Bergfreunde

Interview mit Charlotte Gild

1. Dezember 2014

Sportart

Charlotte Gild

Charlotte Gild

Charlotte Gild war von 2011 bis 2013 Mitglied des Expeditions-Kaders des DAV und ist Mitglied im Mountain Equipment Pro Team. Nach ihrer Zeit im Exped-Kader hat sie ihr Diplom in Geografie gemacht und wollte eigentlich nach einem Job Ausschau halten. Das hat sich aber geändert, denn sie hängt doch noch erst den Doktor in Geografie hinten dran. Allerdings wird dieses Jahr auch recht viel Skifahren mit dabei sein, da sie im Februar Skitechnik-Prüfung in der Bergführerausbildung hat.

Wir hatten die Gelegenheit, mit Charlotte ein Interview zu führen und ihr ein paar Fragen zu ihrem Sport, ihrem Lieblingsessen und die Unterschiede zwischen Synthetik und Daune zu stellen.

Hallo Charlotte, vielen Dank, dass wir Dich interviewen dürfen. Bei uns gibt es die Tradition, dass man sich erst mal mit drei Sätzen selbst beschreibt. Also los, was sollten unsere Kunden über Dich wissen?

Unterwegs an der Nose

Unterwegs an der Nose

Ich komme ursprünglich aus Würzburg, bin dann in einem 3 jährigen Umweg über Köln schließlich nach Innsbruck gelangt. In diesem Paradies für junge, ambitionierte Alpinisten lebe ich sehr glücklich seit 6 Jahren. 2011-2013 war ich Mitglied im Frauenteam des DAV Exped-Kaders. Im Anschluss daran habe ich diesen Sommer mit der Bergführerausbildung begonnen und seit kurzem befinde ich mich nun im Doktorat Geographie. Neben Uni und Bergsteigen ist mir natürlich wichtig, viel gemeinsame Zeit mit meinen wirklich sehr guten Freunden hier zu verbringen, ob am Berg oder bei der allwöchentlichen Montagessensrunde.

Ein paar schnelle Fragen zum warm werden:

Was muss ein Tourenpartner für Charaktereigenschaften haben, damit Du zwei mal mit ihm/ihr auf Tour gehst?

Man muss sich auf ihn verlassen und Spass mit ihm haben können. Ich mag es überhaupt nicht wenn das alles zu ernst genommen wird, was natürlich nicht heißt, dass man Gefahren unterschätzen sollte.

Bei welchen ist nach der ersten Tour Schluss?

Wenn man sich nicht auf ihn verlassen kann und alles bierernst ist ;-)

Lieblingsessen auf Tour?

Vesper im Yosemite

Vesper im Yosemite

Ich bin von dem ganzen Riegelzeug wieder weggekommen und habe am liebsten ein Vinschgerl (Anm.d.R.: kleine Fladenbrötchen aus Roggen-Weizen-Sauerteig) und Speck dabei. Wenn man in einer langen Wand mal light and fast unterwegs sein muss bin ich inzwischen auf Gels umgestiegen.

Lieblingsessen, was es am ersten Abend wieder zuhause geben muss?

Echt Fränkisch :-): Tatar gebacken mit allem (= Bratkartoffeln & Salat) oder Bratwürste in Blausud (= blaue Zipfel ;-))

Was fehlt Dir am meisten, wenn Du lange unterwegs bist?

Oben genanntes und mein Freund Dario, wenn er nicht sowieso dabei ist

Wie viele Freunde hast Du, die nicht klettern?

Daheim in Würzburg habe ich natürlich ganz viele Freunde, die nicht klettern und wir haben trotzdem genug Themen über die wir uns unterhalten können. Hier in Innsbruck wird es fast schwierig überhaupt Freunde zu finden, die nicht in irgendeiner Weise Bergsport betreiben, sei es Biken, Paragleiten, Klettern, Skifahren etc.. Natürlich lebt es nicht jeder gleich intensiv aus, aber das macht mir persönlich überhaupt nichts. Und ja klar, ich habe ganz viele Freunde, die auch sehr gerne und sehr oft klettern gehen.

Das beste Gebiet für:

Alpines Klettern: für mich Dolomiten und Chamonix (in Europa), gerade war ich noch in Nord Wales, das war auch super.

Eisklettern: Dolomiten, Kandersteg, Dauphiné

Bouldern: ich gehe ganz selten draußen bouldern, keine Ahnung, aber ich glaube Fontainebleau (in Europa)

Rodeln: war ich nur als Kind daheim hinterm Haus und einmal nachts an der Serles

Ich würde gerne Deinen Erfahrungsschatz etwas anzapfen: Daune oder Synthetik? Was magst Du lieber bzw. wann eignet sich was am besten?

Damenjäckchen?

Damenjäckchen?

Hm naja, das kommt natürlich ganz auf die Bedingungen drauf an: Für kalt und trocken ist Daune am besten, für nass und nicht zu kalt würde ich Primaloft wählen. Allerdings gibt es inzwischen von Mountain Equipment auch ganz viele extrem warme Primaloft Jacken, wie z.B. für Männer die Citadel Jacket….ich glaube weil es bei denen oben in Großbritannien im Winter einfach immer nass und kalt ist ;-). Ich persönlich habe für Klettertouren im Winter immer meine Sigma Daunenjacke dabei. Die ist die optimale Kombination aus leicht und warm. Für Skitouren, wo die Abfahrt sowieso nicht so lange dauert, man meistens in Bewegung ist und eher leicht am Weg sein möchte, nehme ich eine Kunstfaserjacke mit.

Gilt das nur für Kleidung oder auch für Schlafsäcke? Was bevorzugst Du zum Schlafen und warum?

Ja, das gleiche Prinzip gilt natürlich auch für Schlafsäcke. Ich selber habe nur Schlafsäcke aus Daune, aber wenn es sehr feucht ist oder sogar einmal regnen kann, wäre Synthetik sicher die bessere Wahl. Für mehrtägige Technotouren am El Cap wird vom Rescue Team im Park sogar eigentlich ein Synthetik Schlafsack vorgeschrieben, da die Daune, wenn sie einmal nass geworden ist, keine Wärme mehr speichern kann. Inzwischen gibt es von ME  die Matrix Serie, eine Kombination aus oben Daune und unten Primaloft. Ich selber habe das noch nicht ausprobiert, könnte aber natürlich eine gute Lösung sein, wenn es von unten etwas feucht ist und man oben trotzdem die Wärme braucht….aber da fragt ihr besser das Team von ME.

Hand aufs Herz, bringt imprägnierte Daune wirklich etwas? Konntest Du bei Deinen Touren einen Unterschied feststellen?

Wenn Du damit das Drilite Außenmaterial meinst, bringt das meiner Meinung nach schon etwas. Ein bisschen Tau oder Feuchtigkeit bildet sich immer auf dem Schlafsack wenn man in einer Wand – ob Fels oder Eis – in einer Schneehöhle, oder auch einfach im Gras schläft…. ganz besonders wenn man mal zusätzlich noch in einen Biwaksack hineinschlüpfen muss. Hier finde ich das wasserabweisende Außenmaterial sehr angenehm. Genauso auch bei Daunenjacken, z.B. beim Eisklettern tropft es doch fast immer mal mehr mal weniger von oben. Wenn es dann nicht sofort ganz durch auf die Daune geht finde ich das super.

Wann braucht es wie viel Daune? Wie dick sind die Jacken, die Du verwendest?

Warm dank Jacke und Aktivität

Warm dank Jacke und Aktivitä

Hmmm…ich weiss nicht ob ich hier der richtige Ansprechpartner bin. Ich bin ziemlich verfroren und für mich kann es eigentlich gar nicht zu warm werden. Aber natürlich muss trotzdem das Gewicht stimmen. Für die meisten Touren im Winter bei uns in den Alpen habe ich die Sigma Daunenjacke, die nur 570g wiegt dabei. Auf Expedition im Garhwal Himalaya hatte ich aber z.B. die K7 Jacket dabei, die mit 785g für eine Expeditionsjacke auch sehr leicht, aber trotzdem megawarm ist. In der habe ich noch nie gefroren.

Wie packst Du in Hinsicht auf die unterschiedlichen Schichten für eine Tour? Was kombinierst Du am liebsten mit was? Oder hast Du einfach zwei Lieblingsjacken, die für alles gehen, deshalb nimmst du sie mit?

Jetzt im Winter habe ich eigentlich immer ein Longsleeve (das gleiche noch zum Wechseln nach dem Aufstieg), einen Fleece, z.B. sehr gerne die Hispar  Jacket (extrem warm und leicht) und eine Gore-Tex Hardshelljacke  an. Für Skitour nehme ich stattdessen auch gerne die leichtere Firefox Jacket. Dann jeweils immer noch eine Daune oder Primaloft im Rucksack. Und lange Unterhosen gibt’s natürlich nur im Eis ;-).

Dann bleibt mir jetzt nur noch Danke zu sagen und wünsche viel Erfolg für Dein Doktorat!

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