Geschafft – ein Nachbericht zum Gore-Tex Transalpine-Run 2014

14. Oktober 2014

Sportart

Geschafft - Johannes und Markus beim TAR 2014

Geschafft – Johannes und Markus beim TAR 2014

Monatelang haben wir ihnen mit großem Respekt beim Training zugeschaut. Haben versucht es einfach zu glauben, wenn sie erzählten, dass sie vor der Arbeit mal eben einen Halbmarathon laufen und dann „erfrischt“ im Büro sitzen.

Auf die Frage wie es läuft, antworteten sie gerne mit einem etwas in sich gekehrten Blick, als wollten sie noch mal schnell nachhorchen, wie es dem Körper denn gerade geht, um sich auch sicher zu sein.

Dann machten sie sich auf den Weg, wurden für uns zu zwei Namen auf einer langen Liste, die wir täglich mehrmals mit Spannung – und zugegeben etwas Stolz – verfolgten. Zurück kamen sie mit einem ähnlich entrückten Gesichtsausdruck, erstaunlich munter und mit einem breiten Grinsen.

Hier ein kleiner Nachbericht von Markus, wie er den TAR erlebt hat und wie es ihm gefallen hat.

Wie lief es denn so?

Die Zahlenreihe 41:08.36,8 hört sich etwas wie die Antwort an, die im Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest genannt wird. Okay, die Antwort auf obige Frage lautet eigentlich „42“, aber trotzdem gibt es eine Gemeinsamkeit: Würde man mich nach einem Resümee zum Transalpine-Run fragen und ich würde nach langem Überlegen meine Gesamtlaufzeit nennen, wäre dies ähnlich nichtssagend. Deshalb schiebe ich mal die Parameter „Zeit“ und „Platzierung“ beiseite und stelle die Erlebnisse und Eindrücke in den Vordergrund.

Start mit einem guten Omen

Angereist war ich mit großen Vorbehalten gegenüber dem Wettbewerb. Bin ich dem Ganzen überhaupt gewachsen? Ist der TAR eine seelenlose, kommerzielle Großveranstaltung? Stehen Sport und Naturerlebnis im Mittelpunkt oder wird der Lauf als große Show und abgefahrener Extremsportevent inszeniert? Hinzu kam, dass Johannes in den letzten Wochen vor dem Start verletzt war und die gemeinsame Teilnahme in der Schwebe stand. Zu diesen – zugegeben – mulmigen Gefühlen, mischte sich aber auch Vorfreude und die Erleichterung, dass es jetzt endlich los geht und die im Training erworbene Form getestet werden darf…

Als gutes Omen deuteten Johannes und ich eine Sektdusche, die sich gleich am Vortag der ersten Etappe über uns ergoss. Grund hierfür war jedoch nicht eine herausragende sportliche Leistung, sondern meine Tollpatschigkeit. Mit meiner Sporttasche schleuderte ich eine Sektflasche aus dem Auto meines Bruders, die dann auch prompt vor unseren Füßen zu Bruch ging und unseren knapp bemessenen Klamotten-Vorrat ordentlich mit dem klebrigen Inhalt tränkte. Dieser Vorfall sollte eine sehr eindrucksvolle, schöne Woche einläuten, die wir gemeinsam mit unseren fürsorglichen Betreuern Martin und Anja erleben durften.

Zeit im Bild

Schönes Wetter geht anders

Schönes Wetter geht anders

Leider – oder vielleicht auch zum Glück – reicht der Platz hier nicht aus, um auf jeden Schritt der einzelnen Etappen einzugehen. Inzwischen vermischt sich der chronologische Ablauf der Erlebnisse sowieso zu einem großen Gesamtbild. Obwohl man stets leicht gehetzt an unzähligen netten Menschen und Landschaften vorbei lief, haben sich viele Eindrücke ins Hirn eingebrannt. Grund hierfür war sicherlich auch, dass der TAR meine volle Aufmerksamkeit gefordert hat. Alltagssorgen, die mich bei normalen Urlauben manchmal verfolgen, waren von Anfang an weit entfernt und die Sinne voll auf die Gegenwart fixiert.

Dieser meditative Effekt wurde durch den immer wiederkehrenden Tagesablauf verstärkt. Auch wenn das Aufstehen und die ersten Schritte keinen wirklichen Spaß machten, motivierte es mich jeden morgen, wenn die Athleten aus allen Winkeln des Etappenorts heran gehumpelt kamen und trotzdem lachten. Hin und wieder vermisse ich die angespannte Stimmung, die sich einstellte, wenn man mit dem etwas ausgelutschten AC/DC – Klassiker „Highway to hell“ auf die Strecke geschickt wurde.

Es gibt kein schlechtes Wetter

Schön war auch, wie das gesamte Teilnehmerfeld die fiese Wetterlage der ersten drei Tage wegsteckte. Neigt der Mensch doch normalerweise dazu, sich über jede Wetterkapriole zu beklagen, war es hier angenehm anders: Regen, Schnee und kilometerlange Rutschpartien auf matschigen Wegen wurden mit Humor genommen. Als einzelner Läufer hätte man vielleicht aufgegeben, im großen Feld war es relativ einfach zu ertragen.

Auch der Veranstalter war hier gefordert. Die Sicherheit stand natürlich im Vordergrund und so waren Tag für Tag sehr viele Helfer im Einsatz, die für gute Rahmenbedingungen sorgten. Verpflegungsstände mit allerhand Energieriegeln und Getränken kennt man von vielen anderen Läufen. Überrascht war ich dann aber über einen ganzen Helfertrupp, der bei Schnee und eisigen Temperaturen mehrere Stunden auf der 2500m hohen Bretterscharte im Ahrntal ausharrte und jeden Teilnehmer anfeuerte. Ähnlich überrascht war ich auch auf der letzten Etappe, als der Hauptverantwortliche für die Laufstrecke, Christof Schellhammer, neben mir lief und erzählte, dass er jeden Tag ein Stück mitgelaufen ist, um Eindrücke von der Strecke zu sammeln. Die Organisation wurde mit einer guten Mischung aus Professionalität und Herzlichkeit gemeistert!

Wie soll man es beschreiben

geschafft...

geschafft…

Mit dem Schreiben stellt sich bei mir sofort wieder eine Begeisterung für das Erlebte ein und ich habe nicht das Gefühl, dies angemessen wiedergeben zu können – zu viele Lücken sind in diesem Text. Ein eigenes Kapitel wäre das Laufen im Team geworden. Die Hochs und Tiefs, welche man gemeinsam erlebt. Ganz unglaublich war die Leistung der führenden Läufer, interessant die Reaktion des eigenen Körpers auf eine solche Belastung. Unvergesslich die letzte Etappe, die uns bei bestem Wetter an den Drei Zinnen vorbeiführte und … hoppla, jetzt zeigt die Funktion „Wörter zählen“ weit über 600 Worte an und damit habe ich mein „Wortguthaben“ für diesen Bericht  deutlich überstrapaziert :)

Lasst mich aber wenigstens noch sagen, dass ich sämtliche oben erwähnte Vorbehalte ausräumen konnte und ich wirklich dankbar bin, dass ich beim TAR mitmachen durfte. Neben Freude und Stolz über die erbrachte Leistung, sind es vor allem die wertvollen Erfahrungen aus Training und Wettbewerb, die mich sportlich vorangebracht und mein Leben bereichert haben. Abschließen möchte ich mit einem Satz, den ich schon immer mal schreiben wollte: ich danke unseren Sponsoren Bergfreunde, Peak Performance und Gore-Tex!

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