Fritz und Michi durchsteigen die Colton-MacIntyre-Führe (Grandes Jorasses)

25. April 2017

Sportart

Die Nordwand der Grandes Jorasses mit der Colton-MacIntyre-Führe (grober Verlauf). Foto: Archiv M. Wohlleben

Nordwand der Grandes Jorasses mit der Colton-MacIntyre-Führe

Das schöne Herbstwetter des Oktobers haben Fritz Miller und Michael Wohlleben vom Bergfreunde ProTeam (Anmerkung von Sebastian: Michi und ProTeam – dazu gibt es bald neue News) gut genützt!

Via Colton-MacIntyre-Führe kletterten sie durch die Nordwand der Grandes Jorasses (4208 m) im Mont-Blanc-Gebiet. Fritz berichtet von der Begehung einer großen Wand, die den Vergleich mit Eiger und Matterhorn Nordwand nicht zu scheuen braucht.

Fritz und Michi: heiß auf die Colton-MacIntyre

Frühjahr 2009: schlechte Bedingungen. Im roten Kreis ist Fritz schwach zu erkennen. Foto: David Bruder

Frühjahr 2009: schlechte Bedingungen. Fritz ist nur schwach zu erkennen. Foto: David Bruder

Im Frühjahr 2009 war ich zusammen mit David Bruder in der Colton-MacIntyre-Führe unterwegs. Im oberen, felsigen Teil waren Wetter und Verhältnisse schlecht und wir entschieden uns damals für einen Rückzug. Michi war ebenfalls schon ein Mal in der Wand und musste abbrechen. Doch die Erinnerungen an die Grandes Jorasses waren positiv. Und wir wussten, dass wir nur zum richtigen Zeitpunkt wieder kommen müssten.

Erneuter Anlauf an den Grandes Jorasses

Kein Laufsteg: Michi im Zustieg auf dem Mer de Glace. Foto: Fritz Miller

Kein Laufsteg: Michi im Zustieg auf dem Mer de Glace. Foto: Fritz Miller

Les Praz, 12. Oktober 2010. Der Weg vom Arvetal zur Grandes Jorasses ist weit. Als Michi und ich den Leschaux-Gletscher erreichen, wird es dunkel. Wir gehen noch ein ganzes Stück. Auf ungefähr 2700 Metern Höhe richten wir uns einen spartanischen Biwakplatz im Eis des Gletschers ein und schlafen ein paar Stunden. Der nächste Tag beginnt mit einem Anstieg durch die Spaltenzone, die bis an den Fuß der Grandes Jorasses Nordwand reicht. Wir sehen die Wand nur schemenhaft vor uns und folgen einer Spur durch die stockfinstere Nacht. Hinter uns steigen weitere Seilschaften auf, doch sie werden uns nicht einholen. Wir gehen schnell und leicht, einen guten Teil der Ausrüstung haben wir am Biwakplatz gelassen.

Kletterer in der Colton-MacIntyre-Führe. Foto: Archiv M. Wohlleben

Kletterer in der Colton-MacIntyre-Führe. Foto: Archiv M. Wohlleben

Als wir den ersten Bergschrund überwinden (hier beginnt die Wand), ist es 5:15 Uhr. Bis zum zweiten Bergschrund und im ersten Eisfeld sollte die Dunkelheit kein Problem sein. Wir steigen weiter, aber es kommt kein zweiter Bergschrund und kein Eisfeld. Wir sind falsch, viel zu weit rechts. Mit einer langen Querung in Richtung Walkerpfeiler, der sich etwas vom Nachthimmel abhebt, erreichen wir im Morgengrauen das erste Eisfeld der Colton-MacIntyre-Führe. Wieder auf Kurs, nehmen wir Fahrt auf. Das erste Eisfeld, der lange Eisschlauch und das zweite Eisfeld liegen bald hinter uns. Der Felsriegel oberhalb des zweiten Eisfeldes ist ganz gut vereist und ebenfalls schnell überwunden, genauso das dritte Eisfeld.

Einstieg in die Gipfelwand: Es fühlt sich gut an!

Geschafft: Michi und Fritz auf dem Gipfel. Foto: M. Wohlleben

Geschafft: Michi und Fritz auf dem Gipfel. Foto: M. Wohlleben

Obwohl ich schon eine ganze Zeit keine Eisgeräte mehr in den Händen hatte, fühlt sich das Klettern an, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Und es ist unglaublich, wie viel Kraft mir diese Wand gibt. Frohen Mutes steigen wir in die Gipfelwand ein. Die letzten Seillängen zum und am Walkerpfeiler sind heikel und verlangen Disziplin beim Klettern und Einrichten der Standplätze. Wir bringen, was die Route verlangt.

Der Gipfelgrat der Grandes Jorasses ist nach Norden überwechtet. Der Ausstieg auf die Point Walker, höchste Erhebung des Berges, stellt aber kein Problem dar. Nur unsere Augen brauchen nach genau 8 Std. und 31 Min. in der düsteren Nordwand eine Weile, um sich an das grelle Licht zu gewöhnen. Michi macht ein paar Fotos mit seinem Handy. Es ist schön hier oben!

Abseilen in Richtung Biwakplatz

Biwak auf dem Leschaux-Gletscher. Angenehm, dank guter Ausrüstung. Foto: Fritz Miller

Biwak auf dem Leschaux-Gletscher. Angenehm, dank guter Ausrüstung. Foto: Fritz Miller

Während einiger bitterer Rückzüge habe ich das Abseilen gelernt. Bei den tiefen Temperaturen in der Wand sollte es gut möglich sein, über die Route abzuseilen. Es ist zwar nicht üblich, über eine solche Wand abzuseilen, aber unser Plan sieht es vor. Und es funktioniert – richtig gemacht, versteht sich – gut. 5 Std. brauchen wir zurück zu unserem Depot auf dem Leschaux-Gletscher. Wir biwakieren ein zweites Mal. Obwohl meine Matte Luft verliert und der Kocher so kalt ist, dass er kaum mehr heizt, wird es ein angenehmes Biwak. Wahrscheinlich, weil wir froh und glücklich sind, hier zu sein.

Tags darauf steigen wir nach Les Praz ab, unserem Ausgangspunkt im Tal von Chamonix. Hier endet eine besondere Begehung der Grandes Jorasses Nordwand, die ohne die Benützung von Bergbahnen und Hütten stattgefunden hat.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. […] als Autor, diversen Speedbegehungen, beim Eisklettern, alpinen Erstbegehungen (zuletzt: Fritz und Michi durchsteigen die Colton-MacIntyre-Führe (Grandes Jorasses)) oder gemeinnützigen Aktionen – Fritz sorgt stets für Furore.  Wir freuen uns einen ganz […]

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