Slackline. Foto: Adidas

Technik ist spannend: der Ellington-Flaschenzug für Slacklines

13. Mai 2016

Sportart

Fritz auf einer Longline (Bild: Josef Wetzel)

Fritz auf einer Longline (Bild: Josef Wetzel)

Ungefähr ein halber Meter Band lässt sich mit einer Zurrgurt-Ratsche einholen, wie sie modifiziert gern zum Spannen von Slacklines verwendet wird. Das ist nicht viel. Je nach Art des Bandes und der Länge einer Slackline fällt der Weg zum Spannen deutlich länger aus. Nebenbei braucht man für längere Lines auch Vorspannungen, die mit Ratschen nicht mehr erzielt werden können.

Ist die Ratsche mal wieder überfordert, setzen die meisten Slackliner auf Flaschenzüge. Fritz Miller stellt für uns zwei Systeme vor, die sich im Slackline-Einsatz bewährt haben: den Ellington-Flaschenzug und (in einem späteren Beitrag) einen Rollen-Flaschenzug zum Spannen von Longlines.

Fertiger Ellington Flaschenzug

Fertiger Ellington Flaschenzug

Der Ellington-Flaschenzug

Anfang der 80er Jahre entwickelte der amerikanische Slackline-Pionier Jeff Ellington ein Spannsystem für Bänder, das nahezu unverändert noch heute beliebt ist. Ich bin absoluter Fan dieses Systems. Es ist minimalistisch, leicht und funktioniert wirklich gut. Genau das Richtige für balancierende Kletterer.

Material und Technik

Mit 25 – 30 mm breiten Bändern funktioniert der „Ellington“ am besten. Für breitere Bänder sind Ratschen sinnvoller. Für den eigentlichen Flaschenzug braucht es dann nur noch ein Kettenglied für den Linelocker und zwei Stahlkarabiner. Sehr gut eignen sich Ovalkarabiner und rechteckige Karabiner. Edelstahlschäkel (glatte Oberfläche) und HMS-Karabiner gehen auch.

Der fertige Ellington-Flaschenzug hat eine Übersetzung von 5:1. Wegen des schlechten Wirkungsgrades (viel Reibung!) wird der „Ellington“ meist mit einem Express-Flaschenzug mit einer Übersetzung von 3:1 ergänzt, was einer Übersetzung von 15:1 entspricht. So kann auch richtig hart gespannt werden. Längen bis 30 m sind kein Problem, wenn noch ein paar Leute mit anpacken.

Aufbau eines Ellington Flaschenzugs in 8 Schritten

Linelocker richtig einbauen

1. Erster Fixpunkt

Ein Ende des Slackline-Bandes am ersten Fixpunkt anbringen. Dies kann beispielsweise mit einem Linelocker und einem Stahlkarabiner erfolgen.

Fixpunktkarabiner

2. Fixpunktkarabiner

Am zweiten Fixpunkt einen Stahlkarabiner einhängen, der ab jetzt „Fixpunkt-Karabiner“ heißt.

Linelocker einbauen

3. Linelocker einbauen

Am Band einen Linelocker anbringen. Das Band sollte, wie im Bild zu sehen, nach unten aus dem Linelocker laufen. Der Stahlkarabiner am Linelocker heißt ab jetzt „Linelocker-Karabiner“. Die Schnapper von Fixpunkt-Karabiner und Linelocker-Karabiner sollten auf die gleiche Seite zeigen.

Wie weit entfernt vom zweiten Fixpunkt der Linelocker angebracht wird, hängt von der Elastizität des Bandes, der Länge der Line und der gewünschten Vorspannung ab. Je mehr Band eingeholt werden soll, desto größer fällt der Abstand aus. In den meisten Fällen liegt er bei ca. 0,75 – 1,5 m.

Band im Fixpunkt-Karabiner

4. Band im Fixpunkt-Karabiner

Das Band, welches nach unten aus dem Linelocker läuft, so in den Fixpunkt-Karabiner einklinken, dass es durch diesen von unten nach oben läuft.

Band im Linelocker-Karabiner

5. Band im Linelocker-Karabiner

Das Band so in den Linelocker-Karabiner einklinken, dass es durch diesen von oben nach unten läuft.

Band erneut im Fixpunkt-Karabiner

6. Band erneut im Fixpunkt-Karabiner

Das Band zum zweiten Mal so in den Fixpunkt-Karabiner einklinken, dass es durch diesen von unten nach oben läuft. Wichtig: das Band unter die erste Lage Band legen!

7. Band erneut im Linelocker-Karabiner

Das Band zum zweiten Mal so in den Linelocker-Karabiner einklinken, dass es durch diesen von oben nach unten läuft. Wichtig: das Band unter die erste Lage Band legen!

Band erneut im Linelocker-Karabiner
Fertig...spannen!

8. Fertig…spannen!

Der Flaschenzug ist jetzt fertig. Zum Spannen am losen Band ziehen. Da sich die Vorspannung beim Begehen verringert, ab und zu nachspannen.

 

Erweiterung mit einem Express-Flaschenzug

Express-Flaschenzug

Express-Flaschenzug

Für den Express-Set-Flaschenzug sind zwei weitere Karabiner notwendig. Der Aufbau ist ganz einfach:

  1. Den ersten Karabiner am Fixpunkt einhängen.
  2. Den zweiten Karabiner mit einem Ankerstich möglichst nahe am Linelocker-Karabiner ans auslaufende Band anbringen.
  3. Das auslaufende Band wird, wie im Bild zu sehen, in die Karabiner eingehängt.
  4. Gespannt wird wie zuvor. Der zweite Karabiner muss allerdings nach jedem Hub neu platziert werden.

Entspannen der Slackline und des Flaschenzugs

  1. Flaschenzug entspannen

    Flaschenzug entspannen

    Das lose Band am Linelocker-Karabiner, wie im Bild zu sehen, seitlich aus der Klemmung ziehen.

  2. Das lose Band am Fixpunkt-Karabiner seitlich aus der Klemmung ziehen.
  3. Nun das lose Band kontrolliert in den Flaschenzug einlaufen lassen, bis die Spannung abgebaut ist.

Weitere Infos im Slackline-Buch von Fritz

Fritz Miller ist nicht nur Vollblutalpinist und Mitglied im Bergfreunde ProTeam, sondern auch Autor eines Slackline Lehrbuches. Gemeinsam mit Daniel Mauser hat er in diesem sowohl theoretisches Hintergrundwissen als auch Tipps und Moves für viele Slacklinetage zusammengetragen. Für 19,80€ bekommen Anfänger, Interessierte und Fortgeschrittene ein gelungenes Stück Literatur.

Wir alle wünschen auf jeden Fall viel Spaß beim Slacken!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. […] Slacklines geschrieben. Falls Ihr auf der Suche nach einer gelungen Anleitung seid, solltet Ihr hier vorbei schauen!Du hast auch einen Vorschlag? Dann her damit!Jetzt Vorschlag einsenden!Dein […]

  2. Tonio sagte am 22. August 2011 um 10:11 Uhr

    Wie gut bzw. schlecht lässt sich denn ein 35mm Band bis 20m Länge damit spannen?

  3. Sebastian (Bergfreunde.de) sagte am 22. August 2011 um 10:58 Uhr

    Hey Tonio,

    ein 20 Meter langes 35mm Band sollte sich damit eigentlich problemlos richtig hart spannen lassen.

    Erst richtige Longlines brauchen einen anderen Aufbau – ein Artikel ist bereits vorbereitet und kommt noch im August ins Basislager online.

    Es grüßen die Bergfreunde,
    Sebastian

  4. […] dehnungsarmen Band gerade noch mit zwei großen Ratschen (eine an jedem Fixpunkt) spannen. Mit dem Ellington-Flaschenzug und motiviertem Zugpersonal kommt man zwar noch etwas weiter, Bandmaterial und Hände werden […]

  5. stieber sagte am 24. Februar 2012 um 23:47 Uhr

    (1.) Mich würde mal interessieren, ob man mit dem Ellington wie er hier beschrieben ist, eine 40m-Line spannen kann oder ob dafür (auch um das nicht ganz preiswerte Band zu schonen) schon ein Rollenflaschenzug sinnvollwe wäre?
    (2.) Außerdem interessiert mich die Fixpunkteinrichtung – in der Bildserie wird der Fixpunkt mit einem (Statik?)Seil eingerichtet – wie viel kN bzw. daN sollte so ein Seilstück denn haben?
    (3.) Und schließlich möchte ich noch wissen, man beim Exen-Flaschenzug auch noch eine höhere Übersetzung erreichen kann?

    Danke schonmal!

  6. Sebastian sagte am 27. Februar 2012 um 10:12 Uhr

    Hallo Philipp,

    ich werde mal Fritz Miller auf Deine Fragen hinweisen – er ist hier einfach der kompetenteste Ansprechpartner. Ich weiß gerade nicht auf welchem Flecken Erde er unterwegs ist – kann also im Zweifelsfall ein wenig dauern.

    Gruß,
    Sebastian

  7. Stefan sagte am 18. August 2012 um 23:00 Uhr

    Was mir an der Anleitung nicht gefällt ist

    Der Ellington ist nicht wirklich für Polyamid/Nylon Bänder geeignet. Diese kleben sich schon bei moderaten Kräften zusammen.

    Das gezeigte Band hat gerade mit dem Kettenglied als Befestigung eine sehr hohe Bruchlastreduktion. Ein dicker Bolzen ist hier besser.

  8. David sagte am 24. Mai 2013 um 14:54 Uhr

    Ich habe gestern zum ersten mal meine neue 50m Longline mit diesem Ellington aufgebaut, etwa 36m Baumabstand. Zum Schluss nach dreimaligen Aufbauen war ich mit der Line auf ca. 2,3m Höhe um in der Mitte gerade so nicht am Boden zu streifen (ich 82kg).

    Das Spannen war sehr mühsam um auf eine halbwegs gute Spannung zu kommen.
    Ich hab mich auch noch am Baum abgestützt um die Maximale Zugkraft zu bringen, mir wäre eher die Hand abgerissen als das sich da noch ein Stückchen was bewegt hätte!

    Nachdem ich jetzt den Kommentar von „Stefan“ mit dem Nylon gelesen habe könnte das die Ursache für die schlechte Spannbarkeit sein.

    Mit einer Langhebelratsche bei gleicher Länge war es möglich besser zu spannen als mit dem Ellington und meiner Longline.

    Kann mit jemand Tipps geben wie ich meine Longline besser gespannt bekomme?

    LG

  9. Jan Die sagte am 16. Juni 2013 um 16:58 Uhr

    Hallo David,

    hast du den Flaschenzug auch multipliziert um eine 15:1 Übersetzung zu bekommen? (s.h. Express Flaschenzug). Den könntest du auch nochmal mit zwei weiteren Karabinern (ich nutze Ringe; google mal das Slacktivity Set) aufwerten oder du baust einen Rollenflaschenzug – damit werden richtige Longlines gespannt. Ich kann mit einem 5:1 Rollenflaschenzug 80m spannen.

    S.h. Artikel: http://www.bergfreunde.de/basislager/technik-ist-spannend-%E2%80%93-flaschenzuge-fur-longlines/

    Cheers

    Jan

  10. Michael Weiß sagte am 15. August 2013 um 20:50 Uhr

    Hallo David
    Du kannst mit dem beschriebenen Aufbau mit sicherheit 50m spannen, jedoch ist es nicht Möglich ohne gute Potenzierung zu arbeiten.
    Es gibt speziell für Ellingtons Kugelgelagerte Rollen, die das ganze viel einfacher machen.

    Dann ist es auch eine Frage der Banddicke und der Oberflächenbeschaffenheit. Wenn Du ein raues Band hast ist dieses wieder sehr Leistungshemmend.

    Viel Spaß

  11. Flash sagte am 17. April 2014 um 06:47 Uhr

    Find den elington super, benutz ihn schon ne weile, mit 15fach krigt maan ne trick auf spannung (brett) zu 3 locker hin, so bis 15m
    Den artikel find ich super, benutze den elingten aber „upsidedown“
    Damit keine metall teile nach oben zeigen, sondern nur band!
    Man muss nur alles andersherum machen.
    Sind oft viele leute mit im park, probieren, treten auf karabiner, sicherungen gegen auf…
    Den anker mit dem seil find ich ne klasse idee, minnimalistisch und günstig,
    Hab grad erst n 2m anker geholt…
    Lg

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