Ein Bergfreund wird DIMB MTB-Guide

30. Juli 2020

Sportart

Tag 1 – 05.03.2020

Ankunft im Landhaus Felsengarten gegen 8 Uhr, nachdem ich mich mit einem Teilnehmer aus Bissingen an einem Parkplatz getroffen hab und wir als Fahrgemeinschaft angereist sind. Wegen nachhaltig und so….
Hier soll ich also die kommenden Tage die ersten Schritte in Richtung MTB Guide machen und ich habe keine Ahnung was da auf mich so alles zu kommen wird.

Nach einem kurzen Hallo bei der Ankunft, geht es dann auch schon um 9 Uhr im großen Kreis mit den Ausbildern Stephan, Patrick und Ingmar (der den Lehrgang von der DIMB aus fotografisch begleitet) und der ersten Theorieeinheit los.

Es haben sich die unterschiedlichsten Charaktere zusammengefunden.

Bei der Vorstellungsrunde der Teilnehmer ist schnell klar, es sind viele interessante Charaktere mit ganz unterschiedlicher Motivation gekommen. So gibt es einen Hotelier, der für seine Gäste einen Mehrwert schaffen und MTB Touren anbieten möchte. Oder einen evangelischen Pfarrer, der Jugendgruppen guiden will und bspw. Erik aus Hamburg, der auf Rafting-Touren das Mountainbike mitnehmen und dazu eben auch geführte Touren anbieten möchte.

Unterschiedlichste Intentionen, aber alle mit großem Engagement im Lehrgang und in ihrem ehrenamtlichen Einsatz zu Hause.

Ausbilder Stephan stellt uns die DIMB – Deutsche Initiative Mountainbike näher vor und erklärt was diese eigentlich so macht: ausbilden, vermitteln, unterstützen.

Ausbilden von Guides in den Bereichen Guiding und Fahrtechnik. Vermitteln zwischen Initiativen, Behörden und Interessengemeinschaften und unterstützen bei Vorhaben zu Wegebaumaßnahmen.

Beim nächsten Step in Stephans Ausführungen geht es um das Thema Sozial- und Naturverträglichkeit und was zeichnet diese aus. In einem Brainstorming tragen wir diverse Schlagwörter zusammen, bspw. Respekt und Werte, Ressourcen schonen, usw.

Sehr schnell kommen wir dann bei den DIMB-Trailrules an:
1. Fahre nur auf Wegen
2. Hinterlasse keine Spuren
3. Halte dein Mountainbike unter Kontrolle
4. Respektiere andere Naturnutzer
5. Nimm Rücksicht auf Tiere
6. Plane im Voraus

Auch Orientierung muss geübt sein!

Beim Thema Karten und Strecke ist es dann schon etwas konkreter. Ausbilder Patrick, der im Pfälzerwald die Bikeschule Trailrock betreibt, erklärt uns sehr anschaulich und mit viel Humor wie essentiell Ortskenntnis und die richtige Orientierung im Gelände sind.
Warum? Ganz einfach, hat man einen Notfall irgendwo in der Pampa, muss man in der Lage sein so schnell wie möglich Hilfe zu organisieren. Wichtig auch, um auf unvorhersehbare Probleme (bspw. Wegsperrungen) reagieren und die Route spontan anpassen zu können. Daher ist es unbedingt notwendig sich in dem Gelände, in dem man sich bewegt auch auszukennen. 

Und raus geht‘s auf die Trails rund um den Sportpark Bundenthal. Das dortige Gelände ist für die kommenden Tage unsere „Spielwiese“.
Und das Wetter? Sagen wir es mal so….bäh bäh bäh! Regen den ganzen Tag. Hier sollte ich einen DIRTLEJ – Core Edition Dirtsuit – Radeinteiler dabei haben. Trotzdem ist der erste Tag unglaublich spaßig und weckt die Neugier auf die kommenden Tage. 

Tag 2 – 06.03.2020

Ein neuer Tag, 7 Uhr Frühstück und gegen 8.30 Uhr in legerer Kleidung wieder im Lehrgangsraum zur Theorie.

Heute ist das Thema in erster Linie Tourvorbereitung, Planung und Nachbereitung der Tour.
Warum kann eine Nachbereitung einer Tour für einen Guide sehr wichtig werden?
Nun, wenn es im schlimmsten Fall zu einer Notfallsituation auf der Tour kommt, ist es für einen Guide sehr wichtig, anhand eines Protokolls nachzuweisen wie die Sache aus seiner Sicht abgelaufen ist. Somit kann er sich aus haftungstechnischer Sicht besser absichern.

Welche Zielgruppe möchte ich ansprechen?

Als Kernstück der Tourvorbereitung ist hier sicher die Ausschreibung der Tour zu nennen. Über diese kann der Guide „steuern“ für welche Teilnehmer die Tour gedacht ist und so unschöne Überraschungen vermeiden. Anforderungen an Kondition und Fahrtechnik korrekt und deutlich zu kommunizieren sind essentiell wichtig, um die Teilnehmer nicht zu über- oder unterfordern.

Welche weiteren Tools hab ich zur Planung noch zur Verfügung?
Apps, Internetseiten der Fremdenverkehrsbüros, Foren oder natürlich die gute alte Papierkarte. Alle Tools haben ihre Berechtigung und sollten vom Guide auch genutzt werden. Die Papierkarte sollte im Übrigen auch in Zeiten von Smartphone immer im Rucksack sein!

An der Stelle ein kleiner App-Tipp:

Es gibt in Deutschland sogenannte Rettungspunkte in Wald und Forst. Diese Punkte sind eigentlich für Waldarbeiter gedacht, damit Rettungsmaßnahmen schnell und definiert an einen Punkt, an welchem Handyempfang besteht, navigiert werden können.
Diese Punkte sind wie kleine Rettungsinseln im gesamten Wald verteilt.
Die App „Resq Map“ zeigt diese Punkte in einer Karte an und man kann die Nummer des Punktes im Fall der Fälle angeben. Die App ist für Android und Apple erhältlich.

Theorie für heute abgehakt und damit raus auf die Trails. Glücklicherweise ist Petrus gnädig und es regnet nicht die ganze Zeit  :-P

Heute sollen wir Teilnehmer dann die ersten Meter selbst „guiden“.
Bikecheck, fahren im öffentlichen Verkehr, Einstieg ins Gelände, Kommunikation vor und mit der Gruppe, also das ganze Paket muss von jeden von uns Teilnehmern einmal übernommen werden.
Jeder Teilnehmer darf ein gewisses Teilstück die Gruppe führen und beim Wechsel zum Nächsten gibt es direkt ein Feedback vom Ausbilder und den anderen Gruppenmitgliedern.
Dieses Prinzip des sogenannten“360 Grad“-Feedbacks soll uns von da an ständig begleiten und stellt eine Kernmethode der Guide-Ausbildung bei der DIMB dar.

Wie bekomme ich „Flow“ in eine Gruppe und wie kann ich maximalen Spaß und Genuss als Guide erzeugen ohne dabei den Sicherheitsaspekt zu vernachlässigen? Das ist an diesem Tag der erste Kontakt mit solchen Themen, die, ist man sonst nur für sich selbst unterwegs, eigentlich ganz selbstverständlich sind. Hier wird mir das erste Mal bewusst, wieviel das Thema Guiding auch mit Psychologie zu tun hat. Sehr spannend!

Tag 3 – 07.03.2020

Same same, but different….Frühstück um 7 und dann in legerer Kleidung in den Seminarraum.

Der sicherlich interessanteste und auch stressigste Tag steht uns bevor – Notfallmanagement!

In der recht trockenen, aber durchaus wichtigen Theorie geht es heute zunächst um Haftungsfragen und spezielle Versicherungen für MTB Guides. Die normale Haftpflicht, die man so kennt, deckt nämlich meist im Falle eines Falles nicht ausreichend unmittelbare Schäden und Folgeschäden ab.

Aber wie verhalte ich mich als Guide richtig in kritischen Situationen, wie schließe ich Gefahrenquellen bestmöglich aus und wie agiere ich in einer emotional sehr stressigen Notfallsituation?

Hierzu geht es für uns dann wieder auf die Wege und Trails. Erneut übernehmen wir Teilnehmer etappenweise das Guiding. Unsere Ausbilder Stephan und Patrick haben sich für uns die eine oder andere „Gemeinheit“ ausgedacht. So hat einer der Jungs plötzlich „ganz große Probleme“ einen Anstieg hoch zu kommen. Patrick lässt sich dazu Luft aus dem Hinterrad und simuliert so quasi einen technischen Defekt.

Eine Notfallsituation effektiv meistern.


An anderer Stelle stellt er einen Sturz nach, indem er kontrolliert über den Lenker geht (Respekt an dieser Stelle an seine Fahrtechnik. Ich fahre in diesem Moment direkt hinter ihm und erschrecke mich zu Tode). Er ist nicht verletzt, daher kann es recht schnell weiter gehen.
Tja, dann bin ich dran und darf ein Teilstück auf einem schönen, flowigen Trail führen, als es plötzlich hinten in der Gruppe knallt, kracht und schreit…


Ingmar liegt flach auf einem Felsenteppich und klagt über sehr starke Schmerzen in der Schulter. So, nun stehst du da, hast eine Gruppe mit 7-8 Leuten, die sich in der Gegend nicht auskennen und du musst schauen wie du diese Situation am effektivsten meisterst.

Man kann sich ja darauf einstellen, dass irgendwas kommt und dass es nur simuliert ist, aber trotzdem schießt einem das Adrenalin ins Blut. Dabei ist es wirklich interessant, was man in einer solchen Situation über sich selbst lernen kann. 

Dazu kommt bei dieser Übungstour das Thema Sorgfalt. Also wie verhalte ich mich als Guide bestmöglich natur- und sozialverträglich und wie werde ich meinem Vorbildcharakter am besten gerecht. Im Kern geht es auch hier wieder um die DIMB Trailrules, ihr erinnert euch?

Wie an jedem Tag bekomme ich direkt nach meiner Etappe das Feedback und kann so für mich das Maximum an Erfahrung rausziehen. An der Stelle sei erwähnt, dass es hier wirklich wichtig ist Fehler zu machen, da man aus diesen definitiv am meisten lernen kann.

Tatsächlich sehen wir an diesem Lehrgangstag sogar etwas die Sonne und da alle Ausbilder und Teilnehmer ohne Verletzung wieder an der Unterkunft ankommen, wird es am Abend auch Zeit für eine Belohnung….die ausgezeichnete pfälzische Küche!

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