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Gear-Tipp: Edelrid – Jul 2 – Sicherungsgerät

19. Mai 2016

Kategorie

Edelrid - Jul 2 - Sicherungsgerät

Edelrid – Jul 2 – Sicherungsgerät

Bergfreund Andreas war vor kurzem auf der Suche nach einem neuen Sicherungsgerät. Bisher sicherte er ausschließlich mit dem Petzl – Reverso 4 (Tube-Prinzip). Nun sollte ein Umstieg auf einen Halbautomaten folgen. Einige Erfahrung hat er bereits durch DAV-Kletterkurse und verschiedene Kletterpartner mit diversen Geräten gemacht. Darunter Petzl – GriGri 2, Climbing Technology – Click-Up, Mammut – Smart (Autotuber) und Co. Nach längerem Einlesen in die Materie und Abwägen der Pros und Contras der verschiedenen Geräte hat er sich letztlich für das Edelrid – Jul 2 – Sicherungsgerät entschieden.

Was macht das Produkt besonders?

Wichtig war mir, dass das Gerät klein und handlich, dabei aber noch gut zu bedienen ist. Die „Nase“ sollte nicht allzu lang sein, trotzdem aber gut zu greifen und verhindern, dass man sich beim Ablassen am durchlaufenden Seil die Pfoten verbrennt. Zu guter Letzt war mir bei einem Setkauf wichtig, dass sowohl Karabiner als auch Gerät auf Langlebigkeit ausgelegt sind. Im Jul 2 von Edelrid habe ich das, mit ein paar kleinen Abstrichen, zu einem moderaten Preis gefunden.

Details & Produkteigenschaften

Vorteile

Was mich an der Bedienung überzeugt hatte, war vor allem die kurze Nase. Beim Smart hatte ich immer das ärgerliche Problem, dass das Seil beim Ablassen des Partners dazu neigt, seitlich aus der Führung der langen Nase herauszuspringen und dadurch das Ablassen zu einer ruckeligen Angelegenheit werden ließ. Äußerst nervig wie ich immer fand. Im Gegensatz dazu läuft das mit der kurzen Nase des Jul 2 wie geschmiert. Kein Kampf das Seil in der Führung zu halten, vor allem wenn das Seil etwas seitlich des Sichernden liegt, was ja eigentlich immer der Fall ist, da das Seil idealerweise ja da liegt, wo man als Sichernder niemals stehen will/soll – in der Falllinie unter dem Kletternden.

Im Vergleich zum Click-Up empfand ich das Aufheben der Blockierung des Jul 2 als deutlich einfacher. Selbstverständlich ist die Handhabung bei jedem Gerät Übungssache und geht irgendwann in Fleisch und Blut über, trotzdem ist eine einfachere Bedienung in meinen Augen immer vorzuziehen. Nur kurz die Nase mit dem in ständiger Nähe befindlichen Daumen der Sicherungshand angehoben und weiter geht’s. Kein Umgreifen der seilausgebenden Hand wie beim Click-Up, was ich auf Dauer als tödlich nervig und umständlich empfunden habe und den „Sicherungsfluss“ meiner Meinung nach deutlich stärker stört.


Trotz der kurzen Nase ist der Daumen der Sicherungshand, der Selbige anhebt um beim Ablassen die Blockierung aufzuheben, gut genug geschützt. Er kommt also nicht unangenehm mit dem durchlaufenden Seil in Kontakt und der Edelstahl wird auch nicht heiß genug, um sich daran zu verbrennen, was ebenfalls durch die mit einer Schicht Plastik überzogene Unterseite der Nase verhindert wird.

Nachteile

Im Bereich der Nase liegt allerdings auch einer der Nachteile des Jul 2. Nämlich der ummantelte Stahlseilbügel, der von der sprichwörtlichen Nasenspitze in einem Bogen zum anderen Ende des Sicherungsgerätes verläuft und es am Karabiner befestigt. Beim Wechsel zwischen Seileinziehen und -ausgeben muss hier jedes mal der Daumen der Sicherungshand in gewissem Maße das Bremshandprinzip verletzen. Beim Einziehen tunnelt die Sicherungshand wie bei allen Tubern bilderbuchmäßig ringförmig am Seil nach oben, um es erneut nach unten ziehen zu können. Beim Vorstieg kommt aber irgendwann der Punkt, an dem mehr oder weniger schnell von Einziehen auf Ausgeben umgeschaltet werden muss. Und genau hier muss der Daumen der Bremshand zum Seilausgeben für einen kurzen Moment den Kontakt zum Zeigefinger – oder mit welchem Finger auch immer man den Tunnel bildet – aufgeben, um an dem Bügel vorbei in die Nase greifen und diese anheben zu können. Ein kurzer Moment zwar nur – und man könnte jetzt einwenden, dass man ja nun einen Halbautomaten in Form eines Autotubers benutzt – aber nichts desto trotz in meinen Augen eine Verletzung des „Tunnelprinzips“. Wie gravierend das ist, muss wohl jeder für sich entscheiden.

ummantelte Stahlseilbügel

ummantelter Stahlseilbügel

Unangenehmer empfand ich das Problem, dass es bei wirklich schnellen Seil-Einzieh-/Ausgabe-Wechseln vorkommen kann, dass man mit dem Daumen am Bügel hängen bleibt und das Ausgeben eventuell ein abruptes Ende findet, wenn die Blockierung greift, weil der Partner durch seinen Vorwärtsdrang von oben Zug ausgeübt hat. Hier könnte bei häufigen schnellen Wechseln sicher auch das Fehlerpotential (Bremshandprinzip) steigen. Mit ausreichender Übung kommt das aber nur noch selten vor.

Ein weiteres anfängliches Problem, das ich auch ab und an in Foren gelesen habe, in denen ich mich über die verschiedenen Geräte informiert habe, ist die Dosierung der Ablassgeschwindigkeit. Die Bremshand dosiert mit dem Daumen wie beim Seilausgeben die Geschwindigkeit, während die andere Hand von oben nach unten ans Seil umgreift. Hier bedarf es doch etwas Übung um ein gutes Gefühl für den relativ schmalen Grat zwischen „noch blockiert“ und „rasender Fahrstuhl abwärts“ im Daumen zu bekommen. Denn zieht man mit dem Daumen der Bremshand beim Ablassen zu motiviert an der Nase nach oben, geht es schwungvoll abwärts. Der Sichernde erschrickt eventuell und durch die ruckartige Verringerung der Ablassgeschwindigkeit. Die Blockierung ist aber wie gesagt sehr einfach wieder aufgehoben und mit der nötigen Übung – ähnlich wie das Gefühl für die Kupplung beim Auto – wird das Ablassen eine flüssige Sache.

Verarbeitung & Qualität

Das Jul 2 besteht aus Edelstahl (laut Küchenwaage 100g), das mit den üblichen Piktogrammen zum Einlegen des Seils und den verwendbaren Seildurchmessern (8,9 – 11mm) gekennzeichnet ist. Im Falle des Kits gehört ein Stahl-Schraubkarabiner dazu (Küchenwaage sagt 135g) mit einer Bruchlast von längs 28kN, quer 8kN und offen 10kN. Der Karabiner besitzt einen angerauten, griffigen Drehverschluss, die Karabinernase ist komplett flach, weist also keine „Grube“ auf, an der das Seil oder der Bügel beim Ein-/Ausklinken hängen bleiben könnten. Darüber hinaus besitzt er einen kleinen inneren Bügel, in den die Zentral-/Anseilschlaufe eingehängt wird, um ein Verdrehen des Karabiners und damit Querbelastung bzw. Verrutschen des Gerätes zu verhindern. Die Kraft dieses Bügels könnte für meinen Geschmack etwas stärker ausfallen, um noch sicherer oben genanntes Szenario zu verhindern, aber das mag Ansichtssache sein. Ein Verdrehen ist bisher nur ein einziges Mal „von alleine“ zu Stande gekommen und das in einer nicht sicherheitsrelevanten Situation mit Kletterer noch am Boden.

Zugegeben sind Jul 2 und Karabiner nicht von der ganz leichten Sorte, der vermittelte Eindruck von Stahl und Stahl ist jedoch der von Langlebigkeit und soweit ich mich erinnern kann, empfiehlt Edelrid auch die Verwendung von Stahlkarabinern, da bei Verwendung von Aluminiumkarabinern das weichere Aluminium unter der Edelstahlunterkante des Jul 2 leidet.

Im übrigen wird die Verwendung von Karabinern des Typs DMM – Belay Master 2 – HMS-Karabiner ausdrücklich untersagt, da der breite Plastiksteg, der hier ein versehentliches Aufdrehen des Schraubverschlusses verhindern soll, die Blockierfunktion des Jul 2 negativ beeinflusst, wenn nicht sogar aushebelt. Zum Blockieren zieht sich das Jul 2 an den Karabiner heran und „dockt“ schließlich mit der Aussparung an diesem an. Dafür muss der Weg für den Drahtbügel des Jul 2 nach unten jedoch frei sein. Beim Belay Master von DMM o.ä. ist er das aber durch den Plastiksteg nicht, wodurch eben dieses Heranziehen und damit die Blockierfunktion außer Kraft gesetzt wird.

Einsatzgebiet

  • Sportklettern Halle
  • Fels

Für wen eignet es sich besonders?

Das Sicherungsgerät Jul 2 im Belay Kit

Das Sicherungsgerät Jul 2 im Belay Kit

An sich für jeden, der sich das besondere Etwas an mehr Sicherheit wünscht und die Kombination aus leichter Bedienung und geringer Größe à la Tube mit dem Vorteil einer Autoblockierfunktion zu einem moderaten Preis sucht.

Wen das Jul 2 anmacht, aber die Krux mit dem Bügel an der Nase und dem Verletzen des Bremshandprinzips abschreckt, der sollte sich das Salewa – Ergo Belay System – Sicherungsgerät anschauen. Das ist zwar fast schon in einem empfindlichen Preissegment angesiedelt, vereint aber die Vorteile der wahnsinnig einfachen Bedienung ähnlich dem Jul 2 ohne das Problem mit dem Bügel und einer deutlich besseren Dosierbarkeit der Ablassgeschwindigkeit, ähnlich der des Click-Up. Das Ganze kostet jedoch ca. 20 bis 30€ mehr, je nachdem ob vom Jul2 Kit oder „Single“ ausgegangen wird.

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