Kaufberatung Skitourenstiefel

Fuß sucht… Von der schwiergen Wahl des passenden Skitourenstiefels?

22. Februar 2017

Kategorie

Sportart

Gerade beim Skitourengehen ist mir persönlich das Gewicht der Ausrüstung wichtig. Deshalb habe ich letztes Jahr eine sehr effektive Gewichtseinsparung an meinem Skitourenskistiefel vorgenommen: ich habe eine Schnalle entfernt. Zugegeben, nicht freiwillig. Es war eher ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass ich meine alte Ausrüstung gegen neue tauschen sollte. Der Kauf neuer Skitourenstiefel zählt für mich allerdings nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

Kaufberatung Skitourenstiefel

Der passende Skitourentstiefel – schwieriger als so mancher Aufstieg… Foto: Georg Pollinger

Als sich mitten in einer wunderschönen Tiefschnee-Abfahrt mein Fangriemen mit einem Baumstumpf grüß Gott sagte und mich aus voller Fahrt aus den Ski katapultierte, dachte ich kurz, meine Skitourensaison ist sowieso gelaufen. Dabei habe ich noch einmal Glück gehabt. Und ich bin ohnehin der Meinung, dass ein guter Skifahrer sowieso auf allem herunter kommt, aber ich will in Zukunft einfacher und auch ein Stück weit sicherer abfahren.

Die Frage lautet also: werde ich für meinen breiten Spreiz-Hohlfuß überhaupt einen passenden Schuh finden? Wahrscheinlich bin ich aber auch nicht die Einzige, die keinen perfekten Fuß hat und kann so durch die gesammelten Erfahrungen auf meiner Odyssee auch anderen bei ihrer Suche behilflich sein.

Die Nadel im Heuhaufen

Was für eine riesige Auswahl an Tourenstiefeln es gibt, es wird eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Also erst einmal die gängigen Kaufberater im Internet wälzen. Ich möchte einen Schuh, der genau zu meinen Bedürfnissen passt, stehe nach einigem Lesen aber nur vor noch mehr Fragezeichen. Wahnsinn, was Schuhe heutzutage alles können, nur selbständig aufsteigen können sie wohl noch nicht. Beeindruckt durch die vielen Features starte ich gleich in die erste Anprobe und falle gewaltig auf die Schnauze.

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Der Fischer Travers – einer der Favoriten.

In die meisten Modelle passe ich gar nicht hinein, ich kann meinen viel zu hohen Rist nicht um die Ecke drücken! Was hilft mir da die „tolle Handhabung“ und die „super Abfahrtsperformance“? Genauso wurscht ist mir in diesem Moment, ob die Innenschuhe zum Schnüren sind oder nicht, mit diesen Stiefeln komme ich ohnehin auf keine Hütte, um sie dort als Hausschuhe zu verwenden.

Alles bis dahin gelesene war somit für die Katz. Die tollsten Modelle fallen für mich flach, sie sind, so scheint es, für schmale Plattfüße gemacht. Stramme „Wadeln“ passen auch nicht so recht ins moderne Konzept. „Carbon statt Kondition“ kann ich mir also abschminken. Am besten gleich die Füße abschneiden… Ich versuche den ersten Fehlschlag mit Humor zu nehmen, meine Füße sind speziell und haben eben „Charakter“. Wollen wir doch mal sehen, wie weit ich mit einer auf mich zugeschnittenen Internet- Recherche komme und wie gut meine Favoriten am Ende passen.

Trockene Zahlen

Die erste wichtige Erkenntnis: Skitourenstiefel müssen vor allem passen! Alles andere ist zweitrangig. Dabei helfen leider nur trockene Zahlen weiter: Länge, Breite und Co. Aufgrund meiner Fußfehlstellung sind mir die meisten Schuhe zu eng, daher neige ich dazu, Schuhe zu groß zu kaufen. Bei einer guten Passform darf aber ruhig die echte Schuhgröße her, heißt es! Als erstes messe ich also meinen Fuß aus, altmodisch aber effektiv mit einem Blatt Papier und Stift.

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Der Atomic Backland – ebenfalls von Klara zu empfehlen.

Papier am Boden festkleben, den Stift gerade halten (also im 90 Grad- Winkel zum Boden) und los. Die Länge zwischen den äußersten Punkten ist eure gesuchte Skischuhgröße (Mondopoint-Größe), ggf. noch einen Zentimeter dazu rechnen: in meinem Fall 23,5cm + 1 cm= 24,5. Die Länge in Millimetern ist allerdings auch sehr hilfreich, da auch dieses Maß manchmal in den Informationen der jeweiligen Modelle steht. Man muss wissen, dass Schuhgrößen der verschiedenen Hersteller unterschiedlich ausfallen. Die Schuhgrößen sind nicht genormt!

Eine weitere wichtige Zahl ist die Breite des Fußes – sie sollte zum Stiefel passen. Es gibt Modelle mit schmalen, mittleren und breiten Leisten. Meist steht diese Information beim Kleingedruckten des jeweiligen Modells. Am wichtigsten wäre für mich die Risthöhe, aber leider gibt es hierzu keine Zahlen. In diesem Punkt muss ich darauf achten, dass sich der Stiefel ordentlich öffnen lässt, sodass man selbst mit hohem Rist gut hinein schlüpfen kann. Aussagen darüber finde ich oft in der Beschreibung. All das zusammen genommen sitze ich nach geraumer Zeit vor einer Liste von etwa 20 Skitourenstiefeln verschiedener Marken. Soweit so gut.

Aufstieg oder Abfahrt

Jetzt gilt es, diese Liste weiter einzuschränken. Dafür muss ich entscheiden, ob ich eher aufstiegs- oder abfahrtsorientiert bin… sowohl als auch, aber ich bevorzuge eher bequeme Stiefel. Für den Aufstieg sind leichte und bewegliche Modelle besser, für die Abfahrt dafür stabilere. Wobei sich Beweglichkeit und Stabilität lang nicht mehr ausschließen müssen.

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Der Dynafit Neo – wer die Wahl hat…

Anhand der Flexibilitätswerte und dem Rotationswinkel kann man die Beweglichkeit ein wenig abschätzen. Danach geht es darum, welche Bindungen ich mit dem Schuh fahren möchte. „Bindungskompatibilität“ ist hier das Stichwort. Für meinen leichten, teuren Tourenski mit Pin-Bindung (den ich zwar noch nicht habe) möchte ich einen schönen leichten Schuh. Aber wenn schneearme Verhältnisse herrschen, wie das bei uns leider oft der Fall ist, möchte ich lieber die alten Bretter mit konventioneller Bindung verkratzen.

Und damit sind wir auch schon beim Gewicht der Skistiefel, denn meist sind die Modelle für reine Pin-Bindungen viel leichter als die klobigeren Allrounder. Auch beim Gewicht sollte man sich gut überlegen, für was der Skitourenstiefel wirklich verwendet werden soll. Will ich mit den Skitourenstiefeln auch im Fels klettern? Ein leichter Schuh ist hier natürlich klar im Vorteil, aber wie oft mache ich das tatsächlich? Sollen ab und zu auch Steigeisen angebracht werden, sollte zusätzlich geprüft werden, ob bei dem Modell nicht spezielle Steigeisen nötig sind. Am Ende wird es doch ein Kompromiss, denn die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht.

Frauen und Schuhe

Jetzt werdet ihr euch wahrscheinlich auch langsam fragen, welche Skitourenstiefel ich mir nun überhaupt angeschaut habe und welche sich für einen breiten Spreiz-Hohlfuß im Endeffekt eignen. Die Dynafit Radical und Neo sind eine gute Option, ebenso wie der Fischer Transalp TS Light. Skitourengeher mit schmalen Füßen können hingegen den Dynafit TLT6 sowie den Atomic Backland probieren.

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Glückliche Gesichter wenn der Schuh passt! Foto: Georg Pollinger

Ich stehe hier also mit meinem Top-Kandidaten und der Moment der Wahrheit ist gekommen: ich schlüpfe in den Dynafit Neo CR WS und er passt (wie könnte es anders sein!). Ob es Druckstellen gibt, wird sich natürlich erst auf Tour zeigen. Aber selbst dafür gibt es noch eine Lösung: die äußere Plastikhülle könnte an speziellen Punkten vom Spezialisten (!) notfalls mittels Hitze noch etwas geweitet werden. Wenn ich jetzt allerdings zufrieden wäre, dann wäre ich keine Frau.

Inzwischen war ich nämlich auf der ISPO und ich kann berichten, dass für die nächste Saison sehr interessante Modelle von Dynafit, Atomic als auch Fischer Sports kommen werden, die ich mir definitiv anschauen möchte. Schließlich muss ich mich ja gar nicht auf ein Paar Skitourenstiefel beschränken – wir Frauen sind doch dafür bekannt, viele Schuhe zu besitzen. Und wer sagt, dass es Manolo Blahnik oder Gucci sein müssen…?

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