Tipps und Tricks

Pickel und Eisgeräte schleifen – Kosmetiktipps fürs Eis

11. August 2015

Sportart

Pflegeanleitung Eisgeräte und pickel richtig schleifen

Wie schleife ich Eisgeräte und Pickel richtig?

Der Pickel ist neben den Steigeisen der vielleicht beste Freund des Bergsteigers. Vom klassischen Eispickel bis hin zu rabiaten Eisäxten gibt es hierbei zahlreiche Bauweisen und Varianten. Egal aber wofür das gute Stück zum Einsatz kommt und wie oft es verwendet wird, irgendwann hinterlässt der Zahn der Zeit und der Kontakt zum Fels seine Spuren. Klassischer Flugrost tritt an der Haue vergleichsweise häufig auf und lässt sich schnell und einfach entfernen. Grobe Riefen, beschädigte Grate an der Haue sowie runde Spitzen schmälern den Wirkungsgrat eines Eisgeräts merklich. Daher sollte man seinem Pickel beziehungsweise seinen Eisgeräten dann und wann mit Feile und Schleifpapier eine kleine Frischzellenkur verpassen.

Was aber ist zu tun, wenn die Eisgeräte nicht mehr die gewünschte Leistung bringen? Was kann man selbst optimieren und wann ist ein Austausch notwendig?

Pflegeanleitung Eisgeräte und pickel richtig schleifen

Eispickel regelmäßig zu pflegen verlängert die Lebensauer und Performance der Geräte

Kampf dem Flugrost

Die Light-Variante des Schleifens ist das Entfernen von Flugrost. Hierzu benötigt man lediglich einen groben Scheuerschwamm, wie man ihn beispielsweise zur Reinigung von Pfannen benutzt, Willenskraft und etwas Geduld. Bei diesem „Reinigungsvorgang“ kommen weder Wasser noch Putzmittel zum Einsatz. Die Pickelhaue wird lediglich mit dem trockenen Schwamm geschrubbt, bis kein Flugrost mehr zu sehen ist. Generell lohnt es sich aber, die Entstehung von Flugrost zu vermeiden. Hierzu muss man wissen, dass die Hauen in der Regel keine Rostschutzbehandlung haben. Daher empfiehlt es sich, Pickel und Eisgeräte nach dem Gebraucht mit einem Lappen trocken zu reiben und nicht in einem eventuell feuchten Keller zu lagern. (Das gleiche gilt übrigens auch für Steigeisen)

Abnutzungserscheinungen entgegenwirken

Gerade bei Mixed Touren und bei Hochtouren auf vereisten Felsengraten geht gerne auch mal ein Schlag gegen den Fels. Dies bleibt im Metall der Haue meist nicht ohne Spuren. Auch werden Schnabel, Zähne und Spitzen einer Haue durch den regelmäßigen Gebrauch regelrecht rund geschliffen. In diesem Fall lohnt es sich, den im Bergsteiger schlummernden Metaller zu wecken. Verformungen und leichten Beschädigungen kann man relativ einfach mit etwas Werkzeug zu Leibe rücken. Bei der Bearbeitung von Pickelhauen wird immer manuell, nie maschinell gearbeitet. Schleifsteine, Winkelschleifer und Co. würden zu einem schnellen Erhitzen des Metalls führen. Dies wiederum wirkt sich nachteilig auf die Struktur des Materials und somit auf dessen Festigkeit aus. Abgesehen davon, trainiert Handarbeit die Armkraft.

Hier eine Übersicht des erforderlichen Werkzeugs: Schraubenschlüssel zur Demontage der Haue, Schraubstock, Flachfeile (Schlichtfeile), Rundfeile, Drahtbürste oder feines Schleifpapier.

Wie schleife ich Eisgeräte und pickel richtig?

Wenn möglich die Haue vom Schaft demontieren

Der beste Schliff

In einem ersten Schritt wird, sofern möglich, die Haue vom Schaft demontiert. Diese ist oft mit Innensechskantschrauben befestigt. Sind diese mit der Zeit regelrecht festgegammelt, kann man den Schraubenschlüssel auch mit einer Verlängerung ergänzen, das erspart zumeist ein unnötiges Gezerre. Gerade bei eher einfachen Eispickeln oder alten Modellen ist die Haue aber auch mit dem Schaft vernietet. In diesem Fall entfällt die Demontage selbstverständlich. Verbleibt der Schaft an der Haue, gibt es beim Einspannen in den Schaubstock eventuell Probleme. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass immer nur die Haue geklemmt wird, niemals der Schaft.

Nach der Demontage wird die Haue mit der Unterseite nach oben im Schraubstock eingespannt. Die Unterseite der ersten Zacke kommt zuerst dran. Es gilt ihre ursprüngliche Form so gut wie möglich wiederherzustellen. Gefeilt wird quer zur Haue. Zugunsten einer guten Performance und langen Lebensdauer sollte man darauf achten, dass man die Neigung nicht verändert und nicht unnötig Material abträgt.

Als Nächstes wird die Schneide beziehungsweise die Spitze gefeilt. Also die vorderste senkrecht oder schräg verlaufende Kante. An dieser Stelle ist das Material in der Regel den höchsten mechanischen Belastungen ausgesetzt und wird somit besonders schnell rund. Auch Beschädigungen durch heftigen Felskontakt treten in diesem Bereich besonders häufig auf. Daher muss gerade in diesem Bereich die ursprüngliche Neigung wiederhergestellt werden. Auch hier wird mit einer feinen Flachfeile gearbeitet. Danach werden die schrägen Kanten der Schneide korrigiert. Hierbei gilt es darauf zu achten, dass kein Grat gefeilt wird, da dies zu Lasten der Lebensdauer gehen würde. Verbleibt in der Mitte noch eine kleine Fläche von mindestens einem halben Millimeter, beeinträchtigt dies die Performance keineswegs, fördert aber die Lebensdauer des Eisgeräts.

Ebenfalls kann die Oberseite der Haue mit der Flachfeile ein wenig nachgearbeitet werden. Zugunsten der allgemeinen Sicherheit und Lebensdauer sollte man es hierbei jedoch nicht übertreiben. Nachdem man die Bearbeitung mit der Flachfeile beendet hat, kann man gegebenenfalls einzelne Zähne noch mit einer Rundfeile schärfen.

Das Nacharbeiten der Pickelspitze kann von Zeit zu Zeit hilfreich sein. Auch hier sollte man peinlichst darauf achten, dass man die ursprüngliche Form und Neigung nicht verändert. Wichtig ist es auch, die Spitze nicht zu scharf zu schleifen, da sonst das Verletzungsrisiko steigt. Das Schleifen der Schaufel ist in den meisten Fällen nicht notwendig, da diese ohnehin in weicherem Material zum Einsatz kommt.

Pflegeanleitung Eisgeräte und pickel richtig schleifen

Die goldene Regel beim Eisgeräte schleifen: So viel wie nötig und so wenig wie möglich

Egal wo und wie viel man jedoch geschliffen hat, zum Schluss empfiehlt es sich, den gesamten Kopf bzw. die gesamte Haue noch zu polieren. Groben Rost kann man ohne Weiteres mit einer Drahtbürste entfernen. Hartnäckigerer und feinerer Korrosion kommt man sehr gut mit einem feinen Schleifpapier bei. Hier hat sich eine Körnung von 120 bis 180 sehr bewährt. Ist aller Rost abgetragen, glänzt die Haue fast wieder wie neu. Dies hat nicht nur einen optischen Effekt, sondern trägt auch dazu bei, dass die Eisgeräte besser ins Eis gleiten. Aus diesem Grund sollte man ebenfalls darauf achten, dass alle Stellen glatt geschliffen sind. Kleine Fehler können ebenfalls mit dem Schleifpapier nachgearbeitet werden.

Selbstverständlich trägt man bei jedem Schleifvorgang Material ab und die Haue wird sogesehen weniger. Die Performance steigt dafür wieder. Dies kann gerade bei steilen und ausgesetzten Passagen stark zur Sicherheit beitragen. Daher verhält es sich mit dem Schleifen von Pickeln und Eisgeräten ein wenig so wie mit dem Schleifen der Stahlkanten von Skiern: Soviel wie nötig und so wenig wie möglich. Denn selbst bei der besten Haue ist irgendwann einmal sprichwörtlich Feierabend. Auch bei groben Beschädigungen, Einkerbungen und Rissen hilft das Nachschleifen nichts mehr. In diesen Fällen sollte zugunsten der Sicherheit ein Austausch erfolgen.

Fazit

Bekommen Pickel und Eisgeräte von Zeit zu Zeit eine kleine Streicheleinheit, verlängert sich die Lebensdauer und eine gute Performance bleibt erhalten. Wie bei jedem Ausrüstungsgegenstand ist aber auch hier irgendwann einmal die Grenze erreicht und das Eisgerät muss zur eigenen Sicherheit ausgetauscht werden.

Wenn Du noch Fragen hast, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Daniel ist hier unser Fachmann in Sachen Eispickel. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

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