Handpflege für Kletterer

Futter für geschundene Finger: Handpflege für Kletterer

5. Oktober 2017

Sie sind die wichtigsten Utensilien, um beim Klettern vorwärts zu kommen: Die Hände. Und eben weil sie so wichtig sind, sollten wir uns gut um sie kümmern. Mit Schwielen, Hornhaut, Rissen und Blasen hat wohl jeder Kletterer schon so seine Erfahrungen gemacht – in aller Regel schmerzhafte. Doch was kann man tun, um Verletzungen vorzubeugen und wie pflegt man seine Finger am besten nach einem harten Tag am Fels oder an der Kletterwand? Genau für solche Fragen sind wir da!

Welche Verletzungen entstehen beim Klettern?

Handpflege für Kletterer

Ein harter Tag am Fels kann Spuren hinterlassen.

Die wohl am häufigsten auftretenden Verletzungen an den Händen sind Blasen und Risse. Wie Blasen entstehen, haben wir in einem separaten Artikel schon ausführlich erörtert. Wie kommt es aber dazu, dass Haut beim Klettern einfach aufreißt? Das hat – Du hast es vermutlich schon erraten – vor allem mit der lieben Hornhaut zutun.

Hornhaut (oder auch Hornschwiele) ist genau genommen eine Vernarbung der Haut mit einer Verdickung der beanspruchten Stelle. Was erstmal unschön klingt, ist beim Klettern erwünscht. Denn die verhornte Haut ist robuster und bietet natürlich erhöhten Schutz für die darunterliegenden Hautschichten.

Nicht so vorteilhaft: Verhornte Haut ist weniger flexibel, trocknet dank Chalk meist noch schneller aus und neigt bei fehlender Pflege dazu, zu reißen. Und wenn der Riss erstmal da ist und es am Ende noch blutig wird, ist erstmal Kletterpause angesagt, denn die Haut braucht einige Zeit, um sich wieder zu regenerieren. Besonders die Fingerbeugen sind hier gefährdete Stellen, da die Hornhaut durch den Druck und die Bewegung oft zusammengeschoben wird. Diese Erhöhungen sind dann besonders anfällig für Risse, denn es bildet sich eine Art Sollbruchstelle.

Verletzungen an den Händen vorbeugen

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Beim Rissklettern hilft gutes Tapen, Verletzungen vorzubeugen.

Eines ist klar: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Das gilt auch für Hautverletzungen, denn – wie schon gesagt – sie brauchen relativ lange zum Heilen und mehrere Tage aufs Klettern verzichten – das will niemand wirklich, oder?

Ganz generell sollte man also immer darauf achten, seine Hornhaut im Griff zu haben. Das geht am besten, in dem man die schon erwähnten Erhöhungen, bspw. in den Fingerbeugen, im Zaum hält und ggf. mit einer Feile oder einem Hornhauthobel flach feilt. Angerissene Stellen können – sofern noch kein Blut zu sehen ist – ebenfalls abgeflacht werden, damit die Sollbruchstelle verschwindet. Das alles kann man übrigens auch zwischendurch machen, einfach immer ein Stück Schmirgelpapier dabei haben, um die betroffene Stelle zu behandeln.

Erste Anzeichen für eine Blase sind ein brennender Schmerz und eine leichte Rötung an der gleichen Stelle. Hier hilft vor allem, den Druck wegzunehmen, was in der Praxis nichts anderes heißt, als das Klettern für den Moment sein zu lassen und seiner Haut einen Tag Pause zu gönnen. Das Abheilen von Blasen kann deutlich länger dauern.

Bei all dem spielt natürlich auch die Hautpflege eine entscheidende Rolle. Viele Hersteller, wie zum Beispiel Climb On, Metolius, Joshua Tree oder KletterRetter bieten genau auf die Bedürfnisse von Kletterern abgestimmte Cremes, die die Haut optimal mit Feuchtigkeit und/oder Fett versorgen und sie so geschmeidig halten.

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Kleine Dose mit ergiebigem Inhalt. ClimbOn hält durchaus einige Zeit vor.

Nicht zuletzt kann man aber auch durch die richtige Grifftechnik Verletzungen an den Händen vermeiden. Heißt also: Wann immer möglich formschlüssig greifen, das heißt die Hand so am Griff positionieren, dass aktiv gehalten werden kann und man nicht nur auf die Reibung hoffen muss.

Was tun, wenn es passiert ist

Nun ist man im Eifer des Gefechts ja selten mit einem kühlen Kopf gesegnet und wer opfert schon gerne den letzten Griff der hart erkämpften Route, nur weil sich gerade eventuell eine Blase oder ein Riss bildet?

Daher kommt es in der Regel immer wieder dazu, dass Hautverletzungen beim Klettern auftreten – selbst bei optimaler Vorbeugung. Bei der Nachsorge sollte man Geduld haben und je nach Verletzung agieren:

  • Blasen: Ist die Blase erstmal da, solltet ihr sie ungeöffnet abheilen lassen. Ja richtig: Nicht aufstechen, denn darunter liegt die empfindliche Unterhaut, die sich im schlimmsten Fall entzünden kann. Ist die Blase dennoch offen, sollte die Stelle desinfiziert und verbunden werden. Ausführliche Tipps gibt es ebenfalls in unserem Blasen-Beitrag.
  • Risse und Schnitte: Egal ob es sich um einen Riss durch verhornte, trockene Haut oder einen Schnitt durch scharfe Griffe handelt – wird es blutig, ist abzuraten weiter zu klettern. Denn: Mit jeder Belastung können beide Verletzungsarten weiter aufreisen, was die Pause nur noch verlängert. Wenn man dennoch nicht ums Klettern herumkommt, hilft ein starkes Tape, dass die Wunde zusammenhält. In jedem Fall sollte aber auch hier vor gesäubert und nach Möglichkeit desinfiziert werden.
  • Löcher: Sie können durch spitze Griffe entstehen, meist dann, wenn plötzlich viel Druck auf die Hand kommt. Die Wunden sind in der Regel sehr einfach zu behandeln. Säubern, desinfizieren, tapen und weiter klettern. Die Gefahr, dass sie aufreißen, ist durch fehlende Risskanten sehr unwahrscheinlich.
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KletterRetter macht geschundene Hände wieder fit.

Egal, was für eine Verletzung man sich zugezogen hat: Eine Pause ist in den meisten Fälle eine sinnvolle Sache. Gerade tiefe Risse und Schnitte brauchen gerne mal mehrere Tage, bis sie vollständig abgeheilt sind. Außerdem ist bei ihnen die Gefahr groß, dass sie wieder aufreißen, wenn man zu früh einsteigt.

Die richtige Nachsorge

Der erste Gang nach der Klettersession sollte zum Waschbecken gehen. Ok, vielleicht erst noch auf ein Bier oder einen Kaffee an die Theke, aber dann gleich zum Waschbecken. Denn das liebe Chalk sorgt in aller Regel dafür, dass die Haut austrocknet und sollte deshalb zeitnah wieder runter. Danach darf gecremt werden, gerne auch mit Fett, denn fetthaltige Cremes helfen, die Feuchtigkeit in der Haut zu binden.

Wer eher dazu neigt, stärker zu schwitzen, muss nicht so viel cremen, sondern im Gegenteil darauf achten, dass die Haut vor dem Klettern trocken ist, denn in dem Fall weicht der Schweiß die Haut auf und macht sie anfälliger für Verletzungen.

Und jetzt ab an die Kletterwand mit euch! Ihr wart doch bestimmt heute noch nicht!?

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