Gore-tex Praxistest. Foto: Gore-Tex

GORE-TEX Active Shell im Praxis-Test

14. September 2017

Kategorie

GORE-TEX Active Shell

GORE-TEX Active Shell

Das Interesse war groß als Wiebke die GORE-TEX Active Shell Testjacken aus dem Karton zog. Der erste Eindruck: dünn und leicht. Ansonsten erkennt man ja nicht viel auf den ersten Blick.

Unsere Testjacken kommen direkt von GORE-TEX und haben keinerlei Extras. Immerhin aber einen annehmbaren Schnitt und eine recht brauchbare Kapuze. Auf Details wie Unterarmreißverschlüsse zur Belüftung oder modernes Design wurde verzichtet.

Dennoch haben es sich Wiebke, Jascha und meine Wenigkeit nicht nehmen lassen, das neue Material auszuführen. Unsere Eindrücke von den (teilweise etwas unkonventionellen) Tests haben wir kurz für Euch zusammengetragen…

Jascha: regendichtes Radeln bei Sonnenschein

Jascha auf dem Rad

Jascha auf dem Rad

Ich nenn‘ es Extremtest – die anderen Kollegen schütteln eher mit dem Kopf. Draußen waren es um die 30° C bei schönstem Sonnenschein. Keine fairen Verhältnisse für Membranjacken die für gewöhnlich ein gewisses Temperaturgefälle benötigen, um arbeiten zu können. Egal – mal gucken was so geht. Den Heimweg, 6 Km auf dem Radl in praller Sonne, habe ich dann also in der Testjacke angetreten.

Ich bin kein Mensch der viel schwitzt, aber dass ich komplett trocken und ohne Feuchtigkeitsbildung auf der Innenseite der Jacke daheim angekommen bin hat mich dann doch positiv überrascht. Was das Material letzdenlich drauf hat bleibt abzuwarten – vor allem in Sachen Abriebfestigkeit. Wer aber Ausschau hält nach einer leichten Jacke mit geringem Packmaß für schnelle Aktivitäten, der sollte Active Shell auf jeden Fall im Auge behalten.

Sebastian: schlechtes Gipfelwetter ist gutes Testwetter

Sebastian mit der Testjacke

Sebastian mit der Testjacke

Mein Tourenpartner hat mich vermutlich fast für verrückt erklärt als ich laut darüber nachdachte was denn „gutes Wetter“ für einen Regenjacken-Test bedeutet. Egal: unsere einfache Tour in Nachbarschaft zum Touristenmagnet „Schloss Neuschwanstein“ konnte zumindest am ersten Tag nicht mit blauem Himmel glänzen: eher frisch, zugezogen und gelegentlich Regen.

Bewusst etwas überisoliert machte ich mich in der GORE TEX Active Shell Testjacke an den Aufstieg. Dabei hatte ich den Eindruck, dass (bei zugegebenen sehr guten Bedingungen) die Atmungsaktivität spürbar über der meiner Pro Shell Jacke liegt. Und spätestens neben dem zugigen Gipfelkreuz zeigte sich, dass alleine die Winddichtigkeit erheblich zum Wohlfühlfaktor beiträgt. Der erste Eindruck überrascht positiv!

Was mich aber noch mehr beeindruckte: das Gewicht und Packmaß der Active Shell Jacke ist vergleichbar mit Kollegen aus Paclite Shell. Da ich die Robustheit ähnlich einschätze, stehen ernsthafte Überlegungen ins Haus, ob eine Active Shell in Zukunft als die kleine, leichte Hardshell bei unklaren Wetterverhältnissen in den Rucksack gepackt wird.

Wiebke: warten auf den Regen…

Wiebke in der ActiveShell

Wiebke in der ActiveShell

…und ich warte und warte und warte, und dies bereits seit mehreren Wochen. Aber ich will mich nicht beschweren, immerhin hatte ich so die Möglichkeit die Jacke unter vielen verschiedenen Bedingungen zu testen: Strandwanderung am Atlantik bei stürmischem Wetter und 18°C, Fahrradtour bei wechselhaften 24°C, Bergwanderung bei sehr windigen 10°C, Trailrunning bei 11°C. Ja, nur geregnet hat es nie!

Ich nehms gleich vorweg, die Jacke hat sich beim mir voll bewährt. Ich gehöre, im Gegensatz zu Jascha, zu den Menschen, die eher schnell und etwas mehr transpirieren. Daher ist für mich nicht nur wichtig, dass eine Jacke gut „atmet“ sondern mich auch ausreichend vor Wind und damit vor Auskühlung schützt. Auf beiden Gebieten war die Active Shell top!

Bei stark schweißtreibenden Aktivitäten, wie der Bergwanderung und dem Trailrunning, bildete sich dann doch ein dünner Feuchtigkeitsfilm auf der Innenseite der Jacke, jedoch überstieg der ein sehr geringes Maß nie und fiel auch nie negativ ins Gewicht. Vielmehr war er so gering, dass er sich auf der Haut mehr erahnen, als wirklich fühlen ließ. Somit kommt es nicht zum gefürchteten „Sauna“ oder „Römertopf“ Effekt bei dem der Schweiß in der Jacke herunter läuft, was Ruhepausen zu unangenehmen Kältepausen werden lassen kann.

Als sehr angenehm habe ich auch das Gefühl des Membran-Gewebes auf der Haut empfunden. Das Geraschel der Jacke, vor allem im „kalten“ Zustand, könnte vielleicht für manche Leute etwas lästig sein. Fällt aber definitiv unter die Rubkrig „reine Geschmackssache“ und „persönliche Befindlichkeiten“ und sagt nichts über die Qualität der Jacke aus.

Das leichte Gewicht, das geringe Packmaß und das Gefühl von etwas dickerem Papier, das die Jacke in der Hand hinterlässt, machen mich ehrlich gesagt etwas skeptisch, was die Belastbarkeit und Robustheit der Jacke betrifft. Einen intensiven Kontakt mit Brombeerranken hat sie aber unbeschadet überstanden. Ich schätze die Zeit und Langzeittests werden zeigen, was die Jacke auf diesem Gebiet kann.

…übrigens warte ich noch immer auf Regen.

Fazit: Einigkeit in Sachen Atmung, Gewicht und Packmaß

Dem aufmerksamen Leser ist bereits aufgefallen: in weiten Teilen herrscht große Einigkeit unter uns drei Testern. Die folgenden Punkte haben übereinstimmend alle festgestellt:

  • Die Atmungsaktivität ist im Vergleich mit anderen uns bekannten Laminaten im Spitzenfeld anzusiedeln.
  • Das Material bzw. die Testjacke ist sehr dünn und damit sehr leicht.
  • Das hat auch ein erwähnenswert kompaktes Packmaß zur Folge.
Testjacke

Testjacke

Das vergleichsweise dünne Material hat aber auch zur Folge, dass die Robustheit von allen zumindest mal nicht als gegeben hingenommen wird. Angesichts dessen, dass wir aber alle auch mal ruppige Situationen mit der Jacke durchgemacht haben, sind wir gespannt ob wir uns hierbei nicht auch noch positiv überraschen lassen müssen bzw. dürfen.

Mit der Frage der Dichtigkeit von Active Shell konnte sich, mangels Regen bei den übrigen Testern, nur Sebastian befassen. Dieser blieb trocken – was angesichts einer neuen Jacke nicht überrascht. Jedoch muss man auch ehrlich sein: dass GORE TEX Material für Jacken herstellen kann, dass auch bei widrigen Bedingungen keinen Tropfen durchlässt…davon ist schlichtweg auszugehen.

In einem Satz also: das neue GORE-Material konnte in den ersten Tests in Sachen Packmaß, Gewicht und Atmungsaktivität auf ganzer Linie überzeugen – alles weitere zeigt die Zeit.

Randnotiz: unsere Infoseiten zu GORE-TEX im Allgemeinen und Active Shell im Speziellen liefern Hintergrundwissen zu Aufbau und Einsatzgebieten – wer also Interesse hat einfach mal reinklicken.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. GORE-TEX® Team sagte am 17. Oktober 2011 um 16:32 Uhr

    Hallo liebes Bergfreunde-Team,

    dankeschön, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt um das neue Material zu testen und hier darüber zu schreiben.

    Wer noch mehr Hintergrundinformationen zum neuen GORE-TEX® Active Shell erhalten möchte ist hier übrigens auch gut aufgehoben:
    http://newsroom.gore-tex.eu/de/de_garments/active-shell-laminate/

    Beste Grüße vom GORE-TEX® Team

Andere Bergfreunde freuen sich auf deinen Kommentar