Gute Nacht. Foto: Sea to Summit

Gute Nacht! Über das erholsame und warme Schlafen im Schlafsack

1. Dezember 2017

Dein Bett für eine Nacht?

Wie man sich bettet, so liegt man

Voraussetzung für eine gelungene Tour am Tag ist entspannter Schlaf in der Nacht. Wer plant, seine Nächte im Schlafsack zu verbringen, sollte allerdings auf ein paar grundlegende Dinge achten. Vor dem Schlafen noch ein paar Bierchen oder Schnäpschen zischen? Die Isomatte aus Gewichtsgründen weglassen „der Rasen tuts auch“ oder mal eben den Schlafsack der Freundin ausleihen, die drei Köpfe kleiner ist? Eine ziemlich kühle und damit unbequeme Nacht dürfte hier die Folge sein.

Hier findest Du ein paar einfache Tipps, worauf Du beim Schlafen im Schlafsack achten solltest und was schon beim Kauf eines solchen zu beachten wäre.

Der richtige Schlafsack: Daune oder Kunstfaser?

Wie so oft hängt die Wahl des richtigen Schlafsacks von dem Einsatzzweck und in diesem speziellen Fall auch oft vom Gebiet ab, in dem der Schlafsack hauptsächlich Verwendung finden soll. Der Vorteil von Kunstfaser ist, dass sie auch im nassen Zustand noch wärmt, da die Fasern nicht verklumpen und damit die isolierende Luftschicht bestehen bleibt. Bei Daune ist das anders. Sie verklumpt und isoliert dann nur minimal. Außerdem dauert es länger, bis verklumpte Daune wieder trocken ist und es bedarf einiger Handarbeit, die ursprüngliche Bauschkraft, die für die Isolation so wichtig ist, wiederherzustellen.

robust, dafür schwerer. Die Kunsfaser

Robust, dafür schwerer –  die Kunstfaser

Nehme ich also einfach immer Kunstfaser? Nicht unbedingt. Daune hat durchaus ihre Daseinsberechtigung und die liegt in erster Linie im niedrigen Gewicht und dem sehr geringen Packmaß begründet. Daune passt sich auch besser der Körperform an, der Komfort ist also größer. Also kommt für alle Touren, bei denen es auf Gewicht und Packmaß ankommt, eigentlich nur ein Daunenschlafsack in Frage.

Nässe kommt nicht nur von außen, sondern auch von innen. Der Körper verliert in der Nacht einiges an Wasser in Form von Wasserdampf über die Haut. Wer zum Schlafen gerne Baumwolle trägt, wird mit einem nassen T-Shirt und dementsprechend gut gekühlt schlafen. Um die Wärmeleistung des Schlafsacks optimal zu nutzen, trägt man besser Funktionsunterwäsche. Nackt schläft es sich auch im Schlafsack gut. Die Isolation wird dadurch allerdings weder gefördert noch geschwächt. Nachteil dabei ist, dass man den Schlafsack öfter waschen muss, was wiederum der Lebensdauer entgegen wirkt. Wer lange was von seinem Schlafsack haben möchte, benutzt außerdem ein Inlett. Je nach Material kühlt (z. B. Seide) oder wärmt (Fleece) es zusätzlich und lässt sich leicht waschen.

Zwei Bierchen sind auch ein Schnitzel?

Ausgepowert von der harten Tour an dem Tag, keine Zeit mehr zum Kochen, also nur schnell ein – zwei Bierchen… so oder so ähnlich könnte die schlimme Nacht anfangen. Ist der Körper von der Tour ausgezehrt, fährt der Kreislauf zu sehr runter und wir fangen an zu frieren. Wer ausgekühlt in den Schlafsack steigt, traut diesem zuviel zu: Der Schlafsack isoliert nur, die Wärme erzeugt der Körper. Wichtig ist, jetzt dem Körper die verlorenen Kalorien wieder zurückzugeben – nicht in Form des flüssigen vermeintlichen Essensersatzes. Alkoholische Getränke fördern erstens das Auskühlen des Körpers und zweitens den unruhigen Schlaf. Also lieber doch noch ein warmes Essen und einen heißen Tee und in Ruhe einschlafen.

Kalte Füße bekommen?

gut zugeschraubt, ist sie gut gegen kalte Füße

Gut zugeschraubt, ist sie gut gegen kalte Füße

Sind die Füße erstmal kalt, dauert es lange, bis sie wieder warm sind. Die Isolierung des Schlafsacks bringt da nicht viel, dicke Socken manchmal auch nicht genug. Abhilfe schafft hier ein altbewährtes Hausmittel: die Wärmflasche. Natürlich musst Du keine in Fleece eingehüllte Gummiflasche auf Deine Bergtour mitnehmen: Eine mit heißem Wasser gefüllte Kunststoffflasche reicht völlig aus. Wichtig ist nur, dass sie dicht ist ;-)

Eiskaltes Erwachen

Die Nacht hast Du nun sicher gut verbracht, aber was morgens kommt, ist der Schock: Steifgefrorene Kleidung erwartet Dich nach dem Aufwachen und verlängert den allmorgendlichen Entscheidungsprozess erheblich. Der Berg ruft, aber der innere Schweinehund ist stark. Um Dein Abenteuer gleich wohltemperiert zu beginnen, hat es sich als nützlich erwiesen, die Kleidung abends mit in den Schlafsack zu nehmen. So bleibt sie warm und trocken und als positiven Nebeneffekt wärmt das die Füße auch noch etwas mehr.

Der Genderaspekt beim Schlafsack?

Marmot - Women's Angel Fire - Daunenschlafsack

Marmot – Women’s Angel Fire – Daunenschlafsack

„Frauen haben immer kalte Füße und Männer immer breite Schultern…“ so oder so ähnlich müsste es wohl heißen, schaut man sich geschlechtsspezifische Schlafsäcke mal genauer an.

Beim Frauenmodell ist der Fußbereich etwas dicker isoliert, außerdem sind die Proportionen der Schlafsäcke denen der Frau besser angepasst. Es ergibt also durchaus Sinn, sich als Frau auch für einen frauenspezifischen Schlafsack zu entscheiden.

Komfort-, Limit- und Extrembereich. Was ist relevant?

Der Extrembereich jedenfalls hoffentlich nicht, denn er gibt an, bei welchen Temperaturen ein Überleben im Schlafsack mit Unterkühlung noch möglich ist. Der Komfortbereich gibt an, bis zu welcher Außentemperatur sich eine „Norm-Frau“ (Anm. d. Autors: es heißt wirklich so, sorry!) mit 25 Jahren, 1,60 m Körpergröße und 60 kg Gewicht in mittelschwerer, langer Funktionsunterwäsche jederzeit wohl fühlt.

Der Limitbereich gilt für den „Norm-Mann“ mit 25 Jahren, 1,73 m Körpergröße und 70 kg Gewicht. Hierfür gibt es wieder einmal eine Norm, die leider eines nicht berücksichtigt: Individualität sowie physische und psychische Verfassung. Denn manche Menschen schwitzen mehr (kühlen daher schneller aus), andere bewegen sich mehr (wärmen daher eher auf). Der Temperaturbereich bleibt also leider ein subjektives Kriterium, das allenfalls eine Orientierungshilfe sein kann.

(Nachtrag) Bevor es Dir zu warm im Schlafsack wird und Du riskierst durch den entstehenden Schweiß auszukühlen oder Deine Daune zu feucht werden zu lassen, kann man den Reißverschluss am Fußbereich sehr gut zum Temperieren verwenden. Einfach am Fußende ein Stückchen öffnen und Luft reinlassen. Leider geht das nicht mit allen Schlafsäcken, denn nicht alle verfügen über einen Zwei-Wege-Reißverschluss.

Bewegung im Schlaf

Eben weil sich manche von uns im Schlaf etwas mehr bewegen oder gerne auf der Seite liegen und dabei angewinkelte Beine haben, gibt es Schlafsäcke, deren Form oder Verarbeitung darauf Rücksicht nimmt. Seien es die Form als solche oder elastische Nähte, beides fördert den ruhigen Schlaf des Seitenschläfers. Auch die Größe des Schlafsacks ist natürlich relevant. Die Innenlänge des Schlafsacks sollte etwas Spielraum bieten. Wenn der Schläfer also 1,75 m lang ist, darf die Innenlänge des Schlafsacks ruhig 1,85 m betragen. Lieber etwas zu großzügig, als genau passend oder zu kurz.

Warum so viel Luft? Ist der Schlafsack zu eng, stößt der Schlafende an die Außenwände. Diese können in der Folge eingedrückt werden, wodurch sich Kältebrücken bilden können. Daher lieber etwas größer nehmen und wissen, wie man schläft und das beim Einkauf einberechnen.

„Beim Zelten krieg ich immer Nacken…“

Für Leute, die es gerne etwas komfortabler haben

Für Leute, die es gerne etwas komfortabler haben

Wer sagt, dass man auf’s Kopfkissen verzichten muss? Es gibt entweder ganz hervorragende Reisekopfkissen oder wenn man auf zusätzliches Gepäck verzichten möchte, die Möglichkeit, den Packsack des Schlafsacks mit Kleidung zu füllen und als Kissen zu verwenden. Es muss ja nicht immer 80 x 80 sein :-)

Auf die Unterlage kommt es an

Auch Isomatten gibt es wie Sand am Meer und die Unterschiede sind deutlich und bedeutungsvoll. Darauf gehen wir an anderer Stelle nochmal ein. Grundregel ist aber: Der Schlafsack kann noch so einen niedrigen Limitbereich haben – wenn die Isomatte nicht dafür ausreichend ist, wird es kalt von unten. An dieser Stelle zu sparen, rächt sich.

Wenn Du noch Fragen hast oder Dich nicht entscheiden kannst, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Ron ist hier unser Fachmann in Sachen Schlafsack. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 8.00 – 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Im Bereich Klettern und Outdoor tut sich viel. Neue Produkte werden erfunden, bestehende überarbeitet oder verbessert und auch wir lernen täglich viel dazu. Und natürlich wollen wir unser Wissen an unsere Kunden weitergeben. Daher überarbeiten wir regelmäßig unsere Artikel im Basislager. Wunder Dich also nicht, wenn nach ein paar Monaten ein paar Dinge anders sind. Dieser Artikel wurde zuletzt am 01.02.2016 überarbeitet.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Reinhard sagte am 12. August 2016 um 21:22 Uhr

    Hallo zusammen,
    na das ist doch mal ne sinnvolle „Kaufnachsorge“. Den einen oder anderen Tip kannte ich auch noch nicht.

    Jedenfalls sind wir mit den Schlafsack-Matten-Kombinationen von Lestra sehr zufrieden. Für unsere Zwecke genau das Richtige. Qualität, Lieferung, Pünktlichkeit und Preis: alles bestens. Professionell halt. Und das habt Ihr nun davon: ich werde Euch unter Freunden empfehlen *****. Danke Euch.
    Habe Euch in guter Erinnerung und komme bei Bedarf gern wieder auf Euch zurück.

    Grüße aus Remscheid
    Reinhard

  2. Jörn sagte am 16. August 2016 um 08:37 Uhr

    Hi Reinhard,

    das freut uns sehr – bei Fragen kannst Du Dich natürlich ebenfalls gerne jederzeit an uns wenden!

    Viele Grüße,

    Jörn

  3. Henning sagte am 16. Februar 2018 um 14:16 Uhr

    Prima Auflistung insbesondere für Campingeinsteiger.
    Zum gekauften Schlafsack kann ich nur sagen das die damit Beschenkte sehr zufrieden ist.
    Für mich selbst würde der Temperaturbereich nach unten nicht ausreichen daher bevorzuge ich ein anderes Modell, aber von der selben Marke.
    Gruß Hening

  4. Vitali sagte am 21. September 2018 um 14:18 Uhr

    Super!
    Die praktischen Tipps sind für Einsteiger wie mir sehr hilfreich. Mit meinem neuen Schlafsack bin Ich sehr zufrieden, und werde den einen oder anderen Tipp umsetzen. 🙂
    Weiter so!

  5. Hannes sagte am 24. September 2018 um 08:45 Uhr

    Hallo Vitali!

    Freut uns, wenn wir ein paar hilfreiche Tipps für Dich in dem Bericht hatten.

    Viel Spaß auf Tour!

    Machs gut,
    Hannes

  6. Uli sagte am 11. November 2018 um 02:53 Uhr

    2 Fragen: Bin auf der Suche nach einem (Sommer-)Schlafsack / Inlett aus Kunstfaser, um die Isolationsleistung eines Daunenschlafsacks (Exped Lite 700) für tiefere Minusgrade zu erhöhen u. für den Sologebrauch im Sommer.
    Es ist sicherlich unbestritten, dass die Haltbarkeit von Kunstfaser-Schlasäcken deutlich geringer ist, als die von Daunen-Schlafsäcken. 1. Frage: Wäre ein Fleece-Inlet bzw. Schlafsack (z. B. Deuter Two Face) angesichts des relativ schnellen Loftverlustes von KuFa und des damit einhergehenden Verlustes an Isolationsleistung einem Kunstfaserschlafsack vorzuziehen?
    2. Frage (Hierüber scheint die Outdoorwelt vollkommen uneins zu sein): Wenn ich einen Kunstfaser- sowie einen Daunenschlafsack zur Erhöhung der Isolationsleistung kombinieren möchte: Welcher sollte sich innen, welcher sich außen befinden? Die meisten scheinen der Meinung zu sein, der KuFa-Schlafsack solle in jedem Falle außen sein. Dagegen behauptet der „The Man in FR Shirt“ (Johan Skullman) es sei eine gute Idee, einen etwas weiteren Daunenschlafsack zu kaufen und in diesen bei größer Kälte einen leichten Sommerschlafsack mit hineinzunehmen. Vorteile: Man habe ein System für das ganze Jahr. Einzeln genutzt, einen Schlafsack für Hüttentouren u. Außenübernachtungen im Sommer, einen für zwei bis drei Jahreszeiten und beide kombiniert für wirklich kalte Bedinungen. Wobei Letzteres eine weitere Luftschicht im Daunenschlafsack erzeuge und diesen darüber hinaus vor der Körperfeuchtigkeit schütze, egal bei welchem Wetter. Was ist Eure Meinung hierzu?
    Ich wäre Euch sehr dankbar , wenn Ihr diese Fragen, die womöglich auch andere interessieren, beantworten würdet.
    Grüße
    Uli

  7. Bergfreund Marco sagte am 12. November 2018 um 16:58 Uhr

    Hallo Uli,

    zunächst zur ersten Frage:

    es kommt hier stark auf den Temperaturbereich an, denn ein Inlet wird eigentlich nie eine ähnliche Wärmeleistung bieten, wie auch ein leichter Kunstfaserschlafsack. Für eine reine Hüttentour genügt das sicher, aber darüberhinaus wäre ich eher skeptisch.

    Dann zu Deiner zweiten Frage: ehrlich gesagt halte ich persönlich von keiner der beiden Varianten etwas, da es immer dazu führen wird, im inneren Schlafsack die Feuchtigkeit stärker zu „speichern“ und damit ein eher unangenehmes Gefühl zu haben. Wenn dann würde ich aber tatsächlich zur zweiten Variante neigen, da Daune eine bessere Atmungsaktivität hat. Die zweite Variante würde ich nur unter dauerhaft nassen Bedingungen wählen, aber selbst dann wäre hier auf Dauer ein Biwaksack zu bevorzugen. Es ist auch bei Schlafsäcken leider son, dass es die berühmte eierlegende Wollmilchsau für alle Temperaturbereiche gibt.

    Viele Grüße,

    Marco

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