige oder mehr?

Je nachdem wie viel (hoch)alpines Terrain (abgesehen von den Klettersteigen) auf dem Plan steht, braucht es unterschiedliche Klettersteigschuhe. Führen die Steige durch Eis- und Schneegelände oder gar Gipfel, die mit Gleterschpassagen im Abstieg aufwarten, sollten die Treter steigeisenfest sein. Hierfür reichen meist simple Eisen mit Riemenbindung. In der Regel kann man hier mit der Wahl der zuvor genannten Kategorien B und B/C nichts falschen.

Bei den manchmal noch weiteren Zustiegs-/Approachschuhen, die für kürzere, kletter- und sportbetone Steige optimal sind, sollte man genau hinschauen und eventuell auch nachfragen. Sie können unter Umständen um zu weich sein, um eine Riemebindung stabil zu befestigen.

Was sagen die Experten?

Bis hierhin sollte deutlich geworden sein, warum die eingangs gestellten, scheinbar einfachen Fragen gar nicht immer so eindeutig zu beantworten sind. Auch bei Klettersteigen begegnet man nämlich immer wieder der unsicheren Floskel: „Kommt drauf an …“.

Um die Entscheidung etwas leichter zu machen, lassen wir abschließend noch kurz die unabhängigen Tester vom Alpin Magazin zu Wort kommen:

Es heißt immer, die eierlegende Wollmilchsau gebe es nicht. Einige Hersteller kommen bei den Schuhen dem Ziel aber schon sehr nahe. Begeistert waren wir vom Scarpa Marmolada. Ein bequemer Schuh, der sehr gut abrollt, gleichzeitig aber am Klettersteig aufblüht und sehr guten Halt vermittelt. Auch der Garmont Vetta ist ein toller Schuh für Ferratisten; leicht und mit sehr gutem Halt – aber eher für schmale Füße. Unser Allround-Tipp.

Für sportliche Nutzer empfiehlt Alpin die Modelle Adidas TX Scope High und Five Ten Guide Teenie Mid. Sie sind nach Ansicht der Tester „weich und flexibel und verlangen mehr Kraft, um auf Leisten zu stehen, und geben deutlich weniger Halt. Wer so etwas sucht, ist mit den Modellen gut beraten, für Anfänger ist das nichts.

Die Kollegen vom Bergsteiger Magazin teilen die Klettersteigschuhe in zwei Gewichtsklassen ein:

  • leichte Modelle für schwere (Fun)Klettersteige, die in Größe 45 ca. 1050 g und aufwärts wiegen
  • schwere Alpin-Modelle, die sich in ähnlicher Größe bei mindestens 1700 g einpendeln

Einen kleinen Querschnitt durch diese riesige Auswahl gibt es auch in unserer Klettersteig Packliste. Habt ihr noch Fragen, könnt ihr uns diese gerne in den Kommentaren stellen.

Wenns halten muss: Alles über Steigeisen

2. Oktober 2018
Kaufberatung

Angeblich haben ja die Römer schon um 300 n. Chr. das Steigeisen erfunden, da deren Spione offenbar häufiger mal in steilem Gelände herumgeschnüffelt haben. Heute werden die gezackten Steighilfen eher für unpolitische Kraxeleien benutzt, die klassischerweise über Gletscher, Schneefelder und Firngrate auf alpine Gipfel führen. Aber auch sonst kommen Steigeisen immer dann zum Einsatz, wenn der verschneite oder vereiste Untergrund hart gefroren und/oder steil ist.

Dabei wird viel von den Steigeisen abverlangt: beim Aufstieg sollen sie gut greifen, fest am Schuh halten, bei Felskontakt nicht stumpf werden und beim Abstieg im aufgeweichten Schnee nicht rutschen. Stollen sollen sie natürlich auch nicht bilden und obendrein dürfen sie auch gerne möglichst leicht und klein verpackbar sein. Mit Stollen meine ich übrigens keine weihnachtlichen Backwaren, sondern die lästigen und manchmal gefährlichen Schneeklumpen, die sich bei weichem Firn und Schnee gern unter den Eisen bilden. Entfernt man sie nicht mit Pickelschlag oder Schuhklopfer, kann das Eisen zu einem Stück Schmierseife auf dem Abstiegsweg werden. Über solche kleinen potentiellen Tücken sollte man vor dem Kauf Bescheid wissen – indem man Material, Aufbau und Arten von Steigeisen kennt. Also, legen wir los:

Materialien

Beim Material gibt es zwei Alternativen: belastbare und langlebige Edelstahl-Legierungen (meist Chrom-Moly-Stahl) oder leichtes Aluminium. Eine dritte Variante wäre Titan. Titan ist eigentlich eine prima Sache, da es leichter als Stahl und fester als Aluminium ist. Doch da Titan um ein Mehrfaches teurer ist, sind Titaneisen auf dem „normalen Markt“ derzeit kaum zu bekommen.

Die Standardlösung für den Allround-Einsatz lautet Stahl. Dieses Material „beißt“ gut und bietet viel Halt, während die als Leichtsteigeisen firmierenden Alumodelle nur für Touren ohne viel Blankeis und Felskontakt (d.h. in eher flachen Hängen) gedacht sind. Die Alumodelle bieten beim Gehen in der Vertikalzackentechnik (hier wird der ganze Fuß aufgesetzt) und auf hartem Eis zwar einen soliden „Biss“, werden aber schneller stumpf und können sich auch durchaus mal verbiegen. Der Gewichtsvorteil ist allerdings erheblich: während Stahleisen meist an der Kilogramm-Marke kratzen, sind Alueisen schon ab 350 g zu haben. Auch der Tragekomfort der weniger starren Alumodelle mit ihren flexibleren Bindungen ist höher.

Einige Hersteller wie Petzl bieten Hybridsteigeisen an, bei denen ein Stahl-Vorderteil mit einem Alu-Hinterteil kombiniert wird. Sie bieten eine erhebliche Gewichtseinsparung, ohne allzu viel an Performance in hartem und steilem Eis einzubüßen.

Aufbau und Formen

Rahmen

Wo wir gerade von Vorder- und Hinterteil reden: das sind die beiden Metallstücke unter Vorderfuß und Ferse des Bergschuhs, aus denen der Rahmen des Steigeisens besteht. Die Rahmenstücke sind entweder starr (für steiles, hartes Eis) oder beweglich (für weicheren Firn und Schnee) über eine Schiene miteinander verbunden. Diese Schiene (auch Steg genannt) ist meist der Fußform entsprechend leicht gekrümmt, mit zahlreichen Löchern perforiert und mittels eines Feder-Stahlclips in der Länge verstellbar. Je nach Form und Anzahl der Löcher kann die Größenanpassung sehr fein an den Schuh abgestimmt werden. Für viele Steigeisen gibt es auch extra lange Stege für extra lange Schuhgrößen.

Eine ganz besondere Lösung hat Petzl hier wieder gefunden: die Stahlschiene wird bei dem revolutionär leichten und kompakten Petzl Leopard Firnsteigeisen einfach durch Dyneema Schüre ersetzt. Diese erlauben eine Längenverstellung durch einfaches umfädeln.

Je beweglicher der Rahmen (und der Bergschuh), desto komfortabler ist das Gehen. Allerdings schließt diese Bewegungsfreiheit auch die sehr hohe Wahrscheinlichkeit mit ein, dass sich das Eisen vom Schuh löst. Am Rahmen sind die 8 bis 14 Zacken angebracht, die je nach Modell für soliden oder bombenfesten Halt im Eis sorgen.

Die Rahmenbreite kann je nach Bindungstyp schmaler oder genauso breit wie der Schuh sein. Ein breiterer Rahmen sorgt für solideren Stand und mehr Sicherheit beim Gehen. Das kann auf unregelmäßigem Untergrund (z.B. beim Queren einer Moräne) durchaus eine Rolle spielen, da man auf den Eisen höher steht und die Gefahr des Umknickens größer ist. Die Höhe des Stands hängt bei hartem Untergrund von der Länge der Vertikalzacken ab – je kürzer sie sind, desto natürlicher ist das Gehen.

Zacken

Aus dem letzten Satz war es schon herauszulesen: die Vertikalzacken sind diejenigen, die vom Fuß senkrecht nach unten zeigen. Sie sind normalerweise mehr oder weniger symmetrisch längs an den Seiten angeordnet. Hinten am Rahmen befinden sich üblicherweise zwei quer gestellte Vertikalzacken. Die Vertikalzacken sorgen bei jeder nicht-kletternden Fortbewegung für den Halt auf dem Eis. Deshalb wird das „normale Gehen“ bis etwa 35 Grad Hangsteilheit auch als Vertikalzackentechnik bezeichnet.

Die vom Rahmen aus nach vorn ausgerichteten Front(al)zacken bzw. Vorderzacken sorgen bei Eis ab etwa 35 Grad Steilheit für einen sicheren Halt. Sie werden meist mit einem lockeren Pendelschlag aus dem Knie heraus ins Eis getrieben. Bei anspruchsvolleren Hochtouren können das Gletscherbrüche oder Eisflanken sein (von denen es in den Alpen allerdings im Sommer immer weniger gibt).

Die Frontzacken gibt es wiederum in zwei Versionen: senkrecht aufgestellt oder horizontal ausgerichtet. Die senkrechten Frontzacken ähneln den Hauen von Eisgeräten und bieten unübertroffenen Halt in hartem Steileis. Bei weniger steilem und weicheren Untergrund bieten sie allerdings weniger Halt als die herkömmlichen, waagerecht liegenden Frontzacken, welche für bestmöglichen Halt leicht nach unten gekrümmt sein sollten. Meistens werden die vertikalen Frontzacken jedoch durch Sekundärzacken oder T-Profile unterstützt, die die eingebüßte Bodenhaftung auf Schnee wieder ausgleichen.

Die horizontalen Frontzacken laufen oft schmal und spitz zu. Bei Eisen, die besonders auf guten Halt im Schnee ausgelegt sind, läuft die Spitze jedoch von oben betrachtet breit zu und ist nur von der Seite betrachtet scharf.

Für verschärftes Eis- und Mixedklettern haben sich mittlerweile vertikale Front-Monozacken etabliert. Wie der Name schon sagt, ist die Vorderseite damit nur mit einer, statt der „gewohnten“ zwei Zacken, bestückt. Mit den Monozacken sind noch präzisere oder komplexere Bewegungen wie das Eindrehen der Füße bei verminderter Gefahr des Heraushebelns möglich.

Die Länge der Zacken spielt aufgrund der Hebelwirkung eine Rolle: kurze Zacken sind besser für Fels oder Mixed-Klettern geeignet; lange Zacken besser für Firn und Eis. Dementsprechend kann man die Zackenlänge bei manchen Modellen verändern (z.B. beim Grivel G14).

Bindung

Die Bindung sorgt für den sicheren Kontakt zwischen Schuh und Metall. Auch bei ihr gilt abermals: es gibt zwei Versionen und einen Hybriden dazwischen. Eigentlich ganz einfach, auch weil Bergschuhe meist im Hinblick auf ihre Eignung für verschiedene Bindungen deutlich gekennzeichnet sind:

Für die leichten, einfach gebauten Steigeisen zum Gletscherwandern ist die Riemenbindung mit meist je einem Plastikkörbchen vorne und hinten Standard. Die Riemen bestehen aus Nylon- oder Perlonbändern, welche Absatz und Spitze des Schuhs mit Fersen- und Ballenteil des Steigeisens verbinden und mithilfe von Dornenschnallen festgezogen werden. Diese Konstruktion passt (theoretisch) auf jeden halbwegs festen Berg- und Wanderschuh. Es sollte aber auch bei Riemenbindung schon ein mindestens „bedingt steigeisenfester“ Bergschuh sein, auch wenn die Eisen für kurze Querungen von Schneerinnen durchaus auch an einem Zustiegsschuh o.ä. halten würden.

Generell sind Sitz und Stabilität bei der Riemenbindung am schwächsten. Auch sind die Körbchen im Vergleich zu anderen Bindungen schwer und voluminös, womit der Gewichtsvorteil der Alu/Leichtsteigeisen ein Stück egalisiert wird.

Kipphebelbindungen (auch Automatikbindungen oder Step-In-Bindungen genannt) werden durch einen Drahtbügel an der vorderen Sohle und durch einen höhenverstellbaren Kipphebel an der hinteren Sohle befestigt. Zusätzlich ist ein Fangriemen als Verlustsicherung angebracht. Die Verwendung von Hebelbindungen setzt voll steigeisenfeste Bergschuhe voraus, deren Sohle sehr steif und mit entsprechenden Sohlenkanten vorn und hinten versehen ist. Sie sind auch ideal für Skitourenstiefel, sofern der Kipphebel sich nicht mit dessen rückseitiger Fußfixierung ins Gehege kommt.

Generell sitzen Steigeisenbindungen mit Kipphebel am sichersten am Schuh, bieten die beste Standfestigkeit, sind am leichtesten und lassen sich am schnellsten an- und ablegen. Auch bieten sie oft verschiedene Einstelloptionen für Eis- oder Felsklettern. Wenn man das Anschnallen richtig bewerkstelligt hat, sollte beim finalen Festziehen ein sattes Klack-Geräusch zu hören sein.

Die Hybridlösung ist auch hier wieder der Versuch, die Vorteile beider Standardsysteme zu vereinen. Und das gelingt durchaus gut – die Bindungen mit Körbchen vorne und Kipphebel hinten sind sehr empfehlenswert, wenn die Eisen für ein breites Tourenspektrum vorgesehen sind. Das System erfordert für den Kipphebel nur hinten am Schuh eine stabile Befestigungskante – womit es auf eine Vielzahl an Schuhen passt, auch wenn diese nur „bedingt steigeisenfest“ sind. Bei einigen Marken gibt es auch die Möglichkeit der Umstellung von Automatikbindung zu Hybrid- bzw. Semibindung.

Bei der Kombibindung wird der Kipphebel mit einem Korb vorne kombiniert. Vielleicht heißt es ja deshalb Kombibindung, weil sich dieses Konzept bestens für kombinierte Touren in Eis und Fels eignet …

Einen durchaus gelungenen Versuch, alle Bindungstypen zu vereinigen, hat Edelrid mit seinem Modell Shark unternommen. Hier lassen sich Automatik-, Semi- und Riemenbindung beliebig austauschen.

Antisollplatten

Während die Bedeutung von Rahmen, Zacken und Bindungen von vornherein einleuchtet, wird die Wichtigkeit der Antistollplatten meist erst nach der ersten Tour klar. Wie im Eingangsabschnitt erwähnt, können die gemeinen Schneeklumpen unter den Eisen den Abstieg im weichen Firn zur Hölle machen. Das kalte Metall der Eisen zieht den feuchten Schnee fast wie Klebstoff an. Das macht nicht nur das Gehen anstrengend, sondern kann auch sehr gefährlich werden.

Wenn der Schneeklumpen dicker ist als die Zacken lang sind, verliert man im schlimmsten Falle sprichwörtlich die Bodenhaftung und schlittert auf Nimmerwiedersehen davon. Deshalb sind gute Antistollplatten, die den gesamten Rahmen bedecken, kein Luxus, sondern Pflicht. Zum Glück haben mittlerweile fast alle Hochtourensteigeisen diese Kunststoffplatten serienmäßig vormontiert.

Besonders effektiv sind konvex ausgebeulte Platten, die sich bei Druckbelastung einstülpen und den Schnee, wenn der Fuß in der Luft ist, regelrecht abwerfen. Raffiniert! Die Platten sollten zudem leicht ersetzbar sein, da sie bei Felskontrakt schnell mal beschädigt werden.

Einsatzzweck

Die Unterschiede in den genannten Bestandteilen haben die jeweiligen Einsatzzwecke eigentlich schon klar definiert. Das Ganze lässt sich aber noch etwas übersichtlicher in drei Klassen je nach Einsatzzweck zusammenfassen:

1. Leichte Hochtouren und Gletschertrekking mit wenig Kombigelände und Felskontakt:

Hier kommen die Leichtsteigeisen/ Gletschersteigeisen/Alusteigeisen mit zehn bis zwölf Zacken zum Einsatz  (wobei hier fast nur die Vertikalzacken verwendet werden). Diese leichten und relativ flexiblen Eisen behindern das normale Abrollen des Fußes nicht vollständig und bieten damit höheren Gehkomfort für lange Strecken. Das Gewicht hält man hier gern möglichst gering, besonders wenn die Eisen nur sporadisch zum Einsatz kommen und meist im oder am Rucksack getragen werden. Mit den zwei waagerecht nach vorn stehenden, leicht nach unten gekrümmten Frontzacken können auch kurze vereiste Hänge und kombinierte Gipfelzonen bei Hoch- und Skitouren bewältigt werden.

2. Anspruchsvolle Hochtouren mit viel Kombigelände und Felskontakt:

Im steileren Gelände kommen mindestens Zwölfzacker zum Einsatz. Das zusätzliche Paar Zacken sitzt als schräg nach vorn gerichtete Stützhilfe direkt neben und hinter den Frontalzacken. Für mittlere Hochtourenschwierigkeiten und einfaches Wasserfallklettern genügen die „normalen“ horizontal ausgerichteten Frontzacken. Bei einem Schwerpunkt auf Firn- und Eisflanken sollten die Frontzacken stärker nach unten gezogen und das Stützpaar stärker nach vorn gerichtet sein. Liegt der Fokus dabei mehr auf Kombi- und Felskletterei sollten die Frontzacken gerade vorstehen und das Stützpaar eher senkrecht nach unten gerichtet sein. Generell bestehen die Steigeisen für anspruchsvollere Touren aus stabilem und abriebfestem Stahl, dessen Vorteile der besseren Performance und des besseren Sitzes dem Mehrgewicht als Nachteil überwiegen.

Auch wenn man weniger anspruchsvoll, dafür aber oft unterwegs sein will, sollte man aufgrund der längeren Lebensdauer eher zu Stahl als zu Aluminium greifen.

3. Steiles Eis und Wasserfälle:

Je steiler man unterwegs ist, desto mehr liegt der Fokus auf den Frontalzacken. Bei den „richtigen“ Steileismodellen sind die Frontalzacken wie Pickelhauen vertikal ausgerichtet und oft in Länge und/oder Winkel verstellbar. Die zweite Zackenreihe ist besonders deutlich nach vorne ausgerichtet, um den sicheren Stand im harten Eis zu unterstützen. Die „Hardcore-Modelle“ für extremes Eis- und Mixed-Gelände haben 14 Zacken und lassen sich wie bereits beschrieben zu Mono-Zackern umrüsten.

Transport: handlich oder umständlich

Beim Gewicht halten sich die Unterschiede und damit der Spielraum in Grenzen: die Art der Touren bestimmt, ob man etwa ein Kilo oder etwa ein Halbes zu tragen hat. Doch das Packvolumen kann sich durchaus auch zwischen ähnlichen Eisen unterscheiden. Wichtig ist, dass sich die gelochte Schiene bzw. der Mittelsteg möglichst kurz zusammenschieben lässt. Bei dem zuvor erwähnten Zehnzacker Petzl Leopard endet die Schrumpfkur dank Schnurverbindung erst auf sagenhaft kurzen 13,5 cm. Normalerweise muss man aber mit mindestens 20 bis 25 cm Packlänge rechnen. Die Höhe der zusammengelegten Steigeisen wird logischerweise durch die Länge der Zacken und der Schuhfixierungen bestimmt. Steigeisen mit Step-In-Bindung sind am flachsten, Korbbindungen am sperrigsten.

Am oder im Rucksack?

Das ist eigentlich egal, solange die Eisen gut verpackt sind. Eine spezielle Transporttasche ist jedenfalls ein Muss. Sie kann in den Rucksack wandern oder an einer der meist zahlreich vorhandenen Befestigungsmöglichkeiten angebracht werden. So durchlöchern die Eisen weder Textilien noch Mitmenschen und behalten auch den oft reichliche anfallenden Dreck vorerst bei sich. Meistens sind die Eisen nach der Tour auch nass – und da die meisten Taschen nicht wasserdicht sind, empfiehlt sich spätestens hier eher der Transport außen am Rucksack.

Aufbewahrung und Pflege

Steigeisen bleiben mit regelmäßiger Reinigung nach den Touren besser in Form. Sie werden am liebsten trocken aufbewahrt und in etwas größeren Abständen lassen sie sich auch gern mal so richtig durchfeilen. Praktischerweise haben wir hierzu schon eine Pflegeanleitung für Steigeisen parat.

Eine Kaufberatung zu Reise- und Mikrofaserhandtücher

26. September 2018
Kaufberatung

Seit 2001 feiern jedes Jahr am 25. Mai tausende Menschen auf der ganzen Welt den offiziellen „Towel Day“. Damit bringen sie allerdings in erster Linie nicht ihre Liebe zu Handtüchern zum Ausdruck, sondern gedenken des berühmten Science Fiction Autors Douglas Adams und seines legendären Romans „Per Anhalter durch die Galaxis“. Dort heißt es nämlich wörtlich: „Das hier ist eine verdammt harte Galaxis. Wenn man hier überleben will, muss man immer wissen, wo sein Handtuch ist!“. Im Morgenmantel und mit einem Handtuch um den Hals gelegt, meistert die Hauptfigur des Romans so manche brenzlige Situationen, um am Ende nicht weniger zu leisten als die Welt zu retten.

Auch wenn mancher Basislager-Leser nach diesen Zeilen wohl eher an einen Bergfreunde Autor mit Sonnenstich, als an einen echten Handtuch Tag glauben mag (es gibt ihn wirklich), lassen sich Nutzen und Notwendigkeit von Handtüchern beim Reisen, Campen und Wandern zweifelsfrei belegen. Inwieweit sie dabei zur Rettung des Planeten beitragen, hängt nicht zuletzt vom Grad der Verschmutzung des Outdoorsportlers ab und bleibt somit der Phantasie des Handtuchbesitzers überlassen.

Frotteehandtücher für Camping und Reisen – lieber nicht…

Ein durchschnittliches Handtuch aus Frottee, das die meisten von uns im Bad zum Trocknen von Gesicht, Händen und Haaren verwenden, ist etwa 80 cm lang und 45 cm breit. Duschhandtücher sind dementsprechend größer und Handtücher, die nur zum Trocknen der Hände dienen, etwa halb so groß. Frisch gewaschen, weich und herrlich duftend, sind die Baumwollhandtücher perfekt, um viel Nässe aufzunehmen. Um sich nach dem Waschen, Baden oder Duschen abzutrocknen, sind die dicken Handtücher daher ideal.

Allerdings haben Frotteehandtücher zwei entscheidende Nachteile, die sie für den Einsatz beim Campen, Reisen oder Outdoorsport vollkommen ungeeignet machen:

  • Sie brauchen sehr lange zum Trocknen. Die Feuchtigkeit, die sie beim Abtrocknen (zwar schnell) aufnehmen, speichern sie sehr lange und geben sie nur schleichend wieder ab. Was an einem heißen Sommertag noch vertretbar ist, kann bei feuchter Witterung beim Zelten zum echten Geduldspiel werden. Und jeden Tag ein feuchtes Handtuch vom Vortag zu benutzen, macht auf Dauer auch keinen Spaß.
  • Der zweite Nachteil der saugkräftigen Baumwollhandtücher ist das riesige Packmaß. Bei einem kleinen Handtuch fällt das Volumen vielleicht noch nicht ganz so auf, aber spätestens wenn jeder in der Familie ein normales Handtuch und ein zusätzliches Duschhandtuch ins Urlaubsgepäck einpackt, füllen sich Taschen und Rucksäcke im Nu.

…stattdessen ultraleichte Mikrofaserhandtücher

Da auch viele Outdoorfirmen stets bemüht sind die Welt zu retten (oder wenigstens zu verbessern), lautet die leichte Antwort auf ein unhandliches und unpraktisches Frottehandtuch schlicht: Mikrofaser. Handtücher aus Mikrofaser sind aus synthetischem Gewebe gefertigt, das meistens aus Polyester oder einer Kombination von Polyester und Polyamid besteht. Polyester ist auch der Rohstoff aus dem sämtliche Fleecejacken hergestellt werden. Er eignet sich mit seinem geringen Gewicht und seiner schnelltrocknenden Eigenschaft optimal für die Herstellung von Reisehandtüchern. Durch die Zugabe von Polyamid werden Outdoorhandtücher noch robuster und langlebiger.

Handtücher aus synthetischer Mikrofaser haben für Campingreisen, Hüttentouren, Weitwanderungen und Pilgerreisen ein paar entscheidende Vorteile gegenüber „normalen“ Handtüchern:

  • Sie sind sehr leicht. Im Gegensatz zum Frottehandtuch (Format 80 x 40 cm) mit über 250 g, wiegt ein Mikrofaserhanduch in gleicher Größe nur etwa 60 g.
  • Sie lassen sich sehr kompakt verstauen. Ob gefaltet, gerollt oder im Packsack verstaut – selbst ein großes Duschhandtuch aus Mikrofaser ist nicht sehr viel größer, als ein aufgerolltes T-Shirt.
  • Sie trocknen extrem schnell. Werden Mikrofaserhandtücher in der Waschmaschine gewaschen, sind sie nach der Wäsche schon annähernd trocken. Je nach Temperatur und Witterung dauert das Trocknen bei normaler Nutzung (Waschen & Duschen) natürlich unterschiedlich lange. Im Vergleich zum Frotteehandtuch verringert sich die Trocknungszeit jedoch auf ein Bruchteil.

Baumwolle vs. Microfaser – ein ganz anderes Gefühl

Viele, die zum ersten Mal ein Mikrofaserhandtuch auf Reisen oder beim Wandern verwenden, sind irritiert vom ungewohnten Gefühl auf der Haut. Manche haben auch den Eindruck, dass das Reisehandtuch nicht so gut trocknet, wie sie es von ihrem normalen Handtuch gewöhnt sind. Tatsächlich ist die Saugkraft von Frottehandtüchern höher, als die von Mikrofaserhandtüchern. Durch eine etwas andere Handhabung lassen sich Reisehandtücher laber ganz normal zum Abtrocknen nach dem Waschen oder Duschen verwenden. Der Trick dabei ist, das Mikrofaserhandtuch langsamer und mit etwas mehr Druck über die Haut zu führen. So kann das Polyestergewebe die Feuchtigkeit von der Haut optimal aufsaugen. Da die Reisehandtücher sehr weich sind, fühlt sich das Abtrocknen genauso angenehm oder sogar noch angenehmer an wie mit einem Baumwollhandtuch.

Die Qual der Auswahl – welches Reisehandtuch und welche Größe?

Mikrofaserhandtücher werden mittlerweile nicht nur von Outdoorherstellern angeboten, sondern sogar als Saisonware beim Discounter. Qualität von Materialien und Verarbeitung unterscheiden sich dabei stark. Von kratzigen und fusselnden Handtüchern ist immer wieder die Rede und auch Haltbarkeit, Formstabilität und UV-Beständigkeit der Farben sind nicht bei jedem Outdoorhandtuch gleich gut.

Qualitativ hochwertige Handtücher bieten zum Beispiel Cocoon, Sea to Summit, Packtowl oder LACD an. Neben verschiedenen Farben (die meisten Mikrofaserhandtücher sind einfarbig) haben Camper und Traveller die Wahl zwischen verschiedenen Größen von XXS bis XXL. Die kleinste Ausführung reicht gerade so, um damit Hände oder Gesicht zu trocknen. Als Duschhandtuch ist diese Variante nur für extreme Ultraleicht-Spezialisten zu empfehlen. Mit der größten Ausführung können es sich zwei Personen, am Seeufer oder im Freibad, nebeneinander bequem machen. Ein Mikrofaserhandtuch mit einem individuell optimierten Verhältnis zwischen Maßen und Gewicht liegt in der Regel irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.

Wer das Handtuch beim Campen und Wandern zum Duschen verwenden will, ist in der Hinsicht gut beraten die Länge so zu wählen, dass sich das Handtuch gut um die Hüfte wickeln lässt. Manche Outdoorsportler greifen auch gerne zu einer Kombination, zum Beispiel bestehend aus einem kleinen Handtuch fürs Gesicht und einem mittelgroßen Handtuch zum Waschen und Duschen.

Praktische Features und nützliches Zubehör

Viele Outdoorhandtücher werden in kleinen Packbeuteln aus Meshgewebe geliefert. Diese lassen sich mit einem Kordelzug verschließen und sorgen dafür, dass das Handtuch stets aufgeräumt ist. Eine Stofftasche, Plastiktüte oder ein wasserdichter Packsack eignen sich ebenfalls als Ergänzung. Im Packsack lassen sich beim Duschen zudem wichtige Wertsachen sicher und wasserdicht verstauen. Bevor das Handtuch für den Transport im Beutel verstaut wird, sollte es allerdings gut trocknen.

Sehr hilfreich beim Waschen und Duschen sind die Befestigungsschlaufen oder Befestigungsösen an Reisehandtüchern. Viele sind mit einem zusätzlichen Druckknopf ausgestattet, sodass sich das Handtuch fast überall fixieren lässt.

Unbegrenzte Einsatzmöglichkeiten für Mikrofaserhandtücher

Durch das geringe Gewicht und das minimale Packmaß ergeben sich zahllose Möglichkeiten, um die praktischen Handtücher auch außerhalb von Urlaub, Camping und Reisen zu verwenden.

  • Beim Radfahren – ob auf Tour oder im Alltag, um sich schnell abtrocknen zu können.
  • Für Hundebesitzer, die nach dem Gassi gehen ihren Hund abtrocknen möchten.
  • Als Teil der Fotoausrüstung, da sich das Handtuch hierfür prima als Regenschutz für die Kamera oder als Unterlage verwenden lässt.
  • Beim Schwimmen im Freibad oder Hallenbad, denn das Mikrofaserhandtuch benötigt viel weniger Platz.
  • Um Strandliegen im Urlaub zu reservieren,…

Wenn du dein (Mikrofaser) Handtuch immer dabei hast, werden dir garantiert noch viele weitere tolle Möglichkeiten begegnen, in denen du dein Handtuch nie mehr missen möchtest. Bei den Bergfreunden hier bei uns geht es auf jeden Fall nicht mehr ohne.

Im Test: Patagonia Micro Puff

20. Juli 2018
Kaufberatung

Hast du dich schon mal gefragt was hinter Patagonias Micro Puff Technologie steckt? Und inwieweit sie effizient ist? Dann ist dieser Artikel etwas für dich! Unter kritischem Auge haben wir (Alexandra und Felix) die Technologie an den unterschiedlichsten Orten der Welt unter den Prüfstand gestellt. Alexandra packte dafür den Micro Puff Hoody für einen Skilanglauf am Titisee ins Gepäck, während sich die Micro Puff Jacke bei Felix an dem rauen Wind und der gefühlten Gefrierpunkttemperatur beweisen durfte. Wie unser Urteil wohl ausfiel?

Erstmal die Eckdaten

Patagonia sagt, dass die Micro Puff Jacke die „in Relation zum Gewicht wärmste Jacke [ist], die […] [sie] je entwickelt haben“. Damit macht Patagonia eine starke Aussage. Gilt doch die bessere Wärmeleistung im Verhältnis zum Gewicht bisher immer als eines DER Argumente Daunen statt Kunstfaser als Isolationsmaterial zu wählen.

Dafür hat Patagonia die PlumaFill Isolierung entwickelt. Die Idee dahinter ist nicht neu: Mithilfe von Synthetikfasern wird die Struktur von Daune imitiert. Allerdings kommen die Synthetikfasen in Form von Endlosfasern daher, sodass sie, anders als die klassischen Fasern oder Federn, mit weniger Nähten an Ort und Stelle gehalten werden können. Diese Steppkonstruktion unterscheidet die Micro Puff auch optisch von der Konkurrenz.

Kombiniert wird die Isolierung mit einem ultraleichten, winddichten und wasserabweisenden Außenmaterial aus Pertex Quantum Ripstopnylon mit DWR Beschichtung.

Und auch das Gewicht kann sich durchaus sehen lassen. Bei unserer Messung bringt die  Damenvariante in Größe S insgesamt 230 g und die Männervariante in Größe M 236 g auf die Waage. Unsere Ergebnisse entsprechen damit ziemlich genau den Herstellerangaben.

Der erste Eindruck

Als erstes fällt uns unweigerlich die Farbe auf. Bei der Damenvariante haben wir ein knalliges, glänzendes Rot (Maraschino), kombiniert mit einem blauen Reißverschluss und blauen Elastikbündchen. Bei den Herren ist alles unicolor Orange (Paintbrush Red) – also quasi Knallorange. Mit diesen Farben wird man auf jeden Fall nicht so schnell übersehen. Für all diejenigen, die jedoch nicht ganz so auffällig unterwegs sein möchten, gibt es die Jacken natürlich auch in gedeckteren Farben.

Die Haptik der Jacke ist glatt, sodass sich eine Hardshelljacke ohne Probleme drüber ziehen lässt. Das Material ist sehr dünn und wirkt sogar fast durchsichtig. Aber trotzdem knistert die Jacke mit den Windböen nicht vor sich hin, sondern ist relativ leise.

Der lockere Schnitt lässt viel Raum für Bewegung, aber auch für weitere Schichten unter der Jacke. Die Ausstattung ist schlicht: es gibt eine Kapuze (bei der Hoody Variant), zwei Reißverschlusstaschen außen und zwei große Innentaschen. Der von hinten abgedeckte Reißverschluss schließt hoch. Elastische Bündchen und ein elastischer Saum schließen die Jacke ab. Praktisch ist, dass sich die Jacke kompakt in der linken Jackentasche verpacken lässt.

Die Praxis – der Micro Puff Hoody (w)

(Alexandra) Bevor mich die Micro Puff bei meinem ersten Langlaufausflug am Titisee begleiten darf, muss sie sich erstmal auf dem täglichen Weg zur Arbeit beweisen. Bei Temperaturen zwischen Plus und Minus 8 Grad Celsius pendele ich knapp eine halbe Stunde mit dem Fahrrad. Da ich generell schnell friere bin ich besonders auf die Wärmeleistung gespannt – und ich muss sagen, dass ich dabei nicht enttäuscht werde.

Auch bei Temperaturen unter null Grad reicht mir für die Strecke ein langes Merinoshirt als Baselayer aus. Die Kapuze passt problemlos unter den Helm. Auch vom Gegenwind spüre ich kaum etwas, lediglich am Reißverschluss offenbaren sich kleine Schwächen. Die Abdeckung von innen scheint an dieser Stelle recht knapp bemessen zu sein.

Belüftungsmöglichkeiten gibt es abgesehen vom Frontreißverschluss keine und zugegebenermaßen fehlen mir diese bei wärmeren Temperaturen etwas. Auch weitere Verstellmöglichkeiten mittels Kordelzüge oder Klettverschlüsse sucht man vergeblich. Dies stört mich allerdings weniger, denn es spart Gewicht und man bleibt ohne sie nirgendwo hängen. Außerdem wird das sehr dünne Material nicht unnötig durch Klettverschlüsse strapaziert. Die Kapuze sitzt auch bei meinem kleinen Kopf sicher genug, sodass ich keine Angst vor dem nächsten Windstoß habe. Allerdings hat sich das Wetter in der Testphase vornehm zurückgehalten, sodass ich weder Regenschauer noch starke Winde in den Bericht mit einbeziehen kann.

Auch bei meinem Langlaufausflug in den nahen Schwarzwald zeigt sich der Himmel von seiner sonnigen Seite. Bei 10 Grad minus schichte ich zunächst ein langes Merinoshirt, ein kurzes Funktionshirt und eine Fleecejacke unter die Micro Puff. Nach gut 200 m in der Loipe verschwindet die Fleecejacke aber bis zur Pause wieder im Rucksack. Bei Bewegungen schränkt die Jacke nicht ein und, dadurch dass sie so dünn und leicht ist, fühlt man sich auch nicht wie ein Schneemann.

Die Taschen der Micro Puff sind leicht höher angesetzt, sodass es kein Problem ist, sie bei geschlossenem Hüftgurt des Rucksacks zu benutzen. Geräumig sind sie allemal. Handy, Portemonnaie, Kompaktkamera und die obligatorische Packung Taschentücher passen ohne Probleme hinein. In den Innentaschen könnte man sogar eine Literflasche unterbringen. Allerdings nutzen die Innentaschen den gleichen Platz wie die Außentaschen aus. Da die Taschen bis zum Saum der Jacke gehen, muss man eventuell erst den Rucksack schließen, bevor man sie befüllt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Außentaschen auch prima als Handwärmer dienen.

Die Praxis – die Micro Puff Jacket (m)

(Felix) Mit der Micro Puff Jacke mache ich einen echten Kaltstart. Einmal im Büro anprobiert, kommt die Jacke ungetestet ins Urlaubsgepäck und wird so zum ersten Mal im argentischen Städchen El Chalten nahe des Fitz Roy eingesetzt. Auf der Reise hatte sie bis dahin mit ihren Maßen gepunktet, denn Volumen und Gewicht machen die Patagonia Micro Puff Jacket zum idealen Reisebegleiter.

In den windigen Abendstunden kommt die sehr schön verarbeitete Jacke so also vorerst beim Flanieren zum Einsatz. Doch ihre wahren Werte darf sie dann schon 24 Stunden später unter Beweis stellen. Am Fuße des südlichen patagonischen Eisfelds ist die Sonne selten, der Wind stark und der Regen waagrecht. Die Jacke habe ich hier, je nach Bedingungen (und diese wechseln sehr oft), mit Softshell darunter oder Hardshell darüber kombiniert. Am meisten fiel mir dabei die wasserabweisende DWR Beschichtung positiv auf. Trotz mehrerer Schauer wurde die Jacke nicht nass.

Allerdings ist mir persönlich die Jacke bei größerer körperlicher Anstrengung zu wenig atmungsaktiv und zu warm. Klar hat sie mich so bei jeder Pause und, noch wichtiger, bei jedem Feierabend vor dem Auskühlen bewahrt, aber ich bin eben lieber zu leicht angezogen und friere auch allgemein nicht so schnell wie eventuell andere. Diese Beurteilung ist damit sehr subjektiv.

Technisch gesehen gefallen mir viele der einfachen Details sehr gut. Bei meiner Armlänge und meinem Umfang sind zum Beispiel die elastischen Armbändchen optimal. Dank ihnen bleibt der Ärmel auch bei größeren Bewegungen dort wo er sein soll.

Die großen Außentaschen haben entweder meine Hände gewärmt, oder meine 1 Liter Trinkflasche verstaut (was dank ihrer Position auch bei einem breiten angelegten Rucksack-Hüftgurt möglich ist). Der einzige Wehrmutstropfen ist dabei jedoch, dass bereits nach kurzer Zeit an einer angesteppten Stelle das PlumaFill nach außen durchdrang.

Trotz dem leichtem Material, habe ich die Jacke aber als robust wahrgenommen. Und ich bin mir sicher: für mich wird sie nun ein fester Begleiter bei Wind und Wetter sein. Mich hat die Patagonia Micro Puff Jacket vor allem mit ihren einfachen Details und dem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt.

Kurz und knapp können wir Patagonia’s Micro Puff Kleidungsstücke also guten Herzens weiterempfehlen. Und jede Outdoor-Aktivität kann durch die Technologie nun ganz neue, leichte und praktische Züge annehmen.

Eine Kaufberatung zu Biwakzelten

11. September 2018
Kaufberatung

Es ist schon merkwürdig: das Ding heißt Biwakzelt, ist aber weder ein Biwaksack noch ein Zelt. Die Bezeichnung passt aber trotzdem, denn es steht ziemlich genau in der Mitte zwischen diesen Beiden – es ist mehr als ein Biwaksack und weniger als ein Zelt. Obwohl die Lücke zwischen Biwaksack und Zelt ziemlich groß ist und die Lösung für deren Schließung auf der Hand liegt, haben sich die Outdoor-Produzenten sehr lange Zeit genommen, bevor sie hier aktiv wurden. Erst seit etwa zehn Jahren gibt es Biwakzelte überhaupt zu kaufen und die Auswahl ist bis heute überschaubar geblieben. Die große Biwak-Zelt-Lücke ist also trotz des Outdoor-Booms offenbar keine große Marktlücke.

Mit welchen baulichen Maßnahmen haben die Biwakzeltproduzenten die Lücke geschlossen? Nun, zu den Biwaksäcken fügten sie ein Gestänge, sowie die Aufstell- und Fixiermöglichkeit hinzu; von den Zelten zogen sie hingegen den Vorraum (Apsis) und die Doppelwand ab. Erscheint ganz einfach oder? Naja, aber ganz so eindeutig ist die Sache trotzdem nicht immer, denn die Übergänge zwischen „luxuriösem“ Biwaksack, oder Biwakzelt und spartanischem 1-Personen-Zelt sind oft fließend.

Standardkonstruktion Biwakzelt

Die klassische Konstruktion eines aufgestellten Biwakzelts besteht aus einem Kunstfasergewebe, das ähnlich wie ein Biwaksack geschnitten ist, an der Bodenseite jedoch robuster verarbeitet ist. Außerdem wird bei dem Biwakzelt sowohl am Kopfende als auch am Fußende ein Gestängebogen durchzogen. Diese Gestängebögen machen auch den Hauptunterschied zum Biwaksack aus. Der Bogen am Fußende ist kleiner als der am Kopfende und die beiden Bögen sind wiederum deutlich kleiner als bei einem herkömmlichen 1-Personen Zelt. Während man beim Zelt genug Platz zum Sitzen hat, hängt einem das Gewebe im Biwakzelt schon beim Liegen relativ dicht über der Nase. Die Menge der Abspannpunkte ist im Vergleich zum „richtigen“ Zelt etwas geringer, während die Art ihrer Fixierung mit Leinen und Heringen gleich ist.

Für wen ist ein Biwakzelt geeignet?

Die Antwort darauf hängt von den vielen verschiedenen Tourenplänen, Neigungen und Bedürfnissen der Berg- und Outdoorfreunde ab. Okay, das kann man bei fast jedem Outdoorprodukt sagen – also etwas konkreter: Die Hauptzielgruppe der Biwakzelte sind definitiv Sologänger, die gern höher und weiter hinausgehen und dabei schnell und flexibel unterwegs sein wollen. Ihre Komfortansprüche können sie dabei also auch mal vorübergehend zurückschrauben.

Vor einigen Jahren war ich mit dem (leider nicht mehr verfügbaren) Vaude Bivi in Patagonien unterwegs und fühlte mich damit ziemlich gut ausgestattet (vor allem, wenn ich an das Preis-Leistungs-Verhältnis denke). Allerdings war ich sehr glücklich darüber, da ungewöhnlich gutes Wetter viele Nächte an der frischen Luft ermöglichte und deshalb den Einsatz des ziemlich beengten Schlafabteils nicht allzu häufig nötig machte. Andererseits kann man diesen „Minuspunkt“ keinem Biwakzelt wirklich ankreiden – ihre Aufgabe besteht schließlich nicht darin, besonders einladend zu sein.

Zweierteams dürften bei Trekking-, Wander- und Biketouren mit einem „richtigen“ Zelt besser bedient sein. Das knallenge Biwakzelt mit Tourenpartnern zu teilen, die fast so schlimm müffeln wie man selbst, ist ganz sicher nicht das Gelbe vom Ei – selbst wenn man mehr als freundschaftlich miteinander verbunden ist. Und wenn alle Tourenteilnehmer je ein 1-Personen-Biwakzelt einpacken, bringt das in Sachen Gewicht und Packmaß keinen Vorteil gegenüber einem komfortablen Zwei- oder Mehrpersonenzelt mit. Eine Ausnahme können Touren in steilem, hochalpinem Gelände sein, wo man eher mehrere kleine Schlafnischen findet als eine große Fläche für ein Zelt.

Für Gruppen von mehr als zwei Personen gilt ähnliches. Zusätzlich wird hier noch eine dritte Alternative interessant: Gruppenbiwaksäcke mit Trekkingstöcken als improvisiertes Gestänge. Der britische Hersteller Rab bietet hier mit dem Group Shelter 2 eine qualitativ hochwertige Möglichkeit an. Dieser mit Vorbereitungen für ein Trekking-Gestänge versehener Biwaksack ist zwar auch nur für zwei Personen ausgelegt, dafür aber so leicht und kompakt, dass eine Gruppe problemlos mehrere Exemplare davon mitnehmen kann.

Vor der ersten Biwakzeltnacht: Was ist zu beachten?

Den schon zuvor erwähnten geringen Abstand des einwandigen Gewebes zum Körper sollte man besonders im Hinblick auf den Schlafsack bedenken: ist der Schlafsack zu dick, hat er direkte Tuchfühlung mit der Zeltwand. Und da diese einlagig ist, „zieht es“ die Nässe von draußen nach drinnen und per direkter Berührung in den Schlafsack. Bei Wind wird die Zeltwand noch fester gegen den Schlafsack gedrückt (zumindest wenn es wie in meinem erlebten Fall patagonischer Wind kombiniert mit prasselndem Dauerregen ist). Man sollte also nur mit wasserabweisenden oder besser wasserfesten Schlafsäcken in Biwakzelten übernachten. Die Klamotten sollten ebenfalls entsprechend nässeresistent sein. All das sollte man möglichst nicht erst während einer Tour auschecken, sondern bei einem vorherigen Test in sicherer Umgebung.

Wichtige Details beim Biwakzelt sind hochwertige, atmungsaktive Kunstfasergewebe aus  Markenmaterial, sowie gut laufende und robuste Reißverschlüsse (möglichst YKK). Längere Reißverschlüsse bieten mehr Komfort beim Ein- und Ausstieg, sind aber auch größere Schwachstellen bei extremen Wetterverhältnissen und erhöhen zudem ein wenig das Gewicht. Auch bei den Ösen zum Abspannen und deren Vernähung sollte man genauer auf die Robustheit achten. Sehr angenehm sind Biwakzelte mit einem gekreuzten Kopfgestänge, die man zur Not auch ohne Abspannung aufstellen kann.

Unterschiede zwischen Biwakzelt und Zelt

Pluspunkte Biwakzelt

  • Weniger Gewicht und Packmaß.
  • Etwas weniger Flächenbedarf und damit größere Auswahl an potenziellen Übernachtungsplätzen.
  • Schnellerer Auf- und Abbau, somit auch schnellere Ortswechsel bei unvorhergesehenen Komplikationen (z.B. wenn der Übernachtungsplatz geflutet oder zu kalt wird).
  • Man kann das Biwakzelt ohne große Mühe und Aufwand bis ganz oben auf den Berg mitnehmen und damit für plötzliche Wetterwechsel gerüstet sein. Besonders bei längeren Touren mit Überschreitungen und Durchquerungen ist dies ein großer Vorteil!

Minuspunkte Biwakzelt

  • Bei Schlechtwetter besteht keine Möglichkeit zum Kochen (außer man nimmt ein Tarp o.ä. mit – doch das erhöht Gewicht und Packmaß derart, dass man so auch gleich ein „richtiges“ Zelt mitnehmen kann).
  • Auch andere Verrichtungen werden bei schlechtem Wetter ungemütlich (so ist z.B. Essen im Biwakzelt nur im Liegen möglich). Toilettengang, Kleidung wechseln oder benötigte Sachen aus dem Gepäck herauskramen wird zur umständlichen und wenig angenehmen Verrichtung. Immerhin kann man in dieser Hinsicht aber auch relativ komfortabel lesen und Tourenplanung betreiben.
  • Der Rucksack muss draußen bleiben – außer wenn er wirklich klein ist und das Gleiche auch für die Person im Biwakzelt gilt. Dasselbe Verfahren wie mit dem Rucksack gilt auch für für die nassen Bergschuhe.

Unterschiede zwischen Biwakzelt und Biwaksack

Pluspunkte Biwakzelt

  •  Mehr Platz und Komfort; dadurch auch bessere Karten bei Unfällen und Notsituationen (besonders in unwirtlichem hochalpinem Gelände).
  •  Deutlich besserer Wind- und Nässeschutz, da die Schutzhülle auf Abstand zum Körper ist.

Minuspunkte Biwakzelt

  •  Größerer Platzbedarf. Den Biwaksack kann man überall ausbreiten. Bei dem Biwakzelt geht das nicht.
  •  Mehr Gewicht und Packmaß.

Soweit ist hoffentlich deutlich geworden, was das Biwakzelt ist, wozu es gut ist und worauf man beim Kauf achten sollte. Wer das Biwakzelt noch genauer einordnen möchte, sollte sich dazu möglichst noch die Basislager-Artikel zum Thema Biwaksack und Zelt zur Brust nehmen.

Mit Sonnenstrom auf Tour – Mobile Solarpanels

6. September 2018
Kaufberatung

Ob Notebook zur Tourenvorbereitung, Navigations App auf dem Smartphone, Fotoapparat oder GPS-Gerät – sie alle haben eine Sache gemeinsam: ohne Strom taugen sie nicht viel mehr, als ein Briefbeschwerer. Trotz immer leistungsfähigerer Akkus müssen die meisten der Geräte, auf die wir bei unseren Touren im Gelände nur ungern verzichten, nach einigen Stunden oder Tagen wieder neu aufgeladen werden.

Je nach Reisegebiet gestaltet sich die Suche nach einer Steckdose von schwierig bis hin zu schlichtweg unmöglich. Sei es mitten im Fjell Norwegens, in der mongolischen Steppe oder auf einer Bergtour in den Alpen. Sobald man den eigenen Aktionsradius über feste Campingplätze und bewirtete Hütten ausweitet, wird das Thema der mobilen Stromversorgung eine echte Herausforderung für alle Outdoor-Enthusiasten.

Für Tagestouren und Wochenendrouten reicht der Strom einer Akkuladung oft aus oder lässt sich mit Ersatzakku und Powerbank erweitern. Mit der Powerbank können beispielsweise Geräte mit USB Anschluss (wie Smartphone oder Tablet) prima aufgeladen werden. Ein Notebook damit zu betreiben oder andere Geräte mit einem höheren Strombedarf anzuschließen, ist mit einer Powerbank allerding nicht möglich.

Auch mobile Solaranlagen sind für sehr unterschiedliche Leistungsstufen konzipiert und dementsprechend groß und schwer, beziehungsweise leicht und kompakt. Je nachdem, ob man mit den Solarpanels ein komplettes Basecamp mit Strom versorgen möchte oder nur die Powerbank nachladen muss, um regelmäßig das Smartphone aufzuladen, gibt es die verschiedensten Arten von leistungsfähigen Solarpanels.

Mobile Solaranlagen für Wohnmobile und Camping

Im Gegensatz zu fest verbauten Solarpanelen auf dem Dach, bieten mobile Solarpanels maximale Flexibilität beim Campen abseits von Campingplätzen mit Stromversorgung aus der Steckdose. Wer nicht auf Packmaß und Gewicht achten muss, weil die Panels in erster Linie mit dem Auto von Stellplatz zu Stellplatz transportiert werden, ist mit einem großen, faltbaren Solarmodul oder einem Solarkoffer bestens beraten.

Die zwei, beziehungsweise drei Solarmodule sind bereits mit Solarregler und Kabelanschluss ausgestattet und können ohne großen Aufwand direkt in Betrieb genommen werden. Da sie nicht fest montiert werden, lassen sie sich immer optimal auf die Sonne ausrichten. Schäden durch Hagel oder Sturm, die bei fest montierten Panelen entstehen können, brauchen Camper mit den mobilen Solaranlagen nicht zu fürchten. Eine Kombination beider Systeme ist natürlich ebenfalls denkbar.

Ein durchschnittlicher Solarkoffer kommt auf eine Ladeleistung von etwa 100 Watt. An einem sonnigen Tag und mit einer optimalen Ausrichtung von 90° zur Sonne erzeugt ein solches mobiles Panel zirka 50Ah. Damit können entweder 12V Blei Batterien im Auto oder spezielle Lithium Akkus geladen werden. Die Geräte werden dann wiederum über die Batterien mit Strom versorgt.

Direktes Anschließen von Stromverbrauchern an die Solarpanels ist eher ungünstig, da es dabei zu Leistungsschwankungen kommt. Mit einer 100Ah Batterie, die unter optimalen Bedingungen voll geladen ist, könnte ein Campingbus oder Wohnmobil mit normalem Stromverbrauch für einige Tage komplett autark versorgt werden. Für schnelleres Laden oder bei ungünstigeren Bedingungen kann der Solarkoffer oder das Solarmodul durch einen zweiten Koffer ergänzt werden.

Je nach Strombedarf durch Anzahl und Art der Geräte, Wetter und Reisegebiet, lässt sich die optimale Größe und Leistung der mobilen Solaranlage individuell auf die persönlichen Bedürfnisse anpassen. Bei Reisefahrzeugen und Wohnmobilen sind Solarpanele auch oft fest auf dem Dach montiert. So sind sie jederzeit einsatzbereit und müssen nicht extra aufgestellt und angeschlossen werden. Dagegen sind mobile Solarpanele weniger der Witterung ausgesetzt. Sie lassen sich vom Winkel so ausrichten, dass sie so effizient wie möglich arbeiten. Praktisch ist damit, dass während die Panele in praller Sonne Strom erzeugt, das Reisemobil in einiger Entfernung im Schatten geparkt werden kann.

Kompakte Solarpanels für Rucksackreisen und Trekking

Um auf mehrtägigen Wanderungen abseits der Zivilisation genügend Strom für GPS-Gerät und Smartphone zur Verfügung zu haben, sind kompakte Solaranlagen ideal. Die faltbaren Module sind sehr leicht und dazu noch wetterfest in ihrer Außenhülle verbaut. Ausgestattet mit USB und Micro USB Anschlüssen lassen sich die meisten Powerbanks, Smartphone oder Stirnlampen mit USB Anschluss direkt am Panel laden.

Die Solarpanele für Rucksackreisende sind oft so konstruiert, dass sie sich beim Wandern am Rucksack befestigen lassen. Die Geräte werden bei ausreichender Sonneneinstrahlung auf diese Weise den ganzen Tag geladen.

Für den Einsatz beim Trekking ist, neben dem geringen Gewicht, eine kompakte und gut geschützte Bauform zu empfehlen. Bei faltbaren Panels (wie zum Beispiel von Goal Zero) sind die Zellen beim Transport im Rucksack sehr gut geschützt. Etwa 500 bis 1000g sollten Traveller für die mobile Stromversorgung als zusätzliches Gewicht einplanen. Die mobilen Panele sind in der Regel gut vor Regen und Schmutz geschützt. Eine wasserdichte oder spritzwassergeschützte Powerbank ist beim Einsatz im Gelände ebenfalls sehr hilfreich, denn ansonsten kann der Akku beim nächsten Regenguss schnell Schaden nehmen. Manche Hersteller von Powerbanks integrieren die gängigen Anschlüsse bereits so in ihre Ladestationen, dass Wanderer und Reisende keine zusätzlichen Kabel benötigen. Somit kann auch kein Kabel vergessen, verlegt oder verloren werden.

Solaranlagen für Expeditionen und extreme Bedingungen

Mobile Solaranlagen für extreme Einsätze sind im Grunde eine Mischung aus den leistungsstarken Panelen für Reisemobile und Camping, sowie den leichten, strapazierfähigen Modulen für Trekking und Backpacking. Um den Strombedarf eines kleinen Basecamps zu decken, ist bereits ein hoher Aufwand nötig. Die Solarpanele sollten unter sehr heißen und sehr kalten Witterungsbedingungen einwandfrei funktionieren. Für den Fall längerer Schlechtwetterphasen stehen große Powerstations und Powerbanks bereit, die mit ihren leistungsfähigen Akkus den Strombedarf für mehrere Tage gewährleisten.

Wie auch bei Solarkoffern, lassen sich die Panele für Expeditionen falten und dadurch sehr gut transportieren. Im Vergleich zu den Camping-Panels sind sie jedoch dünner, leichter und außerdem robuster. Die aufwändige Bauweise spiegelt sich natürlich auch im Preis wieder, denn die Solaranlagen für Expeditionen sind mit Abstand die teuersten.

Praktische Stative können in unwegsamen Gegenden als Halterung für die Panele aufgebaut werden. So stehen sie sicher, lassen sich optimal auf die Sonne ausrichten und sind besser vor Nässe, Schmutz und Schnee geschützt.

Für Expeditionen ohne großes Basecamp und ohne zusätzliche Versorgung eignen sich die kompakten Panels, die auch auf Trekkingreisen für volle Smartphone-Akkus sorgen. Mit ihrem geringen Gewicht sind sie eine prima Ergänzung im Tourengepäck und versorgen überall die wichtigsten Stromabnehmer – ob in der Portaledge im Yosemite, der Pulka-Tour durch Lapland oder beim Mountainbiken durch West-Nepal.

Fazit

Heutzutage gibt es vermutlich kaum jemanden, der oder die ohne elektronische Geräte Draußen unterwegs ist. Wie der Beitrag euch hoffentlich zeigen konnte, können mobile Solarpanels für das Camping abseits von Stromzugängen, Rucksackreisen, als auch Trekking können mobile Solarpanels eine Investition sein, die sich auszahlt. So oder so, wir wünschen euch eine schöne Outdoor-Erfahrung!

Weit mehr als eine Daunendecke – von den Vorzügen eines Quilts

7. September 2018
Kaufberatung

Ihr wollt auf Eurer nächsten Trekkingtour einmal wirklich aufs Gewicht achten und wisst nicht so richtig womit ihr beim Grammjagen anfangen sollt? Dann könnte dieser Beitrag vielleicht Abhilfe schaffen. Die schwersten Ausrüstungsgegenstände stammen immer aus den so genannten großen Drei: also Schlafsack, Rucksack und Zelt.

Ein vernünftiger Drei-Jahreszeiten-Schlafsack bringt in der Regel mindestens 700-800 Gramm auf die Waage, eher sogar mehr. Dieses Gewicht könnt ihr reduzieren, wenn ihr statt auf einen „klassischen“ Schlafsack auf einen Quilt setzt. Der Quilt schafft es, die 3-Jahreszeiten-Temperaturen mit 400-500 Gramm, also so gut wie der Hälfte des Gewichts des Schlafsackes, abzudecken.

Was ist ein Quilt?

Ein Quilt ist quasi ein Schlafsack, dem allerdings ein Teil seiner Füllung fehlt. Zudem hat ein Quilt keinen Reißverschluss, sondern einen Kordelzug als Verschlußmechanismus. Beides sind die Voraussetzungen dafür, dass ein Quilt in einem ähnlichen Temperaturbereich leichter ist als ein Schlafsack. Neben dem Gewicht,  sorgt die geringere Füllmenge des Quilts für ein sehr geringes Packmaß – ein weiterer Vorzug für den gewichtsorientierten Wanderer.

Nun wird natürlich schnell die Frage auftauchen, ob die geringere Füllmenge nicht auch für eine geringere Wärmeleistung des Quilts sorgt. Die Antwort lautet nein. Da ein Schlafsack quasi rundum mit Füllmaterial (Kunstfaser oder Daune) versehen ist, kommt man nicht umhin auf einem Teil der wärmeisolierenden Füllung zu liegen. Dadurch komprimiert man die Füllung mit seinem Körpergewicht und sorgt (insbesondere bei Daunen) dafür, dass die wärmeisolierende Eigenschaft vollständig verloren geht. Das heißt die Wärme in diesem Teil des Schlafsacks kommt nicht von dem Schlafsack selber, sondern von der entsprechenden Isomatte, die die Bildung einer Kältebrücke verhindert. Aus diesem Grund ist die fehlende Füllung eines Quilt kein Nachteil, wenn es um die Wärmeleistung in einem bestimmten Temperaturbereich geht.

Auch die fehlende Kapuze kann ganz einfach durch die Kapuze der Daunenjacke oder den Einsatz einer Mütze überbrückt werden.

Einsatzbereiche eines Quilt

Ein weiterer Vorteil eines Quilts gegenüber einem herkömmlichen Schlafsack liegt in dessen Flexibilität. Der Kordelzug lässt sich sehr viel besser regulieren als ein Reißverschluss. Durch diesen Kordelzug kann der Quilt in wärmeren Bedingungen im Handumdrehen zu einer Decke umfunktioniert werden. So kommt ihr nicht in die Verlegenheit, bei wärmeren Temperaturbedingungen euren Schlafsack mit Schweiß zu tränken und in kälteren Nächten frieren zu müssen. Diese Eigenschaft sorgt auch ganz generell für eine bessere Ventilation als man es in einem geschlossenen Schlafsack hätte.

Was sind also klassische Einsatzbereiche für einen Quilt? Längere Touren, die einen durch unterschiedliche Temperaturbereiche führen sind ein Beispiel. Seien es die großen amerikanischen Trails wie der Pacific Crest, Appalachian Trail oder der El Camino und andere europäische Fernwanderwege, hier werdet ihr mit verschiedenen Bedingungen konfrontiert, aber habt kaum die Möglichkeit eure Ausrüstung anzupassen. Genau deshalb eignet sich der Quilt für diese Touren. Aber auch kleinere Touren, die sich in einem Temperaturbereich bis knapp unter den Gefrierpunkt bewegen, sind sehr gut geeignet einem Quilt den Vorzug vor einem Schlafsack zu geben.

Den richtigen Quilt finden

Bevor ihr den für euch geeigneten Quilt aussucht, ist es wichtig zu beachten, dass zu einem Quilt eine entsprechende 3-Jahreszeiten Isomatte gehört, die einen R-Wert von mindestens drei haben sollte. An der Isomatte kann der Quilt dann auch mit Hilfe des Kordelzuges befestigt werden, um eine optimale Nutzung der Wärmeleistung zu garantieren.

Jetzt kann es losgehen mit der Quiltauswahl. Sehr gute und vor allem extrem leichte Quilts macht der amerikanische Schlafsackspezialist Western Mountaineering. Aufgrund der Nutzung sehr hochwertiger Daunen mit 850 cuin Bauschkraft ist dieser Hersteller immer einen Blick wert.

Ein Modell wie die Nanolite Daunendecke von just genanntem Hersteller ist für den Einsatz bis knapp unter den Gefrierpunkt gemacht und bringt dabei gerade einmal 360 Gramm auf die Waage. Bis ungefähr minus fünf Grad könnt ihr euch mit der Western Mountaineering Australite Daunendecke warmhalten. Mit einem Gewicht von 480 Gramm ist diese nur schwer zu unterbieten.

Quilts im Winter

Kommen wir nun noch zu den Einschränkungen. Quilts sind nicht dafür geeignet unter dauerhaft kalten Bedingungen genutzt zu werden. Der oben genannte Temperaturbereich ist das Maximum was aus einem Quilt herausgeholt werden kann und ihr werdet auch nur 3-Jahreszeiten-Quilts für Frühjahr, Sommer und Herbst finden. Zwar könnt ihr durch die Nutzung einer Winterisomatte den Bereich noch etwas dehnen, aber für dauerhaften Wintereinsatz ist ein Quilt schlicht nicht gemacht.

Da ein Schlafsack ja generell nichts anderes macht, als die eigene Körperwärme durch das entsprechende Füllmaterial zu isolieren und zu speichern, ist es unter kalten Bedingungen wichtig den Raum möglichst klein und geschlossen zu halten. Dies kann ein Quilt wiederum nicht in der gleichen Form wie ein Schlafsack leisten.

Fazit

Lange Rede kurzer Sinn: wenn ihr Touren plant, die euch in unterschiedliche Temperaturbereiche führen, aber nicht durch hohe Minusgrade charakterisiert sind, ist einer der besten Wege Gewicht bei eurer Ausrüstung einzusparen die Nutzung eines Quilts. Diese Schlafsackvariante schafft es durch das Weglassen von normalerweise nutzlosem Füllmaterial wertvolle Gramm einzusparen. Zudem ermöglicht diese Konstruktionsweise in der Nutzung eine sehr hohe Flexibilität. Ihr werdet in warmen Sommernächten nicht schwitzen und unter kälteren Bedingungen trotzdem nicht frieren – was will man mehr?

Komfortable Wanderrucksäcke mit funktioneller Ausstattung

17. Februar 2020
Kaufberatung

Auf kleinen und großen Wanderungen sind passende Wanderrucksäcke für Wanderer und Outdoorsportler unverzichtbar. Sie bieten den nötigen Platz für alle wichtigen Ausrüstungsgegenstände, die wir auf Berg-, oder Gelände-Tour benötigen. Damit der Rucksack auch im voll beladenen Zustand schmerzfrei sitzt und sich den ganzen Tag unbeschwert auf dem Rücken tragen lässt, sollte der Wanderrucksack über ein gut einstellbares Tragesystem verfügen, sowie optimal zur eigenen Rückenlänge passen.

Gemessen wird die Rückenlänge vom siebten Halswirbel bis zum Beckenknochen. Der siebte Halswirbel ist in etwa auf Schulterhöhe. Während Trekkingrucksäcke und Tourenrucksäcke oft mit verschiedenen Rückenlängen angeboten werden, sind Daypacks für Wanderungen meist nur in einer Größe erhältlich. Je nach Hersteller weichen die Rückenlängen teilweise etwas ab, so dass sich es sich bei kurzem oder langem Rücken lohnen kann, nach speziellen Modellen Ausschau zu halten. Für die meisten Wanderer mit durchschnittlicher Rückenlänge sind die ebenfalls durchschnittlich bemessenen Rucksäcke fast immer passend.

Gepolsterte Tragesysteme und gute Belüftung

In der Regel verfügen Wanderrucksäcke über ein Tragesystem aus gepolsterten Hüft-, Brust- und Schultergurten. Alle Gurte lassen sich individuell und schnell einstellen und können auch auf Tour jederzeit problemlos nachjustiert werden. Schultergurte aus luftdurchlässigem Schaum und Mesh-Gewebe erlauben unter den Trägern eine besonders gute Ventilation.

Oft sind auch die gepolsterten Rückenplatten aus ähnlichen Materialien gefertigt. Zusätzlich ermöglichen spezielle Designs eine angenehme Frischluftzufuhr am Rücken. Durch die Struktur der Rückenpartie kann kühle Luft von unten einströmen und am Nacken wieder aus dem Rückenbereich austreten. Dieser „Kamin-Effekt“ gewährleistet, dass Feuchtigkeit und überschüssige Wärme abtransportiert werden. Zudem dienen Netzrücken (wie der Name schon sagt) am Rücken für einen ständigen Abstand zwischen Rücken und Gepäck und für eine stärkere Luftzirkulation.

Kleine Raumwunder mit Organisationstalent

Der durchschnittliche Wanderrucksack bietet mit einem Volumen von etwa 20 Liter bis 30 Liter Stauraum genügend Platz für kurze Wanderungen, Tages- oder mehrtägige Hüttentouren (Zelt und umfangreiche Trekkingausrüstung seien davon jedoch unbeachtet). Von Wechselbekleidung, über Proviant und Trinkflasche bis hin zur Wanderführer, Sonnencreme und Erste-Hilfe-Set, findet die gesamte Wanderausrüstung in den einzelnen Fächern des Rucksackes ihren festen Platz.

Wanderrucksäcke sind meistens als Toploader mit Deckelfach oder mit einem rund durchlaufendem Reißverschluss aufgebaut. Beim Toploader mit Steckschnallen kann das Volumen leicht nach oben erweitert werden und Jacken oder Decken damit für den Transport praktisch unter dem Deckel verstaut werden. Umlaufende Reißverschlüsse lassen sich dagegen so weit öffnen, dass man ohne aufwendige Suche leicht bis zum Bodenbereich des Rucksackes gelangt. Aus diesem Grund sind einige Toploader seitlich auch mit einem zusätzlichen Reißverschluss ausgestattet. Diese ermöglichen das Be- und Entladen auch ohne das Deckelfach öffnen zu müssen.

Zusätzliche Fächer für „Kleinkram“ (Brille, Schlüssel, Geldbeutel, Trinkblase etc.), machen die Organisation der Ausrüstung noch einfacher. Für die Trinkflasche eignen sich die seitlichen Mesh- oder Balgataschen, die mit Kompressionsriemen ausgestattet sind. Für das Trinksystem (Trinkschlauch und Trinkblase) gibt es entsprechende Öffnungen und Befestigungsösen. Ebenfalls beliebt und verbreitet sind Halterungen für Trekkingstöcke, sowie die am Hüftgurt integrierten Materialschlaufen und Kleinteile-Fächer.

Wanderrucksäcke mit integrierter Regenhülle

Neben einem passenden Tragesystem ist ein guter Regenschutz das wichtigste Merkmal eines funktionellen Wanderrucksacks. Als Regenschutz kommen entweder beschichtete Materialien oder Regenhüllen in Frage. Rucksäcke, die von innen mit einer PU-Beschichtung versehen sind, bieten bei leichtem Regen einen guten Grundschutz. Bei kräftigem Regenschauer und anhaltendem Dauerregen ist der Grundschutz dann allerdings passé, denn dann wird die Nässe durch Reisverschlüsse und Nähte nach innen sickern.

Damit es also gar nicht soweit kommt, dass der gesamte Rucksackinhalt mit Regenwasser durchtränkt ist, sind Regenhüllen ein praktischer Schutz. Sie schützen den gesamten Rucksack und decken auch alle Fächer und Reißverschlüsse ab. Oftmals sind die Regenhüllen schon im Rucksackboden integriert und lassen sich in ein paar Sekunden über dem Rucksack fixieren. Und dank ihrer gut sichtbaren Farbe dienen sie auch bei schlechter Sicht als zusätzlichen Sehschutz.

Besonders effizient ist eine Kombination aus PU-Beschichtung im Rucksack und zusätzlicher Regenhülle. Der Rucksackinhalt bleibt damit bei äußerst nassen Wetterbedingungen sehr lange trocken. Wer allerdings auf absolute Wasserdichtigkeit Wert legt, ist mit einem wasserdichten Wanderrucksack mit Wickelverschluss bestens beraten.

Als praktische Alternative dienen wasserdichte Packsäcke. Alle Ausrüstungsgegenstände, die vor Wasser oder Schmutz geschützt bleiben müssen, werden im Packsack mit Wickelverschluss verpackt. Falls trotz aller Maßnahmen Nässe in den Rucksack eindringen sollte, sind sie auf diese Weise definitiv im Rucksack sicher.

Doch so praktisch die Regenhülle ist, so ungeschickt ist sie auch. Ist sie nämlich im Einsatz, sind die Fächer nicht mehr erreichbar. Das bedeutet, dass bei jeder Öffnung des Rucksackes, die Regenhülle entfernt oder zumindest teilweise entfernt werden muss.

Und als Hinweis: Bei kleineren Rucksäcken sollten die Trekkingstöcke nicht am Rucksack befestigt bleiben, wenn die Regenhülle aufgezogen wird! Die Spitzen der Stöcke können ansonsten das leichte Gewebe der Hülle beschädigen.

Trekkingschirme als praktische Ergänzung

Regenhüllen sind beim Wandern immer mit im Gepäck und bieten so zuverlässigen Schutz. Trotzdem eignen sich leichte und stabile Trekkingschirme als eine hilfreiche Erweiterung der Wanderausrüstung.

Warum? Bei Regen schützen die meisten Wanderer ihren Rucksack mit Regenhülle und sich selbst mit einer Hardshelljacke. Doch trotz dem Schutz wird langsam das Wasser am Nacken in Richtung Rückenpolster, sowie Schuter- und Hüftgurt laufen. Ist das Tragesystem komplett durchnässt, dauert es meistens einige Stunden, bis alles wieder vollständig trocken ist. Wenn der Regen dann aufhört, stehen Wanderer folglich immer vor der unangenehmen Wahl, ob sie lieber unter ihrer Hardshelljacke schwitzen oder lieber im T-Shirt mit nassen Schulterträgern und nasser Rückenplatte weiter wandern möchten.

An dieser Stelle kommt deshalb der hilfreiche Trekkingschirm zum Einsatz. Er schließt die Lücke perfekt und ist dadurch besonders für mehrtägige Touren geeignet. Viele Trekkingschirme lassen sich zudem am Tragesystem des Rucksacks so befestigen, dass die Hände frei bleiben und das Gehen mit Stöcken problemlos funktioniert. Rückenplatte und Schultergurte bleiben angenehm trocken und auch Gepäck und Wanderer sind besser vor Regen geschützt.

Spezielle Modelle für Damen und Kinder

Keine Gedanken müssen sich Wanderer in Bezug auf Stabilität, Tragfähigkeit und Haltbarkeit der Wanderrucksäcke machen. Die Hersteller von qualitativ hochwertigen Outdoor-Rucksäcken, wie Vaude, Mammut oder Osprey, verwenden sehr strapazierfähige Materialien und garantieren eine sehr gute Verarbeitung.

Zu beachten ist allerdings, dass es bei den Wanderrucksäcken Unterschiede für Männer und Frauen gibt. Diese Unterschiede liegen nicht nur im Design, sondern zeigen sich vor allem durch kürzere und schmalere Rückenbereiche, als auch ergonomisch gestaltete Schulterträger. S-förmig gestaltete Rucksackträger verhindern, dass die Gurte im Achselbereich scheuern oder im Brustbereich drücken. An Rucksäcken für Frauen sind die Hüftgurte in der Regel etwas breiter gefasst und weicher gepolstert. Außerdem gibt es bei den Frauenwanderrucksäcken das oft positiv empfundene Feature der höhenverstellbaren Brustgurte.

Die Wanderrucksäcke für junge Wanderer sind vom Stauraum, Tragesystem und Design extra für Kinder optimiert. Schon für Kindergartenkinder bieten die Rucksackhersteller gut gepolsterte Rucksäcke mit praktischer Aufteilung. Für Kinder zwischen (in etwa) fünf und sieben Jahren gibt es dann bereits vollwertige Wanderruckäcke, die sich in Funktionaltiät und Konstruktionsweise nur wenig von den Modellen für erwachsene Wanderer unterscheiden. Rückenlänge, Träger und Volumen sind dagegen optimal auf das jeweilige Alter und die individuelle Größe angepasst.

Fazit

Grundsätzlich ist bei der Wahl des Wanderrucksacks nicht viel falsch zu machen. Einzig und allein sollte beachtet werden, dass jeder für sich das richtige Tragegefühl und den passenden Regenschutz findet. Und ansonsten heißt es nur noch: auf ein frohes Wandern! :-)

€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.