GoreTexPro. Foto: Norröna

GORE-TEX Pro im Praxistest: neu, robust, atmungsaktiv?!

8. November 2013

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Die neue Generation GORE-TEX Pro im Test

Die neue Generation GORE-TEX Pro im Test

GORE-TEX hat sein robustestes Laminat überarbeitet und mit einer neuen Version der eigenen Membran ausgestattet. Seit dieser Saison ist sie verfügbar und wird in allen neuen GORE-TEX Pro Produkten eingesetzt. In das neue Laminat ist das Ergebnis mehrere Jahre Forschungsarbeit und soll eine noch bessere Performance haben.

Ich hatte die Gelegenheit das neue Material bereits seit etwa einem Jahr in der Praxis zu testen. Meine Testjacke in schrillem orange hat mich viel begleitet und musste beweisen, was es im Einsatz hinsichtlich Robustheit, Dichtigkeit und Atmungsaktivität leisten kann. Von meinen Eindrücken berichte ich Euch in diesem Beitrag.

Hintergrund: die neue Generation von GORE-TEX Pro

Wie jetzt? GORE-TEX Pro ist doch nicht neu, oder? Doch, das ist es. Aus dem ehemaligen GORE-TEX ProShell hat man nicht nur per Namenskosmetik das „Shell“ gestrichen – es ist auch im nicht sichtbaren Inneren Neues zu entdecken!

Bei der Vorgängerversion musste die eigentliche ePTFE-Membran noch mit einer PU-Beschichtung vor Fetten (z.B. von der Haus) und Kristallen (z.B. im Schweiß) geschützt werden. Bei der neuen Generation sucht man diese vergebens. Der Clou: man hat eine Methode gefunden, wie man durch mehrere Schichten der ePTFE Mikrostruktur den nötigen Schutzeffekt erzielen kann. Grob gesagt werden dafür mehrere Lagen in unterschiedlichen Winkeln aufeinander gelegt – für mehr Details empfehle ich eine Chemiestudium oder ein Dutzend Bierchen mit den Entwicklern bei Gore.

GORE-TEX Pro: Technologie der Laminatgenerationen im Vergleich

GORE-TEX Pro: Technologie der Laminatgenerationen im Vergleich

Das Ergebnis ist in jedem Fall, dass zwischen dem Ober- und dem Futtermaterial in der neuen Generation nur noch die ePTFE Mikrostruktur „klemmt“. Das macht das Material in Summe atmungsaktiver als die vorherige Generation. GORE-TEX spricht von einer Steigerung der Atmungsaktivität von bis zu 28%.

Soweit die Theorie. Mehr dazu findest Du auch auf unserer Infoseite.

GORE-TEX Pro im umfangreichen Bergfreunde Praxistest

Schlechtes Wetter im Zillertal

Schlechtes Wetter im Zillertal

Zu den Freuden meines Jobs gehört es, dass ich ab und an an Ausrüstung komme bevor diese auf dem Markt verfügbar ist. Und so wurde ich von GORE-TEX bereits im vergangenen Jahr gefragt ob ich das neue Material testen und Feedback geben möchte. Selbstverständlich wollte ich und wurde deswegen kurz darauf in eine signalorange Jacke aus dem neuen Pro-Laminat gesteckt.

In den folgenden Monaten habe ich die Jacke immer wieder im Wechsel mit zahlreichen anderen Jacken (meine Garderobe an Hardshelljacken ist zugegeben etwas übertrieben) im Einsatz gehabt.

Ein Bergfreund auf Abwegen

Ein Bergfreund auf Abwegen

Dabei habe ich bewusst versucht bei verschiedenen Bedingungen zu testen und auch mal über die Grenzen des eigentlich gedachten Einsatzbereiches hinaus zu gehen.

Wer also mal einen Trottel getroffen hat, der die Lechtaler Alpen bei Sonnenschein und über 25°C in einer hochverschlossenen und knallorangen Jacke hoch krabbelte….das war ich. Ansonsten begleitete mich die Jacke bei weiteren Bergtouren im Alpenraum, beim Klettern in typisch walisischem Herbstwetter, auf Hochtouren, auf und im Schnee, beim Segeln auf der Nordsee, im Alltag auf dem Rad und so weiter…

Wie zu erwarten: dauerhaft wind- und wasserdicht

Dreckig aber in Takt

Dreckig aber in Takt

Drei Parameter waren für mich bei diesem Material von besonderem Interesse: Dichtheit und Atmungsaktivität sowie die von GORE-TEX angekündigte Robustheit des Pro-Laminats für harte Einsätze. Wichtig zu wissen: ich habe die Jacke in der Praxis getestet und kein Labor mit aufwändigen Tests beschäftigt. Die nachfolgenden Einschätzungen sind also meine subjektive Wahrnehmung nach rund einem Jahr Einsatz der Testjacke.

Beim ersten Punkt hatte ich zugegeben keinerlei Bedenken: alle GORE-TEX Materialien die ich im Einsatz habe, haben mir stets sowohl Wind als auch Wasser von außen zuverlässig vom Leib gehalten. So war es auch bei dem neuen GORE-TEX Pro Laminat.

Wasser bleibt draußen

Wasser bleibt draußen

Das hielt auch an, als ich (zur Verwunderung meines Umfelds) mit kräftigem Rubbeln und Waschen an einem Ärmel die Imprägnierung weitgehend ins Jenseits beförderte. Bei den nächsten Einsätzen zog der Oberstoff zwar etwas Wasser – die Membran jedoch hielt es zuverlässig ab, sodass es kein Durchsuppen gab: das Innenfutter wurde nicht nass.

Wasserdicht waren auch die Schulterpartien, die ja traditionell zu den Sorgenkindern von zählen können. Obgleich auch bei mir die Rucksackträge erst die Imprägnierung opferten und anschließend versuchten das Wasser regelrecht einzumassieren: von außen drang kein Wasser ins Innere der Jacke vor.

Atmungsaktivität: gefühlt eine deutliche Steigerung

Innenseite der Testjacke

Innenseite der Testjacke

Ich besite mit einer Arc’teryx Beta seit einigen Jahren eine Hardshelljacke mit dem Vorgängermaterial GORE-TEX ProShell. Für lange Touren mit schwerem Rucksack oder raue Felskontakte war sie lange meine erste Wahl. Allerdings musste ich später eingestehen, dass ein GORE-TEX ActiveShell oder auch das Polartec NeoShell (gefühlt) die bessere Atmungsaktivität boten. Kein Wunder, waren ja auch neuere Technologien und überdies für andere Anwendungsbereiche konzipiert.

Und jetzt kommt der Punkt an dem ich den Hut vor den GORE-TEX Tüfftlern ziehen muss. Denn meinen Erfahrungen nach hat GORE-TEX mit dem neuen Pro-Laminat jetzt stark aufgeholt – je nach Vergleichsmaterial sogar gleichgezogen.

Draußen kalt - innen trocken

Draußen kalt – innen trocken

Obgleich die Testjacke keine Zipper unter den Armen hatte und auch die Taschen nicht als Lüftungen ausgelegt waren: mit dem Klima in der Jacke war ich bislang zufrieden. Sicher: wenn ich auf bekloppt mache und überisoliert im warmen Sonnenschein aufsteige, dann hat kein Material mehr eine Chance. Bei realistischen Bedingungen und dem richtigen Lagensystem drunter aber gibt es nichts zu meckern! Das gilt natürlich erst recht bei kühlen Außentemperaturen, da das Temperaturgefälle von innen nach außen die GORE-Technologie begünstigt. Ergo: wer auf der Schneeschuhtour unter der Jacke eindampft, der sollte überdenken ob er das richtige drunter hat.

GORE-TEX Pro ist noch robuster geworden

GORE-TEX 3-Lagen System

GORE-TEX 3-Lagen System

Wo Pro drauf steht, soll laut GORE-TEX alles drin sein, was auch für rauhe Unternehmungen notwendig ist. Jetzt darf man wissen, dass nicht die Membrane sondern das Obermaterial den größten Einfluss auf die Robustheit einer Jacke hat. Forschungen bei GORE-TEX haben ergeben, dass die Widerstandsfähigkeit eines Stoffes ab einer gewissen Fadenstärke sprunghaft ansteigt. Mit diesem Wissen werden ab sofort nur noch Oberstoffe mit der Pro-Membran laminiert, die einen Denierwert von mindestens 40 aufweisen.

Außerdem gibt es bei Pro-Laminaten nur die sog. 3-Lagen Konstruktion. Bei dieser sind Außenmaterial und Membran auch mit dem Innenfutter direkt laminiert. Vorteil dieser Konstruktion ist, dass die verschiedenen Schichten nicht aufeinander reiben und damit noch länger in Topform bleiben.

Reibende Rucksackträger: kein Problem!

Reibende Rucksackträger: kein Problem!

Nun war schon für das Vorgängermaterial ProShell die Haltbarkeit kein Problem. Zudem habe ich die Jacke erst ein Jahr in Gebrauch. Es ist also zu erwarten gewesen, dass ich das Material bislang nicht verschlissen habe. Im Gegenteil: obwohl in nicht für einen zimperlichen Umgang mit meiner Ausrüstung bekannt bin hat sich an der Jacke zwar Schmutz gesammelt – das Material ist aber weiterhin vollkommen in Ordnung. Meine Prognose wäre: auch in den nächsten Jahren kann ich die Jacke selbst bei regelmäßigem Einsatz nicht verhageln. Ein Eindruck den übrigens auch Bergführer in Wales bestätigen, die das Pro-Laminat noch länger testeten als ich selbst…und bekanntlich die Berufsgruppe mit maximalem Textilverschleiß sind.

Fazit: Daumen hoch für das neue GORE-TEX Pro

Gore ist angetreten mit dem neuen Pro-Material ein Laminat zu liefern, dass seine Funktion auch im rauen Dauereinsatz behält. Besondere Leichtigkeit oder maximale Atmungsaktivität überlassen sie anderen Laminaten, beispielsweise GORE-TEX Active.

GORE-TEX Pro kann überzeugen!

GORE-TEX Pro kann überzeugen!

Meine Stimme, dass sie das geschafft haben, bekommt der amerikanische Konzern auf jeden Fall! Denn in Sachen dauerhafter Robustheit und Dichtigkeit gegen Wind und Wasser haben sie eine hohe Messlatte vorgelegt. Die Atmungsaktivität ist zwar noch nicht so maximiert wie beispielsweise bei einem Active-Laminat – welches aber auch weitaus empfindlicher ist. Auch mit einem Blick nach links und rechts, gibt es an der Dampfdurchlässigkeit (nichts) mehr zu meckern.

In meinen Augen hat GORE-TEX eine gekonnte Abwägung zwischen Atmungsaktivität und dauerhafter Funktionalität umgesetzt. Besonders positiv fällt das Urteil aus, wenn man das neue Laminat-Angebot von GORE-TEX betrachtet: nach Neuerungen für schnelle Sportarten, wurde nun auch das Material für dauerhafte, raue Einsätze optimiert. Denn mit einer GORE-TEX Pro Jacke und Hose würde ich Alpen nicht nur von Norden nach Süden, sondern auch von Westen nach Osten überqueren!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Waldemar sagte am 10. November 2013 um 16:11 Uhr

    Hallo,

    ich habe mir auch vor einiger Zeit eine Marmot Alpinist, allerdings mit der Goretex Pro Shell besorgt. Als ich bei Marmot angefragt habe, ob die Jacke auch für Salzwasser geeignet sei, wurde mir gesagt, dass sobald ich die Jacke in Salzwasser verwende, die lebenslange Garantie erlischt. Nun schreibst du aber, du hättest deine Jacke auch in der Nordsee getragen. Macht das neue Material sowas mit? Oder hast du einfach auf die Garantie geschissen???

  2. Sebastian sagte am 10. November 2013 um 17:35 Uhr

    Hallo Waldemar,
    ich muss gestehen, dass ich mir nur bedingt Gedanken über die Garantie gemacht habe. Ich hatte auf dem Törn mehrere Hardshells dabei und auch bei den teuer bezahlten keine Angst, dass die Membran das zerstört.
    Grundsätzlich ist es natürlich so, dass Salzkristalle mit dem Wasser in das Gewebe gelangen können. Das kann meines Wissens feinste Strukturen verletzen und vor allem die Mikroporen verstopfen. Grundsätzlich hat man aber ja auch im Schweiß Salze, die in die Jacke gelangen.
    Ein Grund warum GORE & Co empfehlen die Jacken zu waschen – einen Beitrag dazu findet sich im Basislager: Hardshell richtig waschen.
    Ich werde aber mal parallel eine Anfrage an GORE-TEX senden, ob das mit der Garantie denn stimmt. Ich melde mich wieder, sobald die Infos dazu reinflattern.
    Bester Gruß,
    Seb

  3. Norbert Zehetner sagte am 10. November 2013 um 16:24 Uhr

    Hallo Sebastian,

    eine Frage, ist die abgebildete Testjacke von dir erhältlich?

    danke für die Info
    lg Norbert

  4. Sebastian sagte am 10. November 2013 um 17:28 Uhr

    Hallo Norbert,
    die Jacke war eine Sonderanfertigung, die so leider nicht zu bekommen ist. Tatsächlich fehlten Ihr auch einige Features (Taschen, Lüftungsreißverschlüsse,…), die man von einer gekauften Hardshell dann auch erwarten dürfte.
    Was genau macht die Jacke für Dich interessant? Das neue Material gibt es bereits bei vielen Modellen (http://www.bergfreunde.de/p/gore-tex-pro/), auch von Arc’teryx. Wer orange Jacken will wird ebenfalls fündig.
    Bester Gruß,
    Seb

  5. Nils sagte am 18. Mai 2015 um 12:18 Uhr

    Servus Sebastian,

    ich habe ebenfalls die Marmot Alpinist und habe gehört, dass man diese regelmäßig waschen sollte, damit die feine Gewebestruktur sich nicht durch Staub etc. versiegelt.
    Hast Du Deine Jacke schon mal gewaschen?
    Bin in diser Hinsicht immer recht vorsichtig, da ich die Imprägnierung so lang wie möglich erhalten möchte. Auch wenn das Gewebe dicht hält.

    Meiner Erfahrungen:
    + PRO +

    – leicht
    – kompakt
    – absolut wind- u. regendicht
    – Belüftungs-RV´s unter den Achseln
    – großzügige Taschen
    – Kapuze über Helm möglich

    – KONTRA –

    – nicht so atmungsaktiv, wie ich dachte (bergaufwärts)
    – RV´s gehen schwer (zu fein)
    – kein 2-Wege-RV
    – Innenbeschichtung nicht angenehm auf Haut (z.B. bei T-Shirt)

  6. Sebastian sagte am 18. Mai 2015 um 16:38 Uhr

    Hallo Nils,

    eine feine Jacke hast Du dir mit der Alpinist von Marmot rausgesucht. Hat die schon das neue Gore-Tex Pro oder noch das Vorgänger-Laminat „Pro Shell“? Aber eigentlich ist das genaue Material für die Antwort auf Deine Frage auch egal… Gore-Tex empfiehlt für beide, wie eigentlich für alle GTX-Stoffe, diese regelmäßig zu waschen. So bleibt die Membran nicht nur sauber und atmungsaktiver – sie lebt auch länger, weil ihr Verschmutzungen und kleine Kristalle oder Körnchen nicht so arg zusetzen.
    Ich kann Deine Bedenken verstehen – ungern möchte man seine teuere Jacke in der Waschmaschine kaputt machen. Lange habe ich mich auch nur zögerlich getraut, habe jedoch mittlerweile viele Jacken gewaschen und keinerlei Probleme gehabt. Noch sicherer geht es mit den folgenden Tipps:

    • Beachte die Waschhinweise des Herstellers
    • Spüle die Waschmaschine vorher durch, damit keine Waschmittelreste drin sind
    • Am besten nur wenig Flüssigwaschmittel verwenden – es gibt auch spezialisierte Waschmittel im Shop

    Natürlich kann nach einigen Wäschen die DWR-Imprägnierung nachlassen – aber auch das ist kein Problem. Dosierte Wärme kann diese reaktivieren – z.B. wenn man sie für 20 Minuten bei niedriger Temperatur in den Trockner packt. Wenn das nicht mehr hilft, dann kann man auch nachimprägnieren – Mittelchen gibt es dazu auch bei uns im Shop.

    Ein paar weitere Informationen hat Wiebke auch mal in einem Artikel wie man Hardshell richtig pflegt zusammengetragen. Und sogar zum Thema richtig imprägnieren, haben wir mehr Infos im Basislager

    Ich hoffe wir konnten Dir damit etwas weiterhelfen – ansonsten melde dich gerne hier oder bei uns im Kundenservice.

    Es grüßen die Bergfreunde,

    Sebastian

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