Bergfreunde

Gore-Tex Transalpine-Run 2014 …sich quälen, wo andere Urlaub machen?

4. April 2014

Sportart

Auf zum TAR 2014!

Auf zum TAR 2014!

293km und 13730 Hm gilt es zwischen Ruhpolding und Sexten zu bewältigen.

Aufgeteilt in acht Tagesetappen geht es in Zweierteams auf einer landschaftlich beeindruckenden Route über den Alpenhauptkamm – das klingt verlockend!?

Markus teilt uns diese Woche mit, was seine Gedanken zum Gore-Tex Transalpine-Run 2014 sind!

 Ein Blick zurück

Hektisches Geklacker von Trekkingstöcken und Anfeuerungsrufe reißen mich aus meinen Gedanken. Es ist ein schöner Spätsommertag im Jahr 2011, kurz nach acht Uhr früh und ich befinde mich auf dem Rückweg von einer Sonnenaufgangswanderung. Unweit der Widdersteinhütte im Bregenzerwald überholt mich ein Pulk aus spanischen und schottischen Läufern mit beeindruckendem Tempo, dicht gefolgt von ein paar Laufhelden aus dem Allgäu. Schnell sind sie wieder aus meinem Blickfeld verschwunden.

Zu diesem Zeitpunkt haben sie schon einen 10 km langen Aufstieg aus dem Kleinwalsertal in den Beinen. Auch noch eine Stunde später schlängeln sich Horden von Läufern auf dem Weg Richtung Hochtannbergpass bergab, immer mit dem Ziel vor Augen, das etwa 40 km entfernte Schruns zu erreichen.

Begeistert von der Leistung der Athleten, aber auch verblüfft über die Tatsache, wie viele Trinkflaschen und Powergels an einem menschlichen Körper befestigt werden können, beobachte ich das Geschehen weiter.

Bewegten sich die ersten Läuferinnen und Läufer noch im zügigen Lauftempo voran, ist es in der hinteren Hälfte eher ein schnelles Wandern. Das Leistungsspektrum der Teilnehmer ist relativ weit gestreut, wobei anzumerken ist, dass jeder ein sehr hohes Trainingsniveau haben muss, um eine solche Strecke meistern zu können.

So waren damals meine ersten Eindrücke vom Transalpine-Run…

Gegenwart

Ob die schöne Landschaft die Qualen kompensieren kann?

Ob die schöne Landschaft die Qualen kompensieren kann?

Besser informierten Zuschauern war damals schon bekannt, dass es den Transalpine-Run seit 2005 gibt. Innerhalb dieser neun Jahre boomte  das Trailrunning zusehends und der Begriff wurde zu einem geflügelten Wort für das Laufen abseits befestigter Wege.

„Schon wieder so’n Modewort für etwas, das es schon lange gibt“ könnte man jetzt einwerfen. Berg- und Crossläufe gab es schließlich schon lange vorher. Trotzdem besitzen Trailrunning-Wettbewerbe eine  gewisse EigenständigkeitErlebniswert und Eventcharakter stehen vermehrt im Vordergrund. Dies scheint eine breite Masse an Läufern anzusprechen. Waren es anfangs noch 75 Teams, machen sich beim Transalpine-Run inzwischen über 300 Zweiergruppen auf den Weg über die Alpen. Hierfür gibt es im jährlichen Wechsel zwei verschiedene Routen: Die Westroute, welche von Oberstdorf nach Latsch im Vinschgau führt und die diesjährige Ostroute von Ruhpolding nach Sexten.

Der Streckenverlauf

Auch 2014 werden sich voraussichtlich wieder so viele Läufer auf die mit vielen Höhepunkten gespickte  Strecke wagen. Gleich ab Ruhpolding müssen 48,7 km bewältigt werden, wobei die erste Etappe bei nur 1539 Hm im Aufstieg sehr flüssig zu laufen sein soll – der Veranstalter scheint Humor zu haben!

Da der erste Tag so flüssig vorüber geht, bekommt man gleich am zweiten die längste Distanz serviert: Von St. Johann in Tirol geht es über den 2086m hohen Wildkogel nach Neukirchen am Großvenediger. Insgesamt 49,2 km. Positiv denkende Menschen sind jetzt froh, dass die Tagesetappen ab diesem Zeitpunkt kürzer werden…

Vom Pinzgau aus folgt am nächsten Tag der 43 km lange Wechsel ins südtiroler Ahrntal. Dabei wird mit der 2667m hohen Birnlücke der höchste Punkt des diesjährigen Transalpine-Runs überwunden.

Ausgehend von Prettau im Ahrntal quert man am vierten Tag die südlich der Zillertaler Alpen gelegene einsame Landschaft der Rieserfernergruppe. Etwas mehr als 31 km in hochalpinem Gelände, das an landschaftlicher Schönheit kaum zu überbieten sein soll – ich bin gespannt!

Die diesjährige Route von Ruhpolding sach Sexten

Die diesjährige Route von Ruhpolding nach Sexten

In Sand in Taufers halten wir uns zwei Tage auf, da bei der 5. Etappe ein sogenannter Bergsprint ansteht. Übersetzt heißt dies, dass man auf 6,44 km knapp über 1000 Hm bergauf läuft und dann mit der Bergbahn vom Ziel am Speikboden wieder ins Tal zurück schwebt. Von manchen wird dieser Tag auch als Ruhetag bezeichnet – dieser Aussage schließe ich mich nicht an.

Schlecht wäre es jedenfalls nicht, wenn man die Fähigkeit besitzt, sich an diesem Tag zu erholen, da am sechsten Tag die Etappe mit den meisten Gesamt-Höhenmetern folgt. Wir nähern uns nun den Dolomiten, aber vorher steht ein größeres Hindernis im Weg: Gemeint ist nicht Bruneck – die größte Stadt, die durchlaufen werden muss – sondern der ewig lange Anstieg zum Kronplatz. Vom Talgrund sind 1400 Hm am Stück zu erklimmen, bevor es wieder bergab zum Zielort St. Vigil geht. So kommen 2289 Hm und 38,5 km zusammen.

Luftlinie ist man jetzt nicht mehr weit von Sexten entfernt, uns trennen aber noch zwei anstrengende Etappen vom erlösenden Ziel. Schreiberisch kürze ich dies mal ab, obwohl es sich um sehr reizvolle Etappen handelt: Ein knapp 42 km langer Abstecher in die Dolomiten, vorbei an Bergseen und Hochalmen führt uns nach Niederdorf im Pustertal. Dort startet die finale Etappe  (33,4 km/ 1269 Hm) nach Sexten, direkt unterhalb der Drei Zinnen, dem Wahrzeichen der Dolomiten, gelegen. Wenn Johannes und ich das alles gesund überstehen, wird hier ein Traum für uns wahr: der Zieleinlauf vor traumhafter Bergkulisse!

Regelwerk

Was beim Schreiben möglich ist, endet beim Transalpine-Run mit einer Disqualifikation. Abkürzen ist nicht erlaubt und wird streng überwacht. Die Läufer müssen Kontrollpunkte passieren, die vorher nicht bekannt sind. Lässt man sich an einem Checkpunkt nicht blicken, gibt es zumindest eine Zeitstrafe von 60 Minuten.

Außerdem müssen die Teams gemeinsam laufen. Ein Abstand von 2 Minuten geht noch in Ordnung, ist der Abstand bei einer Kontrolle größer, kann auch hier eine Zeitstrafe verhängt werden.

Wie geht es weiter

Ich sollte jetzt lieber wieder mit dem Schreiben aufhören und anständig trainieren, damit ich den Worten auch Taten folgen lassen kann. Deshalb berichtet Johannes demnächst über die nötige Ausrüstung für so ein Abenteuer. Außerdem werden wir interessierte Leserinnen und Leser mit unseren Trainingsplänen und Lauferlebnissen versorgen – schließlich wollen wir nicht nur uns quälen ;)

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