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Gore-Tex: Wind- und wasserdicht trifft atmungsaktiv!

24. Juli 2014

Kategorie

Sportart

Wie funktioniert eigentlich Gore-Tex?

Wie funktioniert eigentlich Gore-Tex?

Dunkle Wolken ziehen auf, ein eisiger Wind bläst Dir um die Ohren und vereinzelte, platschende Regentropfen verwandeln sich in einen strömenden Regen.

Bei diesem Naturschauspiel ist man im besten Fall bereits an der Hütte oder Zuhause angekommen und genießt einen heißen Tee. Wenn Du jedoch davon weit entfernt bist, ist es äußerst vorteilhaft Gore-Tex Bekleidung bei sich zu haben.

Warum? Sie ist dauerhaft wind- und wasserdicht und dazu auch noch atmungsaktiv. Was das genau bedeutet, wie das Gore-Tex Material funktioniert und welches Material Du genau für welchen Einsatzzweck brauchst, soll hier erklärt werden.

Komfortzonen, Atmungsaktivität und Wetterschutz

Auch wenn Du sie nicht wahrnimmst: Dein Körper wird stets von einer dünnen Schicht schützender Luft umgeben. Nennen wir es Dein ganz eigenes kleines Mikroklima. Dieses Mikroklima ist allerdings ziemlich einfach aus dem Gleichgewicht zu bringen – kleinste Abweichungen der Temperatur und Feuchtigkeit führen dazu, dass man sich in der eigenen Haut nicht mehr wohl fühlt! Die Fakten: Für den Menschen ist ein Mikroklima von 32°C und eine relative Feuchtigkeit von unter 30% am angenehmsten.

Jetzt brauchst Du die richtige Jacke

Jetzt brauchst Du die richtige Jacke

Aus dem Gleichgewicht kommt dieses Mikroklima durch äußere Einflüsse wie Regen, Schnee und kaltem Wind oder aber durch unsere eigene Schweißproduktion. Denn: Egal ob beim Mountainbiken, Bergsteigen, Freeriden oder Trekking – wir schwitzen unweigerlich bei bewegungsintensiven Einsätzen. Und das ist auch gut so! Denn durch das Schwitzen schützt sich Dein Körper vor einem Überhitzen.

Damit der Schweiß als Wasserdampf von der Haut nach außen gelangen kann, ist atmungsaktive Kleidung das A und O. Wenn die Kleidung nicht atmungsaktiv ist, kann die Feuchtigkeit nicht nach außen abgeleitet werden und der Schweiß bleibt auf Deiner Haut zurück.

Wenn Du unbedingt wissen möchtest wie sich das anfühlt, kannst Du Dir zu Testzwecken gerne einmal einen Müllsack überziehen und raus in den Regen aufs Fahrrad steigen. Als Fazit wirst Du ganz bestimmt feststellen, dass der Sack wunderbar vor Regen schützt – Du jedoch dennoch klatschnass bist, weil man unter diesem Ding ganz fürchterlich zu schwitzen beginnt. Wir brauchen also bei ungemütlichem Wetter Kleidung, die nicht nur wasserdicht, sondern auch atmungsaktiv ist!

Wichtig ist außerdem die Winddichtigkeit! Denn sonst leidest Du unter dem sogenannten Windchill-Effekt. Wenn kalte Luft in die Kleidung eindringt, kann diese die warme Luft in Deinem Mikroklima verdrängen. Körperwärme wird an die Luft abgegeben und Du beginnst unweigerlich zu frieren. Fatal, wenn man dabei auch noch schweißgebadet ist!

Die Lösung: die Gore-Tex Membran

Die Gore-Tex Membran kannst Du Dir sich als eine Art feine Schicht mit zahlreichen kleinen Poren vorstellen. Sie weist pro Quadratzentimeter über 1,4 Milliarden mikroskopisch kleine Poren auf! Diese sind rund 20.000-mal kleiner als Wassertropfen. Wasserdichtigkeit: Check!

Jede Pore ist 700-mal größer als ein Wasserdampfmolekül. Dadurch können Schweiß und Wärme ungehindert von innen nach außen entweichen! Somit wird Dein Körper vor dem Überhitzen geschützt und das Gleichgewicht zwischen Deiner vom Körper erzeugten Wärme und Wärmeabgabe aufrecht erhalten. Damit das Ganze funktioniert ist ein Temperaturgefälle nötig: In Deiner Jacke muss es deutlich wärmer sein als draußen. Atmungsaktivität: Check!

Die Gore-Tex Membran hat zudem eine komplett winddichte Struktur. So kann keine kalte Luft eindringen und Dein empfindliches Mikroklima stören. Winddichtigkeit: Check!

Die Gore-Tex Membran wird zwischen dem Obermaterial und dem Futter eingearbeitet. So entsteht das sogenannte Gore-Tex Laminat!

Gore-Tex Produktmerkmale

Hier eine Jacke mit dem neuen Gore Pro

Hier eine Jacke mit dem neuen Gore Pro

Alle Gore-Tex Produkte wie Hardshelljacken, Hardshellhosen, Handschuhe und Gore-Tex Schuhe haben also eines gemeinsam – sie sind durch die Membran dauerhaft wind- und wasserdicht sowie atmungsaktiv. Zudem verfügen alle über getapte Nähte und eine wasser-und schmutzabweisende DWR (durable water repellent) Imprägnierung.

Jedoch unterscheiden sich die Gore-Tex Materialien durch die unterschiedlichen Verarbeitungsweisen! So sorgt Gore-Tex dafür, dass für jedes Deiner Vorhaben das richtige Material zur Verfügung steht.

Die Lagen

Es gibt sowohl 2-Lagen, 2,5 Lagen und 3-Lagen Konstruktionen mit unterschiedlicher Robustheit und Dampfdurchlässigkeit.

  • Bei den 3-Lagen-Konstruktionen werden Innen-und Außenmaterial und Membran miteinander verschweißt. So können sich die einzelnen Lagen nicht gegeneinander verschieben und das Material ist besonders langlebig, strapazierfähig und robust.
  • Bei den 2-Lagen Konstruktionen wird das Obermaterial fest mit der Membran verbunden und von der Innenseite wahlweise mit einem Futter ausgestattet. Diese Konstruktion ist besonders komfortabel und für maximal mittelschweres Gepäck geeignet.
  • Die 2,5 Lagen Konstruktionen haben eine Membran, die mit einem leichten Trägermaterial verbunden wird. Das Innenmaterial wir frei hängend zwischen Ober- und Futterstoff eingearbeitet (Z-Liner) oder besteht nur aus einem wabenförmigen Raster, einer Schutzschicht (Paclite). Diese Konstruktion ist besonders leicht und punktet durch ein geringes Packmaß – ist jedoch nur eingeschränkt rucksacktauglich.

Die Produktklassen

  • Gore-Tex: Das Standard-Material für jeden Tag! Flexibel und für leichte bis mittelmäßige Anstrengung gedacht, zum Beispiel zum Wandern, Trekking und Skifahren.
  • Gore-Tex Active/Paclite: sehr gute Atmungsaktivität, geringes Packmaß, für bewegungsintensive Einsätze ohne schweres Gepäck wie Skitouren, Trail Running, Mountainbiken.
  • Gore-Tex Pro: wenig Verschleiß, langlebig, robust. Ideal für anspruchsvolle Tätigkeiten wie beim Bergsteigen, Eisklettern und Freeriden.
  • Gore-Windstopper: winddicht und stark wasserabweisend, sehr atmungsaktiv. Ideal bei gemäßigten Wetterbedingungen, bei Schnee, Eis und trockener Kälte.

Gore-Tex Produkte richtig pflegen

Grundsätzlich sind alle Gore-Tex Produkte dauerhaft wind-und wasserdicht. Mit der Zeit und durch regelmäßiges Tragen, Waschmittel, Insektenschutzmittel und Schmutz kann jedoch die DWR-Imprägnierung (dauerhafte wasser-und schmutzabweisende Imprägnierung) des Obermaterials nachlassen. Wenn Du jetzt denkst: mir doch egal, die Membran wird’s schon richten, dann kann es schnell ungemütlich werden, denn wenn die Imprägnierung nicht mehr funktioniert, saugt sich der Stoff über der Membran voll und die Atmungsaktivität ist Geschichte. Daher solltest Du Deine Hardshell regelmäßig pflegen.

Wie Du Deine Gore Jacke richtig wäschst, wann die Imprägnierung erneuert werden muss und wie Du das machst, erfährst Du bei uns im Basislager in folgenden Beiträgen:

Bei Fragen kannst Du Dich auch gerne jederzeit an unseren Kundenservice wenden. Hier ist Hannes unser Fachmann für alles rund um Textil und Bekleidung. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 8.00 – 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. bruno wolfsfellner sagte am 30. Juli 2014 um 07:21 Uhr

    und warum steht nirgends etwas davon, dass bei all diesen materialien – außer bei event –
    ein temperaturunterschied von ca 18 grad notwendig ist, um richtig zu funktionieren?
    mfg
    bruno wolfsfellner

  2. Wiebke sagte am 30. Juli 2014 um 10:10 Uhr

    Hallo Bruno,
    in dem Artikel steht doch, das ein Temperaturgefälle zwischen Jackeninnerem und Außen bestehen muss, damit die Atmungsaktivität funktioniert. Übrigens ist das bei Neo Shell nicht nötig, denn das funktioniert über Luftzirkulation. Sympatex funktioniert über chemische Prozesse und kommt daher mit einem niedrigeren Temperaturgefälle aus.

    Lieben Gruß, Wiebke

  3. Hans sagte am 19. September 2014 um 10:20 Uhr

    Hallo Wiebke,
    habe irgendwo gelesen, dass Goretex PTFE enthält und das das gesundheitsschädlich ist. Was meinst Du dazu? Ich habe in Deinem Artikel dazu nichts gefunden.
    Falls das so stimmt, gibt es dann Alternativen, die gesundheitlich besser sind und trotzdem funktionieren?
    Danke Dir.
    Gruss, Hans

  4. Wiebke sagte am 24. September 2014 um 10:10 Uhr

    Hans,

    ganz so einfach ist es nicht. Ja, Gore-Tex Membranen bestehen aus PTFE. Soweit ich weiß ist PTFE aber nicht per se gefährlich. Bei der Produktion von PTFE Verbindungen können Abfallstoffe entstehen, die im Verdacht stehen gesundheitsgefährdend zu sein. Allerdings garantiert Gore-Tex, dass sie das bei ihrer Produktion ausschließen können. Genauso wie die meisten Membranhersteller das inzwischen können. Von PTFE weiß man lediglich, dass es extrem stabil ist und sich nicht abbaut. Einige Umweltschützer bemängeln dies, da PTFE inzwischen an Stellen nachgewiesen wurde, wo es eigentlich nichts verloren hat (Antarktis). Außerdem ist wohl die Wirkungsweise von PTFE noch nicht gänzlich untersucht. Falls Du Membranen ohne PTFE suchst, dann kannst Du mal bei Sympatex oder Dermizax schauen. Beide kommen ohne PTFE aus. Wir haben sie vor kurzem hier im Basislager vorgestellt, da kannst Du ja mal nachlesen. Lieben Gruß, Wiebke

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