Schuhe Abenteuer. Foto: La Sportiva

Die richtigen Schuhe für Dein Outdoor-Abenteuer!

28. Mai 2015

Dachstein Outdoor-Schuhe

Die richtigen Outdoor Schuhe bilden die Basis für unbeschwerte Ausflüge an der frischen Luft

Bei der Wahl des passenden Schuhwerks für Unternehmungen im Freien sollte man sich Zeit nehmen. Da stellen sich nämlich so einige Fragen, die man besser im Vornherein klären sollte, um später keine Probleme mit unpassendem Schuhwerk oder schmerzenden Füßen zu bekommen. Da zählen nicht nur körperliche Beschwerden wie die bekannten Blasen dazu, sondern auch ein Schuh, der dem Einsatzzweck nicht entspricht, wird keine Freude bereiten oder nicht ausreichend Stabilität und Sicherheit bieten.

Buchstäblich bilden die richtigen Outdoorschuhe die Basis für unbeschwerte Ausflüge an der frischen Luft. Allerdings ist das Angebot inzwischen so groß, dass man zwischen Expeditionsstiefeln und Sandalen nicht allzu leicht das passende Modell für den persönlichen Bedarf findet. Deshalb gibt es hier einige Infos rund um die Themen, welche beim Kauf qualitativer Outdoor Schuhe interessant und zu beachten sind. Dazu zählen die Schuhart, Materialien, Aufbau, Einsatzgebiete und freilich die kleinen Details, die ein gutes Ausrüstungsteil nicht selten zum Lieblingsstück abrunden.

Welche Kategorien von Outdoor- und Wanderschuhen gibt es denn überhaupt?

Das deutsche Traditionsunternehmen Meindl hat eine interessante und sinnvolle Kategorisierung für Wander- und Bergschuhe etabliert, an der sich der Wandersmann sehr gut orientieren kann, wenn es darum geht, das passende Schuhwerk zum Trekking, Wandern und Bergsteigen zu finden. Es soll hier zur ersten Orientierung im Schuhdschungel dienen:

Lowa - Tibet GTX Hi - Wanderschuhe

Lowa – Tibet GTX Hi – Wanderschuhe

  • Kategorie A: Leichte Wanderschuhe (meist Halbschuhe) für Wald- und Wiesenwege mit flexibler Sohle und wenig Dämpfung für den Alltag draußen sowie für kürzere Wanderungen mit leichtem Gepäck (Daypack) auf weitgehend flachen und befestigten Wegen.
  • Kategorie A/B: Hohe Wanderschuhe für ausgedehnte Tagestouren oder Touren mit Übernachtung und mittelschwerem Gepäck (Rucksäcke bis ca. 35 Liter) sowie für weitgehend befestigte Wege mit (deutlichen) Anstiegen und vereinzelt losem Untergrund. Die Sohle ist verwindbar, aber relativ steif und dick.
  • Kategorie B: Klassischer Trekkingstiefel mit verwindungssteifer Sohle, dicker Zwischensohle für viel Dämpfung und mit hoher Schnürung. Meist aus Leder und je nach Modell wiederbesohlbar. Geeignet für mehrtägige Touren mit großem Rucksack (Trekkingrucksack 40-70 Liter) und bergiges sowie streckenweise unwegsames Gelände, aber dennoch mit klarer Streckenführung. Mit Grödeln verwendbar. Nicht zu empfehlen für lange Bergtouren, unter sehr kalten Bedingungen oder für hohe Lagen (über 3000 Meter). Allerdings in Kombination mit dicken Wollsocken ideal als leichter Winter(wander)schuh einsetzbar.
  • Kategorie B/C: Schwere Trekkingstiefel für Touren auf unwegsamem, steilem Gelände, unter Umständen ohne direkte Wegführung sowie für kürzere Wintertouren bei eisigem Wetter. Steife Sohle mit tiefem Profil, sehr hohe Schnürung und stabiler Schaft. Für Klettersteige und in höheren Lagen (um 3000 bis 4000 Meter) geeignet. Für Grödel und Steigeisen mit doppelter Korbbindung geeignet. Ab dieser Kategorie aufsteigend sind in der Regel alle Modelle wiederbesohlbar.
Salewa - Women's Condor Evo GTX - Bergschuhe

Salewa – Women’s Condor Evo GTX – Bergschuhe

  • Kategorie C: Bergstiefel für Touren auf sehr grobem und steilem Untergrund, Eis und Firn sowie stark abseits befestigter Wege. Auch für mehrtägige Touren im Winter oder in größeren Höhen (etwa bis 5000 Meter) einsetzbar. Sehr hoher Schaft, meist zusätzlich isoliert. Eine Kante an der Ferse erlaubt Verwendung von halbautomatischen Steigeisen (Kippbügel hinten, einfache Korbbindung vorne). Hohes Gewicht, sehr tiefes Profil und extrem robuste Materialien.
  • Kategorie D: Expeditionsstiefel mit herausnehmbarem, isoliertem Innenschuh, extrem robuster und langlebiger Verarbeitung für Höhen- und Extrembergsteigen oder Expeditionen. Voll steigeisenfest. Ideal auch für Gletscher, lange Wintertouren sowie Eis- und Mixed-Klettern.

So viel als erste Orientierung für Wander-, Trekking- und Bergschuhe. Hier gilt es neben den Unterschieden im primären Einsatzzweck besonders das Obermaterial (Leder oder Synthetik), die Wetterfestigkeit (wasserdichter Schuh mit Membran oder besonders atmungsaktiver, membranloser Schuh) und das Material des Innenfutters (Mesh oder Leder) zu berücksichtigen. Das sind aber Fragen des Anspruchs und Komforts, die jeder für sich selbst beantworten muss. So kommt zum Beispiel nicht jeder mit Naturprodukten zurecht. Leder ist zwar in der Regel robuster und langlebiger, aber auch pflegeintensiver als synthetische Gewebe, welche schnell trocknen und leichter sind.

Und sonstige Schuhe? – Halbschuhe

Weiterhin gibt es besonders unter den Halbschuhen einige Unterkategorien, die sich nach speziellen Einsatzzwecken richten und unter die A-Kategorie fallen.

Bei Multisportschuhen handelt es sich um leichte Wanderschuhe im alltagstauglichen Design oder besonders robuste Laufschuhe, welche ein extra leichtes Obergewebe mit der Sohle eines Wanderschuhs verbinden. Sie sind optisch ansprechend, sportlich-leicht und im Alltag sowie auf leichten Wanderungen oder beim Spazieren perfekt aufgehoben. Sie eignen sich aber auch zum Speedhiking in mäßigen Höhen, solange man wenig Gepäck dabei hat.

Scarpa - Women's Zen Pro Mid GTX - Approachschuhe

Scarpa – Women’s Zen Pro Mid GTX – Approachschuhe

Für Kletterer interessant sind die sogenannten Approach- oder Zustiegsschuhe. Dabei handelt es sich in der Regel um halbhohe Schuhe mit einer robusten und relativ steifen Laufsohle, die vorne am Innenfuß über eine Kante für leichte Klettereien (wie bei Kletterschuhen) verfügen. Die Optik und der Aufbau sind mit Wanderschuhen vergleichbar, allerdings ist neben der Sohle auch die weit nach vorne reichende Schnürung den Kletterschuhen nachempfunden. Diese Schuhe sind ideal für den Weg vom Auto über Hänge und Geröll zum Felsen sowie zum Sichern oder für einfache Klettersteige. Approachschuhe sind bergorientiert und zählen zu den A/B-Schuhen. Das Design ist sportlich und alltagstauglich. Modelle mit weicherer Sohle können auch mal beim Wandern eingesetzt werden. Die Dämpfung eignet die Schuhe zur Verwendung mit Tourenrucksack und Hardware.

Spezielle Sportschuhe

Kletterschuhe sind mehr oder weniger vorgekrümmt und asymmetrisch, passgenau (je mehr dieser Merkmale, desto unbequemer und desto ambitionierter), haben eine markante Kletterkante vorne am Innenfuß und eine weit nach vorne reichende Schnürung oder Klettverschlüssen (meist eine Frage der Bequemlichkeit). Ober- und Futterstoff sind häufig eins und meist aus Leder. Außerdem haben sie eine komplett glatte Gummisohle. Die garantiert den besten Halt auf kleinsten Tritten.

Mammut - MTR 201 Tech Low - Trailrunningschuhe

Mammut – MTR 201 Tech Low – Trailrunningschuhe

Lauf- und Trailrunningschuhe sind sehr leicht und verfügen über eine höchst flexible und gedämpfte Sohle. Das synthetische Obermaterial ist hochgradig atmungsaktiv und je nach Modell gibt es zwischen Außenstoff und Meshfutter eine wasserdichte Membrane oder eben nicht. Es gibt spezielle Schnellschnürsysteme sowie Unterschiede im Sohlenprofil je nach bevorzugtem Trainingsuntergrund. Auch im Alltag sind Laufschuhe vielseitige, unbeschwerte Begleiter.

Fahrradschuhe gibt es für’s MTB oder Rennrad. Hier ist besonders auf die Eignung für die Pedalplatten sowie das Verschlusssystem zu achten.

Sommerschuhe

Reine Sommerschuhe sind verschiedene Arten von Sandalen und Wasserschuhe. Sie dienen im Urlaub im sommerlichen Alltag, beim Kajak- oder Kanufahren sowie beim Einsatz im Wasser und an Land als ordentliche Begleiter. Zehensandalen sind besonders alltagstauglich – hier kommt es auf Design und Komfort an. Trekkingsandalen haben eine Laufsohle wie leichte Wanderschuhe und sind moderat gedämpft. Sie können bei Wander-Tagestouren mit wenig Gepäck oder als Zweitschuhe beim Sommertrekking verwendet werden. Hier gibt es wasserfeste Modelle sowie Varianten in weichem Leder und aus schnell trocknender Synthetik. Die Riemenanordnung sollte unbedingt den Komfortansprüchen gerecht werden. Wasserschuhe sind oben aus besonders schnell trocknendem Meshgewebe oder in der Art einer Sandale gefertigt und kommen mit einer rutschfesten, profilierten Sohle für felsigen, nassen Untergrund daher. Sie eignen sich besonders für Bootstouren.

Winterschuhe

Lundhags - Women's Polar Quest - Winterschuhe

Lundhags – Women’s Polar Quest – Winterschuhe

Bei den Winterschuhen unterscheidet man zwischen reinen Winterstiefeln und Winterwanderschuhen. Letztere sind A/B- oder B-Schuhe in Stiefelform. Sie sind immer wasserdicht, innen gefüttert und mit einer besonders rutschfesten Sohle versehen und unterscheiden sich damit von ihren Drei-Jahreszeiten-Kollegen aus dem Wanderbereich. Ein glattes Obermaterial ist besser von Schneematsch zu reinigen. Die Isolation besteht entweder aus weichem Fleece, besonders leichter und warmer Kunstfaser oder natürlicher, geruchshemmender Schurwolle. Manchmal gibt es einen herausnehmbaren Innenschuh, der als Hüttenschuh verwendet werden kann. Winterwanderschuhe sind für Tourenrucksäcke bis etwa 50 Liter ausreichend gedämpft.

Reine Winterschuhe sind mit einer rutschfesten Sohle und Isolation versehen, aber nicht für Wanderungen gemacht, da ungedämpft. Es gibt Halbschuhe, modische Stiefel und besonders leichte Daunenschuhe. Hier spielen besonders der optische Aspekt und Details wie die Schnürung, die Isolationsleistung (Daune ist am wärmsten, gefolgt von Kunstfaser, dann Wolle und Fleece) und das Obergewebe (Leder oder Synthetik) eine Rolle.

Alltagsschuhe

Haus- und Hüttenschuhe sind auch für warme Füße gemacht, aber können im ganzen Jahr getragen werden. Hier gibt es ganz weiche und leichte Modelle für’s Sofa und Varianten mit stabiler Sohle zum Müllrausbringen. Meistens werden Wollfilz, Daune, Kunstfaser und Leder verwendet. Ganz klar Schuhe, bei denen Komfort und Design die größte Rolle spielen!
Auch Gummistiefel sind Alltagsschuhe und im ganzen Jahr einsetzbar. Hier kommt es auf die Schafthöhe und gegebenenfalls den Verschluss an.

Sneaker und Freizeitschuhe eignen sich zum Slacklinen, nach dem Training, für den Weg zur Uni und ins Büro und werden daher klar nach Design- und Komfortmerkmalen gekauft.

Was man sonst beachten sollte

Generell sind Herrenmodelle meist breiter geschnitten, Damenleisten häufig schlank. Outdoorschuhe kauft man im Zweifelsfall etwas größer, gerade bei Wanderschuhen und Stiefeln wird man häufig eine Größe weiter oben landen. Viele Modelle sind mittlerweile nachhaltig produziert und werden ganz oder teilweise recycelt sowie aus Biomaterialien hergestellt.

Wichtig für die Anprobe: nachmittags und mit authentischen Socken! Damit steht der passenden Schuhauswahl nichts mehr im Wege!

Wenn Du noch Fragen hast, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Hannes ist hier unser Fachmann in Sachen Outdoor Schuhen. Du erreichst ihn unter der Woche telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Im Bereich Klettern und Outdoor tut sich viel. Neue Produkte werden erfunden, bestehende überarbeitet oder verbessert und auch wir lernen täglich viel dazu. Und natürlich wollen wir unser Wissen an unsere Kunden weitergeben. Daher überarbeiten wir regelmäßig unsere Artikel im Basislager. Wunder Dich also nicht, wenn nach ein paar Monaten ein paar Dinge anders sind. Dieser Artikel wurde zuletzt am 01.02.2016 überarbeitet.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Wanderfan sagte am 23. September 2016 um 05:28 Uhr

    Suche Wanderschuh halbhoch ohne diese üblich gewordenen (gewölbten) Einlagesohlen. Brauche sie flach, so wie früher. Gibt es die noch und wer führt sie?

  2. Jörn sagte am 23. September 2016 um 11:20 Uhr

    Hi :)

    puh, kniffliges Thema. Die Hersteller haben in der Regel vermehrt angepasste Einlagen in den Schuhen. Mein Kollege Hannes ist da aber genau der richtige Ansprechpartner für dich – er meldet sich bei dir!

    Liebe Grüße,

    Jörn

  3. Christian sagte am 16. Oktober 2016 um 20:26 Uhr

    Moin, ich suche Wanderstiefel, die mich auf lange Sicht (3-4 Jahre) auf dem West Highlandway begleiten sollen. Natürlich mit Rucksack und dem ganzen Tamtam. Nach ganz viel rumprobieren bin ich bei den LOWA Modellen Renegade GTX und Lavaredo GTX gelandet. Der Renegade ist natürlich schön leicht, aber die Sohle ist halt noch etwas weicher als die vom Lavaredo und der hat auch eine Option auf Wiederbesohlen. Ist zwar keine Vibram Sohle, aber LOWA hat glaube ich auch das Knoffhoff dafür. Jetzt frage ich mich: Ist eine zu harte Sohle schlimm? Oder ist zu viel in dem Sinne egal, wenn man mit harten Sohlen angenehm gehen kann? Ich bin es von der Feuerwehr gewohnt, schwere Stiefel zu tragen und hab damit keine Probleme, nur die Sohlen sind nicht ganz so hart.

    Gruß Christian

  4. Jörn sagte am 17. Oktober 2016 um 08:13 Uhr

    Hi Christian,

    ein schönes Ziel, das du dir da ausgesucht hast! :)

    Zum Thema: Leider kann man keine ganz so allgemein gültige Aussage zu treffen, da es unter anderem natürlich auf das Gelände ankommt. Musst du viel Klettern oder hast gar Steigeisen dabei, dann sind steifere Sohlen eher angesagt. Wird viel gewandert, würde ich eher zur weicheren Sohle tendieren. Letztlich ist es aber auch Geschmackssache. Ich komme in den Bergen auch mit meinen Trailrunningschuhen super klar, selbst wenn es mal kraxelig wird. Persönlich würde ich daher wohl zum Renegade tendieren.

    Ich hoffe, das hilft dir weiter!

    Viele Grüße,

    Jörn

Andere Bergfreunde freuen sich auf deinen Kommentar