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Glühende Oberschenkel garantiert – Vorbericht zum Vertikal K in Åre

18. Juli 2016

Sportart

1659 Kilometer Luftlinie zeigt der Entfernungsrechner zwischen Heimat und Zielort. An der auswählten Destination findet am 2. August 2016 ein Berglauf über 1000 Höhenmeter und 5 Kilometer Laufstrecke statt. Die Ökobilanz für diesen viertägigen Ausflug erscheint denkbar ungünstig, aber das Angebot ist zu verlockend!

Doch alles der Reihe nach: Peak Performance lädt zu einer Reise nach Åre in Schweden ein, inklusive Flug, Unterkunft und Teilnahme am Vertical K, einem Berglauf auf den dortigen Hausberg Åreskutan. Gemeinsam mit einem Gewinnspielteilnehmer darf Bergfreund Markus die Heimat von Peak Performance besuchen und dort ein exklusives Programm genießen. So eine Gelegenheit gibt es nicht alle Tage und ist Grund genug, um gegen die ökologische Vernunft zu entscheiden. Trotzdem soll der nachfolgende Text eher Vorbericht als eine Rechtfertigung sein!

Standort Naturparadies

Markus beim Trailrunning (c) Markus Schenk

Markus mag es steil und steinig!

Nicht ohne Grund haben die skibegeisterten Firmengründer in den 1980er Jahren Åre in der Provinz Jämtland als Standort für Peak Performance ausgewählt:  Eine Mischung aus ungezähmter Natur und mondänem Skiort á la St. Moritz bot die perfekte Umgebung, um funktionelle und schlichte Bekleidung zu entwerfen und sofort ausgiebig zu testen. Das sympathische Ziel, gerade so viel Bekleidung zu produzieren, um davon leben zu können, wurde aber bald über den Haufen geworfen. Innerhalb von dreißig Jahren hat sich der Outdoor-Ausrüster zu einem erfolgreichen Unternehmen mit Hauptsitz in Stockholm entwickelt.

Unsere Reise führt uns zu den Wurzeln von Peak Performance.  Åre, das vielen wahrscheinlich durch die alpine Ski-WM 2007 bekannt ist, erreichen wir über Stockholm und Östersund per Flugzeug. Hier ist man nur noch eine Autostunde entfernt vom Åre-See, an dem der gleichnamige 1400-Einwohner-Ort liegt. Wir befinden uns nun ziemlich genau im Zentrum von Jämtland, das hinsichtlich der Fläche mit Baden–Württemberg vergleichbar ist. Ob es weitere Gemeinsamkeiten gibt, werde ich als Schwabe ausgiebig untersuchen…

Obwohl die Region in Mittelschweden vor allem für alpinen und nordischen Skisport bekannt ist, bieten die Fjälls, Gewässer und Wälder unzählige Möglichkeiten, um sich auch im Sommer in der Natur auszutoben. Die vorgeschlagenen Sportarten Klettern, Wandern, Mountainbiken und Gleitschirmfliegen sind ausgesprochen Bergfreunde-Kompatibel und die beigefügten Fotos scheinen dies zu bestätigen: Jämtland sieht nach Bilderbuch-Skandinavien aus und begeistert jeden Naturliebhaber – so vermutlich auch mich!

Grillfest, Outdoor fun und 1000m vertikal

Das Programm für unseren Aufenthalt hört sich sehr angenehm an – lässt man die Strapazen beim Berglauf mal außen vor. Die ganze Reisegruppe wird vor Ort im Peak Performance Mountain House untergebracht. Wer sich jetzt eine abgelegene Berghütte mit Brunnen vor der Türe vorstellt, liegt eher falsch. Für mich wird es hier ein weiteres Novum geben: Wenn ich die Bilder richtig deute, übernachte ich ausnahmsweise mal nicht auf der Isomatte oder im Auto, wie ich das sonst so im Urlaub mache, sondern in einem schicken Apartment mit Blick auf den See!

Außer den Bergfreunden sind noch drei weitere Sporthändler aus dem deutschsprachigen Raum eingeladen, die mit uns die Tage in Åre verbringen werden. Ist uns das Wetter wohl gesonnen, gibt es nach der Ankunft ein Grillfest am Mountain House und jede Menge Gelegenheit, um mit den anderen Teilnehmern zu plaudern. Am Folgetag steht dann „Outdoor fun“ auf dem Plan, was viel Platz für Spekulationen lässt. Wie gesagt, es gibt in Jämtland sehr viele Optionen der Freizeitgestaltung. Der ambitionierte Wettkämpfer versucht natürlich, diesen Tag für die Akklimatisation zu nutzen und die Beine möglichst locker zu halten!

Peak Performance Store Are (c) Peak Performance

Wo alles begann…

Bestimmt hat Andre Jonsson hierzu Tipps auf Lager. Den Peak Performance – Athleten trifft man noch am gleichen Tag auf ein Meet & Greet. Der Skibergsteiger und Trailrunner wuchs unweit von Åre, ganz in der Nähe der norwegischen Grenze auf. Im Winter bestreitet er Skitourenwettkämpfe, im Sommer steht er oft bei langen Bergläufen und Bergmarathons am Start. Diese Kombination scheint gut zu funktionieren, denn international ist er oft auf Podestplätzen anzutreffen. Beim Gore Transalpine Run hatte er vor zwei Jahren  die hiesigen Stars der Trailrunningszene gut im Griff, bevor ihn eine Verletzung stoppte. Ziemlich beeindruckende Leistung war das!

Etwas beunruhigend finde ich deshalb den Eintrag im Programm „Light Activity with André Jonsson“, das für den Vormittag am Wettkampftag geplant ist. Wahrscheinlich müssen wir schon vor dem eigentlichen Berglauf ans Limit gehen…

Angedacht ist aber vermutlich, dass man sich gemeinsam die Schlüsselstellen der Strecke anschaut, sich mental eine Taktik zurecht legt und locker ein paar Meter läuft, um den Kreislauf in Schwung zu bringen – so hoffe ich jedenfalls!

Die Strecke

Auf den 1420 Meter hohen Åreskutan führt eine permanente Berglaufstrecke mit Zeitmessung, die von Peak Performance gesponsert wird. Möchte man den Trail offiziell benützen, braucht man lediglich eine Runner’s Card. Diese ist online oder auch direkt im Peak Performance Store in Åre erhältlich, die Aktivierung erfolgt dann auf der Homepage ppverticalk.se. Nun folgt der anstrengendere Teil: In der Ortsmitte wird mit der Karte die Zeitmessung gestartet, danach folgt man möglichst schnell der Ausschilderung. Auf halber Höhe wird eine Zwischenzeit genommen, bevor man am Gipfel des  Åreskutan mit letzter Kraft die Stopptaste drückt. Die Zeiten werden dann unter der Rubrik „Leaderboard“ auf der Homepage veröffentlicht. So die Kurzform. Dazwischen liegen allerdings sehr anspruchsvolle Abschnitte mit bis zu 45° Steigung, Fixseilen, Treppenstufen und alpinen Trampelpfaden. Eine präzisere Streckenbeschreibung habe ich nicht gefunden, deshalb muss mit Überraschungen gerechnet werden. Fest steht, dass auf 5 Kilometer 1000 Höhenmeter zu bewältigen sind und dass die Oberschenkel brennen werden.

Der Wettbewerb

Vertikal K Are (c) Peak Performance

Am Fixseil nach oben!

Der Vertikal K findet im Rahmen des 12. Fjällmaratons statt. Was einst mit 60 Teilnehmern begann, ist inzwischen zu einer einwöchigen Laufserie angewachsen. Die 43km – Marathonstrecke ist meist schnell ausgebucht, so dass es ein Privileg ist, wenn man zu den tausend Finishern gehören darf. Hier bei uns ist der Wettbewerb eher ein Geheimtipp, mir war er bisher gänzlich unbekannt. Nachdem ich einige Fotos und Videos zum Lauf gesehen habe, hat sich dieser aber zu einem Traumziel für die Zukunft entwickelt. Schaut selbst: fjällmaraton.se lautet die Homepage!

Aber zurück zum Vertical K. Der Berglauf findet – etwas ungewöhnlich – an einem Dienstag statt. Zwei Distanzen werden angeboten: Der 0,5K mit Ziel am Hummelplatan und der 1K, welcher bis zum Gipfel des Åreskutan führt. Startzeit ist 17.30 Uhr bzw. 18.15 Uhr. Da es sich dieses Jahr erst um die zweite Auflage des Laufes handelt, liegen noch nicht so viele Richtzeiten vor. Die Helden meistern den 1K aber sicherlich in 40 Minuten, was für den Normalsportler völlig unvorstellbar ist. Ich werde mich jedenfalls hüten, hier irgendeine Wunschzeit anzugeben und hoffe, dass auch einige Breitensportler wie ich den Weg nach Åre finden werden. Nachmeldungen sind sicherlich auch noch am Veranstaltungstag möglich ;-)

Training und Kompensation

Da ich die Strecke nicht im Detail kenne, ist eine recht universelle Vorbereitung nötig. Bei Bergläufen dieser Art bewegt man sich in sehr hohen Intensitätsbereichen, was bedeutet, dass mit anhaltend hohem Puls gelaufen wird und die Muskeln zur Übersäuerung neigen. Damit der Körper dieser Anstrengung gewachsen ist, sollte eine solide Grundlagenausdauer erlangt werden. Empfehlenswert ist, dass diese Phase mit langen, ruhigeren Dauerläufen zumindest ein halbes Jahr im Voraus eingeläutet wird. Momentan stecke ich in der speziellen Vorbereitungsphase, die in etwa drei Monate vor dem wichtigen Termin begonnen hat. Hier werden immer wieder Elemente eingebaut, die Wettkampfsituationen simulieren: Gleichmäßige Anstiege, die schnell gelaufen werden, steile Anstiege im Gehschritt, außerdem technisch anspruchsvolles Gelände, bei dem Kraftausdauer und Koordination gefragt sind. Wichtig ist für mich zudem, dass ich längere Anstiege mit mehr als 500 Höhenmetern trainiere.

Und dann gibt es natürlich noch die mentale Vorbereitung. Denke ich an Sportler aus Skandinavien, kommen mir Bilder von Langläufern in den Sinn, die sich völlig verausgaben, dabei die Konkurrenz in Grund und Boden laufen und halb ohnmächtig ins Ziel fallen. Echte Ausdauertiere, die vermutlich auch in Åre am Start sind! Ziemlich beängstigend. Gleichzeitig versuche ich aber auch, meine  Motivation aus solchen Bildern zu ziehen und freue mich riesig darauf, dass ich die Gelegenheit bekomme, an einer Sportveranstaltung fern der Heimat teilzunehmen.

Apropos, da war ja noch die Sache mit der Ökobilanz: Eigentlich versucht man, mit gezieltem Training eine sogenannte Superkompensation zu erreichen. Gibt es also auch die Möglichkeit über Laufkilometer eine CO2-Kompensation zu leisten? Hätte ich wirklich was drauf, sollte ich meine diesjährigen Trainingskilometer auf die Distanz Stuttgart –  Åre – Stuttgart erhöhen. Umgerechnet wären dies ein Jahr lang wöchentlich 63 Laufkilometer. Wahrscheinlich kein schlechter Wert, wenn ich mich beim Berglauf nicht blamieren will…

 

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