Bergfreunde

Interview mit Sebastian Schwertner

16. November 2015

Sportart

Sebastian Schwertner klettert

Sebastian Schwertner

Sebastian Schwertner ist seit 1983 aktiver Kletterer im Frankenjura und anderen Regionen. Der gebürtige Heidelberger und Wahlfranke ist Autor der vielgeachteten Kletterführer „Frankenjura Band 1“, „Frankenjura Band 2“ sowie des „Frankenjura EXTREME“.

Im Zuge des Blog-Beitrags über die Neuauflage des Topoführers „Frankenjura Band 1“ habe ich Sebastian schon kurz vorgestellt. Es freut mich, dass er ohne Umschweife einem kleinen Interview für das Basislager zugesagt hat. Und so erfahren wir, wie er neue Felsen für seine Werke ausfindig macht, wie er Topos im Internet findet und warum er ein stabiles Fahrrad braucht.

Bergfreunde.de: Sebastian, schön, dass Du Dir Zeit nimmst einige Fragen für uns Bergfreunde zu beantworten. Zum ersten Kennenlernen: zwei knackige Sätze zu Deiner Person…

Sebastian: Ich bin leidenschaftlicher Kletterer und bin in meiner Freizeit am liebsten zusammen mit meiner Freundin draußen am Fels. Wenn es mich nicht an die großen und kleinen Felsen zieht, bin ich mit dem Reiserad in den Wüsten und Hochgebirgen der Welt unterwegs.

Wie kommt man als Heidelberger darauf Autor eines Kletterführers für das Frankenjura zu werden?

Den Zivildienst konnte ich in Freiburg oder Nürnberg machen. Nach je zwei Testwochen im Basler Jura und Frankenjura war die Frage schnell geklärt (lacht). Nach dem Zivildienst habe ich das Geographie Studium in Erlangen begonnen. Neben der Diplomarbeit hatte ich Zeit ein paar Topos von neuen Felsen für Freunde zu machen. Die habe ich Achim Pasold von Panico gezeigt und so gab sich eins zum anderen.

Wie entdeckst Du die neuen Felsen und Routen, die in den Führer mit aufgenommen werden?

Die Fränkische ist meine Heimat, hier bin ich dreimal die Woche bei jedem Wetter draußen unterwegs, so kenne ich viele Felsen, lange bevor jemand anfängt dort zu bohren. Inzwischen kenne ich auch viele Erschließer, die mich mit Infos versorgen.

Kletterführer Frankenjura (Band 1)

Kannst Du zählen oder zumindest schätzen, wie viele Stunden Arbeit im Kletterführer „Frankenjura Band 2“ stecken?

Viel zu viele (lacht). An der ersten Auflage habe ich sicher 1,5 Jahre gezeichnet. Die Neuauflagen gehen natürlich schneller. Aber in der 7. Auflage vom Band 2 die im Juni 2010 erscheinen soll, sind 30 neue Felsen enthalten. Die müssen alle abgelaufen, gezeichnet und dann das fertige Topo nochmal vor Ort überprüft werden.

Im Internet gibt es immer mehr Routendatenbanken – eine Konkurrenz, die über kurz oder lang den gedruckten Kletterführern die Existenz nimmt?

Das dachte ich anfangs auch. Wer nur ein- oder zweimal zum Klettern geht, dem reichen kopierte Topos aus dem Netz. Aber die meisten, die sich länger damit beschäftigen, merken schon irgendwann, dass ein gebundenes Buch im Gelände deutlich praktischer ist und mehr Infos bietet. Von daher sehe ich die Routendatenbanken als Ergänzung, nicht als Konkurrenz.

Was könnte Dich dazu bewegen einen Fels nicht in Deinen Kletterführer aufzunehmen? Gab es das schon?

Natürlich gibt es das. Auch in der Fränkischen müssen wir Kletterführerautoren Kompromisse eingehen. Vor allem wenn es auf Veranlassung der Grundstücksbesitzer, der Jagdpächter oder der Naturschutzbehörden geschieht. Da gibt es schonmal heftige Diskussionen um eine Veröffentlichung. Aber auf die Arbeit der IG-Klettern vor Ort kann man sich verlassen, so dass nur ein ganz kleiner Teil der über 1000 Felsen nicht veröffentlicht werden dürfen.

Was bedeutet Klettern für Dich?

Für mich ist das Klettern die ideale Freizeitbeschäftigung, die mich hoffentlich noch viele Jahre sportlich und intellektuell fordert. Das Schöne am Klettern ist die Vielseitigkeit: überall auf der Welt wird es von den verschiedensten Menschen mit völlig unterschiedlichem Hintergrund betrieben. Ich habe durch das Klettern soviele neue Menschen und Freunde kennengelernt, weite Reisen unternommen und die verrücktesten Sachen erlebt. Klettern ist für mich so viel mehr als nur das Anreißen an kleinen Griffen oder das Abknipsen des nächsten Projekts.

Gibt es neben dem Klettern und dem Verfassen von Kletterführern noch weitere Hobbys oder Leidenschaften?

Mein Traum ist es, mit dem Fahrrad um die Welt zu fahren und unterwegs in den schönsten Klettergebieten der Welt solange Station zu machen, bis es uns weiterzieht.

Wir bedanken uns bei Sebastian Schwertner für das Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg und Spaß bei der Arbeit für die Kletterführer. Wir jedenfalls sind gespannt, wann wir den „Frankenjura Band 2“ in Händen halten dürfen.

Für alle, die dieses Interview spannend fanden, kann ich versprechen, dass wir küftig weitere Interviews anbieten werden. Aber warum sollte da nur immer ich fragen…? In Kürze gibt es im Basislager weitere Infos zu den weiteren Interview-Plänen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. […] Interview mit Sebastian Schwertner sollte nur der Anfang gewesen sein. Hier im Basislager werden weitere Interviews mit Leuten aus der […]

Andere Bergfreunde freuen sich auf deinen Kommentar

€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.