Alle Artikel zum Thema ‘Kaufberatung’

Du bist auf der Suche nach einem neuem Kletter- oder Wanderschuh? Weißt aber nicht, was Du kaufen sollst? Oder bist Dir nicht sicher auf was Du vor dem Kauf achten solltest?

Egal ob Bekleidung, Schuhe oder die neue Campingausrüstung. Hier findest Du alle wichtigen Informationen rund um das Thema Ausrüstung. Unsere Experten erklären Dir, auf was es ankommt. Dabei liegt uns Dein Wohlbefinden am Herzen, keine Verkaufszahlen. Denn wir verkaufen nicht nur, sondern sind selbst Anwender.

Kaufberatung Hängematte5

Einfach lässig: Kaufberatung Hängematte

1. Dezember 2017
Kaufberatung

Leben wie Gott in Frankreich! Leider weiß man bis heute nicht, wer diese berühmte Redewendung geprägt hat. Allerdings muss derjenige dabei gerade genüsslich in einer Hängematte rumgelegen sein. Und auch ihr werdet erfreut sein, wie angenehm dieses unverschämte Genießen sein kann. Vielleicht bleibt ihr ja gleich dauerhaft, nun ja, hängen, denn an die Matte kann man sich schon echt gewöhnen. Allein schon diese Entspannung durch das leichte Schaukeln und das Wohlgefühl durch diese massageartigen Berührungen. Herrlich. Doch so richtig entspannt und subversiv wird das Ganze erst, wenn ihr ein wenig über die verschiedenen Hängemattentypen, Materialien und Alternativen Bescheid wisst.

Hängematte statt Zelt u. Co.?

Fassen wir zuerst kurz zusammen, was wir unter dem Thema Alternativen zum Zelten bereits zu den praktischen bzw. unpraktischen Seiten der Hängematte geschrieben haben:

Praktisch:

  • sehr leicht und kompakt, vor allem wenn die Isomatte weggelassen werden kann

  • sehr leicht aufzuhängen, wenn Bäume vorhanden sind
  • vergleichsweise angenehm bei schlammigem, steinigem oder feuchtem Untergrund
  • mit der richtigen „Liegetechnik“ angenehmer Schlaf an der frischen Luft, ohne Beengtheit oder Zeltplanengeflattere

Unpraktisch:

  • erfordert Bäume, Pfähle oder eine ähnlich stabile Hängevorrichtung im richtigen Abstand
  • Schutz vor Insekten nur bei Spezialmodellen mit integriertem Moskitonetz
  • wenig Schutz vor dem Wetter (ein Tarp über der Hängematte schützt vor Regen, aber nicht vor Wind)

Outdoor- und Reisetauglichkeit der Hängematte

Das Problem der Kälte bzw. mangelnden Isolation wird oft angeführt, lässt sich jedoch durchaus elegant entschärfen. So kann eine möglichst passende, mumien- oder trapezförmige Isomatte (die man oft sowieso dabei hat) recht passabel vor Kälte von unten schützen. Eine weitere Möglichkeit ist ein sogenanntes Underquilt, das außen herum befestigt wird. Es kann zwar guten rundum-Kälteschutz bieten, egalisiert dann aber mit seinem Gewicht und Packmaß wiederum den besonderen Leichtigkeitsvorteil der Hängematte. Ein guter Kompromiss, wenn es nicht allzu viel Wärmeleistung sein muss, sind ungefütterte und damit sehr leichte Hängemattenwärmer, die nach dem Rettungsdeckenprinzip funktionieren.

Dennoch: wer sich auf Bergsteigen oder Trekking festgelegt hat, wird eher selten über die Mitnahme einer Hängematte nachdenken. Die Höhe, die Kälte und das Wetter erfordern meist schwerere Geschütze. Eine leichte Hängematte ist vor allem für „gemäßigte“ Rucksackreisende, Allround-Traveller und Festivalgänger eine echte Alternative zum (schwer)gängigen Übernachtungsmodell aus Zelt, Schlafsack und Isomatte. Denn diese Reisenden werden vor allem in urbanen und ländlichen Zonen unterwegs sein, während sie „richtige“ Wildnis oder hochalpine Zonen eher selten und nur am Rande streifen. In aller Regel wird man auch zu saisonal „passenden“ Reisezeiten mit gemäßigten Wetterbedingungen unterwegs sein. In diesem Falle hat man mit dem Set aus Tarp, Hängematte und Isomatte oder Underquilt schon ein ziemlich breites Spektrum an Möglichkeiten. Bleibt noch die Frage, welcher Typ Matte wofür geeignet ist …

Welche Hängematten-Typen gibt es?

In der großen Vielfalt kann man 5 Grundtypen aufgrund verschiedener Kriterien wie Material und Form unterschieden:

  1. Reisehängematte: der Bergfreunde-Normalfall

Dieser Typus ist der für unsere Zwecke Interessanteste, denn nur hier steht neben Gemütlichkeit, Verarbeitung und schöner Optik auch die Funktionalität im Vordergrund. So zeichnen sich Reisehängematten vor allem durch ihr vergleichsweise geringes Packmaß, weniger Gewicht und oft auch einen moderaten Preis aus. Außerdem sind sie pflegeleichter und weniger empfindlich gegen Nässe, dafür aber auch meist nicht ganz so robust und langlebig wie Hängematten aus Baumwolle. Sie bestehen meist aus „Fallschirmseide“, die heutzutage nur noch dem Namen nach eine Seide ist und stattdessen ein sehr dicht gewebtes Polyamid, besser bekannt als Nylon, bezeichnet.

Die Funktionalität hat mit ihrer Entscheidung für Synthetik aber auch einen Preis: wenn es wirklich warm ist, kann das Liegen im Kunststoff durchaus schweißtreibend und unangenehm werden. Nur wirklich gute und entsprechend teurere Fallschirmseide verbindet eine passable Ventilation mit einem angenehmen Griff. Bei vielen Modellen der klassischen Outdoor-Marken ist besonders reißfestes Ripstop-Nylon verarbeitet.

  1. Tuchhängematte

Die Tuch- oder auch Stoffhängematte hat eine Liegefläche aus festem Kunststoff- oder Baumwollgewebe. Der Komfort resultiert hier aus dem im Vergleich zu anderen Typen hohen Geborgenheitsgefühl. Das wiederum ist umso größer, je größer bzw. breiter die Liegefläche ist, denn hier kann die rückengerechte Diagonallage (genaue Beschreibung am Ende des Artikels) ohne Schwierigkeiten eingenommen werden.

  1. Netzhängematte

Hier besteht die Liegefläche aus einem Netz aus Baumwolle oder synthetischem Material. Der Vorteil ist die Möglichkeit der Luftzirkulation, die Hitzestau und Schwitzorgien im Hochsommer vermeidet. Das Netz kann grob- oder feinmaschig sein, wobei Letzteres komfortabler, allerdings auch aufwändiger und teurer ist. Topmodelle sind häufig die sehr feinmaschigen mexikanischen Netzhängematten aus Baumwolle, die sich dem Körper und jeder Bewegung anpassen. Sie vermitteln ein Liegegefühl, das dem schwerelosen Schweben nahe kommt.

  1. Stabhängematte

Hier haben wir eine spezielle Bauform: am Kopf- und Fußende sind feste Querstäbe eingearbeitet, welche die Liegefläche zu einem Viereck auseinanderspreizen. Stabhängematten sind damit für die Längslage konzipiert (im Gegensatz zur Diagonal- oder Querlage). Die Nachteile des größeren Gewichts und der Sperrigkeit sind hier sofort offensichtlich. Auch sonst ist dieser Typus eher etwas für kurze Aufenthalte oder spezielle Vorlieben, denn als weitere Nachteile wären die meist wenig komfortable, straffe Spannung mit in die Haut kneifendem Netz oder Gewebe sowie die wackelige Instabilität zu nennen.

  1. Gathered-End-Hängematte

Im Grunde kann man alle Nicht-Stabhängematten als Gathered-End-Hängematten oder auch „Schlauchhängematten“ klassifizieren. Die beiden Enden der Liegefläche werden bei dieser klassischen Bauweise zusammengerafft (gathered). Dazu werden sie umgefaltet und die Falte dann schlauchförmig zugenäht. Durch die zwei „Schläuche“ wird dann eine Schnur oder ein Ring gezogen, der als Aufhängung dient. Es gibt auch andere Konstruktionsweisen, das Grundprinzip ist jedoch immer das Zusammenlaufen von Kopf- und Fußende zu einer Schlauchform. Aus dieser entstehen die charakteristischen Falten, die sich beim Platz nehmen in der Hängematte auseinanderziehen. Reise- und outdoortaugliche Hängematten sind so gut wie immer „Schlauchhängematten“.

All die genannten Typen gibt es auch in Baby- und Kinderversionen. Diese weisen aber abgesehen von geringerem Gewicht und Packmaß keine funktionellen Unterschiede oder Vorteile auf. Spezielle Typen wie Hängesessel oder Hängesitze sind eher nicht für den Gebrauch auf Reisen gedacht und werden deshalb an dieser Stelle nicht näher behandelt.

Wetterfeste Hängematten

Hier kann es eventuell zu Missverständnissen kommen: während das Outdoorvolk eher den Wetterschutz für die Hängematten-Insassen im Sinn hat, beziehen sich die Hersteller damit meist auf die Matten selbst und meinen deren Sonnen-, Wind- und Wetterbeständigkeit, wenn sie dauerhaft im Garten aufgehängt werden. Die meisten Reisehängematten aus Kunstfaser sind in letzterer Hinsicht auf jeden Fall „wetterfest“, müssen aber für den umfassenden Wetterschutz der Insassen noch ordentlich „gepimpt“ werden (siehe Beschreibung oben).

Zusammenfassend erkennt man, dass die Unterscheidungen nicht immer trennscharf sind und eine bestimmte Matte auch mehreren Typen zugehörig sein kann. Wenn man weiß, welche Kombination an Kriterien für den eigenen Bedarf am passendsten ist, wird man ohne große Schwierigkeiten eine gute Wahl aus dem riesigen Angebot treffen.

Was sonst noch zu beachten ist: Länge und Breite vs. Gewicht und Packmaß

Manche Spitzenreiter unter den ultraleichten Hängematten haben heutzutage auf Fliegengewichte zwischen 100 und 200 Gramm abgespeckt. Da macht sich die Übernachtungsmöglichkeit im Rucksack kaum noch bemerkbar. Ob man sie allerdings als groß und komfortabel genug für eine ganze Nacht oder womöglich gar viele Nächte erachtet, ist eine sehr subjektive Angelegenheit mit großer Schwankungsbreite an Meinungen. Man kann deshalb im Hinblick auf die „richtige“ Länge der Liegefläche nur grobe Richtwerte angeben: je nach Komfortbedürfnis liegt sie zwischen 1 1/2-facher Körperlänge (knapp bemessen) und 2-facher Körperlänge (großzügig bemessen). Hier gilt es zu bedenken, dass es für das Einnehmen der optimalen diagonalen Schlaflage (siehe unten) eine ausreichende Platzreserve braucht.

Die optimale Breite hängt ebenfalls vom subjektiven Empfinden sowie von der individuellen Körperfülle ab. Die Standardbreiten der Hersteller sind jedenfalls mit ihren etwa 120 – 140 cm für 1-Personen-Hängematten allemal ausreichend für das figurtechnische „Normalspektrum“.

Last but not least: Knoten und „Technik“

Wegen der Knoten braucht man sich nicht allzu viele Gedanken machen. Meist ist das Hängemattenset schon „vorgeknotet“ und oft liegt auch eine Anleitung bei. Zudem ist beim Aufbau meist genug Platz vorhanden, um alles entspannt und ohne irgendwelche ausgefeilten Tricks zu bewältigen. Falls einmal nur die Matte mit ihren Aufhängelaschen sowie die Schnüre vorhanden sind, werden diese einfach mit einer gegenläufig geknüpften Sackstich- oder Achterschlinge verbunden.

Viele Autoren empfehlen den extra zu lernenden Hängemattenknoten, der bei mehrtägig aufgehängten Matten etwas fester halten dürfte. Schnur und Baum werden dann am einfachsten mit dem leicht zu lernenden und vielseitigen Mastwurf verbunden (sofern nicht Anderes in der eventuell vorhandenen Anleitung beschrieben ist). Der Mastwurf zieht sich bekanntlich unter Belastung zusammen, während das Eigengewicht und die entsprechende Eigenspannung der Hängematte dafür sorgen, dass er sich nicht ungewollt öffnet (eine unbelegte Superleicht-Matte kann man mit einem dicken Reiseführer oder Politiklehrbuch beschweren).

Warum unter Gear-Nerds gern erwähnt wird, dass die Knoten auch unter Belastung verschiebbar oder zu öffnen sein sollten? Keine Ahnung. Oder … in welchem plausiblen Szenario könnte es unmöglich werden, sich zum Entlasten der Knoten aus der Hängematte zu erheben? Na klar, bei Lähmungserscheinungen nach Hexenschuss, Schlangenbiss oder diesem selbstgepanschten Fusel letztens in Rumänien. Kommt ja alles mal vor auf Reisen. Aber dann helfen (zumindest wenn grad keine Retter in der Nähe sind) auch die besonders pfiffigen Knoten nicht weiter …

Auch die richtige Art zu liegen kann sicher dazu beitragen, Lähmungserscheinungen zu vermeiden. Diese wäre bei allen Hängemattentypen außer den Stabhängematten die Diagonallage, die je nach Breite der Liegefläche bis zur Querlage variieren kann. Am besten legt man sich zuerst mittig gerade in die Hängematte, wo man feststellen wird, dass der Unterleib ziemlich tief durchhängt. Um jetzt in die „richtige“ Position zu kommen, schiebt man den Oberkörper langsam nach rechts und den Unterkörper/die Beine langsam nach links (oder umgekehrt). Dreh- und Angelpunkt dieser Bewegung ist die Körpermitte, die sich je nach Körperbau mehr oder weniger unterhalb des Bauchnabels befindet. Auf diese Weise hängt der Rücken nicht durch, so dass auch das Schlafen in Seitenlage möglich ist.

Damit sollte alles Wichtige beisammen sein, was es für den angenehmen Aufenthalt in der passenden Hängematte braucht. Und wer weiß: vielleicht steigst ihr jetzt mit eurer leichten, überall platzierbaren Reisehängematte komplett aus dem Hamsterrad aus und zieht als postmoderne Vagabunden durch die Welt …

Eine Kaufberatung für Biwaksäcke

Der Biwaksack – die wahrscheinlich schönste Plastiktüte der Welt

4. Dezember 2017
Kaufberatung

Der Begriff ‚Biwak‘ ist abgeleitet von dem französischen Wort bivouac, das Feldlager oder Nachtlager bedeutet. Das Biwakieren ist neben dem Zelten oder einer Hüttenübernachtung ein weiterer gebräuchlicher Weg, seine Nächte in der Natur zu verbringen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Varianten hat man dabei aber in aller Regel kein Dach über dem Kopf, es sei denn man schläft in einer der sehr spartanisch ausgestatteten Unterkünfte, die auch als Biwakschachtel bekannt sind. Hat man diesen Luxus nicht und ist trotzdem auf einen wetterfesten Schlafplatz angewiesen, führt wohl erstmal kein Weg an einem Biwaksack vorbei. Was die können und worauf beim Kauf zu achten ist, verraten wir Dir im folgenden Artikel.

Was genau versteht man unter biwakieren im Biwaksack?

Um es möglichst kurz zu machen: biwakieren mit Biwasack ist in etwa sowas wie zelten, nur eben in einer Tüte. Nur dass man in dieser Tüte nicht unbedingt immer übernachtet, sondern manchmal auch bloß kurz drinsitzt, um schlechtes Wetter vorbeiziehen zu lassen. Oder um nach einem Unfall die Wartezeit auf die (hoffentlich eintreffende) Rettung besser zu überstehen.

Wenn möglich sollte man sich im Vorfeld gut überlegen, für was der Biwaksack auf der Tour dienen soll. Vor allem bei kürzeren Pausen darf der Sack etwas atmungsaktiver sein, sonst sammelt sich das Kondenswasser recht schnell an der Innenseite und tropft von dort munter auf Klamotten oder Schlafsack.

Das klingt zugegebenermaßen nicht sehr einladend und ist es auch nicht immer. Das Biwakieren hat viele Gesichter, hier zwei davon:

Das nette Gesicht:

Hoch oben auf diesem malerischen Bergvorsprung liegt ihr windgeschützt unter dem irren Sternenhimmel in dieser gemütlichen, leichten und atmungsaktiven Zweipersonen-Wundertüte. Zusammen mit der oder dem an dich gekuschelten Liebsten genießt du ein entspanntes Hochgefühl. Du bist fasziniert von der Erhabenheit deiner Gedanken, bis du irgendwann friedlich davon schlummerst…

Das launische Gesicht:

Hoch oben auf diesem abgelegenen Bergvorsprung holen euch die aus dem Nichts aufgezogenen Wolkentürme ein und schlagartig schüttet es aus Eimern. Der Einstieg in den Biwaksack, der natürlich ganz unten im Rucksack liegt, dauert wegen der heftigen Windböen sowie der verschwitzten und jetzt auch ruckzuck nassen Klamotten etwas länger. Das Innere des Biwaksacks wird dabei fast so nass wie die Außenseite.

Nachdem ihr endlich beide drin seid, müsst ihr den Reißverschluss komplett zuziehen und euch so zusammenkauern, dass euch der wild flatternde Stoff nicht ständig ins Gesicht klatscht. Das Aneinanderkuscheln war schonmal angenehmer. Es scheint trotz Schutzhülle schnell kälter zu werden und die Luftqualität hier drinnen wird auch nicht besser. Ihr müsst ständig das Material des Sacks auf Abstand halten, denn bei direktem Kontakt kühlt das klamme Zeug eher aus als zu wärmen. Ihr habt keine Ahnung, ob das Unwetter in einer halben Stunde oder erst in einem halben Tag durch sein wird. Höchste Zeit für ein paar erhabene Gedanken …

Die meisten Biwakaufenthalte pendeln sich irgendwo zwischen diesen beiden Versionen ein. Der Sternenhimmel wird es eher selten sein, denn wenn man den sehen und genießen kann, braucht man den Biwaksack eigentlich nicht. Dann tut es meist der Schlafsack allein, vor allem wenn er neben kuscheliger Wärme auch ein bisschen Windschutz bietet und Feuchtigkeit fernhält. Das können heutzutage sehr viele Schlafsäcke.

Auch der überraschende Wettersturz wird es angesichts flächendeckender Netzabdeckung mit allzeit verfügbarer Wetterprognose und Echtzeit-Tourenplanung nur noch selten sein. Zumindest für gemäßigte Bergfreunde in den Alpen und Mitteleuropa. So lange es allerdings noch unvorhersehbare Wetterlagen und abgelegene Gebiete gibt und so lange Menschen mehrtägige und anspruchsvolle Touren machen, wird der Biwaksack seine Existenzberechtigung behalten.

Was ist der Biwaksack und wofür brauche ich den eigentlich?

Um es möglichst kurz zu machen: der Biwaksack ist die Tüte, in der man beim Biwakieren sitzt oder liegt.

Das Teil besteht im einfachsten Fall aus einer zusammengenähten, mehr oder weniger wasserdichten Ober- und Unterseite aus Kunstfasern. In der Oberseite befindet sich ein Schlitz, der das Reinschlüpfen ermöglicht und das Gesicht frei lässt. Es gibt Säcke für eine Person oder für zwei, letztere mit dem Vorteil der größeren Wärmeerzeugung und dem Nachteil der umständlicheren Handhabung.

Ein Biwaksack ist leichter und billiger als ein Zelt und ermöglicht es (zumindest theoretisch), jederzeit und überall einen wettergeschützten Unterschlupf aufzubauen. Funktionskleidung allein reicht dafür nicht immer, denn wenn schlechtes Wetter lang genug anhält, findet Nässe in der Regel immer einen Weg hinein. Der Biwaksack kann dann zum sprichwörtlichen Lebensretter werden.

Grundlegende Eigenschaften eines Biwaksacks

Kurzzeitig bieten auch günstigere Biwaksäcke einen passablen Wind- und Nässeschutz. Allerdings halten sie den Belastungen von heftigen Böen, ruppigen Bewegungen der Biwakierenden oder Kontakten mit Schuhen und anderem Equipment nicht allzu lange stand. Die Druckbelastung durch das Sitzen oder Liegen auf dem Material kann überraschend schnell zur Durchfeuchtung führen.

Hier solltest Du darauf achten, dass das Bodenmaterial eine Wassersäule von mindestens 2.000 mm aufweist (besser deutlich mehr, denn beim Hocken auf dem Biwaksackboden kann die Belastung noch viel höher werden).

Für alle Modelle eher schwierig einzuschätzen ist der erreichbare Wärmegewinn. Dieser hängt mindestens so stark von der Situation wie vom Modell und individuellen physiologischen Faktoren ab. Daher lässt sich hier leider keine pauschale Aussage treffen. Entscheidender, als die Stärke des Materials, ist hier die Luftschicht, die man idealerweise als Isolation zwischen dem eigenen Körper und dem Biwaksack hat.

So weit so einfach. Komplizierter wird es, wenn die viel beschworene Atmungsaktivität ins Spiel kommt, und mit ihr die Beschichtungen, Membranen und Laminate, die sich je nach gewünschten Eigenschaften entweder an der Ober- oder Unterseite oder beidseitig befinden.

Dann kommt von komplett verschließbaren 3D-Kapuzen mit Moskitonetz, über anatomische Fußboxen bis zu zeltartigen Gestängebögen noch eine Menge möglicher Zusatzausstattung hinzu, die ebenfalls die Eigenschaften bestimmt.

Worin unterscheiden sich Biwaksäcke?

Aus den obigen Überlegungen wird klar, welche unterschiedlichen Anforderungen der perfekte Biwaksack erfüllen muss. Oder besser gesagt müsste, denn diesen eierlegenden Wollmilchsack gibt es leider (noch) nicht.

Bis dieses Wunderding kommt, müssen wir uns bei der Entscheidung für ein Modell zwischen folgenden drei Schwerpunkten bewegen:

  1. Komfort (Atmungsaktivität, Platz, Ausstattung)
  2. Geringer Gewicht und Packmaß
  3. Wetterschutzfaktor (Materialqualität und -robustheit, komplett dichte Verschließbarkeit)

Einen Biwaksack, der alle drei Kriterien in hohem Maße erfüllt, gibt es nicht. Es ist wie beim Autokauf, wo du ebenfalls trotz aller Hightech-Euphorie nach wie vor keinen Rennwagen bekommst, der zugleich auch familientauglicher Großtransporter und Umweltfreund mit Minimalverbrauch ist.

Immerhin lassen sich beim Biwaksack zwei der drei Schwerpunkte gut unter einen Hut bekommen, sprich 1) und 2) oder 1) und 3). Bei 2) und 3) wird es schon schwieriger bzw. deutlich teurer, aber immer noch machbar.

Welche Materialien kommen bei Biwaksäcken zu Einsatz?

Die gewünschten Kriterien entscheiden über die Zusammensetzung des Materials und über die Konstruktion des Biwaksacks. Zählen wir zuerst die Materialien auf:

Hauptbestandteil der meisten Ultraleicht-Modelle ist eine stabile, oft mit Aluminium bedampfte Folie. Derartige Biwaksäcke können im ungünstigen Fall schon nach einfachem Gebrauch beschädigt oder unbrauchbar sein, sind aber auch ausdrücklich nur als Notfallreserve, ähnlich wie eine Rettungsdecke, gedacht.

Bei den robusteren Basic-Modellen kommt ein zeltähnliches Nylon- oder Polyestergewebe mit Polyurethanbeschichtung (PU-Beschichtung) zum Einsatz. Nylon-, Polyester- und Baumwoll-Mischgewebe sind ohne eine solche Beschichtung nicht wasserdicht. PU verleiht dem Trägermaterial aufgrund seiner hohen Dichte bei gleichzeitiger Flexibilität seine funktionellen Eigenschaften.

Neben PU kommt auch das zumeist als höherwertig eingestufte Silikon zum Einsatz. Silikonbeschichtungen sind elastischer, langlebiger und teurer als andere Beschichtungen. Sie erhöhen nicht nur die Reißfestigkeit, sondern auch die UV-Stabilität des Trägermaterials. Zudem sind sie deutlich leichter als PU-Beschichtungen mit vergleichbarer Wasserdichtigkeit.

Biwaksäcke mit Membran

Bei aufwändigeren Biwaksäcken kommen auch Membranen zum Einsatz. Wie diese genau funktionieren und wo die Vorteile gegenüber einer Beschichtung liegen, kannst Du hier nachlesen.

Wenn Du auf eine Membran Wert legst, sei zunächst gesagt: Im praktischen Einsatz wirst Du in Sachen Atmungsaktivität eher geringe Unterschiede zwischen den bekannten Markenmembranen wahrnehmen. In der Regel kommen alle Technologien ab einer bestimmten Feuchtigkeitsmenge und/oder Temperaturverteilung an ihre Grenzen.

Für alle Beschichtungen, Laminate und Co. gilt, dass sie Gewicht und Packmaß in die Höhe schrauben, genauso wie jedes andere zusätzliche Detail auch. Je mehr Schutz, Vielseitigkeit und Funktionalität der Materialmix bietet, desto mehr Gewicht und Packmaß muss getragen werden. Auch jedes Komfort-Plus, z.B. durch mehr Platzangebot oder praktische Details wie abgedeckte Reißverschlüsse wiegt extra.

Konstruktionsformen des Biwaksacks

Die meisten Biwaksäcke sind schlicht und einfach wie ein leicht vergrößerter Schlafsack geschnitten und liegen flach wie eine Decke auf dem Boden. Das Volumen kommt nur durch den eigenen Körper oder durch Extras wie Versteifungen, Abspannmöglichkeiten oder kleine Gestänge zustande.

Letztere bieten vor allem bei häufigeren Übernachtungen ein sehr angenehmes Plus an Kopffreiheit. Allerdings sollte man bei Modellen mit einfachem Gestängebogen, dessen Standfestigkeit nicht überschätzen. Einige bleiben nur stehen, wenn der Reißverschluss komplett zugezogen ist, andere neigen sich schon bei kleineren Windböen in Richtung Gesicht. Definitiv zuverlässig halten die aufwändigeren Konstruktionen, wie das Kreuzgestänge beim Carinthia Observer. Solch hundertprozentiger Komfort und Wetterschutz ist allerdings weder leicht noch billig.

Eine wichtige Frage ist, ob sich der Biwaksack vollständig verschließen lassen soll. Umfassenden Wetterschutz gibt es nur, wenn der Innenraum mit einem robusten Reißverschluss lückenlos dicht zu machen ist. Kordelzüge, Klettverschlüsse und Belüftungsgitter lassen immer kleine Lücken und Restöffnungen, die im Extremfall auf der wetterabgewandten Seite gehalten werden müssen.

Das ist bisweilen schwieriger als es klingt. Ein unbedingtes Muss ist diese Vollverschließbarkeit allerdings nur für ambitionierte Tourenvorhaben in größeren Höhen oder kälteren Zonen. Die meisten Notsituationen sowie viele „normale“ Übernachtungssituationen lassen sich durchaus mit Biwaksäcken bewältigen, die „nur“ mit Knöpfen, Kordelzügen o.ä. verschließbar sind.

Fazit

Biwakieren ist mehr als nur eine Notlösung bei widrigen Bedingungen am Berg. Es kann ein ursprüngliches und ehrliches Naturerlebnis verschaffen und bietet eine flexible Option zwischen dem Zelten und dem „völlig ungeschützten“ Übernachten an der frischen Luft.

Allerdings ist das Biwakieren  auch bei guten äußeren Bedingungen nichts für Leute mit Ängsten vor unmittelbaren Boden-, Material- und Körperkontakten. Wer aber die Lust am draußen sein entdeckt, kann solche Hemmschuhe schnell ablegen und wird das rustikale Element am Ende womöglich gar lieben statt fürchten. Spätestens dann wird man sich auch etwas weiter „raus“ in die Natur und in die Berge wagen und auf die Suche nach dem richtigen Biwaksack begeben. Wir hoffen, dass dieser Artikel dabei hilfreich ist.

Bekleidungstipps für die Übergangszeit

Bekleidungstipps für die Übergangszeit

14. September 2017
Kaufberatung

Da ist sie wieder. Ganz unerwartet kam sie angeschlichen und hat uns im wahrsten Sinne des Wortes kalt erwischt. Die Übergangszeit. Für alle, die sie nicht kennen: das ist die Jahreszeit zwischen Sommer und Winter, in der man – sofern man oft Draußen unterwegs ist – ziemlich alles mitschleppt, was der Kleiderschrank so zu bieten hat, weil man sich morgens auf dem Weg zur Arbeit sonst sämtliche Glieder abfriert. Sind es dann zum Nachmittag wieder muckelige 15-20°C schwitzt man sich auf dem Heimweg die Seele aus dem Leib, weil man ja noch die lange Hose und ein langes Oberteil an hat. Gemeinhin kennt man dieses Jahreszeiten auch als Herbst und Frühling.

Am Berg ist das natürlich ähnlich. Oder wenn man noch die letzten schönen Tag am Fels genießen möchte. Damit ihr nicht mit eurem 70-L-Trekkingrucksack unterwegs sein müsst, gibt’s hier ein paar hilfreiche Tipps für die schwierigste aller Jahreszeiten.

Pack‘ die Zip-Off-Hose ein…

Auch wenn sie vielleicht etwas antiquiert daher kommen mag – in der Übergangszeit ist die Zip-Off-Hose ein echter Bringer. Morgens kalt = Lange Hose, Mittags warm = kurze Hose. Zwei einfache, aber geniale Gleichungen. Und man muss meistens noch nicht mal die Schuhe ausziehen, um die kurzen Hosenbeine abzustreifen. Die sind nämlich oft etwas großzügiger geschnitten oder haben Reißverschlüsse, über die man sie weiten kann.

Hat man die Möglichkeit sich zwischendurch umzuziehen kann es auch ratsam sein, eine lange Laufhose (aka Lauftight) einzupacken. Sie sind deutlich leichter als schwere Trekkinghosen und sehen unter einer Wandershorts gar nicht mal so schlimm aus.

Fahrradfahrer wählen hier selbstverständlich die altbewährten Bein- oder Knielinge, die in Kombination mit der normalen Radhose wahre Wunder bewirken und bei Nichtgebrauch einfach in der Trikottasche untergebracht werden können.

…nimm das leichte Jäcklein.

Finger weg von schweren Hardshells, dicken Fleece-, Daunen- oder Kunstfaserjacken. Damit warten wir noch ein paar Wochen, bis die Temperaturen endgültig in Richtung Gefrierpunkt tendieren. Stattdessen landen die leichten Varianten im Rucksack. Denn gerade in der Übergangszeit ist das berühmte Zwiebelprinzip der beste Freund. Der typische Aufbau der Oberbekleidung könnte z.B. so aussehen: Als Baselayer ein leichtes Merino-T-Shirt, darüber ein leichtes Fleece getoppt von einer leichten Wind- oder Regenjacke.

Wenn die Wärme am Körper gehalten werden kann, was durch wasser- bzw. winddichte Bekleidung bewerkstelligt wird, hat man dem Auskühlen durch den Windchill-Effekt nämlich schon das erste Schnippchen geschlagen.

Wer stärker friert, packt sich noch einen weiteren Fleecepulli in den Rucksack. Geniale Alternative sind hier aber auch sogenannte Hybridjacken. Am Torso bieten sie dank Daunen- oder Kunstfaserfütterung angenehme Wärme und die Ärmel aus Fleece oder Softshell sind nicht so brutal warm, dass man darin eingeht.

Dann noch was für obenrum…

Buffs oder – wenn wir im deutschen Sprachgebrauch bleiben wollen – Multifunktionsschlauchtücher (was für eine großartige Wortschöpfung) sind hier definitiv die richtige Wahl. Die dünnen Schals lassen sich prima als Halstuch, Stirnband oder sogar Mütze tragen und wiegen so gut wie nichts. Packt man zwei davon ins Gepäck, kann man eins als Halstuch verwenden und ist für so ziemlich alle Gegebenheiten gerüstet.

Glück hat hier, wer regelmäßig an organisierten Trailrunning-, Lauf-, Rad- oder Wanderevents teilnimmt. Hier bekommt man die Dinger in der Regel hinterher geschmissen und hat nach einem Jahr einen beachtlichen Fundus aufgebaut, der auch immer mal wieder als Geschenkegrube für die mehr oder weniger lieb gewonnene Verwandschaft dienen kann.

Pro-Tipp für die Radpendler: Wenn der Helm trotz Stirnband oder Mütze zu zugig ist oder ihr vermeiden wollt, am Kopf nass zu werden, schaut euch doch mal die sogenannten Radhelmüberzüge an. Durch die Neonfarben wird man zudem bei Schmuddelwetter besser gesehen. Auch wenn der Look etwas… eigenwillig ist.

…und Accessoires, gar nicht dumm!

Darüber hinaus gibt es einige praktische Accessoires, die uns die Übergangszeit erleichtern können. Handschuhe sind so ein Beispiel. Kennt ihr? Das sind diese Dinger, die man sich über die Hände stülpt. Genau, wie Socken an den Füßen! Spaß beiseite. Ein paar leichte Fleecehandschuhe, eventuell mit winddichten Eigenschaften, können bei kühlen Temperaturen wahre Wunder wirken. Wer noch nicht auf komplette Handschuhe zurückgreifen möchte, kann sich stattdessen Stulpen für die Hände zulegen. Entsprechende Modelle gibt es von Aclima, Sherpa oder Houdini.

Und wer sie noch nicht kennt, sollte spätestens jetzt aufmerksam lesen: Armlinge sind ebenfalls ganz feine Gesellen. Für Radfahrer und Läufer ein alter Hut, sind sie aber auch beim Wandern oder Klettern nicht zu unterschätzen. Dank ihnen macht man aus einem T-Shirt im Handumdrehen ein Longsleeve – ohne viel Zusatzgewicht.

Ein weiterer Tipp, vor allem für Bergfreundinnen: Der Kunstfaserrock. Er schützt Hüft- und Gesäßbereich vor dem Auskühlen und ist in aller Regel ebenfalls kompakt verpackbar. Zugegeben, eher was für den Winter, aber auch an kalten Morgen in der Übergangszeit oder bei Pausen an kühleren Tagen in den Bergen eine lohnenswerte Alternative für mehr Wärme. Natürlich gibt’s die Teile in Shorts-Form auch für die Herren der Schöpfung. Praktisch: Viele Modelle haben einen durchgehenden Reißverschluss, weshalb man sie schnell und einfach an- und ausziehen kann. Leichtere Varianten der Hosen und Röcke gibt es auch in Merino oder Fleece.

Da kann nichts mehr schief gehen

Eines steht jedenfalls mal fest: Reimen müssen wir noch üben! Und was das Thema „Ich-friere-mir-in-der-Übergangszeit-den-Hintern-ab-oder-schwitze-wie-die-Hölle“ angeht: Leider, leider gibt es hier – wie so oft – kein Patentrezept, da das Wetter extrem wechselhaft und das eigene Temperaturempfinden zu unterschiedlich ist, als dass man allgemein gültige Empfehlungen geben könnte. Warum also dieser Beitrag? Ganz einfach: Wer alle Optionen und Möglichkeiten kennt, kann sich auch auf die ungeliebte Übergangszeit bestens einstellen und sich darüber freuen, dass man für einen schönen Sonnenaufgang nicht mehr ganz so früh aufstehen muss.

Und jetzt seid ihr dran! Was sind eure Tipps für die Übergangszeit?

Ultraleichte Schuhe Kaufberatung

Nimms leicht – Outdoorschuhen aufs Gewicht geschaut

14. September 2017
Ausrüstung, Kaufberatung

Letzten Sonntag war ich im Wald zum Pilze suchen. Leider hatte es in der Nacht zuvor geregnet, so dass ich davon ausgehen konnte, auf eine ordentliche Portion Matsch zu treffen. Normalerweise trage ich für solche Touren durch den heimischen Wald ausgediente Laufschuhe oder meine Zustiegsschuhe. Da ich aber sicher war auf eine Schlammlandschaft zu stoßen, hatte ich mich diesmal für meine schweren, ledernen Bergstiefel entschieden.

Generell war das auch ein guter Entschluss, weil ich so tatsächlich trotz ziemlich durchweichtem Wald wieder mit trockenen Socken zu Hause angekommen bin. Auf der anderen Seite waren diese schweren Treter aber für das Gelände der komplette Overkill und ich war froh, als ich wieder auf leichteres und bequemeres Schuhwerk wechseln konnte. Aber muss das wirklich sein? Gibt’s nicht auch leichtere Alternativen?

Der Weg zum richtigen Schuhwerk

Wenn ihr euch fragt, welches Paar Leichtgewichts-Schuhe nun für euch und eure Touren genau das Richtige ist, dann solltet ihr euch zuvor über ein paar Dinge Gedanken machen. So ist es beispielsweise wichtig, dass die Schuhe nicht nur zu der Tour und deren Gelände passen, sondern auch für die Jahreszeit geeignet sind in der ihr gehen wollt. Außerdem ist eine gute Passform für das Fußwohl maßgeblich entscheidend. Worauf ihr bei der generellen Suche nach Wander- bzw. Outdoorschuhen noch achten solltet, das verrät euch unser Blogbeitrag „Die richtigen Schuhe für dein Outdoor-Abenteuer“.

An dieser Stelle wagen wir allerdings einen Blick in die bunte Welt der Wander-, Trekking- und Bergschuhe und schauen uns an, wo wir sinnvoll an der Gewichtsschraube drehen können.

Leichte Schuhe für gemäßigtes Gelände

Wie bei meiner sonntäglichen Pilztour durch den Schwarzwald braucht es nicht immer ein schweres Paar Bergschuhe. Gerade in Mittelgebirgen reichen leichtere Wanderschuhe in der Regel völlig aus. Leichtwanderschuhe sind, wie der Name schon sagt, leichter als ihre „normalen“ Kollegen. Das liegt vor allem daran, dass sie meist mit nur halbhohem Schaft oder gleich als Halbschuhe daherkommen. Auch wird bei Leichtwanderschuhen nicht selten auf einen Geröllschutz und dergleichen verzichtet, sodass hier deutlich Gewicht eingespart werden kann.

Wer also in vergleichsweise einfachem Gelände unterwegs ist und auch nur leichtes Gepäck dabei hat, sollte sich diese Gruppe definitiv einmal näher ansehen. Leichtwanderschuhe mit halbhohem Schaft, also klassische Vertreter der Kategorie A, schlagen meist mit einem Gewicht ab 450 Gramm zu Buche.

Gerade für Ultraleichttouren kommen aber auch immer wieder Trailrunningschuhe zum Einsatz. Modelle wie Roclite 325 GTX von Inov 8 verfügen über ein Gewicht von weniger als 350 Gramm und bieten dafür einen halbhohen Schaft sowie eine extrem griffige Sohle. Als weitere Alternative wäre hier auch der Einsatz von Barfußschuhen denkbar, jedoch gehen diesbezüglich die Meinungen weit auseinander.

Die einen befürworten diese vergleichsweise freie und natürliche Form des Gehens, andere wiederum berichten von Problemen, die aufgrund von fehlender Muskulatur und Gewöhnung auftreten können. Wer diesen Schuhtyp dennoch fürs Wandern ausprobieren möchte, dem sei geraten mit vergleichsweise kurzen und einfachen Teststrecken zur Eingewöhnung zu beginnen. Auch Gepäck sollte bei diesen Eingewöhnungsrunden nicht mitgenommen werden. Barfußschuhe sind selbstverständlich recht leicht und fallen so kaum ins Gewicht.

Leichte Schuhe für ausgesetztes und wegloses Gelände

Für anspruchsvolleres Gelände und Mehrtagestouren in Verbindung mit schwerem Gepäck sind Trekkingschuhe der Kategorie B oder B/C bestens geeignet. Hierbei handelt es sich jedoch meist um vergleichsweise schwere Treter, die für maximale Trittsicherheit sowie eine optimale Stabilisierung des Sprunggelenks sorgen. Auch empfehlen sich Schuhe dieser Art für Personen, die Probleme mit den Bändern haben und zum Umknicken neigen.

Außerdem fallen viele Trekkingstiefel in die Kategorie „bedingt Steigeisenfest“ und können problemlos mit Steigeisen mit Riemchenbindung sowie Grödel getragen werden. Wie gesagt, Trekkingstiefel sind nicht gerade Leichtgewichte, doch auch in dieser Gattung gibt es Modelle, die mit einem deutlich reduzierten Gewicht daherkommen. Ein schönes Beispiel hierfür sind die S-Lab X Alp Carbon 2 GTX von Salomon. Diese Schuhe wiegen noch knapp unter einem Kilo und zählen zu den Leichtgewichten dieser Klasse. Dennoch sind sie deutlich schwerer als Ihre Kollegen aus dem Leichtwander- oder Trailrunningbereich, können dafür aber auch mehr.

Leichte Schuhe fürs Hochgebirge

Für Geröll, Firn und Eis müssen definitiv ordentliche Bergstiefel her. Diese verfügen über eine steigeisenfeste Sohle und bieten auch in unwegsamem Gelände ausreichend Stabilität. Im Allgemeinen können Bergschuhe mit Kipphebelsteigeisen getragen werden. Je nach Modell lassen sich hier Halbautomaten (vorne mit Körbchen) oder Automaten (vorne mit Bügel) befestigen. Auch ein hochgezogener Gummirand, der vorwiegend als Geröllschutz dient gehört hier in der Regel mit dazu.

Kein Wunder also, dass wir uns hier weit außerhalb des Ultraleichtbereichs bewegen. Aber trotzdem gibt es auch unter den Bergstiefeln der Kategorie C leichtere und schwerere Vertreter. Schauen wir uns also beispielsweise einmal die Badile Combi II GTX  von Hanwag an. Diese Bergschuhe bringen alles mit, was bei Touren im hochalpinen Gelände gefragt ist. Dennoch kommen sie mit einem vergleichsweise geringen Gewicht von lediglich 1080 Gramm daher. Dafür gibt es aber eine ausreichend ausgesteifte und für halbautomatische Steigeisen geeignete Sohle sowie einen ordentlichen Geröllschutz. Als Alternative kann man sich hier auch den etwas weniger als 1200 g (pro Paar) schweren Trango Guide Evo GTX von La Sportiva anschauen.

Vor-und Nachteile von leichtem Schuhwerk

  • Vorteil 1 – Gewichtsersparnis

Klar, wer mit leichten Schuhen unterwegs ist, der muss weniger Gewicht mitschleppen und das wirkt sich nun einmal bei jedem Schritt aus. Dies zeigt sich gerade bei gestuftem Gelände, da der Fuß mit weniger Ballast daherkommt und schlussendlich das Gehen ermüdungsfreier ausfällt. Auch wenn die Wanderschuhe im Rucksack transportiert werden, fallen sie so weniger schwer ins Gewicht.

  • Vorteil 2 – Komfort

Leichte Schuhe sind in der Regel flexibler und weicher als ihre schweren Verwandten. Somit sind sie normalerweise automatisch auch bequemer. Gerade an warmen Tagen ermöglichen sie oft auch eine bessere Belüftung und sind aufgrund des oft deutlich niederen Schafts generell nicht so warm wie höhere Wanderschuhe.

  • Nachteil 1 – Verletzungsgefahr

Was auf der einen Seite ein Plus an Komfort mit sich bringt, birgt auf der anderen Seite aber auch ein höheres Verletzungspotenzial. Denn gerade weiche und flexible Schuhe mit niedrigem Schaft, unterstützen den Fuß deutlich schlechter, als ihre höher geschnittenen Kollegen.

  • Nachteil 2 – Wetterfestigkeit und allgemeine Eignung

Keine Frage auch im Bereich der Trailrunning- und Leichtwanderschuhe gibt es vergleichsweise wetterfeste Modelle mit Membran. Bei Matsch und Regen geht das sicherlich auch noch, wobei es bei tiefem Schnee schon schwieriger wird, da der Schnee ohne hohen Schaft schneller seinen Weg in den Schuh findet. Plant man aber Touren, die beispielsweise das Tragen von Steigeisen erfordern, braucht man deshalb Schuhe mit einer geeigneten Sohle.

Ultraleichtes Schuhwerk – das Fazit

Gerade im Bereich der Outdoor-, Wander- und Trekkingschuhe ist es schwierig ultraleichte Ausrüstung zu finden. Bei der Recherche zu diesem Thema musste ich immer wieder an den Ausspruch eines guten Freundes denken: „Man kann auch mit Skischuhen joggen gehen!“. Soll heißen zweckentfremden kann man viel, nur ob das wirklich auch Sinn macht ist die Frage. Klar könnte man auch mit Badelatschen im hochalpinen Gelände unterwegs sein (die Sherpas in Nepal zeigen sehr eindrücklich wie das geht), aber dennoch würde ich davon abraten nur zugunsten einer hohen Gewichtsersparnis zu derart krassen Maßnahmen zu greifen.

Meiner Meinung nach ist das wichtigste Kriterium bei Schuhen ohnehin nicht das Gewicht, sondern dass sie optimal passen und auch nach langen Tourentagen noch nicht drücken. Denn die höchste Gewichtsersparnis am Schuhwerk bringt nichts, wenn man das gleiche Gewicht als Blasenpflaster im Rucksack mitschleppen muss. Fun Fakt: Ein Päckchen Blasenpflaster wiegt rund 15 Gramm.

Grip am Griff – alle Infos über Chalk und Chalkbags

Grip am Griff – alle Infos über Chalk und Chalkbags

12. Juli 2017
Kaufberatung

Für die meisten Kletterer und Boulderer ist Chalk ein fester Bestandteil ihrer Kletterausrüstung. Der Kletterer und Turner John Gill aus den USA gilt als der Urvater des Boulderns und als der Mann, der das Chalk in den 70er Jahren von den Turngeräten an den Kletterfelsen brachte. Das Magnesiumcarbonat war damals beim Reck- und Ringeturnen weit verbreitet, um die Hände beim Turnen trockener zu halten und dadurch einen besseren Grip an den Geräten zu haben.

Der Grund für Gill das Chalk auch beim Bouldern zu verwenden, war der Gedanke, auch an rutschigen Klettergriffen guten Halt mit den Fingern zu finden. Da seine Idee sehr gut funktionierte und Gill in der Lage war schwierige Boulder zu klettern, fand die Verwendung von Chalk beim Klettern immer mehr Beachtung und verbreitete sich in der gesamten Kletterwelt. Heutzutage findet man kaum einen Kletterer oder Boulderer in der Kletterhalle, beim Bouldern oder am Kletterfels, der nicht mit Chalk und Chalkbag ausgerüstet ist und regelmäßig seine Finger mit dem weißen Pulver einreibt.

Was genau ist eigentlich Chalk?

Was sich beim Klettern unter dem Namen Chalk verbreitet hat, ist genau genommen Magnesiumcarbonat. Von Turnern oder Kraftsportlern wird Chalk auch als Magnesia oder Magnesia-Pulver bezeichnet. Bei Turnern wird dem Magnesiumcarbonat allerdings Talkum beigemischt, damit das Pulver an den Geräten rutschfähiger wird. Beim Klettern dagegen achtet man auf eine hohe Reinheit des Chalks um möglichst nicht zu rutschen. Die natürliche Substanz Magnesit wird neben Klettern auch für Lebensmittel, Heilbäder, Arzneimittel und Baustoffe verwendet. Je nach Hersteller werden dabei unterschiedliche Rohstoffquellen zur Herstellung der einzelnen Chalkvarianten bevorzugt und unterschiedliche Körnungen und Formen hergestellt. Dadurch bekommt jedes Chalk seine individuelle Note, so dass die einen Kletterer voll auf das Chalk von Black Diamond schwören und andere ohne Chalk von Metolius nicht mehr klettern wollen.

Die Wirkungsweise und Anwendung von Chalk ist denkbar einfach. Durch das Auftragen des Magnesiumcarbonats auf die Finger und Hände halten Kletterer beim Klettern ihre Finger trocken. Das Pulver saugt quasi den Schweiß an den Fingern auf und sorgt so dafür, dass man an Klettergriffen einen sicheren Halt findet und mit seinen rutschigen Fingern nicht vom Griff abrutscht.

Chalk als Pulver, Chalk als Block, Chalkball oder doch flüssiges Chalk?

Gerade Kletteranfänger sind mit der großen Auswahl an Chalk-Herstellern und Produktformen etwas überfordert. Deshalb hier eine kurze Übersicht über die verschiedenen Chalkarten:

  • Chalk in Pulverform
    In unterschiedlicher Körnung von ganz fein bis grob mit Brocken gibt es das Chalkpulver oder offenes Chalk in Beuteln oder Dosen zu kaufen. Für die Verwendung wird der Chalkbag mit dem Pulver befüllt. Allerdings nur etwa zu maximal einem Viertel und nicht komplett. Die Hand muss ja noch bequem in den Chalkbag passen. Ansonsten ist regelmäßiges Nachfüllen besser, als den Beutel zu voll zu füllen.
  • Chalkball
    Sehr beliebt und einfach in der Anwendung sind Chalkbälle. Die fertigen Stoffbälle sind mit Chalkpulver gefüllt und es gibt sie in verschiedenen Größen zu kaufen (auf die Füllmenge und den Durchmesser achten). Sie sollten von der Hand gut umschlossen werden können. Das bedeutet für große Hände empfiehlt sich ein großer Chalkball in einem großen Chalkbag und für kleine Hände eben alles eine Nummer kleiner. Durch das Quetschen und Kneten des Balls im Chalkbag werden die Hände schön gleichmäßig mit Chalk bedeckt.
  • Chalk als Block
    In kompakte Blöcke gepresst wird Chalk angeboten, den Kletterer nach Belieben in kleinere Brocken zerteilen, brechen und zerbröseln können.
  • Flüssigchalk
    Flüssiges Chalk oder Liquid Chalk ist eine auf Alkohol basierende Flüssigkeit, in der das Magnesiumcarbonat gelöst wurde. So kann man aus den kleinen Flaschen mit ein paar Tropfen die Handflächen und Finger einreiben, die dann mit einer dünnen Schicht Chalk überzogen sind.

Eine eindeutige Empfehlung, welche Variante sich am Besten eignet, gibt es nicht. Das klassische Pulver ist beliebt, effizient und einfach in der Handhabung. Allerdings ist die Staubentwicklung durch das Chalkpulver recht hoch, vor allem durch das Abpusten des überschüssigen Chalks von den Händen (auch „French Blow“ genannt). Was am Kletterfelsen kein großes Problem darstellt, führt in vielen Kletterhallen zu einer echten Belastung durch Chalk-Feinstaub. Das flüssige Chalk ist ideal für kurze Kletterrouten und Boulder geeignet. Bei längeren Touren kann man allerdings nicht mehr einfach in den Chalkbag greifen und nachchalken. Für Anfänger sind Chalkballs sicherlich eine gute Lösung, denn sie sind einfach im Handling und für Kletterhalle und Kletterfels gleichermaßen gut geeignet. Je nach dem wie intensiv der Chalkball genutzt wird, also wie oft man klettern geht und wie oft man dabei den Chalkball benutzt, hält ein Chalkball mal etwas länger und mal etwas kürzer. Bei durchschnittlicher Größe und Benutzung kann man aber schon einige Kletterrouten meistern, bevor es daran geht für Ersatz zu sorgen, denn die Chalkballs sind ziemlich sparsam und ergiebig.

Chalkbags – die praktischen Behälter für Chalk mit dem individuellen Style

Die Chalkbags, die Kletterer meist am Klettergurt tragen, dienen zum Transport des Chalks beim Klettern und natürlich um die Chalkschicht auf den Fingern in der Kletterroute zu erneuern. Der kleine Behälter lässt sich in der Regel mit einem integrierten Kordelzug verschließen und wird mit einer Schnur oder einem Nylonband an der Hüfte befestigt. Dabei ist wichtig, dass man den Chalkbag von beiden Seiten am Rücken gut erreichen kann, da man mit den Händen in der Route nur einzeln und abwechselnd in den Chalkbag greifen kann. Eine fellartige Innenseite macht die Chalkbags angenehm und sorgt für eine gleichmäßig Verteilung. Die Öffnung des Chalkbags ist in der Regel verstärkt, so dass der Behälter offen bleibt und man in jeder Situation gut hinein greifen kann.

Welcher Chalkbag der Beste ist, kann nur jeder Kletterer für sich selbst beantworten. Manche Hersteller bieten ihre Chalkbags in verschiedenen Größen an, manche sind eher tiefer geschnitten und andere breiter. Je nach Größe der Hände sollte der Chalkbag nicht zu groß aber auf keinen Fall zu klein ausgewählt werden, damit die Hand sich zum Chalken gut im Chalkbag bewegen und den Chalkball komplett umgreifen kann. Von den praktischen Aspekten abgesehen, sind Chalkbags auch ein Ausdruck des individuellen Styles und ein fester Bestandteil der Kletterausrüstung. Es gibt sie in zahlreichen Variationen von einfarbig, bunt gemustert bis hin zu liebevoll gestaltetet kleinen Kunstwerken. Handgearbeitete Chalkbags von Wildwexel sind beispielsweise wunderschöne Unikate und ein echter Hingucker in Kletterhallen und Klettergärten.

Kaufberatung für Gamaschen

Nie mehr nasse Hosenbeine – eine kleine Kaufberatung für Gamaschen

15. Mai 2017
Kaufberatung

Stellt euch folgendes Szenario vor: die Sonne ist gerade aufgegangen und beginnt kräftig und golden zu strahlen. Ihr dreht, die Arme gen Himmel gestreckt, in einer dicht mit bunt blühenden Blumen und Kräutern bewachsenen Bergwiese eure Kreise. Diese Outdoor-Traumwelt, die direkt einem eskapistischen Heimatschinken der 1950er Jahre entsprungen sein könnte, würde in der harten Realität wohl ein unrühmliches Ende nehmen. Eure Hosenbeine sind vom Tauwasser, das sich über Nacht auf der Wiese gebildet hat, eklig durchnässt, euren Socken geht es keinen Deut besser und vermutlich hat sich auch noch eine Zecke irgendwie ins Hoseninnere geschlichen.

Klar, ihr habt ja auch eure Gamaschen vergessen! Ob nun bei der Wanderung durchs Alpenpanorama, auf Hochtour oder Trekking, Outdoor-Gamaschen gehören dazu. Damit ihr für den Gamaschenkauf gewappnet seid und den Tanz über die Bergblumenwiese ohne durchnässte Hosen übersteht, hier eine kleine Kaufberatung.

Gamaschen? Nie gehört! Wie der wasserdichte Schutz funktioniert und seine Einsatzgebiete

Okay, das Wörtchen Gamasche hat jeder schon mal gehört, aber was haben wir uns darunter auf unser Lieblingshobby, das Outdooren, bezogen vorzustellen? Gamaschen sind einfach gesprochen eine wasserdichte Verlängerung der Schuhe, die – je nach Modell – den Unterschenkel umschließt und teilweise bis über den Kniebereich langt. Immer dann, wenn hohe Schuhe oder Stiefel zu warm oder zu unpraktisch sind oder die Regenhose nicht in Frage kommt, sind sie zur Stelle. Dabei wird eine reguläre Gamasche mit einem robusten Riemensystem unter den Schuh geschnallt und mit Haken für zusätzlichen Halt in die Schnürung eingehängt. Damit das Ganze auch problemfrei an- und wieder ausgezogen werden kann, ist die Seite mit einem durchgehenden Reiß- beziehungsweise Klettverschluss oder einer Schnürung samt wasserdichter Abdeckleiste versehen. Ein Kordelzug am oberen Abschluss macht den Beinschutz dicht und verhindert zudem, dass die Gamasche nach unten rutscht.

Ist alles fachgerecht verpackt, halten Gamaschen die Füße und die Hosenbeine effektiv trocken, sei es auf regnerischen, schlammigen Touren oder bei Tiefschnee. Gleichzeitig halten sie auf Wanderungen Schmutz und kleine Steinchen davon ab, sich in die Schuhe zu mogeln. Wer mag schon nervigen Kleinkram im Schuh? Des Weiteren schützt die zusätzliche Gamaschenschicht mit ihrem widerstandsfähigen Material das Hosengewebe und eure Beine vor hinterhältigen Dornen, Felskanten oder Ästchen. Ebenfalls wichtig ist der Schutz vor dem eingangs erwähnten Fiesling – der Zecke. Habt ihr ein paar Gamaschen an den Schuhen befestigt, bleibt den kleinen Biestern keine Eintrittsmöglichkeit unter die Klamotten. Gerade in FSME-Risikogebieten ist das eine nicht zu unterschätzende Vorsichtsmaßnahme. Also wirklich vielseitig, diese Schutzschläuche für die Beine!

Was muss die moderne Gamasche können?

Anno dazumal noch aus einfachem Filz oder Leder gefertigt, sind Gamaschen heute wahre Funktionalitätsmonster aus technisch leistungsfähigen und funktionellen Geweben. Auf was also achten beim Gamaschen-Kauf? Zunächst einmal das Wichtigste und Offensichtlichste, die Regengamaschen sollten wasserdicht sein. Das ist ja klar. Auf sportlich anspruchsvollen Touren darf sie gerne mit atmungsaktiven Einsätzen ausgestattet sein. Schließlich hilft der beste Feuchtigkeitsschutz von außen nur bedingt, wenn ihr euch von innen nass schwitzt. Wird es besonders anstrengend, etwa beim Hochtourengehen oder beim Wintersport im Allgemeinen, sorgen Belüftungsmöglichkeiten bei Bedarf für benötigte Kühlung. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind gute Isolationseigenschaften unabdingbar. Seid ihr oft in der Dämmerung oder bei Nebel unterwegs oder nutzt ihr die Gamaschen zum Radeln, sorgen reflektierende Elemente für eine bessere Sichtbarkeit.

Eine Gamasche ist im Outdooralltag zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Ob Dornen, Äste, Fels oder Kontakt mit Steigeisen, das Material wird auf eine harte Probe gestellt.  Darum erhöhen widerstandsfähige Gewebe und zusätzliche Materialverstärkungen an den viel beanspruchten Stellen die Langlebigkeit und schützen die Wander- oder Regengamaschen vor allerlei Ungemach. Zu guter Letzt, aber mit am wichtigsten: eine sichere Befestigungsmöglichkeit. Eine gute Gamasche muss fest und sicher an Bein und Schuh sitzen, um den entsprechenden Feuchtigkeits- und Schmutzschutz bieten zu können. Moderne Gamaschen sind in ihrer Weite verstellbar und lassen sich per Neoprenstegen, Unterfußbändern oder Dornschnallen fest an den Schuhen fixieren.

Welche Gamaschen für welchen Zweck?

Jetzt wissen wir, was gute Gamaschen können müssen. Aber welche sind die richtigen für die nächste Tour? Keine Bange, das lässt sich schnell klären. Für lange Wegstrecken empfehlen sich, wie ihr sicherlich erahnen könnt, die Wandergamaschen. Das ist im Grunde genommen keine wirkliche Unterart, sondern eine Variante, die sich besonders gut zum Wandern eignet. Sie sollten möglichst leicht sein, um den Fuß auf langen Märschen nicht unnötig zu beschweren. Ein niedriger Schnitt sorgt für mehr Bewegungsfreiheit.

Für alpine Touren oder Winterwanderungen sollten die schützenden Beinschläuche möglichst hoch verarbeitet sein. Gerade wenn es in den Tiefschnee geht, zeigt sich eine Gamasche, die gerade mal bis kurz über den Knöchel langt, als wenig hilfreich. Atmungsaktive Einsätze und Belüftungsmöglichkeiten sollten ebenfalls mit von der Partie sein.

Expeditionsgamaschen sind die idealen Partner für extreme Bedingungen. Auf Hochtouren, Eistouren oder beim Expeditionsbergsteigen sind sie unverzichtbar. Sie sind meist mit einem isolierenden Schaum ausgestattet und speziell für den Einsatz mit steigeisenfesten Bergstiefeln ausgelegt.

Auf der Biketour sorgen spezielle Fahrradgamaschen für Trockenheit. Diese Outdoorgamaschen kommen oftmals als Überzug für den gesamten Schuh daher, die für einen umfassenden Nässeschutz sorgen. So kommt der prasselnde Regen und der spritzende Matsch weder in noch an die Schuhe. Reflektierende Details sorgen dafür, dass ihr von anderen Verkehrsteilnehmern besser gesehen werden könnt.

Ihr seht, Gamaschen sind weder ein Relikt der Vergangenheit noch irgendein unnützes Accessoire, das im Equipment-Schrank fröhlich vor sich hin staubt. Ob nun Modelle zum Wandern, für den Ausflug auf dem Fahrrad oder im alpinen Einsatz, habt ihr euer Modell gefunden, bleiben eure Füße und Beine knochentrocken. Und ungebetene Gäste wie spitze Steinchen, Staub oder Insekten bleiben auch dort, wo sie hingehören, nämlich draußen. Also ab mit euren neuen wasserdichten Beinschutzkleidern auf die blumige Bergwiese und hinterher ab in Matsch und Tiefschnee!

Eine Kaufberatung für Hüttenschuhe

Wohlige Wärme gegen Frostfüße – eine Kaufberatung für Hüttenschuhe

15. Mai 2017
Kaufberatung

Hüttenschuhe, die vergessenen Helden der Outdoorwelt. Während auf die teuren Funktionsklamotten Lobgesänge und Heldenlieder angestimmt werden, bleiben die filzernen Recken meist im Hintergrund. Dabei sorgen sie mit ihrer himmlisch kuscheligen Art für geschmeichelte und entspannte Füße nach einem harten Tourentag. Auch im Alltag sorgen sie dafür, dass wir wahre Höchstleistungen vollbringen können. Ohne sie wäre der Serienmarathon auf der Couch oder das Abenteuer an der Spielkonsole nicht so erfolgreich und weit weniger komfortabel. Aber Spaß beiseite. Hüttenschuhe sind in jedem Fall bequeme Partner für den Abend auf der Berghütte und machen auch daheim einen klasse Job. Sie sind leicht, passen locker noch in den Rucksack – auch wenn der wieder chronisch überfüllt ist – und sie fühlen sich einfach klasse an den Füßen an. Wenn ihr euch also ein Paar dieser kuscheligen Helden zulegen möchtet, folgt hier eine Einführung in die Welt der Hüttenschlappen!

Das sind doch auch nur Schlappen! Oder? – Was sind Hüttenschuhe eigentlich?

Hüttenschuhe sind komfortable Pantoffeln wie sie auf Berghütten zum Einsatz kommen. In ihrer bekanntesten Form sind die Hüttenpantoffeln aus einem Wollfilz gefertigt. Die Sohle ist aus einem robusten Wildleder, Kork oder einem rutschfest gummierten Gewebe. Das Filzgewebe fühlt sich nicht nur klasse an und wiegt kaum etwas, sondern es ist ein richtiges Wärmekraftpaket. Die feinen Verästelungen der Fasern in dem gefilzten Material, können besonders viel isolierende Luft einschließen. So werden selbst chronisch von Kälte geplagte Füße mit wohliger Wärme versorgt. Gleichzeitig ist das Filzgewebe auf natürliche Weise atmungsaktiv und lässt den Fußschweiß direkt nach dem Entstehen nach außen hin verdunsten. Das ist schlecht für Käsefüße, aber umso besser für empfindliche Riecher.

Und wo liegt der Unterschied zu den normalen Hauspuschen? Der ist in der Tat fließend. Die gängigen Hausschlappen sind meist mit einer festen und relativ schweren Sohle ausgestattet. Das sorgt für ein relativ hohes Gewicht und ein gewisses Packmaß. Im Gegensatz dazu haben Hüttenschuhe in der Regel eine flache, flexible Sohle. In Kombination mit dem weichen Woll- oder Filzmaterial sind sie weder platz- noch gewichtsmäßig eine Bürde fürs Rucksackgepäck. Ein weiterer Unterschied ist im Schaftaufbau zu finden. Hausschlappen sind in den meisten Fällen oben offen, damit wir problemlos reinschlüpfen können. Ein Hüttenschuh ist oft mit einem höheren Schaft ausgestattet der ähnlich einer dicken Wintersocke den Knöchel wärmend umschließt. Modelle zum Reinslippen gibt’s natürlich ebenfalls.

Was sagt die Hüttenordnung – sind Hüttenschuhe Pflicht?

Ähnlich wie der Hüttenschlafsack sind Hüttenschuhe auf vielen Berghütten Pflicht. Schließlich sollte man auf der Hütte nicht mit den dreckigen Bergschuhen umherstapfen. Zum einen gehört sich das nicht, zum anderen hat das schlicht und einfach praktische Gründe. Da die Berghütten oft fernab jeglicher Infrastruktur gelegen sind, ist eine regelmäßige Grundreinigung der Räume schlicht nicht ohne weiteres zu bewerkstelligen. Also Bergschuhe aus und Hüttenschuhe an! An vielen bewirteten Berghütten können die bequemen Hüttenpuschen geliehen werden. Doch bakterienscheue Gesellen wie ich es einer bin, fühlen sich wohler wenn sie wissen, dass sich bisher nur die eigenen Käsemauken in die Schuhe gekuschelt haben und keine fremden.

Nun fragt sich der eine oder andere von euch ob er seine Crocs mit auf Hüttentour nehmen kann. Klar! Da dürften die meisten Hüttenwirte nichts dagegen haben. Crocs müssen zwar ohne Hüttenschuh-Kuschelfaktor auskommen, sind aber ebenfalls sehr komfortabel. Außerdem wiegen sie kaum etwas, was sie für das gewichtsreduzierte Rucksackgepäck geradezu prädestiniert.

Was macht gute Hüttenschuhe aus und welche Modelle gibt es?

Das wichtigste beim Hüttenschuh-Kauf ist der Komfort. Taugen euch die Hüttenschuhe? Sitzen sie bequem am Fuß? Dann ist fast alles gebongt! Aber nur fast. Ein paar kleine Dinge gibt es dennoch zu beachten.

Zuerst solltet ihr euch Gedanken machen für welchen Zweck ihr die warmen Treter anschafft. Kommen die Hüttenschuhe tatsächlich mit auf Tour? Dann spielen Gewicht und Packmaß eine starke Rolle. Jedes Gramm, das beim Tourengepäck zusätzlich anfällt ist eines zu viel. Die Hüttenpantoffel sollten also möglichst leicht sein und mit einer dünnen und robusten Sohle ausgestattet sein. Bleibt der Hüttenschuh in den heimischen Gefilden, ist das Gewicht eher zweitrangig. Hier könnt ihr nach Herzenslust auf Komfort und Design achten.

In Sachen Modellvielfalt lässt sich der Hüttenschuh-Markt keinesfalls lumpen. Am gängigsten sind die eingangs erwähnten Varianten aus Filz. Die sind warm, bequem, atmungsaktiv und leicht. Aber das hatten wir bereits. Außer diesen Filzkameraden gibt es ebenfalls Hüttenschuhe aus gestrickter oder gehäkelter Wolle. Diese Exemplare erinnern ein wenig an warme Socken mit einer flachen, rutschfesten Sohle. Wahre Funktionalitätsmeister sind die Modelle aus Merinowolle. Die gibt es ebenfalls in verschiedenen Wollfilz-Ausführungen und als gestrickte oder gehäkelte Varianten. Die Funktionalität macht hierbei die natürlichen Eigenschaften der Merinowolle aus.

Neben einer tollen Isolationsleistung und einer soften Haptik, gibt’s eine natürliche Atmungsaktivität und ein top Feuchtigkeitsmanagement obendrauf. Zudem ist die Merinofaser antimikrobiell und nimmt keine schlechten Gerüche an. Geht die Tour in frostige Gefilde mit zugigen Übernachtungsmöglichkeiten oder sehnen sich eure Füße generell nach etwas mehr Wärme, dann greift ihr zu den Hüttenschuhen mit Daunenfüllung. Die sind in ihre Warmhaltekraft nicht zu überbieten. Außerdem sind sie – Achtung Wortspiel – federleicht und lassen sich hervorragend komprimieren. Manche Daunenschuhe kommen sogar direkt mit einem Packsack, mit dem sie auf ein minimales Packmaß reduziert werden können. Modelle mit Kunstfaserfüllung gibt es natürlich auch. Die haben zwar eine geringfügig niedrigere Wärmeleistung, jedoch ist das Füllmaterial gegenüber Feuchtigkeitseinfluss unempfindlich. Eine Eigenschaft die einer Daunenfüllung leider abgeht, denn ist die einmal nass, verliert sie einen Großteil ihrer Isolationskraft.

Warm, leicht und mächtig komfortabel. Ihr seht, die Dinger haben es richtig drauf! Ob nun auf Hüttentour oder beim faulenzen vor der Glotze, kalte Treter gibt’s mit denen nicht. Sie mögen zwar nicht den großen Hype einfahren, aber vielleicht bekommen sie irgendwann die Anerkennung, die sie verdienen. Für unsere Füße sind Hüttenschuhe auf jeden Fall die wahren Helden!

Seidenschlafsack vs. Seidenschlafsack

Seidenschlafsäcke vs. Baumwollschlafsäcke – Wo liegt der Unterschied?

23. März 2017
Kaufberatung

Wir kennen sie alle, die großen Grabenkämpfe dieser Welt. Batman gegen den Joker, Messi gegen Ronaldo, die Rebellen gegen das Imperium, Godzilla gegen Tokio und das wohl härteste Duell: der Baumwollschlafsack gegen den Seidenschlafsack. Okay, so hart sieht der Konkurrenzkampf unter Hüttenschlafsäcken nicht aus. Aber dennoch, auf den meisten Berghütten sind sie Pflicht und sind fester Gepäckbestandteil, wenn es auf Bergtour geht. Auch als Innenschlafsack, Sommerschlafsack oder als Schlafmöglichkeit für den Wochenendbesuch machen sie einen prima Job. Doch was macht den Unterschied zwischen den beiden Hüttenschlafsack-Gegenspielern aus? Was sind die jeweiligen Vor- und Nachteile? Oder ist es letzten Endes einfach eine reine Geschmackssache?

Gemütlich, weich, strapazierfähig, fast wie daheim – der Baumwollschlafsack

Starten wir ohne Umschweife mit den Baumwollschlafsäcken. Ein Baumwollgewebe ist strapazierfähig, zeigt sich in der Pflege angenehm unkompliziert und fühlt sich gut auf der Haut an. Ein Hüttenschlafsack aus Baumwolle kann genau in diesen Punkten überzeugen. Wer ein Schlafgefühl wie im heimischen Bettzeug sucht ist hier an der richtigen Adresse. Gleichzeitig ist das Gewebe schön belastbar. Wenn ihr nicht gerade mit angelegten Steigeisen schlaft oder den Schlafsack nahe einer Mottenzucht lagert, ist der Baumwollkamerad fast nicht kaputtzukriegen.

Gewaschen wird der Baumwollschlafsack in der Maschine. Achtet darauf, dass das nicht zu heiß geschieht und ihr kein aggressives Waschmittel verwendet. Sogar euren Lieblingsweichspüler könnt ihr mit in die Wäsche geben. Ein weiterer nicht zu verachtender Faktor ist der Preis. Einen guten Bauwollschlafsack könnt ihr bereits zwischen 15-30€ bekommen, was bei schmalen Geldbeuteln sicherlich gut ankommt.

Auf funktioneller Ebene haben Baumwollschlafsäcke auch was zu bieten. Das Baumwollgewebe ist auf natürliche Art und Weise atmungsaktiv und schafft ein angenehmes Schlafklima. Zugleich hält das Material angenehm warm. Gerade wenn ihr den Baumwollschlafsack als Inlett verwendet ist – je nach Webverfahren – ein nicht zu unterschätzender Zugewinn der Isolationsleistung möglich.

Etwas schwer ist er ja schon – die Nachteile vom Baumwollschlafsack

Aber – wie so oft – ist nicht alles Gold was glänzt. Ein Baumwollschlafsack ist vergleichsweise schwer. Mit einem Gewicht, das in der Regel zwischen 300 und 500 Gramm liegt, ist er gerade auf Touren bei denen es auf jedes Grämmchen ankommt eine zusätzliche Belastung. In Sachen Platzbedarf sind Baumwollschlafsäcke auch nicht gerade die sparsamsten. Also in etwa so, als würdet ihr euren Bettbezug in den Rucksack packen. Ein weiteres Manko: der Baumwoll-Hüttenschlafsack trocknet nicht besonders schnell. Wenn er unterwegs gereinigt werden muss oder durch Schweiß oder andere Flüssigkeiten Nässe abbekommen hat, braucht es eine ganze Weile bis ihr ihn wieder einsetzen könnt.

Temperaturregulierend, leicht, seidiger Schlafkomfort – der Seidenschlafsack

Kommen wir als nächstes zur Seide. Was im ersten Moment nach purem Luxus klingt, ist in Wahrheit ein Material, das sich hervorragend für Hüttenschlafsäcke eignet. Genauso wie die Baumwolle, ist die Seide zu 100% ein natürlicher Rohstoff, kommt aber mit ein paar Assen im Ärmel ins Spiel. Seidenschlafsäcke sind aus extrem feinen Fasern gefertigt, was für ein softes Hautgefühl sorgt – die perfekte Möglichkeit, um sich richtig schön einzukuscheln.

Bei Gewicht und Packmaß kann der Hüttenschlafsack aus Seide ebenfalls vorlegen. Besonders im Vergleich mit einem gängigen Baumwollschlafsack bringt sein seidener Kollege verschwindend wenig auf die Waage. Je nach Modell könnt ihr hier bis zu einem Viertel des Gewichts einsparen. Kompakt verschnürt und im Packbeutel verpackt nimmt der Seidenschlafsack ebenfalls angenehm wenig Rucksackplatz in Anspruch. Wenn ihr jetzt denkt, solch ein dünner und leichter Stoff taugt nichts für den rauen Outdooreinsatz, liegt ihr meilenweit daneben. Seidenfasern halten trotz ihrer feinen Struktur gehörig was aus und sind bei weitem nicht aus Zucker!

Ein weiterer Pluspunkt für den Seidenschlafsack sind seine temperaturregulierenden Eigenschaften. Bei frostig kalten Temperaturen überzeugt das Seidengewebe mit einer sehr guten Isolationsleistung. In heißen, schwülen Nächten wirkt der Stoff kühlend und schafft ein angenehmes Schlafklima anstatt zum Schwitzkasten zu mutieren. Kommt ihr doch mal ins Schwitzen, kann der Seidenschlafsack bis zu 30% seines eigenen Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne dass ihr euch fühlt, als hättet ihr euch in einen nassen Waschlappen gewickelt. Apropos nass, Seidenschlafsäcke trocknen schnell und sind ruckizucki wieder bereit für den nächsten Einsatz.

Kein Licht ohne Schatten – die Nachteile der Seidenschlafsäcke

Trotz aller Lobpreisung der Seidenschlafsäcke gibt’s auch hier einige Nachteile zu vermelden. Als erstes wäre der relativ hohe Anschaffungspreis anzuführen. Seide ist ein preisintensives Ausgangsmaterial, was sich naturgemäß zuallererst im Geldbeutel bemerkbar macht. Hochwertige Seidenschlafsäcke kosten zum Teil das drei- bis vierfache ihrer Baumwollkollegen. Nächster Malus: die Pflege. Eine Seidenfaser besteht zu einem großen Teil aus Eiweiß, dem die gängigen Waschmittel auf alkalischer Basis nicht sonderlich gut bekommen.

Sprich, ein normales Waschmittel schadet der Seidenfaser. Ebenso bekommt die Waschmaschine dem Seidenschlafsack eher schlecht als recht. Wollt ihr euren liebgewonnen, seidenen Hüttenschlafsack reinigen, macht ihr das am besten von Hand und mit einem milden, für Seide geeigneten Waschmittel. Gleichzeitig solltet ihr nicht zu grob mit dem Gewebe umgehen und bei der Handwäsche auf starkes Reiben, Kneten oder Rubbeln verzichten. Mein letzter Minuspunkt ist eher kosmetischer Natur: Seide knittert schnell und diese feinen Falten sind nur durch vorsichtiges Bügeln wieder herauszubekommen. Aber mal ehrlich, wen interessiert schon wie der Schlafsack aussieht?

Und welcher Schlafsack ist der richtige?

Jetzt, da ich beide Schlafsack-Recken mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt habe, kommen wir zum heiß erwarteten Fazit. Welcher Schlafsack ist der bessere? Wer gewinnt die epische Schlacht zwischen der Seiden- und der Baumwollfront? Die klare und einzige Antwort lautet: das kommt auf eure Bedürfnisse an!

Baumwollschlafsäcke punkten klar mit ihrem günstigen Preis, dem unkomplizierten Handling und dem „Wie-im-heimischen-Bett-Gefühl“. Gleichzeitig sind sie recht schwer und nehmen viel Platz im Rucksack ein. Seidenschlafsäcke fühlen sich prima an, sind temperaturregulierend, federleicht und sind kompakt verpackbar. Andererseits sind sie teuer und schwer zu reinigen. Keiner von beiden ist der eierlegende Wollmilch-Schlafsack.

Ist euch ein günstiger Preis wichtig und ihr könnt im Umkehrschluss mit relativ hohem Volumen und Gewicht leben? Dann ist die Baumwollvariante euer Hüttenschlafsack to go. Seid ihr bereit etwas mehr zu investieren, gleichzeitig ein leichtes, superbequemes Funktionalitätskraftpaket zu erhalten? Dann ist Seide euer Ding!
Ganz egal ob ihr euch für Team Baumwolle oder Team Seide entscheidet, beide Schlafsäcke haben ihre Vor- und Nachteile. Ihre stärkste Gemeinsamkeit ist, dass ihr in beiden bestens gebettet einschlummern könnt. Dann gute Nacht!

Kaufberatung Klettergriffe

Zieh dir mal die Finger lang – Kaufberatung Klettergriffe

4. Dezember 2017
Kaufberatung

Jeder der schon einmal in einer Kletter- oder Boulderhalle war, wird es bestätigen: Kaum hat man die Halle betreten, wird der Blick auf die bunte Farbvielfalt der Griffe gezogen. Klettergriffe in allen nur erdenklichen Farben und Formen sind ein wesentlicher Bestandteil des Trainings an künstlichen Kletterwänden. Was aber unterscheidet einen blauen Sloper von einer grünen Leiste? Woraus bestehen eigentlich Klettergriffe und wie werden sie hergestellt? Und was sollte man beachten, wenn man die heimische Kletterwand mit Griffen und Tritten bestücken möchte? Diesen und zahlreichen anderen Fragen haben wir uns einmal näher angenommen. Tauchen wir also ein in die bunte Welt der Klettergriffe…

Klettergriffe – Herstellung und Materialien

Fangen wir doch einmal ganz von vorne an. Wie werden Klettergriffe hergestellt und woraus bestehen sie?

Klettergriffe können aus den unterschiedlichsten Materialien bestehen. Neben Modellen aus Holz, die überwiegend zum Griff- und Fingertraining hergenommen werden, gibt es vereinzelt auch Modelle aus Stein. Die Mehrzahl aller Klettergriffe und –tritte besteht jedoch aus Kunststoff. Je nach Einsatzgebiet, Form und Verarbeitungstechnik kommen hier überwiegend Verbundmaterialien wie Polyurethan und Polyethylen zum Einsatz. Die genaue Materialzusammensetzung weicht jedoch von Hersteller zu Hersteller mitunter stark ab. Ein gutes Beispiel hierfür ist Wataaah. Griffe dieses Herstellers werden aus einem speziell für die Firma entwickelten Verbundwerkstoff gefertigt und bestehen zu 30% aus nachwachsenden Rohstoffen.

Vereinfacht lässt sich jedoch sagen: Klettergriffe bestehen in der Regel aus Quarzsand, Kunstharz und Farbe. Dieses Gemisch wird im flüssigen Zustand in Formen gepresst. Nach der Aushärtung werden die Griffe entnommen und sind theoretisch sofort einsatzfähig. Wer ein wenig handwerkliches Geschick und Geduld mitbringt, kann sich so mit ein bisschen Fleiß auch eigene Klettergriffe für die heimische Boulderwand basteln. Wie das geht und worauf ihr dabei achten müsst, verraten wir euch demnächst in einem Artikel zum Thema Griffherstellung im Eigenbau.

Dabei sollte man sich jedoch bewusst sein, dass in Eigenregie entworfene Klettergriffe sowohl konstruktive also auch qualitative Schwachstellen aufweisen können. Professionell hergestellte Klettergriffe hingegen unterliegen seit 2009 der DIN EN 12572. Darin sind dezidierte Sicherheitsstandards für künstliche Kletteranlagen festgelegt. Wer also auf der Suche nach Klettergriffen für die Vereinswand, den Kindergarten und die Schule ist oder auch zuhause auf Nummer sicher gehen möchte, sollte beim Kauf darauf achten, dass die Griffe nach dieser Norm produziert wurden. Außerdem gilt für Kindergärten, Schulen, Kitas und Spielplätze die EN1176. Die Marke Entres Prises fertigt entsprechende Griffe.

Klettergriffe – Formen und Eignung

Klettergriffe gibt es in unzähligen Farben, Formen und Beschaffenheiten. Im Großen und Ganzen lassen sich Klettergriffe jedoch in drei Gruppen unterscheiden: Henkel, Sloper und Leisten.

  • Henkel
    • Henkelklettergriffe gibt es in vielen Größen und Formen. Vom Minijug über den klassischen „Bierhenkel“ bis hin zu extrem großen Dachklettergriffen ist hier alles dabei. Henkel kommen in vielen Touren zum Einsatz. Besonders beliebt sind sie aber bei Einsteigern und für gemäßigte Touren im Überhang sowie in Dächern.
  • Sloper
    • Slopergriffe sind abgerundete Griffe, die kaum oder keine Kanten aufweisen. Touren mit Slopern gelten als sehr fingerschonende Klettertouren, erfordern aber auch einiges an Können und Technik. Die Kletterei an Slopern hat immer auch viel mit Beweglichkeit und Körperspannung zu tun. Gerade Anfängern und Kindern fällt diese Art der Kletterei tendenziell eher schwerer.
  • Leisten und Zangen
    • Leisten und Zangen sind Griffe, die einiges an Fingerkraft erfordern. Nicht selten werden diese Griffe aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Größe auch als zusätzliche Tritte verbaut. Durch das Klettern an Zangen und Leisten werden die Hände und Finger stark beansprucht. Gerade bei ungeübten Personen kann dies schnell zu Schmerzen und Verletzungen führen, weshalb das Training in diesem Bereich eher langsam gesteigert werden sollte.

Die Wahl der richtigen Griffe richtet sich stark nach der Art und Neigung der Wand, sowie dem Kletterkönnen der Zielgruppe. Auch persönliche Vorlieben sollten in die Wahl der Klettergriffe einfließen. Grundsätzlich lebt das Klettern jedoch auch von Abwechslung, schon aus diesem Grund empfiehlt es sich, mehrere verschiedene Griffformen miteinander zu mischen oder nach Möglichkeit Routen mit einem besonderen Charakter zu schrauben. So macht das Klettern nicht nur auf Dauer mehr Spaß, sondern auch das Training ist vielseitiger und effektiver.

Praxistipp Griffsets!

Gerade wenn man eine selber gebaute Wand neu
bestücken möchte, ist es oft schwierig, die geeigneten Griffe auszumachen. In
diesem Fall kann es sich lohnen, komplette Startersets wie beispielsweise das
Mega Pack 30 von Metolius zu erwerben. So erhält man auf einen Schlag eine
komplette Palette an Klettergriffen mit unterschiedlicher Größe und Charakter.
Darüber hinaus sind in solchen Komplettsets meist auch Schrauben und
Gewindeösen enthalten, sodass man die Griffe auch gleich an der Wand befestigen kann.

Hat man dann einmal herausgefunden, welche Griffe für die heimische Boulderwand am besten funktionieren, kann man die Wand gezielt mit den entsprechenden Griffen erweitern. Auch hier gibt es oft Griffsets mit fünf bis zehn Griffen, die jedoch alle die gleiche Farbe und auch eine ähnliche Größe haben.

Klettergriffe für Kind und Kinderzimmer

Klettern liegt voll im Trend und frei nach dem Motto „früh übt sich…“ werden die kleinen Nachwuchskletterer neben Schaukel oder Sandkasten auch mit einer kleinen Boulderwand im heimischen Kinderzimmer oder Garten ausgestattet. Dabei gibt es jedoch sowohl Indoor wie Outdoor einiges zu beachten.

Soll eine Kletterwand im Kinderzimmer oder in einem Bereich des Hauses aufgestellt werden, wo auch anderweitig gespielt und getobt wird, sollte man auf jeden Fall darauf achten, dass von der Kletterwand keine erhöhte Verletzungsgefahr ausgehen kann. Aus diesem Grund sollten hier weder scharfkantige noch spitze Griffe zum Einsatz kommen. Auch auf weit hervorstehende Griffe sollte man möglichst verzichten oder diese bei Nichtgebrauch entsprechend polstern. Beispielsweise mit einer vorgestellten Matte.

Für den Outdoorbereich ergeben sich ganz andere Anforderungen. Hier geht es in erster Linie um Wetterfestigkeit. Nicht alle Klettergriffe sind UV- und wetterbeständig. So kann es sein, dass die Griffe mit der Zeit an Struktur und Farbe verlieren. Auch bei der Verankerung muss darauf geachtet werden, dass diese wetterbeständig ist. Metallteile wie Schrauben und Gewindeösen müssen korrosionsbeständig sein. Material der Wahl ist hier definitiv Edelstahl.

Egal wo man jedoch eine Kletterwand für den Sprössling aufstellt, wichtig ist vor allem, dass die Griffe auch kindgerecht sind. Große Sloper und kleine Leisten sind für Kinder zumeist nicht geeignet. Hier empfiehlt es sich, auf mittelgroße Henkel oder spezielle Kinderklerttergriffe zurückzugreifen. Darüber hinaus gibt es oft Griffsets, die aus Tierfiguren oder Buchstaben bestehen. Diese Griffe sind auch für kleine Kinderhände gut geeignet und setzen obendrein einen optischen Akzent im Kinderzimmer.

Klettergriffe – Schrauben und Befestigungen

Die richtige Befestigung der Klettergriffe an der Kletter- bzw. Boulderwand ist ein Punkt, der stark zur Sicherheit beiträgt. Sich drehende oder gar lose Griffe können gerade an größeren Wänden zu einer nicht unerheblichen Gefahr für den Kletterer und andere Personen werden. Damit es aber erst gar nicht so weit kommt, empfiehlt es sich ein paar Dinge zu beachten.
Grundsätzlich sind Kletterwände mit Gewindeösen versehen. Diese halten von hinten an der Wand und ermöglichen das Anschrauben eines Griffes mittels einer Inbusschraube Größe M10.

Doch Schraube ist nicht gleich Schraube. Je nach Einsatzort und Griff müssen diese verschiedenen Anforderungen gerecht werden. Wie bereits erwähnt, sollten im Outdoorbereich nichtrostende Edelstahlschrauben verwendet werden. Sind verzinkte Schrauben lange Zeit der Witterung ausgesetzt, setzen diese nicht selten Rost an. Dies wiederum kann dazu führen, dass die Schraube im Gewinde regelrecht fest rostet und auch an Belastungsfähigkeit einbüßt.

Klettergriffe werden in der Regel mit Innensechskantschrauben (Inbusschrauben) an der Kletterwand befestigt. Die Schrauben verfügen dabei entweder über einen Zylinderkopf oder einen Senkkopf. Welcher Schraubentyp im jeweiligen Fall verwendet wird, richtet sich nach dem Griff, der angeschraubt werden soll. Es gibt Griffe, die speziell auf die Verwendung von Senkkopfschrauben ausgelegt sind, andere erfordern Schrauben mit Zylinderkopf. Keinesfalls sollte man Griffe mit falschen oder nicht richtig passenden Schrauben anschrauben. Gerade an der Stelle um die Schraube unterliegen Klettergriffe einer erheblichen Belastung. Wird diese durch einen falschen Schraubentyp nicht flächig oder gleichmäßig belastet, kann der Griff an dieser Stelle brechen.

Große Griffe und Volumen verfügen außerdem meist zusätzlich über kleinere Schraubenlöcher, durch die der Griff mittels Spanplattenschrauben gegen das Verdrehen gesichert werden. Da diese Schrauben direkt ins Holz der Kletterwand geschraubt werden, müssen hierzu vorab keine Gewinde gesetzt werden. Allerdings hinterlassen sie nach der Demontage des Griffs ein kleines Loch in der Wand. Zudem werden extrem kleine Tritte und Griffe zumeist nur mittels Spanplattenschrauben befestigt, da eine Gewindeschraube der Größe M10 schlicht keinen Platz im Griff finden würde.

Je nach Produkt sind Schrauben und Gewindeösen auch im Lieferumfang der Klettergriffe enthalten. Wenn man also gerade dabei ist, seine eigene Boulderwand zu bauen, kann dies ziemlich praktisch sein.

Fazit

Wer sich in der glücklichen Lage wähnt und zuhause eine Boulder- oder Kletterwand besitzt, sollte sich für die Auswahl der geeigneten Klettergriffe ein wenig Zeit nehmen. Formen, Farben und Typen gibt es im Bereich der Klettergriffe wie Sand am Meer. Ob nun eine senkrechte, geneigte oder überhängende Wand bestückt werden soll, hier ist immer was Passendes dabei. Gerade für die Erstausstattung einer Boulderwand eignen sich Griffsets besonders gut. Nicht selten werden hier auch Befestigungsmaterialien wie Schrauben und Einschlagösen mitgeliefert.

Kaufberatung Skitourenstiefel

Fuß sucht… Von der schwiergen Wahl des passenden Skitourenstiefels?

22. Februar 2017
Kaufberatung

Gerade beim Skitourengehen ist mir persönlich das Gewicht der Ausrüstung wichtig. Deshalb habe ich letztes Jahr eine sehr effektive Gewichtseinsparung an meinem Skitourenskistiefel vorgenommen: ich habe eine Schnalle entfernt. Zugegeben, nicht freiwillig. Es war eher ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass ich meine alte Ausrüstung gegen neue tauschen sollte. Der Kauf neuer Skitourenstiefel zählt für mich allerdings nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

Als sich mitten in einer wunderschönen Tiefschnee-Abfahrt mein Fangriemen mit einem Baumstumpf grüß Gott sagte und mich aus voller Fahrt aus den Ski katapultierte, dachte ich kurz, meine Skitourensaison ist sowieso gelaufen. Dabei habe ich noch einmal Glück gehabt. Und ich bin ohnehin der Meinung, dass ein guter Skifahrer sowieso auf allem herunter kommt, aber ich will in Zukunft einfacher und auch ein Stück weit sicherer abfahren.

Die Frage lautet also: werde ich für meinen breiten Spreiz-Hohlfuß überhaupt einen passenden Schuh finden? Wahrscheinlich bin ich aber auch nicht die Einzige, die keinen perfekten Fuß hat und kann so durch die gesammelten Erfahrungen auf meiner Odyssee auch anderen bei ihrer Suche behilflich sein.

Die Nadel im Heuhaufen

Was für eine riesige Auswahl an Tourenstiefeln es gibt, es wird eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Also erst einmal die gängigen Kaufberater im Internet wälzen. Ich möchte einen Schuh, der genau zu meinen Bedürfnissen passt, stehe nach einigem Lesen aber nur vor noch mehr Fragezeichen. Wahnsinn, was Schuhe heutzutage alles können, nur selbständig aufsteigen können sie wohl noch nicht. Beeindruckt durch die vielen Features starte ich gleich in die erste Anprobe und falle gewaltig auf die Schnauze.

In die meisten Modelle passe ich gar nicht hinein, ich kann meinen viel zu hohen Rist nicht um die Ecke drücken! Was hilft mir da die „tolle Handhabung“ und die „super Abfahrtsperformance“? Genauso wurscht ist mir in diesem Moment, ob die Innenschuhe zum Schnüren sind oder nicht, mit diesen Stiefeln komme ich ohnehin auf keine Hütte, um sie dort als Hausschuhe zu verwenden.

Alles bis dahin gelesene war somit für die Katz. Die tollsten Modelle fallen für mich flach, sie sind, so scheint es, für schmale Plattfüße gemacht. Stramme „Wadeln“ passen auch nicht so recht ins moderne Konzept. „Carbon statt Kondition“ kann ich mir also abschminken. Am besten gleich die Füße abschneiden… Ich versuche den ersten Fehlschlag mit Humor zu nehmen, meine Füße sind speziell und haben eben „Charakter“. Wollen wir doch mal sehen, wie weit ich mit einer auf mich zugeschnittenen Internet- Recherche komme und wie gut meine Favoriten am Ende passen.

Trockene Zahlen

Die erste wichtige Erkenntnis: Skitourenstiefel müssen vor allem passen! Alles andere ist zweitrangig. Dabei helfen leider nur trockene Zahlen weiter: Länge, Breite und Co. Aufgrund meiner Fußfehlstellung sind mir die meisten Schuhe zu eng, daher neige ich dazu, Schuhe zu groß zu kaufen. Bei einer guten Passform darf aber ruhig die echte Schuhgröße her, heißt es! Als erstes messe ich also meinen Fuß aus, altmodisch aber effektiv mit einem Blatt Papier und Stift.

Papier am Boden festkleben, den Stift gerade halten (also im 90 Grad- Winkel zum Boden) und los. Die Länge zwischen den äußersten Punkten ist eure gesuchte Skischuhgröße (Mondopoint-Größe), ggf. noch einen Zentimeter dazu rechnen: in meinem Fall 23,5cm + 1 cm= 24,5. Die Länge in Millimetern ist allerdings auch sehr hilfreich, da auch dieses Maß manchmal in den Informationen der jeweiligen Modelle steht. Man muss wissen, dass Schuhgrößen der verschiedenen Hersteller unterschiedlich ausfallen. Die Schuhgrößen sind nicht genormt!

Eine weitere wichtige Zahl ist die Breite des Fußes – sie sollte zum Stiefel passen. Es gibt Modelle mit schmalen, mittleren und breiten Leisten. Meist steht diese Information beim Kleingedruckten des jeweiligen Modells. Am wichtigsten wäre für mich die Risthöhe, aber leider gibt es hierzu keine Zahlen. In diesem Punkt muss ich darauf achten, dass sich der Stiefel ordentlich öffnen lässt, sodass man selbst mit hohem Rist gut hinein schlüpfen kann. Aussagen darüber finde ich oft in der Beschreibung. All das zusammen genommen sitze ich nach geraumer Zeit vor einer Liste von etwa 20 Skitourenstiefeln verschiedener Marken. Soweit so gut.

Aufstieg oder Abfahrt

Jetzt gilt es, diese Liste weiter einzuschränken. Dafür muss ich entscheiden, ob ich eher aufstiegs- oder abfahrtsorientiert bin… sowohl als auch, aber ich bevorzuge eher bequeme Stiefel. Für den Aufstieg sind leichte und bewegliche Modelle besser, für die Abfahrt dafür stabilere. Wobei sich Beweglichkeit und Stabilität lang nicht mehr ausschließen müssen.

Anhand der Flexibilitätswerte und dem Rotationswinkel kann man die Beweglichkeit ein wenig abschätzen. Danach geht es darum, welche Bindungen ich mit dem Schuh fahren möchte. „Bindungskompatibilität“ ist hier das Stichwort. Für meinen leichten, teuren Tourenski mit Pin-Bindung (den ich zwar noch nicht habe) möchte ich einen schönen leichten Schuh. Aber wenn schneearme Verhältnisse herrschen, wie das bei uns leider oft der Fall ist, möchte ich lieber die alten Bretter mit konventioneller Bindung verkratzen.

Und damit sind wir auch schon beim Gewicht der Skistiefel, denn meist sind die Modelle für reine Pin-Bindungen viel leichter als die klobigeren Allrounder. Auch beim Gewicht sollte man sich gut überlegen, für was der Skitourenstiefel wirklich verwendet werden soll. Will ich mit den Skitourenstiefeln auch im Fels klettern? Ein leichter Schuh ist hier natürlich klar im Vorteil, aber wie oft mache ich das tatsächlich? Sollen ab und zu auch Steigeisen angebracht werden, sollte zusätzlich geprüft werden, ob bei dem Modell nicht spezielle Steigeisen nötig sind. Am Ende wird es doch ein Kompromiss, denn die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht.

Frauen und Schuhe

Jetzt werdet ihr euch wahrscheinlich auch langsam fragen, welche Skitourenstiefel ich mir nun überhaupt angeschaut habe und welche sich für einen breiten Spreiz-Hohlfuß im Endeffekt eignen. Die Dynafit Radical und Neo sind eine gute Option, ebenso wie der Fischer Transalp TS Light. Skitourengeher mit schmalen Füßen können hingegen den Dynafit TLT6 sowie den Atomic Backland probieren.

Ich stehe hier also mit meinem Top-Kandidaten und der Moment der Wahrheit ist gekommen: ich schlüpfe in den Dynafit Neo CR WS und er passt (wie könnte es anders sein!). Ob es Druckstellen gibt, wird sich natürlich erst auf Tour zeigen. Aber selbst dafür gibt es noch eine Lösung: die äußere Plastikhülle könnte an speziellen Punkten vom Spezialisten (!) notfalls mittels Hitze noch etwas geweitet werden. Wenn ich jetzt allerdings zufrieden wäre, dann wäre ich keine Frau.

Inzwischen war ich nämlich auf der ISPO und ich kann berichten, dass für die nächste Saison sehr interessante Modelle von Dynafit, Atomic als auch Fischer Sports kommen werden, die ich mir definitiv anschauen möchte. Schließlich muss ich mich ja gar nicht auf ein Paar Skitourenstiefel beschränken – wir Frauen sind doch dafür bekannt, viele Schuhe zu besitzen. Und wer sagt, dass es Manolo Blahnik oder Gucci sein müssen…?

Teleskopstöcke. Foto: Leki

Teleskopstöcke zum Wandern und Bergsteigen

4. Dezember 2017
Ausrüstung, Kaufberatung, Tipps und Tricks

Wozu braucht man eigentlich Teleskopstöcke und welcher ist der Richtige für mich? Bergfreunde Pro-Team Mitglied Fritz Miller hat die wichtigsten Infos für Euch zusammengestellt: Mit Stöcken geht man sicherer und effizienter, im Abstieg werden die Kniegelenke entlastet. Bei Touren mit schwerem Gepäck sind Stöcke Standard, genauso wenn man mit Tourenski oder Schneeschuhen unterwegs ist. Beim Winterwandern ohne Schneeschuhe und auf Hochtouren, bei denen man auf eher flachen Gletschern geht, sind Stöcke auch sehr angenehm. Persönlich habe ich bei den klassischen Hochtouren meist einen einzelnen Stock dabei. Wer einigermaßen fit und gesund ist, sollte aber nicht ständig mit Stöcken gehen – sonst leidet wahrscheinlich das Gleichgewicht. Sommerliche Wanderungen gehen gut mal ohne, gleiches gilt für Spaziergänge in der Oberstdorfer Fußgängerzone.

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Die richtigen Outdoor-Socken finden

Von der vermeintlich leichten Wahl der richtigen Outdoor-Socke

14. September 2017
Kaufberatung

Wandersocken – was soll man da groß erzählen, fragt ihr euch vielleicht an dieser Stelle? Schaut man sich aber mal eine beliebige Herstellerbeschreibung zum neuesten High-Tech-Socken an, fällt man fast vom Glauben ab. Hunderte Materialkombinationen, dazu verschiedenste Garnstärken und innovative Produktbehandlungen machen die einst gemeine Stricksocke aus Opas Zeiten zu einem mittlerweile nicht nur im stationären Handel ziemlich beratungsintensiven Artikel. Ja, man glaubt es kaum, aber die Wahl der richtigen Outdoor-Socke wird mitunter ziemlich unterschätzt.

Was sollen Wandersocken leisten?

Die richtige Outdoor-Socken findenZunächst einmal lautet die Frage: Soll es tatsächlich ein Socken zum Wandern sein, der meist in Kombination mit knöchelhohen, leichten und atmungsaktiven Schuhen getragen wird? Oder doch eher was für die ausgewachsene Trekkingtour mit hohem Rucksackgewicht? Gar eine Winterwanderung?

Vorweg: Für all diese Einsatzbereiche gibt es inzwischen die passende Antwort. Generell gilt jedoch, dass ein idealer Socken den Fuß vor Reibung und damit vor Blasen schützt. Er bietet Dämpfung im Fersenbereich, unterstützt den Fußballen beim Abrollen und leitet Feuchtigkeit schnell nach außen weiter. Vor allem der letzte Punkt ist hier von mitunter entscheidender Bedeutung, schwitzt man doch allein über den Fuß bis zu einem viertel Liter Feuchtigkeit pro Tag aus.

Logisch also, dass die allermeisten Hersteller von Funktionssocken auf Kunstfasermaterialien setzen, deren Kernkompetenz das Weiterleiten von Schweiß ist. In Kombination mit dem passenden Gore-Tex Schuh ein ideales Gespann. Hinzu kommen verschiedenste Anteile von Elasthan (für stretchige Socken), Anteile von Merinowolle (und das längst nicht nur für den Wohlfühlfaktor) sowie Behandlungen aller Art (z.B. Polygiene) zur Vermeidung von Schweißgeruch und Co.

Das A und O beim Sockenkauf

Die richtige Outdoor-Socken findenPunkt 1: die faltenfreie Passform! Egal, was man später für eine Tour plant, der Socken – ob dick oder dünn, Kunstfaser oder Merinowolle – muss einwandfrei sitzen. Schlägt er an den Zehen oder einer anderen Stelle Falten, führt dies unweigerlich zu ungewollter Reibung oder unangenehmen Druckstellen – dem Ausgangspunkt von Blasen. Da nützt einem der beste Schuh nichts, wenn die Socke nicht passt.

Punkt 2: mit oder ohne Polsterung? Als Faustregel kann man sagen: je schwerer das Gepäck auf dem Rücken, desto besser sollte die Polsterung der Socke ausfallen. Hier gibt es verschiedenste Ausführungen – mit mehr Dämpfung im Fersenbereich, dem Mittelfuß und/oder den Zehen. Für sommerliche Tagestouren im Mittelgebirge kann man hier definitiv zum dünneren Paar mit wenig oder gar keiner Polsterung greifen. Für Trekkingtouren mit Zelt und Schlafsack sowie Wintertouren wählt man logischerweise nicht nur ein vom Stoff her dickeres Paar Socken, sondern achtet entsprechend auch auf eine, seinen persönlichen Vorlieben entsprechende Polsterung!

Punkt 3: das Material. Polyamid, Polyester, Merino, Elasthan? Hier scheiden sich die Geister. Vor- und Nachteile haben alle Materialien, der geschickte Mix macht jedoch die Musik. Polyamid etwa ist in der Regel Abriebfester als Polyester und kommt vornehmlich an besonders beanspruchten Stellen wie der Ferse bzw. an den Zehen zum Einsatz. Merino am Knöchel und im Mittelfußbereich sorgt für Komfort und Polsterung, ein Stretch-Polyester Gemisch auf dem Spann verbessert die Passform und die atmungsaktiven Eigenschaften. Hinzu kommen Einsätze, welche den Kompressionsdruck erhöhen und damit die Durchblutung fördern. So hat jeder Hersteller sein eigenes Rezept für die perfekte Outdoor-Socke!

Trivia sowie Tipps und Tricks aus der Praxis

wool_compression_socksDrei einfache Fragen auf dem Weg zur passenden Socke:

  1. Zu welcher Jahreszeit bin ich unterwegs? Danach entscheide ich, ob die Socke dünn oder dick, bzw. mit einem höheren Anteil an Schurwolle (für den Winter) ausgestattet sein soll.
  2. Welche Art von Tour habe ich vor? Eine Wandertour mit leichtem Schuhwerk? Dann empfiehlt sich ein knöchelhohes Paar mit wenig bis moderater Polsterung. Schwere Berg- oder Trekkingtour? Dann kommt ein schienbeinhohes Paar mit mehr Polsterung zum Einsatz. Skitour oder Trailrunning? Hier können sich Kompressionssocken auszahlen.
  3. Was für Schuhe trage ich? Das atmungsaktivste Paar Socken bringt mir herzlich wenig, wenn ein massiver Volllederschuh meine Füße ziert. Hier wären Socken mit einem höheren Anteil Schurwolle und Polsterung zur Reduzierung von Reibung und Druckstellen angesagt. Für atmungsaktive und leichte Gore-Tex Schuhe hingegen wähle ich eher Socken mit Coolmax, Fibretech oder ähnlichen Polyester/Polyacryl-Fasern.

Ebenso wenig darf ich mich beschweren, wenn sich die guten alten Baumwollsocken nach 800 Höhenmetern Aufstieg anfühlen wie schwere, nasse Lappen, weil der Schweiß nur so trieft. Die richtige Kombination aus Schuh und Socken macht den großen Unterschied – und hier muss jeder für sich selbst den richtigen Weg finden.

Und last but not least noch zwei Hinweise zu immer wieder gestellten Fragen: Grundsätzlich keine frisch gewaschenen Socken tragen! Das mag für so manchen Reinheitsverfechter eklig klingen, hat aber einen ernst gemeinten Hintergrund: Waschmittelreste im Gewebe der Socken können die empfindliche Fußhaut angreifen und in Kombination mit Schweiß für Reizungen sorgen. Vermeiden kann man das ganz einfach, indem man seine Wandersocken nach dem Waschen und vor der nächsten Tour einfach schon mal zu Hause ein bisschen zur Probe trägt.

Der zweite Punkt betrifft die Diskussion um das Tragen von zwei Paar Socken übereinandern. Ich möchte an dieser Stelle keine Partei ergreifen, kann jedoch aus eigener Erfahrung Vor- und Nachteile abwägen. Zu Zeiten, als es den Wehrdienst noch gab und junge Rekruten 30, 40 oder 50 Kilometer mit Gepäck marschieren mussten, wurde uns gepredigt, bei Problemen mit Blasen zwei Paar Socken zu tragen. Und siehe da, ich habe nie Probleme mit Blasen gehabt – trotz oder gerade dank zwei Paar grobmaschiger Baumwollsocken übereinander.

Privat bin ich anschließend auf Wanderungen und Bergtouren zu einem ordentlichen, modernen Paar Trekkingsocken übergegangen – und siehe da, auch das hat wunderbar funktioniert. Solange die Socke und der Schuh einwandfrei passen. Jetzt kam ich neulich doch tatsächlich in die Verlegenheit auf einer Hochtour Probleme mit Druckstellen (in den zugegebenermaßen noch relativ neuen Bergschuhen) zu bekommen. Und wer hätte es gedacht, mit dem zweiten Paar Socken waren alle Sorgen vergessen…

Egal ob ein oder zwei Paar: ein riesiges Sortiment an Socken gibt’s natürlich bei uns! Einfach hier entlang ->

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