Alle Artikel zum Thema ‘Die Bergfreunde’

Immer diese Vorurteile. Von wegen kleine Bude mit ein paar Kletterverrückten und Wanderlustigen im Hinterzimmer. Wird Zeit für ein Blick hinter die Kulissen. Klar, eins steht fest: Wir sind echte Bergfexe und in unser Freizeit kraxeln wir auch gerne mal an den senkrechten und überhängenden Wänden herum.

Aber um letztlich alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, erfährst Du hier was wir so treiben und was es neues bei den Bergfreunden gibt. Von Touren, über Mitarbeiter-Aktionen bis hin zu lustigen Geschichten aus den Bergen ist alles dabei.

Erlebt die Bergfreunde in voller Action. Ob beim kraftraubenden, akrobatischen Klettern der ultimativen Route oder der winterlichen Alpenüberquerung.

Die Bergfreunde Klimabilanz 2019

27. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Alles beginnt mit dem ersten Schritt. Und den sind wir Ende letzten Jahres gegangen, indem wir die Bergfreunde klimaneutralisiert haben. Wir haben versprochen, nicht stehen zu bleiben und den Weg weiter zu gehen, den wir eingeschlagen haben. Und Versprechen soll man halten!

Also haben wir in den letzten Monaten mal eben unsere Nachhaltigkeits-Taskforce an den Start gebracht, haben uns der Dopper Wave angeschlossen und Ansätze gefunden, wie wir Einwegplastik in der Retoure reduzieren können. Jetzt kommt das neueste Puzzle-Stück dazu, das eine wichtige Basis für unsere weiteren Bemühungen bildet: Unsere Bergfreunde-Klimabilanz für das Jahr 2019.

Unterm Strich

2.327,5 Tonnen CO2. Wir wollen hier gar nicht lange um den heißen Brei herum reden. Denn auch das gehört für uns dazu, Offenheit und Transparenz. 2.327,5 Tonnen CO2 haben die Bergfreunde 2019 in die Luft geblasen. Das entspricht in etwa der Menge, die bei einer 7.228.362 km langen PKW-Fahrt oder von 277 EU-Bürgern emittiert wird. Auf der anderen Seite bräuchte es etwas mehr als 180.000 Buchen, um die Menge wieder zu binden.

Ok, gut. Jetzt wissen wir also Bescheid. Doch was fangen wir jetzt mit diesen Zahlen an?

Eine Grundlage schaffen

Eines unserer großen Ziele für die nächste Jahre ist es, unsere CO2-Emissionen zu senken. Natürlich geht das aber nur dann vernünftig, wenn wir wissen, wie hoch unsere Emissionen eigentlich sind und wo genau sie verursacht werden. Der logische Schritt war also, alles möglichst genau aufzusummieren, wobei uns hier – wie in allen Fragen rund um das Thema CO2 – die Profis von ClimatePartner zur Seite standen. Es galt jetzt, alle Karten auf den Tisch zu legen, also sammelten wir fleißig alle möglichen Daten ein und fragten alle Bergfreunde-Mitarbeiter ausführlich, wie denn z.B. ihr Weg zur Arbeit so aussieht…

Wenige Überraschungen

Nun beschäftigen wir uns nicht erst seit gestern mit unseren Auswirkungen auf die Umwelt und so war uns eigentlich im Vorfeld schon klar, wo die größten Brocken liegen. An erster Stelle steht die Ausgangslogistik, d.h. der Versand selbst, gefolgt von der Verpackung mit und auf dem dritten Platz steht schon die Anfahrt der Mitarbeiter. Die genauen Verteilung seht ihr weiter unten.

Was machen wir mit den Zahlen?

Wir nehmen sie als Ausgangspunkt und setzen uns klare Ziele. Konkret: Wir wollen bis Ende 2022 unsere CO2-Emissionen pro versendetem Paket um satte 30% reduzieren. Natürlich wollen wir die darüber hinaus anfallenden Emissionen weiterhin kompensieren und sind gerade dabei, die Projekte zu definieren, in die unser Kompensationsbeitrag fließen wird.

Besonderen Wert legen wir dabei auf Projekte, die nicht nur die Klimabilanz glätten, sondern gleichzeitig auch einen Entwicklungshilfeaspekt beinhalten. Selbstverständlich werden wir euch an dieser Stelle auch weiterhin über unsere Bemühungen informieren und stehen euch für alle Fragen Rede und Antwort.

Die komplette Klimabilanz könnt ihr unter diesem Link einsehen.

Back‘ dir einen Bergfreunde-Apfelstrudel

22. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Man kann Glück nicht kaufen, aber man kann es backen! :) Und zwar in Form eines leckeren Bergfreunde-Apfelstrudels. Der hat uns schon den einen oder anderen Arbeitstag mächtig versüßt und weil wir euch dieses leckere Backwerk nicht vorenthalten wollen, habe ich Kollege Robert aus unserem Bergfreunde-Gearhead-Team das Rezept entlockt. Viel Spaß beim Nachbacken!

Zutaten für einen Strudel

Teig

  • 300 Gramm Mehl
  • 160 ml Wasser
  • 2 EL Öl

Füllung

  • 2 kg Äpfel (Kochäpfel, z.B. Braeburn und Granny Smith)
  • 100 g Nüsse (Mandel oder Haselnüsse, gehobelt)
  • Zimt und Zucker nach belieben

Sonstiges

  • Butter zum Bestreichen
  • Optional: 1 Ei

Und so geht unser Apfelstrudel

Als erstes bereiten wir den Teig zu. Mehl, Öl und Wasser in eine Schüssel geben und so lange kneten, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Dieser sollte etwas fester und nicht zu weich sein. Danach ist 30 Minuten Teigruhe angesagt.

In der Zwischenzeit kümmern wir uns um die Füllung. Die Äpfel werden gehobelt und anschließend mit den Nüssen, Zimt und Zucker vermischt. Bei sauren Äpfeln kann gerne etwas mehr Zucker hinzugegeben werden und wer möchte, rundet das Ganze mit einem kleinen Schuß Schnapps ab. Beiseite stellen und ziehen lassen.

Jetzt ist der Teig wieder dran: Zuerst legen wir Backpapier aus, das erleichtert das Rollen. Darauf geben wir den Teigklumpen, den wir nun ganz vorsichtig ausrollen. Er sollte hauchdünn sein. Nutzt besser das Nudelholz, mit den Händen ist die Gefahr von Löchern größer. Bestreicht den Teig zum Schluss noch mit flüssiger Butter.

Nun belegen wir den Teig mit der Füllung. Diese wird gleichmäßig auf der Teigfläche verteilt. Sollte die Masse viel Flüssigkeit lassen, gebt nach dem Ausbreiten eine kleine Hand voll Semmelbrösel draüber.

Lasst ein paar Zentimeter Platz zum Rand, damit ihr den Strudel gut einrollen könnt. Klappt nun die Ränder ein, so dass sie die Füllung etwas überdecken und rollt das Kunstwerk mit Hilfe des Backpapiers zu einem Strudel.

Auf einem Backblech kommt das gute Stück jetzt bei 200 Grad Ober/Unterhitze für ca. 45 min in den Ofen. Nach 30 Minuten könnt ihr den Apfelstrudel noch mit Ei bestreichen, das gibt eine schöne braune Farbe.

Für das i-Tüpfelchen – oder besser: Das Bergfreunde-Tüpfelchen – schnappt ihr euch einen Karton und schneidet ihn in der Form unseres Logos aus. Das legt ihr auf den Strudel und bestreut die Oberfläche dann mit Puderzucker. Voila: Der Bergfreunde-Apfelstrudel ist fertig.

Dazu passt ein Kleks Sahne, eine Kugel Vanilleeis oder Vanille-Soße! :) Wir wünschen guten Apetitt!

Gib dem Ellenbogen deine Aufmerksamkeit!

9. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Sofort merken wir sportlichen Menschen, wenn unser Ellenbogengelenk beschädigt ist und nicht mehr reibungslos funktioniert.

Unsere Ellenbogen brauchen wir. Und ohne Ellenbogen die Wände hochklettern, das ist fast unmöglich. Wie ihr eure Armmuskulatur und den Ellenbogen schützen könnt und ob gezieltes Trainieren Sinn macht, erklären wir euch hier.

Über die Anforderungen an den Ellenbogen im Klettersport habe ich mit Dr. med. Andreas Thannheimer, Chefarzt am Klinikum Garmisch-Partenkirchen gesprochen. 

Das Ellenbogengelenk ist sehr gut geführt und auch die starken Muskeln haben beste Voraussetzungen, da sie nicht über das Gelenk verlaufen.

Das Ellenbogengelenk besteht aus drei Gelenken, die zusammen von einer Gelenkkapsel überdeckt werden. Die feste Gelenkkapsel wird unterstützt von fächerförmigen Seitenbändern, Innenbändern, sowie den kräftigen Sehnen der Bizeps-, und Trizepsmuskeln.

Beim Beugen und Strecken unseres Arms sorgen die Muskeln und weitere kleinere Muskeln auch nochmals dafür, dass das Gelenk eingespannt wird und stabil ist. Ein Meisterwerk! 

Bei Menschen, die viel trainieren und lange Klettersport betreiben, können Überlastungsschäden auftreten.

Bemerkbar werden die Überlastungen durch anhaltende Schmerzen am oder im Gelenk. Oft sind es Reizungen oder Entzündungen an den Sehnenansätzen, die erst einmal durch geringere Belastungen und Pausieren des Sports gemildert werden können. Diese sogenannten Ansatztendinosen halten in fortgeschrittenen Stadien lange an und müssen langwierig therapiert werden. 

„Der Tennis- und Golfer-Ellenbogen kann auch bei Kletterern auftreten. Da gibt es ungefähr tausend Methoden in der Behandlung. Bei diesen Überlastungsschäden hilft jedem Mensch etwas anderes. Die Heilung kann langwierig sein und chronische Schmerzen können bleiben. Mikroverletzungen an den Sehnen oder überlastungsbedingte Instabilitäten lassen sich erfolgreich operativ behandeln.“ 

Um den Ellenbogen wirklich schwer zu verletzen, muss im Gegensatz zum Schulterbereich viel direkte Kraft einwirken. 

Stürze gegen die Wand oder mit Bodenkontakt können ein Auslöser sein. Besonders gefährdet ist das Gelenk, wenn ein Auf- oder Anprall in der Beugestellung passiert 

„Bei einem Sturz mit Boden- oder Wandkontakt kommt die Stützfunktion mit der einhergehenden Stauchung über die Hand und den Unterarm in Frage. Es wird ja immer versucht sich doch noch abzufangen. Wenn der Ellenbogen in der Beugestellung ist, kann es zum Auskugeln des Gelenks kommen. Ein direkter Anprall führt oft zu Weichteilverletzungen oder Brüchen der Elle.“ 

Nach einem Sturz oder Anprall ist es wichtig zu klären, ob die Funktionalität noch erhalten ist und zu beobachten wie sich die Schwellungen und Schmerzen entwickeln. Wenn ihr das Gelenk nicht mehr strecken oder beugen könnt, ist es ratsam, direkt in die Klinik zu gehen oder eine entsprechende Praxis aufzusuchen.

Ein wenig ungünstig liegt im Falle von größeren Schwellungen und Hämatomen der Ellennerv (Nervus ulnaris).

Da solltet ihr kontrollieren, ob die Sensibilität im kleinen Finger sowie in der Hand gestört ist. Es kann sein, dass die Hämatome beim stärkeren Abdrücken des Nervs operativ entfernt werden müssen. Ansonsten gilt auch beim Ellenbogen: Hochlagern, kühlen und pausieren. Aber nicht ruhigstellen! Wenn die Schmerzen und Einschränkungen so stark sind, dass ihr das Gefühl habt, dass Gelenk ruhigstellen zu müssen, solltet ihr in eine Praxis oder Klinik gehen.

„Eine längerfristige Ruhigstellung des Ellenbogengelenkes sollte möglichst vermieden werden, da durch eine Ruhigstellung dauerhafte Bewegungseinschränkungen begünstigt werden können.“ 

Bei Luxationen, Verschiebungen oder Brüchen wird fast immer operiert.

Die Operationen sind meist etwas aufwendiger und komplexer, da das Ellenbogengelenk wieder so hergestellt werden muss, dass es hundertprozentig passt. Erfahrene Unfallchirurginnen und Sportmediziner sind dann eure Adresse! Einfache Luxationen, die reponiert und in der Führung bleiben, müssen nicht operiert werden.

„Für das Ellenbogengelenk ist eine hundert prozentige Kongruenz wichtig. Operativ muss versucht werden die Funktionalität bzw. Beweglichkeit bis auf wenige Millimeter wieder richtig und passend herzustellen. Bei wenigen Millimetern Fehlstellung reagiert das Gelenk sehr empfindlich und es kann schnell zu Arthrose kommen. Es gibt auch Sehnenrupturen der Bizeps- oder Trizepssehnen. Bei höherer Gewalteinwirkung kann die Bizepssehne abreißen. Bei einem direkten Anprall am Ellenhaken kann hier die Trizepssehne knöchern ausreißen. Bizeps- oder Trizepssehnenabrisse werden in aller Regel wieder operativ refixiert.“ 

Wichtig ist bei Wiederaufnahme des Trainings langsam anzufangen und auf die Schmerzen zu achten. 

Für mehr Mobilisation helfen euch diese Übungen, die ihr selbst machen könnt. 

Der Klassiker: 

Den Arm vor dem Körper gerade ausstrecken. Die Hand nach unten beugen und mit der anderen Hand Druck auf die gebeugte Hand ausüben bis ihr eine Dehnung verspürt. Der Arm ist im ersten Bild gerade vom Körper gestreckt. Im zweiten Bild ist die Handinnenfläche nach oben gedreht und zeigt zur Decke. Durch diese Variationen der Übung dehnt ihr alle Strukturen.

Den Ellenbogen unterstützen, könnt ihr mit Hilfe von kleinen Zwei-Kilo-Hanteln und einem Tisch. Euren Arm platziert ihr so auf dem Tisch, dass der Ellenbogen auf der Platte liegt und das Handgelenk an der Tischkante frei ist und überhängt. Mit der Hantel in der Hand geht ihr in die Extension und Flexion des Handgelenks. Die Übung macht ihr einmal mit der euch zugewandten Handinnenfläche und mit der euch zugewandten Handaußenfläche. 

Und hier eine Allround-Übung für Alle! Besonders gut für den Schulterbereich und Ellenbogen, ist das Aushängen. Dazu müsst ihr nicht euren ganzen Körper halten! Es reicht das Lehnen in die Streckung. Bei den Übungen unterstützen euch natürlich auch Physiopraxen, wie die Praxis von Tayfun Babayigit, die ihr auf den Bildern sehen könnt.

Azubi a.D.: IT-Bergfreund Jonas im Interview

5. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Etwas mehr als drei Jahre ist es jetzt her, dass unser Bergfreunde-IT-Azubi Jonas seinen ersten Arbeitstag bei uns antreten durfte. Für ihn sicher so aufregend wie für uns, denn er ist seit einer langen Zeit der erste Azubi, der die Bergfreunde-Bühne betritt.

Und letztens war es dann soweit: Jonas hat seine Abschlussprüfung in der Tasche und ist seitdem Vollzeit-Bergfreund! Wir haben das zum Anlass genommen und ihn mal zu einem kleinen Interview gebeten…

Jonas – Hand aufs Herz: Warum die Bergfreunde? Zufall? Fan? Was hat dich zu uns gebracht?

Es war tatsächlich – soweit ich mich erinnern kann – Zufall. Ich war damals noch auf dem technischen Gymnasium und in der 12. Klasse. Als ich immer weniger Lust hatte, mein Abi fertig zu machen, hab ich angefangen, mich über Ausbildungsberufe zu informieren und mir schließlich mal einen Überblick über potenzielle Stellen verschafft. Irgendwann wurde mir die Jobseite der Bergfreunde auf Facebook vorgeschlagen.

Die Bergfreunde kannte ich schon, da hab ich immer mein Kletterzeug bestellt, deshalb habe ich mal geschaut was die so für Jobs haben. Dort habe ich dann die Azubistelle gesehen und mich beworben. Ich dachte mir, wenn ich genommen werde, mach ich statt Abi nur Fachhochschulreife und eine Ausbildung. Falls nicht, mache ich mein Abi fertig und schau dann was passiert. Das war auch die einzige Stelle auf die ich mich beworben habe, die anderen Unternehmen haben mich nicht so Interessiert, als dass ich dafür mein Abi abgebrochen hätte.

Als du dich bei uns beworben hast, gab es eine lustige Geschichte wegen deines Tattoos: Erzähl mal. 

Die Bewerbungsphase war durch und mündlich war schon alles geklärt, soweit ich weiß hab ich nur noch auf den Ausbildungsvertrag gewartet. Zu dem Zeitpunkt war ich drauf und dran, mir ein Tattoo stechen zu lassen und war mir etwas unsicher, wie die Bergfreunde mit so etwas umgehen, daher hab ich damals nachgefragt, ob ein sichtbares Tattoo in Ordnung ist. Unterschrieben hätte ich auf jeden Fall, aber mein Tattoo hätte ich vielleicht an einer anderen Stelle stechen lassen.

Zu meiner Beruhigung war es kein Problem und ich habe sogar einen neuen Tattoovorschlag bekommen: ein schönes Tribal mit der Überschrift “System Administrator”. Spoiler: Ich habe mich für ein anderes Motiv entschieden. ;)

Kannst du dich noch an deine erste Woche erinnern? Wie war dein Eindruck von der Firma und den Kollegen?

Die erste Woche war – wenig verwunderlich – ganz anders als in der Schule und hat mir vor allem deutlich mehr Spaß gemacht. Die Kollegen waren alle super nett und ich wurde erstmal vielen Leuten vorgestellt, wurde herumgeführt, habe anderen über die Schulter geschaut, meinen Arbeitsplatz eingerichtet und das eine oder andere einfache Helpdesk-Ticket erledigt. Viel mehr ist glaube ich in der ersten Woche auch nicht passiert.

Hat sich der Eindruck gegenüber den Kollegen nach der ersten Neujahrsfeier grundlegend geändert?

Die Neujahrsfeier war richtig gut. Ich dachte ja eigentlich, Betriebsfeiern wären eine eher steife Angelegenheit. Ich sollte aber schnell eines besseren belehrt werden. Nach der Neujahrsfeier habe ich mich mit vielen Kollegen, die ich davor nicht so richtig kannte oder mit denen ich nicht viel zu tun hatte, viel mehr unterhalten und ich fand, das hat alles auch etwas gelockert.

Vor allem aber erinnere ich mich an den Kater am nächsten Tag, der war nicht ganz so angenehm.

Wie bist du eigentlich im Berufsfeld IT gelandet?

Ich war schon immer gerne am Computer und hatte da schon das eine oder andere Projekt. In der Schule war Informatik auch nie ein Problem. Meine Alternative wäre übrigens die Schreinerei gewesen, aber in der Informatik sind die Berufsaussichten doch etwas besser.

Neben Klettern und bei den Bergfreunde arbeiten, was machst du sonst so. Erzähl uns alle schmutzigen Geheimnisse! ;)

Ach, lauter nerdigen Kram. Die Klischees muss man ja auch bedienen. Ich spiele gerne Brettspiele, verbringe Zeit an der Playstation, sitze am Computer. Wenn dann der Nerd in mir mal im Keller bleibt und ich nicht beim Klettern bin, mache ich hin und wieder “Gettoworkout” im Rahmen des Unisport-Programms mit oder lass den Hobbyschreiner raus und bastle mir irgendwas aus Holz, meistens Trainingsgeräte fürs Klettern.

Wenn du die Wahl hättest: Welche drei Ausrüstungsgegenstände aus dem Bergfreunde-Shop würdest du dir sofort bestellen?

Neue Kletterschuhe könnte ich mal wieder gebrauchen, aber sonst fällt mir momentan nichts Spezielles ein. Kletterzeug kann man aber immer gebrauchen, einen Satz Cams oder ein paar Offset Nuts wären auch noch nützlich.

So, genug gequasselt: Die letzten Worte gehören dir. Was willst du den Bergfreunden da draußen noch sagen?

Passt auf euch auf und habt Spaß.

Kaufberatung MTB-Reifen

DIMB Ausbildung zum MTB Guide: Fahrsicherheit und Erste Hilfe

30. September 2020
Die Bergfreunde

Lockdown, das Unwort des Jahres?

Vielleicht! Denn auch für die Teilnehmer der MTB Ausbildung beim DIMB und erst recht für die Verantwortlichen der DIMB stellt die gegebene Situation eine enorme Herausforderung dar.
Umso glücklicher war ich als dann die Nachricht von der Geschäftsstelle kam, dass die Ausbildungen wieder aufgenommen werden können. Ein strenges Hygiene- und Sicherheitskonzept macht den Unterricht wieder möglich und natürlich auch die Tatsache, dass wir uns viel an der frischen Luft aufhalten. An dieser Stelle nochmal ein ganz dickes Dankeschön alle Beteiligten bei der DIMB. Ich bin Euch sehr dankbar für die Möglichkeit meine Ausbildung weiter machen zu können.

Basismodul Fahrsicherheit – Tag 1 

So heißt es für mich dann also wieder Sachen packen und Aufbruch in Richtung Fichtelgebirge an den Ochsenkopf zum Basismodul Fahrsicherheit.
Ehrlich gesagt hab ich mir auch hier gedacht: „Naja…ich kann ja Rad fahren, aber ich muss es halt machen und es gehört dazu.“

Ich sollte recht schnell eines Besseren belehrt werden.

Der erste Tag startet mit einer kurzen Vorstellung des Tagesablaufs und einer theoretischen Einführung in den „Roten Faden Fahrsicherheit“. Was bedeutet das?
Er beschreibt die Grundsätze der modernen Fahrtechnik: 

  1. Der Körperschwerpunkt bleibt grundsätzlich zentral
  2. Der Kopf/Oberkörper bleibt ruhig das Bike bewegt sich
  3. Das Bike wird hauptsächlich durch Neigung gesteuert
  4. Vorausschauende Fahrweise (1-3 Sek)
  5. Bewegungen werden aus dem Sprunggelenk initiiert
  6. Bewegungen fließen ineinander Bewegungsfluss entsteht

Im Grundlagenbereich der Fahrsicherheit/-technik geht es also um das Vermitteln und Heranführen an

Dies soll dem Teilnehmer eines Fahrtechnikkurses oder auch auf einer geführten Tour anschaulich näher gebracht werden, um ihm so Sicherheit und folglich hoffentlich mehr Spaß auf den Trails zu ermöglichen.

Die Theorie war schnell abgehakt und es geht hinaus auf den Parkplatz um mit den ersten Übungen zu beginnen.
Ich merke schnell, dass es mir schwer fällt zu unterscheiden, ob es nun um meine eigene Technik geht oder um das übertriebene Demofahren für den virtuellen Kursteilnehmer. Unsere Ausbilder möchten von uns quasi übertriebene Bewegungsabläufe sehen, damit der Schüler überdeutlich den Unterschied zwischen richtig und falsch sehen und nachvollziehen kann. Das ist gar nicht so einfach.

Sehr kurzweilig geht der erste Tag des Lehrgangs zu Ende und es wird bei bestem Wetter im Biergarten des Bullheadhouse am Ochsenkopf gefachsimpelt.

Basismodul Fahrsicherheit – Tag 2 

Zweiter Tag, Frühstück und direkt raus an die Luft.
Nach dem „selbst“ erfahren der Grundsätze am Vortag geht es heute um das Erkennen und eventuelle Korrigieren von Bewegungsmustern bei anderen im Gelände.

Die Herausforderung: wie formulieren ich pädagogisch sinnvolles Feedback, so dass der Teilnehmer es auch verstehen und umsetzen kann. Das ist gar nicht so einfach, wie ihr vielleicht denkt!

Der Tag geht rasend schnell vorbei und gegen 16 Uhr ist leider schon Schluss. Es folgt noch Einzel-Feedback und eine Einschätzung der Ausbilder zum weiteren Weg. Dann treten wir den Heimweg an.

An dieser Stelle ganz besonderen Dank an die beiden DIMB Ausbilder Michi Hacker und Stefan Stark. Ebenso möchte ich mich bei Marcus Euerle bedanken, der mir die Möglichkeit gibt bereits jetzt mein erlerntes Wissen in seiner Fahrtechnikschule TrailSkills anzuwenden.

Jetzt wird’s blutig!

Dreieinhalb Wochen nach dem letzten Lehrgang, stehe ich wieder auf dem Parkplatz des Ochsenkopfs im Fichtelgebirge und freu mich auf das Lehrgangsmodul, das ich wahrscheinlich am allerdringendsten gebrauchen kann. Heute geht es darum, wie wir im Notfall am besten Erste Hilfe leisten können.

Basismodul Outdoor Erste Hilfe – Tag 1 

Außer mir sind noch sechs weitere Teilnehmer zu diesem Lehrgang gemeldet und wir treffen uns, völlig Corona-gerecht, im extra vom Wirt des Bullheadhouse aufgestellten Partyzelt zu den ersten Stunden Theorieunterricht.

Gleich zu Beginn bekommen wir von DIMB Ausbilder Michi Hacker das wichtigste Werkzeug für Notfallsituationen an die Hand: den Erste Hilfe Algorithmus.

Diese Vorgehensweise stellt den zentralen Leitfaden für die Verhaltensweise als Ersthelfender an einer Unfallstelle dar. Anhand des Algorithmus kann man sich immer wieder selbst auf den richtigen Weg bringen bis Rettungskräfte die Unfallstelle erreichen. Im Falle des Falles kann diese Vorgehensweise dem Verunfallten das Leben retten.

Weiter geht es mit diversen Methoden zur Versorgung von Wunden (Druckverband, Armschlaufe) oder was man bspw. machen kann, wenn sich einer das Schlüsselbein gebrochen hat (Rucksackverband).

Ganze üben wir natürlich noch an der frischen Luft, denn es ist in großer Unterschied, ob die Schulung unter Laborbedingungen in einer Turnhalle stattfindet, oder auf unebenem Waldboden auf dem man bspw. direkt selbst spüren kann, wie schnell man eigentlich auskühlt.

Also raus in die Natur. Anhand diverser Fallbeispiele verinnerlichen wir nochmal den Erste-Hilfe-Algorithmus und darüber hinaus lernen wir, was man machen kann um einen verstauchten Knöchel zu kühlen und man gerade kein Eis dabei hat. Ganz simpel eigentlich, man nehme einen Einweghandschuh und fülle ihn mit Wasser aus der Trinkflasche oder mit feuchter Erde. Der Effekt ist wirklich erstaunlich.

So geht auch dieser Tag sehr schnell zu Ende und ich merke wie ich selbst immer souveräner mit den vorgegebenen Situationen umzugehen lerne. Stressig und fordernd bleiben die Rollenspiele trotzdem, aber allmählich weiß man schon dass man sich auf sein Wissen verlassen kann.  

Sehr müde und mit vielen neuen Erfahrungen falle ich an diesem Abend ins Bett.

Basismodul Outdoor Erste Hilfe – Tag 2

Nach einem ausgiebigen Frühstück und der nicht ganz einfachen Klamottenwahl heute (Regen am Morgen), treffen wir uns wieder an unserem „Theoriezelt“. Heute stehen Themen wie Reanimation, Integralhelm abnehmen und speziellere internistische Fälle (Herzinfarkt, Schlaganfall, allergischer Schock, usw.) auf dem Programm.

Ausbilder Michi hat für uns draußen heute einen „1 zu 1 Erste Hilfe Zirkel“ vorbereitet. Das bedeutet, ein Teilnehmer spielt ein Opfer und wird von einem anderen Teilnehmer gefunden. Das Szenario wird abgespult dann aufgelöst und besprochen. Die Stationen waren: ein Herzinfarkt, undefinierte Schmerzen im Unterleib, Überanstrengung/Hungerast, allergischer Schock.
Der Ersthelfer muss herausfinden, was das Opfer hat und mit Hilfe des Algorithmus entscheiden, was zu tun ist.

Zum Ende des Lehrgangs gibt es dann nochmal ein kleines „Highlight“. Erneut gibt es ein etwas größeres Unfallszenario mit einer größeren Bike-Gruppe. Ich darf auch mal Opfer sein und hab mir bei einem Sturz über den Lenker denselben in den Bauch gerammt. Während ich gefunden werde und der Ersthelfer mit meiner Behandlung beginnt, verliere ich das Bewusstsein und bin nicht mehr ansprechbar. Meine Retter stellen sehr schnell fest, dass ich wohl innere Verletzungen habe. Dafür hat mir Michi sogar einen blauen Fleck auf den Bauch „geschminkt“.

Spektakulärer ist der Fall meines Opfer-Kollegen: Er ist auf den Kopf gefallen, hat eine Gehirnerschütterung und sich den linken Arm an einem Ast aufgespießt. Jetzt fließt sogar „richtig“ Blut! 

Es ist zwar alles nur gespielt und beim Blut handelt es sich um Lebensmittelfarbe, aber es verstärkt doch unbewusst den Stressfaktor um ein paar Prozent. Alle zusammen kehren wir gesund und munter zurück zum Parkplatz und sind an diesem froh dass alles „nur“ gespielt war.

In der Abschiedsrunde geben wir uns Feedback und wir bedanken uns nochmal ausgiebig bei Michi Hacker. Es ist schon sehr beeindruckend wie professionell und empathisch er auf alle Fragen und Belange eingeht und er sein Wissen an uns Teilnehmer weiter gibt.

Ist das Thema Erste Hilfe an sich ist ja schon recht komplex, nicht zuletzt oder vielleicht auch vor allem auf der emotionalen Ebene, so haben die Corona-Schutzmaßnahmen die Sache nicht unbedingt einfacher gemacht. Es muss ständig auf den Abstand geachtet werden, da es ohne Körperkontakt aber nicht geht sind Einweghandschuhe und Maske das elementarste Handwerkszeug des Wochenendes.

Vielen Dank an die Verantwortlichen der DIMB, die das Sicherheits- und Hygienekonzept erarbeitet haben, ohne welches die Ausbildung sonst in diesen verrückten Zeiten nicht möglich wäre.

Und an alle Outdoor-Dudes da draußen die, wie ich, das letzte Mal beim Führerschein machen was mit Erste Hilfe zu tun hatten. Dani Hornsteiner, ebenfalls Ausbilderin bei der DIMB, bietet auf ihrer Seite www.danihornsteiner.de spezialisierte Erste Hilfe Kurse auch für Kletterer, Skitourengeher, Biker, usw. an. Jeder Euro lohnt sich und kann im Zweifel Leben retten.

Ich kann eine Woche verschnaufen, dann geht es für mich Anfang September mit dem Aufbaumodul Guiding weiter. Da geht’s dann viel um Psychologie….stay tuned!

Wickel’s ein – weniger Einwegplastik bei Retouren

18. September 2020
Die Bergfreunde

Kunststoff ist prinzipiell eine ziemlich geniale Sache: Man kann ihn in so ziemlich jede Form bringen, er ist günstig herzustellen, hat sogar eine gute Klimabilanz und ist meist ohne Qualitätsverlust recyclebar. Das Problem, das alle übrigen durchaus positiven Aspekte überschattet, heißt: Entsorgung. Wir alle kennen die wenig schönen Bilder von zugemüllten Stränden und auch das Thema Mikroplastik geistert immer wieder durch die Medien. Fest steht: Wir müssen es irgendwie schaffen, das Aufkommen an Plastikmüll zu reduzieren oder den anfallenden Müll zu recyceln.

Single Use Plastics – der Bösewicht!

Sogenannte Single Use Plastics, also Kunststoffprodukte, die nur einmal verwendet und dann entsorgt werden, sind in der ganzen Geschichte besonders problematisch. Einige Produkte aus dieser Kategorie, wie z.B. Plastikstrohhälme, sind inzwischen sogar schon verboten. Zu diesen SUPs zählen auch die feinen Plastikbeutel, in denen Bekleidung verpackt ist, wie sie zuhauf in unserem Lager herum liegt.

An sich erfüllen die Beutel einen guten Zweck: Sie schützen Bekleidung beim Transport vor Schmutz und Beschädigungen. Und das ist wichtig, denn jeder Kunde erwartet im Grunde einwandfreie Ware. Problem dabei: Diese Beutel sind derart zahlreich, dass es schwer ist, sie beim Kunden einzusammeln und wieder zu verwerten. Das Ergebnis: Viele landen direkt im Müll.

Eine Lösung muss her! Dafür wurde vor einigen Jahren die Single Use Plastics Initiative gegründet. Sie hat zum Ziel, das Problem mit den Polybags anzugehen und einen Recycling-Kreislauf zu etablieren, damit sie nicht mehr in der Umwelt landen, sondern direkt wiederverwertet werden. Wir sind ebenfalls Teil dieser Initiative und haben im Zuge dessen z.B. schon mehrmals testweise Bekleidung ohne Polybags versendet – mit sehr positiven Rückmeldungen seitens der Kunden. Die Polybags sammelten wir bei uns und schickten sie zum Recylinghof. 

Noch gibt es allerdings keine finale Lösung. Immerhin nutzen einige Marken, wie z.B. adidas inzwischen Polybags aus Recycling-Kunststoff, aber der große Wurf ist noch nicht gelungen. Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden.

Wie kann man SUPs vermeiden?

Nun gibt es natürlich nicht nur die Möglichkeit, Single Use Plastics wie Polybags zu recyceln. Man kann sie auch ganz einfach versuchen zu vermeiden – sie schlicht nicht nutzen. Das ist aus den oben genannten Gründen (Schutz der Bekleidung) zwar nicht praktikabel, aber wir haben einen Weg gefunden, wie wir zumindest einen kleinen Teil der Polybags einsparen können und zwar bei den Retouren.

Diese sind zahlreich. Das ist das Joch des Onlinehandels. Zwar geht es bei uns nicht so hoch her, wie bei reinen Mode-Online-Händlern, aber dennoch haben auch wir mit einem hohen Aufkommen an Retouren zu kämpfen.

Wenn Bekleidung vom Kunden zu uns zurück gesendet wird, wird sie wieder eingelagert – logisch. Dafür nutzen wir dann entweder den ursprünglichen Polybag oder – sofern der nicht mehr intakt ist – einen neuen. Zumindest war das bis vor kurzem so… denn seit einigen Wochen finden sich in unserer Retouren-Abteilung mehrere Maschinen, mit deren Hilfe wir Bekleidung mit Papierbanderolen verpacken können. Wie das aussieht, seht ihr hier:

Ziemlich genial, oder? Zwar noch immer nicht 100% perfekt, da auch auf den Bändern ein wenig Kunststoff aufgebracht ist, damit sie zusammengeschweißt werden können, aber wir sparen dadurch in der Retoure schon mal eine ganze Menge Plastik ein. Der Vollständigkeit halber: Große Waren wie zum Beispiel Parkas passen leider nicht in die Maschine und besonderes empfindliche Bekleidung, wie z.B. weiße T-Shirts müssen wir aufgrund unseres offenen Lagersystems leider weiterhin in Plastikbeutel verpacken. Beide Kategorien zusammen machen aber zum Glück nur einen kleinen Anteil aus.

Fragen, Vorschläge, Anmerkungen?

Wir hoffen, wir konnten euch einen guten Einblick in die Problematik der Polybags und möglicher Lösungsansätze bieten. Falls ihr Fragen, Vorschläge und Anmerkungen habt: Immer her damit. Wir halten euch hier im Blog immer über die neusten Entwicklungen bei uns auf dem Laufenden.

Eigene Müsliriegel aus deiner Outdoorküche

16. September 2020
Die Bergfreunde

Beim Wandern, Klettern, auf Radtouren und bei fast allen anderen sportlichen Outdooraktivitäten sorgen Müsliriegel für den „Extra-Energieschub“ und beugen wirkungsvoll dem gefürchteten „Unterzucker“ vor. Außerdem sind sie handlich und in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich. Viele Hersteller setzen dabei im hohen Maß auf extra zugesetzten Zucker, Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe. Fertig portioniert und in bunte Folien aus Kunststoff verpackt sind industriell gefertigte Müsliriegel einfach zu lagen und gut zu transportieren.

Vermutlich kommt dir bis zu diesem Punkt alles ziemlich bekannt vor. Vielleicht ist dir auch nicht neu, dass es zahlreiche Rezepte gibt, um dir deine eigenen Müsliriegel zu backen. Der größte Vorteil dabei ist, dass du die volle Übersicht über alle verwendeten Zutaten behältst. Du magst keinen künstlichen Zucker, verträgst keine Lactose oder reagierst allergisch auf Erdnüsse? Kein Problem. Viele Rezepte lassen sich individuell für dich, deine Wünsche, Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten anpassen. Außerdem bestimmst du Gewicht und Form deiner Müsliriegel und benötigst weder künstliche „Haltbarmacher“ noch unnötigen Verpackungsmüll.

Was du allerdings bei vielen Rezepten für Müsliriegel benötigst, ist ein Backofen. Der dient dazu aus der teigigen Masse einen festen Riegel zu backen, der sich auch gut transportieren und essen lässt. Falls du einen Van mit Backofen hast oder deine Müsliriegel lieber vor der Tour in deiner heimischen Küche bäckst, findest du eine große Auswahl an Riegel-Rezepten. Schwieriger wird es, wenn du Müsliriegel nur mit einem einfachen Campingkocher und einer Kühlbox herstellen möchtest. Aber genau dafür ist das folgende Rezept: speziell für lange Touren, Trekking und Wanderungen.

Müsliriegel ohne Backofen

Um deine eigenen Müsliriegel herzustellen, benötigst du Equipment, das in jeder kleinen Outdoorküche ohnehin zu finden sein sollte:

  • 1 Kocher (z.B. Gaskocher)
  • 1 großer Topf oder Pfanne mit höherem Rand
  • 1 kleiner Topf
  • 1 Löffel (zum Umrühren und Vermischen)
  • 1 Messer
  • 1 Schneidebrett
  • 1 Gabel oder Spork
  • 1 Gefäß zum Abfüllen der Masse (z.B. Alu-Vesperbox, ggf. mehrere kleinere Gefäße)
  • 1 Kühlmöglichkeit (Kühlschrank, Kühlbox)

Außerdem benötigst du folgende Zutaten, die sich im Einzelnen auch individuell an Geschmack und Vorlieben anpassen lassen:

  • 200gr Datteln (am besten entsteint) 
  • 150gr selbstgemachte Müsli-Mischung (z.B. Haferflocken,…)
  • 100gr Cashews
  • 40gr Kürbiskerne
  • 1 Teelöffel Zimt 
  • 40gr Schokoladenstückchen
  • 2-3 Esslöffel Leinsamen 
  • 70gr Cranberries
  • 80gr Ahornsirup 
  • 60gr Erdnussbutter
  • 1 Vanille (Päckchen oder frisch)
  • (Außerdem ca. 1l Wasser um die Datteln einzuweichen)

Der eigentliche Zeitaufwand beträgt etwa 45 min für die Herstellung der Müsliriegel-Masse. Wenn die Datteln vorher ca. 2 h in Wasser eingeweicht werden, ist die weitere Verarbeitung deutlich einfacher.

Die folgenden 10 einfachen Arbeitsschritte machen aus deinen Zutaten leckere Müsliriegel:

Schritt 1: Datteln entsteinen und wässern

Vor dem eigentlichen Backvorgang solltest du die Datteln von ihren Kernen befreien und danach für ca. 2 h in Wasser einweichen. Dadurch werden die Datteln schön weich und können gut weiterverarbeitet werden. Falls Einweichen nicht möglich sein sollte, geht es aber auch ohne (nur etwas anstrengender).

Schritt 2: Datteln pürieren oder zerkleinern

Falls du das Rezept zunächst in der eigenen Küche ausprobierst, darfst du dir dabei gerne das Leben erleichtern und zu Mixer oder Pürierstab greifen. Das macht das Zerkleinern der Datteln wesentlich schneller und einfacher. Als echter Outdoorkoch zerkleinerst du die Datteln mit dem Messer in möglichst kleine Stücke und zerquetscht diese anschließend mit einer Gabel oder einem Spork. Mit kräftigen Kletterhänden gelingt das auf Anhieb.

Schritt 3: Cashews und Kürbiskerne anrösten

Um den Nüssen ein leckeres Röstaroma zu entlocken, solltest du sie bei niedriger Hitze im Topf oder einer Pfanne mit erhöhtem Rand erhitzen. Natürlich kannst du auch mit einem Gasherd, Elektroherd oder Induktionskochfeld die Nüsse rösten. Selbst ein Lagerfeuer oder etwas Glut sollten dafür ausreichen. Achte darauf, dass Cashews und Kürbiskerne nicht anbrennen und rühre die Kerne am besten oft um. Öl, Butter oder Wasser sind dafür nicht nötig. Wenn ein leckerer, nussiger Duft aus dem Topf aufsteigt, sind die Kerne fertig geröstet. Riecht es dagegen verbrannt, war die Hitze zu stark oder du beim Rühren zu langsam.

Schritt 4:  Müsli-Mischung mit Cashews und Kürbiskerne vermischen

In den noch warmen Topf schüttest du die Müsli-Mischung zu den Cashews und Kürbiskernen. Eventuell kannst du den Kocher auch noch ein bis zwei Minuten auf schwacher Flamme brennen lassen und dabei den gesamten Topfinhalt gut vermischen.

Schritt 5: Schokolade zerkleinern

Mit Messer und Schneidebrett schneidest und brichst du die leckere Schoki in kleine Stückchen. Ob du die Stücke lieber etwas größer oder lieber ganz fein haben willst, bleibt deinem Geschmack überlassen.

Schritt 6: Ahornsirup und Erdnussbutter erhitzen

Durch Erhitzen und Umrühren im kleinen Topf werden Ahornsirup und Erdnussbutter zu einer einheitlichen Flüssigkeit, die sich danach gut ausgießen lässt. Dabei solltest du unbedingt mit schwacher Hitze arbeiten, damit die süße Mischung nicht anbrennt. Zügiges Umrühren ist dabei ein klarer Vorteil.

Schritt 7: Alles im Topf gut vermischen

Zu dem mittlerweile leicht abgekühlten Mix aus Cerealien und Kernen schüttest du zunächst die zerkleinerten Datteln und dann die flüssige Mischung aus Ahornsirup und Erdnussbutter. Danach kommen die übrigen Zutaten in den Topf: Leinsamen, Cranberries, Zimt und Vanille optimieren die Masse in Hinblick auf Konsistenz und Geschmack. Die ganzen Zutaten solltest du danach sehr gut verrühren und vermischen, so dass eine einheitliche Masse entsteht.

Schritt 8: Die Masse abfüllen

Eine gewöhnliche Vesperbox aus Aluminium oder Kunststoff eignet sich hervorragend als Form für die Müsliriegel. In der heimischen Küche eignen sich auch eine Backform (am besten mit Backpapier) oder ein Kuchenblech als Form. Auf jeden Fall muss das Gefäß danach in die ausgewählte Kühltasche, Kühlbox oder Gefriertruhe passen.  Die Masse füllst du dann etwa „fingerdick“ in dein Gefäß und drückst das Ganze mit einem Löffel schön fest. Je mehr Mühe du dir beim Ausfüllen der Ecken und beim Glattstreichen der Oberfläche gibst, desto schöner werden auch deine fertigen Müsliriegel.

Schritt 9: Ab in die Kühlbox

Durch die Kühlung wird die komprimierte Masse schön fest. Eine Camping-Kühlbox, der heimische Kühlschrank oder ein Gefriertruhe eignen sich dafür bestens. Theoretisch sollte es sogar mit einer kalten Nacht vorm Zelt funktionieren (Erfahrungen bitte in die Kommentare). Zwei bis drei Stunden sollten die Riegel dann in Ruhe abkühlen. Nach einer Nacht im Kühlschrank ist das Ergebnis auf jeden Fall super.

Schritt 10: Masse zu Müsliriegeln portionieren

Auf einer festen Unterlage und mit etwas Schwung löst sich der gesamte Inhalt der Vesperbox super aus der Box. Mit einem scharfen Messer kannst dir danach deine Riegel in der passenden Form abschneiden. Ob länglich oder quadratisch spielt dabei keine Rolle. Danach kannst du deine eigenen Müsliriegel direkt wieder in die Dose oder Vesperbox packen und deine Tour kann weitergehen.

 

Das Fazit:

Kosten für die eigenen Müsliriegel 

Bei den angegebenen Mengen kannst du je nach Dicke etwa zwei bis drei Vesperboxen mit Müsli-Masse befüllen. Die angegebenen Lebensmittel (in Bio-Qualität) schlagen mit ca. 9€ zu Buche. Schneidest du die Riegel in ähnlicher Größe, wie handelsübliche Müsliriegel, ergibt der Inhalt einer Vesperbox etwa 5 – 6 Müsliriegel, also insgesamt 15 – 18 Riegel pro Müsli-Masse. Der Preis für einen Riegel liegt also irgendwo zwischen 0,50€ und 0,70€. Die freie Auswahl der Zutaten und das Gefühl seine eigenen Müsliriegel am Berg zu essen, ist dagegen ohnehin unbezahlbar.

Konsistenz und Geschmack 

Natürlich sind die selbstgemachten Müsliriegel nicht ewig haltbar, wie ihre gleichnamigen Vettern aus dem Supermarkt. Dennoch überzeugen sie mit ihrer Konsistenz und bilden eine schön kompakte Form. Wenn dir die Riegel beim Essen zu klebrig sind, schafft Butterbrotpapier zwischen den Riegeln praktische Abhilfe. Das tolle am eigenen Müsliriegel ist vor allem der individuell anpassbare Geschmack. Die Masse ist zwar durchaus süß (soll dem Outdoorsportler ja auch „schnelle Energie“ liefern), kommt aber komplett ohne die Zugabe von „Extra-Zucker“ aus. Viele begeisterte Test-Esser begrüßen die angenehme Süße von Datteln und Ahornsirup, die dich nicht direkt mit der „Zucker-Keule“ erschlägt.

Viel Spaß beim Ausprobieren, Variieren und individuell anpassen!

Gutes Gelingen

Cradle-to-Cradle: heiliger Gral der Nachhaltigkeit?

10. September 2020
Die Bergfreunde

„Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare“: Dieses alte Sprichwort über das Leben in einem gründlich regierten Land ist weithin bekannt. Und „von der Wiege bis zur Bahre“ ist ja auch der übliche Lauf der Dinge. Was soll nun aber ein Konzept sein, dass sich „Von der Wiege bis zur Wiege“ nennt? Wie soll das möglich sein? Werden Produkte hier immer wieder neu „geboren“? Oder kommen sie wie Brad Pitt im Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ alt zur Welt und werden dann immer jünger?

Prinzip- und Begriffserklärung

Alles falsch. Cradle to Cradle ist das „öko-effektive“ Konzept, das der Chemiker Michael Braungart und der Architekt William McDonough vor rund 20 Jahren entworfen haben. Es besagt vereinfacht ausgedrückt, dass Konsum- oder Produktionsgüter in einem vollkommen geschlossenen Kreislauf produziert, verbraucht und re-produziert werden. Vollkommen geschlossen bedeutet, dass es weder Abfälle noch Rückstände noch sonstige „Reibungsverluste“ gibt. Im Detail bedeutet das für die Güterproduktion, dass:

  • die eingesetzten Rohstoffe nach Gebrauch biologisch abgebaut und als „Nährstoffe“ wieder in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt werden ODER
  • ohne Verluste zu neuen Gütern verarbeitet werden können.
  • giftige oder umweltgefährdende Stoffe und Verbundstoffe, die sich nicht sortenrein recyceln lassen, sind für das Produktdesign ausgeschlossen.
  • die Energie für Produktion und Re-Design liefern erneuerbare Energien.

„Cradle to Cradle“ ist somit der Gegenentwurf zur Wegwerfproduktion. Klingt super, doch wie soll diese Wundermaschinerie im Detail funktionieren?

Wie funktioniert es im Detail?

Das Zauberwort heißt „Ökoeffektivität“. Damit ist ein Qualitätsansatz gemeint, der die Möglichkeiten der Industrie so verbessern soll, dass natur- und umweltunterstützende Produkte und Prozesse möglich werden. Und zwar indem natürliche Stoffwechselprozesse detailliert nachgeahmt werden. 

Dabei geht es nicht um Einsparung und Vermeidung, sondern es ist im Gegenteil sogar Überproduktion und „Verschwendung“ möglich. Auch die Natur erzeugt ständig Überfluss, ohne die stofflichen Kreisläufe zu schädigen. Man denke nur an die „Energieverschwendung“ der Sonne.

Man muss demnach laut Braungart den ökologischen Fußabdruck nicht reduzieren, sondern ihn als „nie versiegende, unterstützende Quelle für natürliche Systeme“ errichten.

Klingt nicht ganz unkompliziert und ist auch nicht ganz einfach umzusetzen. Besonders die Sache mit den komplett ungiftigen und recycelbaren Ausgangsstoffen dürfte ein oftmals schwer umzusetzender Schritt sein. C2C ist ein Konzept mit hohen Ansprüchen an Know how und Innovationskraft.

Deshalb gibt es nach wie vor noch nicht allzu viele Produkte, obwohl das Konzept wie gesagt keine Neuheit mehr ist. Weltweit sind es um die 11.000 Produkte, die nach dem C2C Prinzip entwickelt wurden.

Dennoch spricht Michael Braungart im Interview mit Deutschland.de davon, dass die Industrie „euphorisch“ auf Cradle to Cradle reagiert und, da es nicht ums Vermeiden, „sondern um Innovation, Qualität und Schönheit“ geht. Außerdem lehren „alle Designschulen der Welt, die etwas auf sich halten“, Cradle to Cradle. Und das Prinzip setzt sich seiner Ansicht nach weiter durch, da es „Voraussetzung für die Digitalisierung ist. Ich kann nichts digitalisieren, wenn ich nicht ganz genau weiß, was es ist und was es enthält.

Zudem müsse die Industrie „darauf umsteigen, Nutzung zu verkaufen statt Maschinen. Denn Maschinen können in der digitalen Welt innerhalb von Wochen kopiert werden, und dann konkurrieren sie mit ihrem eigenen Nachbau.“ Was mit „Nutzung verkaufen“ gemeint ist, erläutere ich gleich. Die erwähnte Maschinen-Selbstreplikation erschließt sich mir hingegen selbst nicht ganz. Die klingt für mich eher nach Transhumanismus als nach Ökoeffektivität in der analogen Welt. Auch sonst bleiben (zumindest mir) beim Betrachten des Cradle to Cradle Prinzips hier und da Verständnislücken und offene Detailfragen. 

An dieser Stelle soll dann auch nicht unerwähnt bleiben, dass es am Cradle to Cradle Konzept auch Kritik gibt. Genauer, es wird an der Umsetzbarkeit über einige Nischenprodukte hinaus gezweifelt. Auch am eben kurz dargestellten grundlegenden Denkansatz der C2C-Erfinder gibt es durchaus berechtigte Einwände.

Allerdings ist das auch bei allen anderen „Lösungskonzepten“ der Fall. Auch die sind allesamt Mischungen aus einigen naturwissenschaftlichen Prinzipien und Philosophie. Es gilt also nach wie vor: Nobody is perfect.

Was ist das Besondere?

Was als erstes auffällt: Cradle to Cradle kommt zeitgeistuntypisch ohne Büßermoral, Verzichtsethik oder Schuldgefühlaktivierung aus. Dazu nochmal Michael Braungart:

In Deutschland betreiben wir Umweltschutz als eine Art Schuldmanagement: vermeiden, sparen, verzichten, reduzieren. Die Nachhaltigkeit, die daraus folgt, ist technologiefeindlich und macht den Kunden zum Feind. Bei Cradle to Cradle geht es nicht um Moral, sondern um Innovation und Qualität: Alles ist nützlich statt weniger schädlich. Je mehr du kaufst desto besser.

Vielen mag solches Fehlen von konsumkritischen „Nachdruck“ als Schwäche erscheinen, mir persönlich erscheint er als Stärke. Vermutlich weil ich an der Kraft des moralischen Zeigefingers zweifle und eher auf die Kraft rationaler und vernünftiger Informationen setze. Und auf die Fähigkeit der meisten Konsumenten vertraue, diese sinnvoll zu verarbeiten und mit ihrem Gewissen zu vereinen. Cradle to Cradle bietet jedenfalls einige vernünftige Argumente, das gute Gewissen ist am Ende „nur“ ein Nebenprodukt.

Abgrenzung von Recycling

Verpackungsrecycling ist laut Braungart „Downcycling und somit minderwertig“. Braungart hält jedes Produkt, das zu Abfall wird, für ein Produkt von schlechter Qualität. Außerdem sei Recycling innovationsfeindlich: „Die neuen Dinge kommen nicht auf den Markt, weil die alten optimiert werden. Das Falsche wird perfekt – und dadurch perfekt falsch. Wir haben die Abfallwirtschaft perfektioniert statt bessere Produkte zu entwickeln.

Im Unterschied zu Recycling sollen sämtliche im Kreislauf befindliche Materialien bei Cradle to Cradle entweder in der Biosphäre oder in der Technosphäre verlustfrei „dauerverwertet“ werden. Unter die Biosphäre fällt dabei alles, was als biologischer Nährstoff und Verbrauchsgut dienen kann (wie z.B. Reinigungsmittel und Shampoos), unter die Technosphäre alles, was als technischer „Nährstoff“ und Gebrauchsgut (z.B. Autos und Waschmaschinen) dienen kann. Eine grafische Darstellung dazu findet sich auf Braungarts Hompage an der Environmental Protection Encouragement Agency in Hamburg.

Als Beispiel nennt Braungart von ihm entwickelte, kompostierbare Stoffe für Sitze in Zügen, die als Torfersatz in Gärtnereien statt auf dem Sondermüll landen.

Gedankliche Umstellung: Nutzung statt Besitz

Wir besitzen zwar unsere gekauften Güter, doch eigentlich ist es die Nutzung, die wir wirklich wollen. Oder nicht? Möchtest du an deinem Ultra-HD-Fernseher wirklich die Bauteile oder ist es nicht viel eher die entspannte Zeit mit der bunten Bildberieselung? Auch bei der Waschmaschine stellt sich die Frage: geht es um die Trommel und die Steuerungsplatine, oder sind wir nicht viel eher nur an der sauberen Wäsche interessiert? Beim Kauf eines Paares Steigeisen ist es ähnlich: mich interessieren die Riemen, Bügel und die Metallmischung dabei eher am Rande. Was ich wirklich kaufen will, ist die Erfahrung, ein ansonsten unzugängliches Gelände zu begehen. 

Der Wunsch nach ungeteiltem Besitz kann aber auch daraus resultieren, dass man im eigenen Auto und der eigenen Jacke nicht die körperlichen Ausdünstungen anderer Nutzer haben möchte. Doch selbst das ist letztlich eher ein Wunsch nach uneingeschränkter Nutzung als nach Besitz an sich.

C2C-Erfinder Braungart macht dieses Nutzungsprinzip am Beispiel der Waschmaschine deutlich. Die ist, wenn sie 50 Jahre hält, „die größte Pest, weil ich die Materialien nicht wieder zurückbekomme und weil dann keine neue wassersparende Technik auf den Markt kommt. Wenn ich aber nur die Nutzung verkaufe, kann sich Innovation verbreiten. Wir haben eine Waschmaschine entwickelt, bei der man den Kunden nur 3.000 Mal Waschen verkauft. In der Produktion komme ich dann mit nur fünf bis acht hochwertigen Komponenten aus, statt 150 billige Kunststoffe zu verwenden.

Nach den 3.000 Waschgängen sollen dann die veralteten 20 Prozent der Komponenten ausgetauscht werden, während die anderen 80 Prozent bleiben. Bei C2C kommt es demnach auf die Langlebigkeit der Komponenten statt auf die Langlebigkeit des Endprodukts an.

Die Cradle to Cradle-Zertifizierung

Da es für Laien kaum erkennbar ist, ob ein Produkt „Cradle to Cradle ist“, braucht es eine zuverlässige Zertifizierung. Die Cradle to Cradle-Zertifizierung ist weithin als zuverlässig und nachvollziehbar anerkannt. Sie „beurkundet die Verwendung von umweltsicheren, gesunden und wiederverwertbaren Materialien (technische Wiederverwertung oder Kompostierung), den Einsatz von Sonnenenergie bzw. anderen regenerativen Energieformen, den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser sowie die Strategien zu sozialen Verpflichtungen des Unternehmens.

Die Zertifikate werden je nach Menge und Qualität der erreichten Produktkriterien in den Kategorien „Basis“, „Silber“, „Gold“ oder „Platin“ für ein Jahr ausgehändigt. Unternehmen haben die Möglichkeit, durch Fortschritte höhere Kategorien zu erreichen.

C2C in der Outdoorbranche

In der Outdoorbranche gibt es bislang nur vereinzelte Beispiele für Cradle-to-Cradle-Produkte. Und nicht alle sind nach dem Originalkonzept umgesetzt bzw. zertifiziert. So hat beispielsweise Adidas ein eigenes Konzept erarbeitet und es als „Cradle-To-Grave“ bezeichnet. Angewendet wird es in einem Schuhmodell namens Futurecraft Loop, welches wir hier im Adidas-Nachhaltigkeitsportrait  schon vorgestellt haben. Es soll komplett recyclingfähig sein und bis zu den Schnürsenkeln aus nur einem TPU-Material bestehen. Der „Loop“ ist hier das Rücknahmesystem, in dem nach Reinigung, Häckselung und Beimischung weiteren TPUs der Nachfolgeschuh entsteht.

Auch das norwegische Traditionslabel Bergans ist dabei, ein C2C-Konzept zu installieren. In seiner „Kollektion von morgen“ stellt das Unternehmen eine mögliche Lösung vor, „wie die Kluft im Lebenszyklus eines Produkts – zwischen Recycling und neuen Rohstoffen – geschlossen werden kann, indem sie auf komplette Kreislaufwirtschaft setzt“.

Wichtigster Baustein dieses Projekts ist die Zusammenarbeit mit dem Faserproduzenten Spinnova. Spinnova hat das von den „Regeneratfasern“ bekannte Verfahren der Celluloseverarbeitung so weiterentwickelt, dass die bislang unvermeidliche Beimischung von Chemikalien wegfällt. Nach Einschätzung von Bergans „entwickelt Spinnova die nachhaltigsten Fasern der Welt“.

Wenn dieser Ansatz so vielversprechend ist wie er klingt, könnte er ein Kandidat für die bislang noch nicht vergebene C2C-Platin-Zertifizierung sein …

C2C bei den Bergfreunden

Da man natürlich auch die Bergfreunde zur Outdoorbranche zählen darf, sei an dieser Stelle nochmal erwähnt, dass immer mehr Kollegen aus einer C2C-zertifizierten Flasche trinken. Nein, nicht alle aus der gleichen, keine Sorge. Viele Bergfreunde nutzen inzwischen Dopper-Flaschen. Was an der so besonders ist, hat Bergfreund Jörn uns hier vor ein paar Monaten erklärt.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass C2C ein vielversprechendes und groß gedachtes Konzept ist, dass sich nicht von heute auf morgen flächendeckend einführen lässt. Es köchelt bereits seit 20 Jahren auf kleiner Flamme in der Design- und Industriewelt vor sich hin. Bislang ist es nicht in den Blick der breiten Öffentlichkeit geraten. Das dürfte sich mit dem steigenden und dringlicher werdenden Bedarf nach solchen Konzepten aber recht bald ändern.

Update: Wie nachhaltig ist Outdoor inzwischen?

15. September 2020
Die Bergfreunde

Vor ziemlich genau sechs Jahren sorgte Bergfreundin Wiebke hier im Basislager für den ersten Überblick über die Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche. Die erste Frage dabei war, welche Probleme es überhaupt gibt und warum Erkenntnisse zur Nachhaltigkeit nicht einfach überall sofort umgesetzt werden. Probleme, die schon lange bekannt waren, gab es vor allem bei „chemischen Imprägnierungen, die ungut sind, Daunen aus Lebendrupf, Merinowolle, die von Farmen stammt, auf denen Mulesing betrieben wird und dann natürlich noch die Sache mit den Produktionsbedingungen in Fernost.

Daraufhin zeigte der Artikel, welche Fortschritte es in welchen Produktarten und bei welchen Herstellern bis dato gab. Einige positive Beispiele kamen hinzu, die „zeigen, dass doch ganz langsam Bewegung in den Outdoormarkt kommt und immer mehr Hersteller Öko-Linien einführen oder ihre Produktion gleich ganz auf nachhaltig umstellen.“ Die Liste dieser Hersteller stellte sich schon damals als erfreulich lang heraus. Und sie hat sich in den dazwischenliegenden Jahren nochmals deutlich verlängert, soviel kann ich schonmal vorwegnehmen. Vor allem beim Bezug von tierischen Ausgangsmaterialien wie Daune, Leder und Wolle satteln inzwischen weit mehr Hersteller konsequent auf zertifiziert nachhaltige Lieferquellen um. Tierquälereien wie Mulesing oder Lebendrupf sind mittlerweile bei vielen Firmen ausgeschlossen.

Angebot und Nachfrage: wer ist eigentlich „verantwortlich“?

Ein Grundproblem bleibt allerdings bis heute bestehen, da es eine dieser Henne-oder-Ei-Fragen beinhaltet. Denn wer soll eigentlich den ersten Schritt machen? Die Hersteller oder die Kunden? Wer muss zuerst das fürs Investment in die Zukunft benötigte Geld vorlegen? (Die Alternative, einfach auf Alles zu verzichten und den Laden komplett dichtzumachen blende ich hier mal aus, weil: das will doch niemand, oder?)

Seit vielen Jahren ist das insbesondere im Bekleidungssektor eine Kernfrage, da „immer mehr Anbieter auf den Markt drängen und die Kunden immer mehr auf den modischen Aspekt ihrer Outdoor-Bekleidung achten und jedes Jahr neue schicke Modell sehen möchten. Damit werden einzelne Modelle nicht mehr für mehrere Jahre produziert, sondern müssen sich in wenigen Monaten rechnen.

An diesem Trend hat sich bis heute nicht viel geändert. Im Gegenteil, viele von den Herstellern erzielte Fortschritte werden durch wenig nachhaltige Kaufentscheidungen konterkariert. Wobei es natürlich zu kurz gegriffen ist, die Verantwortung oder „Schuld“ einseitig bei „den Kunden“ oder „den Herstellern“ zu verorten. Es handelt sich bei Angebot und Nachfrage schließlich nicht um eine Einbahnstraße, sondern um ein komplexes Wechselspiel von gegenseitiger Beeinflussung.

Allerdings sind die Maßnahmen der Hersteller leichter zu erfassen und zu beurteilen. Das Käuferverhalten wird hingegen nur mit viel Überblick und Marktforschungsaufwand sichtbar. Zum Kaufverhalten der Bergfreunde-Kundschaft hat Wiebke damals folgendes festgehalten:

Bei uns kommen ehrlich gesagt so gut wie nie Anfragen rein, wo die Daune herstammt oder wo und wie die Bekleidung hergestellt wird. Anhand unserer Zahlen scheinen nachhaltige Hersteller vor den herkömmlichen nicht bevorzugt zu werden. Das Gegenteil ist eher der Fall. Nachhaltige Produkte sind teurer, was von den wenigsten Kunden gerne bezahlt wird. Warum sollte also ein Hersteller nachhaltig produzieren, wenn er seine Sachen am Ende nicht los wird, wenn die Kunden doch lieber das günstigere Produkt kaufen?

Die „Nachhaltigkeitsnachfrage“ schien also nicht sehr stark ausgeprägt. Hat sich hier in der Zwischenzeit etwas geändert? Damit bin ich als „Externer“ natürlich überfragt, doch Bergfreund Jörn hat mal kurz Insiderquelle für mich gespielt und beim Kundenservice nachgehorcht. Dort teilt man die Einschätzung, dass das Thema Nachhaltigkeit zwar „an Relevanz gewinnt“, für die breite Mehrheit der Kunden aber nach wie vor eher nur ein „netter Zusatz“ ist. Als schlagendes Kaufargument zieht die Nachhaltigkeit eines Produkt nach wie vor meist den Kürzeren gegen den niedrigeren Preis.

Die Information lasse ich mal so im Raum stehen – für tiefere Aussagen, Erkenntnisse oder gar Beurteilungen müssten weitere Hintergründe wie zum Beispiel die unterschiedlichen finanziellen Spielräume der Kunden bekannt sein. Und dieser Blogbeitrag müsste zu einer wissenschaftlichen Arbeit ausgeweitet werden ;-)

Was tun die Hersteller

Um dennoch substanzielle Erkenntnisse zu bekommen, lenken wir den Blick auf die Hersteller. Denn die haben in den letzten Jahren definitiv an Nachhaltigkeit zugelegt. Fangen wir an mit einem kurzen Rückblick auf die Hardware-Produzenten.

Deren Produkte „sind sicherheitsrelevant und müssen deshalb sehr strengen Tests und Normen standhalten, weswegen sie sehr hochwertig produziert werden müssen. Und da Kletterer nicht gerne viel Geld für einen Karabiner ausgeben, müssen die Hersteller sehr knapp kalkulieren und die Händler auch. Und trotzdem gibt es einige Hersteller, die nach wie vor ausschließlich bei sich Zuhause produzieren, wie zum Beispiel DMM, AustriAlpin oder Grivel, die auf dem Dach ihrer Produktionshalle 7000m² Solarpanele verlegt haben.

Hier hat sich nicht viel geändert, was aber auch gut so ist: DMM und Austrialpin produzieren nach wie vor komplett heimisch, Grivel bezieht seine Energie größtenteils aus den eigenen Paneelen. 

Bei den „Softwareproduzenten“ also den Herstellern von Kleidung, Zelten, Isomatten usw. gab es noch viel mehr Bewegung.

Die Kleinen und die Großen

Eine deutliche Veränderung der letzten Jahre ist, dass immer mehr große Player des Outdoormarkts in die Nachhaltigkeit einsteigen. Vor sechs Jahren konnten nur einige kleine Hersteller wie Monkee, Jung oder Triple2 mit umfassender Nachhaltigkeit punkten. Und das obwohl nachhaltige Produktion entgegen der landläufigen Einschätzung für kleinere Firmen schwieriger ist als für Größere. Monkee gehört inzwischen zu Edlerid, Triple2 besteht weiterhin erfolgreich am Markt und die für hochwertige Kletterhosen stehende Firma Jung sucht laut Homepage nach einer neuen Führungskraft. Interessiert?

Unter den Großen war lange Zeit Patagonia das einzige prominente Nachhaltigkeitsbeispiel. Die kalifornische Traditionsmarke hat es früh geschafft, hohe Nachhaltigkeitsstandards finanzierbar und damit massentauglich zu machen. Den Rahmen für die Umwelt-Nachhaltigkeit setzt Patagonia mit seinem 4-Punkte Programm namens „Reduce, Repair, Reuse und Recycle.“ Ausführliches dazu ist in unserem Nachhaltigkeitsportrait der Firma nachzulesen.

Ein Hauptdarsteller der Branche, bei dem sich binnen sehr kurzer Zeit sehr viel getan hat, ist das Schweizer Traditionslabel Mammut. Die Schweizer stehen zwar seit langem für Qualität und Präzision, doch mit hoher Nachhaltigkeit brachte man sie nicht unbedingt in Verbindung. Aber das möchte der Bergausrüster aus dem Kanton Aargau so schnell wie möglich ändern.

Dafür hat man binnen zwei Jahren eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie inklusive fester Zielsetzungen und Erfolgskontrolle entworfen. Diese WE-CARE-Strategie soll unter anderem bewirken, dass mindesten 95 % der verwendeten Stoffe bluesign-zertifiziert sind, keine PFC-basierte Ausrüstung mehr eingesetzt wird, 95 % der verwendeten Stoffe aus recycelten Materialien gewonnen werden und ausschließlich zertifizierte Bio-Baumwolle eingesetzt wird. Auch zu Mammut gibt es bereits ein Nachhaltigkeitsportrait im Basislager.

Bei anderen Branchengrößen wie Marmot waren die Nachhaltigkeitsansätze bis vor wenigen Jahren eher bescheiden. An einem umfassenden, ineinandergreifenden Konzept fehlt es nach wie vor, doch die Zahl der sinnvollen und effektiven Maßnahmen wächst, wie wir im Marmot-Nachhaltigkeitsportrait schon gezeigt haben.

Mountain Equipment gehört hingegen zu der Riege an Marken, die das Thema schon länger im Fokus haben. Um das Jahr 2010 herum, führte die Marke den Down Codex ein und machte das Sourcing ihrer Daune damit transparent und zurückverfolgbar. Mit dem Down Cycle geht dieses Engagement noch einen Schritt weiter: ME-Produkte unter diesem Label bestehen aus recycelter Daune sowie 100% recycletem Innen- und Außenmaterial.

Im Vergleich zu den eben genannten eher mittelständischen Outdoorspezialisten haben die großen, auf Massenmärkte abzielenden Breitensport-Player wie Adidas weiterhin Nachholbedarf. Hier bleibt es bislang überwiegend bei vereinzelten Maßnahmen, die noch nicht in ein umfassendes Konzept eingebettet sind. Manche der unternommenen Schritte werden auch nach wie vor als zu kurz kritisiert.

Skandinavier weit vorn

In den letzten 2-3 Jahren gingen vor allem skandinavische Hersteller einen Schritt weiter und betteten ihre zuvor einzeln ergriffenen Maßnahmen in umfassende Konzepte ein. Bei einigen traditionellen Labels ist dieser Prozess auch schon länger im Gange. So fasst man beispielsweise das Nachhaltigkeitsverständnis bei der schwedischen Firma Fjällräven schon seit vielen Jahren wie folgt zusammen: „Das Besondere an Fjällräven ist, dass Nachhaltigkeit nicht als eigenständiges Projekt begriffen wird. Nachhaltigkeit ist die Grundlage für alles, was wir tun.“ Hier könnt ihr nachlesen, wie die Umsetzung dieses Credos im Detail aussieht.

Ähnlich sieht es bei Haglöfs aus, einem weiteren dicken Fisch im skandinavischen Teich. Auch hier erstrecken sich die Nachhaltigkeitsmaßnahmen über alle Herstellungsschritte und werden mit überprüfbaren Zahlen und Daten dokumentiert. Dass Nachhaltigkeit bei Haglöfs kein Beiwerk, sondern tragende Säule ist, wird auch von außen bestätigt und honoriert. So wurde das Unternehmen schon 2015 zur nachhaltigsten schwedischen Marke des Jahres gekürt.

„Made in Germany“ gut dabei

Der Klassenprimus der Nachhaltigkeit kommt nicht aus Kalifornien oder Skandinavien, sondern aus Tettnang in Oberschwaben. Er hört auf den Namen VauDe und fällt seit vielen Jahren mit einem ambitionierten und konsequenten Nachhaltigkeitsfokus auf. Der jährliche Nachhaltigkeitsbericht von VauDe dürfte umfangreicher sein als der gesamte Geschäftsbericht manch ähnlich großer Firma. Dass die Nachhaltigkeit von VauDe-Produkten und -Aktivitäten weithin als glaubwürdig anerkannt wird, zeigen viele regelmäßig verliehene Zertifikate und Auszeichnungen.

Ganz in der Nähe von Tettnang befindet sich das Städtchen Isny im Allgäu. Dort hat die VauDe Tochter Edelrid ihren Sitz. Sie sticht ebenfalls mit einem außergewöhnlichen Nachhaltigkeitsfokus heraus. Die Edelrid-Firmenphilosophie umriss der 2017 verstorbene  Geschäftsführer Carsten von Birckhahn mit der Formulierung „Erst das Konzept, dann die Marge“. Dahinter verbergen sich Alleinstellungsmerkmale, die Edelrid bis heute auszeichnen. Da wäre das Festhalten am Produktionsstandort Deutschland ebenso wie die Strategie, Produktqualität und Reaktionsfähigkeit auf Marktentwicklungen über Gewinnmaximierung zu stellen. Der Grund dafür ist nicht nur Idealismus, sondern auch Pragmatismus:

Die Produktwelt von Edelrid ist sehr sensibel, da es sich zu großen Teilen um PSA-Produkte (Produkte zur persönlichen Schutzausrüstung) handelt. Der hohe Qualitätsanspruch, der an diese Produkte gestellt wird, ist in Asien nicht darstellbar. (…) Edelrid ist Produkt- und Innovations-getrieben, und dies geschieht vollumfänglich im Haus.“

Trend zu neuen Labels

Damit Nachhaltigkeitsmaßnahmen nicht jedes Mal von neuem umständlich erklärt werden müssen, versuchen die Hersteller, sie mithilfe von Labels auf einen Blick erkennbar zu machen. Ausgearbeitet und ausgestellt werden diese Labels von Organisationen, die sich der Förderung und Überwachung der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Die Organisationen wiederum bestehen aus Partnerschaften, Netzwerken und Kooperationen zwischen Outdoor- und Bekleidungsbranche sowie unabhängigen Partnern. Beispiele hierfür sind unter anderen:

Der Higg Index der letztgenannten Sustainable Apparel Coalition ermöglicht die standardisierte und vergleichbare Messung von Maßnahmen der Unternehmensverantwortung (Corporate Responsibility).

Firmeneigene Labels werden ebenfalls immer zahlreicher. So kennzeichnet beispielsweise Haglöfs seine nachhaltig produzierten Produkte mit dem „Sustainable Choice Label“, das im oben verlinkten Haglöfs-Portrait näher beschrieben ist. Die Akzeptanz solcher Labels bei den Kunden hängt nicht zuletzt von „Standing“ und Image der Firma ab. 

Die wachsende Zahl der Initiativen und Labels kann aber auch verwirren. Deshalb haben wir sie hier im Basislager schon einmal genauer aufgedröselt.

Last but not least feilen in den letzten Jahren nicht mehr nur die Hersteller, sondern auch die Retailer eifrig an ihrer Nachhaltigkeit. So auch die Bergfreunde, die durch Maßnahmen in den Bereichen Transport, Energie(Gewinnung) und Verpackung mittlerweile klimaneutral unterwegs sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Maßnahmen der Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Sie sind zahlreicher, intensiver und effizienter geworden. Wenn zunehmend mehr Konsumenten auf die wachsende Zahl der nachhaltigen Produkte zurückgreifen, werden nach und nach auch mehr preisgünstigere Angebote in diesem Segment verfügbar sein.

Wir präsentieren: Die Bergfreunde Nachhaltigkeits-Taskforce!

7. August 2020
Die Bergfreunde

“Fünf Bergfreunde sollt ihr sein!” so steht es geschrieben! Wo genau? Keine Ahnung, aber ich brauchte eine Einleitung für den Artikel und da kam mir dieses abgewandelte Fußballzitat irgendwie gerade recht ;)

Aber hier soll es nicht weiter um das runde Leder gehen. Wir wollen heute mal wieder das Thema Nachhaltigkeit bei den Bergfreunden auf den Plan bringen und euch erzählen, wie es bei uns nach unserer großen Ankündigung Ende letzten Jahres weiterging…

Wo fangen wir an?

Die Entscheidung für mehr Nachhaltigkeit bei den Bergfreunden fiel einstimmig und ohne zögern, wohlwissend, dass ihr ein konsequenter Wandel nachfolgen musste. Als erstes mutiges Statement einigten wir uns darauf, als gesamtes Unternehmen klimaneutral zu werden, was dank der Möglichkeit der Klimakompensation schnell erreicht wurde. 

Doch wie sollte es weitergehen? Mit dieser Frage darf sich Bergfreundin Johanna seit dem Frühjahr des Jahres 2020 beschäftigen. Sie kümmert sich hauptamtlich um das Thema Nachhaltigkeit.

Nach den ersten Meetings und Gesprächen war aber relativ schnell klar: Bei der großen Anzahl an Ideen und den zahlreichen Möglichkeiten, reicht ein Kopf nicht aus. Ein runder Tisch muss her, es muss priorisiert und diskutiert werden: Unsere Taskforce war geboren.

Wohin geht die Reise?

Das erste Meeting unserer Taskforce fand Anfang Juli statt. Mit dabei: Lisa von Vaude, die uns ein paar Einsichten in das Nachhaltigkeitsmanagement von Vaude gewährte und uns dabei half, erste Anknüpfungspunkte an die sogenannten SDGs (Sustainable Development Goals) zu finden. Bei den SDGs handelt es sich um 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, die von der UN definiert wurden. Für uns ebenfalls wichtig: Die Science Based Targets, also vor allem Klimaziele, die auf Basis wissenschaftlicher Daten vom WWF und weiteren Organisationen definiert wurden.

Daraus resultierend wollen wir uns die folgenden Grundsätze auf die Fahne schreiben:

  1. Wir wollen den negativen Einfluss unseres Unternehmens auf die Umwelt verringern.
  2. Für viele Bergfreunde-Kollegen ist Nachhaltigkeit wichtig – das soll auch im Arbeitsleben spürbar werden.
  3. Wir wollen unsere Kunden motivieren, nachhaltiger zu handeln.
  4. Wir wollen unsere Geschäftspartner zu Diskussionen anregen und inspirieren, ebenfalls nachhaltiger zu werden.

In Bezug auf die Sustainable Development Goals, wollen wir uns zunächst auf zwei Ziele näher fokussieren:

SDG Nr. 12: Maßnahmen zum Klimaschutz 

In Teilen haben wir hier schon vorgearbeitet und haben eine Klimabilanz erstellen lassen (die stellen wir euch in einem zukünftigen Beitrag vor), wir vermeiden Emissionen und kompensieren, wo das nicht geht. Was aktuell noch fehlt sind ganz konkrete Zahlen, z.B. inwieweit wir unseren CO2-Verbrauch oder den CO2-Fußabdruck pro Paket senken wollen. Die haben wir zwar schon im Hinterkopf, müssen sie aber noch mit der Klimabilanz abgleichen.

SDG Nr. 13: Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster

Hier gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte, die von einem geringeren Plastikeinsatz im Versand, über Recyclingprozesse bis zum Umgang mit Produktreklamationen reichen, die aber zum Beispiel auch eine Prüfung der Lebensmittel und Büromaterialien die wir im Office verwenden umfassen. Als Beispiel: Wir verzichten schon lange auf PET- und Einwegflaschen im Büro und sind seit einigen Monaten Teil der Dopper Wave.

Klingt gut, oder?

Klingt vor allem ziemlich allgemein und unspezifisch – gibt uns aber einen konkreten Rahmen, in dem wir uns bewegen. Erster konkrete Ableitungen sehen dann wie folgt aus:

  • Wir wollen uns anschauen, wie wir noch besser mit Reklamationen umgehen können – zwar vermeiden wir jetzt schon wo es geht, reklamierte Produkte zu entsorgen, aber wir glauben, dass wir hier noch einen Hebel haben. Was können wir reparieren, was können wir einer weiteren Verwendung, z.B. in Form von Kleiderspenden zuführen?
  • Energienutzung am Arbeitsplatz: Wir beziehen schon zu 100% Ökostrom und haben eine Solaranlage auf dem Dach unserer Verwaltung, sehen aber beim Thema Wärme noch deutlich Luft nach oben.
  • Nachhaltiges Bergfreunde-Office: Wie können wir Büro-Ausstattung nachhaltiger gestalten? 
  • Wie sieht unser Carpool in Zukunft aus?
  • Muss jede Geschäftsreise zwangsläufig stattfinden und können wir dafür nicht eher mal den Zug, als das Auto nehmen?

Den Fokus wollen wir zunächst bewusst auf interne Firmenaspekte legen, denn wir denken, dass wir nur dann glaubhaft über Nachhaltigkeit reden können, wenn wir das Thema auch nach innen mit noch mehr Nachdruck verfolgen.

Unser Versprechen: Wir lassen von uns hören!

Und damit ihr auch immer genau wisst, was bei uns in Sachen Nachhaltigkeit so abgeht, wollen wir euch regelmäßig davon berichten. Ihr findet hier im Blog und in den sozialen Medien in Zukunft immer wieder Updates und Neuigkeiten. Wir wollen uns zudem volle Transparenz auf die Fahne schreiben und euch auch von Rückschlägen und Problemen berichten – denn eines dürfte klar sein: den einen oder anderen Konflikt werden wir austragen müssen. 

Wir hoffen, ihr geht diesen Weg mit uns und lasst euch vielleicht auch von der einen oder anderen Maßnahme inspirieren. Und auch wir wollen uns gerne inspirieren lassen, daher zum Schluss die Frage an euch: 

Welche Maßnahmen würdet ihr gerne umgesetzt haben? Wo können wir eurer Meinung nach besser werden!?

Wir freuen uns über Input!

Ein Bergfreund wird DIMB MTB-Guide

30. Juli 2020
Die Bergfreunde

Tag 1 – 05.03.2020

Ankunft im Landhaus Felsengarten gegen 8 Uhr, nachdem ich mich mit einem Teilnehmer aus Bissingen an einem Parkplatz getroffen hab und wir als Fahrgemeinschaft angereist sind. Wegen nachhaltig und so….
Hier soll ich also die kommenden Tage die ersten Schritte in Richtung MTB Guide machen und ich habe keine Ahnung was da auf mich so alles zu kommen wird.

Nach einem kurzen Hallo bei der Ankunft, geht es dann auch schon um 9 Uhr im großen Kreis mit den Ausbildern Stephan, Patrick und Ingmar (der den Lehrgang von der DIMB aus fotografisch begleitet) und der ersten Theorieeinheit los.

Bei der Vorstellungsrunde der Teilnehmer ist schnell klar, es sind viele interessante Charaktere mit ganz unterschiedlicher Motivation gekommen. So gibt es einen Hotelier, der für seine Gäste einen Mehrwert schaffen und MTB Touren anbieten möchte. Oder einen evangelischen Pfarrer, der Jugendgruppen guiden will und bspw. Erik aus Hamburg, der auf Rafting-Touren das Mountainbike mitnehmen und dazu eben auch geführte Touren anbieten möchte.

Unterschiedlichste Intentionen, aber alle mit großem Engagement im Lehrgang und in ihrem ehrenamtlichen Einsatz zu Hause.

Ausbilder Stephan stellt uns die DIMB – Deutsche Initiative Mountainbike näher vor und erklärt was diese eigentlich so macht: ausbilden, vermitteln, unterstützen.

Ausbilden von Guides in den Bereichen Guiding und Fahrtechnik. Vermitteln zwischen Initiativen, Behörden und Interessengemeinschaften und unterstützen bei Vorhaben zu Wegebaumaßnahmen.

Beim nächsten Step in Stephans Ausführungen geht es um das Thema Sozial- und Naturverträglichkeit und was zeichnet diese aus. In einem Brainstorming tragen wir diverse Schlagwörter zusammen, bspw. Respekt und Werte, Ressourcen schonen, usw.

Sehr schnell kommen wir dann bei den DIMB-Trailrules an:
1. Fahre nur auf Wegen
2. Hinterlasse keine Spuren
3. Halte dein Mountainbike unter Kontrolle
4. Respektiere andere Naturnutzer
5. Nimm Rücksicht auf Tiere
6. Plane im Voraus

Beim Thema Karten und Strecke ist es dann schon etwas konkreter. Ausbilder Patrick, der im Pfälzerwald die Bikeschule Trailrock betreibt, erklärt uns sehr anschaulich und mit viel Humor wie essentiell Ortskenntnis und die richtige Orientierung im Gelände sind.
Warum? Ganz einfach, hat man einen Notfall irgendwo in der Pampa, muss man in der Lage sein so schnell wie möglich Hilfe zu organisieren. Wichtig auch, um auf unvorhersehbare Probleme (bspw. Wegsperrungen) reagieren und die Route spontan anpassen zu können. Daher ist es unbedingt notwendig sich in dem Gelände, in dem man sich bewegt auch auszukennen. 

Und raus geht‘s auf die Trails rund um den Sportpark Bundenthal. Das dortige Gelände ist für die kommenden Tage unsere „Spielwiese“.
Und das Wetter? Sagen wir es mal so….bäh bäh bäh! Regen den ganzen Tag. Hier sollte ich einen DIRTLEJ – Core Edition Dirtsuit – Radeinteiler dabei haben. Trotzdem ist der erste Tag unglaublich spaßig und weckt die Neugier auf die kommenden Tage. 

Tag 2 – 06.03.2020

Ein neuer Tag, 7 Uhr Frühstück und gegen 8.30 Uhr in legerer Kleidung wieder im Lehrgangsraum zur Theorie.

Heute ist das Thema in erster Linie Tourvorbereitung, Planung und Nachbereitung der Tour.
Warum kann eine Nachbereitung einer Tour für einen Guide sehr wichtig werden?
Nun, wenn es im schlimmsten Fall zu einer Notfallsituation auf der Tour kommt, ist es für einen Guide sehr wichtig, anhand eines Protokolls nachzuweisen wie die Sache aus seiner Sicht abgelaufen ist. Somit kann er sich aus haftungstechnischer Sicht besser absichern.

Als Kernstück der Tourvorbereitung ist hier sicher die Ausschreibung der Tour zu nennen. Über diese kann der Guide „steuern“ für welche Teilnehmer die Tour gedacht ist und so unschöne Überraschungen vermeiden. Anforderungen an Kondition und Fahrtechnik korrekt und deutlich zu kommunizieren sind essentiell wichtig, um die Teilnehmer nicht zu über- oder unterfordern.

Welche weiteren Tools hab ich zur Planung noch zur Verfügung?
Apps, Internetseiten der Fremdenverkehrsbüros, Foren oder natürlich die gute alte Papierkarte. Alle Tools haben ihre Berechtigung und sollten vom Guide auch genutzt werden. Die Papierkarte sollte im Übrigen auch in Zeiten von Smartphone immer im Rucksack sein!

An der Stelle ein kleiner App-Tipp:

Es gibt in Deutschland sogenannte Rettungspunkte in Wald und Forst. Diese Punkte sind eigentlich für Waldarbeiter gedacht, damit Rettungsmaßnahmen schnell und definiert an einen Punkt, an welchem Handyempfang besteht, navigiert werden können.
Diese Punkte sind wie kleine Rettungsinseln im gesamten Wald verteilt.
Die App „Resq Map“ zeigt diese Punkte in einer Karte an und man kann die Nummer des Punktes im Fall der Fälle angeben. Die App ist für Android und Apple erhältlich.

Theorie für heute abgehakt und damit raus auf die Trails. Glücklicherweise ist Petrus gnädig und es regnet nicht die ganze Zeit  :-P

Heute sollen wir Teilnehmer dann die ersten Meter selbst „guiden“.
Bikecheck, fahren im öffentlichen Verkehr, Einstieg ins Gelände, Kommunikation vor und mit der Gruppe, also das ganze Paket muss von jeden von uns Teilnehmern einmal übernommen werden.
Jeder Teilnehmer darf ein gewisses Teilstück die Gruppe führen und beim Wechsel zum Nächsten gibt es direkt ein Feedback vom Ausbilder und den anderen Gruppenmitgliedern.
Dieses Prinzip des sogenannten“360 Grad“-Feedbacks soll uns von da an ständig begleiten und stellt eine Kernmethode der Guide-Ausbildung bei der DIMB dar.

Wie bekomme ich „Flow“ in eine Gruppe und wie kann ich maximalen Spaß und Genuss als Guide erzeugen ohne dabei den Sicherheitsaspekt zu vernachlässigen? Das ist an diesem Tag der erste Kontakt mit solchen Themen, die, ist man sonst nur für sich selbst unterwegs, eigentlich ganz selbstverständlich sind. Hier wird mir das erste Mal bewusst, wieviel das Thema Guiding auch mit Psychologie zu tun hat. Sehr spannend!

Tag 3 – 07.03.2020

Same same, but different….Frühstück um 7 und dann in legerer Kleidung in den Seminarraum.

Der sicherlich interessanteste und auch stressigste Tag steht uns bevor – Notfallmanagement!

In der recht trockenen, aber durchaus wichtigen Theorie geht es heute zunächst um Haftungsfragen und spezielle Versicherungen für MTB Guides. Die normale Haftpflicht, die man so kennt, deckt nämlich meist im Falle eines Falles nicht ausreichend unmittelbare Schäden und Folgeschäden ab.

Aber wie verhalte ich mich als Guide richtig in kritischen Situationen, wie schließe ich Gefahrenquellen bestmöglich aus und wie agiere ich in einer emotional sehr stressigen Notfallsituation?

Hierzu geht es für uns dann wieder auf die Wege und Trails. Erneut übernehmen wir Teilnehmer etappenweise das Guiding. Unsere Ausbilder Stephan und Patrick haben sich für uns die eine oder andere „Gemeinheit“ ausgedacht. So hat einer der Jungs plötzlich „ganz große Probleme“ einen Anstieg hoch zu kommen. Patrick lässt sich dazu Luft aus dem Hinterrad und simuliert so quasi einen technischen Defekt.


An anderer Stelle stellt er einen Sturz nach, indem er kontrolliert über den Lenker geht (Respekt an dieser Stelle an seine Fahrtechnik. Ich fahre in diesem Moment direkt hinter ihm und erschrecke mich zu Tode). Er ist nicht verletzt, daher kann es recht schnell weiter gehen.
Tja, dann bin ich dran und darf ein Teilstück auf einem schönen, flowigen Trail führen, als es plötzlich hinten in der Gruppe knallt, kracht und schreit…


Ingmar liegt flach auf einem Felsenteppich und klagt über sehr starke Schmerzen in der Schulter. So, nun stehst du da, hast eine Gruppe mit 7-8 Leuten, die sich in der Gegend nicht auskennen und du musst schauen wie du diese Situation am effektivsten meisterst.

Man kann sich ja darauf einstellen, dass irgendwas kommt und dass es nur simuliert ist, aber trotzdem schießt einem das Adrenalin ins Blut. Dabei ist es wirklich interessant, was man in einer solchen Situation über sich selbst lernen kann. 

Dazu kommt bei dieser Übungstour das Thema Sorgfalt. Also wie verhalte ich mich als Guide bestmöglich natur- und sozialverträglich und wie werde ich meinem Vorbildcharakter am besten gerecht. Im Kern geht es auch hier wieder um die DIMB Trailrules, ihr erinnert euch?

Wie an jedem Tag bekomme ich direkt nach meiner Etappe das Feedback und kann so für mich das Maximum an Erfahrung rausziehen. An der Stelle sei erwähnt, dass es hier wirklich wichtig ist Fehler zu machen, da man aus diesen definitiv am meisten lernen kann.

Tatsächlich sehen wir an diesem Lehrgangstag sogar etwas die Sonne und da alle Ausbilder und Teilnehmer ohne Verletzung wieder an der Unterkunft ankommen, wird es am Abend auch Zeit für eine Belohnung….die ausgezeichnete pfälzische Küche!

Was ist bei einem Sturz auf die Schulter in den Bergen zu tun? (Teil 2)

19. August 2020
Die Bergfreunde

Leichtere Verletzungen lassen sich gut selbst oder mit Hilfe anderer Personen versorgen. Wichtig ist in Ruhe zu schauen und zu klären, was passiert ist.
Ist die Bewegung stark eingeschränkt? Wo sind die Schmerzen? Sind Fehlstellungen zu sehen? Schwellt der Arm oder die Schulter rasch an? Wie fühlen sich die Finger an? Gibt es Taubheitsgefühle?

Wenn ihr Taubheitsgefühle, eine verschobene oder offene und stark blutende Wunde habt, solltet ihr schnellstmöglich die Bergwacht informieren. Weit weg vom Handynetz und Hilfemöglichkeit können Luxationen auch selbst eingerenkt werden, sofern ihr es schon einmal gemacht habt. Bei leichteren Verletzungen ist es ähnlich wie bei Verletzungen der unteren Extremitäten: 

 

Die Schulter ist zu schonen. Der Oberkörper sollte hochgelagert werden. Offene Wunden sind bei groben Verunreinigungen mit Wasser auszuspülen und möglichst abzudecken. 

In den Bergen auf die Schulter oder den Arm stürzen, hat genau einen Vorteil. Je nach Verletzung lässt es sich immer noch zur nächsten Berghütte oder Nothilfe laufen. 

Einen Hinweis auf schwere Verletzungen gibt das starke und schnelle Anschwellen des verletzten Körperteils. Das ist ein Zeichen dafür, dass eine starke Blutung eingetreten ist. „Nur“ Prellungen schwellen in der Regel nicht innerhalb von Minuten an. Leichtere Verletzungen können und sollten im Tal versorgt werden. Je nach körperlicher Verfassung ist es ratsam nach Verletzungen und Stürzen abzusteigen und die Tour nicht fortzusetzen. Bei allem Stress, Schmerz und Schock ist es notwendig zu schauen, ob wirklich die Rettungsmittel der Bergwacht beizuholen sind.

Durch einen direkten Aufprall auf die Schulter können neben Schulterluxationen und Schlüsselbeinfrakturen auch unsere Schultereckgelenke verletzt werden. Je nach Schwere sprechen Ärztinnen und Ärzte von Schultereckgelenkssprengungen. Das Schultereckgelenk liegt an der oberen Außenseite unsere Schulter. Dort wird das Schlüsselbein mit dem Pfannendach „verbunden“.

 

Das Eckgelenk ist beim Heben des Arms überkopf beteiligt. Beim Klettern unterstützt es die Überkopfbewegungen maßgeblich.

Die Verletzungen am Schultereckgelenk seien es Frakturen oder Verschiebungen bringen häufig auch Verletzungen der stabilisierenden Bänder mit sich. 

Diese werden in verschiedene Schweregrade klassifiziert (Rockwood 1-6). Etwas laienhaft zusammengefasst werden Verletzungen der Bänder konservativ behandelt, wenn sie nur überdehnt oder teilweise gerissen sind. Stärkere Verletzungen, die auch von außen zu ertasten sind, werden operiert. Auch wird hier wieder nach eurer Aktivität, Sportlichkeit und eurem Alter entschieden, welche operativen Maßnahmen notwendig sind.

Symptome bei einer Schultereckgelenksverletzung sind eine stark eingeschränkte Beweglichkeit der Schulter, Blutergüsse, Schwellungen und starke Schmerzen. Eventuell lässt sich eine Vorwölbung des Schlüsselbeins am äußeren Ende erkennen.

Auch bei einem Aufprall auf die Schulter könnt ihr euch die Schulterpfanne brechen: 

„Knöcherne Verletzungen an der Gelenkspfanne werden häufig operiert. Je größer ein Knochenfragment ist, desto ausgeprägter ist meist auch die Gelenkinstabilität. Die Stabilität wieder herzustellen ist dann das Ziel der operativen Therapie.“ Dr. med Andreas Thannheimer, Klinikum-Garmisch-Partenkirchen

Natürlich können je nach Energie, die auf euren Schulterbereich einwirkt und je nach Höhe des Sturzes Kombinationen von Brüchen, geschädigten Bändern und Luxationen entstehen.

Bei Brüchen am Oberarm wird wieder je nach Alter der Person bei der Behandlung unterschieden.

„Brüche am Oberarm und Oberarmkopf werden bei jüngeren Verletzten in der Regel operiert. Wir versuchen eine möglichst anatomische Wiederherstellung, sodass die Person wieder eine hohe Funktionalität erlangen kann und das Risiko einer Arthrose Entwicklung gering bleibt. Bei älteren Patientinnen und Patienten können Verschiebungen besser toleriert werden und führen im Langzeitverlauf nach konservativer wie operativer Therapie oft zum gleichen Ergebnis.“ Dr.med. Andreas Thannheimer, Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Das Ausheilen von Schulterverletzungen kann je nach Schwere stark variieren. Handeln und ein Krankenhaus aufsuchen, solltet ihr bei:

  • Offenen Wunden
  • Verschiebungen der Knochen
  • Funktionsverlust der Schulter
  • Gefühlsverlust – Sensibilitätsstörungen
  • Taubheit in/um die Schulterregion
  • Kälterwerden der Hand oder der Finger
  • Starken Schmerzen

Auch können erst nach einiger Zeit die lokalen Schmerzen unerträglich werden, wenn sie durch andere körperliche Reaktionen zunächst überdeckt worden sind. 

 

Zum Ende dieser zweiteiligen Schulterexpedition noch ein Merksatz:

Junge Personen bis 30 Jahre verletzen sich meist knöchern, da die Gelenke noch wenig vernarbt sind. Ältere Personen hingegen schädigen und reißen sich meistens die Sehnen, da die Gelenke und Gelenkstrukturen schon vernarbter und damit „stabiler“ sind.

Bei so viel Verletzlichkeit unserer Schulter ist es umso wichtiger, dass wir die Schulterregion gut trainieren, flexibel halten und nicht überstrapazieren. Nur so ist sie zwar fragil und aber auch stark zugleich.

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