Bergfreunde

Wer oder was ist WATAAAH? Ein Interview mit den Gründern

30. März 2015

Sportart

WATAAAH! - unleash your creativity

„Die Kampfkunst und das Klettern haben viele Dinge gemeinsam“

Letztens stand ich so bei uns in der Boulderhalle und dann ergab es sich, dass ich Jonas von WATAAAH kennenlernte. Da ich die Griffe schon länger kenne (und liebe) war ich natürlich gleich daran interessiert mehr zu erfahren. Und dann stellte sich heraus, dass WATAAAH nicht nur eine junge und (noch) kleine Firma ist, sie produzieren auch vornehmlich nachhaltig und kommen gleich hier aus der Gegend.

Das schreit natürlich nach einem Interview und so habe ich den Jungs gleich noch ein paar Fragen gestellt.

 

 

Hallo Ihr Zwei, am besten Ihr stellt Euch kurz unseren Lesern vor.

Jonas und Benjamin Hartmann, Gründer der Klettermarke WATAAAH!

Jonas und Benjamin Hartmann, Gründer der Klettermarke WATAAAH! Foto: Claudia Ziegler

Hallo, wir sind die beiden Brüder Jonas und Benjamin Hartmann. Im Jahr 2012 haben wir unsere Klettermarke WATAAAH! gegründet und sind selbst begeisterte Boulderer und Sportkletterer.

Jonas Hartmann, 30 Jahre, Studium: Master of Business Administration, Dipl. Ing. Maschinenbau (FH). Während und nach meinem Studium, bevor wir unser Start-Up gegründet haben, war ich in der Automobilentwicklung tätig. Meine Leidenschaft liegt im Bouldern. Speziell im Erschließen neuer Gebiete und Boulder.

Benjamin Hartmann, 31 Jahre, Studium/Ausbildung: MSc. Product & Innovation Management, BSc. Sports Equipment Technology, Modellbauer begeisterter Sportkletterer (bis 8b/8b+) und Boulderer (8A/8A+), Routensetzer und Betreuer des Nationalteams JAPAN.

Was bedeutet eigentlich WATAAAH?

WATAAAH! - unleash your creativity

WATAAAH! – unleash your creativity. Foto: Markus Born

Wir sind beide große Bruce-Lee Fans. „WATAAAH“ ist der Kampfschrei von Bruce Lee. Außerdem finden wir, dass die Kampfkunst und das Klettern viele Dinge gemeinsam haben. Beispielsweise den Bewegungsfluss, den Kampf mit sich selbst und die Aufgabe, der man sich stellt. Deshalb auch die stilisierte/angedeutete Faust in unserem Logo, die aber auch gleichzeitig eine Art Bergpanorama darstellt.

 

Benjamin, Du betreust die japanische Nationalmannschaft. Wie kam es denn dazu?

Um ehrlich zu sein, es hat sich einfach so ergeben. Während meines Studiums in Wien lernte ich den Team-Manager des Japanischen Teams kennen und durfte Ihn auf mehreren Weltcups begleiten. Mit der Zeit übernahm ich dann immer mehr Aufgaben innerhalb des Teams. So kam mit der Zeit Eines zum Anderen.

Und wie läuft das dann ab? Fliegst Du regelmäßig rüber oder sie kommen her?

Benjamin Hartmann beim Klettergriffe-Versand

Benjamin kümmert sich neben dem Versand der Klettergriffe auch um die japanische Nationalmannschaft. Foto: Markus Born

Bis vor zwei Jahren hatten wir während der Weltcupsaison immer unser „Basecamp“ in Wien. Da war das alles noch ein bissl einfacher. Von dort aus ging es dann zu den verschiedenen europäischen Wettkämpfen. Letztes Jahr war es etwas komplizierter.

Bei den Trainings in Japan bin ich nur manchmal dabei. Jedoch gibt es immer wieder Trainings, auch oft gemeinsam mit anderen Nationalteams hier in Europa. Oder, wie letztes Jahr, ein Trainingslager des japanischen Jugendnationalteams, das ich hier in Deutschland organisiert habe. Demnächst steht die Weltcupvorbereitung mit einigen Athleten des Boulder Nationalteams hier in Deutschland an.

Und wie kommt man auf die Idee Griffe zu bauen?

Der Wunsch und das Wissen, dass es besser geht und wir etwas verändern können!

Gefühlt hängt Ihr in jeder Halle. Ihr müsstet also inzwischen recht groß sein. Wie viele Leute arbeiten bei Euch?

Den Kern bilden immer noch wir Zwei. Darüber hinaus arbeiten wir mit verschiedenen Firmen in der Region zusammen und haben auch immer wieder Leute, die wir nach Bedarf hinzuziehen können.

Und wo sind Eure Griffe inzwischen überall zu finden? Exportiert Ihr auch ins Ausland?

Mittlerweile wird in vielen Hallen in ganz Deutschland an unseren Griffen geklettert und gebouldert. Zusätzlich werden sie in vielen hochwertigen, internationalen Wettkämpfen eingesetzt wie z.B. Weltmeisterschaften, Weltcups oder dem Arco Rockmaster. Das verschafft uns internationale Aufmerksamkeit. So konnten wir unsere Griffe mittlerweile schon in 17 Ländern beziehungsweise bis nach Norwegen, Japan und Mexiko verkaufen.

Ihr habt Euch vorgenommen, besonders umweltschonend und nachhaltig zu produzieren. Ich muss gestehen, obwohl Klettergriffe aus Kunststoff sind, habe ich mir bisher wenig Gedanken über ihre Umweltverträglichkeit gemacht. Wie sieht es da in der herkömmlichen Produktion aus und was macht Ihr anders?

WATAAAH Griffe

WATAAAH! achten auf eine umweltschonende und lokale Produktion. Foto: Markus Born

Im Allgemeinen werden Griffe aus Polyester-Kunststoff in Verbindung mit Füllstoffen wie z.B. Sand oder Glasfasern hergestellt. Ein weiterer Kunststoff der immer häufiger eingesetzt wird ist Polyurethan. Beide Kunststoffe sind erdölbasierend. Das wollen wir ändern. So haben wir von Beginn an unseren eigenen Polyurethan-Kunststoff entwickelt. Dieser basiert in einem ersten Schritt zu mehr als 30% auf nachwachsenden Rohstoffen und ist zusätzlich recycelbar, da wir keine zusätzlichen Füllstoffe verwenden.

Generell ist es uns sehr wichtig, dass unsere Produkte möglichst langlebig sind und umweltschonend hergestellt werden. So stammt beispielsweise das Holz für unsere Bürsten oder unser Trainingsbier aus der nachhaltigen, lokalen Holzwirtschaft (FSC zertifiziert) und auch die Produktion findet selbstverständlich lokal hier statt.

Unser Ziel ist es immer die Transportwege gering zu halten und dabei schnell und flexibel zu sein.

Unterscheiden sich eigentlich die Trends im Ausland von denen bei uns oder klettert und bouldert man international an ähnlichen Bouldern?

Früher war es noch öfters so, dass in Europa die technischen Boulderer gefragt waren, in den USA die athletischen und in Russland und Japan eher die fingerkräftigen. Mittlerweile hat sich der Style etwas angepasst und sich sozusagen ein Boulder Weltcup Style entwickelt hat. Dazu beigetragen hat sicher auch die vermehrte Verwendung von großen Holzvolumen die den Routensetzern die Möglichkeit geben Boulder zu schrauben bei denen es sehr auf Bewegung, Beweglichkeit und Körpergefühl ankommt. Und nicht zuletzt sollen die Boulder, gerade auch in den Finals der großen Wettkämpfe, spektakulär sein und das Publikum mitreißen.

In den letzten Jahren wurden die Griffe (Gott sei Dank) immer fingerschonender was Form und Oberfläche anging. Außerdem lassen die internationalen Wettkämpfe erahnen, dass man weg kommt von kleinen Leisten und der Trend sich zu technischer Volumenkletterei oder dynamischen Spring- und Hüpf-Bouldern entwickelt. Was ist Eure Prognose? Was werden wir in Zukunft, gerade beim Bouldern, mehr sehen und was weniger?

Jonas Hartmann mit einem Kurt

„Auf in den Kampf gegen die Schwerkraft!“ Foto: Markus Born

Dies ist eine sehr interessante Frage! Wie gerade beschrieben lässt sich dieser Trend erkennen. Es werden auch immer mehr Ideen und Einflüsse aus Artverwandten Sportarten, wie z.B. dem Parcour übernommen. Das Bouldern an Kunstwänden und Kunstgriffen bietet Möglichkeiten die über das hinausgehen was man beim Bouldern draußen in der Natur vorfindet. Im Moment entwickelt sich der Style des Wettkampfkletterns , vor allem im Bouldern, immer mehr weg vom klassischen Style des Draußen-Boulderns.

Das Schöne am Bouldern ist jedoch das es so vielfältig ist. Wir hoffen dass diese Vielfalt auch weiterhin erhalten bleibt und es, auch auf internationaler Ebene, immer wieder Boulder geben wird bei denen Finger- und Körperkraft belohnt wird. Es wäre schade wenn schlussendlich nur noch publikumswirksame Showboulder abgefragt würden.

Ein guter Boulderer sollte sowohl physisch, technisch/ taktisch als auch mental stark sein, und dies in den verschiedensten Situationen und Bouldern unter Beweis stellen dürfen.

„Auf in den Kampf gegen die Schwerkraft!“ WATAAAH!

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