Wildcampen in Europa

Hotel Europa – Wo ist Wildcampen wie erlaubt?

14. Juni 2017

Sportart

Einfach mal mit dem Zelt losziehen und dort, wo es gerade schön ist, ein Lager aufschlagen, das wär schon was… und ist nicht so einfach wie man sich das vielleicht vorstellt. Denn in vielen europäischen Ländern ist das Wildcampen untersagt oder unterliegt einer starken Reglementierung. Da es aber in Europa keine einheitliche Regelung gibt, läuft man schnell Gefahr, Ärger mit den örtlichen Ordnungshütern zu bekommen. Aus diesem Grund haben wir hier einmal die erweiterten Nachbarländer Deutschlands ein wenig näher betrachtet und geben euch ein paar Tipps, wie das Wildcampen in den einzelnen Ländern geregelt ist.

Teilweise ist die Rechtslage jedoch sehr undurchsichtig und ohne ein Jurastudium hat man kaum eine Chance, den Überblick zu behalten. Hinzu kommt, dass innerhalb einzelner Länder verschiedene Gemeinden, Kommunen oder Regionen nochmals andere Regelungen haben. So wird im Extremfall das, was klipp und klar erlaubt war, doch auf den Tod verboten und umgekehrt. Unsere Liste beruht daher keinesfalls auf Vollständigkeit. Wer also keine Lust hat, seine Urlaubskasse mit einem saftigen Bußgeld zu ruinieren oder für eine Nacht eingebunkert zu werden, der sollte sich unbedingt vor der Reise über die genaue Regelung am Urlaubsort informieren.

Campen oder Biwakieren?

Wildcampen in Europa

Biwakieren ist oftmals eine Grauzone.

Nicht selten ist genau diese Frage der Knackpunkt. Wie die Kollegin Anni in ihrem Artikel zum Wildcampen in Deutschland bereits ausgeführt hat, liegt darin oft ein beträchtlicher Unterschied. Am Beispiel von Deutschland heißt das, ein Zelt für eine Nacht in Feld, Wald oder Wiese aufzustellen ist in Deutschland (mit Ausnahmen) verboten. Hingegen ein (Not-)Biwak zu errichten, also nur mit Schlafsack, Isomatte und ggf. Tarp zu übernachten, ist in Deutschland nicht ausdrücklich per Gesetz geregelt. Somit bewegt man sich in einer rechtlichen Grauzone, die das Biwakieren weder erlaubt noch verbietet. Aber eben nur das Biwakieren, nicht das Zelten!

Die gelobten Länder – hier ist Wildcampen erlaubt

Ja und hurra, es gibt sie noch: Länder, in denen das Wildcampen generell erlaubt ist. Doch auch hier ist es, wie es nunmal immer ist, es gibt keine Regel ohne Ausnahme. Darum gilt auch für diese Länder der Grundsatz, dass man sich vor der Reise eingehend über die Besonderheiten vor Ort informieren sollte.

Estland, Lettland, Litauen

In den baltischen Staaten ist das Wildcampen erlaubt. Außerhalb von Nationalparks, Naturschutzgebieten und Privatgrundstücken darf hier gezeltet werden. Allerdings gibt es dabei ein paar Verhaltensgrundsätze zu beachten. Lärm ist tabu, da die artenreiche Tierwelt nicht gestört werden soll. Auch muss man generell darauf achten, der Natur keinen Schaden zuzufügen. Auch wenn Wildcampen im gesamten Baltikum grundsätzlich erlaubt ist, kann es zu regionalen oder temporären Einschränkungen kommen. Auch darf in Nationalparks und Naturschutzgebieten nicht gezeltet oder biwakiert werden.

Finnland, Norwegen, Schweden

Skandinavien ist wahrscheinlich das Paradies für Wildcamper. Durch das Jedermannsrecht ist dort das Biwakieren und Zelten erlaubt. Dies gilt in der Regel auch für Privatgrund, jedoch nicht für landwirtschaftlich genutzte Flächen. Auch sollte man darauf achten, dass man die Zeltstadt nicht in der Nähe von Siedlungen oder einzelnen Häusern aufstellt. Auf Privatgrund ist es z.B. in Norwegen erlaubt, sein Zelt bis zu zwei Tage lang und in gebührendem Abstand von min. 150 m zu bewohnten Häusern aufzustellen. In Naturschutzgebieten und Nationalparks können jedoch auch strengere Regeln gelten. In allen Gebieten, die aber unter die Regelung des Jedermannsrechts fallen, ist das Campen für bis zu zwei Nächte erlaubt. Jedoch gilt auch hier, wie überall anders: Nix kaputt machen und den Müll wieder mitnehmen. Weitere Informationen gibt es hier: Finnland, Norwegen, Schweden.

Schottland

In Großbritannien gibt es keine einheitliche Regelung zum Thema Wildcampen. So haben England, Wales und Schottland gänzlich unterschiedliche Gesetze. Richtig erlaubt ist das Wildcampen jedoch nur in Schottland. Dort ist das Verhalten in der freien und wilden Natur durch den Scottish outdoor access code geregelt. Hierbei handelt es sich um eine Art verbindlichen Verhaltenskodex mit allen wichtigen Do’s und Dont’s. Selbstverständlich gibt es auch hier Orte wie Naturschutzgebiete oder Privatgrund, die gesonderten Regelungen unterliegen, außerhalb dieser Gebiete ist das Zelten und Biwakieren jedoch für eine Nacht erlaubt.

Ja, nein, vielleicht – hier wird das Wildcampen teilweise geduldet

Wildcampen in Europa

Es könnt so schön sein…

In Ländern wie beispielsweise Deutschland oder Frankreich ist das Wildcampen eigentlich verboten und kann theoretisch mit Strafe geahndet werden. Teilweise gibt es aber Wege, diese Verbote legal (!) zu umgehen.

Dänemark

Auch hier ist das Wildcampen erst einmal verboten. Gerade in touristischen Gebieten muss diesbezüglich mit Kontrollen gerechnet werden, auch Geldstrafen sind hier möglich. Es gibt aber auch Orte, an denen das Zelten außerhalb eines typischen Campingplatzes problemlos möglich ist. In Dänemark gibt es unzählige Wälder, in denen legal gezeltet werden darf. Wichtig ist dabei jedoch, dass man sich an die dort geltenden Regeln hält. Hier eine kurze Zusammenfassung:

  • Nur eine Nacht am gleichen Ort bleiben
  • Es dürfen maximal zwei kleine Zelte (bis je max. 3 Personen) am gleichen Ort aufgestellt werden
  • Die Zelte müssen außerhalb der Sichtweite von Häusern, Straßen etc. aufgestellt werden.
  • Wenn überhaupt, darf offenes Feuer nur an dafür vorgesehenen Feuerstellen gemacht werden.
  • Aus Gründen der Waldbrandgefahr sind nur sehr sichere Sturmkocher erlaubt. Zusätzlich können einzelne Gebiete bei hoher Waldbrandgefahr gesperrt werden.

Ebenso verfügt Dänemark über ausgewiesene Naturlagerplätze mit (gelegentlich) fließend Wasser, einer einfachen Toilette oder z.B. auch Feuerstellen. Diese Karte zeigt Euch, wo diese liegen  (nur auf Dänisch). Weitere Informationen zu diesem Thema gibt es auch (leider ebenfalls nur auf Dänisch) bei der dänischen Naturschutzbehörde. Hier findet Ihr außerdem einen Link zur Liste/Karte der freigegebenen Waldgebiete.

Belgien und Niederlande

In Belgien und den Niederlanden verhält es sich mit dem Wildcampen ähnlich wie in Dänemark. Auch hier darf nicht einfach irgendwo in der Pampa gezeltet werden und Geldstrafen sind durchaus möglich. Dennoch gibt es gerade in den Niederlanden, aber auch in Teilen Belgiens eins ganz legale Methode seine Zeltstadt in freier Natur zu errichten: das Paalkamperen, wörtlich „Pfahlcampen“. Das hat jetzt allerdings recht wenig damit zu tun, dass das Zelt oder Biwak auf einem Pfahl oder dergleichen errichtet werden muss. Es sagt vielmehr etwas über die legalen Zeltplätze an sich aus. Überall, wo nämlich fernab von kommerziellen Campingplätzen gezeltet werden darf, steht diesbezüglich ein Pfahl mit Hinweisschild. Um diesen Pfahl herum darf gezeltet werden, meist in einem Radius von ca. 10 Metern. Darüber hinaus gibt es noch ein paar andere wichtige Regeln, die wir hier verkürzt wiedergeben:

  • Der Aufenthalt darf nicht länger als drei Tage bzw. 72 Stunden dauern. In manchen Gebieten ist nur der Aufenthalt für eine Nacht erlaubt.
  • Es dürfen maximal drei kleine Zelte gleichzeitig aufgestellt werden.
  • Abfälle müssen wieder mitgenommen werden.
  • Offenes Feuer ist absolut verboten. Gaskocher sind aber zugelassen.

Bei den genannten Regeln handelt es sich um verallgemeinernde Grundregeln. Welche Bestimmungen jeweils vor Ort gelten, steht auf dem jeweiligen Schild am Pfahl. Hier gibt es außerdem Übersichtskarten für Belgien und die Niederlande.

Deutschland

Wie bereits erwähnt, ist in Deutschland die Rechtslage sehr unübersichtlich. Wer aber nur biwakiert (also ohne Zelt übernachtet) verstößt hier in der Regel nicht gegen geltendes Recht. Trotzdem sollte man sich vorab über die genaue Regelung im jeweiligen Bundesland informieren. Nähere Informationen liefert hier auch unser Blogbeitrag zum Thema Wildcampen in Deutschland.

Frankreich

Wildcampen in Europa

Ein Traum…

In Frankreich gestaltet sich die Lage ähnlich unübersichtlich wie in Deutschland. Grundsätzlich ist hier Wildcampen erst einmal verboten. Gerade auch in touristischen Ballungszentren und an den Küsten wird diesbezüglich auch stark kontrolliert, hohe Geldbußen sind hier keine Seltenheit. Es gibt aber auch Gemeinden, die gewisse Areale zum Wildcampen freigegeben haben. Hinweisschilder mit der Aufschrift „Camping reglementé – s’adresser à la mairie“ weißen darauf hin. Man soll sich also an das Rathaus/Bürgermeisteramt wenden, um weitere Informationen bzgl. Wildcampen zu bekommen. Tut man dies, erhält man in der Regel eine Liste oder einen kleinen Plan mit Informationen, wo man für eine Nacht im erweiterten Stadtgebiet sein Zelt aufstellen darf. Anders gestaltet sich die Lage in Nationalparks, hier ist das Zelten absolut verboten. Ähnlich wie in Deutschland aber nicht das Biwakieren. Das heißt konkret, dass in der Zeit von 19-9 Uhr das Biwakieren in ausreichender Entfernung zum Ausgang des Nationalparks (mindestens eine Stunde zu Fuß) geduldet wird. Auch gibt es an den Eingängen der Nationalparks in der Regel eine Liste mit Informationen zum Biwakieren.

Österreich

In Österreich ist das Wildcampen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt und kann theoretisch mit extrem hohen Geldstrafen belegt werden. Auch die Konfiszierung des Zeltes wäre theoretisch möglich. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Regeln vor Ort zu kennen. Grundsätzlich gilt dabei: In Waldgebieten darf nie nicht, gar niemals nicht und zu keiner Zeit gezeltet werden. Auch auf Privatgrund ist das Zelten ohne die Zustimmung des Eigentümers untersagt. Gerade im alpinen Ödland oberhalb der Waldgrenze gibt es diesbezüglich aber Ausnahmen. Einige Bundesländer wie beispielsweise das Burgenland erlauben das Zelten für kleine Gruppen bis zu drei Tage, in Bundesländern wie Niederösterreich ist das Aufstellen von Zelten außerhalb ausgewiesener Campingplätze jedoch strikt verboten. Hier noch ein Hinweis: ein ungeplantes Notbiwak (beispielsweise bei Verletzung oder Schlechtwetter) wird überall geduldet, vorsätzliches Biwakieren kann ebenso wie Zelten mit teuren Strafen belegt werden. Eine genaue Übersicht mit Angaben zu wo, wie, was findet Ihr auf der Seite des österreichischen Alpenvereins.

Schweiz

Auch in der Schweiz ist das Wildcampen nicht einheitlich geregelt, sodass von Kanton zu Kanton unterschiedliche Einschränkungen gelten. Für einzelne Gebiete gelten darüber hinaus Betretungsverbote oder verschärfte Naturschutzgesetze, die das Campen automatisch ausschließen. Verallgemeinernd lässt sich aber sagen, dass das Zelten und Biwakieren mit der Höhe des Standorts unproblematischer wird, eine grobe Orientierung ist diesbezüglich nach folgender Faustregel möglich:

  • In diesen Naturschutzgebieten ist das Zelten und Biwakieren grundsätzlich verboten: Schweizerischer Nationalpark, Eidgenössische Jagdbanngebiete (Wildschutzgebiete), diverse Naturschutzgebiete, Wildruhezonen (während der Schutzzeit).
  • Diese Gebiete sollten gemieden werden: Wälder, Auen und Feuchtgebiete.
  • In diesen Gebieten ist besondere Rücksichtnahme geboten: In der Nähe von Berghütten (Absprache mit dem Eigentümer erforderlich), in der Nähe von Klettergebieten (Vogelbrutzeit felsbrütender Vögel beachten).
  • Hier ist das Wildcampen unbedenklich: oberhalb der Waldgrenze, alpine Weiden, felsiges Gelände.

Wichtige Informationen zum Wildcampen in der Schweiz sowie zur richtigen Verhaltensweise findet ihr auch auf der Homepage des SAC.

Achtung bei der Platzwahl – Wildcampen verboten

Wildcampen in Europa

Schöne Stelle für ein Zelt. Aber ist es auch erlaubt hier zu verweilen?

Vielerorts in Europa gilt ein grundsätzliches Wildcampingverbot. In manchen Ländern muss man nur an den Küsten sowie in den touristischen Zentren mit Strafen rechnen, andernorts wird strenger kontrolliert. Generell kann hier die Aussage getroffen werden, dass in den meisten Ländern das Zelten etc. außerhalb ausgewiesener Campingplätze nicht erlaubt ist. Eine Besonderheit stellt dabei Privatgrund dar. Also zum Beispiel die Wiese eines Landwirts. In vielen Ländern darf dort in Absprache mit dem Besitzer gezeltet werden. Kleiner Tipp hierzu: Ein paar Wörter in der Landessprache oder eine gute Flasche Wein als Gastgeschenk können hier wahre Wunder wirken. Sollte der Bauer Selbstvermarkter sein, ist es oft praktisch und hilfreich zugleich ihm ein wenig Milch, Eier, Obst etc. abzukaufen. So taut in vielen Fällen schnell das Eis und man hat obendrein was Leckeres zum Essen erworben.

Hier noch zwei Beispiele, wie mit den Verboten umgegangen wird.

Italien

In Italien ist das Wildcampen sowie das Biwakieren streng verboten und wird mit satten Bußgeldern belegt. Gerade in touristischen Ballungsgebieten sowie an den Küsten wird diesbezüglich auch stark kontrolliert. Wer sich hier mit einem Zelt oder Biwak häuslich niederlässt, muss mit Strafen rechnen, die nicht selten dem Preis eines Hotelzimmers gehobenen Standards entsprechen. Im Hinterland wird es mit dieser Regelung schon lockerer gesehen, was aber nicht heißt, dass es dort nicht auch verboten ist. Wer jedoch auch nur zwei Wörter Italienisch spricht und das Geld für eine gute Flasche Wein übrig hat, sollte einfach mal beim nächsten Landwirt anfragen. Hier hat man nicht selten gute Aussichten auf Erfolg und kann dann legal kampieren.

Polen

Auch hier ist das Wildzelten per Gesetz verboten und kann mit einer Strafe von umgerechnet bis zu 150 € geahndet werden. Gerade in Nationalparks wird dieses Verbot sehr ernst genommen, es finden diesbezüglich auch regelmäßige Kontrollen statt. Außerhalb dieser Gebiete sieht das schon ein wenig anders aus. Hier ist das Wildcampen per Gesetz zwar auch verboten, jedoch zeigt es sich in der Praxis, dass es damit vielerorts nicht zu ernst genommen wird. Sofern man nur eine Nacht irgendwo in der Wildnis kampieren möchte, sollte es hier kaum zu Problemen kommen. Auch unter Einheimischen ist das Wildcampen weit verbreitet. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich aber auch an den jeweiligen Landbesitzer wenden und um Erlaubnis Fragen. Gerade außerhalb touristischer Ballungsräume zeigen sich die Landwirte zumeist sehr hilfsbereit.

Fazit

Ja, Gott seis getrommelt und gepfiffen: Es ist noch möglich loszuziehen und irgendwo in Europas Wildnis zu übernachten. Über das „Irgendwo“ sollte man sich aber vorab eingehend informieren. Teilweise ist die tatsächliche Gesetzeslage sehr undurchsichtig. Dieser Blogbeitrag hat aus diesem Grund auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Interessant ist aber für uns die Frage: Wie ist Eure Erfahrung mit Wildcamping in Europa? Was habt Ihr vielleicht zu ergänzen? Schreibt doch einfach einmal einen Kommentar…

Kommentare zu diesem Artikel
Andere Bergfreunde freuen sich auf deinen Kommentar

€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.