Flo Schuetz Bergfreunde Titel

Es gibt wieder Zuwachs im Pro-Team…

5. April 2017

Wenn ihr im Sommer in den Allgäuer Alpen unterwegs seid und euch rein zufällig ein etwas wild ausschauender, leicht bekleideter Typ entgegen gelaufen kommt, dann ist die Chance relativ groß, dass es sich dabei um Florian Schuetz handelt. Flo ist so einer, der furchtlos über schmale Grate tänzeln kann, eine Ausdauer wie ein Pferd hat (und entsprechende Oberschenkel) und mal eben den Ultra Trail du Mont Blanc mit 170 km und 9000 Höhenmetern in 31 Stunden finisht. Außerdem ist er der neueste Zugang in unserem Pro-Team. Was er so macht und – viel wichtiger – warum er das macht, erzählt er euch in seinem Antrittsinterview:

Pro-Team-Interview mit Flo Schuetz

Flo beim Downhill am Rubihorn.

Servus Flo! Heute schon auf den Berg gerannt?

Natürlich! Heute wars aber eher eine kurze Runde bei Nebel und Regen. Auf den Bergen liegt ab 1500m Neuschnee, von daher habe ich mich auf einem Höhenweg unterhalb des Rubihorns ausgetobt.

Vom nerdigen Kellerkind (No offense, nerdige Kellerkinder rocken!) zum Diätassistenten-Alpine-Runner, der beim UTMB mal eben in die Top 100 läuft. Wie kam es dazu?

Puh, da muss ich auf jeden Fall etwas weiter ausholen. Als Kind war ich mit meiner Familie sehr viel in den Bergen unterwegs. Im Kindergartenalter war ich oft für längere Zeit mit meinen Großeltern auf deren Hütte in den österreichischen Alpen. Das hat auf jeden Fall geprägt. Generell würde ich mich als Abenteurer bezeichnen. Mir macht es unheimlich Spaß, neue Dinge und Orte zu entdecken.

In meiner Jugend war ich dann eher den Videospielen verfallen, mit Sport oder Bewegung hatte ich da absolut nichts mehr im Hut. Mit zunehmendem Alter habe ich dann mehr und mehr Bergsport- und Entdeckerliteratur ala Reinhold Messner oder Humboldt gelesen und wurde so inspiriert, doch auch wieder mehr „selbst entdecken zu gehen“. Am Anfang wieder kleine Bergtouren mit meinem Vater und Freunden.

Irgendwann habe ich dann ein Video vom UTMB 2011 gesehen. Darin laufen einige der führenden Läufer bei Sonnenaufgang auf einem traumhaften Höhenweg nordseitig des Mont Blanc. Zum gleichen Zeitpunkt bin ich mit meiner Freundin mehr zufällig als geplant nach Oberstdorf gezogen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war mein Schicksal dann besiegelt. Ich habe mir im lokalen Bergsportladen ein paar Trailrunningschuhe gekauft und entdecke seitdem die Berge in den Allgäuer Alpen.

Pro-Team-Interview mit Flo SchuetzIm Sommer Trailrunning und Bergsteigen, im Winter Skitour und Langlauf. Machst Du auch mal irgendwann Pause?

Im November. Da kannst du nicht ordentlich auf den Berg gehen und genug Schnee liegt meistens auch noch nicht. Anfang Dezember fühle ich mich dann meistens sehr motiviert, mit dem Wintersport zu starten. Auch mental finde ich es für mich wichtig, mal etwas abzuschalten.

Du hast inzwischen ein ziemlich ansehnliches Arsenal an Video-Equipment. Dürfen wir uns demnächst auf schöne Filme aus Deiner Feder freuen?

Auf jeden Fall! Inzwischen habe ich meistens eine Kamera dabei, und wenn es nur die kleine GoPro ist. Ab Mai veranstalten wir in Oberstdorf wieder den wöchentlichen Trailrunning Lauftreff. Dann möchte ich dieses Jahr noch einmal den Augsburger Höhenweg in den Lechtaler Alpen begehen. Im September plane ich, eine kleine Dokumentation über „Tor des Geants“ zu machen. Das ist ein sehr bekanntes Trailrennen im Aostatal in den italienischen Alpen. Zudem finde ich die Welt der Zeitrafferfilme sehr faszinierend. Es wird also auf jeden Fall genügend Material zusammen kommen über das Jahr!

Lass uns noch mal über den UTMB sprechen. Ich meine, 168 km und über 9000 Höhenmeter läuft man ja nicht einfach mal so. Wie genau hast Du Dich darauf vorbereitet?

Im Grunde so, wie ich mich auf (fast) alles vorbereite. Ich gehe hier sehr viel in die Berge. Ich mag technisches und steiles Gelände. Nach diesen Kriterien suche ich mir die Rennen aus, die mich inspirieren. Bei flachen Rennen oder im Mittelgebirge wirst du mich also wahrscheinlich eher nicht finden. Das liegt einfach daran, dass ich nicht groß Lust habe im Flachen oder auf der Straße zu laufen. Ich würde mich auch nicht unbedingt als „Trailrunner“ bezeichnen. Was ich mache ist eher meine Art, in die Berge zu gehen. Mein „Trainingsvolumen“ messe ich generell auch nur in Zeit und Höhenmetern, die Kilometer sind für mich nicht so wichtig.

Pro-Team-Interview mit Flo Schuetz

Flo läuft durch Trient, während des UTMB.

Du warst fast 31 Stunden unterwegs und bist damit schließlich auf Platz 89 gelandet – von immerhin 1468 Startern. Hast Du eine bestimmte Strategie verfolgt?

Langsam starten, regelmäßig essen und trinken, positiv denken. Ultras (und besonders 100 Meilen oder länger) werden hauptsächlich durch sinnvolle Strategie bewältigt. Körperlich und mental. Wenn du in Chamonix losläufst, geht’s erstmal 10 Kilometer relativ flach ins Tal hinein. Ich glaube, der erste ist das in 35 Minuten gelaufen. Viele Leute lassen sich, besonders bei vielen Startern, dazu verleiten, zu schnell zu laufen. Am ersten Anstieg war ich irgendwo um den 500sten Platz rum.

Ich mache aber nur mein Ding und mir ist es egal, wie schnell oder langsam der Rest läuft. Wenn ich kontinuierlich Leute überholen kann, motiviert mich das noch zusätzlich. Wie schnell man laufen sollte, was und wieviel man isst, kann man allerdings nur durch Erfahrung herausfinden.

Ich denke, die ganze Story bietet genügend Material für einen eigenen Beitrag. Daher nur noch eine Frage: Wie lange hast Du danach Pause gemacht?

Ich habe 1 Woche gar nichts gemacht. Faulenzen, viel Essen und die ganzen Eindrücke langsam verarbeiten. 7 Tage nach dem Rennen habe ich dann am Wochenende 2 Bergtouren gemacht. Aber ganz gemütlich, ohne zu laufen.

Wie sieht es dieses Jahr mit Wettkämpfen aus? Hast Du wieder etwas Großes geplant?

Pro-Team-Interview mit Flo Schuetz

Auch mal ruhiger und mit mehr Gepäck – Flo auf dem GR 20

In 2 Wochen (Ende April) laufe ich auf Madeira beim Madeira Island Ultra Trail mit, da geht’s einmal quer über die ganze Insel von Norden nach Süden. Sonst habe ich einige Ideen was Wettkämpfe angeht. Ich mag eher möglichst technische und herausfordernde Rennen. Von daher sind die Möglichkeiten für dieses Jahr Ronda del Cims in Andorra, L’Echappe Belle in Frankreich oder die Diagonale des Fous auf Reunion. Außerdem werde ich einige private Projekte mit Freunden machen bei denen wir bestimmte Routen bewältigen wollen – das inspiriert mich inzwischen mehr, als möglichst viele Events zu machen.

Wenn Du Dir drei Dinge aus dem Bergfreunde-Shop aussuchen könntest, welche wären das und warum?

Der Salomon S-Lab Sense 6 Softground. Mein absoluter Favorit, wenn es auf technischen Trails durch die Allgäuer Berge geht.
Das Temple Tech L/S Longsleeve von Mons Royale. Meine Freundin ist schon lange von Merinowolle begeistert und dieses Shirt konnte mich auch bekehren. Komfortable Passform, ein besonders weiches Material und absolut geruchsfrei. Auch nach 12 Stunden Tagen am Berg.
Die leckeren Energieriegel und Clif Shots von Clif Bar. Durch die vielen verschiedenen Sorten wird’s nie langweilig. Und essen am Berg und bei langen Trailläufen muss man so oder so. Da bevorzuge ich dann Sachen, die mir auch richtig gut schmecken.

Gibt es noch etwas, dass Du den Bergfexen da Draußen sagen möchtest?

Habt Spaß bei dem was ihr macht. Und es muss nicht immer am Limit sein. Ich laufe gerne 30 Stunden aber ich gehe auch gerne ganz entspannt wandern auf meine Lieblingsgipfel. Auch daheim kann man geile Projekte umsetzen, neue Wege entdecken und unbekannte Routen auf den Hausberg finden. Ich habe nie das Gefühl, jetzt rausgehen zu müssen, weil ich „trainieren“ muss. Das Fit werden und sein ist eher ein positiver Nebeneffekt, wenn man viel in die Berge geht.

Danke Flo. Wir freuen uns viele schöne Geschichten und vor allem tolle Bilder und Videos. Einen kleinen Vorgeschmack haben wir hier schon mal für euch. Und wer mehr über Flo erfahren möchte, schaut einfach mal unter www.summitsforthesoul.de vorbei!

Nebelhorn ridge at sunrise from summits for the soul on Vimeo.

Fotos: www.vitaminberge.de

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