Gear of the Week: Swisswool von Ortovox, die neue Daune ist aus Wolle

17. September 2013

Kategorie

Sportart

 

Swisswool von Ortovox

Swisswool von Ortovox

Ortovox ist nicht nur bekannt für hochwertige Rucksäcke, LVS Geräte und Sicherheitsprodukte, Ortovox steht wie kaum ein anderer Hersteller für funktionale Bergsportbekleidung aus Merinowolle. Da erstaunt es nicht sonderlich, dass der Münchner Hersteller auch bei der Füllung von Isolationsjacken nicht auf die allseits beliebte Daune zurückgreift, sondern sich in seinem Spezialgebiet, der Wolle umschaut.

Wie sie auf die Idee gekommen sind und wo sie ihre Wolle herbekommen, haben wir eine Mitarbeiterin von Ortovox gefragt.

Hallo Andrea, stell Dich doch mal kurz unseren Lesern vor. Wer bist Du und was genau machst Du bei Ortovox?

Als Junior Produkt Manager der Sportswear-Abteilung kümmere ich mich zum einen um die Entwicklung von neuen Kleidungsstücken zum anderen um die Qualitätssicherung unserer Bekleidung.

Kannst Du uns kurz erklären, was Swisswool ist und welche Idee dahinter steckt?

Technisch gesehen ist unsere Swisswool-Füllung ein Vlies, das zum größten Teil aus Wollfasern besteht. Die lockere Struktur der Wattierung gelingt durch eine spezielle Herstellungsart und wird von sogenannten Stützfasern aus Polylactid, einem Material das aus Mais gewonnen wird, in Form gehalten. Swisswool hat eine ausgezeichnete Isolationsfähigkeit und bleibt auch in nassem Zustand in ihrer ursprünglichen Form.

Schafwolle wird in der Schweiz wieder attraktiv für Schafwirte

Schafwolle wird in der Schweiz wieder attraktiv für Schafwirte

Aber es steckt noch mehr dahinter. Swisswool ist eine schweizer Initiative, die Schafwirtschaft für regionale Betriebe wieder attraktiv macht. Vor wenigen Jahren hat man mit Schafwolle in der Schweiz kaum noch Geld verdienen können. In der Schweiz wird traditionell zweimal im Jahr geschoren, dadurch  ist die Wolle zu kurz um auf dem Weltmarkt einen guten Preis erzielen zu können. Vor ein paar Jahren wurden dann noch die staatlichen Subventionen im Bereich der Schafzucht gekürzt oder komplett gestrichen. Das war für viele Schafbauern ein existenzbedrohender Einschnitt.

Da kam dann Swisswool ins Spiel. Durch regionale Sammlungen, bei denen für die Wolle ein fairer Preis bezahlt wird, können die Bauern die Wolle wieder verkaufen und es lohnt sich wieder. Produkte mit regionalem Bezug erleben besonders im Moment einen Boom. Dadurch ist eine klassische Win-Win-Situation für alle Beteiligten entstanden.

Wie seid Ihr auf Swisswool gekommen und warum wolltet ihr da mitmachen?

Wollsammlung von Swisswool in der Schweiz

Wollsammlung von Swisswool in der Schweiz

Vor einigen Jahren hatten wir die Vision eine Wollfüllung zu kreieren, die mit Kunstfaser und Daune mithalten kann und gewichtsmäßig nicht so schwer ist wie unsere frühere Walk-Kollektion. So sind wir auf den Isolationshersteller Bauer Vlies gestoßen. Warum wollten wir mitmachen? Weil hinter dem Swisswool Projekt hochtechnische Produkte auf regionaler Basis stehen und das Thema Nachhaltigkeit hier zentralisiert wird. Swisswool ist daher das ideale Produkt für uns.

Die regionale Wirtschaft wird durch die Sammlung der Wolle vor Ort und faire Bezahlung der Bauern unterstützt und anschließend verarbeiten wir sie zu verschiedensten Produkten, die alle in Europa gefertigt werden. Im Jahr 2011 hat man auf diese Weise ungefähr 200 Tonnen Wolle direkt beim Erzeuger gesammelt.

Wolle ist ja eigentlich recht schwer und wird in Kombination mit Feuchtigkeit noch schwerer. Zwei Dinge, die man Outdoor eigentlich nicht brauchen kann. Wie habt Ihr dieses Problem gelöst?

Ein feuchtigkeitsfreundliches Naturprodukt

Ein feuchtigkeitsfreundliches Naturprodukt

Der Clou ist ja gerade, dass Wolle Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann. Da wir unsere Swisswool in einem Stoff mit wasserabweisenden Eigenschaften „verpackt“ haben, wird die Feuchtigkeit von vorne herein abgeschirmt. Die Feuchtigkeit, die vom Körper abgegeben wird, wird von der Wolle zwar absorbiert, jedoch fühlt sich die Faseroberfläche aufgrund der chemischen Struktur der Wollfaser dennoch trocken an. Dadurch wird ein angenehmes Klima geschaffen und die Wolle behält weiterhin Ihre Isolationsfähigkeit.

Was waren die größten Hindernisse/Schwierigkeiten bei der Entwicklung?

Da wir eine der ersten Firmen waren, die sich an dieses neuartige Material gewagt haben, gab es natürlich auch Herausforderungen. Die größten Herausforderungen waren zum einen die Sammlung der Wolle (bekommen wir genügend Rohmaterial?), die Herstellung in Europa (finden wir einen geeigneten europäischen Hersteller?) und zum anderen die Haltbarkeit des Materials nach spezifischen Anforderungen.

Wo liegen de Vorteile der Wolle gegenüber klassischer Isolationsmaterialien, wie z.B. Daune?

Wie Daune hat die Wolle ein sehr großes Temperaturwohlfühlspektrum, weil Feuchtigkeit gepuffert werden kann. Die Wärmeleistung ist sehr gut, das Wärme-Isolationsverhältnis ideal, durch ein gutes Packmaß bleibt man mit den Produkten auch sehr flexibel. Der größte Vorteil gegenüber Daune ist sicher die Tatsache, dass Wolle auch in nassem Zustand noch wärmt. Es gibt kein Verkleben oder Verrutschen der Isolationsschicht, da die Wolle als gleichmäßiges Vlies in allen Produkten verarbeitet wird.

Das Wohlbefinden scheint zu stimmen

Das Wohlbefinden scheint zu stimmen

Das Schaf produziert die Wolle jedes Jahr auf’s Neue und die Schur ist für die Tiere ein ganz normaler Prozess, der nicht in ihr Wohlbefinden eingreift. So kann man eine Isolationsschicht aus natürlichem Rohstoff tragen, ohne dabei in einen ethischen Konflikt zu geraten. Außerdem ganz klarer Vorteil: Die Pflegeleichtigkeit. Man kann die Produkte ganz einfach in einer haushaltsüblichen Waschmaschine waschen, wenn man sich an die Pflegeanleitungen hält. Auch gegenüber der Kunstfaser haben wir etliche Vorteile: besseres Klimamanagment, kein Müffeln und fällt bei Nässe weniger zusammen.

Worin unterscheidet sich Eure neue Reihe Swisswool Light von der bisher existierenden? Ist es „nur“ das Gewicht?

Unsere Swisswool Light ist gefüllt mit einem Wollvlies der Stärke 90g/m². Im Vergleich dazu hat die bisherige Swisswool 150 g/m². Auch bei den Swisswool Isolationsprodukten gilt: Je mehr Füllung, desto höher die Isolationsleitung. Das heißt logischerweise also einerseits, dass die Swisswool Light Linie einen nicht ganz so hohen Isolationswert hat wie die bisherigen Jacken, aber andererseits auch, dass sie wesentlich leichter ist. Bei einem höheren Aktivitätsgrad kann ich die Produkte super verwenden, z.B. beim Aufstieg auf Skitour oder aber auch als Unterzieher. Auf gut deutsch, die 150-ger Füllung ist um einiges wärmer und wird demnach mehr als warme Überjacke genutzt, wie z.B. beim Eisklettern oder Absichern beim Sportklettern etc.

Wie geht es weiter mit den Wollprodukten von Ortovox ? Was sind die Pläne für die kommenden Jahre?

Qualitätskontrolle mit geschultem Auge

Qualitätskontrolle mit geschultem Auge

Wir sind seit den 80er Jahren im Wollgeschäft dabei und zeichnen uns dadurch aus, dass wir Produkte aus dem natürlichen Rohstoff dahin zurück bekommen, wo sie sich am wohlsten fühlen: In der Natur, bzw. noch genauer in unserem Fall auf dem Berg. Durch ständige Weiterentwicklung von Technologien haben wir es geschafft, „langweilige“ Wolle zu hochfunktionellen Produkten weiterzuentwickeln, ohne dafür den Wohlfühlfaktor zu vernachlässigen. So z.B. entwickelten wir die letzten 4 ½ unsere Guardian Shell Kollektion, die ihr diesen Winter im Handel kaufen könnt. Und wir sind ziemlich stolz darauf!

Dieser Weg wird auch weiterhin unsere Produktentwicklungen bestimmen. Ich kann auf jeden Fall schon mal sagen: Auf die neuen Kollektionen darf man mehr als gespannt sein!

Dann bleibt mir nur noch herzlich Danke zu sagen und wünschen Euch noch viele weitere gute Ideen.

Folgende Produkte mit Swisswool haben wir bei uns im Shop: Piz Bianco Winterjacke, Piz Linard Winterweste, Piz Boval light Winterjacke, Piz Cartas light Winterweste

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. jens sagte am 17. September 2013 um 12:00 Uhr

    Ortovox?
    Miese Qualität und schlechter Service
    Dann lieber ne andere Marke bei der die Qualität stimmt.

  2. Sebastian sagte am 23. September 2013 um 10:13 Uhr

    Hey Jens,

    wie äußert sich denn die miese Qualität bzw. der mangelhafte Service bei Ortovox?

    Ich selbst wäre nämlich ein Gegenbeispiel: mein Merino-Baselayer ist rund vier Jahre Alt und mein Merino Fleece von Ortovox etwa 2 Jahre im Einsatz. Und obwohl ich die Sachen nicht schone habe ich weiterhin voll funktionsfähige Sachen…

    Gruß,
    Seb

  3. Andi sagte am 8. Oktober 2013 um 20:52 Uhr

    großartige Produkte, allerdings finde ich die Farben unmöglich! Wie wäre es mal mit Mountain Red, Alpine Gold oder Sherwood (wie bei MH)?

  4. Matthias sagte am 11. November 2013 um 13:57 Uhr

    Wie sieht es mit den Arbeitsbedingungen in Europa aus? Soviel ich weiss werden die Jacken in Ungarn hergestellt. Könnt ihr auch dazu was sagen?

    Gruss,
    Matthias

  5. Wiebke sagte am 12. November 2013 um 15:51 Uhr

    Hallo Matthias,
    ich habe Deine Frage direkt an Ortovox weitergeleitet und vom Qualitätsmanager Stefan Krause folgende Antwort erhalten:
    „Wir kontrollieren persönlich durch regelmässige Besuche der Produktionsstätten u. a. die Arbeitsbedingungen.
    Gerade bei unserem Produzenten in Ungarn war ich 3 mal in 4 Monaten und die Kontrolle ist dort sehr tief:
    Wir haben freien Zugang zu den Räumlichkeiten und sind in persönlichem Austausch mit dem Management, den Teamleadern bis hin zu den Arbeitern – sowohl im Development als auch im Produktionsbereich. So gibt es dort z. B. Einzelne in der Näherei, die Deutsch sprechen und mit denen wir uns ungezwungen sogar über persönliche Dinge wie Familie etc. unterhalten können.
    In der Hauptlinie, wo Guardian Shell und Swisswool Produkte produziert werden, bewege ich mich quasi komplett frei ohne ständige Begleitung und kann meine Fragen stellen. Ich könnte theoretisch ohne Vorankündigung dort erscheinen und hätte Zugang (wenn unsere Produkte dort gerade produziert werden).
    Durch die jeweils mehrtägige Anwesenheit bekomme ich einen sehr guten persönlichen Einblick, quasi „live“ über Arbeitsbedingungen, Arbeitsklima, Überstundensituation, Urlaub, Altersstruktur der Arbeiter etc.
    Ein Beispiel: wir nutzen dieselben sanitären Einrichtungen wie Büro- bzw. Produktionsmitarbeiter, ebenso wie die sozialen Räume zur gemeinsamen Kaffee-Pause.
    Somit kann ich bestätigen, dass wir uns auf sehr hohem Niveau bzgl. Social Compliance befinden.
    Desweiteren habe ich eine sog. Factory checklist, wo ich die entsprechenden Punkte (Social Compliance, Management und Produktions System, …) mit dem Management abchecke.“ (Qualitätsmanager Stefan Krause)

    Lieben Gruß, Wiebke

  6. mANU sagte am 20. April 2014 um 15:59 Uhr

    Wie wäscht man eigentlich eine Ortovox Swisswohl Jacke? Ich traue mich nicht und finde im Web leider keine Anleitung. Auch am Etikett steht nichts darüber.

  7. Wiebke sagte am 22. April 2014 um 10:30 Uhr

    Hallo Manu,

    das ist unterschiedlich und hängt davon ab, welches Produkt Du hast. Die jeweilige Pflegeanleitung findest Du z.B. auf der Seite von Ortovox. Rufe Dein Produkt auf der Seite auf. Auf der rechten Seite findest Du einen Link „Downloads“ wenn Du darauf gehst, findst Du die „Waschanleitung Bekleidung“. Hier sind die unterschiedlichen Materialien mit ihren Waschanleitungen aufgezählt. Lieben Gruß, Wiebke

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