Alle Artikel zum Thema ‘Die Bergfreunde’

Immer diese Vorurteile. Von wegen kleine Bude mit ein paar Kletterverrückten und Wanderlustigen im Hinterzimmer. Wird Zeit für ein Blick hinter die Kulissen. Klar, eins steht fest: Wir sind echte Bergfexe und in unser Freizeit kraxeln wir auch gerne mal an den senkrechten und überhängenden Wänden herum.

Aber um letztlich alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, erfährst Du hier was wir so treiben und was es neues bei den Bergfreunden gibt. Von Touren, über Mitarbeiter-Aktionen bis hin zu lustigen Geschichten aus den Bergen ist alles dabei.

Erlebt die Bergfreunde in voller Action. Ob beim kraftraubenden, akrobatischen Klettern der ultimativen Route oder der winterlichen Alpenüberquerung.

Trekking auf Madeira

Madeira – Trekking auf der Blumeninsel

14. September 2017
Bergfreunde Pro-Team

Nachdem wir im Frühjahr im Allgäu mit reichlich Sonnenschein verwöhnt wurden meldet sich der Winter Ende April zurück. Bei 1° Grad und Schneeregen packe ich kurze Hosen und ärmellose Laufshirts in meine Reisetasche – denn auf dieser Insel im Atlantik ist das ganze Jahr über Frühling! Madeira ist ein Paradies für Naturliebhaber und Wanderer.

Die immergrüne Insel lockt mit einem milden Klima besonders in den Wintermonaten die sonnenhungrigen Europäer an. Gemeinsam mit der Nachbarinsel Porto Santo gehört Madeira zur Inselgruppe „Ilhas Desertas“ vor der marokkanischen Küste. Madeira gehört zu Portugal und der Name der Insel bedeutet auf Portugiesisch „Holz“. Zwanzig Prozent der Insel sind vom „Laurisilva“, dem Lorbeerwald, bedeckt. Nachdem die Insel im Gegensatz zu Mitteleuropa von der Eiszeit verschont wurde konnten sich auf der Insel eine einzigartige Pflanzenvielfalt behaupten.

Neben dem Lorbeerwald besiedeln Heidewald, Wacholder und unzählige Blumen die steile Landschaft. Auch wilde Orchideen wachsen am Rand der Wanderwege. Das pflücken der wunderschönen Pflanzen sollte man allerdings tunlichst vermeiden – die Insel gehört nicht ohne Grund zum Unesco-Kulturerbe. Die gesamte Insel hat Mittel- bis Hochgebirgscharakter. Die Küste Madeiras fällt steil ins Meer ab und mit dem Cabo Girao befindet sich eine der höchsten Steilklippen in direkter Nähe zur Hauptstadt Funchal. In der Mitte der Insel ragen die höchsten Gipfel empor. Der höchste Berg ist der Pico Ruivo mit 1862 m. Madeira verfügt über mehrere Mesoklimata. Im Norden der Insel regnet es häufig, der Süden ist dagegen subtropisch warm.

Die Levadas – Lebensadern der Insel

Levada – ein Begriff, der untrennbar mit Madeira verbunden ist. Hierbei handelt es sich um künstlich angelegte Wasserkanäle, mit denen das Wasser aus den niederschlagsreichen Regionen im Norden und im Zentrum der Insel zu den landwirtschaftlichen Anbaugebieten im trockeneren Süden geleitet wird – ein äußerst effizientes Bewässerungssystem. Eine Levada-Wanderung sollte jeder Besucher der Insel auf jeden Fall in Erwägung ziehen.

In der regenarmen Zeit von April bis Oktober wird so gut wie jedes Feld der Insel über das Wasser des Levadas bewässert. Heute werden diese Kanäle neben dem Wassertransport vor allem auch touristisch genutzt. Die beliebtesten Wanderwege sind Pfade entlang der Levadas, die in einem ca. 2.000 km langen Netz die ganze Insel durchziehen. Die Orientierung ist meist sehr einfach, man muss nur dem Wasserkanal folgen. Da die Kanäle immer entsprechend der Landschaft verlaufen, gibt es hinter jeder Biegung etwas Neues zu entdecken. Die alten Behausungen der Levadeiros, Wasserfälle und eine vielfältige Pflanzenwelt laden zum Erkunden ein.

Historisches zu den Levadas auf Madeira

Bereits im 15. Jahrhundert wurden auf Madeira die ersten Bewässerungskanäle angelegt. 40 Jahre nach Besiedlung der Insel (1461) bestimmte Prinz Ferdinando zwei Männer, die mit der Verteilung des Wassers beauftragt wurden. Das Ziel war, die großen Wassermengen aus den Quellen auf den steilen Bergen in der Inselmitte an die Hänge und die Täler hinabzuleiten. Ab 1650 wurde das Kanalsystem ausgebaut, um den Zuckerrohranbau und die Wassermühlen mit Wasser zu versorgen.

Zur damaligen Zeit war Madeira einer der größten Produzenten von Zuckerrohr. Afrikanische Sklaven mussten die anstrengenden Bauarbeiten in schwindelerregender Höhe verrichten. Wer heute an den Kanälen entlang wandert, die teilweise aus dem blanken Fels gehauen wurden, kann sich vorstellen unter welchen schwierigen Bedingungen diese entstanden sind. Das Wissen der Mauren war für die Entwicklung und den effizienten Bau der Kanäle auf Madeira entscheidend, da sie bereits über viel Erfahrung im Bau der Bewässerungskanäle verfügten.

Die Levadas heute – Wandern, Bewässerung und Energieerzeugung

Heutzutage werden drei Elektrizitätswerke mit dem Strom der Levadas betrieben, bevor das Wasser wieder dem ursprünglichen Zweck der Bewässerung den Kanälen zugeführt wird. Die Levadas werden von den „Levadeiros“ gewartet und gereinigt, denn das Wasser muss stets gleichmäßig fließen. Deshalb sind alle Wasserkanäle auf einem Pfad neben dem Kanal oder auf der Levadamauer begehbar. Durch die äußerst geringe Steigung von nur einem Meter pro Kilometer sind es meist gemütliche Wanderungen, die für jeden geeignet sind. Über die Fußwege entlang der Levadas gelangt man schnell in die tief eingeschnittenen Täler der Insel und entdeckt dabei die unberührte Landschaft Madeiras. Über insgesamt 70 Kilometer verlaufen die Levadas durch Tunnel. Einige davon sind auf Wanderungen zu begehen. Hier auf jeden Fall eine kleine Stirn- oder Taschenlampe einpacken. In den Tunneln ist es häufig rutschig und feucht.

Wandern auf Madeira

Auf Madeira gibt es ein sehr großes offizielles Wanderwegenetz, beschildert mit PR1 bis PR20. Die Routen zeigen die Vielfalt Madeiras und sind teilweise auch in den Touren der gängigen Wanderführer enthalten. Es handelt es sich meist um Streckenwanderungen und nicht um Rundwanderungen. Insgesamt 5 verschiedene Busunternehmen auf der Insel erleichtern das zurück kommen zum Ausgangspunkt der Wanderung. Am Startpunkt findet sich immer ein ausführliches Schild mit einer Übersichtskarte des Weges und nützlichen Informationen. Die Wege sind mit kleinen Holzwegweisern mit Wegnummer und Name der Strecke eindeutig gekennzeichnet.

Auf Madeira kommen sowohl Wanderer, Trailrunner als auch Mountainbiker voll auf ihre Kosten. Selbst ein paar alpine Touren mit kleinen Kletterpassagen (zum Beispiel am Pico Grande) lassen sich auf der nur 57 km langen und 22 km breiten Insel finden. Wer nicht alleine losziehen möchte, kann zwischen einer großen Zahl an geführten Touren auswählen oder sich direkt einen lokalen Wanderführer organisieren. Als eines der Highlights zählt die mehrtägige Inselüberquerung von Norden nach Süden. Auf dieser Route findet auch jedes Jahr der „Madeira Island Ultra Trail“ statt. Über 800 Läufer nehmen die 115 km lange Strecke mit 7.500 Höhenmetern und unzähligen Treppenstufen unter die Füße. Treppen finden sich hier nicht nur im Einkaufszentrum. Aufgrund des steilen Geländes und zur Vermeidung von Erosion sind auf vielen Wanderwegen Stufen angelegt. Diese erleichtern das Wandern im abschüssigen Gelände im Helfen besonders bei Nässe beim Auf- und Abstieg.

Die Top-Touren auf Madeira

Bei der Vielzahl der rassigen Gipfel, einsamen Levadas und den romantischen Lorbeerwäldern fällt es schwer, die absoluten Highlights zu finden. Dennoch gibt es meiner Meinung nach ein paar Touren, die sich auf jeden Fall lohnen. Bei allen Bergtouren empfiehlt es sich generell, möglichst früh zu starten. Gegen Mittag ziehen die Wolken häufig von der Küste nach oben in die Berge und bleiben dort den Rest des Tages hängen. Die Touren sind dann natürlich trotzdem begehbar, nur leider ohne Aussicht.

  • Trekking auf MadeiraBocca do Risco – 12 km, 300 Höhenmeter im Auf- und Abstieg
    Dieser abenteuerliche Küstensteig führt vom alten Canical-Tunnel bei Machico bis nach Porto da Cruz. Der Wanderweg war früher die schnellste Verbindung zwischen beiden Städten. Die „Borracheiros“ trugen den jungen Wein in Schläuchen aus Ziegenhaut zu Fuß an der Küste entlang. Dabei mussten sie die so genannte „Bocca do Risco,“ die gefährliche Öffnung, überwinden. Wanderwege direkt an der Küste sind auf Madeira rar. Dieser hier begeistert mit Tiefblicken zur Ostküste und hat auch heute nichts von seinem Charme verloren. Bis zur Bocca do Risco verläuft der Weg an einer problemlos zu begehbaren Levada entlang. Ab der Scharte sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig. Einige wenigStellen sind mit Seilen versichert. Nicht bei stürmischem Wetter und Regen begehen!
  • Vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo – 11 km, gut 1300 Höhenmeter im Auf- und Abstieg
    Der spektakuläre Höhenweg zwischen den höchsten Gipfeln der Insel bietet atemberaubende Tiefblicke über die gesamte Insel. Die drei wunderschönen Gipfel auf dieser Tour wurden über einen extra angelegten Steig bereits vor 50 Jahren erschlossen. Die sehr anspruchsvolle Bergtour sollte ebenfalls nur bei gutem Wetter begangen werden. Auf dem Weg werden mehrere Tunnel durchquert. Für die zahlreichen An- und Abstiege sollte man genügend Kondition mitbringen. Der Weg windet sich auf spektakuläre Weise über, durch und an den Gipfeln entlang. Leider ist die Hütte auf dem Pico Ruivo im Moment (Stand: Juni 2017) geschlossen. Zum Ausgangspunkt der Tour kommt man bequem mit dem Mietwagen und man kann direkt an der Radarkuppel auf dem Pico do Arieiro parken. Am besten versuchen, möglichst früh am Berg zu sein bevor die Wolken von der Küste heraufziehen. Besonders zum Sonnenaufgang eine wunderschöne Tour!

  • Die Halbinsel Sao Lourenco – 8 km, 400 Höhenmeter im Auf- und Abstieg

    Diese steile Felsküste im östlichsten Teil der Insel unterscheidet sich sehr von der restlichen Vegetation auf Madeira. Kakteen wachsen empor und die Palmen an der einsamen Hütte am Umkehrpunkt der Tour lassen etwas Wüstenflair aufkommen. Die wildromantische Küste lässt sich über einen gut ausgebauten Wanderweg optimal begehen. Ein paar ausgesetzte Stellen sind mit Seilen gesichert. Der kurze, doch lohnenswerte Anstieg zum Morro do Furado ist etwas anstrengend. Nach Regenfällen überzieht grünes Gras die Halbinsel. Mehrere Aussichtpunkte auf beiden Seiten sorgen dafür, dass bei dieser Wanderung die meisten Wanderer stets mit Kamera unterwegs sind. Es lohnt sich auf jeden Fall, diese gar nicht erst aus der Hand zu legen. Unterwegs bieten sich zwei kleine Buchten mit Kiesstrand zum Baden im Atlantik an, beide sind über einen kurzen Abstieg einfach erreichbar. Durch den häufig starken Wind auf jeden Fall eine Jacke in den Wanderrucksack packen!

  • Caldeirao Verde – die „grüne Hölle“ – 13 km, überwiegend flache Levadawanderung

    Der verwinkelte Wanderweg entlang der „Levada do Caldeirao Verde“ führt hinein in den grünen Kessel und zu einem spektakulären Wasserfall. In einer der ursprünglichsten Regionen der Insel durchquert man mehrere Tunnel, wandert vorbei an rauschenden Wasserfällen und staunt über die Tiefblicke ins Tal. Die Levada ist größtenteils in eine Felswand geschlagen und hier kann sich besonders gut vorstellen, wie aufwändig und anstrengend der Bau der Kanäle im 17. Jahrhundert gewesen sein muss. Der anfangs gut ausgebaute und breite Wanderweg verengt sich im weiteren Verlauf des Weges. Teilweise geht man auf der Mauer entlang der Levada, es ist aber stets ein Geländer vorhanden. Für die dunklen Tunnel sollte die Stirnlampe auf jeden Fall wieder dabei sein. Die dschungelartige Vegetation entlang des Weges begeistert nicht nur Botaniker und es gibt allerhand exotische Pflanzen wie wildwachsende Orchideen zu entdecken. Im Anschluss kann weiter der Levada bis in den „Höllenkessel“ gefolgt werden. Auch hier gibt es einen großen Wasserfall der noch sich noch enger zwischen den Felswänden breit macht.

Die wunderschöne und vielfältige Insel Madeira im Atlantik kann ganzjährlich allen wanderbegeisterten, wärmesuchenden Bergfreunden ans Herz gelegt werden. Neben einer großen Vielfalt an wilden Gipfeltouren, entspannten Levadawanderungen und ausgiebigen Exkursionen durch den Lorbeerwald kann man die Insel auch mit dem Fahrrad erkunden. Und wenn es mal nicht die Berge sein sollen: man kann auch surfen gehen, den vorzüglichen Madeirawein genießen oder durch die botanischen Gärten der Hauptstadt Funchal bummeln.
Sonnenbrille und kurze Hose gehören auf jeden Fall ins Gepäck!

Bergfreund Boris zu Besuch bei CAMP

Bergfreund Boris zu Besuch bei CAMP

27. Mai 2017
Die Bergfreunde

Welcher Bergsportler ist kein Ausrüstungsgeek? Mal ehrlich, wer hat sich noch nie die Frage gestellt wie der eine oder der andere Ausrüstungsgegenstand hergestellt wird? Darum habe ich nicht lange nachdenken müssen als die Einladung zur Firmenbesichtigung bei C.A.M.P. in meinem E-Mail-Eingang aufpoppte. Händlerausflug zur C.A.M.P.-Zentrale in Premana in Italien mit der Möglichkeit hinter die Kulissen einer traditionellen Schmiede schauen zu können, mit den Hardware Entwicklern zu plaudern und oben drauf noch vor Ort die Ausrüstung testen zu können?! Bin ich sofort dabei! Selbst die zwischendurch gegooglete Beschreibung des Klettersteigs, an dem wir die Klettersteigsets und Klettergurte testen sollten, hat mich nicht abgeschreckt – Gamma 2 ist mit D/E bewertet und erfordert viel Armkraft. Wie es sich später herausstellte, war es ein Tippfehler und der mit C bewertete Gamma 1 stand auf dem Plan, was jedoch für viele erleichternd war. Denn der Gamma 2 war noch teilweise mit Schnee bedeckt und Eispickel- und Steigeisen-Tests waren nicht eingeplant.

Auf in die Berge

Bergfreund Boris zu Besuch bei CAMPIch war sehr froh, dass Stefan von „Fels&Eis“ aus Pforzheim mich mit seinem VW-Bus mitnehmen konnte. Die 6,5 Stunden Fahrt auf der Rücksitzbank mit Sofa-Komfort vergingen wie im Fluge und wir kamen (fast) pünktlich zum Abendessen im Albergo Alpino Hotel an. Nach dem dritten Glas Rotwein habe ich dann den Überblick über die Gänge verloren… waren wir beim fünften oder doch schon beim sechsten Gang… egal, am darauffolgenden Tag sollten wir doch alles wieder verbraten und meinem Klettergewicht wird es schon nicht schaden. Außerdem war alles so lecker und die Gesellschaft so sympathisch.

Nach dem Essen kam dann das C.A.M.P.-Dessert: wir durften uns unsere Ausrüstung für den Klettersteig aussuchen. Es ist gar nicht so einfach sich für die passende Klettergurtgröße zu entscheiden, wenn der obere Hosenknopf bereits abgeplatzt ist.

Sollte ich lieber den Jasper CR4 mit vier Schnallen nehmen und nicht lange darüber nachdenken, ob ich bis morgen doch noch eine Konfektionsgröße kleiner werde. Andererseits ist da noch das Frühstück. Ich entschied mich doch für den Flint, da ich gerne sehen wollte was ein Hüftgurt der Einstiegsklasse leisten kann. Außerdem sollte er mir in M auch auf leeren Magen nicht zu groß sein.

Da ich bei dem Gurt zu lange überlegt habe, waren die Titan-Helme in meiner Größe bereits vergriffen und ich hatte keine Wahl als den Armour zu nehmen, was eigentlich auch absolut egal ist, da beide ungefähr gleich wiegen und beide Hybridhelme sind. Aber der Titan sieht in grün doch irgendwie moderner und cooler aus – ist das auch nicht eines der entscheidenden Kaufargumente bei manchen Artikeln? Schlussendlich soll doch die Ausrüstung nicht nur ihren Zweck bestens erfüllen, sondern auch Freude bereiten. Da ich kaum Klettersteigerfahrung hatte, habe ich bei den Klettersteigsets einfach mal auf Glück blind in die Kiste gegriffen und ein Set mit Wirbel rausgezogen.

Ran ans Eisen!

Am nächsten Tag haben uns die Bergführer an der Talstation der Bergbahn Piani d’Erna in Lecco abgeholt und es ging über den teilweise matschigen Pfad zum Einstieg. Es hat die ganze Nacht noch geregnet und die Wand war an manchen Stellen etwas nass, die Sonne ließ sich auch nicht blicken, was uns jedoch, im Gegensatz zu den meisten Anwärtern aus der Region, nicht davon abhielt in die Wand einzusteigen. An der etwas verwitterten Anschlagtafel am Einstieg stutzten manche jüngeren Klettersteiggeher.

Wer neulich zum ersten Mal auf der Suche nach einem Klettersteigset war, hat vermutlich noch nie die Konstruktion mit einer Lochplatte gesehen.

Der recht abwechslungsreiche Klettersteig bot einen traumhaften Blick auf den Lago di Lecco und die umliegenden Berge. In den ungesicherten flachen Passagen haben die Teilnehmer ihre Klettersteigsets untereinander austauschen können. So konnte ich verschiedene Klettersteigkarabiner und Sets mit und ohne Wirbel testen. Mein Fazit: moderne Klettersteigkarabiner sind gerade an mit den Ketten abgesicherten Passagen deutlich bequemer, da sie eine viel Größere Karabineröffnung als die älteren Modelle haben.

An Drahtseilen macht dieser Unterschied weniger etwas aus. Was jedoch einen viel größeren Unterschied ausmacht ist die Wirbel oder das Gyro-System wie es in dem Kinetic Gyro Rewind Pro Set verbaut ist. Gerade in den sehr steilen und anstrengenden Passagen verdrehen sich die Arme eines Klettersteigsets ohne Wirbel sehr stark, was einen dazu zwingt kurz anzuhalten, um die entstandene Doppelhelix wieder zu entwirren. Wer öfters an den Klettersteigen unterwegs ist und/oder im Schwierigkeitsgrad C und aufwärts rumturnt ist auf jeden Fall gut damit beraten etwas mehr in ein Set mit einem Wirbel zu investieren.

Historienfreunde

Nach einer kurzen Foto- und Snack-Pause am Ausstieg ging es wieder bergab und danach nach Premana, wo wir eine exklusive Führung in dem lokalen ethnographischen Museum genießen konnten. Das Leben in Premana dreht sich bereits seit vorrömischen Zeiten ums Eisen. Und bis ins 19. Jahrhundert wurde das Eisenerz noch im Tal vermint. Die Minen sind längst nicht mehr aktiv, aber es gibt immer noch mehr als 50 familiäre Betriebe, die vor Ort über 65% aller italienischen Scheren und über 50% aller italienischen Messer herstellen. Das italienische Äquivalent zu Solingen. Und wer schon mal die Gondeln in Venedig gesehen hat, hat auch eines der Produkte aus Premana gesehen, nämlich den Bugbeschlag einer Gondel. Ja, der Bugbeschlag einer Gondel wird in einem kleinen Ort hoch in den Bergen hergestellt!

Aber wo beginnt die Geschichte von CAMP? Der Uhr-Großvater der heutigen Firmenchefs – Nicola Codega war ein Schmied und hat verschiedene Werkzeuge für die Bedürfnisse der Dorfbewohner hergestellt. Sein Sohn Antonio Codega hat den Betrieb übernommen und hat trotz der Missbilligung anderer Schmiede aus dem Dorf die ersten Eispickel hergestellt. „Welchen Quatsch hast du dir ausgedacht! Wieso stellst du nicht Messer und Scheren wie alle anderen her?“ – durfte sich Antonio anhören.

Doch 1920 haben alle nicht schlecht gestaunt, als Antonio einen großen Auftrag zur Herstellung von Eispickeln für die italienischen Gebirgsjäger bekommen hat. Kurz darauf hat CAMP – Concezione Articoli Montagna Premana – angefangen auch Felshacken und andere Artikel für die Bedürfnisse der Bergsportler zu produzieren. Viele Innovationen stammen aus dem Hause CAMP, so wie der erste leichte Eispickel mit Aluschaft oder der erste Eispickel mit modularem Kopf oder die Tricams um einige Beispiele zu nennen. Solltet ihr euch in das kleine Örtchen Premana verirren, dann ist der Besuch des kleinen Museums ein definitiver Geheimtipp.

Der heiß erwartet Blick hinter die Kulissen

Am nächsten Tag ging es zur eigentlichen Firmenbesichtigung. Da Premana am steilen Berghang liegt und der Platz knapp ist, werden die meisten Häuser bei Bedarf aufgestockt. So auch das Firmengebäude von CAMP: die moderne Research & Development (Forschung & Entwicklung) Abteilung wurde auf die alte Produktionshalle aufgesetzt. Hier arbeiten junge Ingenieure, die gleichzeitig leidenschaftliche Kletterer und Bergsteiger sind. Denn was gibt es besseres für einen Entwickler als eigene Produkte beim geliebten Hobby selbst testen zu können?

Aus den 3D Modellen auf den Bildschirmen entstehen innerhalb von wenigen Stunden die ersten Prototypen entweder in einem 3D-Printer oder in der CNC-Fräsmaschine. Und im gleichen Labor können die frisch produzierten Karabiner, vernähte Schlingen, Helme usw. bis zum Versagen getestet werden. Vor unseren Augen wurden Karabiner mit diversen Defekten aufgerissen. Es ist erstaunlich wieviel ein Karabiner von seiner Festigkeit durch die Einkerbung vom durchlaufenden Seil einbüßt. Und wenn der Karabiner nicht richtig schließt, dann bleibt nur darauf zu hoffen, dass dein Schutzengel gerade nicht abgelenkt ist… Kurzum, die eigene Kletterausrüstung sollte in regelmäßigen Abständen kontrolliert und bei Verschleiß ersetzt werden.

Nach der R&D Abteilung ging es ein Stockwerk tiefer in die Produktionshalle. Auf einem Regal lagen 6m lange Aluröhre, deren Querschnitt an einen Eispickel-Schaft erinnerte. In einer riesigen Kiste lagen gezackte Platten, die beim genauen Hingucken ein Steigeisen vermuten ließen. Und die kleinen Aluklötze auf einem Haufen? Hmmm… so farblos und ohne den Draht erkennt man die Klemmkeile nicht so leicht. Doch was waren das für komische Platten, die nicht so recht einordbar sind? Überraschung! Wie es sich herausstellte ist CAMP einer der größten Kuhglockenhersteller in Europa, wer hätte es gedacht?

Doch CAMP produziert nicht nur in der großen Werkhalle, sondern arbeitet auch mit lokalen Schmied-Familien zusammen, die die Montage einiger Artikel in kleinen Werkstätten wenige hundert Meter vom Firmengebäude durchführen. Das Sicherungsgerät Matik wird z.b. in einer Werkstatt zusammen gebaut, in der drei Generationen gleichzeitig in einem Raum arbeiten. CAMP ist für die Premaner viel mehr als eine Firma, die Spitzenausrüstung für Bergsportler herstellt.

Bergfreund Boris zu Besuch bei CAMPDie Väter mancher Angestellten haben ihr ganzes Leben bei CAMP gearbeitet. Und ihre Väter auch. CAMP bedeutet den Zusammenhalt in Premana, es ist Tradition, es ist eine Familie und in der Ära von „Kostenoptimierung“, Gewinnsteigerung und Outsourcing bleibt CAMP in dem kleinen Ort wo es alles vor mehr als 125 Jahren begonnen hat. Und nach der Firmenbesichtigung ging es an die Felsen, wo die CAMP-Ingenieure sich an 8ern und 9ern nach der Arbeit warm machen… Das ist aber eine ganz andere Geschichte.

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15 Tipps zum Teahouse-Trekking in Nepal

25. Mai 2017
Die Bergfreunde

Zwei Rucksäcke voll mit Ausrüstung, ein paar Tipps von anderen Bergfreunden und ein Reiseführer – damit sind wir, Christa und Sebastian, nach Nepal gestartet. Nach 18 Tagen Trekking brachten wir zwar einen Handschuh, eine Socke und ein paar Kilo weniger mit zurück. Dafür aber viele Fotos mit Panoramen, schöne Erinnerungen und Geschichten sowie Gebetsflaggen bis zum Abwinken. Außerdem einen ganzen Sack voll Tipps, die das Teahouse-Trekking in Nepal einfacher machen und Euch nicht vorenthalten werden sollen.

Einmal Helambu, Gosaikunda und Langtang…

Wir folgen einer fast schon klassischen Route: keine 20 Autominuten nördlich von Kathmandu starten wir ins Helambu gen Norden. Nach dem Laurebina La Pass (4609m) geht es ins Gosaikunda Tal bevor man nach einigen Tagen östlich in das bekannte Langtang-Tal abzweigt. Wir haben uns am Tourenverlauf, wie er u.a. im entsprechenden Trekkingführer von Conrad Stein beschrieben, wird orientiert. Allerdings haben wir teilweise die Tagesetappen anders gewählt. Der erste Tipp, eigentlich ganz profan: lasst bloß keine Hektik aufkommen, plant Puffertage ein und nehmt diese, wenn es für Akklimatisation und Panorama-Sehnsucht nötig ist. Wir haben es nie bereut nach wenigen Stunden am Tagesziel angekommen zu sein, zogen andere Etappen zusammen und wurden von den Zeitplan-Gejagten stets beneidet.

Viele Trekker und vor allem geführte Touren starten im Norden, erwandern zunächst das Langtang-Tal und starten dann in Richtung Süden – quasi entgegengesetzt zu unserer Route. Eigentlich gibt es nur ein Argument dafür: sollte man nicht über den Laurebina La kommen, waren die Bergpanoramen bis dahin deutlich imposanter. Ein gut gemeinter Ratschlag oder eben Tipp 2: nach dem Pass solltet Ihr in Phedi bleiben, denn der weitere Weg nach Ghopte kann insbesondere mit Schnee anstregend werden – trotz kurzer Strecke.

Egal wie rum: es handelt sich um einen klassischen Teahouse-Trek. Sprich spätestens alle zwei Stunden kommt man an einem kleinen Restaurant mit typischer Speisekarte vorbei. Die Ausnahme bildet die Überquerung des Laurebina La Passes – aber weder in Phedi noch Gopte oder Gosainkund würde man Euch ohne ein Lunchpaket starten lassen. Die meisten Teehäuser werden als Lodges betrieben – man kann also auch übernachten: meist in einfachen Doppelzimmern ohne eigenes Bad dafür mit Schlitzen in der Außenwand und Gucklöchern ins Nachbarzimmer.

…und dann irgendwie zurück

Unser Plan war es von Kyanjin Gompa aus über den Ganja La zurück in Richtung Kathmandu zu wandern – eine Empfehlung von Kollege Matthias. Das ist eine durchaus alpinistische Unternehmung mit mehreren Tagen im Zelt und eigener Verpflegung – in Kombination mit Höhe, Schnee und Anspruch an Kondition und Technik quasi der Gegenentwurf eines Teahouse-Treks. Für Logistik und Wegführung sollte uns ein Guide begleiten. Tipp 3 in diesem Zusammenhang: Wann immer möglich, sollte man persönlichen Empfehlung für Guides folgen. Denn es gibt unzählige Guides mit unterschiedlichster Qualifikation und nicht jeder wird fair bezahlt oder gut ausgestattet. Zwar bekommt man überall entsprechende Angebote – vor allem in Kathmandus Touristenviertel Thamel ist das aber eher eine Lotterie, ob die Begleiter die Tour kennen oder nicht stärker höhenkrank werden als Du selbst.

Unser Rückweg mauserte sich übrigens zum Beweis für Tipp 4: in Nepal sollte man vor allem eines nicht machen – zu viele Pläne schmieden. Eigentlich braucht man immer einen Plan B und den überlegt man sich im Zweifel spontan. Da fährt mal kein Bus wie geplant, man selbst verträgt keinen weiteren Aufstieg oder das Wetter vereitelt die Tourenplanung. So in unserem Fall: der alpinerfahrene, als ambitioniert bekannte Guide weigerte sich plötzlich uns über den Ganja La zu führen – Unmengen von Schnee machten es zu gefährlich bzw. unmöglich. Eine richtige Entscheidung, denn später erfahren wir, dass der jüngste Überquerungsversuch tödlich endete. Steigeisen, Seil und Co trugen wird damit leider umsonst durch die herrliche Landschaft Nepals.

Wir selbst verließen das Langtang Tal wieder auf dem Weg wie wir hinein gekommen sind, schwenkten kurz auf den Tamang Heritage Trail bis kurz vor die tibetische Grenze bevor wir mit dem Bus zurück nach Kathmandu fuhren.

Are you on your own? No Guide with you?

Nein, wir hatten keinen Guide und schon gar keine Porter dabei und das war so gut, dass wir daraus Tipp 5 machen: wenn möglich, dann geht diese Tour alleine (i.S.v. in kleinen, privaten Gruppen) oder mindestens mit einem persönlichen Guide. Denn wer in organisierten Gruppen trekkt muss sich dem Tempo der Gruppe anpassen und kann nicht selbst spontan und individuell umplanen. Ein persönlicher Guide sollte bereit sein, den Tourenverlauf spontan zu entscheiden und nicht nur fix bei seinen „Lieblingsunterkünften“ einkehren wollen. Übrigens: die meisten ernsthaften Probleme mit der Höhenkrankheit gibt es bei geführten Gruppen: Teilnehmer verheimlichen Symptome um weiter dabei sein zu können – mit ungewissen Folgen.

Auf der von uns begangenen Route ist ein Guide nicht nötig – zumindest wenn man bereits etwas Erfahrung wie z.B. Hüttentouren in den Alpen, mitbringt. Vor allem nach den ersten beiden Tagen ist die Wegfindung einfach (meist gibt es nur einen) und der technische Anspruch gering. Wer sich unsicher ist, sollte nach Möglichkeit mit Leuten sprechen, deren alpinistischen Level man einschätzen kann. Denn immer wieder hörten wir, dass die nächste Etappe unglaublich schwer und quasi nicht zu machen ist….und mussten dann feststellen, dass eine Runde im Lechtal deutlich höhere Ansprüche stellt. Selbst auf den Pässen waren keine Kraxel- oder Kletterstellen dabei, die Wege ähneln dem was man in den Alpen findet und nur Schnee kann die Herausforderungen steigern.

Wege finden und die Sache mit dem „Nepali-Flat“

Überraschung vermeidet aber wer Tipp 6 berücksichtigt: das Kartenmaterial ist durchwachsen und sollte möglichst aktuell in Nepal gekauft werden. Dennoch ist Vorsicht geboten: vor allem Höhenlinien waren in unserem Fall meist eine Schätzung und nicht immer zur Orientierung geeignet. Dazu kommt das was als „nepali flat“ (etwa nepalisch flach) bezeichnet wird: die Wege überwinden unzählige kleine Auf- und Abstiege von bis zu 100hm, die sich im Laufe des Tages auf ansehnliche Summen addieren.

Gute Einschätzung können einem hier meist die Menschen auf und um den Trek geben. Mit diesen zu sprechen ist Tipp 7 – und zwar mit allen: Guides anderer Gruppen, Trekkern, Locals am Wegesrand und Gastgebern. Das ergibt nicht zur zahlreiche Bekanntschaften und nette Begegnungen – sie helfen gerne weiter und geben Einschätzungen zu Wegen, aktuellen Bedingungen und weitere Tipps. Mit

Englisch kommt man in der Regel gut durch, ansonsten helfen Hände und Füße. Mit Landkarten hingegen können die Einheimischen jedoch oft gar nichts anfangen. Als kleiner Extratipp (quasi Nr 7b) solltet ihr wissen, dass man am besten fragt wo man denn hinkommt, wenn man einem Weg folgt statt zu fragen, wo es denn nach „Ortsname XY“ geht . Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit, dass man die Namen total falsch und unverständlich ausspricht sehr hoch. Zum anderen vermeidet man so, dass einfach „Yes“ gesagt wird – weil der Nepali freundlich sein und auch bei mangelnder Kompetenz weiterhelfen möchte.

(Don’t) kiss the culture

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein – Beobachtungen haben aber gezeigt, dass es dann doch irgendwie nicht so ist und deswegen Tipp 8 werden muss: setzt Euch vorab ein wenig mit der Kultur und den lokalen Gepflogenheiten auseinander. Zwar ist Nepal für ein südasiatisches Land ziemlich modern und Touristen in den entsprechenden Regionen alltäglich, dennoch: Händchenhalten und gar wilde Knutschereien auf der Straße irritieren die Einheimischen. Und während man mit viel Inbrunst alles was die Nase hergibt „hochzieht“ finden es die Locals ziemlich ekelig wenn jemand seine Nase mit dem Taschentuch putzt.

Ein echter Dooropener ist Tipp Nummer 9: lernt ein paar Worte in der Muttersprache Eurer Gastgeber. In vielen Regionen ist das nicht nur Nepali sondern auch Tibetisch oder verwandte Dialekte. Bei einer lustigen Runde um das Feuer brachte uns eine Lodgebetreiberin einige Fetzen bei und wir haben sie angewendet wann immer möglich. Und eines ist sicher: wer auf Tibetisch das Essen loben kann („Schimbudu“), dem öffnen sich Herzen und Türen.

Tipps für den perfekten Rucksack

Wer nach Packlisten für Nepaltrecks sucht der findet im Internet eine wahre Fülle an Tipps und Listen. Deswegen ersparen wir Euch hier eine klassische Packliste, möchten aber auf einige Punkte hinweisen, die das Leben und vor allem den Rucksack leichter machen.

Tipp 10: Steripen (und frische Unterhosen)

In Kathmandu ist die Wasserqualität schon fast legendär schlecht und man sollte nicht mal die Zähne mit Leitungswasser putzen. In den ländlichen Regionen ist es mindestens von fraglicher Qualität, weil man den Bachlauf nicht einsieht oder nicht weiß wie lange das Wasser schon im Tank gelagert war. Auf Trinkwasser in Flaschen auszuweichen ist zum einen kostspielig – je nach Höhe zahlt man bis zu 3€ für eine mühsam herbeigeschleppte Literflasche. Zum anderen wird man so zum Mitverursacher eines großen Müllproblems, denn die leeren Flaschen landen einfach in der Natur.

Mit einem Steripen ausgestattet ist man flexibel und kann das meist weitgehend klares Wasser sicher aufbereiten. Da man i.d.R. ständig an Wasserquellen vorbei kommt spart man außerdem Gewicht, weil man in Sekundenschnelle trinkbares Wasser aufbereitet und so nicht vorab bunkern sowie schleppen muss. Für den Fall, dass der Steripen mal den Dienst verweigern sollte, haben wir immer noch ein paar Micropur-Tabletten dabei, diese aber noch nie einsetzen müssen.

Eine kleine Anekdote zum Schmunzeln: auf den Tamang Heritage Trail fanden wir in einer Lodge nur dreckig-braunes Wasser vor. Meine letzte frische Boxershort erwies sich als besserer Schmutzfilter als alles was der Hausherr bereitstellen konnte. In diesem Sinne: immer eine frische Buxe in Reserve haben…lustiger ist es aber, wenn man den Trekkingkollegen nicht mitteilt, dass sie tatsächlich noch unbenutzt ist.

Tipp 11: Ein guter Medipack mit eigenen Kanülen

Was in einen Trekking-Medipack gehört ist eigentlich klar bzw. einfach recherchierbar. In Nepal sollten Kohletabletten und Mittel gegen einen durchdrehenden Magen-Darm-Trakt natürlich fester Bestandteil sein. Eine Sammlung an eigenen Kanülen und Spritzen ist ratsam, da die Krankenstationen und –wägen mehrheitlich vor allem mit leeren Regalen oder im besten Fall mit zweifelhaft sterilisierten Gerät aufwarten können. Da es sich mit Mediakamenten ähnlich verhält, schadet es auch nicht selbst den ein oder anderen pharmazeutischen Hammer für den Notfall in petto zu haben.

Ach so: mit etwas Vorwissen, vernünftigen Aufstiegen und Bedacht auf Tour, ist die Höhenkrankheit keine wirkliche Gefahr auf dieser Tour. Auch wenn man Gruppen sieht, die Diamox und Co munter zur Prophylaxe futtern: wenn überhaupt, dann sind die Pillen ganz unten im Medipack nötig.

Tipp 12: Wäscheleine und Seife

Wer waschen kann, muss weniger mit sich umhertragen, weil man Wechselkleidung einspart. In quasi allen Lodges gibt es die Möglichkeit irgendwo das Merinoshirt oder die Trekkinghose durchzuwaschen. Wer der Natur nicht schaden möchte, greift dabei auf eine entsprechende Seife zurück – auch an Lodges wird genutztes Wasser ungefiltert einfach irgendwo hingeleitet.

Um nasse Klamotten wieder zu trocknen empfiehlt es sich eine nicht zu kurze Wäscheleine mit zu bringen. Denn die Leinen rund um die Öfen sind meist gut bestückt und so kann man mit etwas Kreativität die Eigene im Zimmer montieren. Ich selbst nehme hierfür eine dünne Reepschnur, da diese auch sonst gute Dienste leisten kann – z.B. als behelfsmäßiger Schnürsenkel oder um etwas am Rucksack zu verzurren.

Tipp 13: Keine Sachen zum Kochen

Es ist eigentlich unmöglich auf den üblichen Teahouse-Trails zu verhungern. Regelmäßig kommt man an einer Hütte vorbei, die sich freut eines der typischen Mahlzeiten für wenig Geld zuzubereiten (eine Packung Travellunch ist in jedem Fall teurer). Vor Abschnitten ohne engmaschige Verpflegungsstationen warnen einen die geschäftstüchtigen Gastgeber natürlich und packen gerne ein Vesperpaket. Wer also seinen Kocher, Töpfe und Nahrungsmittel selbst mitbringt, ist selbst schuld. Ausnahme waren für uns ein paar gute Riegel – auf der Tour kann man i.d.R. nur recht teure Snickers bekommen.

Tipp 14: Es leben die Schichten…

Es ist absolut nichts Neues aber in Nepal entfaltet es sein ganzes Potential: das Zwiebelprizip. Sobald die Sonne raus kommt ist es angenehm warm, nach Sonnenuntergang wird es schnell frisch und später richtig kalt. Dazu kommt, dass man verschiedenste Höhenlagen mit entsprechenden Temperaturen antrifft. Richtig flexibel ist, wer z.B. statt einer dicken Daunenjacke zwei dünnere mitbringt, die übereinander gezogen werden können.

Tipp 15: Ein guter Schlafsack

Je nach Umfang der Schlitze in der Bretterwand kann es auch in den Zimmern nachts noch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt geben. Eisblumen auf der Scheibe lassen sich viel genussvoller ansehen, wenn man selbst im warmen Schlafsack liegt. Um nicht auf Stapel von – sagen wir mal – ‚erfahrene‘ Decken zurückgreifen zu müssen, sollte ein passender (Daunen-)Schlafsack dabei sein. Wir selbst testeten auf der Tour die neuen Kryos  von Mountain Equipment und werden separat von unseren (positiven) Erfahrungen berichten.

Der wichtigste Tipp: besucht Nepal!

Der wichtigste Tipp zum Abschluss: packt Nepal ganz fix auf Eure Shortlist für Trekkingtouren. Es ist absolut lohnend: freundliche Gastgeber, atemberaubende Panoramen, tolle Begegnungen und Trekking mit viel Komfort und Genuss. Das ganze übrigens auch heute – zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben ist die Infrastruktur wieder gut hergestellt und die Touristen eine wichtige Einnahmequelle. Mehr dazu bald in einem separaten Beitrag…

Neue Norm für Klettersteigssets ab sofort in Kraft

Neue Norm für Klettersteigsets ab sofort in Kraft

14. September 2017
Die Bergfreunde

Das Klettersteiggehen erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Klar, es ist weniger kompliziert als Klettern und gleichzeitig eine gute Ecke aufregender als einfach nur zu wandern. Damit man dabei gut abgesichert ist, haben sich Klettersteigsets etabliert, die allerdings durch zahlreiche Rückrufe in den letzten Jahren immer wieder kritischen Betrachtungen unterzogen wurden. Um erneuten Problemen zuvor zu kommen, wurde nun eine neue Norm für Klettersteigsets auf den Weg gebracht. Was sich genau ändert und was mit den Sets passiert, die nach der alten Norm zertifiziert sind, haben wir für euch zusammengefasst:

Die wichtigsten Neuerungen:

Die erste große Anpassung betrifft den Fangstoß. Der ist in Zukunft anfangs deutlich niedriger als bei alten Sets. Außerdem werden die Sets nun nicht mehr nur mit 80 kg Sturzmasse getestet, sondern sowohl mit 40 kg als auch mit 120 kg. Dadurch können sich Personen am oberen und unteren Gewichtsrand über ein gutes Plus an Sicherheit freuen.

Die zweite große Neuerung findet sich bei der Länge des Falldämpfers. Bedingt durch die Veränderung des Fangstoßes, wird die zulässige Bremslänge von 120 auf 220 cm erhöht.

Weitere Änderungen:

  • Beim sogenannten Zyklustest für elastische Lastarme soll sichergestellt werden, dass sie auch nach zahlreichen Stunden im Einsatz noch eine gute Festigkeit besitzen. Die sogenannten Flexarme werden bei einem Dauertest unter Laborbedingungen bis zu 50.000 mal gestreckt. Danach muss die Mindestfestigkeit noch bei 12 kN liegen. Für nichtelastische Lastarme liegt sie bei 15 kN
  • Ein neuer Nässetest stellt sicher, dass der Fangstoß auch bei Nässe ausreichend niedrig ausfällt. Dabei wird das Set eine Stunde lang in Wasser eingelegt und der Fangstoß darf bei 120 kg die 8kN sowie eine Ausreislänge von 2,2 m nicht übersteigen.
  • Die Ansprechkraft muss nun über 1,3 kN liegen (alt: 1,2 kN).
  • Durch die Änderungen werden neue Klettersteigsets dezent größer und schwerer. Klar, denn das Mehr an Bandmaterial muss sich ja irgendwo niederschlagen

Unterm Strich steht also ein deutlich erhöhtes Maß an Sicherheit für den Endverbraucher. Einen Teil der Maßnahmen kann man sicher auch als Reaktion auf die Rückrufe der letzten Jahre ansehen. Alle Infos könnt ihr nochmal auf der Seite des DAV nachlesen.

Was bedeutet das für den geneigten Klettersteiggeher mit altem Set?

Zunächst einmal nichts. Die nach der alten EN 958 zertifizierten Sets können natürlich nach wie vor verwendet werden. Der DAV empfiehlt allerdings vor allem Personen, am unteren und oberen Gewichtsspektrum, auf eines der neuen Sets umzusteigen. Außerdem sollte man sich natürlich immer mal wieder vor Augen führen, ob das Set noch brauchbar ist, es also die empfohlene Lebensdauer noch nicht überschritten hat, ob es allgemein noch in einem guten Zustand ist und ob das Klettersteigset von einem der Rückrufe der letzten Jahre betroffen war. Alle Rückrufe findet ihr in unserem Archiv.

Warum verkaufen die Bergfreunde noch alte Sets?

Wie schon erwähnt, bieten auch die „alten“ Sets noch ausreichenden Schutz – vor allem, wenn ihr euch im eher mittleren Gewichtssegment befindet. Abverkauft werden allerdings nur die Sets, die noch auf Lager sind.  Sämtliche neu produzierten Klettersteigsets für die Saison 2017, die in den nächsten Wochen ihren Weg in den Shop finden werden, erfüllen bereits die aktualisierte Norm.

Ihr habt noch Fragen? Dann hilft euch unser Kundenservice selbstverständlich weiter. Ihr erreicht unsere Gear-Heads von Montag bis Freitag zwischen 10 Uhr und 17 Uhr oder per an info@bergfreunde.de. Alternativ könnt ihr uns auch einfach an dieser Stelle einen Kommentar hinterlassen.

Alpines Sportklettern an Klobenjoch, Rotspitze und den Issplatten

Dolce Vita am Achensee – Alpines Sportklettern an Klobenjoch, Rotspitze und den Issplatten

15. Mai 2017
Die Bergfreunde

Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter- das beste Klettertraining ist klettern am echten Fels. Für „zache Hund‘“ spielen Jahreszeiten keine Rolle, die gehen bei jedem Wetter und allen Temperaturen an den Fels. Aber wir „Normalsterbliche“ müssen uns gerade in den Übergangszeiten mit einigen wenigen Gebieten mit Südwänden begnügen. Warum sich dabei so wenige Kletterer ins Rofan verirren, ist mir bis heute ein Rätsel, denn einige Klettergebiete sind wie geschaffen für die Übergangszeit! Süd- exponierte, kurze Wände mit bestem Fels und dank Seilbahn winkt ein müheloser Zustieg. Dazu ein herrlicher Blick auf den türkisblauen Achensee und die schroffen Zacken des Karwendels. Die Garantie für einen „lässigen“ Klettertag!

Qual der Wahl am Klobenjoch

Allein wegen dem schönen Ambiente lohnt sich der Aufstieg zum Klobenjoch. Gerade im Frühling, wenn die grünen Almwiesen rund um die Dalfazalm blühen und die Farben im Kontrast zu den letzten Schneeresten ganz besonders leuchten. In der Klobenjoch- Südwand herrschen dann gerade an windstillen Tagen schon sommerliche Temperaturen, sodass oft früh im Jahr schon im T-Shirt geklettert werden kann bzw. muss. Natürlich steigen wir nicht nur wegen der herrlichen Natur hierher, sondern wegen den tollen Touren im soliden, wasserzerfressenen Kalk. Auch die humanen Hakenabstände sind ideal für eine schnelle Eingewöhnung an den Naturfels, wenn die „Vorstiegsmoral“ so früh im Jahr noch etwas „eingerostet“ ist. Bleibt nur die Qual der Wahl, denn es wartet eine coole Linie neben der anderen.

Ab in die Guillotine

Für den Einstieg vielleicht die Flamme (6+), die nach zwei klassischen Seillängen entlang einer riesigen Schuppe durch wasserzerfressenen Kalk bis zum Ende des Felsriegels führt. Gut aufgewärmt steht man gleich unter dem nächsten Klassiker am Klobenjoch, denn Strada del Vino (7+/8-) ist ein absolutes Muss. Zum Auflockern der Glieder bietet sich Abkasern (7) an, in der es über Platten und Löcher etwas sanfter aber unerwartet kniffelig nach oben geht. Wer einen Grad schwerer unterwegs sein möchte, wird in Eu-Stress (8-/8) oder Traummännlein (8-) glücklich, während Riss- und Verschneidungs- Liebhaber unbedingt die Gelbe Verschneidung (8+) in Angriff nehmen sollten. Auch an Test- Pieces mangelt es hier oben nicht- wer es wissen will, versucht sich an der Guillotine (8), die nicht ohne Hintergedanken so heißt. Und das waren nur einige wenige Routen, die hier oben auf euch warten!

Kurz und knackig

Außer dem relativ bekannten Klobenjoch gibt es auf der idyllischen Hochebene hinter der Rofan Seilbahn noch einige alte und neue Klettergebiete mit solidem Fels und guten Sicherungen, zwei davon sind Rotspitze und Issplatten. Grau-orange leuchten eindrucksvoll die steilen Wände des Dalfazkammes herüber, wenn man vor der Erfurter Hütte steht.

Grüne Matten aus Schrofen und Latschen fallen sanft über seine Gipfel und Schultern. Der Blick bleibt am südlichsten Eckpfeiler hängen, wo das Gipfelkreuz der Rotspitze vor den blauen Konturen des Karwendels hervor sticht. Schon lange wird an der exponierten Südwand rund ums Jahr geklettert. Seitdem die meisten Klassiker saniert sind, muss auch niemand mehr in den Schlüsselpassagen zittern. Trotzdem haben die rassigen Linien noch „scharfe Zähne“.

Hanfseile und Kletterpatschen

Die Hände stecken tief im steilen Riss während die Füße hastig nach Tritten suchen. Selten ist die erste Seillänge einer Tour so exponiert wie in der Rebitschkante. Weit fällt der Blick hinab, fast tausend Meter tief zum glitzernden Achensee. Diese schmerzhafte Stelle, früher eine solide Fünf, ist heute mit 6- bewertet und fühlt sich an wie eine Sieben. Es muss schon ein zacher Kerl gewesen sein, dieser Rebitsch, der hier 1931 mit filzbesohlten „Kletterpatschen“ hinauf geturnt ist. Auf die Reibung vertrauend, in athletischer Bewegung auf den Absatz hinauf schwingen, ist trotz moderner Haken und Vibram- Sohlen immer noch aufregend.

Best of Rotspitze

Die steile, zerklüftete Südwand mit ihren kantigen Strukturen bietet außerdem noch viele hervorragende Routen im vierten bis achten Schwierigkeitsgrad. Zwei beliebte Linien, die ebenfalls in zwei kurzen Seillängen auf den Gipfel führen, sind Mitteldurchstieg (4+) und Mauracherverschneidung (6). Das Dach’l im oberen Drittel der Wand sorgt in beiden Linien für spannende Momente.

Eher klassisch geht es dagegen im Südwandkamin (4+) zu. Der Schwierigkeitsgrad sollte auch hier nicht unterschätzt werden, Kamin bleibt Kamin. Mit klaffender Leere unter den Füßen zu klettern ist eine gute Übung für die Nerven. Auch der Südwandpfeiler heizt mit zwei kurzen, sehr lohnenden Touren ordentlich ein. Wer im rassigen Pfeilerriss (7-) nicht gleich die richtige Klemmposition findet, wird sehr schnell freiwillig unter das kleine Dach absteigen. In der Pfeilerkante (7) sind die Schwierigkeiten zwar homogener verteilt, die steile Leistenkletterei erfordert dafür gute Ausdauer. Woher die Wahnsinnskante (7) ihren Namen hat, sollte jeder für sich herausfinden. Die Fraktion der Bohrhakenmuffel wird mit Sicherheit in Afrika (8-) glücklich, einem „schöpferischen Akt“ Schrattenthalers, der nicht nur Friends und Hexen fordert. Das kleine aber feine Rotspitzl‘ ist eine alpin angehauchte „Spielwiese“ für jedermann.

Griffige Platten

Beim Abstieg fällt der Blick ins Herz des Rofan. Wo eigentlich als höchster Gipfel der Hochiss imponieren sollte, beeindrucken die strahlenden Felsflächen am Fuß seines Vorgipfels. Von dort lachen uns die Issplatten entgegen, mit ihrem kompakten, wasserzerfressenen Kalk. Ein wunderbarer Ausgleich zur steilen Wandkletterei der Rotspitze, nur eine Stunde von der Bahn entfernt. Und dennoch ein ganz einsamer und wilder Platz, im Talschluss des Wildschutzgebietes “Lange Gasse“, umringt von den schroffen Dalfazwänden und dem Hochiss.

Lets Dance

Wie ein versteinerter Wasserfall ziehen tiefe Wasserrillen durch die Issplatten. Im steileren Gelände weiter oben locken Felsschuppen, Risse und Reibungskletterei. Eine Augenweide für Gleichgewichtskünstler. Auch wenn die Hakenabstände eher alpin ausfallen, wer ein paar Friends und Keile am Gurt hat kann entspannt höher steigen. Dank traumhafter Strukturen finden Füße und Hände im rauen Kalk genügend Möglichkeiten, um den Fels hinauf zu tanzen. So wie im Tanzbein (5-), wo nur die Hüfte schwingt und nicht das berühmte „Elvis-leg“. Oder in Let’s dance (6-), um einmal nach der Pfeife Schrattenthalers‘ zu tanzen.

Die immer steiler werdenden Platten haben in der dritten Seillänge einen spannenden Höhepunkt. Etwas gemütlicher ist die sanierte Lambswool (4-). Wer glaubt, dass die Issplatten zu flach sind, wird im rechten Wandteil eines Besseren belehrt. Auf Zehenspitzen tanzen müssen nicht nur Ballerinas, am Tomahawk (8-) kommen zudem die Finger ganz schön ins Schwitzen. Völlig auspowern sollte sich hier aber niemand, denn der „Abstieg“ führt zunächst bergauf. Zum Hochiss ist es aus dem Sattel nur noch ein Katzensprung und so kommt man auch beim Klettern an den Issplatten zu seinem Gipfel, wie es sich für eine ordentliche Klettertour gehört. Also bis demnächst im Rofan!

Lage und Zustieg

Die alpinen Sportklettergebiete Klobenjoch, Rotspitze und Issplatten liegen im Rofangebirge (Brandenberger Alpen) hoch über dem Achensee, zwischen der deutsch-österreichischen Grenze und dem Inntal. Die Rofanseilbahn verkürzt den Zustieg enorm, obwohl auch ein Aufstieg von Maurach, am südlichen Ende des Achensees möglich ist.

Zum Klobenjoch geht es von der Bergstation herüber zur Dalfazalm und ein kurzes Stück weiter in Richtung Hochiss. Ein kleiner Pfad zweigt kurze Zeit später vom Hauptweg in Richtung Klobenjoch ab. Diesem folgend bis unter die Wand. Zur Rotspitze geht man von der Bergstation auch zunächst in Richtung Dalfazalm, nach kurzer Zeit rechts zum kleinen See unter dem Gschölkopf abzweigen. Am Westufer führt ein schmaler Pfad bergauf, diesem folgend durch lichten Wald in Richtung Westen auf die Rotspitze zu.

Zuletzt in steilen Serpentinen den teils seilversicherten Steig hinauf in eine Scharte und durch Latschen zu den Klettertouren an der Südwand. Zu den Issplatten geht man von der Bergstation auf dem Wanderweg in Richtung Hochiss bis kurz vor den Gipfelgrat. An einer spitzen Kehre den Wanderweg in Richtung Süden verlassen und weglos über Steilgras, am Fuß des felsigen Hochiss Vorgipfels entlang über einen breiten Bergrücken vorsichtig bis unter die Issplatten absteigen.

Kletterführer
„Rofangebirge Kletterführer“, (Rutter/ Salvenmoser/ Kirchner/ Marbler), Panico Alpinverlag.

Anfahrt
Mit dem Auto über die A8 Richtung Salzburg bis zur Ausfahrt Holzkirchen oder A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen bis zur Ausfahrt 9 Sindelsdorf und weiter nach Bad Tölz. Auf der B13 über die Staatsgrenze und am Achensee entlang bis nach Maurach. Alternativ über die Inntalautobahn A12 bis Ausfahrt Wiesing/ Achensee und auf der Achensee-Bundesstraße B181 nach Maurach. Mit Öffis mit der Bahn über Kufstein nach Jenbach. Mit Bus Linie 4080 nach Maurach.

Bergbahn
Rofan Seilbahn AG, Achenseestrasse 10, A-6212 Maurach, Tel. +43 5243 5292, Betriebszeiten 8:30 Uhr – 17:00 Uhr (ab Mitte Juni bis Anfang September 8:00 Uhr bis 17:30 Uhr), Revisionszeiten der Bergbahn sind im April und November.

Ausrüstung
Tendon Master 7.8mm Halbseile
Klettergurt Onyx oder Garnet
14 Expressschlingen
Grundsortiment Basic Totems und Totem Cams
Kletterhelm Penta
Kletterschuhe Tenaya RA und Triop Tiger
Zustiegsschuhe Meindl Literock GTX

Flo Schuetz Bergfreunde Titel

Es gibt wieder Zuwachs im Pro-Team…

5. April 2017
Bergfreunde Pro-Team

Wenn ihr im Sommer in den Allgäuer Alpen unterwegs seid und euch rein zufällig ein etwas wild ausschauender, leicht bekleideter Typ entgegen gelaufen kommt, dann ist die Chance relativ groß, dass es sich dabei um Florian Schuetz handelt. Flo ist so einer, der furchtlos über schmale Grate tänzeln kann, eine Ausdauer wie ein Pferd hat (und entsprechende Oberschenkel) und mal eben den Ultra Trail du Mont Blanc mit 170 km und 9000 Höhenmetern in 31 Stunden finisht. Außerdem ist er der neueste Zugang in unserem Pro-Team. Was er so macht und – viel wichtiger – warum er das macht, erzählt er euch in seinem Antrittsinterview:

Servus Flo! Heute schon auf den Berg gerannt?

Natürlich! Heute wars aber eher eine kurze Runde bei Nebel und Regen. Auf den Bergen liegt ab 1500m Neuschnee, von daher habe ich mich auf einem Höhenweg unterhalb des Rubihorns ausgetobt.

Vom nerdigen Kellerkind (No offense, nerdige Kellerkinder rocken!) zum Diätassistenten-Alpine-Runner, der beim UTMB mal eben in die Top 100 läuft. Wie kam es dazu?

Puh, da muss ich auf jeden Fall etwas weiter ausholen. Als Kind war ich mit meiner Familie sehr viel in den Bergen unterwegs. Im Kindergartenalter war ich oft für längere Zeit mit meinen Großeltern auf deren Hütte in den österreichischen Alpen. Das hat auf jeden Fall geprägt. Generell würde ich mich als Abenteurer bezeichnen. Mir macht es unheimlich Spaß, neue Dinge und Orte zu entdecken.

In meiner Jugend war ich dann eher den Videospielen verfallen, mit Sport oder Bewegung hatte ich da absolut nichts mehr im Hut. Mit zunehmendem Alter habe ich dann mehr und mehr Bergsport- und Entdeckerliteratur ala Reinhold Messner oder Humboldt gelesen und wurde so inspiriert, doch auch wieder mehr „selbst entdecken zu gehen“. Am Anfang wieder kleine Bergtouren mit meinem Vater und Freunden.

Irgendwann habe ich dann ein Video vom UTMB 2011 gesehen. Darin laufen einige der führenden Läufer bei Sonnenaufgang auf einem traumhaften Höhenweg nordseitig des Mont Blanc. Zum gleichen Zeitpunkt bin ich mit meiner Freundin mehr zufällig als geplant nach Oberstdorf gezogen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war mein Schicksal dann besiegelt. Ich habe mir im lokalen Bergsportladen ein paar Trailrunningschuhe gekauft und entdecke seitdem die Berge in den Allgäuer Alpen.

Pro-Team-Interview mit Flo SchuetzIm Sommer Trailrunning und Bergsteigen, im Winter Skitour und Langlauf. Machst Du auch mal irgendwann Pause?

Im November. Da kannst du nicht ordentlich auf den Berg gehen und genug Schnee liegt meistens auch noch nicht. Anfang Dezember fühle ich mich dann meistens sehr motiviert, mit dem Wintersport zu starten. Auch mental finde ich es für mich wichtig, mal etwas abzuschalten.

Du hast inzwischen ein ziemlich ansehnliches Arsenal an Video-Equipment. Dürfen wir uns demnächst auf schöne Filme aus Deiner Feder freuen?

Auf jeden Fall! Inzwischen habe ich meistens eine Kamera dabei, und wenn es nur die kleine GoPro ist. Ab Mai veranstalten wir in Oberstdorf wieder den wöchentlichen Trailrunning Lauftreff. Dann möchte ich dieses Jahr noch einmal den Augsburger Höhenweg in den Lechtaler Alpen begehen. Im September plane ich, eine kleine Dokumentation über „Tor des Geants“ zu machen. Das ist ein sehr bekanntes Trailrennen im Aostatal in den italienischen Alpen. Zudem finde ich die Welt der Zeitrafferfilme sehr faszinierend. Es wird also auf jeden Fall genügend Material zusammen kommen über das Jahr!

Lass uns noch mal über den UTMB sprechen. Ich meine, 168 km und über 9000 Höhenmeter läuft man ja nicht einfach mal so. Wie genau hast Du Dich darauf vorbereitet?

Im Grunde so, wie ich mich auf (fast) alles vorbereite. Ich gehe hier sehr viel in die Berge. Ich mag technisches und steiles Gelände. Nach diesen Kriterien suche ich mir die Rennen aus, die mich inspirieren. Bei flachen Rennen oder im Mittelgebirge wirst du mich also wahrscheinlich eher nicht finden. Das liegt einfach daran, dass ich nicht groß Lust habe im Flachen oder auf der Straße zu laufen. Ich würde mich auch nicht unbedingt als „Trailrunner“ bezeichnen. Was ich mache ist eher meine Art, in die Berge zu gehen. Mein „Trainingsvolumen“ messe ich generell auch nur in Zeit und Höhenmetern, die Kilometer sind für mich nicht so wichtig.

Du warst fast 31 Stunden unterwegs und bist damit schließlich auf Platz 89 gelandet – von immerhin 1468 Startern. Hast Du eine bestimmte Strategie verfolgt?

Langsam starten, regelmäßig essen und trinken, positiv denken. Ultras (und besonders 100 Meilen oder länger) werden hauptsächlich durch sinnvolle Strategie bewältigt. Körperlich und mental. Wenn du in Chamonix losläufst, geht’s erstmal 10 Kilometer relativ flach ins Tal hinein. Ich glaube, der erste ist das in 35 Minuten gelaufen. Viele Leute lassen sich, besonders bei vielen Startern, dazu verleiten, zu schnell zu laufen. Am ersten Anstieg war ich irgendwo um den 500sten Platz rum.

Ich mache aber nur mein Ding und mir ist es egal, wie schnell oder langsam der Rest läuft. Wenn ich kontinuierlich Leute überholen kann, motiviert mich das noch zusätzlich. Wie schnell man laufen sollte, was und wieviel man isst, kann man allerdings nur durch Erfahrung herausfinden.

Ich denke, die ganze Story bietet genügend Material für einen eigenen Beitrag. Daher nur noch eine Frage: Wie lange hast Du danach Pause gemacht?

Ich habe 1 Woche gar nichts gemacht. Faulenzen, viel Essen und die ganzen Eindrücke langsam verarbeiten. 7 Tage nach dem Rennen habe ich dann am Wochenende 2 Bergtouren gemacht. Aber ganz gemütlich, ohne zu laufen.

Wie sieht es dieses Jahr mit Wettkämpfen aus? Hast Du wieder etwas Großes geplant?

In 2 Wochen (Ende April) laufe ich auf Madeira beim Madeira Island Ultra Trail mit, da geht’s einmal quer über die ganze Insel von Norden nach Süden. Sonst habe ich einige Ideen was Wettkämpfe angeht. Ich mag eher möglichst technische und herausfordernde Rennen. Von daher sind die Möglichkeiten für dieses Jahr Ronda del Cims in Andorra, L’Echappe Belle in Frankreich oder die Diagonale des Fous auf Reunion. Außerdem werde ich einige private Projekte mit Freunden machen bei denen wir bestimmte Routen bewältigen wollen – das inspiriert mich inzwischen mehr, als möglichst viele Events zu machen.

Wenn Du Dir drei Dinge aus dem Bergfreunde-Shop aussuchen könntest, welche wären das und warum?

Der Salomon S-Lab Sense 6 Softground. Mein absoluter Favorit, wenn es auf technischen Trails durch die Allgäuer Berge geht.
Das Temple Tech L/S Longsleeve von Mons Royale. Meine Freundin ist schon lange von Merinowolle begeistert und dieses Shirt konnte mich auch bekehren. Komfortable Passform, ein besonders weiches Material und absolut geruchsfrei. Auch nach 12 Stunden Tagen am Berg.
Die leckeren Energieriegel und Clif Shots von Clif Bar. Durch die vielen verschiedenen Sorten wird’s nie langweilig. Und essen am Berg und bei langen Trailläufen muss man so oder so. Da bevorzuge ich dann Sachen, die mir auch richtig gut schmecken.

Gibt es noch etwas, dass Du den Bergfexen da Draußen sagen möchtest?

Habt Spaß bei dem was ihr macht. Und es muss nicht immer am Limit sein. Ich laufe gerne 30 Stunden aber ich gehe auch gerne ganz entspannt wandern auf meine Lieblingsgipfel. Auch daheim kann man geile Projekte umsetzen, neue Wege entdecken und unbekannte Routen auf den Hausberg finden. Ich habe nie das Gefühl, jetzt rausgehen zu müssen, weil ich „trainieren“ muss. Das Fit werden und sein ist eher ein positiver Nebeneffekt, wenn man viel in die Berge geht.

Danke Flo. Wir freuen uns viele schöne Geschichten und vor allem tolle Bilder und Videos. Einen kleinen Vorgeschmack haben wir hier schon mal für euch. Und wer mehr über Flo erfahren möchte, schaut einfach mal unter www.summitsforthesoul.de vorbei!

Nebelhorn ridge at sunrise from summits for the soul on Vimeo.

Fotos: www.vitaminberge.de

Die Bergfreunde-Buttons

Wir stellen vor: Die Bergfreunde-Buttons

31. März 2017
Die Bergfreunde

Chalk mal wieder leer? Der Vorrat an Trekkingnahrung geht ebenfalls zur Neige und ach – ein neuer Schlauch für den platten Fahrradreifen muss nach der letzten Tour auch wieder her? Aber deswegen erstmal Bergfreunde.de ansurfen und langwierig bestellen – da hat man ja nur selten Lust zu. Doch wir wären nicht die Bergfreunde, wenn wir nicht auch dafür eine (im Übrigen zum Patent angemeldete) Lösung hätten. Wir präsentieren: Die Bergfreunde-Buttons!

Bestellen geht jetzt Ruckzuck!

Wie schön wäre es, wenn sich per Knopfdruck eine neue Packung Chalk direkt aus unserem Lager auf den Weg zu deiner Türschwelle machen würde? Mit unseren Bergfreunde-Buttons geht das. Für jedes Bergfreunde-Buttons-Produkt gibt es einen eigenen Button. Jeder dieser Buttons hat einen eigenen Code, den Du ins das entsprechende Feld in deinem Benutzerkonto eingeben kannst. Der Button selbst wird in’s WLAN eingecheckt und kann dank einer praktischen Klebefläche nahezu überall angebracht werden – am Schreibtisch, am Boulderbag, oder deiner Lieblings-Zahnbürste!

Alles automatisch

Drückst Du den Knopf, läuft im Hintergrund ganz automatisch eine Bestellung ein. Genauso, als würdest du normal über den Shop bestellen. Damit Du schließlich auch weißt, dass mit der Bestellung alles in Ordnung ist, spricht der Button mit Dir. „Alles klar, deine Bestellung ist auf dem Weg.“ Du kannst sogar zwischen einer männlichen und weiblichen Stimme wählen. Noch nicht ganz fest steht hingegen, ob wir die Lizenz für die Orginalstimme von Peter aus Family Guy kriegen. Wäre aber ziemlich cool, oder? Ist die Ware gerade nicht auf Lager hörst Du ein nett gemeintes „Oh man, sorry. Leider gerade nichts auf Lager.“ In dem Fall bleibt Dir dann doch nur der klassische Weg.

Wie oft kannst Du drücken?

Damit Du nicht zufällig oder nach dem Genuss diverser Alkoholika zu häufig auf den Button klimperst, – an dieser Stelle ein kleiner Hinweis: am Besten so platzieren, dass die Kids nicht rankommen – gibt es einen integrierten Bestellschutz. Der verhindert, dass bei einer aufgegebenen Bestellung, direkt eine zweite hinterher geschoben wird. Erst wenn die erste Bestellung abgeschlossen ist, kannst Du eine Neue aufgeben. Ganz schön smart, nicht wahr?

Wann sind die Bergfreunde-Buttons verfügbar?

Ohhh, aufregend. Die große Frage aller Fragen. Und wir können euch sagen, dass es nicht mehr lange dauern wird. Genauer gesagt, wird es die wunderbaren kleinen Helfer ab dem 31.04. zu kaufen geben. Wir sagen euch nochmal rechtzeitig vorher Bescheid. Ganz, ganz fest versprochen. Wirklich! Für welche Produkte die Buttons verfügbar sind, erfährst Du dann direkt im Shop.

 

Höhentraining - wie es funktioniert und was es bringt

Höhentraining – Grundlagen, Tipps und für wen es sich lohnt

30. März 2017
Die Bergfreunde

Jeder der bereits einmal in den Bergen unterwegs war, kennt den Satz: „Puh, die Luft wird aber ganz schön dünn hier oben …“ Was einem beim Wandern oder Klettersteiggehen vielleicht noch nicht so vorkommen mag, verdeutlicht sich jedoch spätestens auf einer klassischen Hochtour zwischen 3.000 und 4.000 Metern. Dabei wird weniger die Luft als solche „dünn“, sondern vielmehr sinkt mit zunehmender Höhe die Anzahl der Sauerstoffmoleküle pro Liter Luftvolumen. Die Folge: abnehmender Luftdruck. Als direkte Gegenmaßnahme reagiert unser Organismus mit einer beschleunigten Atmung und einem erhöhten Puls. Um sich jedoch langfristig auf Bergtouren, Expeditionen oder längere Aufenthalte in großer Höhe vorzubereiten, empfiehlt sich ein prophylaktisches Höhentraining. Dabei kommt es ganz allgemein gesprochen zu einer Steigerung der Anzahl roter (sauerstofftransportierender) Blutkörperchen.

Was versteht man unter dem Begriff „Höhentraining“?

Die Definition lautet wie folgt: „Unter Höhentraining versteht man den gezielten Einsatz einer Unterversorgung des Organismus mit Sauerstoff (Hypoxie) als Stimulus zur Steigerung der Leistungsfähigkeit.“

Ab wann beginnt Höhentraining? Und ab wann wirkt Höhentraining?

Egal ob auf den Kilimanjaro, Denali oder Mount Everest im Himalaya – eine Tour in besonders große Höhe sollte stets sorgsam geplant und vorbereitet werden. Sowohl die Ausrüstung als auch die körperliche Fitness spielen dabei eine bedeutende Rolle. Um den Organismus bestmöglich auf die besonderen Bedingungen in der Höhe vorzubereiten, empfiehlt sich daher ein Höhentraining, bevor es auf die Tour geht. Die Effekte der „dünnen Luft“ stellen sich dabei überaus vielfältig dar. Im Bereich des Ausdauersports ist das gezielte Höhentraining schon lange Zeit für die Steigerung der Leistungsfähigkeit ein Begriff. Und auch im Bergsport ist dieser Effekt zur Akklimatisierung für große Höhen schon lange bekannt.

Ab einer Höhe von 2.000 m beginnt die „dünnere Luft“ auf den menschlichen Organismus zu wirken. Sensible oder vorerkrankte Personen können bereits in dieser Höhe erste Anzeichen der Höhenkrankheit spüren. Wie schlimm die Symptome der sogenannten akuten Höhenkrankheit (AMS – acute mountain sickness) auftreten, hängt von mehreren Faktoren ab. Wie steht es um die körperliche Fitness? Wie gut ist der allgemeine Gesundheitszustand des Bergsteigers? Genetisch akklimatisieren sich manche Menschen schneller als andere, obwohl sie körperlich gleich fit sind. Hier können Erfahrungen aus der Vergangenheit hilfreich sein. Beim Aufstieg am Berg oder beim Trekking in großen Höhen sollte sowohl die Aufstiegsgeschwindigkeit, als auch notwendigen zusätzlichen Akklimatisierungstagen besondere Beachtung geschenkt werden.

Der Sauerstoffgehalt der Luft ist mit 20,9% überall auf der Welt gleich, unabhängig von der Höhe. Der Luftdruck sinkt jedoch mit zunehmender Höhe, wodurch gleichzeitig der Sauerstoffpartialdruck der Umgebungsluft abnimmt. Dieser Faktor führt somit zu einer Unterversorgung unseres Körpers mit Sauerstoff (Hypoxie). Alle wichtigen Infos zur Höhenkrankheit, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Wirkt Höhentraining wirklich leistungssteigernd?

Ein Aufenthalt in der Höhe führt im menschlichen Organismus durch das verringerte Sauerstoffangebot zu einer Reihe von Anpassungsprozessen. Dazu zählt eine Sensibilisierung der Atemtätigkeit, sprich der Ventilation bei Belastung des Körpers. Ebenso wird die Ausschüttung des körpereigenen Hormons Erythropoetin (EPO) stimuliert. EPO wird in den Nieren produziert und sorgt im Knochenmark für die Neubildung roter Blutkörperchen. Gleichzeitig wird im Körper vermehrt Hämoglobin bereitgestellt. Das Hämoglobin bindet den Sauerstoff und hat dadurch eine positive Auswirkung auf die Ausdauerleistungsfähigkeit, indem sich die Sauerstofftransportkapazität im arteriellen Blut erhöht.

Mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass körperliche Belastungen unter Hypoxie zu Veränderungen auf muskulärer Ebene, wie einer erhöhten Aktivität von Enzymen des Energiestoffwechsels führen. Ebenso konnte eine Zunahme des muskulären Sauerstoffspeichers, dem Myoglobin, beobachtet werden.

Ein Training in der Höhe bietet sich somit grundsätzlich für leistungsorientierte Sportler an, die ihre Ausdauer unter kontrollierten Bedingungen verbessern möchte. Speziell in Ausdauersportarten, dem Langstreckenlauf, Triathlon oder im Radsport wird das Höhentraining bereits seit längerer Zeit in den Trainingsplan mit aufgenommen. Aber auch ambitionierte Bergsteiger, die sich auf die Begehung hoher Berge vorbereiten möchten, können ihre Leistungsfähigkeit durch Hypoxie-Training verbessern.

Welche Form des Höhentrainings ist effektiv und sinnvoll?

Um einen tatsächlichen Trainingseffekt für die Ausdauerleistungsfähigkeit zu erzielen ist es wichtig, dass der Trainingsreiz unter Höhenbedingungen gesetzt wird. Ein alleiniger Aufenthalt in der Höhe ohne spezifischen Trainingsreiz bringt keine nennenswerten Vorteile für die Leistungsentwicklung. Es nutzt also nichts, ein paar Tage in einer Hütte in den Alpen zu verbringen und den ganzen Tag Karten zu spielen. Laufen, Wandern oder Klettern in der Höhe sind absolut notwendig, um eine positive Anpassung zu erzielen.

Gibt es eine Mindestdauer für das Höhentraining?

Hierbei sind viele Experten und Mediziner unterschiedlicher Meinung. Ein Mindestaufenthalt von einer Woche bis zu zehn Tagen ist jedoch erforderlich, um nach einer ausreichenden Anpassung ein effizientes, d.h. leistungssteigerndes Training durchführen zu können. Optimal geeignet wären Aufenthalte von drei bis vier Wochen. Hochleistungssportler führen oft mehrmals im Jahr spezifische Höhentrainingslager durch. Dies ist für einen Hobbysportler hingegen schon schlicht aus Zeitgründen überhaupt nicht praktikabel, noch notwendig. Generell kann jedoch ein gezieltes Höhentraining mit hohen Umfängen über sieben bis zehn Tage bei vielen Sportler bereits zu den besagten positiven Effekten führen. Inzwischen gibt es gar spezielle Anbieter, die professionell organisierte Höhentrainingscamps veranstalten, die Teilnehmer vor Ort medizinisch betreuen und beraten.

Wie lange hält die Wirkung eines Höhentrainings an?

Die Wirkungsdauer des Trainings und der Anpassungseffekte in der Höhe ist in der Wissenschaft weiterhin umstritten. In den ersten Tagen nach einem längeren Aufenthalt in großer Höhe sollte auf jeden Fall eine Regenerationsphase mit reduziertem Trainingsumfang und geringer Intensität eingelegt werden. Oft kann es vorkommen, dass es erst einmal zu einem Leistungseinbruch kommt. Hier kann eine kleine Pause helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Verschiedene Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Wirkung eines guten Höhentrainings zwischen drei bis fünf Wochen anhält, vermutlich sogar länger. Die biologische Lebensdauer der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im menschlichen Körper ist mit nur 120 Tagen begrenzt. Somit kann eine Wirkung von über vier Monaten ausgeschlossen werden.

Höhentraining mit Maske und im Zelt

Mit technischen Hilfsmitteln lässt sich ein Höhentraining auch ohne Berge in der Stadt und daheim realisieren. Auf dem Markt gibt es mehrere Produkte, um mithilfe eines Maskensystems oder eines Zeltes eine „künstliche Hypoxie“ für das Training zu simulieren. Die Personen fahren auf dem Radergometer und atmen durch eine spezielle Atemmaske unter reduzierten Sauerstoffbedingungen. Zudem gibt es Zelte, die über dem Bett aufgebaut werden können und das Schlafen unter Hypoxie-Bedingungen in großer Höhe simulieren. In einigen Städten gibt es inzwischen ganze Höhentrainingszentren, die spezielle Trainingsräume unter Hypoxiebedingungen zur Verfügung stellen und somit ein Höhentraining simulieren können.

Da zudem jeder Mensch anders auf Höhe reagiert und manche Personen gar an einer „Höhenunverträglichkeit“ leiden, macht eine Überprüfung der Verträglichkeit im Vorfeld einer Berg- oder Hochtour sehr wohl Sinn. Ein medizinischer Check sollte ohnehin vor dem Start einer längeren Reise in größere Höhen, ebenso wie vor einem simulierten Höhentrainings erfolgen. Zur spezifischen Vorbereitung auf eine Expedition oder ein Höhen-Trekking kann ein solches Training in speziellen Hypoxiekammern also durchaus sinnvoll sein.

Ist Höhentraining schädlich? Ist das Doping?

Ein langer Aufenthalt in großen Höhen sorgt für uns, die wir nicht unbedingt in Regionen jenseits der 4000 Meter geboren und aufgewachsen sind, stets für eine körperliche Belastung des Organismus. Daher sollte ein Höhentrainingslager in jedem Fall sinnvoll geplant und durchgeführt werden. Andernfalls bestünde die Gefahr, den Körper tendenziell eher auszulaugen, als auf ein höheres Fitnessniveau zu hieven. Höhentraining gilt dabei nicht als Doping und ist auch vor Wettkämpfen erlaubt. Im Gegensatz zum Doping mit Medikamenten oder verbotenen Substanzen macht sich der Sportler beim Höhentraining einzig und allein die natürlichen Effekte der Höhe zu Nutze. Dadurch werden körpereigene Prozesse und Anpassungen angestrengt, die nicht durch Hilfe von außen zustande kommen.

Ist ein Höhentraining auch für Freizeitsportler sinnvoll?

Ein gut geplantes Höhentraining kann auch für Freizeitsportler und Hobbyalpinisten sinnvoll sein. Dabei ist es wichtig, seine individuelle Ausdauerleistungsfähigkeit schon im Vorfeld auf einem ordentlichen Niveau zu konsolidieren. Das heißt, man sollte schon einige Jahre regelmäßig Sport treiben, laufen gehen oder in den Bergen wandern, bevor man ein Höhentrainingslager in Betracht zieht. Ein guter Gesundheitszustand sowie eine gewisse Erfahrung in der Trainingssteuerung sind auf jeden Fall von Nöten, um einen positiven Effekt zu erzielen.

Für Hobbysportler empfiehlt es sich zusätzlich, ihr Training in der Höhe vor allem am Anfang eher defensiv zu gestalten, und nicht gleich mit maximalen Intensitäten zu arbeiten. Erst mit steigender Erfahrung ist man in der Lage, sich und seinen Körper einschätzen zu können, und so sukzessive neue Trainingsimpulse zu setzen.

Zusammenfassung zum Höhentraining

Abschließend ist festzustellen, dass ein Höhentraining auch im Breitensport unter bestimmten Voraussetzungen denkbar ist. Für Trekkingtouren in große Höhen wie in den Anden, Besteigungen von Bergen im Himalaya oder selbst auf den 4000ern in den Alpen hingegen macht es deutlich mehr Sinn, um die Symptome der akuten Höhenkrankheit zu mindern oder gar im Vorfeld mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auszuschalten. Gleichfalls sollte jedwedes Training spezifisch und strategisch erfolgen; ein einfacher Aufenthalt in der Höhe reicht hier nicht aus, um sinnvolle Anpassungserscheinungen zu erzielen.

Skitouren am Piz Buin

Die ultimative Buin Reib’n – Skitourenvergnügen rund um die Wiesbadener Hütte

23. März 2017
Die Bergfreunde

Und plötzlich ist März. Der Winter hat eigentlich gerade erst angefangen und schon klopft der Frühling wieder an die Tür. Beim Anblick der ersten Schokoostereier schrillen nicht nur bei mir die Alarmglocken: die neuen Skitourenstiefel sind doch gerade erst eingelaufen und wo sind eigentlich die vielen erträumten Pulverschneeabfahrten geblieben? Es ist noch viel zu früh für „klassische“ Frühjahrstouren! Jetzt heißt es ab in die Berge, auch wenn es zeitlich wieder nur für einen Wochenendausflug reicht.

Kaum ein anderes Gebiet entspricht den Erwartungen an das Skitourengehen, wie die Silvretta: konditionell fordernde Anstiege, je nach Gipfelziel technische und mentale Herausforderungen sowie lange, schöne Abfahrten. Die perfekte Mischung aus Anspruch und Vergnügen inmitten einer ungezähmt wilden Bergwelt.

Filmschnitt

Der enge, dunkle Vermunt-Tunnel wirkt bei der Anreise wie ein radikaler Filmschnitt. Aus dem bunten Frühling im Tal landen wir an der Bielerhöhe völlig unverhofft in einer malerischen Winterlandschaft. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel und spiegelt sich in der majestätischen Weite der Silvretta. Einzige Konturen in der weißen Bergwelt sind die felsigen Flanken der umliegenden Gipfel. Dahinter leuchten bläulich schimmernde Spitzen und Zacken, ein Lockruf aus dem Herz der Silvretta.

Einkehrschwung

Ab auf den gefrorenen Silvrettastausee. „Wird schon halten…“, trotz glühender Mittagssonne lässt sich leicht scherzen, denn die Dicke des Eises wird durch Bohrungen regelmäßig überprüft. Dennoch ist die Eisüberquerung ein außergewöhnlicher Auftakt für den zweistündigen Aufstieg zur Wiesbadener Hütte. Während sich auf dem Eis noch vereinzelt Touristen im Schnee vergnügen, steigen wir bald einsam das Ochseltal hinauf, zwischen Egghorn und Hohem Rad hindurch in die hochalpine Kulisse von Silvrettahorn, Piz Buin und Dreiländerspitze. Eine schweißtreibende Angelegenheit bei solchen Frühlingstemperaturen.

„Was wollt ihr trinken“, grüßt schon von Weitem Andrejka, Bedienung von der Wiesbadener Hütte. Jeder gute Vorsatz auf einen Abstecher in Richtung Ochsenkopf oder Rauher Kopf ist sofort im Keime erstickt. Die sonnige Terrasse mit Ausblick auf zukünftige Skitourenabenteuer ist so überzeugend, dass bald nur noch unsere Finger über die Gipfel der Landkarte wandern.

Qual der Wahl

Hier oben herrscht reger Betrieb, wir sind nicht die Einzigen schneesüchtigen Abenteurer. Abseits der beiden Hauptattraktionen Piz Buin und Dreiländerspitze ist der Tiefschneesuchende im Tourengebiet der Wiesbadener Hütte dennoch zuweilen recht einsam unterwegs. Als Einstiegstour bietet sich beispielsweise die Tiroler Scharte mit Ochsenkopf an. Wer etwas Anspruchsvolleres sucht, wird an den etwas steileren Hängen am Silvrettahorn fündig. Und dennoch dreht sich für die meisten alles um den Piz Buin, als höchsten Gipfel von Vorarlberg. Auch für uns, weil wir uns den Paradeberg auf einer „Buin Reib’n“ einmal von allen Seiten anschauen wollen. Eine etwas ungewöhnliche Tour, die uns hoffentlich ein paar unverspurte Abfahrten beschert. Vielleicht können wir unterwegs noch den Gipfel der Piz Fliana „mitnehmen“…

Runde Sache

Wolkenverhangen und trüb beginnt der Tag, als wir von der Wiesbadener Hütte in Richtung Ochsentaler Gletscher ziehen. Aus der sanft gewölbten Schneedecke ragen bedrohlich die eisigen Zähne des Gletscherbruchs und lassen die Tiefe ihrer Spalten nur erahnen. Es gibt viel zu sehen während wir in steilen Spitzkehren die schmale Flanke zwischen Felsen und Eis empor steigen. Weit hinten am oberen Gletscherbecken lässt ein heller Fleck am Himmel eine Wetterbesserung erhoffen, doch selbst an der Grenzscharte Fuorcla dal Cunfin macht die Wolkendecke nicht die leisesten Anstalten sich zu heben.

Großer Vorteil: wir haben alle Zeit der Welt um in Ruhe unsere Runde zu drehen, ohne uns über Erwärmung oder Nassschneelawinen Sorgen zu machen. Die kurze, schwungvolle Abfahrt zur Mittagsplatte bringt uns an den Fuß des Piz Fliana. Durch lockeren Tiefschnee spuren wir den steilen Nordhang empor, während uns ein zunehmend stürmischer Wind erste Graupel ins Gesicht peitscht. Die Steilflanke oberhalb des Gletscherabbruchs am Plan Rai queren wir bei minimaler Sichtweite.

Am Skidepot geraten wir vollends in die Windseite, heftige Böen zwingen uns in die Knie. Auf den Gipfel müssen wir heute verzichten, dafür ernten wir eine Traumabfahrt durch knietiefen Pulverschnee. Ein wilder Ritt über die Steilflanke, der das Skifahrerherz zum Jauchzen bringt. Nach kurzer Verschnaufpause an der Chamonna Tuoi meistern wir den Gegenanstieg zum Vermuntpass, bevor es auf einer frischen Schicht Neuschnee geschmeidig zur Wiesbadener Hütte zurück geht.

Im Schnee versumpft

Voller Tatendrang diskutieren wir die Möglichkeiten für den nächsten Tag. Idealerweise haben wir morgen früh eine Schicht frischen Pulverschnee, bereit um unsere Spuren aufzunehmen. Als gute Abschlusstour eignet sich hervorragend der Rauher Kopf mit seiner wunderschönen Nordabfahrt über den Bieltalferner und durch das optimal geneigte Bieltal. Kein Schieben, kein Skaten über den Silvrettastausee, einfach bis zur Bielerhöhe heraus schwingen.

Nicht für uns, nicht diesmal. Über Nacht gibt es einen halben Meter Neuschnee, am Morgen schneit es noch immer in dicken Flocken. Welch Ironie des Schicksals, noch vor ein paar Tagen hatten wir den Winter so gut wie abgeschrieben und jetzt sitzen wir aufgrund der Neuschneemenge fest. Das von Lucie liebevoll servierte, üppige Frühstück auf der Wiesbadener Hütte können wir also in aller Ruhe genießen. Einziger Trost, bei so viel Schnee wird selbst die Abfahrt durchs Ochsental zur Freude. Bis über die Ohren tauchen wir in frischen Pulverschnee. Die Beine pumpen den Körper bei jedem Schwung aus dem Schnee, elegant rauschen wir durch die weiße Pracht. Innerlich jubelnd, wer hätte solch traumhafte Schneeverhältnisse erwartet. Wieder einmal bleibt es nur bei vielen schönen Abfahrten, anstatt der zugehörigen Gipfel. Aber das kann man sich nicht immer aussuchen. Alles in allem ist es doch nur ein weiterer Grund, um bald wieder zu kommen.

INFOS:

ANREISE: Mit dem Auto über die Inntal- oder Rheintal Autobahn bis zur Abfahrt Montafon bei Bludenz, weiter auf der Montafonerstraße (L188) nach Partenen. Mit der Bahn bis Bludenz, anschließend per Montafonerbahn nach Schruns (www.montafonerbahn.at) und mit dem Postbus nach Partenen (www.postbus.at).

BERGBAHN: Vermuntbahn, Vermuntwerk, 6794 Gaschurn. Die Silvretta-Hochalpenstraße ist im Winter gesperrt, daher geht es ab Partenen mit der Vermuntbahn zur Bergstation Trominier (1.731 m) und per Minibus hinauf zur Bielerhöhe (2032m). Die Bahn verkehrt täglich von 8:30-12:00 Uhr und 13:00-16:00 Uhr, letzte Talfahrt ab Bielerhöhe um 16:00 Uhr.

HÜTTE: Wiesbadener Hütte, 2443 m, DAV Sektion Wiesbaden, Hüttenwirt Heinrich Lorenz, Tel. +43 5558 4233, wiesbadener@gmx.net, im Winter geöffnet von Mitte Februar bis Anfang Mai, 80 Betten, 100 Lager, Gepäcktransport auf Anfrage

MATERIALEMPFEHLUNGEN:

DYNAFIT Neo CR WS und DYNAFIT TLT7

DYNAFIT Manaslu 2.0 mit Speedskin Manaslu und TLT Radical ST 2.0

LEKI Tourstick Aergon 2 und Aergon 2 V

LVS Gerät Ortovox 3+, Schaufel & Sonde

Rucksack Thule Stir

Julbo Eclipse und Julbo Whoops Multilayer

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Montane Yukon Arctic Ultra – 700 km durch die Eiswüste

20. März 2017
Die Bergfreunde

Am 18. Februar habe ich den Yukon Arctic Ultra gefinisht. 436 Meilen sind ein langer Weg, besonders wenn man es dabei mit krassen Minustemperaturen zu tun bekommt. Und seit diesem Tag träume ich von nichts anderem mehr: Laufen, laufen, laufen… Uwe Paschke aus Berlin ist erfahrener Langstrecken- und Etappenläufer und wagte sich dieses Jahr an seine bisher größte Herausforderung. 436 Meilen durch das Yukon. Was das bedeutet, haben wir bereits in einem Vorbericht für euch zusammengefasst.

Die Landschaft im Yukon ist faszinierend schön – eine weiße Winterwunderwelt, die sich ständig verändert. Doch das Yukon kann auch unerbittlich sein und verzeiht keine Fehler. Daher ist dieser Lauf auch unglaublich hart. Das wusste ich natürlich, aber dass es so unglaublich hart werden würde, das hat mich überrascht. Ich bin Uwe, 53 Jahre, aus Berlin und ein durchaus erfahrener Läufer. Ich habe in den letzten Jahren ein Dutzend Etappenläufe über 250 km und mehr gemacht. Ich wusste, dass 430 Meilen/700 km etwas ganz Anderes sind. Wobei „ganz anders“ stark untertrieben ist.

Magda, meine Lebensgefährtin, startet mit mir im Team. Wir haben uns vor drei Jahren in der Wüste Jordaniens bei einem Rennen getroffen und wollen nach vielen gemeinsamen Läufen im Sommer heiraten. Unser Plan: Wenn wir diesen Lauf gemeinsam finishen, dann sind wir bereit für die Ehe.

Trotz monatelanger Vorbereitungen bleiben viele konkrete Fragen unbeantwortet und wir starten sehr aufgeregt in unser viertägiges Survival-Training in Braeburn (CA) unmittelbar vor dem Rennen. Wir sind 14 Teilnehmer und lernen alles über Kleidung, Schuhe, Ernährung, Feuer machen, Biwak bauen und vieles mehr. Wir laufen mit der Pulka, wir schwitzen, wir frieren, wir laufen tags und nachts, wir machen Feuer, essen, trinken und übernachten draußen und wir laufen durch einen Fluss, um zu trainieren, was wir tun, wenn wir nachts alleine draußen an einem Overflow einbrechen.

Eine nette Erfahrung: 25 Meter durch knietiefes Wasser bei -25° C laufen und dann barfuß im Schnee umziehen. Alles andere als angenehm. Aber dafür waren wir ja hier. Ich sage am Ende zu Stewart, dem Seminarleiter, dass die Chance ins Ziel zu kommen nun um 300% gestiegen ist und damit bei 50% liegt.

Wir kommen zurück nach Whitehorse (CA) und stürmen sofort los um unsere Ausrüstung zu optimieren. Einige Stunden später und 2000$ ärmer, haben wir neue Schuhe sowie zahlreiche zusätzliche Kleidung und Ausrüstung. Wir fühlen uns besser und trotzdem sind wir sehr aufgeregt, haben Angst und großen Respekt. Heidewitzka, -35° C sind halt einfach schweinekalt.

Tag X.

Leicht verschwitzt drehe ich mich in meinem Bett von einer Seite auf die andere, denn in meinem Traum blicke ich in die „falsche“ Richtung.  Im Halbschlaf dringen mir Roberts Worte aus dem Briefing in den Kopf: „Wenn Ihr auf der Suche nach einem Biwakplatz seid, dann stellte die Pulka in Eure Laufrichtung. Es ist schon vorgekommen, dass Läufer nach wenigen Stunden Schlaf desorientiert zurückgelaufen sind, weil der Schlitten falschrum stand und da draußen allein im Yukon erkennt man nicht, wohin der Trail führt.“

Einen Tag nach dem eindrucksvollen Start des Yukon Quest 1000 Meilen Schlittenhunderennens starten wir auf dessen Spuren um 10:30 Uhr morgens bei herrlichem Sonnenschein. Es ist schwer, das richtige Tempo zu finden, denn die Marathonis stürmen los und Du weißt bei niemandem da vorne, ob er oder sie 100 Meilen, 200, 300 oder 430 vor sich hat.

Nach neun Stunden erreichen wir den ersten Kontrollpunkt in Rivendell bei Kilometer 42. Es ist längst finstere Nacht. Hier stehen ein paar Zelte und Hütten: Zutritt verboten, du darfst die Thermosflasche reinreichen und Dir im Schnee Dein Trekkingfood zubereiten, dich an ein kleines Feuer hocken und anfangen zu frieren. Ich treffe Robert, den Organisator, er lacht mich an und sagt: „Das ist der Yukon hier.“ Und ich denke: „Scheiße, ist das hart. Scheiße ist das kalt.“

Also schnell weiter laufen. Um Mitternacht beschließen wir zu biwakieren. Zelt aufbauen, Matten aufblasen, Schlafsack raus, wir rein. Das ist alles kein wirklicher Spaß und trotz Training fällt uns alles schwer. Im riesigen Schlafsack will es einfach nicht warm werden – draußen sind es -41° C.

Nach vier Stunden vergeblicher Schlafversuche geht es weiter. Jetzt ist es kuschelig im Schlafsack und draußen ist es immer noch so lausig kalt und dunkel. Alles muss jetzt schnell gehen. Pulka packen und zügig in Bewegung kommen. Nach zehn Minuten wird mir warm, ich beginne zu schwitzen und mir fallen Stewarts Worte ein: „If you begin to sweat, you can´t ignore that.“ Also Schlittengurt abnehmen, Jacke aus, verstauen und weiter.

Um 7 Uhr wird es langsam hell, um 8 Uhr müssen wir etwas essen. Die Benzinkocher ausgepackt und angeworfen. Eine mühselige und stinkige Prozedur, Schnee schmelzen wird noch mühseliger und das Warten, bis das Travellunch fertig ist, lässt die Füße immer kälter werden.

Essen reinschaufeln – das tut gut. Es kommt uns wie der pure Luxus vor. Das Spiel beginnt von Neuem: Alles einpacken, schnell raus aus der Expeditionsjacke. Wow, ist das wieder kalt, und weiter geht es, nach wenigen Minuten laufen wird es wärmer.

Meine neuen Schuhe quälen mich immer mehr. Klar, weiß doch jeder Läufer: Niemals mit neuen Schuhen einen Wettkampf laufen. Aber was blieb mir übrig? Meine Laufschuhe waren zu klein und nicht ausreichend isoliert. Und außerdem nur drei Nummern größer als die Füße. Jetzt habe ich Wanderstiefel, fünf Nummern größer, Winterproof, Waterproof. Meine Füße sind warm, aber der Schaft bereitet mir bei jedem Schritt Schmerzen. „You can´t ignore that.“ Also wieder anhalten. Der Kabelbinder kommt zum Einsatz. Mist, der bricht bei den Temperaturen einfach durch. Nach diversen Versuchen klappt die Notlösung. Dann schmerzt die andere Seite.

Ungeplant.

Wir sind auf dem Weg zu Kontrollpunkt 2 und haben heute ca. 50 km vor uns. Wir haben uns ziemlich weit hinten eingeordnet. Die beiden Läufer neben uns haben seit zwölf Stunden nichts getrunken, weil die Trinkblasen komplett eingefroren sind und sie keine Lust auf Schnee Schmelzen haben. Nach 14 Stunden und einigen knackigen Anstiegen erreichen wir Dog Grave Lake. 500 m vorher teilt Magda mir mit, dass sie starke Schmerzen hat, eine Blasenentzündung, und dass sie aufgeben muss. Sie liegt im Erste-Hilfe-Zelt und ist todunglücklich. Sie wird mit einem Ski-Doo evakuiert. Ich sitze draußen am Feuer, esse meinen Tütenfraß, baue das Zelt auf und bin irgendwie nicht ganz bei mir.

Nach einer erneut sehr kalten Nacht und fünf Stunden Schlaf geht es 56 km weiter nach Braeburn, dem 100 Meilen Ziel. Ich muss die Schuhe wechseln, denn meine neuen bringen mich um.

Nach 5 km treffe ich auf Gillian. Sie liegt im Schnee, ist völlig erschöpft. Ich spreche Sie an. Sie ist müde und hungrig. Sie lehnt meine Hilfe ab und schleppt sich weiter. 10 km weiter treffe ich Glen und Spencer auf den Ski-Doos. Wie immer halten Sie an und fragen, wie es Dir geht, ob Du warme Hände hast. Mit mir ist alles ok, aber ich schicke Sie zu Gillian.

Den ganzen Tag habe ich überlegt, ob ich nun weiter mache oder abbrechen soll ohne meinen Teampartner. So war das nicht geplant. Ich wusste, Magda will, dass ich weiter mache und es versuche. In Braeburn endlich das erste Mal wieder richtig aufwärmen. Ich warte auf den legendären Riesen-Burger und schaue derweil auf die Tafel an der Wand: Hugh Neff, Ankunft 100 Meilen nach 11 h – mit 14 Hunden. Matt, ein anderer Starter, kommt in den warmen Raum und wird gleich von den Ärzten unter Protest aussortiert: ernster Frostbite an den Händen.

Ich sortiere meine Ausrüstung und trenne mich von Dingen, die nicht funktionieren. Meine Wurst- und Käsehappen sind nicht zu gebrauchen, weil Sie zu riesigen Klumpen gefrieren, die ich nicht im Handschuh antauen kann. Also weg damit. Gut, dass eine Säge zur Pflichtausrüstung gehört. Ich säge von jedem Schuh den halben Stiefelschaft ab in der Hoffnung, dass das die Probleme beseitigt, und genieße dann das warme Bett.

Routine.

Ich schlafe sechs Stunden und bekomme morgens ein riesiges Omelette. Ich treffe Robert wieder und frage nach der nächsten Cut-Off-Zeit: Carmacks in 44 h. Ich mache mich sofort auf den Weg. Anpassungsschwierigkeiten, Schuhe, Magdas Ausfall. Das alles hat viel Zeit gekostet. Ich bin zu langsam unterwegs. Heute sind es 71 km nach Ken Lake. Ich muss traben, viele Seen, überwältigende Landschaft, Hunger – „You can´t ignore that.“ – Riegel reinstopfen, jede halbe Stunde Trinken, Anziehen, Ausziehen, zu warm, zu kalt, sechs Paar Handschuhe rotieren, ohne permanenten Einsatz der Heatpads geht es nicht. Nach 13 h komme ich in Ken Lake an.

Das winzige Zelt ist voller Leute und 100 Klamotten hängen überall zum Trocknen rum. Es gibt zwei Scheiben Brot, eine heiße Suppe und eine Orange. Ich liebe all diese warmherzigen Volunteers, die sich liebevoll um uns kümmern.

Nach der Suppe muss ich eine Stunde meine Füße versorgen. Riesige Blasen müssen aufgestochen und getrocknet werden. Die Füße sehen aus wie nach 100 h Badewanne – ist halt kein Wüstenklima hier.

Ich schlafe draußen vier Stunden  – ohne Zelt. Mit Zelt ist es genauso kalt, aber ich spare mir das Auf- und Abbauen. Aufstehen, Essen, Füße tapen und los geht es. 56 km nach Carmacks. Ich muss mich beeilen und renne los. Vier Stunden vor Cut Off erreiche ich Carmacks und wir werden dort in einer Turnhalle herzlich empfangen und versorgt. Ich bin zu schlapp für die Dusche.

Ich schaue in den Spiegel und sehe 20 Jahre älter aus. Ich muss mir das Gesicht tapen, damit die Tränensäcke nicht einfrieren. Ich überlege, ob ich nach 300 Meilen nicht besser aufhören soll. 6 Stunden Schlaf.

Auf nach McCabe – 63 km. Bergauf, bergab. Ein weißes Wintermärchen. Yukon Crossing. Gefrorenes Packeis, anstrengend mit der 30 kg Pulka, die ständig zieht und schiebt. Und dieses blöde McCabe kommt und kommt nicht. Kein Schild, kein Hinweis, keine Ahnung wie weit es noch ist. Da hat Jemand einen Hinweis in den Schnee geschrieben: McCabe 8 km. Ach Du Kacke, denke ich, dass sind ja nochmal 1,5 bis 2 Stunden. Ich renne und komme erschöpft in einer kleinen Garage an. 5 Leute schlafen, einige essen, manche kommen, manche gehen. Essen, Fußpflege, Pennen. Weiter.

Pelly Crossing will nicht kommen. Der Zeitdruck ist etwas gewichen. Ein Schwarzbär taucht vor mir auf und passiert in 50 Metern Entfernung meinen Weg. Nein, es war keine Halluzination und kein Wolf und kein Hase. Der Brocken war größer als ich und ich konnte ihn auf freier Lichtung lange genug sehen. Da kommt mir etwas später jemand entgegengerannt. Meine Magda! Wir lassen ein paar Freudentränen auf unserer Haut gefrieren. Sie hat sich mit Antibiotika erholt und ist nun Helferin. Sie erzählt mir, wie viele Läufer schon ausgeschieden sind und Marcelo gibt gerade auf, weil er als letzter Läufer immer wieder ein paar Wölfe hinter sich entdeckt.

Magda begleitet mich am nächsten Morgen nach Pelly Farm. Die 53 km fallen mir sehr schwer. Es gab 15 cm Neuschnee, wodurch sich die Pulka viel schwerer zieht und dann hat da irgendein Blödmann gewaltige Hügel in den Weg gestellt. Erschöpfung, Schlafmangel und Hunger sind nun meine ständigen Begleiter. Schlecht gelaunt sehe ich das Schild: „You made it“ und fluche, dass diese Farm wahrscheinlich 15 Mio. Hektar groß ist. Ich sollte Recht behalten. Gefühlte 3 km später kommen wir endlich am Eingang der uralten Farm an und die Herzlichkeit der Familie, der warme Tee und die fantastische Bison-Lasagne bereiten mir schnell gute Laune. Acht Stunden Pflichtpause! Freude. Warmes Bett, morgens frische Pancakes und zum Abschied ein Sandwich. Schön, dass es solche Menschen wie Sue und ihre Familie gibt.

Beißen.

Nun wird es nochmal hart. Ja, jetzt will ich das Ding finishen, aber: bis Scroogie Creek sind es 110 km und danach kommt Dawson mit nochmal 160 km. Die längsten Etappen. Wie immer: Das Beste kommt zum Schluss. Scott, Jesse, Jon, Tom und ich bestreiten diese letzten 270 km gemeinsam, wobei plötzlich immer mal wieder einer von uns auf seiner Pulka liegt oder neben dem Trail, um noch ein paar Minuten oder Stunden Schlaf nachzuholen. Es geht einfach nicht anders. Die Augen fallen beim Laufen immer wieder zu und wir torkeln mehr als das wir laufen.

Wir laufen in zwei Etappen nach Scroogie, übernachten in der winzigen Hütte gemeinsam und machen uns auf nach Dawson. Statt meiner geplanten 60/60/40 km mit zwei Übernachtungen werden es in der Gruppendynamik zweimal 80 km mit einer Übernachtung und der Überquerung von zwei über 1000 Meter hohen Bergen. Insbesondere der King Solomon Dome mit 1300 m verlangt einem bei dem dreistündigen Anstieg noch einmal alles ab. Nun laufe ich den anderen hinterher, denn ich habe meinen Wecker nicht gehört und einfach mal 3 Stunden verschlafen. Egal, bei diesem Rennen ist tatsächlich Ankommen das Ziel und ich lache über den Spruch meines Laufkumpels: „Das Ziel ist das Ziel. Alles andere ist Esoterik.“

Nach den 18 Stunden nonstop Laufen vom Vortag bin ich fest entschlossen, an diesem Tag zu finishen und die letzten 80 km ebenfalls in einem Stück durchzulaufen.

Der Aufstieg zum King Solomon schafft mich. Als ich endlich oben angekommen bin habe ich eine fantastische Rundumsicht und ein wunderschöner Sonnenuntergang zaubert ein nie zuvor gesehenes Farbenmeer über den Horizont.

Es geht an den Abstieg. Dunkelheit und zunehmende Kälte setzen mir zu. Die letzten 15 km nach Dawson werden endlos, aber ein großartiges grünviolettes Farbenspiel am Himmel baut mich auf. Mein erstes Polarlicht. Großartig.

Magda kommt mir entgegen. Die Freude ist riesig. „Wie weit noch?“ frage ich. „ca. eine Stunde.“ Es werden zwei endlose Stunden und wie immer kurz vor dem Ziel, schaltet der Körper langsam ab und Erschöpfung wird das alles dominierende Gefühl.

Als Robert mir um 2 Uhr morgens die riesige und schöne Medaille umhängt und mich umarmt bin ich unendlich glücklich. Zusätzlich erhalte ich von den Volunteers die „Red Lantern“ für den letzten Finisher. Ein alter Brauch vom Yukon Quest und nie zuvor war ich so glücklich, Letzter geworden zu sein. 51 Starter haben sich auf den langen Distanzen versucht und nur 16 sind ins Ziel gekommen. Frostbite, Unterkühlung, Erschöpfung und Verletzungen haben das Läuferfeld sukzessive verkleinert.

Das war das härteste, kälteste und längste Rennen und das größte und schönste Abenteuer meines Lebens.

Magda hat mit dem Yukon eine Rechnung offen und will es in zwei Jahren erneut versuchen. Ich werde Sie begleiten – im Wohnmobil als Supporter. Ich habe 8 kg und viel Muskelmasse verloren. Knapp vier Wochen später fühle ich mich immer noch recht schlapp und brauche noch einige Wochen oder Monate Regeneration. Geheiratet wird übrigens trotzdem. Und die Flitterwochen möchten wir auf dem GR 20 auf Korsika verbringen.

Montane Yukon Arctic Ultra 2017 1080p – VIDEO 7 from Montane on Vimeo.

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Werde Mammut Local Hero!

22. März 2017
Die Bergfreunde

Ab an die Wand und klettern bis die Arme blau sind? Wenn Deine Lieblingsbeschäftigung etwa genau so aussieht, dann solltest Du Dir folgenden Zeilen aufmerksam durchlesen, denn wir suchen zwei echte Boulder-Helden: Die Mammut Local Heroes! Wie das aussieht, was für Dich drin ist und was du dafür tun musst wollen wir Dir gerne erklären:

Zusammen mit Mammut suchen wir zwei leidenschaftliche Boulderer, die ihr Hobby lieben, Chalk in den Adern haben und am liebsten raue Klettergriffe unter den Fingern spüren. Als Mammut Local Hero wirst Du mit der brandneuen Boulder-Kollektion ausgestattet und kannst Dich auf ein Athletentraining am 13.05.2017 mit dem Mammut Pro-Athleten Jan Hojer freuen. Außerdem schicken wir Dich am 15. Juli ins schöne Frankenland zum Bouldercup Frankenjura, wo ein Freistart sowie ein VIP-Paket inkl. Übernachtung und Verpflegung winken. Direkt vor dem Wettkampfstart könnt ihr euch zudem noch Tipps und Tricks von Juror Guido Köstermeyer abholen.

Zeig’s uns!

Jetzt fragst Du Dich sicher, was genau Du dafür tun musst? Zu allererst: Du musst nur Du selbst sein! In einem regelmäßigen Videotagebuch erzählst Du von Dir und Deinem Training und von dem, was Du am Fels und in der Halle erlebst. Damit Du dafür gerüstet bist, stellen wir Dir für den Aktionszeitraum eine GoPro-Kamera zur Verfügung, mit der Du deine Abenteuer optimal festhalten kannst. Ganz konkret heißt das:

  • Nach der Bewerbungsphase präsentieren wir Dich in den sozialen Medien sowie auf unserem Blog als Mammut Local Hero!
  • Während des Aktionszeitraums erscheint monatlich ein Videotagebuch – du filmst, den Schnitt übernehmen wir. Natürlich in Abstimmung mit dir!
  • Wir begleiten Dich mit der Kamera beim Athleten-Training und beim Bouldercup Frankenjura.

Wie Du Dich bewerben kannst…

Erzähle uns einfach, warum gerade Du ein Local Hero bist und wie sehr Du Dein Hobby, das Bouldern, liebst. Warum reizt Dich die Teilnahme am Bouldercup Frankenjura? (Und jetzt kommt uns nicht mit altfränkischem Bauernbier als Begründung!) Natürlich würden wir auch gerne sehen, wer sich bewirbt. Daher freuen wir uns auf aussagekräftige Bilder von Dir – am besten natürlich beim Bouldern! Und wenn Du auch noch ein paar kurze Videoschnipsel von Dir am Start hast – umso besser!

Zum Formular geht es hier entlang – wir freuen uns auf deine Bewerbung!


Mammut Local Heroes

Titelbild-Pulverschnee

Der Traum vom Pulverschnee – Skitourenrunde um die Saarbrücker Hütte, Silvretta

28. Februar 2017
Die Bergfreunde

Die meisten behaupten ja, es gäbe nichts Schöneres als Frühjahrs-Skitouren und schwärmen gleich weiter, von „aufgefirnten Hängen und traumhaften Abfahrten“… Seid mir nicht böse, jedem das Seine, aber ich stehe einfach auf Pulverschnee. Zugegeben, die letzten Jahre gab es nicht viel davon, aber ein paar versteckte Ecken haben sich noch immer gefunden. So wie rund um die Saarbrücker Hütte, die ohnehin nur zwei Wochen um Ostern geöffnet ist und damit eher zum ruhigeren Gebiet der Silvretta gehört. Wie ein Adlerhorst thront sie am felsigen Sockel des Kleinlitzner, hoch über dem glitzernden Vermunt-Stausee. Ein traumhafter Stützpunkt für Skitouren in die einsame Bergwelt der Litzner-Seehorn-Gruppe. Man könnte fast behauten, mit Pulverschnee-Garantie.

Neue alte Bekannte

Neugierig blättern wir im Panico Skitourenführer Silvretta, tatsächlich haben wir die Namen der zahlreichen Gipfel im Litzner-Seehorn-Gebiet noch nie gehört. Die Finger huschen wild über die Karte, während wir eine schöne Runde für das Wochenende zusammen suchen. Am besten den ersten Gipfel schon im Zustieg zur Hütte einheimsen, wenn wir anstatt dem Normalweg durch das Kromertal folgend, durch das Klostertal kommen.

Über den steilen Verhupfgletscher zum Glöttnergletscher hinauf und auf den Gipfel der Sonntagspitze, von wo sich mit Sicherheit ein schöner Blick zu den Spitzen rund um die Wiesbadener Hütte auftut. Der kurze Gegenanstieg in den Litzner Sattel sieht Höhenmeter-technisch harmlos aus, zumindest auf der Karte. „Das geht dann schon“, wenn der Einkehrschwung in die Saarbrücker Hütte, als urigste aller Silvretta-Hütten, so nah ist. Für den zweiten Tag lassen wir uns von den Experten vor Ort beraten, wie sich die schönsten Abfahrten am besten verbinden lassen.

Traum und Wirklichkeit

Pläne sind super, die Realität sieht manchmal anders aus. Das letzte Wort hat in diesem Fall das Wetter. Im dichten Schneegestöber stehen wir an der Busstation Bielerehöhe, irgendwo dort unten müsste der Silvretta-Stausee sein. „Wer von euch hat denn gerade für heute Schnee bestellt?!“ Statt Klostertal und Sonntagspitze also doch „nur“ der normale Hütten-Zustieg durch das Kromertal. Zunächst heißt es abwarten und Tee trinken, bis sich der schlimmste Schneefall legt.

Um die Mittagszeit beruhigt sich das Wetter dann und wir können aufbrechen. Gemütlich steigen wir den flachen Anstieg durch das Kromertal hinauf, wo der Nebel langsam einen formschönen Felsgipfel nach dem Anderen frei gibt. Hochmaderer, Valgraggesspitzen und die Gipfel der Plattenspitzen zur Rechten, die Felstürme der Lobspitzen, Verhupftspitze und Glötterspitze zur Linken. Langsam kämpfen sich kleine Flecken blau durch die dichte Wolkendecke und mit der Farbe kommen die Gipfelträume. Wie gern würden wir noch schnell in den Lobsattel aufsteigen, um den imposanten Lobturm näher zu betrachten, aber die Zeit drängt und die Hütte ruft. Als hätten wir geahnt, dass wir gleich ein Stamperl „Spenling“ spendiert bekommen.

Der Wildpflaumenbrand bleibt nicht die einzige Tiroler Spezialität, die wir kosten dürfen. Am Abend folgt ein Vier-Gänge Menü, das fünf Sterne verdient. Auch das Wetter ist jetzt auf unserer Seite, der purpurrote Abendhimmel kündigt einen wunderschönen Tag an – inklusive frischem Neuschnee!

Ein Berg ohne Gipfel…

Tatsächlich begrüßt uns am Morgen ein strahlend blauer Himmel, die Silvretta zeigt sich heute von ihrer schönsten Seite. Die Eiskristalle funkeln in der zarten Morgensonne, während wir durch lockeren Tiefschnee in Richtung Seelücke hinauf spuren. Vorbei an den imposanten Nordwänden von Großlitzner und Großem Seehorn, über den schmalen Grat hinein in den riesigen Kessel des Seegletschers. Nicht nur der eisige Wind lässt uns hier im Schatten des Großen Seehorns die Haare zu Berge stehen. Der Weg auf seinen Gipfel führt einen steilen Schneekegel hinauf zur Scharte im Nordwestgrat, zuletzt bei 45° Neigung. Zu steil für die heutige Verhältnisse.

Die Gipfelkletterei im zweiten Grad ist ein weiterer Grund, warum dieser imposante Gipfel im Winter eher selten begangen wird. Auch wir queren stattdessen herüber in die Seehorn Lücke, wo sich uns mit einem Mal das berühmte Silvretta Panorama eröffnet. Leuchtende Schneegipfel soweit das Auge reicht. Mitten im Staunen bringt uns Georg wieder auf den Boden der Tatsachen. „Mädls, wollt ihr lieber einen Gipfel besteigen oder zwei Pulverschneeabfahrten?“

Was für eine Frage, das Kleine Seehorn steht auch nächste Woche noch, aber zwei Mal unverspurten Pulverschnee kriegen wir so schnell nicht mehr. So lassen wir den frischen Wattflausch so richtig stauben und malen schwungvoll unsere Spuren in den langen Hang des Seegletschers. Im Talboden fellen wir erneut auf und steigen in steilen Spitzkehren zur Kromer Scharte hinauf. Durch ein Felsloch schlupfen wir auf die Nordseite des Kamms, wo unsere Mühe mit einer langen Abfahrt durch schönsten Pulverschnee belohnt wird. Lässig schwingen wir über sanfte Hügel die lange, lange Abfahrt bis hinunter zum Vermunt-Stausee.

Wer sucht, der findet

Nach dieser schönen Portion Winter und tollem Pulverschnee steht uns ein breites Grinsen ins Gesicht geschrieben. Am liebsten gleich umdrehen und wieder zur Hütte aufsteigen, wenn es zuhause nicht diese lästigen Pflichten gäbe, die uns rufen. Für jetzt müssen wir uns somit vom Schnee verabschieden, im schlimmsten Fall bis zum nächsten Jahr. Der kurze Ausflug in die Silvretta war es trotzdem wert und wir fühlen uns wieder einmal bestätigt: Firn hin oder her, die Suche nach verborgenen Pulverschnee-Fleckchen hat sich bis jetzt immer gelohnt.

INFOS:

  • Anreise mit dem Auto über die Inntal- oder Rheintal. Autobahn bis zur Abfahrt Montafon bei Bludenz, weiter auf der Montafonerstraße (L188) nach Partenen.
    Mit der Bahn bis Bludenz, anschließend per Montafonerbahn nach Schruns und mit dem Postbus nach Partenen.
  • BergbahnVermuntbahn, Vermuntwerk, 6794 Gaschurn. Die Silvretta-Hochalpenstraße ist im Winter gesperrt, daher geht es ab Partenen mit der Vermuntbahn zur Bergstation Trominier (1.731 m) und per Minibus hinauf zum Vermuntstausee (1748m) oder Bielerhöhe (2032m). Die Bahn verkehrt täglich von 8:30-12:00 Uhr und 13:00-16:00 Uhr, letzte Talfahrt ab Bielerhöhe um 16:00 Uhr.
  • Hütte: Saarbrücker Hütte, 2538 m, DAV Sektion ASS Saarbrücken, Hüttenwirte Bruno und Sabine Falch, Tel. +43 5442 64234 (Tal), Tel. +43 5558 4235 (Hütte), www.saarbrueckerhuette.com, im Winter 14 Tage über Ostern geöffnet, 37 Zimmerlager, 51 Matratzenlager, 12 Winterlager (immer offen, ungeheizt)

MATERIALEMPFEHLUNGEN:

DYNAFIT Neo CR WS und DYNAFIT TLT7
DYNAFIT Manaslu 2.0 mit Speedskin Manaslu und TLT Radical ST 2.0
LEKI Tourstick Aergon 2 und Aergon 2 V
LVS Gerät Ortovox 3+, Schaufel & Sonde
Rucksack Thule Stir
Julbo Eclipse und Julbo Whoops Multilayer