Nachhaltig oder grüngewaschen? Outdoormarken im Portrait: Fjällräven

20. März 2019

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Christiane Dolva Törnberg ist zuständig für die Nachhaltigkeit bei Fjällräven. Die Sustainability Managerin fasst das Nachhaltigkeitsverständnis der nordschwedischen Firma wie folgt zusammen: „Das Besondere an Fjällräven ist, dass Nachhaltigkeit nicht als eigenständiges Projekt begriffen wird. Nachhaltigkeit ist die Grundlage für alles, was wir tun.“

Das klingt ähnlich ambitioniert wie die Kurzfassung des Ganzen im Slogan: „Das Lager besser verlassen, als man es vorgefunden hat“ – schließlich ist mit dem „Lager“ die ganze (Um)Welt gemeint.

Beide Formulierungen findet man auf der Firmenwebsite, wo das Nachhaltigkeitskonzept detailliert präsentiert wird. Dessen Bestandteile sind:

  • Care and Repair“ (maximale Produktlebensdauer, Materialeinsparung, Reparaturanleitungen)
  • Entwicklung (Design, Materialien)
  • Produktion (Verhaltenskodex, Zusammenarbeit und Klimakompensation)

Diese Bestandteile können inhaltlich auf verschiedene Arten strukturiert werden – je nach Sichtweise. Eine Möglichkeit ist die Unterteilung aus Sicht des einzelnen Produktes: bei jedem Produkt ist Nachhaltigkeit das Leitprinzip – und das bei Design, Materialauswahl und Herstellung.

Naturschutz ist bei Fjällräven die höchste Priorität.

Der Schutz der Natur hat bei Fjällräven die höchste Priorität. Das kommt auch symbolisch im Namen zum Ausdruck: „Fjell“ steht für die skandinavischen Gebirgszonen und „Räv(en)“ für den dort umherstreifenden Fuchs.

Beim Design jedes Produkts folgt Fjällräven sieben Nachhaltigkeitsgrundsätzen, zu denen u.a. eine Materialauswahl gehört, die zu einem einfach zu reparierenden, robusten und nie aus der Mode kommenden Produkt führt. Damit die Firma bei all den Vorgaben selbst nicht den Faden verliert, hat  sie eine Orientierungsgrundlage des Nachhaltigkeitsprogramms geschaffen – einen Kompass namens „The Fjällräven Way“:

„Damit wir die richtigen Schritte gehen und nicht vom Weg abkommen, haben wir „The Fjällräven Way“ entwickelt, der uns wie ein Kompass oder eine Karte bei unseren Entscheidungen die Richtung vorgibt. Die vier Grundrichtungen des Fjällräven-Kompasses sind: Natur und Umwelt, Unternehmens- und Geschäftsabläufe, soziale Verantwortung sowie Wohlergehen.“

Diese Richtungen entsprechen in etwa den klassischen drei Ebenen der Nachhaltigkeit, bei denen man den letzten Aspekt „Wohlergehen“ unter der Ebene „Soziales“ zusammenfasst. Schauen wir uns nun die Maßnahmen von Fjällräven nach den Ebenen Umwelt und Soziales geordnet an – ähnlich wie wir es schon im vorigen Artikel bei den Kollegen von Patagonia gemacht haben.

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Wie wohl bei den meisten Outdoorproduzenten ist der Schutz der Natur bei Fjällräven der wichtigste Aspekt. Das kommt auch symbolisch im Namen zum Ausdruck: „Fjell“ ist die Bezeichnung für die skandinavischen Gebirgszonen und Räv(en) bezeichnet den dort umherstreifenden Fuchs.

Auf der praktischen Ebene wird das nachhaltige Selbstverständnis vor allem durch eine ressourcenschonende Materialauswahl und die Wahl umweltbewusster Produktionswege umgesetzt. Als wichtiges Beispiel nennt Fjällräven hier sein Eco-Shell Material, das in der Wetterschutzbekleidung zum Einsatz kommt. Es lässt sich recyceln, wenn das Kleidungsstück ausgedient hat. Zudem kompensiert Fjällräven die CO2-Emmissionen, die bei der Herstellung von Eco-Shell anfallen.

Materialauswahl

Allerdings geht im Zweifel die Funktionalität vor: „Egal, wie nachhaltig es sein mag: Wenn ein Obermaterial dich nicht trocken hält, verwenden wir es auch nicht.“ Man setzt aber soweit wie möglich biologische, wiederverwertbare und recycelte Materialien ein oder bevorzugt rückverfolgbare natürliche Materialien. Dabei nimmt man folgende Einteilung der Materialien vor: „Exzellent“ für recycelte Wolle, biologischen Hanf und Tencel; „gut“ für recyceltes Polyester, G-1000 Eco und rückverfolgbare Wolle sowie „okay“ für Polyamid, Baumwolle, Metallknöpfe.

Eine wichtige Komponente: eine ressourcenschonende Materialauswahl.

Bei der Materialauswahl wird auf einen schonenden Umgang mit den Ressourcen geachtet.
Bildquelle: www.fjallraven.de

Auf  PFCs, PVCs und Angorawolle wird bei Fjällräven verzichtet. Man achtet bei der Materialauswahl auf Abfallvermeidung und setzt soweit wie möglich recycelte Stoffe ein. Es wird versucht, für jedes Produkt möglichst wenig verschiedene Materialien zu verwenden, um die Wiederverwertbarkeit zu vereinfachen. Man gesteht aber auch ein, dass es hier noch Verbesserungspotentiale gibt.

Die Haltbarkeit der Materialien soll nicht nur durch gute Ausgangsstoffe und hochwertige Verarbeitung erreicht werden, sondern auch durch die richtige Pflege und Reparatur. Wer umfassende Nachhaltigkeit will, muss sich eben auch als Kunde und Verbraucher mit einbringen. Dabei helfen die Tipps zur richtigen Pflege und Aufbewahrung der Ausrüstung sowie detaillierte Anleitungen für die häufigsten Reparaturen.

Daune, Wolle, Leder

Materialien tierischen Ursprungs wie Wolle, Daunen und Leder werden nur dann verwendet, wenn kein synthetisches Material mit gleichwertigen Eigenschaften verfügbar ist. Es gibt einen  Verhaltenskodex mit einer nicht verhandelbaren Pflicht für alle Lieferanten, Tiere sorgsam zu behandeln. An der Rückverfolgbarkeit der Tierprodukte in allen Lieferketten arbeitet Fjällräven, bei Daunen ist dieses Ziel seit 2014 erreicht. Grundsätzlich verspricht Fjällräven, dass in allen Produkten gilt:

Kein Lebendrupf, keine Stopfmast, kein Mulesing.“

Daune

Mit ihrer Verwendung von Daunen, erfüllt Fjällräven das

Alle von Fjällräven verwendeten Daunen sind Nebenprodukte der Lebensmittelproduktion und vollständig rückverfolgbar.

Das „Daunenversprechen“ wurde von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten als die beste Richtlinie im Outdoorsegment ausgezeichnet. Die Produktionskette für Daunen gilt als eine der transparentesten in der gesamten Outdoorbranche.

Alle von Fjällräven verwendeten Daunen sind Nebenprodukte der Lebensmittelproduktion und vollständig rückverfolgbar. Sie stammen von nur einem Zulieferer aus China, der wiederum nur von Betrieben bezieht, die dem Fjällräven-Verhaltenskodex (Code of Conduct) unterliegen. Ein Qualitätskontrollteam überwacht den Umgang mit den Tieren durch angekündigte und unangekündigte Besuche. Außerdem werden die Daunen vor der Weiterverarbeitung durch das IDFL (International Down and Feather Laboratory) überprüft.

Wolle

Seit 2015 versucht Fjällräven, eine vollständig global rückverfolgbare Lieferkette aufzubauen. Das ist durch den komplexen Aufbau des Marktes schwierig, weshalb es bis jetzt noch keine vollständig befriedigende Lösung dafür gibt. Immerhin die erste Baselayer-Kollektion ist schon aus komplett rückverfolgbarer Wolle gefertigt. Außerdem gewährleistet man auch jetzt schon, dass die gesamte, verwendete Wolle komplett ohne das leider immer noch verbreitete, tierquälerische Mulesing-Verfahren gewonnen wurde.

Leder

Hier setzt Fjällräven den Schwerpunkt auf das Gerbverfahren, mit dem das Leder langlebiger gemacht wird. Denn dabei kommen große Mengen Wasser, Chemikalien und Energie zum Einsatz. Man versucht, diesen doch recht großen ökologischen Fußabdruck durch pflanzlich gegerbte Accessoires und Jagdprodukte im Sortiment sowie die Zusammenarbeit mit Gerbereien zu verkleinern, die mit dem „Gold-Standard“ der Leather Working Group ausgezeichnet sind.

Chemikalien

Die Fluorcarbone (PFCs) gehören für Fjällräven zur „schwarzen Liste“ gefährlicher und verbotener Chemikalien, die die Firma in Zusammenarbeit mit der Swedish Chemicals Group führt und ständig aktualisiert.

Fjällräven war 2012 eines der ersten Outdoorunternehmen, das sich entschloss, dass gesamte Produktsortiment auf fluorcarbonfreie Imprägnierung umzustellen. Auch eines der wenigen PFC-freien Imprägniersprays auf dem Markt ist von Fjällräven. Das bekannte, hauseigene G-1000 Gewebe lässt sich mit dem ebenfalls PFC-freien Greenland Wax immer wieder neu imprägnieren. Allerdings ist man noch nicht bei 100 Prozent PFC-Freiheit angelangt: bei den Reißverschlüssen ließ sich bislang noch keine voll befriedigende Alternative finden.

Design

Durch das schlichte Design sind die Kleidungsstücke von Fjällräven zeitlos schön.

Zeitlos schön sind die Kleidungsstücke von der nordschwedischen Firma durch das schlichte Design.
Bildquelle: www.fjallraven.de

Bei allen Produkten wird auf ein möglichst schlichtes Design mit möglichst wenig verschleißanfälligen Schwachstellen geachtet. Jede angebrachte Tasche und jede Formgebung ist genau durchdacht. An besonders beanspruchten Stellen achten die Designer nicht nur auf besondere Robustheit, sondern auch auf eine möglichst einfache Reparierbarkeit.

Der modische Aspekt wird dabei insofern berücksichtigt, dass ein möglichst zeitloser Look entstehen soll, der unabhängig von wechselnden Trends und Moden ist.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

Die hohen sozialen Standards in der Firma selbst stehen hier weniger im Fokus als diejenigen in den Zuliefererbetrieben. Dabei kommt der schon erwähnte, firmeneigene und für sämtliche Lieferanten verpflichtende Code of Coduct zum Einsatz. Er wird von unabhängigen Instituten wie der SGS (Société Générale de Surveillance) auf Einhaltung überprüft und regelt die Rahmenbedingungen für menschenwürdige Arbeit (wie etwa Arbeitszeitbegrenzung, Mindestlöhne, Arbeitsplatzsicherheit und Verbot von Kinderarbeit).

Der Code of Conduct baut auf dem Verhaltenskodex am Arbeitsplatz („Workplace Code of Conduct“) der Fair Labor Association auf und umfasst die Bereiche Menschenrechte, Tierwohl, Umweltschutz, nachhaltige Entwicklung und Antikorruption.

Kooperationen und Mitgliedschaften

 Um sich in Sachen Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln, werden Kooperation und Austausch geschätzt.

Um sich in Sachen Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln, ist Fjällräven in ein Netzwerk an Kooperation und Austausch eingebettet.
Bildquelle: www.fjallraven.de

Da man Kooperation und Austausch als sehr wichtig erachtet, ist Fjällräven in mehrere Netzwerke eingebunden. Neben der Mitgliedschaft in der Fair Labor Association (FLA) gibt es die Beteiligung an der Sustainable Apparel Coalition (SAC). Die SAC ist eine Gruppe aus etwa 80 Unternehmen für Schuhe und Bekleidung sowie NGOs, die sich über bewährte Praktiken austauscht, mit denen soziale und ökologische Belastungen reduziert werden können.

Zudem hat man sich dem UN Global Compact verpflichtet, einer Partnerschaft zwischen Unternehmen und den Vereinten Nationen. Die Partner arbeiten daran, ihre Geschäftsprozesse und Strategien an zehn universell anerkannten Prinzipien in den Bereichen Umwelt, Menschen- und Arbeitsrechte sowie Anti-Korruption auszurichten.

Was sagen die Kritiker?

Aus Kånken wird Re-Kånken.

Mit dem Re-Kånken – einem Rucksack aus recyceltem Material – entwickelt sich der populäre Kånken weiter.

Gemischt bis gut: so könnte man das „Medienecho“ in etwa zusammenfassen. Beim Nachhaltigkeitsportal Cleanclothes kommt Fjällräven mit 4 von 5 Punkten „gut“ weg. Bei den Kollegen von Rankabrand sieht man die Sache mit einer durchschnittlichen Bewertung kritischer. Allerdings wird bei diesem Portal keine Outdoorfirma wirklich gut bewertet, weshalb Fjällräven trotz durchschnittlicher C-Note weit vorn mit schwimmt (ähnlich wie Patagonia).

Der Nachhaltigkeitsblog Viertel-vor lobt den populären Rucksackklassiker Kånken und dessen aktuellen Nachfolger, den komplett aus recyceltem Material gefertigten Re-Kånken.

Auch die Massenmedien fokussieren sich in ihren Berichten über Fjällräven weitgehend auf diesen einen Rucksack. Dabei wird eher auf den Modeaspekt eingegangen als auf die Funktionalität, auf die Fjällräven selbst den Fokus setzt. Dabei bedient man gerade keine „angesagten Looks“ und schwimmt auch nicht auf Modewellen. Bezüglich des Kånken-Rucksacks beteuert man, keine besondere Werbung dafür zu machen und nicht aktiv an dessen Hype beteiligt zu sein. Das würde auch nicht zur oben erwähnten Designphilosophie passen.

Fazit

Man kann Fjällräven definitiv zu den Outdoorproduzenten zählen, deren Nachhaltigkeitskonzept kein schön formuliertes Greenwashing, sondern ein ernsthafter, zielstrebiger und effektiver Maßnahmenkatalog ist. Man wird deshalb auch in Zukunft ganz sicher immer wieder von Errungenschaften und Verbesserungen hören – ohne dass Probleme unter den Tisch gekehrt werden.

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