Ein So iLL Kletterschuh.

Interview mit Daniel, dem Gründer von So iLL

13. März 2018

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Wem Kletterschuhe zu sehr nach Kletterschuhn aussehen oder das Campusboard an der Wand einfach zu unspektakulär erscheint, der sollte sich mal bei So iLL umschauen. Danach realisiert man, dass die eigenen Kletterstyles, die eigentlich als ziemlich cool und lässig empfunden wurden, gar nicht mehr so wild und frech wirken, sondern irgendwie ziemlich brav und unauffällig.

Vergleicht man beispielsweise das Crimp Reaper Campusboard, das mit einem Totenkopf daher kommt, mit den herkömmlichen hölzernen und schlichten Varianten, dann wird schnell klar wie hier der Hase läuft. Wen überraschen da noch Gold, Pink oder Blau glänzende Kletterschühchen? Bei So iLL zumindest niemanden mehr.

Uns hauen die gewagten Teile schon irgendwie um, weshalb wir uns gefragt haben, wer wohl verrückt, mutig und ambitioniert genug ist um so etwas umzusetzen. Daher wollten wir unbedingt mehr über So iLL und den Gründer Daniel Chancellor erfahren und haben ihn um ein Interview gebeten.

Hallo Daniel, bevor wir dich mit Fragen über So iLL und eure tollen Produkte löchern, würden wir dich gerne etwas besser kennenlernen. Erzähl doch mal in ein, zwei Sätzen etwas über dich. Was treibst du so in deiner Freizeit? Was sind deine Lieblings Boulder/Kletterspots? Und mit was bekommt man dich morgens aus dem Bett?

Es ist wirklich eine Ehre für mich von euch interviewt zu werden. Ich bin doch immer wieder überrascht wie viele Menschen aus aller Welt sich für unsere kleine Marke interessieren. Für mich ist es etwas Besonderes mir dafür Zeit zu nehmen, weshalb ich eure Fragen so gut ich kann beantworten werde.

Daniel ist der Chef von So iLL

Daniel packt selbst gerne mit an!

Ich bin jetzt 35 Jahre alt, aber die Idee für die Marke entwickelte sich bereits sehr früh auf dem College. Während dieser Zeit haben wir (mein Bruder und ich) Klettergriffe auf der Veranda unseres Miethauses gegossen. Ich verkaufte mein altes Auto, um die erste Lieferung an Formen zu bezahlen und fuhr anschließend überall mit dem Fahrrad hin, wenn ich irgendwo hin musste.

Auf unserem College (in Southern Illinois) wurde „So iLL“ eigentlich geboren. Wir entwickelten Kletterflächen mit dem einzigartigen Sandstein und waren total fasziniert, Klettergriffe zu kreieren. Aber ehrlich gesagt hatten wir überhaupt keine Ahnung, was wir da eigentlich fabrizierten. Ich wusste einfach nichts über das Geschäft. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich nur eine Sache: Einzigartige Produkte für Kletterer designen. Es ging mir nicht um das Geld oder darum eine Marke zu schaffen, es ging nur darum, die bestmögliche Ausrüstung herzustellen. Irgendwie witzig, dass sich selbst zwölf Jahre später nichts an dieser Tatsache geändert hat. Ich möchte coole Sachen für Leute machen, Punkt.

Ein goldener Kletterschuh von So iLL.

Ein Hang zum auffälligen Design: Der 2020 Gold!

Das anfängliche Produktsortiment, das hauptsächlich aus Trainingszubehör wie Klettergriffen bestand, hat sich weiterentwickelt und neue modischere Dinge, wie Kleidung und Schuhe sind dazu gekommen. Wir treffen mit Sicherheit nicht jeden Geschmack, aber die Kletterer die sich mit uns verbinden werden ein Stück Familie. Wir bringen zwei Mal jährlich neue Kollektionen auf den Markt, um unsere Anhänger modetechnisch auf dem neuesten Stand zu halten – dabei steht die Funktionsfähigkeit natürlich immer an erster Stelle.

Zurzeit klettere ich hauptsächlich in der Halle, da die meiste Zeit für Reisen zu Veranstaltungen, Messen, Fabrikbesuche und Design-Meetings drauf geht. Ich habe bei So iLL die Rolle eines Managers – ich verantworte das Marketing und das Produktdesign mit unserem Team hier. Da beginnt man schon mal die guten, alte College-Tage zu vermissen – jeden Tag nach der Vorlesung klettern und dann die ganzen schlaflose Nächte, die wir damit verbracht haben zu lernen wie man eine Website baut und Klettergriffe herstellt. Zu dieser Zeit habe ich noch gar nicht begriffen, wie großartig das alles eigentlich war.

Persönlich bin ich darauf fixiert, Dinge zum Leben zu erwecken, besonders wenn sie schwierig sind oder unmöglich scheinen. Kein Unternehmen unserer Größe könnte jemals eine Schuhmarke gründen, aber dadurch dass wir Dinge anderes angehen, ist es uns gelungen. Wir haben eine Crowd-Sourcing-Kampagne gestartet, um die Kollektion und Formen für unsere Kletterschuhe finanzieren zu können. Der Prozess dauerte drei Jahre. Es wäre nur ein Jahr gewesen, wenn wir Investoren oder Geld zur Unterstützung gehabt hätten. Wir machen noch viel selbst, auf eine besondere Art und Weise, die das Gegenteil dessen ist, was die Leute oftmals erwarten. Das ist es, was mich antreibt. Von Produktentwicklung, Verkauf, Lieferung, Ideen für den Vertrieb bis hin zum Design unserer Kletterhalle in Saint Louis (Climb So iLL). Alles muss neu und einzigartig sein oder wir werden es nicht tun.

 

 

Vor zwölf Jahren gelang euch der große Durchbruch. Wie war dieser Moment für dich, wenn du dich daran zurück erinnerst?

Ich war gerade auf dem Weg zur College-Bücherei und habe direkt ein Notizbuch nach dem anderen gefüllt mit ganz vielen Ideen und Dingen, die nicht mehr aus meinem Kopf gingen – ich wünschte ich hätte sie aufgehoben. Ich bin sicher, dass es alles Müll war aber es ist dennoch wichtig festzuhalten, dass da eine Flamme war und jede Menge Inspiration. Über die Jahre haben wir Benzin ins Feuer gegossen. Viele mal habe ich gedacht, dass das Feuer ausgehen würde, weil wir alles selbst finanzieren mussten. Aber wir haben einfach weitergemacht. Ich bin mehr und mehr begeistert von der Marke und über das was wir jeden Tag leisten.

Die ersten drei Jahre arbeiteten wir noch von unserem Keller aus und packten dort sogar die Bestellungen ein. Vor zwei Jahren zogen wir dann in eine 1.000 Quadratmeter große Loft-Wohnung für Büroflächen um. Zu dieser Zeit waren wir zu zehnt, alles meine Freunde. Im letzten Jahr sind wir in größere Büroräume und Lagerräume umgezogen, aber es ist immer noch sehr bescheiden. Es war mein Ziel, in der Lage zu sein, meine Freunde zu beschäftigen und mit Menschen zu arbeiten, mit denen ich gerne jeden Tag zusammen bin. Bis jetzt funktioniert es.

Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag bei dir denn so aus?

Ich steh früh auf, früher als alle anderen, so habe ich paar Stunden Zeit, um ein paar Dinge aufzuholen und wichtige Entscheidungen zu treffen. Während der Woche treffe ich mich mit jedem einzelnen Angestellten für mehrere Stunden. Das sind meine Freunde und entscheidend für den Erfolg. Ich arbeite eng mit Produktdesign, mit unseren Fotografen und Video-Jungs, Kundendienst, Logistik und der Lagermannschaft zusammen. Wir haben keine Hierarchien. Jeder respektiert und genießt das und spricht direkt mit mir, wenn sie etwas brauchen. Ich werde nie um neun Uhr auf den Parkplatz stehen, um sicherzustellen, dass jedes Auto pünktlich da ist. Ich vertraue allen und erwarte das Beste.

Ich verbringe viel Zeit mit der Produktentwicklung und der Kommunikation mit unseren Herstellern. Ich reise oft und baue Beziehungen zu unseren Lieferanten auf, erkläre unsere Marke und was wir für die Kletterer tun wollen. Sobald sie die Marke und die Kultur, die wir geschaffen haben, verstehen, können sie ihr Bestes für uns tun.

Ein Kletterer an einer Kletterwand.

Eine der Kletterwände von So iLL.

Ich verbringe auch viel Zeit damit mit der gemeinnützigen Organisation OneClimb zusammenzuarbeiten. Kevin Jorgeson und ich haben gemeinsam Kletterwände für Kinder in der Nachbarschaft gebaut, die normalerweise nicht die Möglichkeit dazu haben zu klettern. Wir unterstützen auch den Bau von Kletterwänden bei Boys and Girls Clubs of America. Zurzeit arbeiten wir an einer Wand in Los Angeles, Kalifornien.

Eure Produkte heben sich von der Masse ab. Jedes Stück ist ein Kunstwerk für sich. Woher nimmst du die Inspiration? Und wie kam es überhaupt zu der Namensgebung?

Danke! Was für ein tolles Kompliment. Allerdings bekommt ihr immer nur die guten Sachen zu Gesicht. Ihr solltet mal die ganzen schlechten Ideen sehen, die sich so in unserem Büro sammeln. In unsere Produktion schaffen es letzten Endes jedoch nur die besten Produkte, und da wir ein kleines Unternehmen sind, können wir jede Saison nur gewisse Linien umsetzen.

Der Name So iLL ist die Abkürzung für Southern Illinois. Hier habe ich die meiste Zeit mit klettern verbracht und bin aufs College gegangen.

Was war das erste Produkt, das du entworfen hast – war es vom Design ähnlich wie deine heutigen Produkte?

Eine Ausführung der So iLL Klettergriffe.

Die Spheroid Klettergriffe.

Das erste Produkt, das wir entworfen haben war ein Klettergriff. Ich habe ihn immer noch in meinem Büro. Manchmal bin ich immer noch überrascht, dass wir am Anfang Inspiration gefunden haben. Die Produkte, an denen wir nun arbeiten, sind ein wahr gewordener Traum. Designer und Hersteller sind alle ein Teil unserer großen Familie und Kultur. Sie sind diejenigen, die die Grenzen unserer Möglichkeiten erweitern.

Keine Idee ist zu groß. Der Prozess, von den Zeichnungen bis hin zu den Proben, ist eine Teamleistung – jeder arbeitet zusammen um zu gewährleisten, dass wir bis an die Grenzen gehen und alles versuchen was möglich ist. Manche Designer oder Hersteller suchen immer Gründe warum etwas nicht umgesetzt werden kann. Wir machen das Gegenteil.

Trägst du deine eigenen Produkte? Wenn ja, was ist dein Lieblingsteil?

Ja! Ich trage ständig die Approachschuhe, sowie die The Runner Kletterschuhe. Außerdem benutze ich unsere Rucksäcke, die super für die täglichen Wege vom Büro bis zur Kletterhalle sind.

Nachhaltigkeit ist ein sehr wichtiger Aspekt für die Outdoor-Industrie. Wie gehst du mit dieser Herausforderung um?

Da wir am Wachsen sind, nehmen wir Nachhaltigkeit sehr bewusst wahr und versuchen besser und besser darin zu werden. Das ist die momentane Strategie, die wir umsetzen:

  • Wir produzieren möglichst viel lokal, nah an unserem Firmenstandort oder unseren Kunden. Unsere Approachschuhe werden z.B. in den USA hergestellt. Dasselbe gilt auch für all unsere Klettergriffe, die wir über die letzten 12 Jahre für den amerikanischen Markt produziert haben. Einige Griffe produzieren wir auch in Europa für die dort ansässigen Kunden. Kürzere Versandwege und weniger Warenbewegung sind ideal. Zwar ist das nicht immer möglich, aber wir versuchen unser Bestes.
  • Ich versuche die Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten zu besuchen. Ich möchte sie treffen, ihre Linien, die Produktion, etc. sehen. Ich habe schon viele besucht und mich bei einigen gegen eine Zusammenarbeit entschieden. Unsere Herstellungskette ist mir sehr wichtig und wir möchten, dass die beste und sicherste Fabrik unsere Waren produziert.
  • Anstatt neue Gebäude für unsere Kletterhallen zu bauen renovieren wir alte Kraftwerke und Fabriken. Wir möchten nicht nur unseren Produkten Leben geben, sondern auch unseren Gebäuden. Diese Gebäude sind unglaublich und wir möchten sie für die späteren Generationen bewahren.
  • Ich betrachte die non-profit Organisation OneClimb als Teil unseres Nachhaltigkeitsprogramms. Wir investieren und bringen Kindern das Klettern näher, die sonst nie so eine Erfahrung gemacht hätten. Klettern hat mein Leben verändert: es hat mich von Ärger ferngehalten und mich nach Draußen gebracht. Dies wiederum hat meine Dankbarkeit für die Natur und meine Teilnahme am Umweltschutz bewirkt. Wenn ich die Klettererfahrung mit OneClimb nicht gehabt hätte, würde ich heute nicht das machen was ich mache.

Welche tollen und verrückten Designs und Produkte können wir in Zukunft erwarten? Gibt es irgendetwas Besonderes, an dem du gerade arbeitest, und wie setzt du es um?

Wir arbeiten mit vielen größeren, äußerst respektvollen Marken für unsere Produkte zusammen, die unser Unternehmen und unsere Produkte lieben. Wir freuen uns riesig sie als Partner zu haben, um noch mehr Outdoor-Enthusiasten zu begeistern. Ihr könnt euch auf einige sehr große und spannende Neuigkeiten in der nächsten Zeit gefasst machen!

Wir bedanken uns herzlich bei Daniel für das offene Interview. Habt ihr selbst schon Erfahrungen mit So iLL machen können? Erzählt uns doch in den Kommentaren davon und schreibt uns, was euch an den Produkten gefallen hat – oder auch nicht gefallen hat.

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