Alle Artikel zum Thema ‘Die Bergfreunde’

Immer diese Vorurteile. Von wegen kleine Bude mit ein paar Kletterverrückten und Wanderlustigen im Hinterzimmer. Wird Zeit für ein Blick hinter die Kulissen. Klar, eins steht fest: Wir sind echte Bergfexe und in unser Freizeit kraxeln wir auch gerne mal an den senkrechten und überhängenden Wänden herum.

Aber um letztlich alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, erfährst Du hier was wir so treiben und was es neues bei den Bergfreunden gibt. Von Touren, über Mitarbeiter-Aktionen bis hin zu lustigen Geschichten aus den Bergen ist alles dabei.

Erlebt die Bergfreunde in voller Action. Ob beim kraftraubenden, akrobatischen Klettern der ultimativen Route oder der winterlichen Alpenüberquerung.

Zwischen Hameln und Hochrhein: ein Streifzug durch deutsche Klettergebiete

Zwischen Hameln und Hochrhein: ein Streifzug durch deutsche Klettergebiete

11. Januar 2018
Die Bergfreunde

Deutschland ist immer noch ein verwöhntes Land. Zwar haben Andere mittlerweile noch dickere Brieftaschen und „wir“ sind auch nicht mehr Reiseweltmeister, doch hier und da spielen wir noch ganz oben mit. Klar, beim Fußball natürlich, aber auch – und das wissen viel weniger Leute – bei der Ausstattung der Landschaft mit kleinen und nicht ganz so kleinen Felsen. Die gibt es nämlich mit Ausnahme des wirklich hohen Nordens und wirklich tiefen Ostens in jedem Winkel der Republik. Und dabei überzeugt nicht nur die Quantität, sondern auch die Vielfalt und Qualität.

Das Angebot ist so üppig, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll: gut und gerne 20 ländliche Regionen und Mittelgebirge mit jeweils mehr als fünf Klettergebieten listet die Felsinfo des Deutschen Alpenvereins auf. Neben der glamourösen Felsprominenz wie Frankenjura oder Elbsandstein finden sich darunter auch viele weniger bekannte Perlen wie der Südschwarzwald oder das Weser-Leine-Bergland.

Deutsche Klettergebiete im Winter?

Zur Zeit des Erscheinens dieses Artikels ist es tiefster Januar. Das scheint nicht gerade die ideale Zeit für deutsche Klettergefilde, oder? Vor allem wenn der Flieger Richtung Mittelmeer weniger kostet als die Bahn Richtung Mittelfranken. Doch warum sollte man nicht auch hierzulande im Winter ab nach draußen? Sofern der Fels halbwegs trocken ist und es nicht gerade zweistellige Minusgrade hat, stehen dem Klettern keine wirklichen Hindernisse im Weg. Mit einer großen Thermoskanne voll heißem Tee oder heißer Suppe, einer dicken Sitzunterlage und einem Taschenofen in der Hand lässt sich auch das Sichern und Abwarten gleich viel besser aushalten. Das gilt erst recht, wenn man sich von vornherein leichtere Touren aussucht als die, die man unter sommerlichen Bedingungen klettern würde.

Die nötige positive Einstellung kommt vielleicht mit dem Wissen, dass es sehr hilfreich für das Immunsystem und gegen den winterlich trägen Kreislauf ist, sich öfter mal den dauerbeheizten Innenräumen zu entziehen und der Kälte ganz bewusst auszusetzen. Ein bisschen Abhärtung wie zu Opas Zeiten und etwas antrainierte Willenskraft sind ja nebenbei auch ganz nützlich für sommerliche Outdoorabenteuer … Also, auf geht’s, einen schönen Fels mit Südausrichtung gesucht! Davon gibt es in Deutschland eine ganze Menge und einige davon auch in schöner landschaftlicher Umgebung. Bei der folgenden kleinen Auswahl an Sportklettergebieten in Deutschland stelle ich Gebiete vor, in denen das Klettern auch für die Augen ein Genuss und damit maximal motivationsfördernd ist. Fangen wir im Norden an und arbeiten uns dann nach Süden vor:

Weser-Leine-Bergland

Die lang gestreckten Hügelzüge im südöstlichen Niedersachsen sind in großer Zahl mit „Klippen“ genannten Felsen gekrönt. Der bekannteste dieser Hügelzüge dürfte der Ith sein. Allein hier finden sich über 100 Felsen mit gut 1400 Kletterrouten.

Gesteinsart/Kletterei

Hier dominiert Jurakalk, und zwar in sehr fester und griffiger Form. Das Spektrum der Kletterei reicht von griffigen Löchern bis zu kompakten Platten. Am häufigsten trifft man auf steile, athletische Wandkletterei. Auffallend häufig sind auch die beeindruckenden Dächer mit ihren spektakulären Routen. Bekanntestes Beispiel hierfür ist das „Kamel“ genannte Massiv in den Lüerdisser Klippen. Die Absicherung mit Bohrhaken ist überwiegend gut bis sehr gut.

Kletterregelung – was ist wo erlaubt?

Große Gebiete stehen unter Naturschutz und unterliegen temporären oder ganzjährige Sperrungen. Eine detaillierte Liste findet sich bei der IG-Klettern Niedersachsen.

Besonderheiten

Man hat oft schöne Aussichten auf den Felsköpfen, die meist auf den Gipfeln der Hügelketten stehen und über die umgebenden Bäume herausragen. Außerdem tragen sie, wie das eben erwähnte Kamel, alle mehr oder weniger ausgefallene Namen. Bemerkenswert ist auch die Lebendigkeit der Kletterszene so hoch im Norden. So gibt es hier sogar ein eigenes, sehr originelles Szenemagazin namens „Der Klemmkeil“.

Reiseinfos

Wer es den Eingeborenen gleichtun will, logiert klassisch-zünftig auf dem Ith-Zeltplatz. Der ganz in der Nähe gelegene Ith-Campingplatz bietet auch ein paar gemütliche Gästezimmer an.

Die Anfahrt ins Weser-Leine-Bergland erfolgt vom Süden der Republik aus über Göttingen nach Alfeld (Leine). Weitere Anreiseinfos finden sich auf den Seiten der Campingplätze. Eine Auswahl an kostenlosen Topos bietet die Seite der IG-Klettern Niedersachsen.

Kletterführer

Ein Kletterführer über die Klettergebiete im Weser-Leine-Bergland: Hoch im Norden, Panico Alpinverlag, Preis: 39,80 €

Tipp für die Planung

In der DAV-Felsinfo lässt sich die Suche nach zahlreichen Kriterien filtern – so unter anderem auch nach der Ausrichtung des Felsens und der schnellen Trocknungszeit nach Regengüssen. Dafür sucht man sich auf der Startseite in der Deutschlandkarte die Region aus und findet dann im Menü auf der rechten Seite den Button „erweiterte Suche“. Es gibt zu den Regionen nicht nur Karten und Daten, sondern auch einführende Infotexte.

Elbsandstein

Unzählige Türme, Bastionen und Zinnen erheben sich nahe der tschechischen Grenze entlang der noch jungen Elbe. 1100 freistehende Gipfel mit etwa 17 000 Routen bilden das größte Klettergebiet Europas. Große Teile davon befinden sich im Nationalpark Sächsische Schweiz und sind deshalb besonders geschützt. Herausragend sind auch die landschaftliche Schönheit der Umgebung und die lange Geschichte dieses Gebiets. Das Elbsandstein gilt als die Wiege des freien Felskletterns überhaupt. Einen ausführlicheren Artikel mit vielen praktischen Infos zum „Elbi“ gibt es u.a. hier bei den Bergfreunden.

Gesteinsart/Kletterei

Der Name verrät es bereits. Rechts/nordöstlich der Elbe ist der Sandstein eher weich und vereinzelt auch sehr weich, links/südwestlich ist er überwiegend fest und scharfkantig. Der enorme Formenreichtum dieses Mittelgebirges bringt eine entsprechende Vielfalt der Klettereien mit sich – auf Höhen zwischen 10 und 90 Metern ist von plattigen und löchrigen Wänden über Risse und Kamine bis zu Verschneidungen und Dächern alles zu finden. Die Absicherung ist mit „normalen“ Sportklettergebieten nicht zu vergleichen und kann auf Neulinge abenteuerlich bis abschreckend wirken. Dennoch gibt es viele Routen mit guten Sicherungsmöglichkeiten und geringen objektiven Risiken.

Kletterregelung – was ist wo erlaubt?

Die sächsischen Kletterregeln sind speziell und streng. Das sportliche Ethos liegt weit über dem der meisten anderen Klettergebiete. So ist beispielsweise die Benutzung von Chalk untersagt und das Einhängen von Topropes nicht gern gesehen. Auch die Rücksichtnahme auf die Natur und speziell die Unversehrtheit der empfindlichen Felsen ist besonders ausgeprägt. Eine Übersicht der Regeln findet sich auf der Website des Sächsischen Bergsteigerbunds.

Besonderheiten

Die Frage ist eher, was im Elbsandstein nicht besonders ist. So gibt es besondere Klettertechniken (z.B. die „Überfälle“ genannten Bewegungen von Turm zu Turm), besondere Seilschafts- und Sicherungsmethoden oder auch eine eigene Schwierigkeitsskala. Die bekannteste Besonderheit dürften wohl die Knotenschlingen sein, die hier als (Zwischen)Sicherungen verwendet werden. Dabei handelt es sich um Bandschlingen, in die ein Knoten geknüpft wird, der dann anstatt eines metallenen Klemmkeils oder Friends in den Felsspalt oder Riss gelegt wird. Das Verfahren ist wohl begründet, denn metallene Klemmgeräte würden bei einem Fangstoß eher den Fels wegsprengen als den Stürzenden halten. Die Weiterentwicklung der Knotenschlinge ist das UFO. Es handelt sich hier nicht um ein Unbekanntes Felskletter Objekt, sondern um einen Klemmkeil, der in einer Tasche aus Gurtbandmaterial steckt. Nach vielen hitzigen Diskussionen hat man sich an das Ufo-Phänomen in Ostsachsen inzwischen gewöhnt.

Reiseinfos

Finder ihr in diesem Beitrag. Viele weitere Infos zu Anreise, Unterkunft und Aktivitäten finden sich auf Elbsandsteingebirge.de.

Kletterführer

Der Elbsandsteinführer, von Bernd Arnold, Panico Verlag

Tipp für die Planung

Auch hier sei wieder die Suchfunktion der DAV-Felsinfo empfohlen. Hier sind die Kriterien der Regengeschütztheit und des schnellen Trocknens besonders hilfreich, da im Elbsandstein das Klettern an nassen und feuchten Felsen verboten ist.

Donautal

Schroffe und leuchtend weiße Kalkmassive in beachtlicher Größe flankieren die junge Donau vor allem zwischen Beuron und Sigmaringen. Dieses Gebiet ist ein weiterer Klassiker mit tollem Ambiente, allerdings auch einigen sehr abgespeckte Routen in den unteren Schwierigkeitsgraden. Letzteres trübt den Gesamteindruck aber nur bei großem Andrang, denn ansonsten ist die Auswahl an festem und griffigem Gestein riesig. Die schöne Landschaft drum herum, das oft trockene Wetter und ein uriger Kletterer-Campingplatz in zentraler Lage sorgen vor allem im Sommer für  Urlaubsfeeling.

Gesteinsart/Kletterei

Es gibt viel kompakte Wandkletterei, oft plattig und gelegentlich mit Rissen und Verschneidungen. Kleine, bauchige Überhänge gibt es häufig, Dächer haben hingegen Seltenheitswert. Wenn man nicht gerade eine der blankpolierten Routen erwischt, klettert man meist an sehr rauen, festen und bisweilen scharfkantigen Löchern und Leisten. Bei manchem abgespeckten Vierer oder Fünfer kann  die Schwierigkeitsbewertung recht ambitioniert erscheinen, sodass Gebietsneulinge für den Anfang ruhig einen UIAA-Grad unter ihrem „normalen Können“ einsteigen sollten.

Bei beeindruckenden Wandhöhen von bis zu 120 m gibt es auch eine ganze Reihe Mehrseillängenrouten, die Einsteigern und Könnern des alpin angehauchten Kletterns sehr viel Freude bieten. Allerdings ist hier besonders rund um die Standplätze und Ausstiege der eine oder andere Stein locker, sodass ein Helm generell nicht schadet.

Die Absicherung ist umfassend, kann aber für weniger erfahrene oder ängstliche Kletterer bisweilen recht dünn wirken. Ein paar zusätzliche Keile und Friends helfen hier weiter.

Besonderheiten

Die Mischung macht‘s: die Felsklippen im Sonnenlicht erinnern an mediterrane Kletter-Hotspots, während das Drumherum mit seinen verwinkelten Tälern, bewaldeten Kuppen, malerischen Burgen und verwunschenen Ruinen an Idylle kaum zu überbieten ist.

Kletterregelung – was ist wo erlaubt?

Wie überall sonst auch gibt es einige Zonen mit temporären oder dauerhaften Sperrungen. Ansonsten sind lediglich ein paar der in stark frequentierten Gebieten eigentlich selbstverständlichen Anstandsregeln zu befolgen, wie die, dass die Wanderwege nicht verlassen werden. Regelmäßig aktualisierte Informationen hierzu veröffentlicht die ansässige IG-Klettern.

Reiseinfos

Da der Bahnhof Hausen in Gehweite des Campingplatzes Wagenburg und des Ebinger Hauses (Selbstversorgerhütte der DAhttp://www.ig-klettern-donautal.de/de/kletterfelsen/kletterregelung/V-Sektion Ebingen) ist, lässt sich die Anreise hier problemlos mit ÖPNV organisieren. Eine weitere Übersicht über die Felsen und Klettermöglichkeiten bietet neben der DAV-Felsinfo die Seite der IG-Klettern Donautal/ Zollernalb. Für genaue Routeninfos verweist die IG-Klettern auf die Routendatenbank von Climbing.de. Ein guter Einstieg ins Donautal inklusive vieler touristischer Infos ist dieser Artikel auf klettern.de.

Eine tolle Auswahl an 31 handgezeichneten Topos inklusive detaillierter Beschreibungen aus dem zentralen Bereich rund um die Hausener Klippen findet sich bei rocktopo.org (jpg- oder pdf-Version anklicken für gute Sichtbarkeit).

Kletterführer

Donautal + Zollernalb – Kletterführer, Panico Verlag

Südpfalz

Und schon wieder ein geschichtsträchtiger Klassiker mit viel Ambiente: die Südpfalz. Als größtes geschlossenes Waldgebiet in Deutschland wäre der Pfälzerwald auch ohne die vielen rötlichen Sandsteinformationen eine Besonderheit, doch er würde wohl kaum derart viele Kletterer, Wanderer und Naturgenießer aus dem In- und Ausland anziehen. Zwischen den Metropolen Pirmasens und Landau durchziehen rund um die französische Grenze um die 120 Sandsteintürme, 200 Klippen und zahllose Boulderblöcke die Baumwipfel.

Gesteinsart/Kletterei

Der Buntsandstein der Region bietet eine enorme Vielfalt von Klettereien in allen Schwierigkeitsgraden. Durch die oft waagerechte Schichtung des Gesteins finden sich hier viele ausladende Dächer und abenteuerliche Routenführungen. Auch die vielen wabenförmigen Verwitterungen mit ihren speziellen Griffen und Tritten sind eine Besonderheit der Pfalz. Vielfalt ist auch das Stichwort in Sachen Felsqualität: bombenfest und haarsträubend brüchig sind hier oft nur wenige Meter auseinander.

Die Absicherung genießt einen ähnlichen Ruf wie die des Elbsandsteins und kann mit „meist sparsam“ umschrieben werden. Klemmkeile und Friends sind unverzichtbar, wenn man nicht gerade ein Liebhaber langer Runouts ist. Allerdings ist auch dies keine allgemeingültige Regel: wenn man sucht, dann findet man hier auch in moderaten Schwierigkeitsgraden regelrechte Hakenleitern.

Besonderheiten

Auch die relativ strenge Kletterethik ähnelt der des Elbsandsteins, wobei es in der Pfalz in den letzten Jahren liberaler und pragmatischer zugeht, da ansonsten der Ausgleich vieler Interessen durch ideologische Grabenkämpfe blockiert wäre. So wird beispielsweise das Magnesiaverbot durchaus flexibel gehandhabt. Man soll eben so weit wie möglich drauf verzichten und nur in oberen Schwierigkeitsgraden sowie den frickeligen Kieselklettereien verwenden. Das hat auch gute Gründe, denn Magnesia schädigt auf Dauer die raue Sandsteinoberfläche.

Kletterregelung – was ist wo erlaubt?

Auf der Homepage der Vereinigung der Pfälzer Kletterer finden sich die „Richtlinien für sanftes Klettern im Naturpark Pfälzerwald“. Auch eine Liste der Sperrungen findet sich dort.

Reiseinfos 

Die meisten Felsen befinden sich in der Umgebung der Orte Dahn und Schindhard, beide an der von Karlsruhe nach Pirmasens führenden Bundesstraße 247 gelegen. Dorthin besteht auch Bahnanbindung.

Die erste Adresse in Sachen Unterkunft und Essen ist der mitten in der Felslandschaft nahe Schindhard gelegene Bärenbrunner Hof. Der uralte gegenwärtige Bio-Bauernhof ist Treffpunkt der Pfälzer Szene und bietet neben Ferienwohnungen und gutem Essen auch einen einfachen Zeltplatz. Des Weiteren gibt es in der ganzen Südpfalz eine breite Auswahl an Unterkünften.

Für den klettertechnischen Überblick sorgt die Vereinigung der Pfälzer Kletterer mit ihrer umfangreichen Tourendatenbank, die meist gute Fotos und detaillierte Routeninformationen zu sehr vielen Massiven und Felsen enthält.

Kletterführer

Kletterführer Pfalz, Panico Alpinverlag, 39,80 €

Schwarzwald – vom Battert zum Dreiländereck

Da auch beim Sporteln an kleinen Felsen das Ambiente zählt, gehört der Schwarzwald in diese kleine Auswahl mit herein. Zwischen Baden-Baden im Norden und Basel im Süden (wo der Basler Jura mit griffigem Kalk lockt) reihen sich die Klettergebiete wie eine Perlenschnur aneinander. Landschaftlich ist es hier meist besonders schön, vor allem in den hoch gelegenen, südlichen Gebieten rund um Freiburg. Hier wären vor allem das Gfäll bei Oberried und der Kandelfelsen unterhalb des Kandelgipfels zu nennen. Wintertauglich sind diese Massive mit ihren meist gut eingeschneiten Zugangswegen allerdings nur für Hartgesottene.

Beim wesentlich tiefer gelegenen Battert ist das etwas anders – hier können dank der überwiegenden Süd-Ausrichtung durchaus auch im Hochwinter passable Kletterbedingungen sein. Während man am Battert in den etwa 300 Routen alle Schwierigkeitsgrade vorfindet, sind die Gebiete im Südschwarzwald eher für die unteren und mittleren Grade bekannt.

Gesteinsart/Kletterei

Porphyr, Sandstein und sogar Granit: im Schwarzwald ist für Abwechslung gesorgt. Da die Geologie der Region durch den Oberrheingraben vulkanisch geprägt ist, sind im Schwarzwald Gesteinsarten vorherrschend, die ansonsten in Deutschland kaum vorkommen. Die Klettereien sind äußerst vielseitig, die Absicherung variiert sowohl von Gebiet zu Gebiet als auch innerhalb der Gebiete. Am Battert gibt es schöne Mehrseillängentouren mit alpinem Feeling, die Absicherung ist allerdings häufig ebenfalls ziemlich „alpin“.

Besonderheiten

Neben den besonderen Gesteinsmischungen ist die Einbettung vieler Klettergebiete in eine idyllische Umgebung eine weitere Spezialität des Schwarzwalds. Hinzu kommen unzählige Möglichkeiten, auch mal etwas anderes als Sportklettern zu machen, vor allem Wandern (z.B. den bekannten Karlsruher Grat), Mountainbiken, Paddeln oder Langlaufen.

Kletterregelung – was ist wo erlaubt?

In vielen Gebieten gelten spezielle Kletterregeln, Naturschutzgesetze und jahreszeitliche Felssperrungen, die meist vor Ort auf Schildern einzusehen sind. Zu den allgemeinen Regeln gehören, dass man Felsköpfe möglichst nicht betritt, temporäre Sperrungen (wegen Vogelbrut, etc.) respektiert und angelegte Zustiegswege nicht verlässt. Die Kletterregeln für den Battert sind auf Battertfelsen.de aufgelistet.

Reiseinfos

Im Südschwarzwald sind die meisten Felsen mit ÖPNV und einem mehr oder weniger langen  Fußmarsch zu erreichen. Mit dem Auto kommt man meist wesentlich näher an die Felsen heran. Der Battert erfordert sowohl mit ÖPNV als auch mit Auto nur einen kurzen Fußmarsch.

Überall im Schwarzwald finden sich Campingplätze, Pensionen, Jugendherbergen, Naturfreundehäuser und Hotels. Weitere Infos finden sich bei der Schwarzwald Tourismus GmbH.

Informationen zu den Gebieten und Felsen rund um Freiburg gibt es bei der IG-Klettern Südschwarzwald, für den gesamten Schwarzwald bei der DAV-Felsinfo

Kletterführer

Unser Versandversprechen zu WEihnachten 2017

Unser Versandversprechen zum Fest

8. Dezember 2017
Die Bergfreunde

Guten Morgen! Ja, ich meine Dich, Du Schlafmütze. Weihnachten steht vor der Tür und wenn Du Deinen Lieben etwas Gutes tun willst, dann wird es langsam Zeit, sich um Geschenke zu kümmern. Damit das auch alles rechtzeitig zum Fest klappt, haben wir noch ein paar Infos für Dich, was Du beachten solltest, wenn Dein Geschenk bergfreundig sein soll.

Garantierter Versand bis…

Die erste und wichtigste Frage: Bis wann muss ich eigentlich bestellen, damit die Sendung noch rechtzeitig da ist? Nun, die Antwort ist relativ leicht: Am besten gleich! Solltest Du Dir trotzdem noch etwas Zeit lassen wollen, können wir Dir versprechen, dass wir Bestellungen aus Deutschland, die bis zum 22.12. um 6 Uhr morgens bei uns einlaufen noch fristgerecht an DHL übergeben. Bei Bestellungen aus der Schweiz und Österreich gehen Bestellungen bis zum 18.12.2017 um 12 Uhr fristgerecht in den Versand.

Wichtig zu erwähnen: Wir können Dir zwar versprechen, die Pakete rechtzeitig an die DHL zu übergeben, die Zustellung liegt allerdings in deren Händen und dafür können wir leider keine Garantie übernehmen.

Weil wir hier immer von fristgerecht sprechen: DHL gibt uns einen „letzten Abgabezeitpunkt für eine vorweihnachtliche Zustellung“, dem wir mit unserem Versandversprechen gerecht werden.

Die zweite Frage: Gilt das für alle Bestellungen? Auch hier gibt’s eine klare Antwort: Leider nicht. Ausgenommen sind:

  • Bestellungen per Vorauskasse, da hier natürlich noch die Tage bis zum Geldeingang hinzu kommen
  • Sperrgut-Bestellungen. Diese können unter Umständen länger dauern, da Sperrgut nicht automatisiert versandt wird.

Passt nicht, gefällt nicht! Bis wann kann ich Geschenke zurückgeben?

Es liegt in der Natur der Sache, dass Geschenke auch mal nicht gefallen – gerade wenn der oder die Beschenkte keine eigenen Wünsche äußert (an dieser Stelle einen schönen Gruß an meine Eltern). Aber natürlich kann auch die Passform nicht stimmen oder ein anderer Grund ist dafür verantwortlich, dass Geschenke wieder den Weg zurück in unser Lager finden.

Natürlich hast Du – wie bei allen anderen Bestellungen auch – 30 Tage Zeit, alles ausgiebig anzuprobieren und zu begutachten. In unseren AGBs findest Du unter Paragraph §8 alle weiteren Infos zum Rückgaberecht. Oder du besuchst unsere Retouren-Infoseite, wo alle wichtigen Infos zusammengefasst sind.

Gut zu wissen: Kommentare verzögern den Versand

Noch eine nicht ganz unwichtige Info zum Schluss: Zwar freuen wir uns, wenn Du uns einen schönen Gruß im Notizfeld der Bestellungen hinterlässt, Deine Bestellung verzögert das aber, weil wir jede Notiz von einem Kundenservice-Mitarbeiter überprüfen lassen. Wenn also wirklich pressiert, verzichte lieber auf ein paar nett gemeinte Worte und schicke uns lieber direkt eine Email. Oder gleich ein Paket mit Schokolade. Die mögen wir hier sehr! ;)

Sodale, ich hoffe, nach der Lektüre dieses Beitrags bist Du ausreichend informiert. Falls Du dennoch Fragen haben solltest, zögere bitte nicht uns zu kontaktieren.

Speed - schnell unterwegs am Berg

Speed – schnell unterwegs am Berg

28. Dezember 2017
Die Bergfreunde

Die im Führer angegebene Gehzeit unterschreiten – um vieles. An einer langen Schlange von aufsteigenden Wanderern oder Skitourengehern im schnellen, aber gleichmäßigen Rhythmus vorbeiziehen. Stehend abfahren im Geröll mit langen Schlittschuhschritten, während sich daneben eine Gruppe langsam und vorsichtig über den steilen Schotterweg hinabmüht. Der beeindruckende Zeitunterschied vom ersten mühsamen Aufstieg ins Hochlager an einem hohen Berg bis zum raschen Aufstieg mit guter Akklimatisation dank häufiger Auf- und Abstiege mit Gepäcklast.  Im spielerischen Wettlauf gegen die Seilgefährten von einem Block zum anderen springen und die beste und schnellste Abstiegsroute finden durch die chaotisch ineinander verkeilten Granitblöcke …

Es gibt viele Arten des schnellen Unterwegsseins in den Bergen, bei denen man viel Spaß haben kann, ohne direkt an Bergläufen, Ultra Trails oder Skitouren-Rennen teilzunehmen.

Geschwindigkeit als Sicherheitsaspekt

Schnell in den Bergen unterwegs zu sein macht viel Spaß, vor allem, wenn man top trainiert ist und noch keine Knieprobleme kennt. Man fühlt sich stark, bei schnellem Klettern im Fels oder bei technisch schwierigen Abstiegen in Rekordzeit sieht man sich fast schon als Artist und freut sich über seine Leistungsfähigkeit. Darauf darf man stolz sein.

Vor allem wenn man sich zusätzlich die Aufgabe stellt, im steilen Geröll beim raschen Auf- oder Abstieg keinen einzigen Stein loszutreten. Schnelle Auf- und Abstiege stehen für gutes Training, viel Erfahrung und jenes wunderbare Gefühl von Leichtigkeit am Berg, das einen manchmal fast besoffen machen kann vor Glück. Der Fachbegriff dafür heißt Flow.

Dies umso mehr, weil wirklich jeder die schlechten und zähen Tage am Berg kennt, wenn man sich – mangels Training, mangels Akklimatisation, wegen einer nicht auskurierten Erkältung, wegen Stress im Beruf oder was auch immer – „auffi quälen“ muss. Wenn nichts vorangeht, wenn man erstmals an einer Route abschmiert, die man schon x-mal vorgestiegen ist oder wenn man auf einer Skitour heftig keuchend in den Stöcken hängt, obwohl man langsam aufgestiegen und noch nicht lange unterwegs ist. Oder wenn man bei einer ganz normalen Wanderung mit knallroter Birne hinterher hechelt. Dann, ja dann, hat man wirklich keinen guten Tag erwischt!

Hinzu kommt, dass Zeit ein wichtiger Sicherheitsfaktor in den Bergen ist. Die Gehzeit spielt eine wesentliche Rolle bei allen Aktivitäten am Berg. Zum einen bietet die Gehzeitangabe im Führer eine wichtige Information zur persönlichen Tourenplanung daheim. Zum anderen ist sie ein Indiz für die eigene Leistungsfähigkeit und darüber, was man sich zutrauen darf oder nicht.

Für die Tourenplanung ist allerdings immer die aktuelle oder durchschnittliche Leistungsfähigkeit des Langsamsten der Gruppe ausschlaggebend – und nicht die eigene Bestleistung.
Das Einhalten der angegebenen Gehzeit und der eigenen Zeitplanung mit Puffer ist wichtig – vor allem im Hochgebirge. Nachmittags sind die Gletscher, Eiswände oder Mixed-Routen bei intensiver Sonneneinstrahlung wesentlich gefährlicher als frühmorgens, wenn Schnee und Eis noch beinhart gefroren sind.

Gewitter kommen wesentlich häufiger am Nachmittag vor, als am frühen Morgen. Und ein Abstieg im Dunkeln mit Stirnlampe macht weniger Spaß als bei Tageslicht. Wenn der nächtliche Abstieg dann trotz Stirnlampe zu schwierig oder schwer zu finden ist, dann muss man ungeplant biwakieren. Das kann trotz Biwaksack – je nach Witterungsverhältnissen und Exposition – ziemlich unangenehm werden.

Schnelligkeit am Berg ist also normalerweise ein Plus an Sicherheit. Sie kann aber auch lebensgefährlich werden, beispielsweise wenn man sich als Normalbergsteiger für die Akklimatisation an einem höheren Berg nicht genügend Zeit nimmt. Oder wenn das Tempomachen unterwegs auf Kosten der Trittsicherheit geht und derjenige abstürzt. Oder wenn im direkten Wettrennen zweier gestresster Bergsteiger der eine nicht mehr mithalten kann, stürzt oder kollabiert.

Speed-Bergsteigen

Schnelligkeit ist zudem ein leicht nachvollziehbarer Gradmesser, mit dem man die eigene Leistung besser verdeutlichen kann. Speed-Besteigungen von berühmten Bergen oder Wänden sind und waren daher schon immer in: Top-Athleten demonstrierten so auf berühmten Routen oder an hohen Bergen im Himalaya ihre sonst oft kaum mehr vermittelbare Überlegenheit gegenüber anderen Bergsteigern. Es sind die Superlative, die die Menschen interessieren. Ob Kilian Jornet am Everest, Kilimandscharo oder beim Ultra Trail du Mont Blanc, die Huber-Buam mit ihren herausragenden Speedbegehungen im Yosemite – immer geht und ging es um Rekordzeiten.

Die Eiger-Nordwand als Maßstab

Wenn einer wie der Schweizer Ueli Steck den Geschwindigkeitsrekord auf der klassischen Heckmair-Route in der Eiger Nordwand pulverisierte, dann verstand auch die breite Öffentlichkeit, was die modernen Profis heutzutage leisten können. Den Mythos der 1800 m langen Eiger Nordwand und die Geschichte(n) und Tragödien um ihre Erstbesteigung kennen sehr viele Nichtbergsteiger.

Schwerer Riss, Hinterstoißer-Quergang, Todesbiwak, Götterquergang, Spinne, Ausstiegsrisse … – das sind Begriffe, die auch Nichtbergsteigern vertraut sind, wenn sie sich für die Berge interessieren. Zwar müssten diese auch wissen, dass die Ausrüstung inzwischen viel leichter und wesentlich besser geworden ist als früher, und es stark auf die Verhältnisse in der Wand ankommt. Dennoch ist der unfaire Vergleich viel beeindruckender, wenn man weiß, dass die Erstbegeher 1938 für die Route zwei Biwaks, (Anderl Heckmair, Ludwig Vörg), also drei lange Tage, und die andere Seilschaft drei Biwaks, also insgesamt vier Tage zur Routenfindung und Begehung der Route im vereisten V. Grad brauchten.

Das langsamere österreichische Team aus Fritz Kasparek und Heinrich Harrer hatte bereits einmal biwakiert, bevor sich alle vier zu einer Seilschaft zusammenschlossen. Wegen der vielen Quergänge beträgt die reale Kletterstrecke der Heckmair Route rund vier Kilometer im oft vereisten brüchigen Fels und den Eisfeldern.

Reinhold Messner und Peter Habeler zeigten bereits 1974 ihre Klasse und durchstiegen die lange berühmte Nordwand in knapp zehn Stunden. Thomas Bubendorfer und Reinhard Patscheider schafften es 1983 jeweils allein in unter fünf Stunden und 2003 brauchte der Südtiroler Bergführer Christoph Hainz im Alleingang nur noch 4,5 Stunden. Und dann kam Ueli Steck: Bereits im Alter von 18 Jahren stieg Ueli Steck zum ersten Mal durch die Eiger Nordwand und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem der besten und schnellsten Bergsteiger der Welt.

Ab 2007 jagten Ueli Steck und sein Freund, der Extrembergsteiger Dani Arnold, einander als Alleingeher jeweils den Durchsteigungsrekord ab. Für die beiden war die Heckmair-Route eher eine Joggingtour an ihrem Hausberg als eine heikle Kletterei wie Steck einmal in einem Interview sagte.

Ende 2015 rannte Ueli Steck, der am 30. April 2017 bei einer Akklimatisationstour am Lhotse tödlich verunglückte, in 2 Stunden 22 Minuten durch die Wand und holte sich seinen Rekord wieder zurück. Am Beispiel der Begehungszeiten der Heckmair Route versteht jeder, was damit verdeutlicht und erklärt werden soll. Die Route Young Spider in der Nordwand (1800 Hm bis zu 7a/A2 im Fels, WI 6 im Eis und M7 im Kombi-Gelände), die Ueli Steck an fünf eisigen Tagen in der Wand als zweite Begehung überhaupt und als Winter-Soloerstbegehung gelungen war, dürften nur extreme Alpinisten kennen oder Spezialisten, die sich zumindest vorstellen können was diese Schwierigkeitsbewertungen „in natura“ bedeuten. Die breite Öffentlichkeit kann mit solchen Beschreibungen der Schwierigkeitsgrade nichts anfangen.

Wer als normaler Kletterer oder Bergsteiger ohne das immense Trainingspensum und die Erfahrung eines Profibergsteigers „light and fast“ und womöglich als Solokletterer im Absturzgelände unterwegs sein will, der muss schon wissen, was er tut und sich darüber im Klaren sein, dass selbst Profis abrutschen können. Schnell unterwegs zu sein macht mächtig Spaß, kann aber auch zur Droge werden. Man muss selbst das richtige Maß finden und viel trainieren.

Das A-Z des Transalpine Runs4

Das A-Z des Transalpine Runs – Teil 2

21. November 2017
Die Bergfreunde

Wer sieben Tage über die Alpen läuft, hat viel zu erzählen. Und wenn man das Erzählte bisweilen so gut zu „Papier“ bringen kann, wie unser Bergfreund Johannes, kommt dabei eben ein fast 4000 Wörter langer Artikel raus. Damit das Ganze etwas verdaulicher daherkommt, haben wir sein ausführliches Transalpine-Run-ABC in zwei Teile gesplittet. Wer gerne die Buchstaben A-M nachlesen möchte, findet den entsprechenden Beitrag hier. Allen anderen wünschen wir viel Spaß mit den Buchstaben N-Z!

N wie Nudelparty

Am Abend einer jeden Etappe hat sie stattgefunden, die ominöse Nudelparty, auch Pastaparty genannt. Abend für Abend sammelten sich hier die Transalpine Run Teilnehmer, um die leeren Kohlenhydratspeicher wieder aufzufüllen. Es wurde über die letzte Etappe kontrovers diskutiert, es wurde sich gegenseitig wegen diverser Wehwehchen bedauert und es wurde über das Wetter geschimpft – Small Talk eben.

Nudeln konnte ich nach dieser Woche nicht mehr sehen. Sie wurden uns mit unterschiedlichen Saucen serviert, die eine etwas leckerer, die andere eher an rotes, dickes Wasser erinnernd und nicht ganz so lecker. Der nicht nur im übertragenen Sinne Höhepunkt war die Nudelparty in Samnaun. Mir der Seilbahn sind wir direkt ins Herz der Samnauner Bergwelt gebracht worden. Bei bestem Wetter eine Traumaussicht. Und dann erst das Essen. „Nudelparty“ wird dem nicht gerecht. Es war ein Dinner, was uns hier im Gipfelrestaurant serviert wurde – WOW.

O wie Ochsenscharte

Darüber hüllen wir den Mantel des Schweigens. Nur so viel, es war der Höhepunkt des Tiefpunktes – siehe K wie Königsetappe.

P wie Parallelkosmos

Aufstehen – Frühstücken – Laufen – Regenerieren – (Fr)Essen – Schlafen. Sieben Tage am Stück. Jeden Tag der gleiche Ablauf. Man taucht ein in einen Parallelkosmos, steigt vollkommen aus dem Alltag aus. In diesen Tagen hätte Trump Nordkorea zerstören, der BV 09 Borussia Dortmund nachträglich zum Deutschen Meister erklärt werden oder die Bergfreunde aus Kirchentellinsfurt nach China expandieren können. Ich hätte das nicht mitbekommen. Dieser Parallelkosmos hat sich angefühlt wie eine Entgiftungskur für die all die Sorgen, für all die dunklen Gedanken, die einen im Alltag belasten.

Q wie Qualen

Udo Bölts schrie einmal Jan Ullrich an „Quäl Dich, Du Sau!“. Am Ende stand der Sieg bei der Tour de France. Nun, wir wollen jetzt nicht über die Dopingpraktiken diskutieren, die unter anderem zu diesem Sieg führten. Viel wichtiger ist doch, dass in diesem Satz viel Wahrheit steckt. Sich zu quälen heißt, seine eigenen Grenzen zu überwinden, diese zu verschieben. Über sich hinauszuwachsen. Es mag beim Transalpine Run Läufer geben, die diesen Lauf auf der linken Arschbacke durchlaufen. Ich nicht, definitiv nicht. Ich musste mich quälen, nicht nur einmal, nicht nur zweimal, oft, sehr oft. Ich musste jeden Tag über meine Grenzen gehen. Mit jedem Tag, den der Transalpine Run dauerte ein wenig mehr. Aber die Qualen haben sich ausgezahlt – mehr dazu unter Z wie Ziel.

R wie Runner’s High

Kennt ihr das? Ihr grinst grenzdebil über das ganze Gesicht, Endorphine sprühen durch euren ganzen Körper, der Schweiß fliest, die Muskeln arbeiten am Anschlag. Ihr seid high, eine innere Wärme breitet sich aus. Warum? Weil ihr lauft, einfach nur lauft. Aber irgendwas macht diesen Laufmoment magisch. Ich hatte beim Transalpine Run mehrere Male ein Runner’s High.

Das macht diesen Wettbewerb aus. Man quält sich, erträgt Schmerzen und Frust – aber immer wieder setzt man dann sein grenzdebiles Grinsen auf und freut sich einfach, dass man hier laufen darf. Gründe können so mannigfaltig wie individuell sein. Für mich war das größte Runner’s High wohl der Downhill nach und die Zielankunft in Scuol.

S wie Scuol

In Samnaun stand ich noch grübelnd und unsicher im Startblock. Die Schmerzen in meinen Fersen hatten ihren Höhepunkt erreicht. „No gain, no gain“ – also los. Ich biss mich immer mehr in diese Etappe rein, konnte die Schmerzen ausblenden. Und es lief mit jedem Kilometer besser. Dann war die Fuorcla Campatsch erreicht. Jetzt ging es nur noch bergab, aber nur topografisch gesehen. Denn als ich da oben ankam und mit dem Streckenchef abgeklatscht hatte, machte sich in mir eine Gewissheit breit: „Du schaffst das Ding!“

Also, Kopf aus, Herz ein, Endorphine Marsch. Selten hatte ich so einen grandiosen Downhill – 1.600 Höhenmeter runter, teils steil, teils technisch, teils einfach. Egal, drüber gebügelt und ab ins Ziel nach Scuol. Es fühlte sich an wie ein Triumphzug ins Glück, ein Runner’s High von oben bis unten. Die Gewissheit, den Transalpine Run zu finishen hatte ich spätestens jetzt. Daher war die Zielankunft in Scuol für mich eine ganz besondere. Ich glaube, ich bin wie ein stolzer Hahn durch den Zielbereich stolziert. Heute war ich der King, mein ganz eigener und Scuol war mein Schloss.

T wie Team

Das Besondere am Transalpine Run ist, dass man als Team antritt. Mein Teampartner war Basti. Wir haben uns sehr gewissenhaft vorbereitet. Unzählige Trainingsläufe haben wir gemeinsam in den Allgäuer Alpen gemacht – wir haben uns läuferisch und menschlich kennen und schätzen gelernt. Die Ergebnisse im Vorfeld waren gut, die Motivation hoch und die Ansprüche nicht minder. Doch schon auf der ersten Etappe steckte Basti mir, dass er seit Wochen mit einer leichten Erkältung kämpft; im Alltag kein Problem, bei einer Grenzerfahrung wie dem Transalpine Run allerdings schon.

So brach er auf der 2. Etappe von Lech nach St. Anton am Arlberg komplett ein. Früh keimte in mir die Erkenntnis, dass unser Team bereits auf der 3. Etappe Geschichte sein sollte. Ich lief fortan als Einzelläufer weiter. Aber Basti reiste weiter mit, unterstütze und motivierte mich wo er konnte. Und einer der magischsten Momente war, als ich im allerletzten Downhill des Transalpine Run von der Tabarettascharte runter nach Sulden hinter dem führenden Mixed-Team herballerte und ca. 4 Kilometer vor dem Ziel Basti auf mich wartete. Gemeinsam jagten wir weiter den Berg runter und hinter den Beiden her. Zusammen liefen wir in Sulden über die Ziellinie. Als Team sind wir in Fischen gestartet, als Freunde sind wir in Sulden angekommen. Danke Dir, Basti!!

U wie Uinaschlucht

Beim Transalpine Run erlebte ich traumhaft schöne Landschaften. Der Höhepunkt war die wildromantische Uina-Schlucht. Aus dem lieblichen Engadin rannten wir durch die immer wilder werdende Landschaft auf einem Forstweg hinauf durch das Val d’Uina. Die Szenerie wurde immer dramatischer. Da, einen Blick auf die Schlucht hatte ich durch die Bäume durch erhaschen können, dann versteckte sie sich wieder.

Irgendwann – die erste Labestation des Tages hatten wir gerade passiert – spuckte uns der Wald aus und sie lag vor uns. Links in der Felswand haben arme Schweine Anfang das 20. Jahrhunderts einen Weg in und durch den Felsen gehauen. Davor war die Uina-Schlucht unpassierbar. Unten hüpfte die Uina von einer Kaskade zur anderen. Gähnend war neben uns der Abgrund, der keinen Fehltritt verzeiht. Dessen ungeachtet zogen wir Läufer unsere Spur, verharrten den ein oder anderen Moment in Demut und waren dankbar dafür, diesen Moment bei bestem Wetter erleben zu dürfen. Oben öffnete sich die Szenerie, der Schlinigpass breitete sich vor uns aus; aus dem Dunkel der Schlucht direkt ins Licht einer gleisend schönen und gleichzeitig lieblichen Bergwelt. Welch ein Moment, welch ein Privileg.

V wie Versuche

Ich habe ihn schonmal versucht, den Transalpine Run. 2014 stand ich gemeinsam mit Markus, einem lieben Kollegen, an der Startlinie. Die Vorbereitung damals lief alles andere als gut. Zugegebenermaßen hatte ich kaum Erfahrung, die eine Teilnahme am Transalpine Run rechtfertigen hätte können. So kam nach der 6. Etappe das Aus. Das war bitter, ich habe damals geheult wie ein Schlosshund, war ein Häufchen Elend. Doch es war mir Ansporn genug, mich diesmal gewissenhaft drauf vorzubereiten. Ich wusste, was auf mich und meinen Körper zukommt. Ich wusste, dass ich es diesmal schaffen werde, allen Widrigkeiten zum Trotz – der zweite Versuch durfte schließlich nicht schiefgehen.

W – weiter

Eigentlich gehört das ja ans Ende. Aber W kommt nun mal vor Z. Ja, wie geht’s weiter? Mein Plan für das nächste Jahr steht schon. Allerdings kommt gerade eine kleinere Verletzung nach der anderen. Daher bin ich nach dem Transalpine Run noch nicht so recht in Schwung gekommen. Es wird sich zeigen, wie ich jetzt dann alles auskuriere. Darauf steht jetzt erstmal der Fokus. Und der Transalpine Run wird in drei Jahren noch mal angegangen. Dann aber in der Mixed Kategorie mit Blick auf das Podium. Mädels, Bewerbungen werden ab jetzt in Empfang genommen.

X – Xtreme

Xtreme ist Neuhochdeutsch für Extreme. Und das ist der Transalpine Run definitiv, ein Lauf der Extreme. Nicht umsonst wird die Schlange vor dem Zelt der Medical Crew jeden Tag länger. Bilder von knochentiefen Blasen machen die Runde. Ein rotglühendes Schienbeinkantensyndrom hier, eine entzündete Achillessehne da oder ein dickes Knie dort. Extremes fordert seinen Tribut.

Der eine ist bereit mehr zu zahlen, der andere weniger. Manche müssen am Weiterlaufen gehindert werden. Die einzelnen Tagesetappen sind jetzt nichts, was einen Ultraläufer wirklich umhaut. Extrem wird der Transalpine Run dadurch, dass man das sieben Tage am Stück läuft. Der Körper schafft es nicht mehr, sich bis zum nächsten Startschuss zu regenerieren. Tag für Tag kämpft und quält man sich über topografische und mentale Höhen und Tiefen, meist am Limit, manchmal darüber. Die Anforderungen an Geist und Körper sind extrem. Schon die Vorbereitung ist extrem, sonst steht man das nicht durch. Die Logistik, die für den Veranstalter PlanB dahintersteckt, ist extrem. Und die Pastaparty in Samnaun war extrem lecker.

Y – Yvonne

Training ist das Eine, das Rennen das Andere. Man investiert Zeit, Schweiß und Geld im Vorfeld. Beim Transalpine Run brauch man den Rücken frei. Am besten, man muss sich nur um sich selber kümmern. Aufstehen, Trailrunningrucksack packen, frühstücken und ab zum Start. Hinterher zum Hotel kommen, regenerieren, essen und schlafen. Das alles kannst Du nur, wenn Du den richtigen Menschen an Deiner Seite hast.

Meine Frau war Logistikmanager, Reiseleiter, Chauffeur, Physiotherapeut, Sportpsychologin und Cateringservice in einem. Sie war mein Fels in der Brandung, hat mich aufgebaut, als ich Schmerzen und Zweifel hatte und hat mich mit meiner eigenen Freude alleine gelassen, wenn es nötig war. Sie hat meine ganzen Eskapaden im Vorfeld ertragen, hat mich aber auch das ein oder anderen Mal wieder auf den Boden geholt. Lange Rede kurzer Sinn, ich muss meiner Frau danken, dass ich sie an meiner Seite haben darf.

Z – Ziel

„Der Weg ist das Ziel“ – selten zuvor hat dieser Spruch besser gepasst als auf den Transalpine Run. Es gibt zwar dieses eine Ziel in Sulden, welches alle Läufer erreichen wollen. Dennoch dachte ich da nicht dran, als Basti und ich uns in Fischen auf den Weg machten. Man steckt sich Zwischenziele – der nächste Pass, die nächste Labestation, die nächste Fankurve oder das Tagesziel.

Dennoch spielten sich in meinem Kopf Szenarien ab, als wir durch den Allgäuer Regen in die Alpen hinein liefen. Ich sah mich in Sulden emotional, weinend, aufgelöst vor Freude im Zielbereich liegen. Das Ziel in Sulden habe ich erreicht. Der emotionale Ausbruch blieb allerdings aus. Zu sicher war ich mir seit dem Zieleinlauf in Scuol, den Transalpine Run zu finishen. Ich saß einfach nur still da, die Finishermedaille hing um meinen Hals und grinste in mich hinein. Ich war unheimlich stolz auf meine Leistung. Ich habe mich meinem inneren Schweinehund gestellt und ihn besiegt. Ich habe Zweifel niedergerungen. Ich war 5. Individual Finisher, gehörte zur erweiterten Spitzengruppe. Eine grandiose Woche ging hier zu Ende, die sich im Nachhinein wie ein Traum anfühlt.

Aber, ich habe meinen Traum gelebt und durchlitten. Ich habe mein Ziel erreicht – und das doch nur, um mir neue Ziele zu setzen.

Titelfoto: Sportograf

Skitouren: Ohne Plan geht nix

Skitouren: Ohne Plan geht nix

6. Dezember 2017
Die Bergfreunde

Skitouren sind ein erstaunlicher Trend, denn sie passen eigentlich gar nicht in den Zeitgeist. Sie sind in vielerlei Hinsicht mit gesteigertem Aufwand verbunden und lassen sich damit kaum als einer unter vielen Sidekicks im Erlebnis-Multitasking unterbringen. Okay, da wären noch die Pistenskitouren, bei denen man im Skigebiet oft direkt neben dem Lift aufsteigt und dann die Piste abfährt.

Das ist natürlich nicht ganz so aufwändig, dafür aber auch schon mal mit einem Betrieb wie Samstags in der Kletterhalle verbunden. Aber es gibt tatsächlich auch immer mehr Menschen, die abseits der Pisten nach ursprünglichen Erfahrungen von Stille und Abgeschiedenheit suchen – und zwar nicht erst im reifen Alter.

Wir leben eben in Zeiten der Kontraste. Insofern passt es, dass man sich in der tief verschneiten Landschaft manchmal schon nach wenigen Metern weg vom Trubel in eine andere Welt versetzt fühlt. Doch dann kommt man ohne Planung und Know-how nicht mehr sehr weit. Zumindest nicht auf verantwortbare Weise.

Da man sich mit Ahnungslosigkeit und Unbedarftheit selbst gefährden und umbringen kann – gilt ja auch in anderen Bergdisziplinen. Bei Skitouren allerdings spielt auch der Einfluss auf andere Tourengeher eine große Rolle: wenn jemand aus Unkenntnis und Leichtfertigkeit eine Lawine auslöst, dann kann das auch für andere böse Folgen haben.

Know-how: Nicht alle Theorie ist grau

In aller Kürze gesagt beruht die ganze Tourenplanung auf der Einschätzung der drei Faktoren Verhältnisse, Gelände und Mensch. Diese werden dann auf drei räumlichen Ebenen wiederholt, bis zuletzt der genaue Tourenverlauf gefunden ist. Mit dieser vom Schweizer Bergführer und „Lawinenpapst“ Werner Munter entwickelten 3 x 3 Reduktionsmethode lässt sich Ordnung in das Planungschaos bringen.

Falls dieser kurze Zusammenfassungsversuch jetzt unkompliziert klang: super! Doch leider bleibt es nicht so einfach. Denn für das selbstständige Skitourengehen kommt man um eine fundiertere Theoriebasis nicht herum, sieht man schon daran, dass die Kapitel über Schnee- und Lawinenkunde im Alpinlehrplan Skitouren des Deutschen Alpenvereins satte 30 textlastige Seiten einnehmen. Dann kommen nochmal rund 20 Seiten über das Risikomanagement.

Damit ist auch klar, dass ein Artikel wie dieser, eine fundierte Einführung weder ersetzen kann noch soll. Wir beziehen uns hier nur auf die Auswahl und Planung einer konkreten Tour, während das Wissen um die Benutzung der Ausrüstung und die Grundzüge der Lawinen- und Schneekunde vorausgesetzt werden muss, bzw. hier nur an einigen Stellen angerissen werden kann. Wenn hier noch keine Basis vorhanden ist, sollte man sich zunächst mit den Grundpfeilern der Skitouren-Theorie vertraut machen, über die wir hier im Blog schon das eine oder andere mal berichtet haben (Lawinengefahr und ihre Einflussfaktoren oder auch der richtige Umgang mit LVS (Lawinenverschüttetensuchgerät), Sonde und Schaufel).

Das ist auf den ersten Blick eine Menge Stoff, der sich zudem auch nicht so einfach in die Praxis übertragen lässt. Deshalb schließt man sich für die entsprechende Übung und Erfahrung am besten einem Kurs oder einer geführten Anfängertour an. Dafür gibt es bei den Alpenvereinssektionen, der Alpenvereinszentrale und bei kommerziellen Anbietern jede Menge Möglichkeiten. Die Initiative SAAC bietet hier mit ihren Basic Camps sogar eine kostenlose Möglichkeit: „SAAC Basic Camps – das sind 2-tägige Lawinencamps mit Backgroundinfo und Praxis für Off-piste Freaks. Bergführer und Snowboardpros informieren über alpine Gefahren abseits der gesicherten Pisten.

Der Tourenplanung erster Schritt: das grobe Raster

Die „Grobauswahl“ des Tourenziels wird von den Verhältnissen bestimmt, die man dem Wetterbericht und dem (richtig zu lesenden) Lawinenlagebericht (LLB) entnimmt. Dieser gibt anhand der Schneedeckenstabilität und der Auslösewahrscheinlichkeit von Lawinen eine Gefahrenstufe an.

Die entsprechende fünfstufige Gefahrenskala gilt einheitlich für alle Alpenländer. Zur vollständigen Risikoanalyse gehören außerdem die vergangene und zu erwartenden Schneefallmengen sowie Windsärke und -Richtungen und der Temperaturverlauf mitsamt all der Auswirkungen auf die Schneedecke. Auch Aussagen über besonders lawinengefährdete Höhenlagen, Hangexpositionen oder Geländeformen sind ausschlaggebend für die Wahl des Tourenziels.

Wie gesagt erfolgt die Risikoeinschätzung nicht Pi mal Daumen, sondern möglichst exakt mithilfe diverser Indikatoren in einem mehrstufigen Filtersystem. Dabei gibt es verschiedene, sich ergänzende Werkzeuge:

  • Das schon erwähnte 3 x 3 System ist mittlerweile die Grundlage fast aller Entscheidungs- und Auswahlstrategien. Die 3 Faktoren Verhältnisse (Wetter, Schnee, Lawinenlage), Gelände (Höhe, Steilheit, Hangform, etc.) und Mensch (Kondition, Technik, Kompetenz, Erfahrung) werden dabei in 3 Stufen (regional, lokal, zonal) analysiert, wobei jede Stufe die in Frage kommende Tour samt ihres Verlaufs näher eingrenzt. Munters Reduktionsmethode ist durch ihrem ganzheitlichen Einbezug des menschlichen Subjektivitätsfaktors zurecht State of the Art. Sie ermöglicht ein systematisches, gezieltes Vermeiden gefährlicher Hänge und bietet eine sinnvolle Grundstruktur für die Entscheidungsfindung vor und während der Tour.
  • Die Snowcard ist ein praktisches Werkzeug, dass sich sehr gut in das Munter‘sche 3 x 3 einbauen lässt. Sie ermöglicht auf allen 3 Stufen schnelle Erkenntnisse über die Faktoren Gelände und Verhältnisse und besticht in der Handhabung durch Einfachheit und Übersichtlichkeit. Vor allem kann man mit ihrer Hilfe sehr schön die Steilheit von Hängen direkt ablesen, indem man die entsprechende Skala auf die Stelle in der topographischen Karte hält (die, wie wir gleich noch sehen werden, auch im digitalen Zeitalter keineswegs ausgedient hat).
  • Der Lawinenlagebericht liefert mit seinen Gefahrenstufen in erster Linie Infos zum Faktor Verhältnisse, spielt aber auch bei der Geländebeurteilung eine wichtige Rolle. Denn auf Grundlage des LLB kann man eine Anstiegslinie der in Frage kommenden Tour in die Karte einzeichnen und dabei mit Hilfe der Snowcard die Steilheiten der Hänge messen. Bis Gefahrenstufe 2 bezieht man dabei nur Hänge ein, die man begeht, ab Stufe 3 werden auch die Hänge wichtig, unter denen man durchläuft.
  • Das Kartenstudium ist bei Skitouren also nach wie vor ein unverzichtbarer Bestandteil. Man ermittelt und markiert damit auch die „Schlüsselstellen“: steile Passagen und potentielle Gefahrenstellen wie Kammlagen, Rinnen, Mulden und steile Hänge oberhalb der Route. Zusätzlich sucht man nach  „Checkpunkten“, die während der Tour eine gute Übersicht über den weiteren Routenverlauf bieten sollen. Das erfordert allerdings eine gewisse „dreidimensionale Lesefähigkeit“ der Höhenliniendarstellung.

Tourenplanung zweiter Schritt: Einkreisen und Details checken

Wenn wir mit dem „Grobfilter“ soweit sind, haben wir die möglichen Zielgebiet eingekreist und suchen nun die konkrete Tour. Auch hier gilt die Devise „Safety First“. Vor allem Einsteiger-Skitouren werden von A bis Z an der Gefahrenvermeidung ausgerichtet. Das geht am besten, indem man das eigene Können (und das der Partner, die man idealerweise kennen sollte) sehr zurückhaltend einschätzt und die Tourenwahl bestmöglich an den ermittelten Wetter- und Schneeverhältnisse ausrichtet. Zudem sollte man von vornherein ein Ausweichziel einplanen und sich nicht zu sehr auf das unbedingte Erreichen des ersten Wunschziels fixieren.

Besonders im Frühjahr weichen die Schneeverhältnisse oft stark von dem ab, was man vom „normalen“ Skifahren im Hochwinter her kennt. Deshalb sollte man das Anforderungslevel als Anfänger wirklich sehr tief ansetzen. Auch bei Touren, denen man auf dem Papier locker gewachsen zu sein glaubt, können neben ständig wechselnden Schneearten mit viel Bruchharsch so manche Überraschungen lauern. Deshalb auch bei der Tourenlänge besondere Zurückhaltung üben.

Ideal ist ein realistischer Zeitplan, der nicht nur Start und Rückkehr, sondern auch Pausen beinhaltet und bestimmte Zwischenziele festlegt. Die Tage sind bekanntlich nicht so lang wie im Hochsommer und besonders in Gruppen mit mehreren, nicht aufeinander eingespielten Anfängern geht es in der Regel alles andere als schnell voran. Bei verschiedenen Könnensstufen kommen unter Umständen noch diverse Stimmungen und Dynamiken hinzu, die, sofern nicht erkannt und angesprochen, zu falschen/riskanten Entscheidungen führen können. Hier kann ein Ausweichziel sehr hilfreich sein um Frust zu vermeiden.

Unterwegs vor Ort wird das daheim erarbeitete Tourenprofil natürlich gegengecheckt und falls erforderlich nachgebessert. Letzte Unklarheiten können sowieso nur durch den echten Blick ins Gelände beseitigt werden, vor allem wenn während der Anreise Schnee gefallen ist oder die Sonne einige Stunden richtig geknallt hat. Dann haben sich die Tourenverhältnisse womöglich schon wieder geändert.

Das klingt alles recht umständlich und zeitaufwändig, je nach Vielfalt des Geländes, kann es das auch durchaus sein. Vor allem wenn an mehreren heiklen Stelle eine wohl durchdachte Entscheidung für oder gegen die Fortsetzung der Tour erforderlich ist.

Planungswerkzeuge On- und Offline

Unsere Vorfahren benutzten einst Bücher für die Tourenplanung. Diese schweren, viereckigen Objekte aus Papier schleppte man mühsam aus Geschäften oder der Alpenvereinsbibliothek nach Hause, um sie dann einzeln durchzuforsten. Im heutigen digitalen Zeitalter nutzt „man“ hingegen raffinierte Onlinetools, die die perfekte Tour binnen weniger Minuten ausspucken können. Aber: auch wenn man damit die Tourenauswahl mittlerweile komplett online angehen und sich die Beschreibungen abspeichern oder abfotografieren kann, sind die Bücher dennoch nicht verdrängt worden.

Vielleicht liegt das auch daran, dass bei all der digitalen Eleganz die Frage bleibt, ob das Smartphone bei Schneetreiben auf Tour zuverlässig seinen Dienst tut und ob das Touchscreen-Gewische mit kältesteifen Handschuhen bei gleißendem Licht und wirbelndem Schnee wirklich praktikabel ist. Da kann so ein Büchlein plötzlich wieder sehr zeitgemäß wirken. Gleiches gilt für die topographische Karte im Maßstab 1:50.000 oder besser 1:25.000, die man auf jeden Fall in Papierform mitnehmen sollte.

Die Bibliotheken der örtlichen Alpenvereinssektionen sind oft sehr gut mit AV-Karten bestückt (deren Mitnahme auf Tour offiziell nicht erlaubt ist …). Geliehene Karten sollten selbstverständlich nicht mit dem Verlauf der geplante(n) Route(n) und Markierungen potentiell gefährlicher Hänge bemalt werden. Genau diese Möglichkeit ist jedoch ein entscheidender Vorteil der Papierkarte – ebenso wie die im Vergleich zum kleinen Screen bessere Lesbarkeit, Übersicht und Detailfülle.

Hier drei Beispiele bekannter Tourenportale, die die Suche mit einer interaktiven Karte ermöglichen:

  • https://www.alpenvereinaktiv.com – viele Optionen und Filter zum Verfeinern der Suche, man kann auch Hütten suchen und die aktuellen Bedingungen, inklusive Wetter und Lawinenlage abfragen. Besonders praktisch und leicht wird das Handling nicht nur durch die interaktive Landkarte, sondern auch durch die vielen Möglichkeiten unter dem Button „Suche verfeinern“. Dort lassen sich Suchkriterien wie Anstieg, Höhenmeter, Strecken und Dauer der Tour festlegen.
  • https://www.outdooractive.com/de/ – sehr ähnlich aufgebaut wie alpenvereinaktiv, mit ähnlichem Funktionsumfang und vielen überschneidenden Tourenvorschlägen – allerdings mit wesentlich mehr Touren außerhalb des Alpenraums
  • http://www.hikr.org/ – oft gute und genaue Beschreibungen mit schönen Fotos, doch nur wenigen Filtermöglichkeiten der Suche

Tourenpartner finden

Da nicht jeder die passenden Skitourengeher schon fertig im Freundeskreis eingebaut hat, stellt sich oft die Frage, wie man solche findet. Am besten helfen hier natürlich Kurse und geführte Touren, wo man gleich einen echten und lebendigen Eindruck der möglichen künftigen Tourenbuddies gewinnt. Etwas weniger Aufwand macht die Internetrecherche. Der übliche Tipp ist hier natürlich Facebook, wo es bekanntlich keine Gruppe gibt, die es nicht gibt. Der Vorteil bei Facebook ist die Quantität, sprich, dass es an Interessenten selten mangelt. Zweifelhaft ist dann leider oft die Qualität, denn Stichworte wie „verlässlich“, „ernsthaft“ oder „langfristig“ gelten nicht gerade als Hauptmerkmale der schnellen Facebookwelt.

Dann gibt es natürlich den Alpenverein mit seiner DAV-Community samt Tourenpartnersuche und die Tourenforen vieler Sektionen. Dort liegt das Problem dann eher umgekehrt: es finden sich zwar leichter Partner, die nicht nur heiße Luft produzieren, doch die Auswahl für die passende Bergsportdisziplin zum passenden Zeitraum scheint manchmal etwas dünn.

Ein dritter Weg sind die Onlinebörsen von kommerziellen Anbietern wie Mountix.com. Bei Mountix kann man dank mobiler App auch kurzfristig vor Ort noch Touren „klarmachen“. Die Zahl der Gesuche im Bereich Skitouren ist im Moment zwar auch hier eher dünn, aber das könnte auch einfach daran liegen, dass zurzeit (Mitte November) noch nicht wirklich Saison ist. Außerdem kann man ja auch selbst das Heft in die Hand nehmen und ein aussagekräftiges Gesuch einstellen. Und etwas Glück gehört sowieso immer dazu …

Die Tour steht: letzte Schritte vor der Abfahrt

Oft wird es kurz vor der Tour hektisch, da sehr viele Kleinigkeiten in sehr kurzer Zeit erledigt werden wollen. Deshalb hier eine kurze Übersicht:

  1. Ausrüstung: Man kann natürlich am Abend vor der Tour anfangen, das Material zusammenzusuchen und zu packen. Doch wenn dann irgendetwas fehlt, was letztens noch ganz sicher da unten im Kellerregal lag, oder irgendetwas nicht funktioniert (klassischerweise die Stirnlampe mangels Batterieladung), werden die Besorgungen stressig. Also lieber rechtzeitig die Packliste Skitour durchgehen und abhaken.
  1. Notrufnummern speichern, am besten die lokale Nummer auf die Kurzwahltaste. Eine Übersicht über die Notrufnummern in den Alpenländern gibt es hier: https://www.alpenverein.de/dav-services/alpine-auskunft/alpine-telefonnummern_aid_10705.html
  1. Wenn die Tour steigt, Angehörige über den spät möglichsten Rückkehrzeitpunkt informieren. Warum nicht die Skitour nutzen, um endlich mal wieder Mama anzurufen? Im Notfall kommt es dann schneller zu einer Vermisstenmeldung.
  1. Unmittelbar vor Abmarsch: LVS-Geräte checken. Die Tourenteilnehmer müssen im Partnercheck prüfen, ob ihre LVS auch wirklich „auf Sendung“ sind. Hierfür stellt ein „Tester“ sein Gerät in den Sendemodus und alle Teilnehmer prüfen den Signalempfang. Anschließend stellt der „Tester“ sein Gerät in den Empfangsmodus und prüft nacheinander den Empfang des Signals der anderen Teilnehmer, die in den Sendemodus umgeschaltet haben. Zuletzt aktivieren alle den Sendemodus und die Tour startet.

Wer jetzt Lust auf mehr bekommen hat findet bei uns im Basislager noch ein paar tolle Artikel über Skitouren, die ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen solltet. Hier geht´s zu unseren Favoriten im Allgäu und Mittelgebirge. Hautnah berichtet Bergfreundin Klara von ihrem Ausflug zur Wiesbadener Hütte (Silvretta) und der Saarbrücker Hütte (Silvretta).

Der Reiz der Solo Tour

Der Reiz der Solo Tour

16. November 2017
Die Bergfreunde

Es ist ein echtes Abenteuer – und das jedes Mal aufs neue. Alleine unterwegs zu sein, hat für viele Wanderer und Bergsteiger einen ganz besonderen Reiz. Dennoch ist es für den einen oder anderen schwer nachzuvollziehen, was an einer Solo Tour so fasziniert. Vielleicht könnte ein Einblick in mein letztes Abenteuer etwas mehr Klarheit schaffen. Gerade, wenn ich mich an den vorwurfsvollen und zu gleich besorgten Blick meiner Mutter zurückerinnere…

„Musst du das denn alleine machen?“, fragt sie mich, als ich Rucksack, Schlafsack und Bergschuhe ins Auto packe. Aber meine Antwort steht fest – mein Ziel sind die drei Zinnen in den Sextener DolomitenDas wird großartig, denke ich mir während der Fahrt. In meiner Magengegend macht sich Vorfreude breit aber auch Skepsis. Was erwartet mich? Erreiche ich das was ich mir vorgenommen habe?

Der Weg zu sich selbst

Obwohl es bei meiner Ankunft am Startpunkt schon etwas spät geworden ist, packt mich mein Entdeckergeist. Sofort ist klar, ich muss heute noch raus. Voller Enthusiasmus verlasse ich mein Auto, mein heutiges Schlafquartier und wandere los. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich nicht mehr viel Zeit habe, um mein Ziel zu erreichen – die Nordwand der westlichen Zinne aus der Nähe zu betrachten. Es dämmert bereits und der Aufstieg über das Geröllfeld steht noch bevor. Keine Menschenseele weit und breit, um diese Zeit ist hier niemand mehr unterwegs.

Wenn man jetzt im Team unterwegs wäre, würde man sich absprechen. Geht man noch hoch oder lässt man es sein. Vier Augen sehen mehr als zwei, vielleicht hat mein Partner ja mehr Erfahrung und ich kann mich auf seine Einschätzung verlassen. Vor allem in einem unbekannten Gebiet ist das sehr beruhigend und angenehm. Doch hier ist niemand, den ich fragen könnte. So muss ich mich auf meine eigene Erfahrung verlassen, vielmehr jedoch auf mein Bauchgefühl. Also steige ich weiter auf. Ich weiß, dass ich gut ausgerüstet bin und wenn es sein muss, im Abstieg noch mal Gas geben kann. Ungern würde ich in die Finsternis kommen und mich auf einem der vielen kleinen Pfade im Geröll verlaufen. Ich ziehe mein Tempo noch mal an und komme durchgeschwitzt am Wandfuß an.

Ich lehne mich an die mächtige Nordwand und atme tief durch. Der Blick der sich mir jetzt bietet ist umwerfend. Über mir thront der ausladende Überhang, unter mir die Zinnenseen, vor mir ein Bergpanorama, das im Moment nicht zu übertreffen ist. Die abendliche Sonne beleuchtet die drei Zinnen in einem warmen Rot wie auch die umliegenden Gipfel. Ich halte diesen Moment mit meiner Kamera fest, setze mich hin und lausche. Ich höre nur den kalten Wind und mein eigenen Atmen.

Es ist so ruhig, dass ich die Stille förmlich hören kann. So als wäre sie greifbar und ich würde Teil von ihr werden. In diesem Moment bin ich eins mit mir selbst und meinem Umfeld, völlige Zufriedenheit erfüllt mich und ich bin frei. Die Zeit jedoch drängt mich zum Umkehren. Ich reiße mich von dem wundervollen Anblick los und beginne mit dem Abstieg. Ein paar Wolken haben sich vor die untergehende Sonne geschoben und beschleunigen die Dämmerung.

Es wird verdammt schnell dunkel und ich bin noch nicht auf dem richtigen Weg. Meine Schritte werden zwar schneller, jedoch bleibe ich ruhig und gelassen. Ich bin Herr der Lage und habe alles im Griff. Im letzten Funken Tageslicht erreiche ich den Weg und nun hüllt mich die Nacht komplett ein. Die Berge um mich rum werden zu großen schwarzen Ungeheuern, die nun bedrohlich auf mich wirken.

Mein Geist ist absolut wach und nimmt jede kleine Bewegung, jedes Geräusch in meinem Umfeld wahr. Wenn man sich komplett darauf einlässt, sich anpasst und dementsprechend handelt, wird man eins mit der Umwelt. Dann gibt es nur noch das Hier und Jetzt. Dieses Gefühl erlebt man auf Solo Tour oft noch viel intensiver. So ist jeder Weg, den ich alleine gehe, auch immer ein Weg zu mir selbst.

Ich lerne mich und meine eigenen Fähigkeiten intensiv kennen, stoße an Grenzen und muss Verantwortung für mich übernehmen. Zu wissen, dass ich meinen eigenen Fähigkeiten vertrauen kann, beflügelt mich regelrecht und gibt mir gleichzeitig die innere Ausgeglichenheit, die heutzutage oft vielen Menschen fehlt. Ganz nah bei mir selbst zu sein, durch nichts abgelenkt und vollkommen im Moment zu leben. Am Auto angekommen bin, wärmt mich ein Tee, bevor ich mich in den Schlafsack einrolle. Ich habe die leise Befürchtung, dass es eine kalte und somit sehr lange, einsame Nacht wird, denn der Himmel hat aufgeklart und die Sterne funkeln.

Die eigenen Kräfte richtig einschätzen und Risiken vermeiden

Als ich am frühen Morgen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen spüre, ist die unangenehme Nacht mit wenig Schlaf sofort vergessen. Ich freue mich, dass das Wetter besser ist als vorhergesagt. Ich mache mich direkt auf den Weg, um heute das komplette Gebirgsmassiv zu umrunden. Um mich herum zieht Nebel vom Tal herauf, als ich das erste Etappenziel der Tour erreiche, die Dreizinnenhütte.

Es geht alles ganz schnell: von einer Sekunde auf die andere haben mich dicke Nebelwolken eingehüllt und obwohl es erst September ist, beginnt es wenig später zu schneien. Zuerst freue ich mich wie ein kleines Kind über den Schnee, dann denke ich an meine Tour. Ein Partner, der mich im Zweifelsfall bremst, fehlt. Einerseits ist dieses Gefühl, zu handeln wie ich es will befreiend, andererseits kann das auch schnell gefährlich werden. Da ich das Risiko für mich ganz alleine trage, lehren mich Solo Touren wachsam zu sein muss und meine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen, um Gefahren zu vermeiden.

Schließlich weiß ich, was zu tun ist und breche ohne groß zu überlegen ab. Man sieht keine 50 Meter weit, obwohl es immer wieder kurze Lichtblicke gibt, bleibt das Wetter unberechenbar. Es fällt mir nicht schwer umzukehren, ohne mein Ziel erreicht zu haben. Im Gegenteil, ich bin vielmehr stolz darauf diese Entscheidung getroffen zu haben.

Allein oder doch lieber zu zweit?

Des Öfteren werde ich gefragt, warum ich alleine auf Tour gehe. Ist alleine Bergsteigen nicht langweilig, einsam oder sogar gefährlich? Zu zweit oder in der Gruppe zu wandern macht unglaublich viel Spaß. Denn eigentlich bin ich ein geselliger Mensch, der sich gern mit Gleichgesinnten umgibt, Erfahrungen austauscht und von Stärkeren lernt.

Ich bin somit kein Einzelgänger der egoistisch und rücksichtslos sein Ding durchziehen muss, um zufrieden zu sein. Vielmehr treibt mich mein unbändiger Freiheitsdrang dazu an, die komfortable Zone einer Gruppe zu verlassen. Alleine am Berg unterwegs zu sein bedeutet für mich absolut fokussiert zu sein, denn schließlich bin ich komplett für mich selbst verantwortlich. Denn dann gibt es niemanden, der neben mir steht und sagt, das ist zu gefährlich, kehr um oder du befindest dich auf dem falschen Weg. Ich muss alle Entscheidungen alleine treffen und auch die Konsequenzen in vollem Umfang tragen.

Es gibt niemanden, der mich aus einer misslichen Lage befreit. Mit diesem Wissen, unterwegs zu sein schärft meine Sinne und lehrt mich auf mein Bauchgefühl zu hören. Jemanden neben dir zu haben der im Ernstfall weiß, was zu tun ist, ist durchaus sehr beruhigend. Aber zu wissen, dass meine eigene Einschätzung vertrauenswürdig ist und dass mein Körper funktioniert wie es die Situation verlangt, ist für mich die ultimative Freiheit. Bei jeder Tour, die ich alleine gehe, sammle ich mehr Erfahrungen, die mich reifen lassen und mir die Sicherheit geben mir selbst zu vertrauen.

Als ich mal wieder alleine auf Tour war und den Gipfel erreiche, treffe ich zwei ältere Herren, die gerade ihre Brotzeit genießen. Als auch nach einer viertel Stunde niemand hinter mir auftaucht, fragen sie mich verdutzt: „Ja Mädel, jetzt musst uns aber schon sagen, warum du des alleine machst?! Hast wohl einen greisligen Partner?“ Die Direktheit überrascht mich und bringt mich zum Lachen. „Nein, daran liegt es nicht. Ich mach das allein weil es mir ab und an gut tut, etwas für mich selbst zu tun und vielleicht auch einfach weil ich es kann.“

Die beiden nicken sich zu und geben mir Recht: „Mein Kumpel hier, der konnte den ganzen Weg nicht den Mund halten, ständig muss er reden.“, wird sogar noch nachgelegt. Es folgt eine hitzige Diskussion darüber wer nun mehr beim Aufstieg geredet hat, ob es eine Einigung gab, werde ich wohl nicht erfahren. Beim Abstieg denke ich aber noch lange über ihre Frage nach. So sehr ich die Zweisamkeit oder Geselligkeit auch liebe, so sehr liebe ich es meine Eigenständigkeit zu fördern und mich selbst herauszufordern.

Das A-Z des Transalpine Runs - Teil 1

Das A-Z des Transalpine Runs – Teil 1

16. November 2017
Die Bergfreunde

Wenn man gerne und oft Ausdauersport betreibt, kommt man unweigerlich an einen Punkt, an dem man darüber nachdenkt, wie man seine Grenzen verschieben kann. Sei es, in dem man sich bei der Strecke steigert, statt 5 km mal 10 km anstrebt oder seine Zeiten verbessern möchte. Soweit relativ normal. Was aber tun, wenn man irgendwann mal das große Ziel Marathon gemeistert hat? Nun, da gibt es dann noch so schöne Dinge wie Ultramarathons. So bezeichnet man prinzipiell alle Strecken, die über die 42,215 km hinaus gehen.

Dann kann man sowas noch in den Bergen machen. Und – für die ganz verrückten – mehrere Tage hintereinander. Einer dieser „Verrückten“ – ganz im positiven Sinne – ist unser Johannes. Er kümmert sich normalerweise im Einkauf um Trekking-Nahrung und Bücher. In seiner Freizeit rennt er aber gerne über die Schwäbische Alb und die Alpen. Dieses Jahr stand für ihn erneut der Transalpine Run auf dem Plan. Ein schwieriges Thema, musste er doch bei seinem ersten Versuch 2014 aufgrund von Krankheit leider aussteigen. Doch 2017 hat er es endlich geschafft und sein Ziel erreicht – so viel sei schon mal verraten. Für euch hat er die sieben Tage in einem ABC zusammengefasst. Im ersten Teil arbeiten wir uns bis zum Buchstaben M vor.

A wie Anfang

Ja, wo fängt man nur an? Vielleicht damit: 4 Länder – 7 Etappen – 2 Läufer – 274,7 Kilometer – 15.258 Höhenmeter. Damit wären die Fakten mal geklärt. Angefangen hat dann alles an einem verregneten Septembermorgen in Fischen im Allgäu. Die Fakten kannte ich zu diesem Zeitpunkt natürlich. Ich meinte auch zu wissen, was auf mich zukommen wird. Nun …. Ähem …. Ich wusste es nicht. Ich dachte schon, dass es hart werden wird. Ich dachte schon, dass es auch mal weh tun wird. Aber es war noch viel härter und es tat noch viel mehr weh.

B wie barfuß

Lieber Leser, glaube mir, es gibt wenig Schöneres als nach einem Tag voller Transalpine Run seine nassen, stinkigen und matschigen Trailrunningschlappen sowie die nicht minder duftenden Socken auszuziehen und barfuß in einen eiskalten Bergbach zu steigen. Die ganz Harten legen sich gleich komplett rein, aber mir war da doch die warme Dusche lieber.

C wie Chillen

Die Tage beim Transalpine Run liefen eigentlich immer nach dem gleichen Muster ab: Morgens bis mittags wird gelaufen, nachmittags wird gechillt. Diese wertvolle Zeit der Regeneration war enorm wichtig. Heiß duschen, Beine hochlegen, massieren lassen, futtern und trinken sowie einfach mal loslassen, die Seele schweben lassen. Ganz nach dem Motto „Run hard – relax harder“.

D wie Downhill

Downhill, das kann bedeuten vorsichtig einen Fuß vor den nächsten zu setzen. Dabei dauernd darauf bedacht sein, nur nicht zu stolpern über die vielen Wurzeln und Steine, die sich dem Läufer gerne mal in den Weg stürzen. Downhill kann aber auch bedeuten „Kopf aus, Herz ein“, Beine wirbeln lassen und auf die eigene Trittsicherheit zu vertrauen – und den Berg runter bügeln.

Für mich ist der Downhill eigentlich die anspruchsvollste Disziplin beim Trailrunning und besonders auch beim Transalpine Run. Bergauf ist reines Konditionsbolzen. Dabei kommt es zwar auch auf die richtige Technik an, aber der Gelenkapparat ist nicht besonders gefordert. Ganz anders sieht es im Downhill aus, vor allem in der „Bügelvariante“. Da ist der Gelenkapparat extrem gefordert, die Muskeln glühen. Das Zusammenspiel zwischen Augen und Füßen muss hundertprozentig funktionieren. Und man darf nicht darüber nachdenken, was wäre, wenn? Dann hast Du verloren. Aber, Du bist zum Siegen beim Transalpine Run, daher nicht denken, lass es wirbeln.

E wie Etappen

Die Etappen konnten fast nicht unterschiedlicher sein. Die ersten beiden waren geprägt vom Schnee, der durch eine Kaltfront vor allem in die Hochlagen der nördlichen Kalkalpen geworfen wurde. Es wurden Alternativstrecken gelaufen. Vor allem die 1. Etappe (Fischen im Allgäu nach Lech am Arlberg; 41,6 Kilometer/ 1.753 Höhenmeter) wurde sehr kontrovers im Läuferfeld diskutiert, glich sie doch eher einem Landschaftslauf mit kleinem Trailanteil und viel Asphalt.

Wesentlich schöner war da bei bestem Wetter die 2. Etappe (Lech nach St. Anton am Arlberg; 26,8 km / 1.827 Hm), die allerdings von Bastis (meinem Teampartner) Gesundheitszustand bestimmt wurde. Etappe 3 (ST. Anton nach Landeck; 43,7 km / 2.185 Hm) war gefühlt eine Übergangsetappe, bot spaßige Matschtrails, geile Flowtrails und weniger schöne Radwege; und das bei teils mystischen Wetterkapriolen. Die 4. Etappe (Landeck nach Samnaun; 45,5 km / 2.950 Hm) war sowas wie meine Schicksalsetappe, mein mentaler und körperlicher Tiefpunkt, aber auch meine Wiedergeburt (siehe K – Königsetappe). Etappe 5 (Samnaun nach Scuol; 39,4 km / 2.244 Hm) führte uns durch herrliche Hochgebirgslandschaften in das nicht minder schöne Engadin. Hier keimte in mir die Gewissheit, dass ich den Transalpine Run finishen würde (S – Scuol). Die Grenze von der Schweiz nach Italien überschritten wir auf der 6. Etappe (Scuol nach Prad am Stilfser Joch; 46,5 km / 1.750 Hm); herrliche Trails, tolle Aussichten, ein Gruß von König Ortler und die wildromantische Uina-Schlucht (U – Uina-Schlucht).

Nebenbei konnte ich Teams hinter mir lassen, von denen ich bisher nur den Rücken sah. Etappe 7 (Prad nach Sulden am Ortler; 31,2 km / 2.591 Hm) sollte das große Finale werden. Leider versteckte sich der Ortler im Nebel. Am Fuße dieses majestätischen Berges zündete ich den Turbo, sammelte bergauf zur Tabarettascharte Team um Team ein und konnte nach einem begeisternden Downhill (J – Jagd) meine beste Platzierung holen. Ich lief die 18. Beste Zeit des Tages von 273 Läufern / Teams, und das nach sieben harten Tagen.

F wie Fans

Man läuft unzählige Kilometer alleine durch hochalpine Landschaften, kämpft sich Asphaltpisten und Forstwege rauf und runter oder gleitet über Matschrutschbahnen gen Tal. Und dann ist da dieser eine Moment, wo liebe und bekannte Menschen stehen und einen anfeuern. Das sind für mich immer ganz spezielle Augenblicke. Beim Transalpine Run haben meine Schwiegereltern jede Etappe mitgemacht. Sie sind bei Wind und Wetter dagestanden und haben mich zu jeder Zeit mit motivierenden Worten unterstützt. Das war schon richtig cool und ich habe feststellen müssen, wie wichtig diese Unterstützung ist. Das kann Dich dann schon mal über die nächsten schwierigen Kilometer beflügeln.

G wie Grenzen

Grenzen gab es einige beim Transalpine Run. Da sind einmal die Ländergrenzen, die wir meist unbemerkt überrannt haben. Es waren drei an der Zahl. Es gibt ja Menschen, die wollen wieder Grenzen, Mauern und Zäune errichten. Ich fand dieses grenzenlose Gefühl genial. Die schönste Ländergrenze war die aus der Schweiz nach Italien rein. Erstens war es die letzte Grenze. Und zweitens die schönste. Hier am Schlinigpass öffnete sich nach der faszinierend-düsteren Uinaschlucht der Horizont wieder, die Sonne strahlte und der Ortler, der König Südtirols, grüßte mit seinen gleisenden Schneefeldern zu uns herüber. Was für eine grandiose Szenerie. Und dann waren da noch die mentalen und körperlichen Grenzen, die meist Hand in Hand gingen. Mehrmals musste ich sie verschieben, musste aus meine Komfortbereich heraus. Aber es hat sich gelohnt.

H wie Hotel

Es gibt die Möglichkeit, die Nächte beim Transalpine Run im Camp zu verbringen. Camp steht in diesem Fall allerdings für laut, unruhig und unbequem. Ich kann mich an Erzählungen erinnern, welche von Weckern handelten, die bei einem Start um 8:00 Uhr schon um 5:00 Uhr die ganze Halle weckten; Erzählungen, die über schmerzende Rücken nach der dritten Nacht auf der Isomatte klagten. Genau aus diesen Gründen haben meine Frau und ich die Woche in Hotels verbracht. Ich brachte meinen Körper in dieser Woche an die Grenze. Da war es Balsam für den geschundenen Läufer, sich im eigenen Hotelzimmer in aller Ruhe erholen zu dürfen, eine Dusche für mich alleine zu haben und morgens nicht von übereifrigen Mitläufern aus den süßesten Läuferträumen gerissen zu werden.

I wie Innerer Schweinehund

Der innere Schweinehund ist ein ständiger Begleiter beim Transalpine Run. Er meldet sich bereits morgens beim Aufstehen. Vor der 1. Etappe ist er noch ganz klein, wird aber mit jedem Tag größer. Irgendwann denkst Du dann nur „Ach Wecker, halt die Klappe, ich will schlafen.“ Aber es hilft ja nix. Er meldet sich beim ersten Anstieg, beim zweiten Anstieg und beim letzten Anstieg. Man muss ihn Bezwingen, schließlich heißt jeder bezwungene Anstieg einer weniger bis zum Ziel. Er meldet sich, wenn Du Dich bei Regen in den Startblock stellst und Dich fragst „Wieso machst Du diesen Quatsch hier? Du könntest warm und gemütlich beim Frühstück sitzen und einen heißen Kaba trinken.“ Er meldet sich, wenn die Schmerzen größer werden und Du Dich einfach hinsetzen und diesen ganzen Blödsinn beenden willst. Dennoch überwindest Du ihn, denn Du hast diesen einen Wunsch: Das Ziel erreichen und diesen nervigen inneren Schweinehund auf seine Decke verweisen.

J wie Jagd

Zugegeben, Jagd hört sich da vielleicht etwas martialisch an. Auf der anderen Seite war es schon sehr mystisch und eben martialisch, als der Wind die Ortlernebel für einen kurzen Moment wegpustete und eine Aussicht freigab, die mir das Blut in den Adern gefrieren lies. Gerade eben hatte ich eines meiner – verzeiht bitte die Wortwahl – geilsten Überholmanöver ever unterhalb der Tabarettascharte gemeistert, hab im technischen Gelände danach nochmal zwei Teams überholt und war dann da oben in der Bärenscharte.

Für einen Augenblick nur hatte ich den Blick frei in den Downhill nach Sulden runter. Und da liefen sie, Marianne und Mathieu, das souverän führende Mixed Team, sowohl diese als auch von jeder Etappe davor. WOW, so weit vorne war ich noch nie. Sollte ich auf der letzten Etappe auch meine beste Platzierung erreichen und vor der schnellsten Frau des gesamten Feldes sein?

Probieren wir’s, die Jagd war eröffnet. Und ich jagte den Berg runter, jagte wie selten zuvor. Ich kam näher, immer näher. Mein Kopf war längst ausgeschaltet, meine Beine und Arme hatten das Kommando an sich gerissen. Gemeinsam wirbelten sie meinen Körper in einer 5:00er Pace über teils sehr technisches Gelände dem Ziel und meiner Beute entgegen. Da sind sie, direkt vor mir. Überholen bei diesem Höllentempo auf dem schmalen Trail war schwierig. Also hinterher, abwarten. Irgendwann kam dann mein Moment. Kurzer Gegenanstieg, breiterer Weg, durchziehen, der Jäger schnappte seine Beute, zog vorbei. Der Kopf schaltete sich wieder dazu und vermeldete: Jagd erfolgreich!!

K wie Königsetappe

46 Kilometer und 2.950 positive Höhenmeter; 6 Stunden 39 Minuten und eine Pace von 8:45 min/km. Das sind die nackten Fakten der Königsetappe von Landeck nach Samnaun. Aber sie war für mich noch viel schlimmer, als sich die Daten lesen. Was war schlimm?

  1. Das Skigebiet oberhalb von Serfaus. Selten habe ich aus Gründen der Bespaßung der Menschheit so viel Naturzerstörung gesehen. Wer dort im Winter fröhlich runterwedelt und beim Aprés Ski feiert möge bitte mal im Sommer dort hochgehen und ein wenig reflektieren oder versuchen, auf den Skipisten einen Blumenstrauß zu pflücken.
  2. Meine Schmerzen an beiden Fersen wurden immer schlimmer. Bergauf durchzuckte mich bei jedem Schritt eine Schmerzfontäne. Bei jeder Labestation habe ich mir überlegt, ob das Sinn macht, wollte mich hinsetzen und heulen, mit der nächsten Bahn ins Tal schweben. Ich musste mich durchbeißen, von Anfang bis Ende. Es war meine härteste Etappe, mein Tiefpunkt, sowohl körperlich als auch mental.
  3. Die Zielankunft in Samnaun musste man sich auf den letzten Kilometern teuer erkaufen. Breiter Schotterweg, leicht ansteigend, im Wald. Irgendwo am Horizont erspähte ich den Ort Samnaun, der sah so weit weg aus und wollte nicht näherkommen. WOW, das war hart. Und für mich war es das tiefe Tal, das ich durchschreiten musste, um den inneren Schweinehund auf seine Decke verweisen zu können.

L wie Laster

Schokolade Geschmacksrichtung „Ganze Haselnuss“ am besten ne ganze 300g Tafel. Und glaubt mir, wenn die mal nicht da war, bin ich wie ein hungriger Tiger im Gehege rumgelaufen. Daher hat meine liebe Frau dafür gesorgt, dass das nie passiert ist.

M wie Miteinander

Hier will ich eigentlich nur ein Zitat eines Läufers bringen, welches er mir hinterherbrüllte, als ich im rasenden Downhill nach Scuol an ihm und seinem Teampartner vorbeiballerte: „Hey, great job Dude!! Come on! Go! Go! Go!“

Und das soll es an dieser Stelle erstmal gewesen sein. Wie es im ABC der Qual… Pardon, des Transalpine Runs weitergeht, erfahrt ihr nächste Woche im Basislager-Blog!

Titelfoto: Sportograf

Local Hero Felix: Mein Weg an den Fels

Local Hero Felix: Mein Weg an den Fels

23. September 2017
Die Bergfreunde

Wie viele Neueinsteiger habe ich das Klettern in der Halle begonnen – vor fast 10 Jahren. Nicht sehr häufig, wohlgemerkt. Sich mit Freunden in der Halle zu treffen um ein paar Routen im Toprope zu versuchen, war damals ein Highlight. Jemals im achten Grad zu klettern, schien schier unerreichbar.

Dann gab es eine längere Pause. Erst mit dem Beginn des Studiums vor fünf Jahren, habe ich mein altes Interesse wieder wecken können. In der Studienzeit habe ich dann erste Erfahrungen mit dem Felsklettern machen können und habe mir das Ziel gesetzt, besser zu werden. Und auch heute, nachdem ich bereits viele schwierige Routen bewältigt habe, ist dieses Ziel noch immer präsent. Natürlich gab es zwischenzeitlich auch einige Rückschläge und die waren nicht gerade von schlechten Eltern…

Nicht alles läuft glatt

Hier in Karlsruhe, mit den zwei Kletterhallen und den Felsen im Schwarzwald vor der Nase, habe ich ziemlich gute Bedingungen um meinen Sport zu trainieren und voranzubringen. Vor zirka zweieinhalb Jahren kam dann aber der erste „Rückschlag“: ich wollte meine erste 8 in der Halle im Vorstieg durchsteigen.

Mit ein wenig Sturztraining habe ich mir die Angst vor dem Fallen abgewöhnt und fühlte mich auch körperlich bereit für den nächsten Schritt. Also stieg ich selbstbewusst in die Route ein. An der vorletzten Exe ging mir dann aber doch der Saft aus. Ich wollte allerdings nicht aufgeben. Die Exe war noch nicht geklippt und meine Position eher unsicher. Das hielt mich aber nicht davon ab, das Seil nach oben zu ziehen und zur Exe zu führen.

Dann ging alles ganz schnell. Die Hand ließ den Griff los und ich sauste nach unten. Aber irgendwie wurde der Sturz nicht so schnell gestoppt wie gewohnt. Das passierte erst zwei Meter vor dem Boden. Meine Sicherungspartnerin hatte mit einem Tuber gesichert und der Ruck der durch meinen Sturz entstand war so fest, dass ihr beim Ausgeben das Seil der Hand gezogen wurde.

Für mich hieß es: freier Fall. Glücklicherweise hat meine Sicherungspartnerin schnellstmöglich reagiert und das Seil in letzter Sekunde nochmal zu fassen bekommen um den Bremsmechanismus auszulösen. Ich hatte einen Schock und sie verbrannte sich ihre Hände. Zum Glück ist mir nicht mehr passiert. Seither besitze ich ein Smart von Mammut. Auf diesen Fall hat unter anderem auch der DAV hingewiesen und empfiehlt seit letztem Jahr nur mit Sicherungsgeräten mit Bremskraftunterstützung zu Sichern.

Trügerische Sicherheit

Nach diesem Erlebnis brauchte ich gut ein Jahr, um wieder vollständig sicher im Vorstieg zu klettern. Die Halle hat mir immer ein gutes Gefühl gegeben und ich habe mich wohl ein wenig davon täuschen lassen. Auch wenn alle Griffe mit einer M10 Schraube befestig sind, der Kletterer augenscheinlich entspannt klettert und die Abstände der Zwischensicherungen sehr klein sind, es kann immer etwas schiefgehen.

Wenn man nicht mit einem Sturz rechnet oder sich ablenken lässt verkürzt sich die Reaktionszeit und somit wird der Sturz für den Sicherer härter oder länger. Deshalb sollte immer die volle Konzentration auf den Kletternden gerichtet werden. Mir hat sich dieser Spruch des DAV eingeprägt: „Wer nicht mit einem Sturz rechnet, sichert nicht!“.

Die gilt besonders in den ersten Metern einer Kletterroute, denn hier kann es ganz leicht zu einem Bodensturz kommen. Mir ist das schon einmal in einer Sechser-Route im Frankenjura passiert. Durch die häufigen Begehungen wird der Kalkstein dort wirklich glatt. In diesem Fall ist mir kurz nach der ersten Exe der Fuß weggerutscht und innerhalb des Bruchteils einer Sekunde hing ich im Seil. Ich pendelte 30 cm über dem Boden und war froh, dass mein Sicherungspartner aufmerksam war und mich sicher gehalten hat.

Auf ein Neues

Mich wieder nach Draußen an den Fels zu wagen, war nach meinem großen Sturz nicht mehr so leicht. Irgendwann ging es dann mit dem Uni-Kurs an den Battert bei Baden-Baden. Ich hatte eher ein mulmiges Gefühl. Das Abseilen zu Beginn war kein großes Problem. Danach suchte ich mir ein paar leichte Routen zum Vorsteigen. Eine nette 4 war schnell gefunden und eigentlich eher unter meinem physischen Niveau.

Trotzdem ging der Versuch, die Route im Vorstieg zu toppen, so richtig in die Hose. Mit fiel es schwer die richtigen Griffe zu finden. Wo war da nur der tolle neonpinke Griff, wie ich ihn aus der Halle kenne? Und irgendwie stand ich auch nicht so richtig sicher auf den Tritten.

Da die Hakenabstände in diesem Gebiet auch mal sechs Meter betragen können, haben wir ein paar Keile in Risse gelegt. Wenn man das Legen der Keile aber noch nicht so oft gemacht hat, dann kann das ganz schön Angst einflößend sein. Ich entschied mich, an einem dieser Keile abzubrechen. Naja, keine schöne erste Erfahrung. Ich hatte den Fels falsch „gelesen“, konnte mit den Hakenabständen nichts anfangen und dem Routenverlauf nicht wirklich folgen.

In den weiteren Monaten arbeitete ich regelmäßig an meiner Sturzangst. Regelmäßig musste ich Routen abbrechen, um mich wieder auf den sicheren Boden abzulassen. Aber mit einem guten Sturztraining schaffte ich es dann nach gut einem Jahr wieder mit einem freieren Kopf zu klettern und mich alleine auf die Bewegungen zu konzentrieren. Ein großartiges Gefühl. Übrigens gibt es auch hier im Basislager-Blog eine schöne Anleitung dazu.

Es geht wieder aufwärts

Mittlerweile habe ich es geschafft, Routen bis 8+/9- in der Halle zu klettern und habe auch draußen am Fels schon eine 8+ und mehrere 8er auf der „Scorecard“. Das Projekt der ersten 9 ist eröffnet und wird höchstwahrscheinlich beim nächsten Mal getoppt. In der Kletterhalle bin ich nur mit 9- ein wenig stärker. Mein maximaler Klettergrad von Halle und Fels liegt also nicht so weit auseinander.

Da stellt sich die Frage, ob der Spruch „Draußen klettert man mindestens zwei Grade schlechter“ pauschale Gültigkeit hat. Ich sehe das ungefähr so: Die Felsen an denen ich den achten Grad geklettert habe, kenne ich mittlerweile ziemlich gut und das Lesen des Routenverlaufs, sowie das Erkennen von Tritten und Griffen fällt mir leichter als in fremden Gebieten.

Wenn ich zum Beispiel in die plattigen Gebiete des Donautals oder im Basler Jura unterwegs bin, dann schaffe ich bisher nur den sechsten oder siebten Grad zu klettern. Einfach weil die Anforderungen an Klettertechnik und -taktik ganz andere sind, als ich gewohnt bin. In den beiden genannten Gebieten muss man auf Tritten stehen, die viel kleiner sind als Tritte in der Halle. Auf diesen winzigen Hervorhebungen muss man seinen Füßen voll vertrauen.

Man muss sich aber „nur“ bewusstmachen, dass das wirklich hält, auch wenn man sich das anfangs schwer vorstellen kann. Dass mir so diese Art des Kletterns schwer fällt, liegt wahrscheinlich daran, dass die Routen in der Halle sehr viel fingerlastiger geschraubt ist, aber mit vergleichsweise großen Tritten.

So habe ich zwar gelernt, athletischer zu klettern, allerdings fehlt mir die Technik die ich benötige, um in anderen Gebieten eine 6 oder 7 im ersten Versuch durchzusteigen. Im Vergleich dazu fällt mir ein Gebiet wie das Frankenjura zu manchen Teilen viel leichter und da ist dann bei einer 8- mit einer kurzen Boulderkrux auch mal ein Onsight möglich.

Je regelmäßiger ich an einem Felsen geklettert bin, desto leichter fällt es mir, in schwerere Routen einzusteigen. Das ist einfach eine Frage der Gewöhnung. So ähnlich kann einem das auch in der Kletterhalle ergehen. Dort kommt es zwar seltener vor, aber manchmal habe ich mit speziellen Schraubstilen meine Probleme auf Anhieb die richtige Lösung zu finden.

Am Ende eines Klettertages ist es für mich aber immer noch am wichtigsten Spaß zu haben. Für mich lohnen sich nicht nur die schweren Routen, sondern auch die schönen Leichten. Das Klettern ist ein schönes Hobby das Spaß macht. Natürlich sollte man auch auf seine Sicherheit achten und den Knoten oder Karabinier zweimal kontrollieren, dann folgen auch ganz bestimmt weitere schöne Klettertage.

Zu Gast beim The North Face Mountain Festival 2017

So war’s beim The North Face Mountain Festival 2017

19. September 2017
Die Bergfreunde

„Jööööhööörn, fahren wir zum Mountain Festival?“ Als meine Kollegin Britta mit dieser lieb vorgetragenen Bitte bei mir vorstellig wurde, war ich ziemlich schnell ziemlich begeistert von der Idee. Schließlich liest sich die Beschreibung des The North Face Mountain Festivals echt gut:

„Klettere Felswände hinauf, wandere und laufe durch atemberaubende Berglandschaften, erlerne die Kunst der Abenteuerfotografie oder der Outdoor-Küche und genieße bei all dem ein völlig neues Gefühl der Zusammengehörigkeit.“

Klingt ein bisschen Meta, aber hey, immerhin findet das Festival in Lauterbrunnen statt. Ja, genau. DAS Lauterbrunnen. Gelegen im Schatten von Eiger, Jungfrau und Mönch – drei Namen, die das Herz jedes Bergliebhabers vor Freude jubilieren lassen. Und so fiel meine Antwort an Britta auch relativ deutlich aus: Klar fahren wir!

Unter Gleichgesinnten

Als dritter Bergfreund in der Runde ergänzt Thomas unser buntes Triplett, als wir uns an einem Donnerstag Mitte September in die Schweiz aufmachen. Die Fahrt verläuft soweit unspektakulär – zumindest bis kurz vor der Einfahrt ins Lauterbrunnental.

Unsere Augen werden immer größer, fast so groß, wie die riesigen Felswände, die das Tal auf beiden Seiten einrahmen. Feine Wasserfälle rieseln wie Sand herunter und sogar die Sonne blickt nach einem sehr trüben Tag endlich durch die Wolken. Gut so, der Wetterbericht für das Wochenende ist ohnehin eher unschön. Aber das Glück sollte auf unserer Seite sein.

Nach der Ankunft beziehen wir erstmal unser Zelt und schaffen uns einen Überblick. Wo bitte geht es zum Essen? Es ist bereits Abend, als wir das – und das ist an dieser Stelle keine Übertreibung – wirklich extrem leckere Abendessen genießen dürfen. Hier sehen wir auch erstmals das wirkliche Ausmaß dieses Festivals:

Hunderte Bergsportler aus der ganzen Welt haben sich hier versammelt. Wir treffen Briten, Franzosen, Italiener, Niederländer, Asiaten, Amerikaner, Australier. Wahnsinn! Nach dem Genuss einer etwas unterkühlten Flasche Rotwein und einem Bier genießen wir noch die Band auf der Festivalbühne und ziehen uns bei Zeiten ins Zelt zurück, um noch ein paar Stunden Schlaf zu ergattern. Thomas muss am nächsten Tag schon um 5 Uhr raus zur Gletschertour. Britta und ich dürfen noch etwas länger im schön warmen Schlafsack bleiben.

Bergsteigen, wandern, knipsen

Von Thomas‘ Abgang bekommen wir nicht viel mit. Zum Glück. Denn die Nacht war etwas unruhig und wir sind um jede Minute Schlaf dankbar. Gegen 7:30 Uhr müssen wir dann aber langsam raus. Es ist kalt. Sehr kalt. Die Sonne erreicht das Tal erst am späteren Morgen und in der Nacht haben wir Temperaturen rund um den Gefrierpunkt.

Dick eingepackt sitzen wir beim Frühstück und genießen den heißen Kaffee. Thomas besteigt heute das Walcherhorn auf knapp 3700 m Höhe und wir haben uns für eine der kürzeren Wanderungen entschieden.

Um 9 Uhr stehen wir also in den Startlöchern und warten darauf, dass es los geht. Und wir warten. Und warten. Die Kälte kriecht langsam unter unsere Jacken und nach etwa einer halben Stunde geht es dann endlich los. Wir fahren mit der Bahn zur Grütschalp und wandern bergan.

Die Tour ist mit 10 km und 600 hm recht entspannt und bietet uns ein großartiges Panorama mit Blick auf die Eiger Nordwand, die sich majestätisch aufbäumt. Schon ein bisschen genial.

Zu Gast beim The North Face Mountain Festival 2017Die Gruppe ist groß und wir spät dran. Daher teilen wir uns auf. Während die etwas gemächlicheren Wanderer bereits absteigen, geben wir ein bisschen mehr Gas.

Bergab wechseln wir zwischen Speedhiking und Trailrunning, wodurch wir recht zügig unterwegs sind und schließlich mit einer halben Stunde Verspätung wieder im Camp ankommen.

Wir haben kurz Zeit für das Mittagessen, bevor wir weiter zum nächsten Termin eilen: Outdoor-Fotoworkshop. Im Angesicht des Mürrenbachfalls geben uns professionelle Fotografen Tipps, wie wir die Natur perfekt in Szene setzen. Nach eher unspektakulären drei Stunden und einigen hundert Fotos in der Tasche sind wir wieder im Lager. Aber wo ist Thomas?

Eigentlich sollte die Bergsteiger-Truppe schon wieder zurück sein. Wir machen uns frisch und warten mit knurrendem Magen auf den Kollegen, der gegen 19 Uhr am Abend mit freudestrahlendem Gesicht eintrifft. Die für ihn eher entspannte, aber landschaftlich äußerst reizvolle Hochtour hat ihm sichtlich gefallen. Britta und ich sind froh darüber, dass wir uns mit endlich aufs Essen stürzen können.

Am Abend lauschen wir noch einem Vortrag von Hansjörg Auer, der vor allem für seine Free-Solo-Begehung der Route Weg durch den Fisch an der Marmolata Südwand bekannt ist. Eine inspirierende Persönlichkeit. Danach folgt das schon bekannte Programm vom Vorabend. Its Partytime – diesmal mit den Bergfreunden! Immerhin halten wir bis Mitternacht durch, als uns die Müdigkeit langsam in Richtung Schlafsack drängt.

Dünne Luft und atemberaubende Panoramen

Heute sind Britta und ich es, die früh rausmüssen. 6 Uhr ist Abfahrt, 5:30 Uhr klingelt der Wecker. Zeitoptimierung ist angesagt. Schnell in die Bergstiefel rein, den bereits gepackten Rucksack auf die Schultern und ab an die Futterluke. Mit Essen im Bauch, aber ohne Kaffee stehen wir pünktlich um 6 Uhr zum Abmarsch bereit. Wir treffen die Bergführer am Lauterbrunner Bahnhof, von wo aus unsere Reise zu Jungfraujoch ihren Anfang nimmt.

Mit der Zahnradbahn fahren wir eine gefühlte Ewigkeit auf und später in den Berg. Die vor über 100 Jahren eröffnete Bahn muss ab der Station Kleine Scheidegg noch knapp 10 km und 1500 Höhenmeter bezwingen, die zum Teil durch einen eigens angelegten Tunnel führen.

Der Weg endet schließlich am höchsten Bahnhof Europas am Jungfraujoch – auf zirka 3500 m. Hier tummeln sich auffällig viele Asiaten und eben wir – eine handvoll Freaks, die mit ihrer Bergsteigerausrüstung unter den ganzen Touristen irgendwie auffallen. Komisch. Sind wir denn nicht am Berg?

Das Wetter ist auch heute auf unserer Seite. Über dem Gletscher strahlt die Sonne, so dass wir kurz nach unserem Aufbruch schon die äußere Jackenschicht ablegen können.

Wir sind zu siebt in der Seilschaft und gehen gemächlich über den Aletschgletscher. Wir begutachten die bedrohlich wirkenden Felsspalten, genießen das großartige Wetter und den nicht minder schönen Ausblick. Mir setzt die Höhe ziemlich zu. Das letzte Mal, dass ich auf über 3000 m unterwegs war ist schon etwas her und ich merke, wie mein Herz kräftiger pumpt und mein Kopf dröhnt.

Zum Glück ist das Tempo sehr angenehm und lediglich die kurzen Anstiege lassen mich etwas außer Atem kommen. Britta steckt das ganze deutlich besser weg und strahlt über beide Ohren – verständlich, bei so einem Panorama.

Nach drei Stunden sitzen wir wieder am Bahnhof und warten auf den Zug ins Tal. Es ist schon irgendwie kurios. In der Regel sind die Berge für mich ein Rückzugsort, an dem ich die Ruhe genießen kann. Hier oben auf dem Jungfraujoch hingegen tummeln sich hunderte Touristen in Sneakers und Jeans. Es gibt einen Laden für Luxusuhren und eine Art Schokoladenmuseum. Der Kommerz hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl bei uns.

Ich bin echt kaputt. Das kenne ich sonst gar nicht von mir und hatte eigentlich erwartet, dass ich die Höhe besser wegstecke – so als gut trainierter Trailrunner und Triathlet. Aber hier bewahrheitet sich wohl eine alte Bergsteigerweisheit: Jeder verträgt die Höhe anders. Wir gesellen uns zu zwei Niederländern, mit denen wir uns eine Tafel Schokolade teilen. Der Zucker hilft, mich wieder etwas auf Trab zu bringen.

Allerdings bin ich echt froh, als wir nachmittags wieder im Camp ankommen. Es regnet leicht und wir beschließen, vor dem Abendessen noch eine Mütze Schlaf zu nehmen und dann in den letzten Festival-Abend zu starten. Thomas ist inzwischen auch wieder bei uns und berichtet von einem großartigen Tag am Fels mit herausfordernden Klettereien.

Auf ein Tänzchen mit The North Face

Eine Stunde später klingelt der Wecker. Wir springen schnell unter die Dusche und finden uns kurze Zeit später in der Schlange an der Essensausgabe wieder. Heute gibt es Gegrilltes und auch diesmal ist die Qualität des Essens herausragend gut. Und das ist keine Übertreibung. Lediglich der gegrillte Fenchel raubt uns mit seiner Faserigkeit fast den Nerv.

Nach dem Essen geht es gleich weiter in das große Hauptzelt. Vor der Bühne lassen wir uns mit einem Bierchen auf der Isomatte nieder und lauschen zusammen mit vielen anderen Bergenthusiasten der Podiumsdiskussion mit den The-North-Face-Trailrunnern Seb Chaigneau, Lizzy Hawker und Pau Capell, die von ihren Rennen, ihrem Leben und ihrer Motivation berichten.

Das Highlight des Abends sind dann aber zwei andere Akteure. Nach den Trailläufern betreten Simone Moro und Tamara Lunger die Bühne. Sie sprechen über Erfolg, Scheitern, Freundschaft und der Liebe zu den Bergen und der Natur. Ich habe selten so einem inspirierenden und lustigen Vortrag lauschen dürfen. Die beiden sind wirklich überaus sympathisch und haben das Herz am rechten Fleck.

Nach einem langen Applaus ist er angebrochen – der letzte Partyabend des Mountain Festivals. Und er sollte legendär werden. Ohne zuviel zu verraten: Die versammelten The-North-Face-Athleten haben durchaus viel Spaß am Feiern und Pogo tanzen.

Das kleine Finale

Mit noch weniger Schlaf als am Vortag krabbeln Britta, Thomas und ich aus dem Zelt. Ein letztes Frühstück, ein letzter Kaffee und ein letztes Mal an den Berg. Britta geht heute klettern, Thomas und ich drehen eine Runde mit den Trailrunnern. Wieder haben wir tierisch Glück mit dem Wetter.

Unsere Truppe wird angeführt von Seb Chaigneau, der am Abend noch mit auf der Couch saß und von Angesicht zu Angesicht mindestens genauso sympathisch rüber kommt, wie zuvor schon auf der Bühne.

Nach einer eher kurzen, aber durchaus intensiven Runde kommen wir wieder am Camp an. Etwas wehmütig sitzen Thomas und ich auf einer der vielen Holzsitzkonstruktionen und überblicken das Gelände. Wie es immer so ist mit den schönen Dingen im Leben… Sie gehen einfach zu schnell vorbei.

Nachdem wir uns noch eine kleine Stärkung gegönnt haben, packen wir unsere Sachen und beladen das Auto. Ein letzter Streifzug über das zermatschte Grün und wir sagen Adieu zu diesem wunderbaren Ort. Eine halbe Stunde später haben wir auch Britta am Kletter-Spot eingeladen und machen uns schließlich endgültig auf dem Weg ins Schwabenland.

Ein großes Lob gilt zum Schluss natürlich den Organisatoren von The North Face. Ich will nicht untertreiben – wenn man von manch etwas längerer Wartezeit absieht, hatten wir eine extrem schöne Zeit, mit vielen aufregenden, internationalen Begegnungen, guter Musik, gutem Essen, „Stars“ zum Anfassen und natürlich jeder Menge Berge.

Das Mountain Festival solltet ihr euch auf jeden Fall für das nächste Jahr im Hinterkopf behalten, wenn ihr Lust auf ein verlängertes Wochenende mit zahlreichen Aktivitäten in den Bergen habt!

Gabys Gipfelbuch Kolumne

Gabys Gipfelbuch: Die geschenkte Zeit

25. August 2017
Die Bergfreunde

Beim Bergsteigen bekommt die Zeit eine andere Qualität – vor allem wenn man allein unterwegs ist, vergisst man sie oft völlig, weil man dann in sich selbst versinkt wie bei der Meditation und dennoch die Umgebung dabei präzise wahrnimmt. Vor allem aber rast einem die Zeit in den Bergen nicht davon wie im hektischen Alltag, sondern scheint sich öfter sogar zu „dehnen“.

Wie schnell sind im Büro zehn Minuten verflogen im Vergleich zur „gefühlten Zeitspanne“ eines zehnminütigen Auf- oder Abstiegs. Immer wieder ist man völlig überrascht, welche Strecken man in zehn Minuten bewältigen kann. Beim konzentrierten Gehen in den Bergen wird gleichzeitig die Wahrnehmung geschärft für die tageszeitlich bedingten Veränderungen – die wandernde Sonne, Licht und Schatten, die Schärfe der Konturen, die Dämmerung, der Sonnenauf- und -untergang. Die natürliche Qualität der Zeit rückt einem so viel stärker ins Bewusstsein.

Beim Wandern in den Bergen, beim Klettern oder auch beim Bergsteigen in Fels und Eis sind alle Sinne gefordert. Jeder Tag in den Bergen ist ein einzigartiges Fest für die Sinne: die Sonnenstrahlen, die auf der Haut kitzeln, die kühle Brise, die übers erhitzte Gesicht streicht, der Schluck klaren Quellwassers, der durch die ausgedörrte Kehle rinnt, der betäubende Duft einer Bergwiese in der Sonne, das Knirschen von Eis oder Geröll unterm Schuh, das schmatzende Geräusch beim Begehen eines aufgeweichten Weges, der federnde Waldboden, die ständigen Veränderungen des Lichtes, die deutlich spürbaren Unterschiede von Kalkgestein und Granit in der Hand…

Bergsteigen vermittelt ein intensives Gefühl des Lebendigseins, und wer als junger Mensch zum Bergsteiger wird, bleibt es meist ein Leben lang. Es bereitet Freude, Lust und Erfüllung und stillt für kurze Zeit jenen immensen Lebendigkeitshunger, der einen immer wieder zum Aufbruch in die Ferne und ins Unbekannte drängt, zu Abenteuern und persönlichen Herausforderungen aller Art.

Man erlebt dabei die Natur mit allen Sinnen und staunt über deren Reichtum, Schönheit und Vielfalt. Und jedes einzelne dieser tief empfundenen Erlebnisse vergrößert den Schatz an Erinnerungen in Form von Bildern, Szenen und Empfindungen im Kopf, die einem den zähesten Alltag verschönern und durch schwere Zeiten helfen können. Das Schöne an den Bergen ist nämlich, dass man sie ein Leben lang genießen kann, und wenn es zuletzt auch nur noch der Blick auf die Berge ist und das Schwelgen in seinen Erinnerungen.

Barfuß auf die Zugspitze

Barfuß auf die Zugspitze

24. August 2017
Die Bergfreunde

Menschen die Barfuß auf einem Gipfel rum turnen? Das erinnert doch eher an den Hobbit, mit seinen riesigen, behaarten Füßen auf dem Weg nach Mordor. Naja, zumindest führt der Anblick von Barfuß laufenden Menschen bei dem Großteil von Spaziergängern und Wanderern, erst einmal für Verwirrung, bloßes Entsetzen oder Schmerz entzerrte Gesichter. Allerdings ist Barfußlaufen eine der natürlichsten Bewegungsform die der Körper kennt. Das Gefühl Barfuß zu gehen, verleiht ein gewisses Stück Freiheit sowie Verbundenheit zur Natur und ist sehr gesund für die Füße.

Auch ich nutze im Alltag nahezu jede Gelegenheit, meinen Füßen so viel Freiheit wie möglich zu geben. Als begeisterter Barfußläufer und Botschafter, lernt man nie aus, weshalb ich mich gerne mit anderen Barfuß Enthusiasten austausche und in Kontakt trete. So kam es auch zu dem Projekt „Barfuß auf die Zugspitze“. Bei einem gemeinsamen Barfuß-Workshop in Südtirol, fragte mich Christian Schwarze aus Düsseldorf, ob ich nicht Lust hätte mit ihm Barfuß auf die Zugspitze zu wandern. Klang verrückt im ersten Moment, aber meine Antwort war spontan – ja.

Nur keine kalten Füße bekommen

Ein Training und zugleich ein Test für meine Füße, war die Barfuß Wanderung auf den Säuling im Juli. Diese sollte zeigen, ob meine Füße überhaupt schon bereit waren für solch einen Gipfelsturm. Allerdings erwies sich der Aufstieg als problemlos und gut machbar. So konnten die weiteren Vorbereitungen für die Zugspitze beginnen. Als sehr hilfreich erwiesen sich Wanderstöcke, dadurch konnte der Druck auf die Fußsohlen etwas entlastet werden.

Als nächstes Stand die Beschaffung des Materials an, vom neuen Rucksack, bis hin zu Steigeisen für Barfüße, Wanderstöcke und ein Klettersteigset, musste an alles gedacht werden. Immer wieder diese Unsicherheit, was nehme ich mit, habe ich alles im Kopf, welche Kleider, wie wird das Wetter? Gerade am Morgen vor dem Aufstieg, macht sich die Anspannung deutlich bemerkbar. Noch einmal teste ich die Steigeisen in Verbindung mit meinen Barfuß-Neoprensocken und beginne zu packen was ich sicher weiß. Helme, Rucksäcke, Schlafsack, und Hüttenschlafsack, Steigeisen, Klettersteigsets, Wanderstöcke, Handschuhe, als Sicherheit Barfuß-Wandersandalen und Barfuß-Trekkingschuhe, Regenkleidung, Geld, und klar die Kamera, denn mit dieser wird mein Sohn Tim für eine Filmdokumentation filmen. So langsam ist Land in Sicht und ich beginne etwas ruhiger zu werden.

Aufstieg im Dunkeln

Endlich ist es soweit. Am Freitagnachmittag mache ich mich mit Tim auf den Weg in Richtung Allgäu. Am Wanderparkplatz in Hammersbach angekommen, treffen wir den Rest der Gruppe, wo wir um 20.15 Uhr endlich zum Aufstieg starten. Da es klar ist, es wird Nacht, ziehe ich für diesen Aufstieg meine Barfuß-Sandalen an, damit kann ich etwas zügiger gehen und habe dennoch das Barfußgefühl.  Gleich die ersten Meter geht es rasch bergauf, kaum 30 Minuten gewandert bin ich schon schweißgebadet, der Rucksack und mein Körpergewicht bringen mich zum Schwitzen. Wir kommen flott voran und sind gegen 21.15 Uhr am Eingang der Höllentalklamm. Bis jetzt hielt das Wetter, doch pünktlich hier fängt es an zu regnen. Also Regenjacke an, den Rucksack, den Schlafsack und vor allem die Kamera mit einem Kunsttoffsack einpacken. In der Klamm machen wir nochmals halt für eine weitere Filmaufnahme, dann geht es zügig weiter zu Höllentalangerhütte bei der wir gegen 22.15 Uhr ankommen.

Nun geht es dirket zum Checkin, dort bekommen wir noch die Möglichkeit eine kleine Stärkung zu uns zu nehmen. Als Vegetarier lehnen wir die Gulaschsuppe ab, dafür bekommen wir jeder eine Käseplatte. Solange diese gerichtet wird, bringen wir die feuchten Sachen in den Trockenraum. Uff, leicht müffelig hier. Ich hänge meine Sandalen zu den Wanderstiefeln und auf meine Haken passen auch noch Tim´s Barfuß-Stiefel. Sehr platzsparend und sieht lustig aus zwischen den ganzen „normalen“ Wanderstiefeln. Mit vollen Bäuchen und dem schönen Gefühl den ersten Teil sehr gut gemeistert zu haben, machen wir uns zum Schlafen auf ins 8 Bettzimmer. Es war eine schöne und interessante Wanderung, durch die teilweise beleuchtete Klamm.

Im Flow-Zustand Schritt für Schritt nach oben

Nach einer eher mäßigen Nacht, mit wenig Schlaf, heißt es dann um 5.15 Uhr aufstehen. Als ich in den Flur komme, merke ich, dass wir nicht alleine auf der Hütte sind und somit sicher nicht alleine auf dem Weg zur Zugspitze. Nach der Katzenwäsche, Toilette und Hüttenfrühstück machen wir uns an den Aufbruch. Gegen 6.30 Uhr wandern wir zu sechst in den Sonnenaufgang los. Christian und ich Barfuß, Tim mit den Barfuß-Trekkingstiefeln, Loan, Bendicta und Andreas werden in Wanderstiefeln und zwischendurch Barfuß unterwegs sein.

Ich komme heute sehr schwer in meinen Rhythmus, irgendwie spüre ich den Druck durch die Steine sehr stark an meinen Füßen und zweifle, ob ich das heute den ganzen Tag Barfuß schaffe. Doch nach einiger Zeit komme ich in meinen Flow-Zustand, Schritt für Schritt ganz langsam und achtsam geht es voran. Das Wetter ist angenehm kühl, dennoch schwitze ich schon wieder wie verrückt, so dass Christian meint: „Habe ich den Regen verpasst?“. Doch lieber schwitzend und gehänselt, als frierend unterwegs zu sein.

Das erste Stück bis zur „Leiter“ ist ganz angenehm. Ein steiniger Weg mit viel Grün und immer mal wieder kann man seine Füße im Gras entspannen. Die Leiter ist eine Passage, die mit Eisenstufen am Fels fast senkrecht nach oben geht. Hier ist man durch ein Klettersteigset am Stahlseil gesichert. Zwar drücken die Eisenstufen ein wenig in die Füße, doch es geht ganz gut. Nun geht es weiter am Fels bis zum „Brett“. Eine Passage wo Stahlstangen aus der fast senkrechten Wand ragen, welche man ebenfalls über einen Klettersteig passieren kann. Auch diese Stelle geht ganz prima. Aber das schönste Stück der ganzen Wanderung der „grüne Buckel“ wartet noch auf uns. Diese Passage ist sehr angenehm, viele Blumen, viel Grün, viele Schmetterlinge – einer landet sogar bei Loan auf dem Helm. Und dann das Beste: viel Wasser. Der Fluss, der ins Tal rauscht, eignet sich perfekt für eine Abkühlung der mittlerweile gut durchbluteten und warm gelaufenen Füße. Sehr angenehm, wenn auch die Wasserzeit nicht zu lange sein sollte, denn wenn die Füße aufweichen wird die Haut empfindlicher und die Verletzungsgefahr steigt. Das Plätzchen hier oben eignet sich hervorragend für eine erste Vesperpause, so genießen wir bei Speis und Trank, die erste gemeisterte Herausforderung. Zugleich bereitet uns Christian auf die kommende Passage bis zum Gletscher dem „Höllentalferner“ vor. Diese ist ein Geröllfeld mit vielen spitzen Steinen, welche uns Barfußwanderer stark fordern wird.

Nach Bildaufnahmen und Drohnenflug machen wir uns gestärkt auf den Weg zum Gletscher. Schnell merke ich den Ernst dieser Passage und unterstütze jeden Schritt stark mit meinen Wanderstöcken, um den Druck auf die Fußsohlen zu entlasten. Ich lasse die gesamte Gruppe vor mir und gehe in meinem langsamen Rhythmus hinterher. Trotz des langsamen Tempos fordert mich die Strecke enorm, sowohl körperlich als auch mental. Immer wieder muss ich mich achtsam auf die Situation einstellen und selbst motivieren. In einem schwachen Moment schaffe ich es den linken Wanderstock ungeschickt zwischen meine Zehen des linken Fußes zu rammen. Autsch…und sofort bin ich wieder, angesichts der leichten dennoch spürbaren Verletzung, aufmerksam und hellwach.

Gletscher mit Steigeisen und Barfüßen

Es ist jetzt 12.30 und der Gletscher naht. Doch die Kräfte sind spürbar am Schwinden, weshalb wir nochmals eine kurze Rast einlegen. Noch ein paar Worte von Christian, zum Gehen mit den Steigeisen und es kann losgehen.

Wir ziehen alle unsere Steigeisen an. Christian seine mit Polsterung modifizierten Eisen, direkt an die Barfüße. Ich entscheide mich für meine Neoprensocken, an die ich die Steigeisen mit den vorhandenen Riemen und zusätzlich einem Fahrradspanngurt zurre. Tim bastelt seine Steigeisen so gut es ihm möglich ist an die Barfuß-Stiefel. Das zweite Mal feiere ich heute Premiere. Zuerst die Klettersteigsache und jetzt auch noch ein Gletscher mit Steigeisen.

Der ursprüngliche Plan alle in einer Reihe zu laufen platzt. Christian geht sehr zügig damit die Füße nicht zu kalt werden, Tim ist mit filmen zusätzlich beschäftigt und die anderen inklusive mir haben mit der Situation auf dem Gletscher, zu tun. Nacheinander kommen wir heil oben an und freuen uns, dass es keine Randkluft gibt. Wenn diese da wäre, würde der Übergang vom Eis an den Fels eine weitere Herausforderung darstellen. Wir können, jedoch direkt mit der Klettersteig loslegen. Davor heißt es dann wieder Steigeisen aus und baldigst an den Fels, denn selbst mit den Neoprensocken wird es etwas kühl an den Füßen.

Nun geht es steil auf am Seil, dann wieder seitlich und immer wieder hoch. Immer ein Wechsel zwischen Metallstangen und Metalltritten, aber stetig steil nach oben. Anfangs lasse ich meine Socken an, bis meine Füße recht schnell viel zu warm werden und ich bin wieder ganz Barfuß. Eigentlich viel angenehmer denn ich spüre alles und kann sehr achtsam meine Füße setzen. Dennoch spüre ich die Belastung der Fußsohlen und es schmerzt zwischendurch auch mal der eine oder andere Stein, der in die Sohle drückt. Trotzdem fühle ich mich wohl, denn dieses Zusammenspiel der Nervenenden im Fuß und dem Gehirn der sogenannten „Propriezeption“ ermöglicht es mir, mich sehr achtsam zu bewegen. Das Gehirn reagiert sehr schnell auf die Reize vom Fuß und lassen die körperliche Reaktion zu, vorsichtiges auftreten, das achtsames setzen der Füße und harmonische Bewegungen sind die Folge.

Doch bei jedem Meter spüre ich nun auch die nachlassenden Kräfte, der letzte Klettersteig hat es schon in sich, er ist sehr lange und steil. Als wir gegen 16:00 Uhr noch immer im Klettersteig sind und kein Ende in Sicht ist werde ich etwas nervös. Immer wieder fordert mich Tim auf nicht so zu meckern und hin und wieder zu lächeln, doch dazu ist mir mittlerweile gar nicht mehr so zu mute. Wir hatten angedacht zwischen 14/ 15 Uhr oben zu sein, aber diesen Zeitraum hatten wir schon längst überschritten. Zudem galt ab 16.00 Uhr ein erhöhtes Gewitterrisiko. Alles keine Entspannungsparameter, aber ich mache weiter. Es ist seit einiger Zeit auch leicht neblig, das heißt leider auch keine Aussicht nach unten. Egal ich schaffe es mich immer weiter zu motivieren und mit der einen oder anderen Verschnaufpause die Kräfte zu mobilisieren. Hier ziehe ich auch nochmals die Neoprensocken an, da sie den Druck auf die Fußsohlen nochmals entlasten.

Nun kommt auch etwas Wind auf, dieser lässt mich hoffen, dass wir bald oben ankommen. Und wahrlich wir sehen das erste Mal beim hochschauen das Gipfelkreuz und den darüber stehenden Baukranausleger. Es ist zwar noch ein gutes Stück, doch nun ist das Ziel in Sicht, was meine Motivation und Kraft nochmals aufleben lässt. Es ist kurz nach 17 Uhr, als wir den Gipfel erblicken. Jetzt heißt es noch etwas Geduld, denn es gibt oben auch einige Touristen, die auf den Gipfel gehen. Diese lasse ich passieren und dann geht es die letzten Meter bis zum Gipfel, ich bin der Letzte aus unserer Gruppe der ankommt und wir klatschen ab, es ist geschafft!

Voller Freude und Dankbarkeit

Nach einem Gruppenbild gehe ich alleine hinter das Gipfelkreuz, setze mich hin und mir wird bewusst, was ich heute geschafft habe. Unverletzt und in einem körperlich ordentlichen Zustand sitze ich nun da und eine Träne der Freude kullert mir aus dem Auge, dankbar genieße ich diesen Moment.

Auf dem Weg zurück, treffe ich einige andere Wanderer, die wir unterwegs getroffen hatten und uns Respekt zu sprachen über diese tolle Leistung und sich mit uns freuten. Hier darf ich auch dankbar anmerken, dass wir den ganzen Tag Gespräche mit anderen Wanderern hatten und es gut fanden, was wir machen. Das freute mich, denn als Barfuß-Aktivist ist man dem einem oder anderen blöden Kommentar ausgesetzt, heute nicht. Vielen Dank. Zudem wurde mir auf diesen letzten Metern zum Münchner Haus bewusst, dass ich heute von den etwas turbulenten letzten Wochen abschalten konnte und nun voller Glück über diese erfolgreiche Aktion war.

Voller Freude des Geleisteten und auch in Freude auf zu Hause, gehen wir die letzten Meter zur Gondel. Welche mit uns um 18.30 Uhr für heute letztmalig talwärts fährt. Darin sitzen wir nun glücklich und geschafft. Unseren ersten Hunger stillen wir genussvoll mit veganer Rohkostschokolade, die ich vorgestern zum Geburtstag bekommen habe. Wir genießen die Abfahrt und schauen immer wieder mal hoch zum Gipfel und erfreuen uns am Anblick des Eibsee´s und allem Sonstigem was uns begegnet. Gegen 20.15 Uhr kommen wir unten an und haben noch ca. 500 m Fußweg zum Auto. Zwar geht das nicht mehr ganz so flott, doch in genüsslichem Tempo meistern wir das letzte Wanderstück.

Zum Abschluss des Tages füllen wir beim Abendessen unsere Energiespeicher mit leckerer Pizza, Nudeln und Salat wieder auf und fühlen uns gestärkt für die Heimfahrt und freuen uns auf das eigene Bett und das Aufstehen, wann wir wollen.

Glückliche Füße am Tag danach

Die Befürchtungen am nächsten Tag mit Schmerzen am Körper aufzuwachen waren weit gefehlt. Ich spürte fast nichts. Ja, die Füße kribbeln noch ein wenig, sind jedoch sofort wieder voll belastbar. An der Schulter spüre ich ein wenig die Druckstellen des Rucksackriemens und die Beine sind etwas müde. Aber im Grund ein prima Zustand, nachdem was wir von Freitag bis Samstag geleistet haben. Abends gehe ich schon wieder mit den Kletterfreunden locker drei Routen klettern, dort werde ich schon als Mr. Barfuß auf der Zugspitze begrüßt und habe angeregte und nette Gespräche.

Mein Fazit. Wer so trainierte Barfüße wie ich hat, schafft ein solches Projekt ohne Probleme. Wer nicht ganz so gut trainiert ist oder nicht so extrem sein möchte, dem rate ich, eine Teilstrecke barfuß zu gehen oder, wie Tim, Barfuß-Stiefel oder Barfuß-Schuhe zu benutzen.

Vielen Dank für das interessierte lesen und miterleben in dieser Erzählung, wer mehr wissen möchte darf sich gerne hier informieren.

Die Bergfreunde im Kleinwalsertal

Hüttengaudi à la Bergfreunde

14. September 2017
Die Bergfreunde

Es ist Freitagnachmittag, kurz nach 15:30 Uhr. Knapp oberhalb von Mittelberg im Kleinwalsertal, an einem kleinen Wanderparkplatz, rollen 24 Bergfreunde leicht genervt mit den Augen. Kollege Boris zieht sich gefühlt zum dritten mal um, während der Rest der Truppe ungeduldig mit den Hufen scharrt. Schließlich macht die Küche auf der Hütte auch irgendwann zu und hungrige Bergfreunde sind gemeinhin keine netten Bergfreunde.

Vor allen Dingen nicht, wenn man mit der gesamten Truppe im Matratzenlager nächtigt. Lagerkoller wäre da vorprogrammiert. Glücklicherweise bleibt uns das erspart, denn etwa dreieinhalb verschwitzte Stunden später stehen wir mit versammelter Mannschaft auf der Sonnenterrasse der Fiderepasshütte, die für die nächsten Tage unsere Heimat sein wird.

Endlich wieder da, wo wir hingehören

Nämlich mitten rein in die Berge. Erstmal stärken wir uns bei einem leckeren Abendessen (Brühe mit Grießnockerln, Braten mit Speckknödel und Sauerkraut, Germknödel mit Vanillesoße) und lauschen dabei dem Gewitter, das um uns herum tobt. Durch die Fenster sieht man die Berge immer wieder kurz aufblitzen, während die Donnerkeile durch den Himmel zucken. Faszinierend, aber auch ein bisschen beängstigend. Zum Glück sitzen wir in der gemütlichen Gaststube. Dennoch, die Laune wird dadurch nicht unbedingt aufgeheitert, denn der Wetterbericht ist nicht nur für den heutigen Abend eher unschön. Auch der Samstag soll verregnet und nass werden.

Doch noch bevor wir uns darüber zu viele Gedanken machen können, ereilt uns der Ruf der Müdigkeit und wir schlurfen langsam in Richtung Matratzenlager, das wir mit der gesamten Mannschaft belegen. Eine Hand voll Kollegen macht sich noch auf, die einzige Dusche der Hütte in Beschlag zu nehmen, bevor endgültig zur Hüttenruhe geblasen wird. Ich selbst schleiche nochmal kurz zu einer Außentür und strecke vorsichtig den Kopf raus, was sich nicht wirklich als gute Idee herausstellt. Jedenfalls kann ich mir jetzt die Dusche sparen.

Zurück im Matratzenlager erwartet meine Geruchsnerven schon der wohlig einlullende Geruch aus eingetrocknetem Schweiß und leicht müffelnden Socken. Eines steht jetzt schon fest: Willst du deine Kollegen mal richtig gut kennen lernen, verbringe ein Wochenende mit ihnen im Matratzenlager.

Katzen und Hunde

Bildlich gesprochen: Es regnet Katzen und Hunde. Es war vorhergesagt und es kam so. Die trüben Mienen beim Frühstück entsprechen der Aussicht aus dem Fenster. Eigentlich wollte heute ein großer Teil der Gruppe den Mindelheimer Klettersteig unter die Sohlen nehmen, aber so wie es da Draußen aussieht, ist das nicht unbedingt eine gute Idee.

Aber wir wären ja nicht die Bergfreunde, wenn wir nicht einen Plan hätten: Für den Nachmittag ist eine Wetterbesserung in Sicht. Also wird erstmal zur Mindelheimer Hütte gewandert und wenn es später tatsächlich aufklart, geht eben der Rückweg über den Steig.

Zurück im Lager raschelt es heftig, als alle ihre Regenbekleidung auspacken und sich ordentlich einpacken. Neben dem regnerischen Wetter machen uns auch noch die einstelligen Temperaturen zu schaffen, aber da wir ja bestens ausgerüstet sind, kann uns natürlich kein Wässerchen trüben. Und spätestens als auch die letzten müden Augepaare die Wolkenfetzen erblickt haben, die sich malerisch um die Berggipfel winden, ist die allgemeine Stimmung wieder munter.

Der Großteil der Crew macht sich also auf zur Mindelheimer Hütte. Ich hingegen schnappe mir die Kollegen, die vom Vortag noch etwas müde sind und wir machen eine etwas abgespeckte Tour über einen schönen Panoramaweg unweit des Fiderepass, auf dem uns zahlreiche schwerfällige Paarhufer erwarten und kritisch beäugen als wollten sie sagen „Wer zur Hölle wandert bei so einem miesen Wetter?“. Na, wir natürlich!

Nur zwei Stunden später sitzen wir schon wieder in der warmen Stube und vertreiben uns die Zeit mit Gesellschaftsspielen, Apfelstrudel und Heißgetränken. Erst am späten Nachmittag kommt der Rest der Truppe von der Mindelheimer Hütte zurück. Ohne Klettersteig. Das Wetter war einfach zu schlecht und unnötige Risiken müssen wir auch nicht eingehen.

Langsam füllt sich die Hütte mit immer mehr Wanderern, die dem unwirtlichen Bergwetter entfliehen. Dementsprechend gibt es eine deutliche Überbelegung am Abend und im Gastraum sitzen wir Schulter an Schulter, während am Nachbartisch eine große Gruppe aus dem Schwarzwald Schnäppschen am laufenden Band runterkippt und dabei aus voller Kehle Trinklieder anstimmt. Doch plötzlich herrscht Aufruhr. Die Personen, die am Fenster sitzen schauen ungläubig nach Draußen. Tatsächlich: Die Sonne bricht durch die Wolken. Das verheißt viel Gutes für morgen!

Nach einem weiteren leckeren Abendessen (Tomatensuppe, Gulasch mit Schupfnudeln, Topfenknödel mit Nougatfüllung) und einer guten Stunde Beschallung schmeißen wir uns nochmal in Schale, schnallen die Stirnlampen auf den Kopf und spazieren ein wenig um die Hütte. Die kalte Nachtluft und die gefüllten Mägen sorgen schnell für schläfrige Stimmung und so entschwinden die 25 Bergfreunde wieder schnell im Land der Träume.

Ein versöhnlicher Abschied

Und tatsächlich: Der Morgen beginnt deutlich freundlicher als der vorherige. Gut, viel schlechter geht auch fast nicht. Aber wir freuen uns sehr, dass wir heute zumindest ein paar Sonnenstrahlen abbekommen, auch wenn es nicht viel wärmer ist als am Vortag. Noch schnell Frühstück zwischen die Kiemen schieben, den Rucksack packen und pünktlich um 8:30 Uhr steht die Schar zum Abstieg bereit.

Allerdings verläuft dieser heute auf Umwegen. Während unsere Klettersteiger endlich doch noch den Mindelheimer gehen, entscheidet sich der Rest der Truppe für eine längere Abstiegsvariante über die Kuhgehrenspitze und die Kanzelwand. Es ist natürlich reiner Zufall, dass wir bereits nach eineinhalb Stunden erneut Halt machen und uns an der inneren Kuhgehrenalpe äußerst leckeren Kuchen schmecken lassen. Und die Aussicht ist auch nicht von schlechten Eltern.

Trotz des guten Wetters und des angenehmen Tempos wird die Stimmung in der Gruppe mit der Zeit etwas trüber und es liegt wieder einmal an mir, den Entertainer zu spielen. Also packe ich meine besten Witze aus und entlocke den müden Gesichtern wieder das ein oder andere Lächeln – ob aus Resignation oder tatsächlicher Freude über den Witz ist ja nun egal. Aber bei Knallern wie: Kommt ein Pferd in den Blumenladen und fragt „Haben sie Magheritten?“ bleibt fast kein Auge mehr trocken!

Insgesamt sind wir nochmal gut sechs Stunden unterwegs und es ist wohl unserem äußerst guten Team-Zusammenhalt geschuldet, dass wir fast zeitgleich mit den Klettersteiggehern am Parkplatz ankommen – auf jeden Fall muss es irgend ein 6. Bergfreunde-Sinn sein.

Da es inzwischen schon Nachmittag ist und wir alle sehr hungrig sind, fallen wir mit der Meute noch im nahe gelegenen Gasthof ein. Bei Käsespätzle und Kaiserschmarrn lassen wir das Wochenende revue passieren. Es spricht wohl für sich, dass trotz des engen Raumes, der „menschlichen“ Gerüche und meiner atemberaubenden Witze, kein Anzeichen von Lagerkoller aufkam. Wir beschließen einstimmig, dass wir die ganz schlimmen Stories für immer unter den kratzigen Wolldecken des Matratzenlager begraben und die Aktion zu gegebener Zeit wiederholen!

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