Eisklettern-Averstal-Titel

Eiskletter-Action im Averstal

14. Februar 2017

Sportart

Der Eiskletterstammtisch ist eine der größten Eiskletterinteressengruppen auf Facebook. Über 4000 Mitglieder tauschen sich dort regelmäßig über ihr Lieblingshobby, über Ausrüstung und Eisqualität aus. Einmal im Jahr findet zudem ein Stammtischtreff statt. Dieses Mal ging es ins Averstal und Dennis vom Eiskletterstammtisch war für uns als eiskletternder Reporter am Start. Viel Spaß mit seinen Erzählungen und stimmungsvollen Bildern!

Ende Januar sollte es also endlich soweit sein – der Eiskletterstammtisch hatte ein Treffen im Avers angekündigt. Und weil ich das Avers liebe, ist das natürlich ein Pflichttermin. Lange im Voraus habe ich ein paar meiner Seilpartner motiviert – wobei, das musste ich eigentlich gar nicht. Denn nach der schleppend beginnenden Eisklettersaison dieses Jahr ist jeder hoch motiviert und hat richtig Bock.

Immer wieder hielten wir mit Thomas vom Gasthaus Edelweiß Rücksprache über die örtlichen Bedingungen. Die zunehmend positiven Rückmeldungen seinerseits steigerten die Vorfreude dann ungemein. Also schnell noch Urlaub eingereicht. Schließlich wollen wir auch den Freitag komplett nutzen. Wenn schon denn schon.

Eisklettern im Averstal

Foto: Dennis Lieb

Direkt in der Woche vor dem Stammtisch liegen dann die Fakten auf dem Tisch. Wir sind drei von insgesamt 33 Teilnehmern. Christian, Arne und ich. Jeder hat am Freitag Urlaub und für alle war klar, dass wir Donnerstagnachmittag unsere Sachen ins Auto werfen und anreisen. Doch was machen wir dann am Freitag? Irgendeiner wirft den Begriff „Thron“ in die Runde. Man merkte förmlich wie bei jedem die Glocken klingeln. Der Thron, einer der Klassiker schlechthin in der Schweiz und steht wohl bei jedem von uns auf der Wunschliste. Eine wahre Traumtour. Es war auf Anhieb klar: das Ding wird angegangen!

Endlich ist es soweit!

Donnerstagabend – es geht los. Feierabend, duschen und ab ins Auto. Von Sigmaringen geht es Richtung Konstanz. Arne aufgabeln. Knappe dreieinhalb Stunden später kommen wir im Gasthaus Edelweiß an. Wir sind die ersten. Aber wen wundert es. Arne ist Student und ich habe Urlaub – da kommt man eben früh los.

Herzlich – wie eigentlich immer – werden wir von Thomas in Empfang genommen. Nach kurzem Informationsaustausch beziehen wir unser Zimmer. Wir haben die freie Auswahl – Jippie. Zirka zwei Stunden später treffen dann weitere Teilnehmer ein. Und dann steht da plötzlich Simon, ganz neu in unserer Runde und sofort Feuer und Flamme für unsere Thron-Aktion. Um ehrlich zu sein sind wir erstmal etwas überrumpelt. Denn schlagartig sind wir sozusagen zu viert, kennen uns nicht und waren darauf eingestellt den Thron zu dritt zu klettern.

Ich bin sowieso eher vorsichtig, was die Partnerwahl angeht. Da wir alle jedoch erwachsen sind – zumindest mehr oder weniger – reden wir mit offenen Karten und legen die Tatsachen auf den Tisch. Denn wer redet hat weniger Probleme. Egal in welcher Hinsicht. Die Sache steht!

Freitag ist Thron-Tag!

Morgens um 06:00 Uhr klingelt der Wecker. Voller Tatendrang wuseln wir alle durchs Zimmer. Packen unsere Rucksäcke, ziehen uns an… außer Neuzugang Simon. Der Langschläfer nutzt noch jede weitere Minute aus. Aber warum auch nicht. Mit drei Männern ist das Bad ohnehin schon dauerhaft belegt. Ein ausgiebiges Frühstück, drei Kaffee und eine Stunde später stehen wir am Einstieg vom Thron. Was für ein mächtiges Ding. Wow.

Eisklettern im Averstal

Foto: Dennis Lieb

Ausrüstung anlegen, fertig machen und los geht’s. Aber hier muss ich Euch leider enttäuschen. Ich will eigentlich nicht auf die einzelnen Klettermomente eingehen, denn das würde den Rahmen definitiv sprengen. Fakt ist aber: Es war der Hammer und ich kann jedem nur empfehlen, dieses Teil mal zu klettern.

Nach dem Abseilen ist schnell klar, das klettertechnische Wochenendziel ist bereits erreicht. Und Simon passt gut in unsere Gruppe. Ab jetzt wird es stressfrei und gemütlich. Zurück im Gasthaus Edelweiß feiern wir unseren Erfolg. Immerhin ist JEDER Eisfall ein Erfolg. Den Freitagabend lassen wir dann noch ganz gemütlich mit anderen Eiskletterern im Gasthaus ausklingen.

Echter Augenöffner

Samstag früh, die Wecker klingeln fast zwei Stunden später als am Freitag. In behäbiger Langsamkeit stehen wir auf und richten uns für das Frühstück. Wir haben noch nicht mal einen richtigen Plan für heute. Gestärkt vom Müsli kommt uns dann die Idee, den Brückenfall zu klettern. Denn dieser ist schlicht und ergreifend richtig schön, egal welche Variante man wählt. Und die anderen Teilnehmer wollen sowieso woanders hin. Der linke Ausstieg am Brückenfall gilt als schöner Vorhang. Vorfreude. Doch als wir ankommen, stellt sich schnell Enttäuschung ein. Den linken Ausstieg gibt es nicht und der rechte schaut mehr nach einem Dreckrinnsal aus. Was nun?

Wir einigen uns darauf nach Cresta zu fahren, ein kleines, wirklich schönes Tal oberhalb von Cröt. Hier gibt es in wundervollem Ambiente ganz schnörkelloses Eis. Es soll also ein entspannter Tag werden. Wir wechseln uns ab. Arne, Chris, Simon, ich. Jeweils in Zweierteams. Die Routen werden durchgewechselt und die Eisgeräte werden eifrig rumgereicht. Durch die ganze Gerätetauscherei ist Chris bei den Cassin X-Dream von Simon angelangt. Er klettern, er grinst, er schwärmt. Was ein geiles Gerät. Nach dieser Aussage kann es sich auch unser zweiter Nomic-Besitzer nicht nehmen lassen. Arne greift also zu und klettert los. Hier ebenfalls derselbe Ablauf, Arne klettert, er grinst und der schwärmt. Das Cassin-Teil muss eine Waffe sein. So überwinde ich mich und greif zu.

Ditsch… das Ding sitzt – und wie. Sprengwirkung? Nie gehört! Schlag auf Schlag arbeite ich mich nach oben. Zweimal schlagen? Ne, nicht mit dem Cassin. Echt krass das Teil. Wir drei sind also echt erleuchtet, was die Steileistauglichkeit betrifft. Simon freut sich spitzbübisch. Die Geräte sind nagelneu und offensichtlich alles andere als ein Fehlkauf. Wir sehen das als Erleuchtung. Die Marktführer müssen nicht immer zwangsläufig an der Spitze stehen. Dennoch bleibe ich, in Hinsicht auf ein paar Kleinigkeiten, doch meinen Black Diamond Fusion treu. Pünktlich zum Kaffee trudeln wir mittags bei Tom ein und helfen noch beim Aufbau für den Vortrag von Klettertalent Alex Luger, der heute im Anschluss zum Abendessen stattfinden sollte.

Eisklettern im Averstal

Gemütlich gehts zu am Hüttenabend. Foto: Dennis Lieb

Wohlgenährt sitzen wir im Aufenthaltsraum des Hostel Genereso und lauschen den Ausführungen von Alex‘ Vortrag „Exponiert“, der von Anfang an fesselt und richtig Spaß macht. Besonders nett fand ich, dass er als Fast-Local seinen Vortrag etwas abändert und uns von seinen Erstbegehungen hier erzählt. Man braucht ja schließlich Projekte für die Zukunft. Im Anschluss zum Vortrag geht es wieder ins Gasthaus Edelweiß.

In gemütlicher Runde versuchen wir uns an einem Quiz mit Fragen rund ums Eis. Wie hieß Abalakov mit Vornamen? Welche Formklassen Eis gibt es? Und so weiter. Mitmachen lohnte sich, immerhin gab es vom T-Shirt bis hin zum Bergfreunde-Gutschein einiges zu gewinnen. Wer jetzt noch fit war, schließt sich der „Blockier“-Challenge an. Zwei Eisgeräte voll auf Zug so lange blockieren, wie es geht. Öffnen sich die Arme auf über 90° ist es vorbei. Komisch, dass nur die Jungs mitgemacht haben. Und mit über 1:40 min hat sich der Sieger seine Petzl-Stirnlampe zurecht verdient. Denn: wo Strom fließt, kann man eine Lampe anschließen.

Gemütlicher Abschluss und kurze Rage

Für den letzten Tag entscheiden wir uns für den oberen Sektor in Campsut. Dort gibt es kurze, spaßige Mixed-Dinger und die kleinen Säulen sind eigentlich absolut stressfrei. Aber über dem Hauptsektor hängt – ziemlich bedrohlich – ein riesiger Eiszapfen. Ich habe einmal erlebt, wie so ein Ding bei leichten Plusgraden abbricht und Richtung Boden rauscht. Da herrscht für ein paar Sekunden Krieg. Aber wirklich. Umso erschreckender, dass sich hier viele Anfänger und auch Fortgeschrittene tummeln, die sich der Gefahr nicht bewusst sind oder diese gar ignorieren.

Schon beim Aufstieg machen wir die Anwesenden auf den Zapfen aufmerksam. Wie so oft kommt als Antwort: „Ja, Ja, wir stehen ja nicht direkt drunter. Der hält heute schon noch.“
Ich weiß nicht warum, doch bei solchen Sachen werde ich dann doch etwas wütend. Man meint es gut. Ich denke mir meinen Teil und laufe weiter. Zwei weitere aus unserer Gruppe sind geduldiger und machen nochmal ganz direkt auf die Gefahr aufmerksam. Immerhin hat es bereits Plusgrade und der Hang über dem Zapfen wird direkt von der Sonne bestrahlt.

Eisklettern im Averstal

Foto: Dennis Lieb

Einen kurzen Moment fahre ich aus der Haut. Ich erlaube es mir: „Leute … DIESER ZAPFEN IST SAUGEFÄHRLICH!! Er bricht ohne Vorwarnung ab und zerspringt beim Aufprall in 1000 Teile. Die Splitter streuen sehr weit. Es wäre nicht das erste Mal, dass dabei jemand stirbt.“ Ich beruhige mich wieder und trotz alle dem, hatten wir einen weiteren großartigen Tag in Campsut. Spielerisches Klettern, ohne große objektive Gefahren, ohne Leistungs- und Zeitdruck. Einfach Spaß. Fast schon sportklettermäßig.

Danach geht es zum Abschluss wiedermal ins Gasthaus Edelweiß zu Kaffee und Kuchen. Und was war das für ein leckerer Kuchen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich dort ewig sitzen können, um ein Stück nach dem anderen zu essen – bis es keinen Kuchen mehr gibt! Leider ruft aber die Autobahn und damit die Heimfahrt. Wir hatten – um es kurz und direkt zu sagen – ein geniales Stammtischwochenende im Averstal. Danke an alle die dabei waren und bis zum nächsten Jahr!

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