Bergfreunde

Frauen am Berg, Teil III: Am Berg nichts Neues?

5. Mai 2015

Sportart

Allein unter Männern.

Die Autorin allein unter Männern.

Für den letzten Beitrag der Serie Frauen am Berg habe ich Euch versprochen, einen Blick auf Frauen am Berg in der Gegenwart zu werfen. Die Zeiten, in denen man beweisen musste, dass Frauen „auch“ Spitzenleistungen am Berg und an der Wand leisten können, sind vorbei. Ashima Shiraishi hat vor einigen Wochen als erste Frau die 9a+ Grenze durchbrochen, Gerlinde Kaltenbrunner hat schon 2011 als erste Frau alle 8000er ohne Sauerstoff bestiegen. Daher habe ich mir drei Themen ausgesucht, die eher selten diskutiert werden: Frauen im Bergfilm, im Führerwesen und unter sich.

(Keine) Frauen auf der Leinwand

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Männerdominiert: Bergfilmfestspiele.

1952 fand das erste Internationale Bergfilmfestival in Trento statt. Heutzutage gibt es Dutzende von lokalen und internationalen Festspielen, auf denen Filme rund um das Thema Berg präsentiert werden. Inzwischen hat sich das Genre um Sportarten wie Mountainbiking, Whitewater Rafting und BASE Jumping erweitert. Während die Sportarten extremer geworden sind, hat sich der Outdoorfilm in Sachen Gender nicht wirklich entwickelt. Der moderne Adventure-Film folgt diesem Schema: ein weisser Mann aus einem reichen Industrieland stellt seinen Heldenmut und physische Leistung in einer exotischen Landschaft unter Beweis. Einheimische und Frauen treten allerhöchstens als Randfiguren auf. Das Empire lässt grüßen.

Die Anthropologin Susan Frohlick hat sich damit beschäftigt, was Frauen über ihre fehlende Repräsentanz auf Bergfilmfestspielen denken. Ihre Untersuchung zeigt, dass sich Festivalbesucherinnen der Dominanz der „spielerischen, weißen Männlichkeit“ sehr wohl bewusst sind. Auf der anderen Seite besitzen sie so viele Gemeinsamkeiten mit den Protagonisten in Hinblick auf soziale Herkunft, Bildung und Hautfarbe, dass es zu einer Identifikation mit diesen ausreicht.

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Ein Vorbild für den Outdoorfilm: Pretty Faces

Aber wieso gibt es so wenige Frauen auf der Leinwand? Die Webseite des Banff Mountain Film Festivals, dessen internationale Reputation seiner ehemaligen Direktorin Bernadette McDonald zu verdanken ist, gibt folgende Antwort: es gebe nicht genügend „angemessene hochqualitative“ Einreichungen. Liegt es also am Angebot und nicht an der Nachfrage? Haben Frauen es nicht nötig, sich darzustellen? Oder liegt es an fehlendem Sponsoreninteresse? Letzteres Problem haben die Mädels von Pretty Faces gelöst: der erste Skifilm „von Frauen, über Frauen, für alle“ wurde durch eine Crowdfunding-Kampagne finanziert.

Hallo, ich bin eure Bergführerin!

Diese Begrüßung hört man leider selten. 2013 lag der Frauenanteil im Verband Deutscher Berg- und Skiführer (VDBS) bei gerade 1.3%! Zum Vergleich: im DAV sind knapp über 40%  der Mitglieder weiblich. Es gibt wahrscheinlich kaum eine Berufsgruppe, in der Frauen so unterrepräsentiert sind. Selbst unter den Piloten der Lufthansa gibt es 6% Frauen. (Zugegeben, auch nicht gerade rühmlich!) Ein kurzer Blick in die Datenbank der American Mountain Guides zeigt: dort sieht es nur marginal besser aus. Nicht einmal zehn der über hundert gelisteten AMGA Guides sind Frauen.

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Burschen eben…

Woran liegt das? Der Bergführerberuf ist mit Sicherheit nicht besonders familienfreundlich. Das kann aber nicht der alleinige Grund sein. Es ist ja schon lange nicht jede Frau am Muttisein interessiert. Ähnlich wie im Pilotenwesen ist der Umgang mit den Kunden nicht immer einfach. Es gibt noch immer Leute (beiderlei Geschlechtes), die Frauen kein Sicherheitsmanagement zutrauen und nicht mit weiblichen Führern gehen wollen. Das macht den Job natürlich nicht gerade attraktiv. Entgegen deutscher Gepflogenheiten gibt es in der Satzung des VDBS noch nicht mal den Begriff „BergführerInnen“ oder zumindest die übliche Fußnote zur Anerkennung des anderen Geschlechtes. Man mag über diese Sprachregelung denken, was man will:  Ein aktives Eintreten des VDBS für einen höheren Frauenanteil wäre mit Sicherheit ein Gewinn für den Bergsport. Vorbilder schaffen Nachahmer und gewöhnen auch die Kritiker an Tatsachen.

Frauen unter sich: Trainiert es sich besser?

Es besagen ja inzwischen einige Studien, dass getrennte Mädchen- und Jungenschulen gar keine so schlechte Idee war und die Koedukation auch seine Nachteile mit sich bringt.

Im Januar war ich mal wieder Quotenfrau, allein unter Männern im Eiskletterkurs. Mir macht das gar nichts aus. Ich habe ein dickes Fell, was typische Bergführersprüche angeht, die genderpolitisch nicht gerade korrekt sind. Und bitte, wenn die Männer gerne wissen möchten, wie frau im Steileis Wasser lässt, dann kläre ich sie gerne auf. Aber eins ist klar: Ohne eine Portion Selbstbewusstsein geht es am Berg nicht.

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Die Mädels von CruxCrush.

Dass Frauen weibliche Vorbilder im Sport brauchen, haben die Mädels von CruxCrush.com verstanden, drei starke Kletterinnen aus der Bostoner Region. Auf ihrem Blog, der übrigens auch von vielen Männern gelesen wird, geht es um alles, was Kletterinnen interessiert: Training, Ausrüstung, Topkletterinnen, aber auch um Fragen wie sich Schwangerschaft mit Klettertraining vereinbaren lässt. Cate, eine der Initiatoren, muss es wissen: als ich sie das erste Mal traf, rotpunktete sie gerade eine 5.12b während ihr Baby friedlich zuschaute. Donnerstag Abend ist bei Cate im hauseigenen Boulderraum Ladies’ Night—Männer nicht erwünscht.

Ich muss ganz ehrlich sagen, manchmal ist es ganz schön, nicht die einzige Frau zu sein, sondern nur eine unter vielen. Ob aber die Bergfreunde besser BergfreundInnen heissen sollten, die Antwort überlasse ich Euch.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Dani sagte am 22. Mai 2015 um 21:28 Uhr

    Liebe Caro,

    Ein guter Beitrag, witzig, gut recherchiert und für jede Frau im Bergsport wohl ein immer aktuelles Thema!
    Auch wenn ich das mit dem dicken Fell auch bei mir sehe und ich sehr oft alleine unter Männern bin, freue ich mich doch irgendwie immer, wenn sich auch mal eine Frau blicken lässt. Noch besser: eine Frau, die etwas drauf hat!
    ;)
    Freue mich auf weitere tolle Blogbeiträge von dir!

    Lg
    Dani

  2. Carolin sagte am 26. Mai 2015 um 16:51 Uhr

    Hallo Dani,

    vielen Dank für das Feedback! Ich freue mich immer, von meinen Lesern zu hören.

    Carolin

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