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Umfassend ökologisch – der Global Organic Textile Standard

14. September 2017

Dass Umweltschutz und soziale Verträglichkeit bei der Herstellung von Textilien eine immer größere Bedeutung erlangen, ist den meisten Herstellern und Kunden bewusst. Einige Menschen fühlen sich allerdings verunsichert, da sie nicht genau wissen, was die verschiedenen Labels und Zertifikate im Textilbereich bedeuten und ob die Hersteller auch wirklich die Vorgaben zur Einhaltung der ökologischen Standards erfüllen. Ein sehr umfassendes und weitreichendes Siegel ist das weiße Hemd auf grünem Untergrund – das begehrte Zeichen für den Global Organic Textile Standard.

Wofür steht das GOTS Label?

Der Global Organic Textile Standard garantiert eine umfassende umweltverträgliche und sozialverantwortliche Textilproduktion in allen einzelnen Teilbereichen, die mit der Herstellung von Textilien verknüpft sind. Dafür wird die gesamte Kette der Zulieferer unter die Lupe genommen und nach strengen Kriterien überprüft. Um nach dem GOT-Standard zertifiziert zu werden, müssen Textilien zu mindestens 70% Fasern aus kontrolliertem biologischen Anbau bestehen. In der Herstellung, Verarbeitung, Verpackung und im Vertrieb gelten genaue Vorschriften in Sachen Umweltschutz und sozialer Standards. Dank umfangreicher Kontrollmechanismen ist das GOTS-Zertifikat mittlerweile in der Version GOTS 5.0 in einer beständigen
Weiterentwicklung weltweit auf Erfolgskurs und gilt als echter Garant für nachhaltige Bio-Textilien.

Was müssen Textilien leisten, um nach dem GOTS zertifiziert zu werden?

Die Liste der Kriterien, die für die begehrte Auszeichnung mit dem Bio-Label nachgewiesen werden müssen, ist lang. Sehr lang. Deshalb gibt die folgende Zusammenfassung auch nur einen Überblick über die wichtigsten Vorgaben und führt nicht jede einzelne Anforderung auf. Trotz der übersichtlichen Stichpunkte wird klar, dass für die Vergabe des GOTS Labels kein einziger Teil der Lieferkette ausgeklammert wird und eine Zertifizierung ist auch nur dann möglich, wenn alle Anforderungen erfüllt werden.

  • Produktion der Fasern für die Textilien
    Es werden nur Fasern anerkannt, die nach bestimmten Bioanbaustandards produziert werden. Dafür kommen mehrere nationale und internationale Verfahren in Betracht. In Europa ist beispielsweise die EU Bio-Verordnung maßgebend für die Produktionskriterien von Bio-Baumwolle und Bio-Wolle . Darin sind beispielsweise der Verzicht auf chemische Pflanzenschutz und Düngemittel, artgerechte Tierhaltung und Verbot von Gentechnik gesetzlich geregelt. Für die Auszeichnung mit der GOTS Kennzeichnung „Bio“ müssen über 95% der Fasern diese Vorgaben erfüllen. Für eine generelle GOTS Zertifizierung müssen es immer mindestens 70% sein.
  • Herstellung der Garne und Stoffe
    Bei der Herstellung der Stoffe dürfen Rohstoffe aus biologisch kontrolliertem Anbau und herkömmliche Fasern nicht vermischt werden und müssen jederzeit identifizierbar bleiben. Beim Färben und bei der Weiterverarbeitung der Fasern zu Garnen und Stoffen müssen alle Zusatzstoffe auf ihre Umweltverträglichkeit, Toxizität und biologische Abbaubarkeit hin überprüft werden. Viele Chemikalien in der herkömmlichen Produktion von Textilien enthalten zum Beispiel Schwermetalle, Lösungsmittel oder Formaldehyd und sind für die Herstellung nach dem GOT-Standard nicht erlaubt.
  • Produktion und Konfektion der Bekleidung und anderer Textilien
    Bei der Weiterverarbeitung der Stoffe und Garne zu fertigen T-Shirts, Hosen und Sweatshirts dürfen keine Drucke mit Phthalaten oder PVC verwendet werden. Abfälle und Abwässer müssen minimiert und fachgerecht entsorgt oder aufbereitet werden und sogar das Öl der Produktions- und Nähmaschinen hat die GOTS-Prüfung im Visier: die Verwendung von Ölen mit Schwermetallzusätzen ist absolut tabu.
  • Umweltfreundliche Verpackung
    Bekleidung die nach dem Global Organic Textile Standard zertifiziert ist, muss in einer PVC-freien Verpackung ausgeliefert werden und auch Etiketten oder Banderolen, die dem Produkt beiliegen, müssen aus zertifizierten oder recycelten Materialien bestehen.

Zu den umfangreichen Vorgaben in Sachen Ökologie und Umweltschutz kommen weitere Anforderungen im sozialen Bereich. Ähnlich wie bei den Kriterien der Fair Wear Foundation legt der GOTS grundlegende Rechte für die Beschäftigung der Mitarbeiter in der Textilindustrie fest. Dazu gehören Verbot von Zwangsarbeit, Verbot von Kinderarbeit, Verbot von unmenschlicher oder diskriminierender Behandlung am Arbeitsplatz und eine klare Regelung von Arbeitszeit und angemessenem Lohn. Was sich anhört, wie ganz normale Arbeitsbedingungen ist leider in den Produktionsländern der Textilindustrie noch immer eher die Ausnahme als die Regel. Dank des Engagements von GOTS und der Fair Wear Foundation haben Kunden mittlerweile immerhin die Wahl und die Möglichkeit ihre Bekleidung nachhaltig und fair produziert zu kaufen.

Wie garantiert die GOTS die Einhaltung der Vorgaben?

Aus den vier Mitgliedsorganisationen der Global Organic Textile Standard International Working Group (kurz: GOTS IWG) in Deutschland, England, Japan und den USA, ging 2008 die gemeinnützige Global Standard GmbH hervor. Durch dieses Unternehmen wird auf internationaler Ebene die Qualitätssicherung und das Lizenzierungssystem mit dem GOTS-Label verwaltet und geleitet. Auch über die Markenrechte des eingetragenen und auf allen internationalen Märkten geschützten Labels mit dem weißen Hemd auf grünem Grund wacht die Organisation. So stellt sie sicher, dass keine Firma das Bio-Label zu unrecht verwendet.

Weit mehr als 3000 Firmen sind bereits nach dem internationalen GOT-Standard zertifiziert. Firmen können sich für die Aufnahme zum Lizenzierungssystem anmelden und werden daraufhin überprüft, ob sie die Richtlinien für die Kennzeichnung erfüllen. Betriebe, die eine Zertifizierung erhalten und alle Kriterien erfüllen, dürfen ihre Produkte dementsprechend kennzeichnen. Damit aber ein Endprodukt mit dem GOTS-Label im Laden verkauft werden darf, müssen alle Betriebe in der Zulieferungskette GOTS-zertifiziert sein. Wenn nun also der Stofflieferant nach GOTS zugelassen ist und der Betrieb zur Weiterverarbeitung nicht zugelassen sein sollte, darf das Endprodukt auch nicht mit dem GOTS-Logo gekennzeichnet werden.

Neben der ständigen Bearbeitung und Weiterentwicklung des Lizenzsystems und der Anpassung der Vorgaben, kontrolliert die Global Standard GmbH sowohl die einzelnen Betriebe, als auch die Produkte am Markt. Die einzelnen Betriebe müssen jederzeit mit angemeldeten und unangemeldeten Kontrollen in ihren Produktionsstätten rechnen. Nach dem Motto „Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist besser“ überwachen unabhängige Institute im Auftrag der Global Standard GmbH die zertifizierten Produkte zusätzlich durch stichprobenartige Tests, Analysen und Kontrollen im Labor. Dabei werden die Fasern beispielsweise auf unerlaubte Pestizide oder Rückstände von verbotenen Färbemitteln überprüft.

Durch diese ständige Präsenz einer Betriebskontrolle wird eine absichtliche oder unabsichtliche Nichteinhaltung der Lizenzbestimmungen effizient entgegengewirkt. Für den Kunden ist so eine bestmögliche Sicherheit gewährleistet, dass auf den Produkten die das GOTS-Label tragen auch wirklich einwandfreie ökologische Ware angeboten wird. Deshalb ist ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit bei der Global Standard GmbH die Überwachung der internationalen Märkte und die Identifizierung von Herstellern, die ihre Produkte ohne entsprechende Lizenzierung mit dem Öko-Label kennzeichnen. Da aber auch in diesem Bereich sehr gründlich geprüft wird, ist der Global Organic Textil Standard tatsächlich eine Kennzeichnung, die dem Kunden ein Höchstmaß an Transparenz und Sicherheit garantieren kann.

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