Tagebuch DIMB Ausbildung MTB Guide… der letzte Lehrgang und dann Prüfung!

22. Januar 2021

Sportart

Was sollte ein Mountainbike-Guide auf jeden Fall können? Genau, er sollte sich da wo er unterwegs ist doch einigermaßen auskennen und wissen wo er sich aufhält. Gerade dann, wenn es mal nicht läuft wie es sollte, und man Rettungskräfte an Ort und Stelle bringen muss.

Daher ist das ein ganz zentrales Thema des Aufbaulehrgangs vor der Guide-Prüfung. Darüber hinaus geht es aber auch um Themen wie Wetterkunde, Tourendurchführung, Konflikte und gruppendynamische Prozesse, Haftung und noch einiges mehr…bevor es dann gilt das gesammelte Wissen an einem Wochenende in Theorie und Praxis bei der Prüfung auf den Punkt zu bringen.

Aufbaumodul Guiding – 5 Tage intensives Beschäftigen mit geführten Touren auf dem MTB

Erneut geht es, dieses Mal für volle fünf Tage ins wunderschöne Fichtelgebirge und an den Ochsenkopf, um mich ganz intensiv mit dem Thema MTB Guiding zu beschäftigen. Mit mir sind noch 5 weitere Teilnehmer plus unser Ausbilder Michi Hacker von der DIMB dabei.
Eine kleine, aber ganz feine Truppe!

Tag 1 startet mit sehr intensiver Arbeit an Karte und GPS. Was sind die wichtigsten Bestandteile einer Papierkarte und welche Maßstäbe sind denn überhaupt sinnvoll?
Selbiges gilt für unsere elektronischen Portale und Helferlein. Was kann ich wie am besten für mich nutzen?

So kommen wir relativ schnell zu der Erkenntnis, dass die große Herausforderung nicht das Finden der richtigen Informationen, sondern vielmehr das Filtern von Informationen aus der Fülle an uns zugänglichen Quellen ist.

Am Mittag versuchen wir eine von uns geplante Tour ins Gelände zu übertragen… mit Erfolg.  Denn wir finden den Weg am späten Nachmittag erfolgreich zurück ans Bullhead-House, unserem Seminar-Zentrum.

Von der Thematik der Tourendurchführung über die einfache Wetterkunde stoßen wir an Tag zwei und drei dann an die Themen „Sozialverträglichkeit“ und „Konfliktmanagement“.
Wo darf ich  in Deutschland eigentlich legal als Mountainbiker auf Pfaden und Wegen unterwegs sein. Geht das überhaupt?

Wie schaut es hier in den einzelnen Ländern aus und welche Unterschiede gibt es? Was wenn ein anderer Naturnutzer, den wir unterwegs treffen so gar nicht mag was wir da gerade machen und wie kann ich einen eventuellen Konflikt lösen?

Sehr spannende Themen, die mich – da es ja in Baden Württemberg mit der 2-Meter Regel im Landeswaldgesetz eine bundesweite einmalige Sonderstellung hat – besonders interessieren.
Ehrlich gesagt ist das einer der Hauptgründe die Ausbildung zu machen und das Gelernte dann auch an andere Biker weiter zu vermitteln. Nur gemeinsam und mit gegenseitigem Respekt füreinander können wir zukünftig alle gemeinsam den uns zur Verfügung stehenden Naturraum für unsere individuelle Erholung nutzen. Denn eines muss man mal festhalten, ein Weg, egal ob für Wanderer oder Biker, ist immer ein Eingriff in die Natur. Denn bei den Dinosauriern gab es die Wanderwege der diversen Vereine sicher noch nich.

Ja, was mache ich aber jetzt als Guide mit einem „Unverbesserlichen“? Ob in der Gruppe oder als Begegnung auf dem Trail. Nun, es gilt die im Konflikt vordergründige Emotionsebene zu durchbrechen, um dann wieder vernünftig auf Sachebene kommunizieren zu können. Im Zweifel kann das auch mal bedeuten mit ungewöhnlichen Methoden zu agieren. Beispielsweise den Gegenüber auf dem Höhepunkt des Streits zu fragen, „Was ist denn Dein Lieblings-Eis? Meines ist ja Himbeer!“. 

Rasend schnell gehen die 5 Tage Lehrgang vorbei, auch weil wir jeden Tag das Gelernte auf den Trails rund um den Ochsenkopf anwenden und sehr viel unterwegs sind. Klar gibt es auch sehr „trockene“ Themenbereiche. Haftungsrechtliche Fragen und Verkehrssicherungspflichten, aber das gehört halt leider auch dazu und ist heutzutage wirklich sehr wichtig.

Wirklich Klasse und super spaßig ist aber der letzte Tag an dem wir spezielle Guiding.Techniken anwenden dürfen, bspw. im Doppel-Guiding mit einer größeren Gruppe.
Hier hatte ich mit meinem Partner Manni aus Aachen und der gesamten Gruppe enorm viel Spaß.
Damit war die Woche aber vorbei und auf der Fahrt nach Hause hat mir doch der Kopf ganz schön geschwirrt. Nachdem wir im Anschluss das Script geschickt bekommen haben, fing eigentlich auch direkt die Lernerei für die Prüfung los.

Grand Finale – 2 Tage Prüfung in Theorie und Praxis

Ein letztes Mal heißt es für mich: Sachen packen und ab Richtung Ochsenkopf. Die Prüfung steht an und man trifft viele, mittlerweile lieb gewonnene Gesichter. Allerdings hab ich schon geschwitzt, ob es überhaupt klappen würde an diesem Wochenende die Prüfung abzulegen, denn Corona mit Beherbergungsverbot in Bayern hatte alles sehr unsicher ausschauen lassen. Schlussendlich hatte aber Politik und Gesetzgebung ein Einsehen. Es steht alles auf „Go“!

Ungewohnte Anspannung macht sich unter den Teilnehmern breit und am Samstag wurde in zwei getrennten Gruppen die Theorie Prüfung abgelegt. Sage und schreibe 16 Seiten galt es handschriftlich mit dem eigenen Wissen zu füllen…nix Multiple Choice!

Am späten Nachmittag treffen wir uns alle nochmal gemeinsam zur Teilabschnitts-Verlosung der Praxisprüfung am nächsten Tag. Jeder Teilnehmer guidet einen Abschnitt der Prüfungstour und irgendein Szenario wird in diesem dann passieren.

Das kann ein Notfall sein, ein technischer Defekt, ein fahrtechnisch unsicherer Teilnehmer, eine Wegsperrung welche eine Umfahrung erfordert oder ein „schwieriger Teilnehmer“. Man weiß vorher aber nicht was kommt. Gott sei Dank haben wir nach der Verlosung bereits gesagt bekommen, dass alle die theoretische Prüfung bestanden haben….yeehaawww!

Prüfungstag 2 – die Praxis

Ich hab den letzten Abschnitt des Tages gezogen. Das bedeutet ich fahre erstmal relativ entspannt die ersten Meter mit den Anderen mit. Doch so nach und nach und mit jedem absolvierten Szenario wird die Anspannung  in mir größer. Ständig überlege ich was wohl bei mir kommen wird. Dann ist es so weit, Laienschauspieler und Tour Teilnehmer Michi Hacker fragt mich als Guide um Rat.

Er fühlt sich beim Bremsen sehr unsicher und da der letzte Abschnitt durch den Bikepark des Ochsenkopfs geht, fragt er nach ein paar Tipps und praktischen Übungen zu dem Thema. Für mich als angehender Guide und Fahrtechniktrainer natürlich kein Problem! Ich zeige Übungen zum dosierten Bremsen und fahre den Teilnehmern vor. Diese üben in einem kleinen Umlauf, bevor es dann in den Bikepark geht und an dessen Ende die Tour endet und die Teilnehmer verabschiedet werden.

Nach gefühlt ewig andauernden Minuten, werden uns im Einzel-Feedback die Ergebnisse mitgeteilt.

Alle haben bestanden! 

Ich bin happy, erleichtert und einfach froh. Gleichzeitig aber auch irgendwie traurig, weil diese sehr intensive, spannende und interessante Zeit nun vorbei ist.

An dieser Stelle nochmal Danke an alle Teilnehmer, Ausbilder und Biker da draußen.
Falls jemand Fragen oder Interesse an der DIMB Ausbildung bekommen hat, kann er sich gerne bei mir melden. Sehr gerne werde ich meine Erfahrungen dazu weiter geben.
Ansonsten sehen wir uns vielleicht im nächsten Jahr auf einem Lehrgang der DIMB zum Fahrtechniktrainer.

Euer Sebbo

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Uwe Morghen sagte am 25. Januar 2021 um 17:41 Uhr

    Servus Sebbo,

    Super geschrieben und nochmals herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung.
    Wir sehen uns
    LG
    Uwe

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