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Gore-Tex TAR 2014 – Auch eine Frage der Trailrunningschuhe

21. April 2014

Sportart

Des Trailrunners wichtigstes Gerät - der Schuh

Des Trailrunners wichtigstes Gerät – der Schuh

Die Zeit bis zum Gore-Tex Transalpine Run 2014 wird kürzer, die Tage zum Trainieren werden länger – also allerhöchste Zeit, sich über das Equipment Gedanken zu machen. Das Wichtigste hierbei sind aus meiner Sicht die Schuhe. Hier kann man am meisten falsch machen. Wer will sich schon nach der ersten Etappe mit einer offenen Blase herum plagen müssen oder einen Abflug nach dem anderen machen, da Lightweight-Straßenschuhe wohl nicht das richtige Schuhwerk für alpine Pfade sind.

Daher will ich (Johannes) hier mal einen kleinen Überblick geben, was den Trailrunningschuh generell ausmacht – im Vergleich zum Straßenlaufschuh. Was ein Trailrunningschuh leisten muss und wo innerhalb dieses wachsenden Marktes die Unterschiede liegen. Und schließlich will ich euch an meinen Gedankenspielen bezüglich der Schuhwahl für den Gore-Tex Transalpine Run Teil haben lassen.

Trailrunning – abseits ausgetretener Pfade

 

Für besondere Ansprüche geschaffen

Von links nach rechts geht’s vom festen Untergrund zu immer matschiger und weicherem Untergrund

Von links nach rechts geht’s vom festen Untergrund zu immer matschigerem und weicherem Untergrund

Trailrunning ist das Laufen abseits ausgetretener Pfade auf häufig wechselnden Untergründen und unwegsamem Gelände. Dabei wechseln sich kräftige Steigungen und Gefälle ab. Der Untergrund besteht aus Waldboden, Schotter, Feld, Matsch und Wiese (keine Gewähr auf Vollständigkeit) – meist in ständigem Wechsel. Nicht selten versperren Äste oder Wurzeln den Weg, Wasserläufe kreuzen selbigen, die elegant übersprungen werden müssen. All dies stellt sehr hohe Anforderungen an den Läufer in Sachen Kraft (-ausdauer), Koordination und Antizipationsfähigkeit. Aber auch an das Schuhwerk werden besondere Anforderungen gestellt.

Das wichtigste Kriterium des Trailrunningschuhs ist wohl seine stark profilierte Außensohle, die auf rutschigen, unebenen Untergründen sicheren Halt bieten soll. Diese zeigt sich häufig stollenartig und ist manchmal sogar mit Spikes bestückt, um auch auf eisigen Strecken sicheren Halt zu geben.

Aber auch innerhalb der Trailrunningschuhe gibt es Unterschiede in der Sohle, was sich zum Beispiel in unterschiedlichen Serien mancher Hersteller zeigt (z.B. Inov-8 mit ihrer Trailroc-, X-Talon– und Mudclaw-Serie).

Generell sind Trailschuhe nicht für den Gebrauch auf befestigten Wegen geeignet, da sich die Sohle unnötig schnell abnutzen würde. Für den Gore-Tex Transalpine Run sehe ich eher flexiblere Sohlen im Vorteil. Diese kommen sowohl auf festerem Untergrund als auch auf feuchten und nassen Erdwegen zurecht (z.B. Haglöfs Gram Comp, Inov-8 Trailroc oder Salomon XT Hornet). Spezialisten wie der Inov-8 Mudclaw sind dort eher fehl am Platz.

Die Sache mit der Sprengung

Links Straßenlaufschuh, rechts Trailschuh

Links Straßenlaufschuh, rechts Trailschuh

Im Gelände kommt es weniger auf eine gute Dämpfung an. Viel wichtiger ist eine hohe Torsionsfähigkeit und Flexibilität der Sohle. Wer daher ein Federbett als Laufschuh sucht, ist bei den Trailrunningschuhen meist falsch. Die Sohle ist auch eher niedrig gehalten und die Sprengung im Vergleich zu Straßenschuhen eher gering. Dies ermöglicht den direkten Kontakt zum Untergrund und kann so Verletzungen, beispielsweise durch Umknicken des Sprunggelenkes, verhindern.

Allerdings sollte man auch darauf achten, dass man an geringere Sprengung gewöhnt ist. Der gängige Alltagsschuh hat eher eine hohe Sprengung. Daher ist der Bewegungsapparat geringe Sprengung unter Umständen nicht gewohnt. Das sollte daher vorsichtig antrainiert werden und nicht erst auf der ersten Etappe des Gore-Tex Transalpine Runs – böses Erwachen vorprogrammiert.

Der Schnitt

Um dem Fuß bessere Führung zu geben, sind die meisten Trailschuhe eher schlanker geschnitten. Dadurch hat man beim Laufen im Gelände einfach ein besseres Gefühl für den Untergrund und kann präziser antreten, wenn sich einem Steine und Wurzeln in den Weg werfen.

Links schlanke Schuhform beim Trailschuh, recht beim Straßenschuh ist vor allem die Zehenbos weiter, bietet daher nicht so viel Führung

Links schlanke Schuhform beim Trailschuh, rechts der breitere Straßenschuh

Der Schaft von Trailrunningschuhen ist vorwiegend robust gearbeitet. Dieser besteht nicht selten aus strapazierfähigen Materialien wie Leder, Kevlar oder Gummi. Meist ist das Meshmaterial wesentlich dichter gewebt als bei Straßenlaufschuhen. Schließlich lauern nicht selten „Gefahren“ wie Steine, Felsen, Dornen, Äste, Gestrüpp, etc.

Hinsichtlich der Wetterbeständigkeit gibt es jedoch große Unterschiede, vom wasserdichten Schuh, teils inklusive Gamasche (z. B. La Sportiva Crossover GTX), bis hin zu leichten Trailschuhen, die keinerlei Wetterschutz bieten (z.B. Inov-8 X-Talon 212). Was einem hier lieber ist, muss jeder für sich entscheiden. Generell sind im Sommerhalbjahr Schuhe mit Membran eher ungeeignet, da diese eine weit geringere Atmungsaktivität bieten – wer geht schon im Sommer gerne in die Sauna. Auch trocknen sie wesentlich langsamer, falls von ober her doch Wasser in den Schuh eindringen sollte.

Für den Gore-Tex Transalpine Run ist sicherlich eine Kombination aus wasserdichten als auch nicht wasserdichten Trailrunningschuhen die richtige Wahl. So hat man, je nach aktuellen Wetterverhältnissen, den richtigen Schuh zur Hand.

Welcher passt denn nun für mich?

Nun, das können wir Dir nur schwer sagen. Wichtig ist, dass Passform und Funktionalität vor Aussehen gehen. Der hübscheste Trailschuh bringt nichts, wenn er Blasen verursacht. Wer auf feuchten Waldböden unterwegs ist (zum Beispiel Salomon Speedcross oder Inov-8 Mudclaw) braucht einen anderen Schuh wie der alpine Trailrunner beim Gore-Tex Transalpine Run (zum Beispiel Salomon XT Hornet oder Inov-8 Trailroc). Daher ist es wichtig, sich gut beraten zu lassen und vor allem die Schuhe zu testen – aber nicht vergessen, dass der Schuh wieder als absolut neuwertig verkauft werden muss.

Und welcher passt für mich? Um ehrlich zu sein, weiß ich selber noch nicht, welcher Schuh bzw. welche Schuhe mich über die Pässe tragen sollen. Ich werde auf jeden Fall einen eher flexiblen Schuh sowie einen für eher feuchte Verhältnisse mitnehmen. Bei ersterem werde ich entweder auf den bedingungslosen Wettkampfschuh von Salomon zurück greifen, den S-Lab Sense 3 Ultra SG oder auf den Inov-8 Trailroc 235 (oder 245). Bei letzterem wird es ein Inov-8 X-Talon (190 oder 212). Die kenne ich von zahlreichen Läufen von der Schwäbischen Alb über die Allgäuer Alpen bis zum Pico del Teide – ganz nach dem passenden Motto „Schuster, bleib bei Deinen Leisten.“

Pflege ist das Salz in der Suppe

Schuhe schnüren – und ab geht’s ins Gelände

Schuhe schnüren – und ab geht’s ins Gelände

Trailschuhe werden einsatzbedingt dreckiger als der gängige Straßenlaufschuh. Daher ist es wichtig ihn richtig zu pflegen. Dazu gehört es, nach einem genussvollen Lauf über Stock und Stein mit einer feuchten Bürste oder gleich unter laufendem Wasser (so mache ich das) den Dreck noch vor dem Antrocknen zu entfernen. Trockener Schlamm kann sehr aggressiv auf das Außenmaterial wirken. Wenn dann alles weg ist, muss der Schuh gut durch-getrocknet werden, damit Schimmelpilze keine Chance haben. Aber bitte den Schuh nicht vor der Heizung oder noch schlimmer im Ofen trocknen. Ich packe immer die letzten beiden Tageszeitungen rein und lasse den Schuh über Nacht im warmen Badezimmer. Morgens dann die Zeitung raus und vollends trocknen lassen – voila, wie neu!!!

Es bleibt spannend, ich halte euch bezüglich meiner Testergebnisse und Entscheidungen natürlich auf dem Laufenden. Falls auch Du einen Trailschuh suchst, sei es auch für den Gore-Tex Transalpine Run oder für ganz was anderes, stehe ich gerne mit Tipps zur Seite.

In diesem Sinn – keep on running!!!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Jürgen sagte am 24. Mai 2014 um 12:52 Uhr

    Hallo und Gruß …
    Schöner Artikel, dem ich grundsätzlich zustimme. Jedoch möchte ich bezüglich:

    „Im Gelände kommt es weniger auf eine gute Dämpfung an. Viel wichtiger ist eine hohe Torsionsfähigkeit und Flexibilität der Sohle. Wer daher ein Federbett als Laufschuh sucht, ist bei den Trailrunningschuhen meist falsch.“

    … noch etwas hinzufügen.

    Der Haken an der Geschichte ist, dass ab gewissen Distanzen die Fußmuskulatur ordentlich leidet und durch starke Ermüdung zu massiven Problemen führen kann. Irgendwann relativiert sich das dann mit „wenig Dämpfung“ und „direktem Bodenkontakt“ – bzw. wird kontraproduktiv. Aus diesem Grund verbreiten sich in der Ultra-Running-Szene immer mehr die Hoka Schuhe, welche bewusst mit starker, quasi überdimensionierter Dämpfungen konstruiert wurden – gerade für Trails. Der Bodenkontakt ist damit nicht so direkt, klar und er ist auch nicht torsionsflexibel. Trotz seiner Hohe ist er aber nicht „kippgefährlich“, da seine Sohle sehr breit ist und förmlich am Boden klebt. Außerdem bügelt seine Dämpfung Bodenunebenheiten wie Schotter und Wurzeln regelrecht glatt. Beim TAR wäre ein solcher ggf. auch nicht verkehrt.

    Übrigens kann ich erst durch den Hoka (meiner ist ein Stinson ATR Trail) Ultras (im Gebirge) von 60-100 km absolvieren, welches mit einem normalen Trail-Schuh unmöglich wäre, ohne mir völlig die Füße zu schrotten. ;-) Auf kürzeren Trails würde ich aber (aus dem im Artikel genannten Gründen) immer einen „üblichen“ Trailschuh vorziehen. Jede Medaille hat halt zwei Seiten.

    PS. Bitte den ersten Kommentar nicht verwenden, da dort das Wort „Hoka“ nicht angezeigt wird (wohl wegen von mir verwendeter Sonderzeichen).

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