Edelrid Parrot 9,8mm – das neue Eco-Seil aus Isny

Edelrid Parrot 9,8mm – das neue Eco-Seil aus Isny

4. April 2016

Kategorie

Sportart

Edelrid Parrot 9,8mm - Umweltfreundliches, robustes Seil aus Transfergarnen

Umweltfreundliches, robustes Seil aus Transfergarnen

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und wo Seile hergestellt werden, da fallen Mantel-Restgarne an. Edelrid hat sich jetzt daran gemacht, diese Mantel-Restgarne weiter zu verwenden. Heraus kam das Parrot 9,8mm Einfachseil.

Wir stellen Euch das neue Seil vor und erklären Euch wie ein solches Seil entsteht. So ganz nebenbei wird damit dann auch klar, warum jedes ganz automatisch ein Unikat ist.

 

 


Bei der Herstellung von Kletterseilen fallen an zwei Stellen Mantel-Restgarne an: wenn in der Vorbereitung die Mantelgarne auf Flechtspulen aufgespult werden sowie beim Flechten selbst, wenn in der Flechtmaschine die Chargenlänge erreicht wurde, auf den Spulen aber noch Mantelgarn vorhanden ist.

Bisher wurden diese übrigen Garne entsorgt. Mit dem Parrot gelingt es nun, 95% der Mantelrestgarne wiederzuverwerten.

Wie funktioniert das Recycling?

In einem gesonderten Prozess werden die Mantel-Restgarne separiert und auf spezielle Spulen aufgebracht. Mit denen werden dann die Parrot Seile geflochten. Da Edelrid seine Seil nicht spleißt*, können die Parrot Seile nicht in den üblichen Chargen- bzw. Satzlängen produziert werden. Nur die kürzeren Chargen- bzw. Satzlängen ermöglichen, dass die Parrot-Seile „am Stück“ produziert wurden.

*Als Spleiß bzw. Spleißen bezeichnet man eine Verbindung von Fasern, die bruchfest und unlösbar ist, also dauerhaft. Erreicht wird sie z.B. durch eine Verzwirbelung mit Hilfe von Druckluft. Auf diese Art und Weise kann man auch zwei Mantelgarne miteinander verbinden. Der Spleiß hat keinerlei Einfluss auf die Festigkeit des Seils. Allerdings sind Garne an der Spleißstelle immer etwas dicker als am Rest. Wenn man genau hinfühlt, kann man solche Stellen in einem Kletterseil ertasten. An solchen Stellen verschleißt ein Seil durch die Verdickung schneller als am Rest. Daher schreibt sich Edelrid auf die Fahne zu 100% spleißfreie Bergseile zu produzieren.

Was für ein Seil kommt dabei raus

Edelrid - Parrot 9.8 mm - Einfachseil

Edelrid – Parrot 9.8 mm – Einfachseil

Ein buntes! Zusammengesetzt aus den Resten anderer Seile, bildet jedes Seil auch ein Pottpurri aus deren Farben. Und da Edelrid sich nach dem jeweiligen Angebot an Restgarnen richten muss, sieht jede Charge anders aus als die vorige. Eine Freude für alle, die es gerne bunt und individuell haben. Und noch ein Vorteil: Da die Chargen für jede Farbzusammensetzung relativ klein sind, ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass es Dein Seil in der Halle ein zweites Mal gibt. Verwechslung fast ausgeschlossen.

Aber was kann das Seil?

Mit seinen Werten ist das Parrot 9,8mm praktisch ein Klon des altbewährten Boa. Mit 9,8mm und 40% Mantelanteil zwar schon ein eher robustes Seil, aber fürs Topropen dann doch noch etwas zu ambitioniert. Also alles in allem ein solides Kletterseil zum Sportklettern, in der Halle oder draußen.

Die technischen Werte im Überblick:

  • Durchmesser: 9,8mm
  • Anwendungsgebiete: Sportklettern, Projektieren, Indoor
  • Veredelung: Thermo Shield
  • Gewicht: 62 g/m
  • Sturzzahl: 7
  • Länge: 40-80m
  • Mantelanteil: 40%
  • Dynamische Dehnung: 32%
  • Nachhaltigkeit: bluesign zertifiziert

Noch ein Satz zum Preis und zum Design

Edelrid hat sich vorgenommen, die finanziellen Einsparungen, die sie durch das Seil machen, an den Kunden weiterzugeben. Daher kostet das Seil in der Länge 60m gerade mal 130€.

Bei uns im Shop ist das Seil mit einigen Bildern dargestellt. Allerdings können wir Dir nicht sagen, wie genau Dein Seil aussehen wird, da jedes Seil, wie oben beschrieben, fast ein Unikat ist. Das Bild dient der Orientierung, das gelieferte Produkt kann aber abweichen obzw. wird es ziemlich sicher tun.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Marcus Seuser sagte am 24. April 2016 um 12:48 Uhr

    Interessant.

    Das Seil ist ein „Klon“ des Boa Seil von Edelrid, welches bei euch im Shop 130 Euro kostet. Edelrid gibt an, dass es die Einsparungen bei der Produktion des Parrot Seils an den Kunden weitergeben will, das Parrot kostet bei euch jedoch genauso 130 Euro für 60 Meter. Wo ist also die Einsparung hin, wenn das normal produzierte Boa und Parrot genausoviel kosten?

  2. Stephan K sagte am 26. April 2016 um 14:45 Uhr

    Hallo,

    die Antwort auf die Frage von Marcus würde mich auch brennend interessieren…

  3. Marcus Seuser sagte am 28. April 2016 um 12:59 Uhr

    Right,

    da müsst ihr jetzt einfach mal Farbe bekennen. Ich bin wirklich gerne Kunde bei euch, unter Anderem auch wegen der guten Informationspolitik. Also: Traut euch, beisst ja niemand =)

  4. Janpeter sagte am 29. April 2016 um 09:25 Uhr

    Hallo Marcus,
    vielen Dank für deine Anmerkungen. Vielleicht haben wir das Ganze etwas unglücklich formuliert. Es stimmt – Parrot und Boa sind Seile mit identischen Eigenschaften. Für Edelrid gestaltet sich die Produktion des Parrots hingegen deutlich aufwändiger als die des Boas. Zwar fallen Edelrid auf der einen Seite durch die Wiederverwertung der Restgarne etwas niedrigere Materialkosten an, dem gegenüber steht jedoch ein deutlicher Mehraufwand an Handarbeit und damit verbundener Manpower. Obwohl die Produktion des Parrots damit vermutlich etwas teurer sein dürfte, bietet Edelrid das Seil zum gleichen Preis an wie das Boa. Für den Kletterer entsteht dadurch also die Möglichkeit, alternativ zum an sich schon sehr nachhaltig produzierten Boa (bluesign, Made in Germany) ein gleichwertiges Seil zu bekommen, dessen ökologischer Fußabdruck durch das Recycling der Garne noch einmal etwas positiver ausfällt – und das Ganze eben zum gleichen Preis.
    Viele Grüße von den Bergfreunden,
    Janpeter

  5. Sebastian sagte am 29. April 2016 um 09:30 Uhr

    Hallo Marcus,
    da ist wohl technisch was schief gelaufen: Janpeter, unser Einkäufer für Seile und Kletterhardware, hatte bereits vor ein paar Tagen eine Antwort geschrieben. Warum unser Blog jetzt gerade diesen eigenen Kommentar als Spam ausgeblendet hat? Fragt mich nicht…es blieb aber erst mal unbemerkt. Danke für den erneuten Hinweis – wir haben es jetzt nochmal gepostet und es sollte jetzt erläutert sein…
    Sorry und Gruß,
    Seb

  6. Marcus Seuser sagte am 2. Mai 2016 um 17:11 Uhr

    Hallo Jan Peter, Hallo Sebastian,

    vielen Dank für den erhellenden Post. Jetzt ergibt es Sinn =)

    Liebe Grüße,

    Marcus

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