Gear Tipp: Black Diamond Wired Hexentrics Klemmkeile

20. Februar 2014

Kategorie

Sportart

Black Diamond Wired Hexentrics

Black Diamond Wired Hexentrics

Meine Erfahrung mit Tradclimbern, sie unterhalten sich wahnsinnig gerne über Ihr Material. Also noch mehr, als andere Kletterer. Und wenn man sie einmal anschubst, dann sprudelt es nur so aus ihnen raus. Als Sportkletterer, oder noch schlimmer Boulderer (so wie ich) schlacker einem da schnell die Ohrenund man weiß nicht mehr ganz so richtig wovon sie sprechen. Bei mir war dieser Punkt erreicht, als es um die unterschiedlichen Winkel der Köpfe und morsches Gestein ging…

Für einen Tradclimber dürfte aber der Gear-Tipp unseres Bergfreundes Egor eine wahre Fundgrube an Erfahrungen, wohl begründeten Vor- und Nachteilen und stichhaltigen Vergleichen unterschiedlicher Fabrikate sein. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.

Und an alle Boulderer, einfach trotzdem lesen, man lernt ziemlich viel dabei. Zum Beispiel, dass man einen Hammer zum Klettern braucht. Sollen die uns noch mal auslachen wegen unseren Teppichstücken. Pah!

Ein wenig Gefühlsduselei

Hexentrics sind  nicht die Krönung der mobilen Sicherungsmittel, dies ist kein Geheimnis, aber sie haben einen gewissen Reiz. Ab und zu klettere ich auch mal Routen nur mit Keilen und Hexen. Da sollte man sich nichts all zu schweres  zumuten, aber es ist sehr erfüllend, eine Route mit so simpler und doch genialer Ausrüstung begangen zu haben. Man fühlt sich den Urgesteinen des Klettersports gleich viel verbundener ;-) Wer handwerklich begabt ist und das gute Gefühl kennt, ein technisches Problem durch Sachverständnis und Handfertigkeit gelöst zu haben, wird jeden gut platzierten Hexentric breit grinsend unter sich lassen!

Zu Hexentrics allgemein

Egor in seinem Element. Tradclimbing

Egor in seinem Element. Tradclimbing

Ich mag Hexentrics, aber ich bin kein Fanatiker. Ich behaupte nicht, dass sie einen vollwertigen Ersatz für Friends oder Tri-Cams darstellen. Für mich sind sie vor allem günstige Alternativen für leichtes Gelände, oder um bestimmte Rissbreiten mehrfach abzudecken (z.B. wenn man einen langen Riss mit in etwa gleichbleibender Breite klettern will). In alpinen Routen tut es finanziell weniger so weh, einen Hexentric zurückzulassen, wenn man sich zurückziehen muss, als z.B. einen Friend. Der Hauptnachteil gegenüber Friends und Tri-Cams ist, dass Hexen keine kontinuierliche Breitenabdeckung für parallelseitige Risse bieten. Das Ergebnis ist, dass man seltener Platzierungen für Hexentrics findet, als für die teureren Konkurrenzprodukte. Dies ist in leichtem Gelände kein Problem, an der Leistungsgrenze dagegen schon ;))

Es gibt einige Vorteile von Hexen gegenüber Friends, die oft genannt werden: niedrigeres Gewicht, keine beweglichen Teile, Robustheit, Langlebigkeit und die Möglichkeit nasse, verdreckte oder vereiste Risse abzusichern. Im Vergleich zu Friends mag das alles zutreffen, Tri-Cams bieten jedoch dieselben Vorteile und zusätzlich noch eine kontinuierliche Rissbreitenabdeckung.

Hexentrics machen in meinen Augen also nur Sinn, solange sie signifikant weniger kosten als Tri-Cams oder Friends. Damit scheiden also für mich alle Modelle der oberen Preisklasse aus (Wild Country – Rockcentrics, Metolius – Curve Hexes, CAMP – Carvex Dyneema und DMM – Torque Nuts). Die wirklich günstigen Modelle sind CAMP Carvex Wire und BD Hexentrics, sie halten sich preislich fast die Waage.

Black Diamond Hexentrics im Vergleich

Bisher habe ich CAMP Hexcentrics (werden nicht mehr hergestellt), CAMP Carvex (Draht und Dyneema) und Black Diamond Hexentrics ausprobiert. Davon gefallen mir die BD-Hexen am besten.

Camp und BD im direkten Vergleich

Camp und BD im direkten Vergleich

Mit dem Hinzufügen der geschwungenen Seiten hat CAMP die ursprünglich gute Geometrie seiner Hexcentrics zunichte gemacht. Die Breite der beiden seitlichen Platzierungsmöglichkeiten jedes einzelnen Keils ist damit stark zusammengerückt, was die Vielseitigkeit der Hexe verringert. Bei den BD-Hexen liegen die Breiten der beiden seitlichen Platzierungsmöglichkeiten noch weiter auseinander als beim alten Design von CAMP. Dies ergibt eine gleichmäßigere Verteilung der einzelnen Platzierungsbreiten sowohl beim einzelnen Keil als auch im Set.
Ich habe nichts gegen geschwungene Seiten, sie müssen nur in der Gesamtgeometrie des Hex berücksichtigt werden. Dies hat z.B. DMM bei den Torque Nuts scheinbar ganz gut hinbekommen (habe diese noch nicht ausprobiert.) Es bleibt jedoch das Argument des Preises, außerdem lassen sich die BD-Hexen auch mit geraden Seiten wunderbar legen. Mir ist es noch nie passiert, dass ich mir geschwungene Seiten gewünscht habe, weil eine Platzierung mit einer gradseitigen Hexe mal schlechter Funktioniert hat. Ich denke, dass Hexen aufgrund ihrer anderen Wirkungsweise im Vergleich zu normalen Klemmkeilen nicht so ausgeprägt von geschwungenen Seiten profitieren.

Eine gute Auflagefläge für einen Hammer

Eine gute Auflagefläge für einen Hammer

Ein weiterer Vorteil der BD-Hexen ist ihr leichter Offset bei der Querplatzierung: Sie laufen nicht nur nach unten, sondern auch zur Seite keilförmig zu und ermöglichen so bessere Platzierungen in Rissen, die sich nach außen hin weiten. In solchen Rissen können sie auch unethischerweise mit einem Hammer o.ä. festgeklopft oder auch richtig eingetrieben werden. Dies ist praktisch, wenn die Platzierung sonst zu wacklig, der Riss eis- oder drecküberzogen oder die Felsoberfläche morsch ist. Praktischerweise trifft man beim Hämmern von BD-Hexen nicht aufs Drahtkabel, weil es nicht parallel zur Keilrichtung liegt. Bei CAMP würde es stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Vorsicht! Das Einhämmern ist natürlich nicht im Sinne der Hersteller und das Entfernen von eingehämmerten Hexen ist oft auch nur mit einem Hammer möglich ;-)

Die Drahtstärken sind bei BD sinnvoll gewählt: die kleineren Größen haben ein dünneres Kabel, welches schwächer, aber auch flexibler ist. Wenn man die Größe 1 mal in der  Hand hatte, traut man ihr eh keine 10 kN mehr zu, dafür lässt sich der Keil besser handhaben, wenn das Kabel etwas nachgiebiger ist. Die kleinen Größen (1, 2 & 3) sind eher was für Spezis und sehr fummelig zu legen. Ich würde sie mir wahrscheinlich nicht wieder anschaffen. Ab Größe 4 (20 mm) aufwärts verzichte ich auf normale Klemmkeile und benutze stattdessen die vielseitigeren BD-Hexentrics.

Im Moment sind die meisten meiner großen Hexen noch von CAMP, aber ich rüste nach und nach um. Muss dazu sagen, dass ich die großen Hexen gerne um die Schulter trage, was ja eher Geschmackssache ist. Die von CAMP habe ich mit 7-mm-Reepschnur geschlungen, aber dafür sind die Löcher bei Black Diamond leider zu klein. Man muss vermutlich auf 4,5-mm-Kevlar ausweichen oder die Löcher aufbohren… Beides nicht so schön, was aber auch schon mein einziger Kritikpunkt an den Black Diamond Hexentrics wäre.

Kurz zu mir

Egor bei den Vorbereitungen zur nächsten Tour

Egor bei den Vorbereitungen zur nächsten Tour

Ich bin 24 Jahre alt, wurde von meinen Eltern schon immer in die Berge mitgenommen und habe mit ihnen zusammen auch schon eine Handvoll Viertausender bestiegen (Alpen). Seit ca. 6 Jahren gehe ich regelmäßig Sportklettern, was sich in meiner Region  leider auf Kunstwände beschränkt. Seit ca. 4 Jahren beschäftige ich mich besonders intensiv mit mobilen Sicherungsmitteln und suche jede Gelegenheit, Routen am Naturfels clean zu steigen. Vor drei Jahren habe ich meine erste Mehrseillänge gemacht.
Ich habe vor kurzem meinen B.Sc. in Maschinenbau abgeschlossen, sorry also an dieser Stelle, wenn der Bericht jemandem mal zu technisch wurde ;)

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