Nie wieder ohne Luft: Kaufberatung Fahrradschläuche

13. Juni 2018

Kategorie

Sportart

Wer schon das eine oder andere Mal vor einem platten Reifen geflucht hat, weiß: ohne Luft im Reifen geht nichts mehr; gut, außer das Schieben. Verantwortlich für die Luft im Reifen ist der Fahrradschlauch von dem die meisten Fahrradfahrer allerdings nur selten Notiz nehmen – nämlich dann, wenn sie ein Loch haben und Luft verlieren. Ansonsten ist vom Fahrradschlauch in der Regel nur das Ventil zu sehen, das durch die Felge ragt. Der Schlauch selbst ist unter Mantel und Felge verborgen und leistet dort unermüdliche Schwerstarbeit und hält bei der sportlichen Performance enormen Belastungen und Temperaturunterschieden stand. Besonders wichtig ist zudem, dass er verantwortlich ist für die Anpassung von Komfort und Fahrgefühl. Der richtige Luftdruck im Reifen sorgt für Dämpfung und Grip und beeinflusst Rollwiderstand und Kurvenlage. Ziemlich vieles was der Fahrradschlauch somit leistet und deshalb ist es auch genauso wichtig, sich diesem Teil des Drahtesels einmal zu widmen.

Fahrradschläuche in verschiedenen Größen

Ein Fahrradschlauch von der Marke Schwalbe,

Klassischer geht es vermutlich nicht: ein Fahrradschlauch.

Klassische Fahrradschläuche bestehen aus dem Material Butylkautschuk. Darunter versteht man einen synthetischen Kautschuk, der eine sehr geringe Luftdurchlässigkeit hat, sehr wetterbeständig ist und seine hohe Stabilität und Elastizität bei jeglichen Temperaturen beibehält. Kurz gesagt: der Schlauch aus Kautschuk nimmt die Luft in sich auf und gibt sie in der Regel nicht mehr her – ganz egal ob beim Wintermountainbiken auf Schnee und Eis oder bei sengender Hitze auf heißem Asphalt. Neben den Schläuchen aus Butyl, gibt es auch Fahrradschläuche aus Latex. Sie sind zwar sehr leicht, aber nicht so luftdicht wie die aus Kautschuk. Deswegen müssen Latexschläuche auch öfters aufgepumpt werden.

Je nach Fahrradtyp, Felgendurchmesser, Felgenbreite und Fahrradmantel verwenden Radfahrer unterschiedlich große und breite Fahrradschläuche. Für bestimmte Einsatzbereiche sind besonders leichte und dünnwandige Schläuche gefragt. Andere Radfahrer legen sehr viel Wert auf Stabilität und wählen die Schläuche dementsprechend dickwandiger und schwerer. Zudem kommen unterschiedlichen Arten von Ventilen an den Fahrradschläuchen zum Einsatz:

  • Das Dunlopventil (DV) oder Normalventil (NV) ist für Alltagsbikes, Hollandfahrräder, Tourenbikes und Kinderfahrräder im deutschen Raum sehr weit verbreitet. Es ist für einen Maximaldruck von 6 bar ausgelegt und passt in eine Felgenbohrung mit 8,5 mm Durchmesser.
  • Das Sclaverandventil (SV) oder auch „französisches Ventil“ und „Rennradventil“ genannt, hat einen geringeren Durchmesser (Felgenbohrung 6,5 mm) und ermöglicht einen Luftdruck von maximal 15 bar. Durch den hohen möglichen Luftdruck und den damit verbundenen geringen Rollwiderstand ist das Sclaverandventil  schon lange bei Rennradfahrern beliebt. Aber auch bei den Mountainbikes ist das Ventil inzwischen weit verbreitet.
  • Das Schraderventil ist den meisten Radfahrern eher als Autoventil (AV) bekannt. Dieses war früher die Standardwahl bei den Mountainbikes. Positiv ist, dass sich Radfahrer mit diesen Ventilen kaum Sorgen um eine Luftpumpe machen müssen, denn das Rad kann an jeder Tankstelle aufgepumpt werden.

Da die Felgenbohrung je nach Ventil abweicht, müssen Radfahrer den Schlauch mit dem passenden Ventil auswählen. Ansonsten würde das Ventil gar nicht durch die Felge passen oder bei zu viel Spielraum nicht richtig in der Bohrung sitzen.

Beim Kauf von Fahrradschläuchen sind neben Gewicht und Materialstärke zunächst drei Kriterien ausschlaggebend:

  • Laufradgröße / Durchmesser der Räder: diese Werte werden in Zoll angegeben. Gängige Werte bei Mountainbikes sind 29 Zoll (29“), 27,5 Zoll (27,5“) oder 28 Zoll (28“) für Rennräder.
  • Felgenbreite / Reifenbreite: je nach Maulweite (also die innere Breite der Felge) und gewünschter Reifenbreite muss der Schlauch passend dazu gewählt werden.
  • Ventilart: diese muss zur Felgenbohrung passen.

Je nach Einsatzbereich sind die Schläuche auch für einen individuellen Maximaldruck ausgelegt. Hier unterscheiden sich Rennradreifen (die mit sehr hohem Druck gefahren werden) von Cyclocross-Reifen, Downhillreifen, Trekkingreifen oder Straßenreifen für Alltagsfahrräder. Da sich die Schläuche auch stark von den Abmessungen unterscheiden (Faustregel: Rennrad schmal, Trekkingbike mittel, Mountainbike breit), gibt es hierbei zum Glück wenig Verwechslungsgefahr. Die Maße der Fahrradschläuche sind außerdem sowohl auf der Verpackung, als auch auf den Schläuchen selbst, angegeben. Manche Schläuche werden sogar so angefertigt, dass sie für mehrere Felgendurchmesser ideal passen. Auch hier gilt, dass die entsprechenden Maße auf der Verpackung verzeichnet sind. Hochwertige Fahrradschläuche von namhaften Herstellern, wie Schwalbe, Continental oder Michelin überzeugen durch ihre hohen Qualitätsstandards und die damit verbundene Zuverlässigkeit. Bei diesen Herstellern wird jeder einzelne Schlauch auf absolute Luftdichtigkeit getestet, bevor er ausgeliefert wird.

Vor allem bei Mountainbike-Reifen gibt es seit einigen Jahren auch gut funktionierende Tubeless-Systeme. Tubeless bedeutet, dass die Hersteller komplett auf den Fahrradschlauch verzichten. Anstatt des Fahrradschlauchs, wird die Luft einfach zwischen Mantel und Felge eingeschlossen. Das schlauchlose System erfordert zwar einen höheren Montageaufwand und ist mit höheren Kosten verbunden; dafür sind Tubeless Reifen aber auch weniger anfällig für Pannen und bieten ein sehr gutes Fahrgefühl. Während die schlauchlosen Reifen schon seit geraumer Zeit bei Mountainbikern in Frankreich verbreitet sind, tendieren die Radfahrer im deutschsprachigen Raum nach wie vor zum guten alten Fahrradschlauch. Gründe dafür könnten die einfache Montage und die hohe Zuverlässigkeit sein.

Je nach Fahrrad und Einsatzbereich kommen unterschiedliche Felgen, unterschiedlicher Reifen und natürlich auch unterschiedliche Fahrradschläuche zum Einsatz. Deshalb haben wir hier eine kompakte Übersicht der verschiedenen Schläuche zusammengestellt:

Fahrradschläuche für Rennräder

Für Rennräder werden meist 28“ Schläuche verwendet. Beim Triathlon verwenden Rennradfahrer auch gerne die kleineren 26“ Schläuche. Da manche Zoll-Angaben sowohl bei den Felgen, als auch bei den Reifen abweichen können, sollten Rennradfahrer lieber vorher ihre Reifengröße exakt abmessen.

Der entscheidende Wert ist die Entfernung von Felgenbett zu Felgenbett. Das Messen und eigenständige Umrechnen in Zoll erspart so manche Überraschung beim Schlauch- und Reifenkauf. Die ebenfalls wichtige Maulweite ist in der Regel auf die Felge gedruckt. Da es in Frankreich zu den allgemeinen Abweichungen mit den Zoll-Maßen auch noch eigene Maßen gibt, empfiehlt es sich die Schläuche und Mäntel nach den ETRTO (European Tyre and Rim Technical Organisation) Angaben zu wählen. Diese werden exakt in Millimetern angegeben und machen Vergleich und Auswahl wesentlich komfortabler. Wer mit Hochprofilfelgen unterwegs ist, sollte beim Schlauchkauf zudem auf die Länge des Ventils achten. Bei Schwalbe werden diese Schläuche zum Beispiel aus „Extra Long“ oder „XX Long“ gekennzeichnet.

» Optimalen Luftdruck für Rennradreifen berechnen

Fahrradschläuche für Mountainbikes

Ein Mountainbiker fährt einen steilen Hang hinunter.

Zwischen 2,25“ und 2,35“ bewegen sich die meisten Mountainbikeschläuche.

Viele Mountainbiker sind mit 26“ Laufrädern unterwegs, aber auch 27,5“ und 29“ sind weit verbreitete Maße. Mit der entsprechenden Maulweite und Reifenbreite bewegen sich die meisten Fahrradschläuche für Mountainbikereifen bei einer Breite zwischen 2,25“ und 2,35“. Die Schläuche bieten in der Regel eine gewisse Toleranz und können mit unterschiedlichen Reifen- und Felgenkombinationen gefahren werden. Beim Einbau eines kleineren Schlauchs in eine sehr große Felge steigt allerdings die Belastung und damit auch die Pannengefahr.

Mountainbikereifen bieten mit zirka 150 g bis 200 g ein ausgewogenes Verhältnis aus Stabilität und Gewicht. Leichtere Schläuche sind zwar erhältlich, werden aber eher für Touren und Cross-County verwendet, da sie durch ihre leichte Bauweise auch anfälliger für Reifenpannen sind. Bei Downhillbikes und Endurobikes kommen dagegen besonders dicke Downhill-Schläuche zum Einsatz. Sie sind zwar extrem stabil, eignen sich mit ihrem hohen Gewicht aber nur bedingt für normale MTB-Touren.

» Optimalen Luftdruck für MTB-Reifen ermitteln

Fahrradschläuche für Trekkingräder und Tourenbikes

Hohe Zuverlässigkeit und ein angenehmes Fahrgefühl sind für Radtouren und Radreisen entscheidend. Die Reifen und Schläuche sind meistens 28“ groß und wiegen nur etwa halb so viel wie MTB-Schläuche. Neben guter Haltbarkeit und Stabilität sorgen hochwertige Trekkingschläuche für einen geringen Rollwiderstand.

Fahrradschläuche für Kinderfahrräder

Ein Kind steht an seinem Fahrrad.

Auch bei den Kinderfahrradschläuchen sollte auf eine passende Maße geachtet werden.

Je nachdem, ob es sich beim Kinderfahrrad um ein Alltagsrad, ein Mountainbike oder BMX handelt, sind die Schläuche für Kinderfahrräder mal robuster und mal etwas leichter gefertigt. Bei 10“ oder 12“ fangen die Fahrradschläuche für Kinder an und eignen sich meistens gleich für mehrere Laufradgrößen. Die Schläuche für Jugendfahrräder sind bis zu einer Größe von 24“ erhältlich – danach beginnt mit 26“ der Bereich, bei dem Jugend und Erwachsene sich bereits überschneiden.

Fahrradschläuche für E-Bikes und Fatbikes

Bei E-Bikes sind die Belastungen für Schläuche und Reifen durch die höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten größer, als bei herkömmlichen Bikes. Die Schläuche müssen daher besonders widerstandsfähig und haltbar sein. Das gilt auch vor allem für E-Bikes, die mit einer Motorunterstützung bis 50 km/h zugelassen sind. Beim Fatbike sind nicht nur die Felgen und Reifen überdimensioniert, sondern auch die Fahrradschläuche. Bei einer Felgengröße von 26“ gibt es Schläuche zwischen etwa 3,5“ und 4,8“. Natürlich sind Fatbikeschläuche schwerer, als gewöhnliche MTB-Schläuche – dafür passen sie kompromisslos zum gesamten Fatbike-Setup.

Fahrradschlauch wechseln und flicken

Immer griffbereit: mit einer Werkzeugtasche ist man für das Wechseln und Flicken der Fahrradschläuche gewappnet.

Die Reparatur von Fahrradschläuchen ist einfach und kann mit wenig Aufwand von jedem Radfahrer durchgeführt werden. Durch dieses einfache Handling ist die pro-Schlauch-Variante nach wie vor am weitesten verbreitet. Radfahrer benötigen für das Wechseln des Schlauches nur ein Reparaturset mit entsprechendem Flickzeug und ein paar Reifenheber, um den Reifen schonend von der Felge zu entfernen. Viele Reifenflicken sind selbstklebend und werden, wie ein Aufkleber, über die beschädigte Stelle geklebt. Danach ist der Fahrradschlauch in kürzester Zeit wieder einsatzbereit und kann eingebaut und aufgepumpt werden. Kleine Löcher im Schlauch lassen sich so bestens reparieren. Erst bei längeren Schnitten und Beschädigungen am Ventil hilft oft nur ein neuer Fahrradschlauch.

Fazit

Die kleine Übersicht zeigt, bei Ventil und Schlauch gibt es einiges zu beachten. Wichtig ist, dass beide Komponenten passen und das nicht nur bezogen auf ihre Größe, sondern auch auf den Einsatzbereich des Fahrrads. Habt ihr Erfahrungen mit Fahrradschläuchen, oder noch offene Fragen? – Dann lasst uns diese gerne in den Kommentaren da!

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