Gehören Hexentrics zur Kletter-Steinzeit?

Gehören Hexentrics zur Kletter-Steinzeit?

23. Oktober 2017

Kategorie

Sportart

In der Tat sind die guten alten Hexen, Hexentrics, Hexagonalen Stopper oder wie auch immer man sie nennen möchte, ein wenig in die Jahre gekommen. Das letzte Mal, dass ich Hexentrics im Einsatz gesehen habe, war im Südtirol bei einem weit über 60jährigen Bergsteiger tschechischer Herkunft. Habe mich ein bisschen mit ihm über die Dinger unterhalten und er schwörte drauf. Grund genug, die Hexentrics einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Unterschiede zwischen den Modellen

Grundsätzlich gibt es zwei wesentliche Unterschiede bei den Hexentrics verschiedener Hersteller: Drahtkabel oder Textilschlingen. Bei Klemmkeilen sind die Drahtkabel das Maß der Dinge, bei Hexentrics ist die Entscheidung mehr oder weniger eine Geschmacksfrage. Die einen sagen so, die anderen sagen so.

Kabel haben den Vorteil im Notfall ein kleines, aber entscheidendes bisschen höher gelegt werden zu können – der Clipstick zum Legen der Zwischensicherung quasi. Sie lassen sich auch in tiefen Rissen besser versenken und leichter wieder aus tiefen Rissen herausfriemeln.

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In jeder Größe ein hilfreiches Sicherungsmittel: das Wired Hexentrics von Black Diamond

Schlingen lassen sich besser über Kanten legen und wiegen ein ganz klein bisschen weniger. Außerdem bieten manche Modelle die Option verlängerbarer Schlingen. Ähnlich wie bei den DMM Dragon Cams lassen sich so die Hexentrics mit einem kurzen Zug an einem Strang auf die doppelte Länge ausziehen. Das begradigt den Seilverlauf, bietet weniger Seilreibung und reduziert die Gefahr, dass die Hexen durch die Seilbewegung aus ihrem Placement herausgewackelt werden. Außerdem benötigt man so weniger Expressen zum Verlängern und das spart wiederum Gewicht am Gurt.

Kleinere Hexentrics (Durchmesser <20 mm) sind in der Regel massiv, während die größeren ein Hohlprofil aufweisen. Das hat den einfachen Grund, dass so deutlich an Gewicht gespart werden kann. Diesem Umstand verdienen die großen Hexentrics übrigens ihren Beinahmen. Sie werden auch als Kuhglocken bezeichnet. Dazu später mehr.

Platzierungsmöglichkeiten, Vorteile und Grenzen

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Gesetzter Klemmkeil in einem Felsspalt

Hexen eignen sich besonders gut für den Einsatz in Rissen, die für normale Klemmkeile zu breit sind. Durch die Ausnutzung des Drehmoments kann man bei geschickter Platzierung viele Hexentric-Modelle auch als “semi”-aktive Sicherungsmittel nutzen.

Bei normalem Legen arbeiten sie im Endeffekt wie zu groß geratene Klemmkeile und tun auch genau das – sie klemmen passiv vor sich hin. Sie lassen sich wahlweise seitwärts oder frontal (für eine maximle Rissbreite) legen, wobei die frontalen Placements meist instabiler sind.

Selbstverständlich kann man in breiteren Rissen auch gut mit Friends/Cams arbeiten und wird dies in parallelen Granitrissen des leichteren Handlings wegen auch tun. Trotzdem haben die Hexen einige Vorteile gegenüber aktiven Klemmgeräten:

  • ein Hexentric mit gleicher Rissbreiten-Abdeckung wiegt weniger als ein vergleichbarer Cam.
  • der Preis ist unschlagbar. Kein Cam der Welt ist günstiger als ein vergleichbar großer Hexentric. Beim Abseilen wird man daher lieber einen Hexentric zurück lassen als einen sündhaft teuren Cam.
  • sie sind absolut simpel aufgebaut. Im Endeffekt besteht eine Hexe aus zwei Teilen – der Schlinge und dem hexagonalen Aluminiumkopf. Mehr ist da nicht und mehr kann auch nicht kaputt gehen. Simple Technik, K.I.S.S. Prinzip

Klar gibt es auch eine ganze Reihe von Nachteilen, nichts ist perfekt! Generelle Probleme von Hexen sind:

  • die Lärmemission, wie man das heute so schön nennt. Die Teile am Klettergurt machen einen Lärm wie eine Kuhherde beim Almabtrieb.
  • die Handhabung ist natürlich weniger bequem als die eines Cams und das Legen geht auch langsamer vonstatten.
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Um die passende Größe und Form zu finden, sollte immer ein Set mit verschiedenen Größen mit am Klettergurt hängen.

Wichtiger Hinweis zum Schluss: Viel Spaß beim Klettern mit eigener Absicherung. Das Erlebnis ist ein komplett anderes als das „konsumieren“ von Bohrhaken-Routen (das hier nicht schlecht geredet werden soll!).

Es ist aber von entscheidender Bedeutung, sich selbst und seine Kenntnisse ehrlich und reflektiert einzuschätzen. Kein Ratgeber ersetzt das ausgiebige Üben mit dem Material und die ersten Versuche beim Legen von Zwischensicherungen sollten immer von einem erfahrenen Kletterer beurteilt werden.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Michaela sagte am 24. Oktober 2017 um 21:35 Uhr

    Ich find Tricams genialer. 😉

  2. Jörn sagte am 30. Oktober 2017 um 10:49 Uhr

    Hallo Michaela,

    vielen Dank für deinen Post.
    Tricams sind in der Tat sehr nett, eventuell folgt dazu nochmal ein eigener
    Artikel. Ich habe (für kleinere Löcher und horizontale Risse) auch zwei
    Stück in meiner Ausrüstung. Hexentrics bieten aber, vor allem in den
    größeren Varianten, einen wesentlich niedrigeren Preis im Direktvergleich zu
    Cams und Tricams. Das hatte mich überzeugt.
    Wenn ich mir ein komplett neues Setup zusammenstellen würde, wären
    Hexentrics sicherlich nicht das Erste, das ich mir anschaffe. Ein solides
    Klemmkeil-Set, die wichtigsten Cam-Größen und dann als Ergänzung für die
    breiten Risse irgendwann noch Hexentrics. So ungefähr würde ich mittlerweile
    wohl an die Sache rangehen.

    Beste Grüße und viel Spaß am Fels,

    Philip

  3. Felix sagte am 23. November 2017 um 08:21 Uhr

    Ich finde Tricams auch super, in den kleinen Größén unschlagbar.

    Aber ein anderer Punkt fehlt:
    Hex sind beim Mixed Klettern, d.h. wenn Eis und Schnee dazukommen (–> z.B. Schottland) viel zuverlässiger (wenn sie sitzen) als Cams und werden da auch massiv eingesetzt.

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