Tipps und Tricks

„Für den Cerro Torre muss eben (fast) alles passen“

20. Februar 2013

Sportart

Die Drei auf der Aguja Standhardt. Arne ist vom Eisschlag gezeichnet.

Die Drei auf der Aguja Standhardt. Arne ist vom Eisschlag gezeichnet.

Wie im letzten Winter machte sich Bergfreunde Pro Team Mitglied Fritz Miller auch in dieser Saison auf den Weg nach Patagonien. Dieses Mal war die Torre-Gruppe und eine Besteigung des Cerro Torre – ein lang gehegter Traum. Damit dies gelingt, müssen aber einfach alle Faktoren stimmen: Wetter, Kocher, Wetter.  Hier sein Bericht über die Tour:

Vom 12. November bis zum 11. Dezember 2012 war ich mit Michi Wohlleben und Arne Bergau in Patagonien unterwegs. Nachdem ich im Jahr zuvor mit Korbinian Schmidtner auf Fitz Roy und Aguja Poincenot stand, hieß unser Ziel diesmal Torre-Gruppe.

Lange Reise, langer Zustieg

Das VAUDE Power Atreus, die Festung im „Niponino“ und Power aus der Tüte, für den nächsten Tag…

Das VAUDE Power Atreus, die Festung im „Niponino“ und Power aus der Tüte, für den nächsten Tag…

Nach einer langen Reise über die Stationen Frankfurt, Sao Paolo, Buenos Aires und El Calafate erreichten wir schließlich unseren Zielort El Chaltén, ganz im Süden von Argentinien. Gleich am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg ins „Niponino-Camp“, einem beliebten Biwakplatz im Torre-Valley. Von dort wollten wir über die Route „Exocet“ auf die Aguja Standhart klettern. Die Aguja Standhart ist ein beeindruckender Gipfel, auch wenn sie klar im Schatten ihrer höheren und schwierigeren Nachbarn Cerro Torre und Torre Egger steht.

Doch schon der Zustieg ins „Niponino“ war keine leichte Aufgabe. Der Gletscher hatte sich im Vergleich zum Vorjahr stark verändert, so dass meine Ortskenntnisse nicht mehr viel Wert waren. Am Biwakplatz angekommen, erlebten wir die nächste Überraschung: Unser Jetboil-Kocher funktionierte nicht. Zum Glück war der bekannte Alpinist Colin Haley (USA) mit uns im „Niponino“ und wir konnten seinen Kocher mitbenützen.

Glück an der Aguja Standhardt

Der Gipfel des Cerro Torre liegt 2100 m über dem Grund des Torre-Valleys.

Der Gipfel des Cerro Torre liegt 2100 m über dem Grund des Torre-Valleys.

Die „Exocet“ klappte dafür gut. Wir hatten einen Traumtag erwischt: bestes Wetter, kaum Wind und gute Verhältnisse in der Route. Um 17:00 standen wir auf dem Gipfeleispilz und genossen die grandiose Aussicht auf das Patagonische Inlandeis, die Fitz-Roy-Gruppe und den Cerro Torre.

Erster Versuch am Cerro Torre

Nach ein paar Schlechtwettertagen, die wir in El Chaltén verbrachten, packten wir unsere Sachen für einen Versuch an der Cerro Torre Westwand. Das Wetter entwickelte sich aber nicht wie erhofft. Bei ziemlich schlechter Sicht leisteten wir uns einen „Verhauer“ im Zustieg zum Col de la Esperanza und brachen den Versuch daraufhin ab. Ob es gegangen wäre? Wahrscheinlich nicht, zumal der Jetboil-Kocher, den wir diesmal dabei hatten, auch plötzlich nicht mehr funktionierte…

Wetterpoker

Der Biwakplatz „Niponino“ samt Bergsteiger, die auf besseres Wetter hoffen.

Der Biwakplatz „Niponino“ samt Bergsteiger, die auf besseres Wetter hoffen.

Kaum zurück im Ort, kündigte sich eine Wetterbesserung an. Sollten wir es nach nur einem Ruhetag gleich wieder probieren? Wir gingen nicht und setzten stattdessen auf das nächste Wetterfenster – und hatten wieder Pech. Auch bei diesem Versuch blieben wir im schlechten Wetter und vielen Neuschnee hängen. In der letzten Woche unseres Aufenthalts war das Wetter zum Bergsteigen dann endgültig zu schlecht. Immerhin konnten wir noch ein paarmal Sportklettern und Bouldern gehen.

Tolle Unterstützung

Schwerer Rucksack, schlechtes Wetter, Gletscherspalten, weiter oben Lawinengefahr – was will man mehr?

Schwerer Rucksack, schlechtes Wetter, Gletscherspalten, weiter oben Lawinengefahr – was will man mehr?

Um an einem Berg wie Cerro Torre oder Torre Egger erfolgreich zu sein, muss eben (fast) alles passen, was bei uns leider nie der Fall war. Dennoch ein herzliches Dankeschön an alle, die uns die Daumen gedrückt haben – an Euch hat’s bestimmt nicht gelegen!

Außerdem besten Dank an Bergfreunde.de, VAUDE und Trek’n Eat für die Unterstützung unserer Reise, an Dörte Pietron für alle möglichen Tipps und Routeninfos sowie an Michi Wärthl, Claus Haberda und unsere Schweizer Freunde für die gute Zeit im Centro Alpino.

Bilder: Fritz Miller

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Markus sagte am 20. Februar 2013 um 16:50 Uhr

    Unglaublich spannende Storie. Ich habe Euer Vorhaben bereits im letzten Jahr mit großer Spannung mitverfolt. Schade, dass die Bedingungen nie 100%ig gepasst haben. Damit da alles stimmt, muss man schon unglaublich viel Glück haben. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die für Optimalbedingungen benötigt werden.

    Ich wäre sehr interessiert an weiteren Bildern des Trips. Gibt es da noch einen Link bzw. wird hier vielleicht noch mehr dazu veröffentlicht? Leider habe ich mir im Dezember den Arm gebrochen, dieser ist dann wieder gekippt und das mit dem Bergsteigen hat sich somit erstmal erledigt für die nächsten Wochen. Da helfen solche Berichte und Bilder unglaublich.

    Beste Grüße
    Markus

  2. Wiebke sagte am 21. Februar 2013 um 09:43 Uhr

    Hallo Markus,
    freut mich zu hören, dass Dir die Berichte aus unserem Pro Team gefallen. Ich schau mal, was ich wegen den Bildern machen kann. Dir wünsche ich eine schnelle und komplette Genesung mit Deinem Arm!!

    Gruß, Wiebke

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