Tipps und Tricks

Ist der Schlafsack warm genug?

1. April 2014

Sportart

Mollig warm im Schlafsack? (Bild: xxee | REHvolution.de / photocase.com)

Mollig warm im Schlafsack?

Da ist wieder einer: am Freitag ist der nächste Brückentag und verschafft schlauen Urlaubsplanern vier freie Tage am Stück. Gute Gelegenheit mal wieder in Zelt und Schlafsack zu krabbeln und sich nach einem Kaffee aus dem Jetboil an den Fels zu schmeißen.

Um die 10 Grad soll es Nachts im Frankenjura haben. Wer beim Aufwachen als erstes den Eiger sehen möchte, muss noch ein paar Grad weniger in Kauf nehmen. Doch mit dem richtigen Schlafsack alles gar kein Problem – doch nur welcher ist für wen richtig isoliert? Warum es für die Schlafsackhersteller so schwer ist, allgemeingültige Angaben zu machen möchte ich kurz zeigen: es gibt so einige Einflussfaktoren…

Der Schlafsackkauf: viele Fragen!

Der Kauf eines Schlafsacks zählt in meinen Augen mit zu den kompliziertesten Sachen, die es so gibt. Daune oder Kunstfaser – mit ein wenig Wissen ist das noch eine vergleichsweise einfache Frage, die es zu klären gibt. Wenn man sich dann noch auf das richtige Außenmaterial (wasserfest, wasserabweisend oder Hauptsache leicht?) festgelegt, vielleicht einen Hersteller des Vertrauens gefunden (ich würde für mich hier Rab nennen…nur so am Rande) und sich für oder gegen die romantische Variante mit koppelbarem Reisverschluss entscheiden hat, kommt man dem Ziel immer näher.

Wer sich durch diesen Fragen-Jungle nicht alleine kämpfen möchte, dem sei unser Kundenservice-Team empfohlen. Am besten am Telefon oder im Live-Chat löchern Euch Hannes und seine Truppe ein wenig und bringen Erfahrungswerte mit ein.

Die Gretchenfrage: wie warm ist der Schlafsack?

Es geht gemütlicher zu als gedacht

Jascha im superwarmen Schlafsack und Portaledge

Erfahrungswerte sind vor allem bei der Auswahl der richtigen Isolierung wichtig. Denn drei Umstände machen die Auswahl der rechten Isolierungsleistung eines Schlafsacks besonders schwer:

  1. Zwar gab es Versuche die Temperaturangaben zu normieren – es scheint aber manchmal als wäre das nach hinten losgegangen: verschieden Hersteller haben unterschiedliche Maßstäbe oder geben wie Rab gar keine Komfort- und Extremwerte an.
  2. Ein individueller Test ist recht schwer. Denn selbst wenn es gestattet wäre einen Schlafsack mal eine Nacht anzutesten: das Termostat mit der ich die Temperatur im Zelt schrittweise bis auf die Schmerzgrenze runter drehen kann, habe ich noch nicht gefunden. Von Probeliegen im Laden oder heimischen Wohnzimmer erwartet vermutlich ohnehin keiner verlässliche Infos zur Wäremeleistung – es sei denn es handelt sich um einen Sommerschlafsack.
  3. Jeder Mensch ist anders: der eine wirft sein Merinoshirt noch fix aus der Daunentüte, während nebenan im selben Modell jemand überlegt ob der Kältetod zu den schmerzhaft zählt oder nicht. Noch schlimmer: ein und die selbe Person kann je nach Situation ein schwankendes Temperaturempfinden haben…

Einflussfaktoren auf Wärmeempfinden und -leistung

Um Euch beim Vergleichen und Bewerten eingesammelter Erfahrungswerte zu helfen, möchte ich einige der Einflussfaktoren auf das Temperaturempfinden und die Wärmeeigenleistung vorstellen. Gefunden habe ich diese vor allem in den Händlerinformationen von Deuter – eine insgesamt lohnenswerte Lektüre. Here we go:

Trainierte frieren weniger

Zum einen weil die Wärme produzierende Muskelmasse ausgeprägter ist. Zum anderen vor allem aber weil sich die Wärmeproduktions des Körpers verringert wenn man erschöpft ist. Ergo: durchtrainierte Sportler vertragen im selben Schlafsack ein paar Grad weniger..

Draußen im Schlafsack (Bild: Deuter)

Draußen im Schlafsack (Bild: Deuter)

Heim- oder Zeltschläfer?

Wer stets im wohl temperierten Schlafzimmer seine Nächte verbringt und Abends das Fester schließt, friert im Zweifelsfall mehr. Bergfreunde die regelmäßig im Freien schlafen sind Kälte dagegen bereits besser gewohnt und vertragen diese besser. Also besser auch im Winter mal das Fenster auf machen oder auf dem Balkon nächtigen.

Erfahrungen machen schlauer!

Verstärkt wird das noch dadurch, dass routinierte Outdoor-Schläfer die Isolationsleistung des Schlafsacks besser ausnutzen. Der Grund ist einfach: die Erfahrungen haben gelehrt wie man diesen richtig anwendet, wie man sich den Lagerplatz einrichtet und welche Kleidung für einen die richtige ist.

Männer und Frauen sind anders

Wie so oft im Leben: Männer und Frauen unterscheiden sich…auch im prozentualen Anteil der Wärme erzeugenden Muskulatur. Die Folge: die Wärmeleistung in Relations zum Körpergewicht fällt bei den Damen geringer aus als bei den Herren. Das kann schon mal 5° ausmachen. Dieser Umstand wird von einigen Herstellern jedoch bei der Kennzeichnung durch gesonderte Werte bereits berücksichtigt.

Das Alter: junge Hitzköpfe frieren weniger

Junge Leute (damit meint Deuter alle bis etwa 25 – ich bin also schon nicht mehr so jung) haben eine vergleichsweise höhere Stoffwechselrate. Als Folge generieren sie als mehr Wärme als die etwas älteren Semester – und vertragenen einen nicht ganz so gut isolierten Schlafsack damit besser.

Aber vorsicht: das sollte man nicht nach unten hin fortsetzen. Kinder nämlich haben nicht die selbe natürliche Wärmekontrolle wie dies bei Erwachsenen der Fall ist. Dazu kommt, dass sie im Verhältnis zum Körpergewicht eine sehr große, Wärme abstrahlende Hauptoberfläche haben. Dass man auf die kleinen Schlafsack-Schläfer ein Extraauge hat, ist aber ja ohnehin klar.

Reserven auf der Hüfte?

Eine Tour verbraucht Energie, die der Körper bereitstellen muss. Extrem schlanke Personen verbrennen teilweise mehr als über die Nahrung wieder aufgenommen werden kann. Kräftigere Personen hingegen können auf ihre Reserven zurückgreifen und frieren damit weniger schnell.

Dazu ein Zahlenspiel: eine Person mit 50 kg hat eine Wärmeleistung von etwa 46 W – jemand mit 80 kg immerhin 74 W. Beiden brauchen aber etwa 37° C zum Wohlfühlen und damit unterschiedlich dick isolierte Schlafsäcke.

Warm trotz Schnee vor dem Zelt? (Bild: Deuter)

Warm trotz Schnee vor dem Zelt? (Bild: Deuter)

Es kommt auf die Passform an

Es ist so selbstverständlich, dass Deuter es gar nicht mehr nannte – der Vollständigkeit halber möchte ich es dennoch nennen. Wenn der Sohn sich den Schlafsack vom Papa ausleiht und darin droht zu versinken, drohen im kalte Füße. Denn ist der Schlafsack zu groß, ist die zu erwärmende Luftblase darin ebenfalls größer und die ertragbare Temperatur ist einige Grad höher anzusiedeln. Je optimaler man also seinen Schlafsack ausfüllt, desto kälter darf es draußen werden.

Die richtige „Schlafsack-Temperatur“ gibt es nicht

Die Liste der Einflussfaktoren erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Kleidung, Luftfeuchtigkeit und so weiter haben natürlich auch noch einen gewissen Einfluss. Dennoch ist gut zu erkennen: es ist schier nicht möglich eine allgemein gültige Klassifizierung der ertragbaren bzw. angenehmen Temperatur zu machen. Zu viele Einflussfaktoren unterscheiden einem jeden von uns von einem „Norm-Menschen“. Dazu kommt, dass je nach körperlicher Tagesform (ausgepowert oder nur gefeiert?) wieder unterschieden werden müsste.

Es bleibt also dabei eigene und fremde Erfahrungswerte abzugleichen, um die Isolationsleistung eines Schlafsacks in Relation zum eigenen Temperaturempfinden zu setzen. Frei nach dem Motto: ich habe mit 500 Gramm Daune um den Nullpunkt nicht gefrohren, mein Kumpel schon. Wenn ihm jetzt mit 850 Gramm bei -8° nicht kalt war, dann müsste ich es damit doch bis -10 Grad ertragen können…. Aber Vorsicht: war er ausgepowert und welche Güte hatte die Daune…

Es bleibt also dabei: es ist nicht einfach die rechte Schlafsack-Isolierung zu finden. Wer jedoch die Einflussfaktoren auf die Wärmeleistung eines Menschen kennt, kann besser vergleichen und übertragen. Und genau dabei hoffe ich ein wenig weitergeholfen zu haben. Also: schlaft gut und stets wohl temperiert!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Alex sagte am 5. Juli 2011 um 14:07 Uhr

    Ein zusätzliches Inlay bringt größere Flexibilität, im Notfall nochmal 5°C Wärmleistung.

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