Hohe Geisel und links die Punta del Pin

Die Leiden des jungen Werther – Erstbegehung der Punta del Pin

7. Juli 2016

Sportart

Die Leiden des jungen Raffaeles

Die Leiden des jungen Raffaeles

Das Kletterabenteuer der Bergfreunde Raffaele und Ulrich ließt sich fast wie der Roman von Johann Wolfgang von Goethe. Mit dem Unterschied, dass es sich hierbei nicht um eine fiktionale Geschichte handelt, sondern die zwei Kletterer mit der Unterstützung von Mountain Equipment in der Tat eine Erstbegehung an der Nordwand der Punta del Pin (250m, 7 Seillängen) begangen haben.

Wie es zu diesem zufälligen Abenteuer kam und mit welchen Hindernissen Raffaele und Ulrich zu kämpfen hatten, berichten sie euch selbst.

 

Alpines Kletterabenteuer

Wer ein richtiges alpines Kletterabenteuer in mystischer Umgebung sucht, der wird in den Pragser Dolomiten, an der Nordwand der Punta del Pin fündig. Schon viel habe ich dort über eine atemberaubende Risslinie, welche von Heli Gargitter erstbegangen wurde, gehört. Dieses Jahr war es nun endlich soweit und ich begab mich mit meinem äußerst motivierten Seilpartner Raffi auf eine unvergessliche Reise. Eigentlich fiel dieses Wochenende die Entscheidung auf eine klassische Dolomitentour am Langkofel, allerdings mussten wir feststellen, dass sämtliche Dolomitenpässe aufgrund eines Radrennens gesperrt waren. Wir entschlossen uns somit kurzfristig einen Blick auf die Nordwand der Punta del Pin zu werfen.

 

Vorbereitung

Schon der Zustieg über die Almwiesen der Plätzwiese lässt die Alltagshektik vergessen und man taucht in eine archaische Welt ein, in der die Zeit still zu stehen scheint. Man konzentriert sich auf das Wesentliche und lebt den intensiven Augenblick des Moments. Dort angekommen, waren wir überwältigt von der Schönheit dieser Wand. Vorherrschend ist bester Dolomitenkalk mit kompakten grauen Platten und vielen Rissen welche die Wand durchziehen. Gut vergleichbar mit dem Schüsselkar in Nordtirol/Leutsch. Wir mussten die Wand nicht lange studieren und die Königslinie war ausgemacht. Ein überwältigendes Risssystem welches sich in direkter Gipfelfalllinie erschließt. Die Geologie der Dolomiten und die vorherrschenden Kräfte, welche zur Entstehung dieser einzigartigen Rissformationen beitrugen, lassen uns in Erfurcht erblassen. Voller Begeisterung kehrten wir in einer Woche mit Zelt und Proviant für zurück. Während sich die breite Masse der Alpinkletterer an den Zinnen NW aufhielten, waren wir dort für uns alleine. In zwei Tagen war es uns nun möglich die Route zu erschließen, wobei wir nur an den Standplätzen Schlaghaken anbrachten. Es gelang uns jede Seillänge ausschließlich mit der Verwendung mobiler Sicherungsmittel (Friends und Klemmkeile) zu klettern und somit ohne Zuhilfenahme von Schlaghaken.

Erschöpfung und Ausgesetztheit

Wir begannen mit einer moderaten Aufwärmseillänge durch eine kompakte Platte. Von dort über einen Riss folgte eine schwierige Boulderstelle durch einen Überhang. So erreichten wir das markante Risssystem, welches die Form eines „C“ hat. Dieses führte uns in zwei weiteren Seillängen unter einen großen Überhang. Von dort gelangen wir über einen spektakulären Schuppenquergang nach links in die furchteinflößende überhängende Rissverschneidung. Es stockte uns der Atem in Anbetracht der Ausgesetztheit. Wir waren bereits physisch sowie psychisch mehr als erschöpft, aber ein Rückzug hätte ein kompliziertes und nicht ungefährliches Seilmanöver bedeutet. Nach einer kurzen Stärkung beschlossen
wir trotzdem einen Versuch zu wagen. Nach einigen Stürzen und motivierenden Worten konnten wir doch noch diesen anspruchsvollen Überhang überwinden. Nun folgte nur mehr leichtes Gelände und wir erreichten überglücklich den Gipfel.

Anfang Juli kehrten wir nochmals zurück und wir konnten unsere Erstbegehung “Rot Punkt“ an einem Tag wiederholen. Somit war es uns möglich jede Seillänge für sich sturzfrei zu durchsteigen. Bis zum Schluss blieb es immer spannend und am Ausstieg erwartete uns ein kräftiges Sommergewitter.

 

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