Eiger Nordwand im Zeitraffer

25. April 2017

Sportart

Geschafft - Fritz und Michi am Gipfel des Eigers

Geschafft - Fritz und Michi am Gipfel des Eigers

Fritz Miller (26) und Michael Wohlleben (20), Mitglieder des Bergfreunde.de ProTeams, rannten in 5 Stunden und 10 Minuten durch die Eiger Nordwand.

Die 1700 Meter hohe Nordwand des Eigers (3970 m) fasziniert mich seit meiner Jugendzeit. Im April 2007 konnte ich mir zusammen mit Lukas Binder mit einer Begehung der Heckmair-Führe einen Traum erfüllen. Dank sicherer Verhältnisse erlebten wir den Eiger nicht als Monster sondern als Kletterberg der Extraklasse. Die Heckmair-Führe, Route der Erstbegeher aus dem Jahr 1938, hat für mich auch nach weiteren Begehungen nie an Reiz verloren. Ganz im Gegenteil.

Michael Wohlleben hat mit seinen 20 Jahren schon viele extrem schwierige Fels-, Eis- und Mixedrouten hinter sich. Und er ist heiß auf einen schnellen Durchstieg der Eiger Nordwand. Zusammen stehen wir im Morgengrauen des 10. Februars am Einstieg der Heckmair-Führe. Um Punkt sieben Uhr starten wir mit leichtem Gepäck in die Wand. Eine gute Spur führt durch den Vorbau. Am Schwierigen Riss müssen wir uns in eine Schlange wartender Seilschaften einreihen, danach setzen wir zum Überholen an. Nach dem Hinterstoisser Quergang ist der Weg frei. Erstes Eisfeld, Eisschlauch und Zweites Eisfeld liegen bald hinter uns. Vor der Bügeleisenwand legen wir nochmals eine kurze Zwangspause ein, die wir zum Trinken nützen. Gestärkt geht es vorbei am Todesbiwak ins Dritte Eisfeld und in die Rampe.

Wir können es selbst kaum glauben: Nicht einmal drei Stunden haben wir bis hier her gebraucht. Wetter und Verhältnisse sind traumhaft, die Temperaturen ideal. Ohne zeitliche Probleme werden wir es zum Gipfel und ins Tal schaffen. Wofür weiter eilen? Wir sind nicht auf Rekordjagd, aber ehrgeizig sind wir schon – und heute haben wir die Chance auf einen richtig schnellen Durchstieg der berühmtesten Wand der Alpen. Wir wollen das Tempo halten, obwohl klar ist, dass wir bald die Höhe spüren werden.

Eine der schwierigsten Passagen der Wand, der steile Wasserfallkamin, liegt direkt vor uns. Der untere Teil ist nahezu schnee- und eisfrei und lässt sich ohne Handschuhe schnell klettern. Oben geht es mit Eisgeräten ebenfalls zügig weiter zum Brüchigen Band. Der darauffolgende Brüchige Riss ist halb so schlimm und im exponierten Götterquergang bleibt für Tiefblicke keine Zeit. Hier und in der Spinne lassen wir weitere Kletterer hinter uns – dabei immer bemüht, sie möglichst wenig zu behindern.

Eiger Nordwand mit Heckmair-Führe

Eiger Nordwand mit Heckmair-Führe

Die Ausstiegsrisse, besonders der Quarzriss, fordern noch einmal volle Konzentration. Vom Cortibiwak lassen wir uns vorsichtig an alten Seilen zum Beginn der letzten Kaminreihe hinunter. Wir haben Glück: Am Grund des langen Kamins ist etwas Eis. Diese letzten Seillängen vor dem Gipfeleisfeld werden zur Belastungsprobe für unsere Wadenmuskulatur. Doch es läuft gut, und das beflügelt. Wir geben noch einmal alles. Nach fünf Stunden in der düsteren Nordwand erreichen wir schließlich den Mittellegigrat und ein paar Minuten später den Gipfel des Eigers. Nun haben wir Zeit – um die traumhafte Kulisse des Berner Oberlands zu genießen und um unsere Tour Revue passieren zu lassen.

Hinter uns liegt eine tolle Tour und ich bin glücklich, dass wir ein weiteres Abenteuer in der Eiger Nordwand ohne größere Schäden überstanden haben (das ist nicht selbstverständlich). Danke an alle Alpinisten, die uns in der Wand vorbeigelassen haben. Und danke an Alle, die uns als Kletterer und Bergsteiger unterstützen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Andreas | Outdoorblog Schweiz sagte am 16. Februar 2011 um 19:37 Uhr

    Habe immer den Film „Nordwand“ im Hinterkopf, wenn ich Eiger Nordwand höre. Daher Glückwunsch für die tolle Leistung – ihr habt echt Cochones!!

  2. Felix sagte am 27. März 2013 um 18:36 Uhr

    Auch wenn ich soetwas nie klettern werde und kann, das erhöht nur den Respekt vor dem, was ihr da gemacht habt. Respekt. LG

    PS: Ein paar Bilder würden die Geschichte natürlich noch lebendiger machen …

  3. Wiebke sagte am 28. März 2013 um 08:55 Uhr

    Hallo Felix,

    ja, ist schon ziemlich cool, was die Jungs immer anstellen. Zu Deinem P.s. inzwischen haben wir auch dazu gelernt und bestücken unsere Artikel mit mehr Bildern. Aber vielen Dank für den Hinweis.

    Gruß, Wiebke

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