Feuer machen Teil 2 – Feuer entfachen und erhalten (mit und ohne Feuerzeug)

8. November 2018

Sportart

Im vorherigen Feuer-Artikel haben wir die Rechtslage geklärt und alles so weit vorbereitet, dass eine Feuerstelle gefunden ist und der Zunder bereitliegt. Ebenfalls parat sind die dünnen Holzstücke zum Anfeuern sowie die langandauernd brennenden dicken Äste und Scheite. Mithilfe der verschiedenen Materialgrößen wird das Feuer nach und nach „hochgezüchtet“. Zuerst brennen nur die kleinsten Pflanzenteile und Holzstücke. Mit zunehmender Hitzeentwicklung können immer größere Stücke nachgelegt werden.

Zuvor muss jedoch eine Flamme oder ein Zündfunke in den Zunder gelangen, um dort eine Glut und daraus die ersten Flammen zu entfachen. Das kann man mit sehr vielen verschiedenen Methoden und Techniken erreichen. Für die folgende Auswahl habe ich etwas persönliche Erfahrung eingebracht und neben der Onlinerecherche ein wenig Literatur gewälzt – hauptsächlich die (generell sehr empfehlenswerten) Bücher Outdoor Praxis von Rainer Höh und Draußen (Über)Leben von Bear Grylls.

Zunder herstellen und aufschichten

Sicherlich weiß ein jeder, dass man zur Herstellung eines Feuers nicht einfach einen Holzblock anzünden kann. Stattdessen muss man zuerst kleine Stücke aus feinem, lockerem und trockenem Brennmaterial entflammen. Von diesem sogenannten Zunder, der sich allein durch einen Funken entzünden lässt, führt mancher Vollblutoutdoorer stets etwas mit sich.

Wie im vorherigen Feuer-Artikel schon erwähnt, eignet sich jegliches trockene und abgestorbene Pflanzenmaterial als Zunder. Auch bestimmte Pilze, wie der häufig an alten oder kranken Laubbäumen vorkommende Zunderpilz, eignen sich zum Entfachen eines Feuers. Seinen Namen trägt er wegen seiner besonderen Eignung.

Auch das Harz vieler Baumarten (vor allem Kiefer) oder gar alte Orangenschalen können als natürlicher Zündstoff dienen.

Im Notfall kann man die Birkenrinde als Zündmaterial verwenden.

In der Natur gibt es allerlei Materialien, die man als Zunder verwenden kann. Im Notfall kann man zum Beispiel die Birkenrinde verwenden.

Ein besonders vielseitiger und häufig vorhandener Zunder ist die Birkenrinde. Sie fängt auch ungetrocknet und bei kräftig wehendem Wind noch Feuer. Sogar wenn sie nass ist, lässt sie sich nach kurzem trockenwischen leicht entzünden. Wenn möglich sollte nur abgestorbene Rinde eingesammelt werden, notfalls kann man aber auch dünne kleine Stücke der Rinde abziehen, ohne dem Baum damit zu schaden. Auch von anderen Rinden- und Holzarten lassen sich mit dem Messer feine Splitter und lockenförmige Späne abschaben, die sich schnell entzünden.

Neben dem natürlichen Material eignen sich auch Zeitungs- und Papierfetzen sowie alles Material, das sich zerkleinern und zerreiben lässt.

Zunderpyramide

Den Zunder kann man auf vielerlei Arten zum Brennen bringen. Klassischerweise wird er zu einer Pyramide aufgeschichtet, die etwa 10-20 cm hoch sein sollte. Ist sie zu klein, verlöscht sie nach dem Entflammen vermutlich wieder. Ist sie zu groß und zu dicht gepresst, bekommt das Material nicht genug Sauerstoff zum Brennen.

Über die Zunderpyramide werden dann ein paar kleine Zweige und Holzstücke in Form eines Tipis aufgeschichtet. Dabei muss eine Lücke bleiben, damit der Zunder für den Zündfunden oder die Steichholzflamme erreichbar bleibt.

Anzünden – Grundsätzliches

Unabhängig von der Methode gilt: wenn sich kaum eine Flamme bildet, dafür aber umso mehr Qualm, muss die Sauerstoffzufuhr durch vorsichtiges oder kräftiges Pusten erhöht werden. Da sich Hitze und Feuer bekanntlich von unten nach oben ausbreiten, hält man das Feuerzeug/Streichholz an die Unterseite des Zunderhaufens – nicht an die Oberseite. Auch den Zündfunken richtet man auf die Unterseite. Das gleiche gilt für das Pusten zum Anfachen der Glut: von oben hereinzupusten kann zum Verlöschen der Glut führen.

Das Anzünden muss immer von der Windseite her erfolgen. Dabei kann eine schützende Hand über der Flamme als Windschutz dienen. Noch besser ist es, wenn eine zweite Person als Helfer bereitsteht und mit den Händen, dem ganzen Körper, einer Jacke oder Plane für Schutz vor Wind und Feuchtigkeit sorgt.

Anzünden mit Feuerzeug oder Streichholz

Als Zünder eignet sich das Feuerzeug schlicht und einfach am besten. Die vielen anderen „technisch unabhängigen“ Methoden funktionieren gerade bei Anfängern bisweilen genau dann nicht, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Feuer-Neulinge sind auch nicht selten überrascht, wenn es bei den ersten Malen ganz schön lange dauert und erstaunliche Mengen an Zunder verbraucht werden. Aber wie sagt man so schön: Übung macht den Meister.

Bei Nässe und/oder Wind kann die Sache selbst mit Streichhölzern und normalen Feuerzeugen schwierig werden. In solchen Situationen können Sturmfeuerzeuge, Sturmstreichhölzer und Überallanzünder hilfreich sein. Überallzünder entzünden sich nicht nur an der Reibefläche der Streichholzschachtel, sondern auch an vielen anderen Flächen. Wenn Gefahr droht, dass brennendes Material weggeweht wird und es keine Möglichkeiten zur Windabschirmung gibt, muss man auf das Feuer verzichten!

Mit einem Pfadfindertrick kann man Streichhölzer gegen Nässe imprägnieren.

Mit einer Wachsschicht können Streichhölzer vor Nässe geschützt werden.

Es schadet also nicht, gut auf den Feuerzeug-Vorrat aufzupassen und ein paar wasserdicht verpackte Not-Streichhölzer dabei zu haben. Der Vorteil von Streichhölzern gegenüber Feuerzeugen ist, dass man sie etwas präziser und näher an den Zunderhaufen halten kann, ohne sich gleich die Finger zu verbrennen. Einer ihrer Nachteile ist die Nässeempfindlichkeit. Hier kann allerdings ein alter Pfadfindertrick helfen: man tauche einfach vor der nächsten Tour die Zündköpfe in flüssiges Kerzenwachs und „imprägniere“ sie so gegen Nässe. Beim nächsten Einsatz kann das Wachs dann leicht abgekratzt werden.

Die Vorteile von regulierbaren Gasfeuerzeugen oder, noch besser, nachfüllbaren Benzin-Sturmfeuerzeugen liegen darin, dass man beim Feuer entfachen eine Hand frei hat und sie so lange brennen bis der Zunder angeht, anstatt nur so lange bis das Streichholz ausgeht oder die Finger anbrennen. Außerdem trocknet der Feuerstein im Feuerzeug selbst dann wieder vollständig, wenn das Feuerzeug ins Wasser gefallen ist.

Wer es aber wirklich stilvoll-steinzeitlich haben will, wirft Feuerzeug und Streichhölzer weg und greift auf eine der folgend vorgestellten Anzünde-Methoden zurück.

Die Alternativen

Wer neugierig und experimentierfreudig ist, wird mit den folgenden „Spielerei-Methoden“ sicher Spaß haben – sofern es sich nicht um eine Survival-Situation handelt, in der das Feuer unbedingt brennen muss…

Brennglas

Diese Methode macht am wenigsten Mühe und geht am schnellsten – allerdings nur, wenn die Sonne vom wolkenlosen Himmel strahlt. Halte eine Lupe oder irgendeine andere gläserne Linse (Fernglas, Flaschenboden, etc.) so über den Zunder, dass das einstrahlende Sonnenlicht in einem möglichst konzentrierten Strahl auf den Zunder gebündelt wird. Die Hitze ist oft groß genug, um das Material nach kurzer Zeit zum Glimmen zu bringen. Meist ist noch etwas Pusten notwendig, um aus dem Glimmen ein Brennen zu machen. Tipp: das Licht wird noch stärker gebündelt, wenn die Linse befeuchtet wird.

Feuer schlagen: Anzünden mit Feuerstahl, Feuerstein und Co.

Unter Feuerstahl versteht man normalerweise die in vielen Outdoorshops angebotenen runden, rauen, mit Plastikgriff versehenen Stifte, die per Schnur mit einer Metallplatte verbunden sind. Reibt man die Metallplatte über den Stift, gibt es reichlich Funken, die in die Richtung fliegen, in die der Stift gehalten wird. Eine sehr zuverlässige Anzündhilfe, doch bis der Funkenflug zu einer Glut im Zunder führt, kann es manchmal ein Weilchen dauern.

Experimentierfreudige Outdoor-Enthusiasten können sich an den Varianten Brennglas, Feuer schlagen und Feuer bohren versuchen.

Mit dem Feuerzeug kann vermutlich so gut wie jeder ein Feuer machen. Aber wie sieht es mit Brennglas, Feuerstein und Co. aus?

Feuersteine zeichnen sich durch ihre besondere Härte und ihre glasartige Konsistenz aus. Diese Eigenschaften bewirken, dass der Stein kleine glühende Teilchen aus Stahl ausschlägt. Je mehr Kohlenstoff der Stahl enthält, desto besser funktioniert es. Auch hier richtet man den Funkenflug auf den Zunder, bis eine Glut entsteht.

Den Feuerstein muss man in der Regel mitbringen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass zufällig feuertaugliches Gestein in der Nähe ist, ist in vielen Regionen kaum höher als die eines zufällig im Wald herumliegenden Feuerzeuges. Eine Übersichtskarte über mögliche Fundstellen in Europa bietet die Seite Flintsource.net. Hier sieht man, dass es zwar viele mögliche Fundstellen gibt, Deutschland und der Alpenraum jedoch weit und breit kein Feuerstein bieten.

Alternativ kann ein Feuerstein auch auf andere Mineralgesteine wie Quarz geschlagen werden. Auch das Schlagen einer Messerklinge auf ganz normales Gestein kann Funkenflug erzeugen.

Etwas einfacher wird das Feuerschlagen, wenn man ein verkohltes Stück Baumwollstoff dabei hat. Der Clou dieses leicht entflammbaren Materials ist, dass kleine Funken sehr gut „aufgenommen“ und als Glut erhalten werden. Näheres dazu und zu weiteren möglichen Materialkombinationen zum Aufeinanderschlagen gibt es in diesem sehr gut illustrierten Wikihow-Artikel.

Feuerbohren

Der Vorteil des Feuerbohrens ist, dass es ohne mitgebrachtes Material funktioniert. Gut, ein Messer braucht man, doch das hat man auf vielen Touren ohnehin dabei. Ansonsten benötigt ihr noch ein Brett aus möglichst weichem Holz und ein Stock, der aus einem möglichst harten Holz bestehen sollte und einen Durchmesser von etwa einem Zentimeter hat. Mit dem Messer spitzt man den Stock an und schnitzt eine Kerbe in das Holzbrett, die den Stock aufnimmt. Der Stock wird dann mit der angespitzten Seite in dieser Kerbe möglichst schnell hin- und hergedreht.

In diesem Youtube-Tutorial sieht man, wie die Feuerbogenmethode sogar ohne mitgebrachtes Material (abgesehen vom Messer) funktioniert. Beim Feuerbogen wird der Holzstock in eine Bogenschnur eingespannt. Er kann durch das Hin- und Herziehen des Bogens in sehr viel schnellere und „hitzigere“ Rotationen versetzt werden als durch bloßes Auf- und Abreiben der Hände.

Die Bogenschnur baust du dir mithilfe eines Schnürsenkels, mit dem du einen Ast auf Spannung biegst. Allerdings ist die Prozedur nicht nur langwierig, sondern auch reichlich mühsam.

Wer weitere interessante und ausgefallene Methoden, wie zum Beispiel die Batterie-Stahlwolle-Methode, kennenlernen will, wird in dem eben erwähnten Wikihow-Artikel fündig.

Das Feuer am Leben halten

Wenn nach etwa 5 bis 10 Minuten der Zunder die dünneren Zweige entflammt hat und eine stabile Flamme mit genügend Hitze entstanden ist, kann nach und nach das dickere und massivere Brennmaterial nachgeschoben werden. Wenn genug glühende Hitze und eine kräftig lodernde Flamme vorhanden sind, lassen sich grobe Blöcke und dicke Knüppel problemlos nachschieben.

Nachdem das Feuer entzündet wurde, muss dieses am Leben gehalten werden.

Ist das Feuer entfacht, gilt es dieses für einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten.

Das zuvor beschriebene Tipi ist die klassische Methode, um dieses stabile Feuer zu kreieren: ein „Indianerzelt“ aus maximal fingerdicken Zweigen wird über dem Zunderhaufen aufgestellt. Das Tipi muss locker genug geschichtet sein, um genug Luft hindurchzulassen. Und nicht vergessen: möglichst viel Brennmaterial sollte schon im Voraus nahe am Feuer aufgeschichtet sein und nur langsam nachgelegt werden.

Für ein lang anhaltendes Feuer sollten dünne und dicke Zweige/Äste vermischt werden. Zu dicke oder zu dicht gelagerte Knüppel können die Luftzufuhr abschnüren und das Feuer ersticken. Andererseits sollte das Brennmaterial auch nicht zu locker geschichtet sein, da sich so die Hitze nicht konzentrieren kann.

Mehr dazu und über die verschiedenen Feuerformen folgt im dritten und letzten Artikel der Feuer Serie. In diesem Sinne, to be continued…

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