Die neun größten Outdoor Mythen

24. Oktober 2019

Outdoor Mythos Nummer 1

Karte und Kompass sind dank GPS und Smartphone überflüssig.

Zum Selfies machen taugt das Smartphone gut, aber sich auf Onlinekarten zu verlassen könnte schwierig werden, wenn der Empfang nachlässt.

Am unzuverlässigsten erweist sich im Vergleich zwischen GPS Gerät, Kombination aus Kompass und Karte und Smartphone, das Smartphone. Fehlendes Datennetz, schlechte Verbindung zum Satelliten und sehr begrenzte Akku-Laufzeit – wer sich beim Wandern und Bergwandern auf sein mobiles Telefon verlässt, könnte früher oder später orientierungslos im Wald stehen.

Was im Großstadtdschungel oft sehr hilfreich ist und meist auch gut funktioniert, entpuppt sich im Gebirge, im Wald, in abgelegenen Regionen und schmalen Tälern oft als schlichtweg nutzlos. Etwas besser schlagen sich hier reine GPS Geräte. Empfang und Akkuleistung sind deutlich besser, aber auch hier gilt: wer sich nur auf den elektronischen Helfer verlässt, schaut vielleicht irgendwann ratlos auf einen dunklen Bildschirm. Zumindest als Ergänzung gehören daher bei jeder größeren Wanderung eine passende Wanderkarte und ein Kompass ins Gepäck. Den Umgang damit sollte man am besten vorher üben, bevor der Akku im GPS Gerät den Geist aufgegeben hat.

Outdoor Mythos Nummer 2

Dank meiner atmungsaktiven Regenjacke bleibe ich beim Wandern immer trocken.

Eine atmungsaktive Regenjacke hat viele Vorteile. Allerdings nur unter den passenden Bedingungen.

Funktionelle Hardshelljacken sind nicht nur wasserdicht und windundurchlässig, sondern auch atmungsaktiv. Das unterscheidet die Regenjacken beispielsweise vom gummierten „Ölzeug“, das Fischer, Angler und Seefahrer bei rauer See meistens tragen. Die Atmungsaktivität der Outdoorjacken wird durch mikroporöse Membrane, wie zum Beispiel Gore-Tex und Co. ermöglicht.

Sie verfügen über winzige Öffnungen, die den Wasserdampf nach außen entweichen lassen, während selbst die kleinsten Wassertropfen noch immer viel zu groß sind, um nach innen zu gelangen. Zwei Faktoren begrenzen jedoch leider die Atmungsaktivität der Membrane. Zum ersten benötigen die Membrane ein gewisses Temperaturgefälle, um optimal zu funktionieren. Das bedeutet, bei tropischen Temperaturen funktioniert das „Dampf ablassen“ durch die Mikroporen nicht mehr, denn der Temperaturunterschied zwischen „in der Jacke“ und Außentemperatur ist zu niedrig.

Zum anderen können Wanderer bei anstrengenden Wanderungen deutlich mehr schwitzen, als die Regenjacke im besten Fall nach außen abgeben kann. Obwohl kein Regen von außen eindringt, feuchtet man so langsam von innen durch. Verhindern lässt sich das zwar nie komplett (außer man bewegt sich nicht), aber funktionelle Zwischenschichten, die den Schweiß gut weiterleiten und schnell trocknen, machen das Wandern mit Regenjacke trotzdem um einiges angenehmer.

Outdoor Mythos Nummer 3

Im Winter muss man nicht so viel trinken, denn man schwitzt ja auch weniger.

Man sollte immer ausreichend trinken, egal bei welcher Jahreszeit. Funktionen wie Trinkrucksäcke oder Apps können helfen, mehr Wasser zu trinken.

Bei anstrengenden Wanderungen, Bergwanderungen und Kletterpartien kommen Wanderer und Bergsportler auch im Winter ins Schwitzen. Die Menge an Flüssigkeit, die der Körper dabei verliert, ist zwar von Person zu Person verschieden und sie kann auch unter der Menge liegen, die man bei gleicher Aktivität an einem sehr heißen Sommertag verlieren würde. Allerdings erfolgt das Schwitzen im Winter eher unauffällig.

Während der Schweiß im Sommer vom Gesicht tropft, schwitzen Sportler im Winter vor allem unter der Bekleidung: unter der Jacke, unter der Mütze und in den Handschuhen. Gleichzeitig verliert der Körper durch die Atmung in der zumeist trockenen Winterluft besonders viel Flüssigkeit. Trotzdem sinkt im Winter bei vielen Menschen das subjektive Durstgefühl. Deshalb gilt es im Winter etwa die gleiche Menge zu trinken, wie bei wärmeren Temperaturen. Normalerweise sollten sich Bergsportler dabei nach ihrem individuellen Durst richten. Falls man jedoch dazu neigt im Winter eher keinen Durst zu verspüren, können beispielsweise entsprechende Apps dezent ans Trinken erinnern. Isolierende Flaschen oder isolierte Trinksysteme sind dabei ein Muss, denn sonst wird aus der Trinkflasche schnell ein großer Eiswürfel.

Outdoor Mythos Nummer 4

Ab 1000 Meter Höhe duzen sich alle Wanderer.

Ab 1000 Meter darf ich duzen? Na ja, so einfach ist es dann auch wieder nicht. Ein bisschen Gespür für die Situation braucht man dann doch.

Was sich im englischsprachigen Raum und in internationalen Expeditionen aufgrund des fehlenden „Sie“ in der englischen Sprache automatisch ergibt, stellt Wanderer, und Bergwanderer im deutschsprachigen Raum immer wieder vor die Frage: Soll ich „Siezen“? Darf ich „Duzen“? Sollte ich vielleicht sogar „duzen“? In diesem Zusammenhang liest man manchmal vor der 1000 Meter Regel.

Sie besagt, dass alle Wanderer ab etwa 1000 Meter Höhe zum lockeren „Du“ übergehen. Grundsätzlich und allgemein gültig ist diese Regel allerdings nicht. Viele Orte in den Alpen liegen bereits auf einer Höhe über 1000 Meter und auch auf einer wesentlich höheren Berghütte ist es nicht unbedingt angebracht jeden Wanderer wahllos zu duzen.

Vielmehr ist die „Regel“ eine situationsabhängige Empfehlung. Wenn Wanderer sich auf einem schmalen Bergweg begegnen, freundlich grüßen und beispielsweise kurz über Wegbeschaffenheit oder Wetter unterhalten, dann kann ein lockeres „Du“ durchaus angebracht sein. Dafür spielt es aber keine Rolle, ob man sich auf 300 Meter oder 3000 Meter über dem Meeresspiegel befindet. (Ja, es gibt auch Wanderwege im Mittelgebirge, im Flachland und an den Küsten.)

Fakt ist aber, dass viele Wanderer sich in abgelegeneren Regionen (egal, ob durch Höhe oder durch andere Faktoren bedingt) eher grüßen, schneller ins Gespräch kommen und auch häufiger direkt zum „Du“ greifen. Da hilft es jedoch nur, die Situation passend einzuschätzen und nicht der Blick auf den Höhenmesser.

Outdoor Mythos Nummer 5

Ein Zwei-Personen-Zelt bietet genügend Platz für zwei Personen.

Zu zweit im 2-Mann-Zelt kann es ganz schön eng werden. Vor allem mit Gepäck.

Wenn Zelthersteller ihre Empfehlungen für die Anzahl der Personen im Zelt aussprechen, gehen sie recht simpel vor: Sie nehmen ihren Zelt-Grundriss und ihren Mumienschlafsack in Standardlänge und Standardbreite. Dann wird getestet wie oft dieser standardisierte Schläfer auf den Zeltboden passt und heraus kommt die theoretische Personenzahl.

Dass es auch größere Menschen, breitere Camper, Menschen, die sich im Zelt etwas bewegen möchten und dass es dazu auch noch Gepäck gibt, berücksichtigt diese Vorgehensweise nur teilweise. Wenn das Zelt also für zwei Personen Platz bietet, dann passen schon auch zwei Personen rein. Im Regen übernachten, muss also keiner von den beiden.

Wirklich gut und komfortabel schlafen aber beide höchstwahrscheinlich nicht. Für Trekkingtouren und alle, die auf das Zeltgewicht achten müssen, ist es daher ratsam, das Zelt immer eine Nummer größer zu wählen. Für zwei Personen also lieber ein Drei-Personen-Zelt und für drei Personen eher ein Vier- oder sogar Fünf-Personen-Zelt. Da kann sich jeder Zeltbewohner auch noch bequem umdrehen und das Gepäck findet leichter seinen Platz. Wenn Zeltgewicht und Maße nicht so wichtig sind, wird ein mit zwei Personen besetztes 4-Personenzelt zum echten Raumwunder beim Camping.

Outdoor Mythos Nummer 6

Ein bequemes T-Shirt aus Baumwolle ist optimal für Wanderungen.

Die Investition lohnt sich: Funktionsshirts aus Merinowolle.

Zugegeben – man kann in einem T-Shirt aus Baumwolle sicher gut wandern. Es hat zwar keine Vorteile und sicher auch einige Nachteile – aber es geht schon. Nur gibt es wesentlich bessere Arten von Wanderbekleidung, die erfahrene Wanderer und Bergsportler unter dem Begriff Funktionsbekleidung kennen.

Auch ein T-Shirt aus Baumwolle hat funktionelle Grundzüge: man muss nicht mit unbekleidetem Oberkörper wandern, ist etwas vor Scheuerstellen durch die Rucksackträger geschützt und wenn man das richtige T-Shirt ausgewählt hat, sieht man beim Wandern vielleicht sogar ganz cool aus. Wenn da nur nicht diese Nässe wäre.

Das Problem der Baumwolle ist nämlich, dass sie den Schweiß, der beim Wandern am Körper entsteht, wie ein Schwamm aufsaugt und am liebsten gar nicht mehr loswerden möchte. Das führt in der Regel zu einem klatschnassen Rücken, denn trotz aller Belüftungsversprechen der Rucksackhersteller wird es unter dem Wanderrucksack nun mal warm am Rücken.

Falls dann noch ein Regenschauer kommt oder das T-Shirt unter der Hardshelljacke getragen wird, ist es endgültig vorbei mit „trocken“ und „komfortabel“. Die clevere Alternative ist dagegen Kunstfaser, wie Polyester oder Polyamid. Oft mit etwas stretchfähigem Elasthan ergänzt, sorgen die Funktionsshirts für schnellen Feuchtigkeitsaustausch und sind in kürzester Zeit wieder komplett trocken.

Dabei sind Gewicht und Packmaß viel geringer, als bei Baumwolle. Einziges Manko der Funktionsshirts aus Kunstfaser ist, dass sie beim Wandern oft schnell zu müffeln anfangen. Dagegen helfen entweder spezielle geruchshemmende Fasern oder der Griff zu Wandershirts aus Merinowolle. Die trocknen zwar etwas langsamer, aber dafür tragen sie sich auch nach mehreren anstrengenden Wandertagen immer noch sehr komfortabel und frisch.

Outdoor Mythos Nummer 7

Die Temperaturangaben bei Schlafsäcken sind absolut präzise und allgemeingültig.

Jeder Mensch hat ein anderes Kälteempfinden. Allgemeine Angaben sollten also nur als Orientierung oder Vergleichswerkzeug benutzt werden.

Daunenschlafsäcke und Kunstfaserschlafsäcke sind mit drei Temperaturangaben gekennzeichnet. Die Komfortzone, das Temperaturlimit und zusätzlich noch die Extremtemperatur. Als Komforttemperatur wird die Temperatur angesehen, bei der eine Frau im Schlafsack komfortabel und ohne zu frieren schläft. Die Limitangabe stellt im Grunde den gleichen Wert für Männer dar.

Die Extremtemperatur dient als Orientierung, bei welcher Temperatur man im Notfall noch ohne Erfrierungen die Nacht übersteht. Dazu kommen allerdings viele Faktoren, die nicht auf dem Schlafsack angegeben werden. Das individuelle Kälteempfinden, die Isomatte, das Zelt, der Lagerplatz

Im Allgemeinen frieren gut trainierte Sportler aufgrund ihrer höheren Muskelmasse weniger als normale Camper. Frauen frieren schneller als Männer. Ältere Menschen frieren eher als jüngere Menschen. Dünnere Camper produzieren weniger Wärme als dickere Schläfer. Hinzu kommen noch eine mehr oder weniger gute Passform der Schlafsäcke, die richtige Lagerung und Pflege, sowie die ideale Bekleidung zum Schlafen im Schlafsack.

Zwischen all diesen Kriterien befindet sich die individuell „echte“ Komforttemperatur. Zur Einordnung und zur Vergleichbarkeit eignen sich die Temperaturkennzeichnungen allerdings ziemlich gut. Im Zweifelsfall ist es auch immer einfacher einen wärmeren Schlafsack zu öffnen und zu belüften, als einen dünnen Schlafsack wärmer zu machen.

Outdoor Mythos Nummer 8

Im Notfall hilft mir mein Erste-Hilfe-Set.

Eine gute Idee: Ein Erste-Hilfe-Set im Gepäck. Eine noch bessere Idee: Sich davor damit auseinandersetzen.

Ein Erste-Hilfe-Set zum Wandern und Bergsteigen mitzuführen ist grundsätzlich schon mal gut. Allerdings hilft das Set auch nicht in jeder Situation, denn es enthält meist „nur“ eine Auswahl an Verbandsmaterial. Es ist leider davon auszugehen, dass viele Bergsportler den Inhalt ihres Erste-Hilfe-Sets zum ersten Mal sehen, wenn sich jemand verletzt hat.

Da bleibt nur zu hoffen, dass in diesem Fall nur ein Pflaster benötigt wird. Wer ein Erste-Hilfe-Set im Rucksack mit sich trägt, hat davon am meisten, wenn er sich auch das nötige Wissen aneignet, um das Maximum aus dem Set-Inhalt herauszuholen. Wie lege ich einen Verband an? Was mache ich bei einer Verbrennung? Einer Schnittwunde? Wie kann ich erste Hilfe leisten, wenn jemand gestürzt ist? Wer sich vor einer Tour mit solchen Fragen auseinandersetzt und im besten Fall vielleicht sogar einen Erste-Hilfe-Kurs auffrischt, hat die optimalen Voraussetzungen, um im Ernstfall mit dem Set auch Erste Hilfe leisten zu können.

Outdoor Mythos Nummer 9

Meine Banane verrottet in der Natur, deshalb kann ich sie beim Wandern einfach wegwerfen.

Nach der Vesperpause sollte man nichts hinterlassen… auch wenn es „nur“ die Bananenschale ist.

Im Vergleich zu einer Plastikflasche, die in den Bergen so schlappe 500 – 1000 Jahre zum Verrotten benötigt, zersetzt sich die achtlos weggeworfene Bananenschale tatsächlich schnell. „Nur“ 1 – 3 Jahre benötigt die Schale der tropischen Frucht dafür. Aber selbst, wenn sie nur 4 Wochen benötigen würde, wäre das noch lange kein Grund, sie einfach in den Bergen zu entsorgen.

Vielmehr gilt es einfach seinen kompletten Müll wieder mit nach Hause zu nehmen und dort zu entsorgen. Was sich im Fall der Plastikflasche zum Glück im Alpenraum sehr weit herumgesprochen hat, gilt bei Bananenschalen und Co. noch oft als akzeptabel. Das mag vielleicht daran liegen, dass viele Wanderer gar nicht wissen, dass es Jahre dauert, bis ihr Müll verrottet ist. Diesbezüglich darf man das Wissen seiner Mitwanderer auch gerne erweitern, denn viele Menschen, die sich dessen gar nicht bewusst waren, ändern danach ihre Gewohnheiten.

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