Kaufberatung Lawinenausrüstung

Kaufberatung Lawinenausrüstung: Was muss ins Tourengepäck?

20. Februar 2018

Kategorie

Sportart

Kaufberatung Lawinenausrüstung

Neben der richtigen Lawinenausrüstung, ist bei der Lawinenrettung Zusammenarbeit gefragt

Bei der Lawinenrettung ist Zusammenarbeit gefragt. Selbst wer nur unter einer Schneeschicht von 30 cm liegt, hat kaum eine Chance, allein aus der hart gepressten Masse herauszukommen. Deshalb ist der Großteil der heute für alle winterlichen Bergsportarten obligatorischen Lawinenausrüstung für die Partnersuche bestimmt. Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät), Sonde und Schaufel sind für die Rettung der Begleiter gedacht. Auf die muss man sich wiederum voll und ganz verlassen, wenn man selbst verschüttet wird (und noch lebt). Der einzige Ausrüstungsgegenstand für die Selbstrettung ist der Lawinenrucksack.

Der enthält eine Menge Technik und kostet ungefähr so viel wie alle anderen Tools zusammen. Doch wer regelmäßig abseits der Pisten unterwegs ist, sollte dessen Anschaffung nicht scheuen, denn mit der Häufigkeit und Dauer der Touren steigt auch die Wahrscheinlichkeit, in eine Lawine zu geraten. Der rechtzeitig ausgelöste Lawinenrucksack verbessert dann die Überlebenschancen deutlich.

Neben diesen vier Standardgegenständen gibt es noch zwei eher selten gesehene Gerätschaften namens Avalung und Lawinenball. Diese Beiden können zwar nicht direkt für die Rettung dienen, schaffen aber durch mögliche Verlängerung der Atemzeit bzw. Verkürzung der Suchzeit bessere Überlebenschancen. Dazu folgt am Schluss des Artikels noch eine kurze Einschätzung.

LVS-Gerät – Suche der Verschütteten

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Das LVS-Gerät hilft bei der Suche der Verschütteten. Sie tauschen untereinander Funksignale aus, mit denen sie sich gegenseitig orten können

Das Prinzip der LVS-Geräte, auch Lawinen-Piepser genannt ist denkbar einfach: Sie tauschen untereinander Funksignale aus, mit denen sie sich gegenseitig orten können. Wenn alle Gruppenteilnehmer je ein Gerät um den Körper tragen, können die Nicht-Verschütteten die Verschütteten mithilfe der Empfängerfunktion orten. Die Geräte der Verschütteten sind automatisch im Sendemodus.

Bei den neuesten Geräten ist das mittlerweile auch tatsächlich fast so einfach, wie es in der Theorie klingt. Die meisten der früher üblichen technischen Probleme und Bedienungsschwierigkeiten sind bei den neuen Generationen ausgeräumt. Es gibt ein digitales Display, auf dem nicht nur die Entfernung, sondern per Pfeil auch die Richtung des Verschütteten angezeigt wird. Auch die Anzeige mehrerer Verschütteter gleichzeitig ist dank mehrerer (meist Dreier) Antennen kein Problem. Auch eine Markierfunktion für Mehrfachverschüttungen gehört mittlerweile zum Standard. Ist man ganz in die Nähe eines Verschütteten, unterstützt eine Suchakustik die Feinsuche.

Dennoch bedeuten all die Innovationen keineswegs, dass ein LVS-Kurs und regelmäßige Übung im Umgang mit dem Material überflüssig geworden wären! Einen detaillierten Überblick über Funktionen, Hersteller und Modelle findest du in der Kaufberatung LVS-Geräte von Bergfreundin Lisa.

Lawinensonde – Ertasten der Verschütteten

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Ist die ungefähre Lage des Verschütteten bestimmt, hilft die Lawinensonde die genaue Lage und Tiefe festzustellen

Perfekt ist auch die neueste Generation der LVS-Geräte (noch) nicht. So zeigen sie weder die genaue Lage des Verschütteten, noch die Verschüttungstiefe. Deshalb muss hier im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal nachgebohrt werden. Das dünne, zusammensteckbare Alurohr, das man dafür nimmt, ist die Lawinensonde. Da man möglichst schnell vorgehen muss und man zudem auch harte Schneeklumpen für gefühlten Widerstand sorgen, ist das nicht immer ganz so einfach wie es klingt.

Beim Kauf einer Sonde kann man im Grunde nicht allzu viel falsch machen – zumindest was  Material und Mechanismus angeht. Bei der Länge sollte man schon kurz nachdenken, denn das Gestänge soll zusammengeklappt in den Rucksack passen. Was es sonst noch rund um das Suchwerkzeug zu wissen gibt und wie genau du beim Sondieren vorgehst, erfährst du in der Kaufberatung Lawinensonden.

Lawinenschaufel – Bergung der Verschütteten

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Bei der Bergung des Verschütteten sollte man möglichst nicht von oben, sondern von der Seite auf den Verschütteten zu schaufeln

Wenn die Verschütteten gefunden sind, müssen sie so schnell wie möglich ausgegraben werden. Das lässt sich im meist harten Lawinenschnee nicht mit Skiern oder einem Snowboard bewerkstelligen. Man braucht dafür die spezielle, relativ kleine Carbon – beziehungsweise Aluminiumschaufel – die zusammengesteckt im Rucksack mitgeführt wird.

Je nachdem wie steil der Hang ist, schaufelt man möglichst nicht von oben, sondern von der Seite auf die Verschütteten zu. Man verhindert so, dass man auf den Verschütteten steht, vermindert deren Verletzungsrisiko durch die Schaufel und kann außerdem leichter schaufeln.

Beim Ausgraben gibt es, ebenso wie bei der Auswahl der Schaufel noch einiges mehr zu beachten. Kleine Unterschiede in den Größen und Formen der Details können große Wirkungen haben. Deshalb solltest du die ausführlichen Infos in der Kaufberatung Lawinenschaufeln zurate ziehen.

Lawinenball – schneller gefunden werden

Der Lawinenball ist eine Erfindung aus Österreich. Er befindet sich komprimiert am Rucksack und entfaltet sich nach dem Auslösen im Notfall blitzschnell mithilfe eines Federmechanismus. Der Ball ist über eine sechs Meter lange Sicherheitsleine mit dem in die Lawine Geratenden verbunden und bleibt während des Abgangs wie eine rote Boje auf der Oberfläche der Lawine. Ist die Lawine zum Stillstand gekommen, können die Retter die Position des Verschütteten sofort sehen und ihn durch einfachen Zug am Seil genau ausfindig machen.

Der Auslösemechanismus kommt ohne Gaspatrone oder andere Triebmittel aus und kann deshalb wiederholt benutzt werden – im Zweifelsfall auch mehrfach während einer Tour. Mit knapp einem Kilogramm Gewicht ist die Zusatzlast am Rucksack (der Ball kann an jedem gängigen Rucksack befestigt werden) für sich allein durchaus verkraftbar. In Kombination mit einem Standard LVS-Set hat man hier allerdings schon eine kräftige Zuladung – auch ohne Lawinenrucksack.

Lawinenrucksack – oben schwimmen auf der Lawine

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Ein Lawinenairbag kann die Überlebenschance erhöhen

Der Lawinenrucksack, auch Ballonrucksack genannt, bringt ebenfalls Kampfgewicht auf die Waage, mit etwa zwei Kilo wiegt das integrierte Auslöse- und Airbagsystem zusätzlich zum normalen Eigengewicht des Rucksacks. Doch wenn man bedenkt, dass man hier so etwas wie eine Lebensversicherung auf dem Rücken hat, erscheint das nicht zu viel. Andererseits – eine Überlebensgarantie ist auch das nicht, die Airbags bringen „nur“ einen sprichwörtlichen deutlichen Auftrieb und eine Verbesserung der Chancen.

Sie nutzen dabei die physikalischen Besonderheiten einer fließenden Lawine, in der die Schneebrocken quasi sortiert werden: die kleineren wandern nach unten, die größeren nach oben. Löst man rechtzeitig vor dem Erfasst werden den Rucksack aus, vergrößern die Airbags binnen Sekunden das Volumen um bis zu 170 Liter. Diese Größe verleiht Auftrieb in der Lawine und verbessert erheblich die Chance, sich am Ende der Lawine an der Oberfläche zu befinden.

Zurzeit haben sich vier verschiedene Airbag- und Auslösesysteme mit jeweils spezifischen Vor- und Nachteilen etabliert. So gibt es Varianten mit zusätzlichem Schutz für Kopf und Halswirbelsäule, abnehmbare Systeme und Modelle, die ein mehrfaches Auslösen für den Fall von Folgelawinen ermöglichen. Welcher Rucksack am besten für deine Tourenplanungen passt, kannst du in der Kaufberatung Lawinenrucksäcke nachlesen.

Avalung – mögliche Ergänzung

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Avalung soll im Notfall helfen, unter der Schneedecke länger weiteratmen zu können

Die „Lawinenlunge“ kann als Ergänzung in das Lawinenequipment eingebaut werden, sollte aber keinesfalls als Ersatz für den Lawinenairbag angesehen werden. Sie wird als Brustgurt um den Oberkörper geschnürt und soll im Notfall helfen, unter der Schneedecke länger weiteratmen zu können.

Dafür muss man allerdings das Mundstück im Moment der Verschüttung zwischen den Zähnen haben. Man muss es schaffen, den Schlauch während eines Lawinenabgangs zum Mund zu führen und das Mundstück trotz des zu erwartenden brutalen Schleudergangs dort zu behalten. Das hat in manchen Fällen tatsächlich funktioniert und Avalung hat nachweislich schon Leben gerettet. Doch es kann genauso gut auch schief gehen, man sollte sich hier keinem falschen Sicherheitsgefühl hingeben.

Fazit

Soll eine winterliche Tour in lawinengefährdetem Gelände auf verantwortliche Weise durchgezogen werden, müssen alle Teilnehmer in der Lage sein, eine schnellstmögliche Lawinenbergung durchzuführen. Dafür muss der Umgang mit dem hier genannten Equipment quasi wie im Schlaf beherrscht werden. Auf die Bergrettung sollte man sich besser nicht verlassen. Auch wenn sie in den Alpen wohl die effizienteste und schnellste weltweit sein dürfte, ist sie bei  Lawinenunglücken trotz bester Organisation und Ausrüstung nur selten schnell genug, um Verunglückte noch lebend zu bergen. Das soll keineswegs Kritik an den professionellen Retter sein, sondern ein weiteres Argument für vernünftige Tourenplanung und bestmögliche Lawinenprävention. Dies sind die ersten beiden Glieder der Sicherheitskette, die am besten nie versagen sollten. Erst dann müssen die Lawinenausrüstung und -Rettung zur Stelle sein.

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