Schlappen fürs Gelände: eine Kaufberatung zu Trailrunningschuhen

25. Juni 2020

Wer auf seiner Hausrunde nur einmal ein paar Kilometer im Park durch den Wald läuft, braucht dafür wahrscheinlich keinen besonderen Schuh. Sobald es aber von befestigten Wegen auf Wanderwege, die Hausberge vor der Türe oder gar in die Alpen geht, sollte ein gut passender Trailrunningschuh auf jeden Fall im Gepäck sein. Denn mit einem Straßenlaufschuh im Gebirge zu Laufen ist nicht nur gefährlich, es macht auch einfach überhaupt keinen Spaß. 

Man sollte ausreichend Zeit in die Auswahl des Trailrunningschuhs investieren.

Dabei sind die Anforderungen an einen Trailrunningschuh recht groß. Er soll bequem sein und gleichzeitig präzise am Fuß sitzen. Etwas Dämpfung ist sicher auch komfortabel, aber den Untergrund sollte man ja auch noch spüren können. Gleichzeitig muss er sowohl auf steinigen Wanderwegen für sicheren Halt sorgen wie auf matschigen Wiesen und nassen Wurzeln im Wald. Gar keine so leichte Aufgabe für einen Schuh. Daher wollen wir dir helfen, für das nächste Laufabenteuer im Gelände den richtigen Trailrunningschuh für dich zu finden.

Was unterscheidet einen Trailrunningschuh vom normalen Laufschuh?

Während ein Straßenlaufschuh sein Leben hauptsächlich auf Asphalt, Beton und einfachen Wegen im Park verbringt, muss der Kollege auf dem Trail doch etwas mehr abkönnen. Besonders in technischem Gelände, Geröllfeldern und bei vielen Wurzeln auf dem Trail kann es im Eifer des Gefechts schnell einmal passieren, dass man einen unachtsamen Schritt macht und sich die Zehen anstößt. Daher sind die meisten Modelle auf dem Markt mit einer robusten Zehenschutzkappe aus Gummi ausgestattet, um die Füße optimal zu schützen.

Modelle für das Laufen in besonders alpinem Gelände wie dem „Skyrunning sind oft mit abriebfesten Verstärkungen versehen, um in felsigem Gelände gegen Abrieb zu schützen. Eine sogenannte „Rockplate“ in der Zwischensohle wirkt als Durchtrittsschutz und verhindert, dass spitze Steine beim Laufen von unten auf die Fußsohle drücken oder sich in den Schuh bohren.

Der größte Unterschied ist aber die Außensohle und deren Konstruktion, aber darauf wollen wir im nächsten Abschnitt etwas genauer eingehen.

Sohle und Profil

Meistens ist die Sohle steifer als bei Laufschuhen für die Stadt. Wenn sich die Außensohle bei jedem Schritt weniger verdrehen kann, bietet sie mehr Sicherheit in anspruchsvollem Gelände. Vom Design her gibt es große Unterschiede. Manche Modelle sind mit besonders langen Stollen ausgestattet und erinnern optisch eher an einen Fußballschuh. Solche Trailrunningschuhe sind ideal für nasses Gelände wie matschige Wiesen und erreichen durch die Stollen auch bei schmierigen Verhältnissen optimalen Grip.

Auf felsigem Untergrund hingegen ist ein grobstolliges Profil eher kontraproduktiv und führt meistens zum Rumrutschen als zu sicherem Halt. Wer also viel auf blankem Fels und in gerölligem Gelände läuft, wählt lieber ein Modell mit weniger tiefem Profil.

Die Sohle des Schuhs sollte für Sicherheit im Gelände sorgen.

Größere Abstände zwischen den einzelnen Noppen sorgen dafür, dass sich das Profil selbst reinigt, indem Dreck und Matsch nicht an der Außensohle kleben bleiben.

Da die meisten Trailläufer auf einer Tour durch sehr unterschiedliches Gelände laufen müssen, kann das Profildesign der meisten Schuhe als vielseitig geeignet bezeichnet werden. Speziell designte Schuhe für alpine Touren und besonders nasses Gelände wie beim englischen Fellrunning runden das Angebot ab.

Bei der Wahl der Gummimischung kommt oftmals Vibram zum Einsatz. Die MegaGrip-Gummimischung vom italienischen Sohlenhersteller kommt aus dem Bergsportbereich, punktet mit viel Griffigkeit und nutzt sich im Gelände nicht so schnell ab. Manche Hersteller setzen aber auch auf ihre eigenen Gummimischungen.

So bietet La Sportiva zum Beispiel unterschiedliche Gummivarianten an ihren Trailschuhen an, die sich für verschiedene Einsatzzwecke eignen. Wer auf dem Weg zum Trail auch regelmäßig über Asphalt läuft, wählt am besten einen sogenannten „Door to Trail“ Schuh. Diese vielseitigen Modelle sind sowohl für das Laufen auf der Straße als auch für Trails konstruiert, funktionieren auf allen Untergründen gut und wirken einem frühzeitigen Abrieb der Stollen entgegen.

Dämpfung: Wieviel Komfort darf es sein?

Ein Großteil der Straßenläufer setzt bei jedem Laufschritt im Fersenbereich mit einer Kraft auf, die einem Vielfachen ihres eigenen Körpergewichts entspricht. Beim Laufen im Gelände sind die wirkenden Kräfte dagegen weniger einseitig. Im Vergleich zum klassischen Straßenlaufschuh sind Trailrunningschuhe im Allgemeinen etwas weniger stark gedämpft. Da der Boden im Gelände abwechslungsreicher ist als harter Asphalt, werden die Füße durch die natürlichen Untergründe zusätzlich entlastet.

Auf weichem Waldboden läuft es sich auch ohne viel Dämpfung schon sehr komfortabel, während auf steinigen Wanderwegen oder in Geröllpassagen etwas mehr Dämpfung durchaus für spürbar höheren Komfort sorgt. 

Generell sollte aber jeder Trailrunner für sich entscheiden, wieviel oder wenig es sein darf. Gerade bei längeren Strecken sowie bei anspruchsvollen Ultra-Trails in den Bergen greifen die meisten Sportler aber doch lieber auf einen Schuh mit etwas mehr Dämpfung zurück, um die Muskeln und Bänder bereits von Anfang an gezielt zu entlasten.

Die Frage des Obermateriales

Das mit dem Obermaterial der Trailrunningschuhe ist so eine Sache. Es muss zu einem atmungsaktiv sein, idealerweise Schmutz sowie Feuchtigkeit auf Abstand halten, den Fuß sicher umschließen und gleichzeitig eine gewisse Flexibilität behalten. Daher gibt es leider kein Material, welches alle diese Punkte mit Bravour erfüllen kann. Gleichzeitig steht den Schuhherstellern heutzutage eine breite Palette von funktionalen Materialien zur Verfügung. 

Wenn die Laufsocken zu viel Feuchtigkeit durch den Schweiß aufnehmen, kann dies bei manchen Läufern zur Bildung von Blasen führen. Vor allem im Sommer, bei Personen die stark schwitzen und bei hohen Temperaturen bietet sich ein Trailschuh mit besonders atmungsaktivem Außenmaterial wie Mesh-Gewebe oder Strickmaterial an. Diese Laufschuhe transportieren Feuchtigkeit besonders effizient vom Fuß nach außen hin ab und sorgen für eine zusätzliche Ventilation. 

Bei nassen Bedingungen sowie in der kälteren Jahreszeit kann hingegen ein Schuh mit einer integrierten Membran die erste Wahl sein. Viele Hersteller setzen hier auf den Marktführer Gore-Tex, manche verbauen aber auch hauseigene Membranen. Ein wasserdichter Schuh schützt zwar gegen das Eindringen von Nässe und Feuchtigkeit, ist gleichzeitig aber weniger atmungsaktiv als ein herkömmliches Modell. 

Idealerweise bietet es sich also an, zwei Paar Trailrunningschuhe im Schuhschrank zu haben. Ein atmungsaktives Modell für den Sommer und ein wasserdichtes Paar für den Herbst und Winter.

Welcher Schuh passt denn nun zu meinem Fuß?

Trailrunner haben heutzutage die Qual der Wahl, denn die meisten Hersteller von Trailrunningschuhen haben sehr viele verschiedene Modelle zur Auswahl. Kein Fuß gleicht dem anderen und nicht jeder Schuh passt für jeden Läufer. Hier gilt es vor allem die Fußstellung zu berücksichtigen. Die sogenannte Pronation ist die Drehung des Fußes nach innen, was bei jedem Laufschritt geschieht. Mit einem Schuh am Fuß ist die maximale Pronation sehr viel höher als Barfuß. Die meisten Laufschuhe erreichen durch breite Sohlen und den durch die Dämpfung erhöhten Stand eine höhere Hebelwirkung im Falle eines Umknickens.

Die Abrollbewegung ist bei jeden Schritt unterschiedlich.

Im Vergleich zu den meisten Straßenlaufschuhen sind Modelle für den Trail meist eher mit einem geringen Support ausgestattet. Durch den unebenen Untergrund ist die Abrollbewegung bei jedem Schritt leicht unterschiedlich und Ungleichheiten können besser ausgeglichen werden. Für Läufer, die einen neutralen Schuh ohne jegliche Unterstützung bevorzugen steht ebenfalls eine große Auswahl bereit.

Inzwischen bieten fast alle Hersteller auch Schuhe an, die über einem speziellen Damenleisten hergestellt werden und auf die individuellen Bedürfnisse der weiblichen Füße abgestimmt sind. Diese sind meist mit einem schlankeren Fersenbereich, etwas höherem Rist und schmaleren Schnitt im Bereich der Ballen ausgestattet.

Bei der Passform ist vor allem ein guter Fersenhalt wichtig. Es ist sehr wichtig, dass der Schuh im Knöchelbereich optimalen Halt ermöglicht. Gleichzeitig darf er aber nicht zu hoch geschnitten sein und die Bewegungsfreiheit einschränken. Ebenso sollten die Zehen genügend Platz haben, ohne vorne anzustoßen. Da es beim Trailrunning in den Bergen nach dem Erreichen des Gipfels zwangsläufig wieder nach unten geht, sollte der Fuß präzise im Schuh sitzen, ohne groß nach vorne zu rutschen. Die Folge eines unpassenden Schuhes sind Blasen an der Ferse oder den Zehen, blaue Zehennägel und schmerzende Zehengelenke. Eine optimale Schnürung sorgt für einen sicheren Sitz.

Sie sollte keine Druckstellen entstehen lassen und die Blutzirkulation im Fuß nicht einschränken. Wenn die Schnürung also bis zum Anschlag zugezogen werden muss, ist der Schuh zu klein oder passt nicht richtig. Desto mehr Ösen für die Schnürung vorhanden sind, desto besser kann der Trailrunningschuh an den eigenen Fuß angepasst werden. Einige Hersteller setzen inzwischen auf Schnellschnürsysteme, mit denen die Schnürung mit nur einem Handgriff angepasst werden kann. Manche Modelle verfügen über kleine Taschen im oberen Bereich der Zunge, um die Schnürsenkel dort verstauen zu können. So wird die Gefahr minimiert, mit den Schnürsenkeln an Wurzeln oder Ästen hängen zu bleiben.

Ein paar spezifische Informationen zu verschiedenen Herstellern

Natürlich hat jeder Hersteller seine eigenen Detaillösungen, die vielleicht am Ende doch zur Kaufentscheidung führen. Denn gut laufen kann man inzwischen mit fast allen am Markt erhältlichen Trailrunningschuhen.

  • Hoka One One überzeugt seit einigen Jahren mit einem ganz eigenen Dämpfungskonzept. Die meisten Modelle des französischen Herstellers sind im Vergleich zur Konkurrenz sehr stark gedämpft. Durch die weiche Zwischensohle aus dickem Schaumstoff wird das Laufen auf den Trails zu einer besonders komfortablen Angelegenheit. Der in manchen Schuhen verbaute Meta Rocker animiert zu einem ergonomischen Laufstil und unterstützt den Fuß in seiner natürlichen Abrollbewegung.
  • Der französische Trailrunningspezialist Salomon hat mit der S-Lab Serie eine breite Palette an unterschiedlichen Modellen im Programm, die in Kooperation mit den verschiedenen Athleten des Trailrunning-Teams entwickelt werden. Ultraleichte Wettkampfschuhe sind ebenso vertreten wie alpine Treter für technisches Gelände. Alle Laufschuhe sind mit dem praktischen Quicklace System ausgestattet. Das Schnellschnürungssystem ermöglicht eine stufenlose Anpassung der Schnürung und lässt sich mit einer Hand in Sekundenschnelle justieren.
  • Inov-8 sind die Spezialisten fürs Laufen im nassen und matschigen Gelände. Die englische Traditionsmarke überzeugt seit jeher mit besonders aggressiver Außensohle, die sich für klassische Fellraces in den britischen Fells ebenso gut eignet wie für matschige Wanderwege in den deutschen Alpen. Die Modelle sind insgesamt eher weniger gedämpft und sehr direkt. In Kombination mit dem hervorragenden Grip eine gute Wahl für technisches sowie rutschiges Gelände.
  • Der traditionsreiche Skitourenspezialist Dynafit hat auch eine breite Auswahl an Trailschuhen im Angebot. Bei den meisten Modellen merkt man auf jeden Fall, das die Marke ursprünglich aus dem Bergsport kommt – sie eignen sich ideal für alpine Touren in technischem Gelände und für anspruchsvolle Skyraces. Ein griffiges Profil mit der Megagrip Gummimischung von Vibram und die robuste Konstruktion sorgen am Berg für maximalen Tragekomfort.
  • Mit Altra werden alle Läufer glücklich, die eher breite Füße haben und mit den meisten Laufschuhen Probleme mit einer zu engen Passform haben. Die Amerikaner setzen auf einen besonders breit geschnittenen Vorfußbereich, um den Zehen ein Maximum an Platz zu bieten. Besonders im Ultrarunning Bereich erfreuen sich die Schuhe großer Beliebtheit. Zudem sind alle Modelle flach und mit 0 mm Sprengung ausgestattet.
  • Auch der deutsche Sportartikelhersteller adidas ist selbstverständlich im Trailrunningbereich vertreten. Die Modelle der „Terrex“ Serie wurden speziell für den Einsatz auf den Trails dieser Welt entwickelt und überzeugen mit komfortabler Passform. Durch die Kooperation mit dem Reifenhersteller Continental lässt der Grip der Außensohle nicht zu wünschen übrig. Einige Schuhe sind auch mit der besonders lauffreudigen Boost Zwischensohle ausgestattet, die sich auch beim Einsatz auf dem Trail bewährt hat.
  • La Sportiva ist einer der alteingesessenen Bergsportartikel-Hersteller Italiens und kann selbstverständlich auch Trailrunning! Die Schuhe sind durch die stabile Konstruktion ideal zum Laufen in alpinem Gelände geeignet und im Vergleich eher schmal geschnitten. Verschiedene Gummimischungen an den unterschiedlichen Modellen lassen keine Wünsche offen und jeder findet bestimmt ein für ihn passendes Modell.

Du hast noch weitere Fragen? Dann nur her damit!

Hoffentlich hast du mit unserer Kaufberatung bereits genügend Informationen gesammelt, um den passenden Begleiter für deinen nächsten Laufurlaub in den Bergen zu finden. Durch das große Angebot ist bestimmt der richtige Schuh für dich dabei, um zukünftig für den maximalen Spaßfaktor beim Trailrunning zu sorgen. In unserem Shop findest du eine breite Auswahl an unterschiedlichen Modellen verschiedener Hersteller. 

Falls du noch weitere Fragen hast – ab in die Kommentare damit!

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