Ultraleichte-Bekleidung-Titel

Ein Hauch von Nichts – (ultra)leichte Bekleidung

14. September 2017

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Erinnert Ihr euch noch an den Oversizelook der 1990er und frühen 2000er? Diese riesigen Klamotten die immer irgendwie nach Kartoffelsack ausgesehen haben? Mir ist neulich ein Vertreter dieser Gattung im meinem „Outdoorkleiderschrank“ in die Finger gekommen.

Heute trage ich diese Jacke maximal noch zum Schneeschippen, aber damals bin ich damit auch auf Hochtouren unterwegs gewesen. Dass so eine Jacke dann schnell mal über ein Kilo auf die Waage bringen konnte, hat mich einfach nicht interessiert, wir waren schließlich jung und hatten kein Geld. Heute bringt mich das aber zu der Frage: Wie sieht es aus, wenn man auch bei Hose, Jacke und Co. gezielt Gewicht einsparen möchte? Was braucht es unterwegs wirklich und wie sehen leichte Alternativen zu althergebrachten Kleidungsstücken aus?

Schauen wir uns also ganz gezielt leichte Outdoorkleidungsstücke an. Zur besseren Übersicht werden wir uns dabei aber nur auf größere Kleidungsstücke wie Jacken, Hosen und Shirts beschränken, da sich hier der Löwenanteil an Gewicht sparen lässt. Kleinteile wie Socken und Unterwäsche werden wir gezielt aussparen. Schauen wir uns also einmal den ultraleichten Dresscode  genauer an.

Ultraleichter Wetterschutz

Kauftipps für ultraleichte Bekleidung

Die Hyper 100 von Berghaus ist extrem leicht.

Wer viel draußen unterwegs ist, der wird das kennen: Nicht immer ist der Wettergott milde gestimmt und selbst an Tagen mit strahlendem Sonnenschein steht gerne am späten Nachmittag ein regenreiches Gewitter ins Haus. Aus diesem Grund ist es eigentlich immer ratsam, einen geeigneten Wetterschutz in Form einer Hardshelljacke und vielleicht einer Regenhose im Gepäck zu haben. Da diese Kleidungsstücke nicht selten auch weite Strecken im Rucksack getragen werden, lohnt es sich hier einmal genauer aufs Gewicht zu schauen.

Ultraleichte Hardshelljacken

Was aber unterscheidet eine herkömmliche Hardshelljacke von der ultraleichten Hardshelljacke? Das ist eigentlich ganz einfach: was an ultraleichten Hardshelljacken nicht dran sein muss, das ist auch nicht dran. Auch kommen besonders leichte Materialien zum Einsatz.

Hardshelljacken wie die Hyper 100 Shell JKT von Berghaus kommen auf nicht einmal 100 Gramm und stellen somit in Sachen Gewicht eine echte Kampfansage dar. Allerdings tummeln sich in dieser Gewichtsklasse zahlreiche Jacken, die aufgrund des dünnen Stoffs nicht für das Tragen eines Rucksacks ausgelegt sind. Somit können Hardshelljacken wie die Hyper 100 Shell JKT zwar für Bewegungsintensive Sportarten wie Trailrunning hergenommen werden, taugen aber für den Trekkingbereich nicht.

Wer es hingegen rucksacktauglich braucht, wird sich in Sachen Gewicht voraussichtlich irgendwo zwischen 150 und 200 Gramm einpendeln. Ein typischer Vertreter dieser Gattung ist die Flashpoint Jacket von Rab. Diese Jacke bringt mit rund 185 Gramm alles mit, was eine wetterfeste Jacke können sollte und kann obendrein die Belastung durch einen Rucksack problemlos wegstecken.

Ultraleichte Hardshellhosen

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Mit wenig Gewicht, wandert es sich besser!

Hardshellhosen kommen in den unterschiedlichsten Formen daher. Von der Skitourenhose bis hin zur einfachen Überhose gibt es in diesem Bereich nahezu nichts, was es nicht gibt. Um aber beim Thema zu bleiben, wollen wir uns hier nur mit Hardshellhosen befassen, die für Wanderungen, Trekking– oder Radtouren als Regenschutz hergenommen werden können.

Wer also in diesem Bereich nach einer ultraleichten aber trotzdem wetterfesten Hose sucht, der wird wahrscheinlich bei Modellen wie der Atomic Pants von Montane landen. Diese Hosen schlagen in der Regel mit einem Gewicht von ca. 150 bis 200 Gramm zu Buche und eignen sich gerade für Wanderungen und Trekkingtouren bestens.

Wer beispielsweise auf Gletschern unterwegs ist und die Hardshellhose auch in Verbindung mit Steigeisen tragen möchte, der sollte nach robusteren Modellen mit verstärktem Beinabschluss suchen, hier bewegt man sich jedoch in der Regel außerhalb des Ultarleichtspektrums.

Federleichte Isolation

Ultraleichte Daunenjacken

Wenns warm und trotzdem leicht sein soll, kommt man an Daunenjacken und Daunenwesten nicht vorbei. Hier verhält es sich ähnlich wie bei Schlafsäcken: Kunstfaser hat mit Sicherheit seine Berechtigung und stellt je nach Anforderung Daune klar in den Schatten.

Wer aber was wirklich Leichtes will, der muss zu Daune greifen, denn Daunenjacken sind bei vergleichbarer Leistung in der Regel deutlich leichter als ihre Kollegen aus Kunstfaser. Gerade aber bei wärmenden Kleidungsschichten ist es aber wichtig, nicht nur auf das Gewicht zu schauen. Denn auch hier lässt sich eine Parallele zu Schlafsäcken zeigen: weniger Füllung und somit weniger Gewicht heißt in der Regel auch weniger Isolation.

Hier muss also jeder selbst entscheiden, wie verfroren oder kälteresistent er ist. Leichte Daunenjacken, kommen bereits mit einem Gewicht von weniger als 200 Gramm daher. Wer es noch leichter mag und vielleicht auch aufgrund der Tour oder der persönlichen Veranlagung keinen zu krassen Kälteschutz benötigt, der kann sich sicherlich auch mit einer Daunenweste begnügen, hier spart man dann schnell nochmals einige Gramm.

Ultraleichte Fleecejacken

Fun-Fakt: Schon fast wollte ich hier den Tipp geben, dass man auch mit einem leichten Fleece (bei sicherlich weniger Isolationsleistung) gegenüber einer leichten Daunenjacke Gewicht einsparen kann. Das stimmt aber so nicht. Schickt man Fleece- und Daunenjacken in Sachen Gewicht ins Rennen, erhält man maximal ein Unentschieden. Wer aber dennoch lieber zum Fleece, als zur Daunenjacke greift, der sollte sich auf ein Gewicht jenseits der 200 Gramm einstellen.

Minimalistische Basics

Ultraleichte Trekkinghosen

Eine Hose muss jeder tragen, schon alleine um nicht als öffentliches Ärgernis zu gelten. Hosen unterliegen gerade beim Trekking oft starken Belastungen. Jeder, der schon einmal über quer liegende Baumstämme klettern musste oder im Wald ein Stück querfeldein gelaufen ist, der wird mir zustimmen.

Aus diesem Grund wird es hier je nach dem schwer im Ultraleichtbereich fündig zu werden. Dennoch gibt es aber auch hier leichte Materialien wie Softshell, die es ermöglichen robuste Hosen mit geringem Gewicht zu entwerfen. Hersteller wie beispielsweise Mountain Hardwear haben sich dieser Aufgabe aber einmal gestellt und lange Trekkinghosen auf den Markt gebracht, die die 200-Gramm-Marke noch knapp unterschreiten.

Auf zuviel Schnickschnack wie zusätzliche Cargo-Taschen oder abnehmbare Hosenbeine muss man in diesem Segment allerdings verzichten. Wem auch das trotz allem noch zu schwer ist, dem sei das kurze Beinkleid angeraten. Hersteller wie Norrøna haben hier funktionelle Wander- und Trekkinghosen im Programm, die mit weniger als 150 Gramm zu Buche schlagen.

Ultraleichte Funktionsshirts & Pullover

Kauftipps für ultraleichte Bekleidung

Leichte Shirts sind nicht nur eine Gewichtsersparnis. Gerade bei Hitze schätzt man die Atmungsaktivität.

Gerade an warmen Tagen braucht es ein gutes Funktionsshirt. Dieses sollte nicht nur gut passen und auch optisch ansprechend daherkommen, sondern vielmehr auch für maximalen Komfort unterwegs sorgen. Gerade beim Trekking und Wandern kommt es gerne mal auch zu schweißtreibenden Anstiegen.

Aus diesem Grund sollten Shirts immer aus einem schnelltrocknenden Material bestehen. Wer nicht schon am zweiten Tage geruchstechnisch mit einem Fuchs im Oktober verwechselt werden möchte, sollte darüber hinaus darauf achten, dass das jeweilige Shirt aus geruchshemmenden Materialien gefertigt wurde.

Leichte Funktionsshirts wie beispielsweise das  AT/C Base S/S von Inov-8 oder das MHW AC Short Sleeve T von Mountain Hardwear kommen mit einem Gewicht um die 70 Gramm aus. In der Übergangszeit und an Tagen mit wechselndem Wetter sind oft auch Pullover oder dünne Jacken gefragt. Wenns besonders leicht sein soll landet man in der Regel recht schnell beim Fleece. Wer hier nach einem leichten, feuchtigkeitsregulierenden und warmen Oberteil sucht, der wird problemlos im Bereich 150- 200 Gramm fündig werden. Hersteller wie Salomon und Montane haben hier gleich mehrere Modelle im Programm.

Vorurteile und Missverständnisse

Es gehört ja schon fast zur Tradition, dass ich mich mit den Blogbeiträgen zum Thema Ultraleicht immer auch für mehr Verständnis und Toleranz einsetze. Aus diesem Grund sollen auch in diesem Artikel ein paar Vorurteile zur Sprache kommen, die die Outdoorwelt in die Lager Ultraleicht zu Ultraschwer zu teilen scheinen.

  • Vorurteil 1: Ultraleicht = Ultrapuristisch

„Wenns leicht ist, dann hängt auch nichts dran. Da muss man dann auf zahlreiche praktische Feinheiten und Kleinteile verzichten.“ Klar mag dieses Vorurteil bis zu einem gewissen Grad stimmen. Eine leichte Windjacke ist eben einfacher als eine kompletter Anorak, auch auf eine Kapuze und Taschen wird hier schnell einmal verzichtet.

Allerdings darf man nicht dazu neigen Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen. Wer eine Hardshelljacke mit Kapuze als Wetterschutz sucht, wird im Bereich Ultraleicht sicherlich fündig werden. Wer eine leichte Daunenjacke will, wird diese ebenfalls bekommen. Bei der warmen Winterjacke einem Ölmantel oder Ostfriesennerz wirds da schon etwas schwieriger.

  • Vorurteil 2: Ultraleicht = Ultraproblematisch
Kauftipps für ultraleichte Bekleidung

Ultraleichte Klamotten sind keineswegs unbequem oder weniger haltbar. Es kommt immer drauf an…

Dieses Vorurteil kommt oft zur Sprache: Was besonders leicht und dünn ist hält grundsätzlich nichts aus und macht nur Ärger. Man hört Horrorgeschichten von im Wind zerrissenen Jacken, aufgeplatzten Nähten und und und… Klar mag es das geben. Schlecht verarbeitete oder mit Materialfehlern belastete Kleidung gibt es leider immer mal wieder. Dies sollte allerdings, egal ob leicht oder schwer, nicht die Regel sein und ist es auch nicht.

Dennoch ist es gerade bei der äußeren Kleidungsschicht wichtig, darauf zu achten, dass diese auch für den jeweiligen Einsatzzweck ausgelegt ist. Wie bereits bei den Hardshelljacken erwähnt, ist beispielsweise ein Rucksacktauglichkeit nicht immer gegeben. Hier empfiehlt sich genaues Hinsehen. Ein Kleidungsstück nur nach seinem Gewicht zu kaufen, macht ohnehin in den wenigsten Fällen Sinn.

  • Vorurteil 3: Ultraleicht = Ultraunbequem

Die Rede ist bei diesem Vorurteil oft von schlecht sitzenden Kleidungsstücken, unbrauchbar geschnittenen Kapuzen und knisternden Materialien. Aber sind wir mal ehrlich, das gibt es doch in jedem anderen Bereich auch. Nicht immer passt ein Schnitt zum persönlichen Körperumfang und manchmal sind Features einer Jacke oder Hose weniger nützlich, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Aber das ist nicht alleine ein Problem von besonders leichten Klamotten, dieses Problem gibt es von der Jeans bis zur Daunenjacke.

Wären da aber noch die knisternden Materialien. Das ist in der Tat ein Punkt der so manchen Freund der Hardshellbekleidung schier zur Weißglut treibt: Regenjacken und  -hosen knistern gerne mal. Doch auch hierbei handelt es sich mehr um ein Problem, das Hardshellmaterialien im Allgemeinen immanent zu sein scheint.

Fazit:

Es macht sicherlich keinen Sinn an der falschen Stelle Gewicht sparen zu wollen. Gute Bekleidung ist immer auf die jeweilige Tour und die aktuellen Bedingungen abgestimmt. Dennoch finden sich auch im Ultraleichtbereich Kleidungsstücke, die einen guten Kälte- oder Wetterschutz mitbringen.

Wer hier seine Klamotten mit Bedacht wählt muss nicht auf faule Kompromisse eingehen und kann trotzdem einiges an Gewicht sparen. Addieren wir einmal, mit welchem Gewicht die oben genannte Bekleidung letztendlich zu Buche schlagen würde, so kommen wir für Hose, Funktionsshirt, Langarmshirt, leichte Daunenjacke und rucksackkompatible Hardshelljacke auf knapp 800 Gramm.

Spaßeshalber habe ich einmal vergleichbare Kleidungsstücke, die meinem Kleiderschrank entstammen und die ich regelmäßig auf Tour trage, auf die Waage gelegt. Hierbei handelt es sich nicht um Vertreter der Gattung „ultraschwer“, sondern eher um den Typ „ultradurchschnittlich“. Dennoch bin ich auf einen Wert von rund 1300 Gramm gekommen.

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