Routenkombination „Bobby“ am Seebenseefall

Fritz Miller über die Routenkombination „Bobby“ am Seebenseefall

27. Februar 2019

Sportart

Routenkombination „Bobby“ am Seebenseefall

Seebenseefall klassisch (gelb) und Bobby (rot)

Die Erstbegehung der Routenkombination Bobby (WI6+ M7+ A3, 200 m) liegt nun schon ein paar Winter zurück. Am 27. Februar 2013 konnten Markus Koch und ich die komplette Route durchsteigen, nachdem ich sie zuvor mit verschiedenen Partnern eingerichtet hatte. Zwischenzeitlich wurde ich immer wieder auf die Linie angesprochen – hier findet ihr jetzt endlich alle Infos!

Die erste nennenswerte Erstbegehung

Genaugenommen beginnt die Geschichte im Januar 2009, als David Bruder und ich die Route Airgames (WI6 M6- A3, 200 m) eröffneten. Für mich war es die erste nennenswerte Erstbegehung überhaupt, gleichzeitig schärfte sie den Blick für weitere Möglichkeiten am Seebenseefall.

Airgames zweigt vom Hauptfall links ab und schlängelt sich dann durch den oberen Teil der überhängenden Felswand. Das Gelände sieht übel aus, aber dann geht es doch ganz gut. Zumindest bis zum A3-Dach, bei dem sicher der eine oder andere Wiederholer etwas nervös wurde… Klar, eine solche Linie sucht die Schwierigkeiten – man kommt schließlich auch einfacher nach oben – aber ist es nicht die Suche nach besonderen Herausforderungen, die uns im Winter an die Wände lockt?

Bobby – schwieriger und vor allem ernster

Routenkombination „Bobby“ am Seebenseefall

Oberer Wandteil mit der 4.-6. SL von Airgames (gelb), der 4. SL von Bobby und Stirb langsam (rot) sowie der 5. SL von Stirb langsam (blau).

Die Routenkombination Bobby folgt dem gleichen Gedanken. Verglichen mit Airgames ist Bobby aber schwieriger und vor allem ernster, obwohl die beiden Mixedlängen im Mittelteil mit Bohrhaken gesichert sind (der Fels war für eine traditionelle Absicherung ungeeignet).

Das liegt an der zweiten Seillänge: Eiskletterei im oberen sechsten Grad, deren Machbarkeit stark davon abhängt, wie sich das Eis geformt hat. Man kann diesen Teil der Route komplett umgehen, indem man der klassischen Linie folgt und vom Bohrhakenstand nach der zweiten Länge nach links traversiert, also vom rechten Rand des Falls zum linken. Das geht schon, man klettert dann aber nicht das Original Bobby, sondern höchstens Bobby light – außerdem wird man dabei sehr nass werden.

Die dritte Seillänge führt nach links, zu einem Bohrhakenstand von Michi Wohllebens Direktroute Stirb langsam. Wir haben den oberen Teil dieser Route gemeinsam eingerichtet, und so verlaufen unsere beiden Routen hier auch ein Stück gemeinsam, bevor Bobby in Airgames mündet. Das A3-Dach lässt sich über Michis Route links umgehen (M8+). Das entspricht natürlich auch nicht der Originallinie, aber was soll’s, wer soweit gekommen ist, der weiß eh, was er will…

Bobby – in dankbarer Erinnerung an Reinhold Fink

Routenkombination „Bobby“ am Seebenseefall

Markus und Fritz (ich) am Ausstieg

Markus und ich klettern jetzt seit gut 20 Jahren zusammen (keiner weiß warum, aber es ist so…). Wir waren zusammen in der Jugendgruppe der Pfullinger Bergwacht. Der damalige Jugendleiter hieß Reinhold Fink, in seiner Generation bekannt unter dem Spitznamen Bobby. Im Winter 2011/12 ist er beim Klettern verunglückt. Ihm ist dieser Weg gewidmet, in dankbarer Erinnerung an eine coole Zeit.

Am 27. Februar 2013 sind Markus und ich geklettert, wie man eine solche Route klettern muss: willensstark, fokussiert, effizient. Und ich bin mir sicher, Reinhold wäre stolz auf uns gewesen, hätte er zugeschaut.

Weitere Infos

Routenverlauf

1. SL: Auf der Route des klassischen Seebenseefalls in leichter Kletterei auf den Vorbau (35 m, WI3).

2. SL: Weitere 20 m der klassischen Route folgen, dann 35 m gerade hoch (ca. WI6+) Stand in Eishöhle.

3. SL: Linkshaltend weiter, erst Eis, dann Fels. Mit vier Bohrhaken vernünftig gesichert. Stand ebenfalls an Bohrhaken. Im Fels zunächst Drytooling, das meiste klettert man dann aber besser mit den Händen. Der Nachsteiger sollte einen Seilstrang in der letzten Zwischensicherung belassen, da abfallender Quergang zu Rinne (35 m, M6).

4. SL: Zunächst schlechter Fels (Absicherung durch Bolts), dann Eisvorhang. Ausgezeichneter Standplatz im „Eisnest“ (20 m, M7+).

5. SL: Das A3-Dach von Airgames. Im Dach verläuft eine Rissspur, dieser folgen, um einen Eiszapfen zu erreichen. Danach ein paar Meter im dünnen Eis nach rechts ansteigen (ca. WI6), bis sich in einer Eisnische ein vernünftiger Standplatz errichten lässt. Insgesamt nur 15 m, aber dennoch fordernd!

6. SL: Kurzer Hangelquergang nach links, weiter links haltend nach oben, zuletzt durch Schnee zu Fichte (35 m, WI6-).

Material

Übliches Eisklettermaterial inkl. 60-m-Doppelseile. Außerdem für die 5. SL: kleines Sortiment an Felshaken, Peckers + evtl. Cliff, Felshammer, Cams Gr. 0.2-0.75, Klemmkeile, 2 Trittleitern (der Vorsteiger kann sie hängen lassen)

Abstieg

Abstieg am besten durch Abseilen über den klassischen Seebenseefall.

Kletterführer

Allgemeine Infos zum Gebiet finden sich im Eiskletterführer Bregenz bis Garmisch, Panico Alpinverlag.

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