Alle Artikel zum Thema ‘Die Bergfreunde’

Immer diese Vorurteile. Von wegen kleine Bude mit ein paar Kletterverrückten und Wanderlustigen im Hinterzimmer. Wird Zeit für ein Blick hinter die Kulissen. Klar, eins steht fest: Wir sind echte Bergfexe und in unser Freizeit kraxeln wir auch gerne mal an den senkrechten und überhängenden Wänden herum.

Aber um letztlich alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, erfährst Du hier was wir so treiben und was es neues bei den Bergfreunden gibt. Von Touren, über Mitarbeiter-Aktionen bis hin zu lustigen Geschichten aus den Bergen ist alles dabei.

Erlebt die Bergfreunde in voller Action. Ob beim kraftraubenden, akrobatischen Klettern der ultimativen Route oder der winterlichen Alpenüberquerung.

Wohnen am Berg: Wie ist das so? Lohnt sich das?

23. März 2021
Die Bergfreunde

Vor gut einem Jahr zog ich vom Fuße des Schwarzwalds an den Fuß der Bayrischen Alpen. Damit ging mein lang gehegter Traum von „richtigen“ Bergen vor der Tür in Erfüllung. Doch wie ist dieser Traum so, wenn er sich zur Alltagsrealität verwandelt? Mit dem ersten Jahr ist genug Zeit verstrichen, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Und um zu beurteilen, ob das Ganze wirklich so erstrebenswert ist, wie Viele es sich vorstellen.

Geht man wirklich andauernd in die Berge, so wie man es sich aus der Ferne erträumt hat? Oder ist es schon bald nichts Besonderes mehr? Läuft es vielleicht auch aus dem Ruder und es bleiben außer Bergen gar keine anderen Lebensinhalte mehr?

Die Ergebnisse meines „Experiments“ lieferten so einige Antworten. Blöd ist nur, dass diese Art Experiment nicht beliebig wiederholbar ist, denn es gibt diverse Voraussetzungen, Hintergründe, Möglichkeiten und Beschränkungen, die sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Selbst wenn alle äußeren Bedingungen gleich sind, macht JedeR etwas anderes daraus. Deshalb und weil mehrere Erfahrungen mehr Aussagekraft haben als nur eine Einzelne, wird hier auch Basislager-Boss Jörn zu Wort kommen. Denn auch er hat „Bergbewohnererfahrung“.

Doch erstmal ordne ich meine eigenen Eindrücke und Gedanken in einem Frage-Antwort-Spiel. Zunächst hatte ich ein Pro-und-Contra-Schema im Sinn, doch das lieferte – Achtung, Spoiler – zu wenig Contras ;-)

Fragen und Antworten

Fangen wir am besten mal mit dem Aspekt Kleingeld an:

Bayern? Alpen? Da brauchste doch richtig Kohle!“

Ohne Moos nix los, das stimmt schon. Und wenn man „in den Bergen wohnen“ oder „wohnen in den Bergen“ in die Suchmaschine tippt, sieht man sich hier voll bestätigt. Die Treffer drehen sich fast alle um Architektenträume und Traumimmobilien, die man sich als zukünftiger Bergler doch mal zulegen soll. Weil man nach der kleinen Anfangsinvestition das Geld auf Dauer eigentlich spart. Denn:

Ein Haus in den Bergen stellt in Österreich und der Schweiz eine sichere Geldanlage dar. (…) Bei einem Kauf zum jetzigen Zeitpunkt verliert der Käufer sein Geld nicht. Das gilt auch für den Fall, dass er die Hütte in zwei bis fünf Jahren wieder verkauft. Eine gewinnbringende Immobilie liegt nach Ansicht von Immobilienmaklern in der Nähe einer bekannten Skistation oder verfügt über einen tollen Ausblick. (…)

Für Hausbesitzer, die gerne in den Bergen Ferien machen, aber nicht ständig dort leben, finanziert sich die Immobilie durch Vermieten. (…) Als rentabel erweisen sich in erster Linie solche Objekte, die die Besitzer das ganze Jahr vermieten. Das gilt für Immobilien, die nahe einer berühmten Wanderstrecke oder eines bekannten Wandergebietes liegen.

Easy, da kann eigentlich nichts schiefgehen, oder? Alternativ kann man natürlich auch bauen. Wer dafür noch die passenden Architekten sucht, wird mit den Autoren des wirklich schönen Bildbands „Hohe Häuser – Vom Glück, in den Bergen zu wohnen“ fündig.

Doch wie geht man es an, wenn beim Blick auf den Kontoauszug keine vielstelligen schwarzen Zahlen zu sehen sind? Dann muss man improvisieren. Eventuell auch Ansprüche an den alltäglichen Komfort zurückschrauben. Sich womöglich von mancher althergebrachten Vorstellung und Konvention lösen. Zum Beispiel das Wohnen in der WG in Erwägung ziehen, auch wenn man die Studentenzeiten längst hinter sich hat. Das kann einerseits Einbußen in der Privatsphäre nach sich ziehen, andererseits aber massiv den sozialen Anschluss in der neuen Gegend fördern.

Ansonsten hilft nur ein Einkommen, für das du Vollzeit arbeiten musst. Dann hängt dein Wohnort aber wieder an der Arbeitsstelle, die wahrscheinlich nicht wirklich bergnah liegt. Und dann finden die Bergtouren wieder nur so oft statt und dauern nur so lang, wie der Job es erlaubt. So dreht sich der Kreis der Begrenzungen und man kann eigentlich auch gleich am alten Wohnort bleiben …

Da braucht man schon reichlich Glück, oder?“

Der Geldfluss ist also nicht alles. Im Gegenteil, wer weniger Geld hat, hat dafür vielleicht mehr Zeit, um zu recherchieren, Dinge herauszufinden, Kontakte zu knüpfen und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Mit dieser Flexibilität kann man bei Bedarf auch den einen oder anderen Zusatz- oder Zwischenjob annehmen. So war ich in der neuen Heimat beispielsweise schon als Weihnachtsbaumverkäufer aktiv.

Wenn dann noch etwas Optimismus und Vertrauen hinzukommen, tauchen plötzlich günstige Gelegenheiten auf und es fliegen einem kleine Hilfen und Geschenke zu. Das durfte ich mehrfach erleben. Also ja, hier und da ist etwas Glück vonnöten. Falls partout nichts dergleichen passiert und sich trotz hartnäckiger Versuche nirgends eine Tür öffnet – nun, dann würde ich das irgendwann als „Hinweis des Universums“ betrachten, dass ich an der falschen Stelle nach den Goldnuggets grabe.

Neben schnödem Mammon und himmlischen Hinweisen ist auch die Bewegungsfreiheit hilfreich. Die hat man, wenn man nicht durch familiäre und soziale Bindungen an einem Ort gehalten wird. Oder wenn man es schafft, Beziehungspartner und Familienangehörige für das Leben am Berg zu begeistern. Dafür braucht man nur noch gute Antworten auf folgende weitere Einwände:

Aufs Land? Was willste denn in dem Provinzmief?“

Die einzigen Mittelstädte im deutschen Alpenraum mit jeweils knapp über 20.000 Einwohnern sind Garmisch Partenkirchen und Sonthofen. Ansonsten wohnt man in der gesamten Region ländlich, dörflich, höchstens kleinstädtisch. „Mein“ Ort Benediktbeuern hat knapp unter 4000 Einwohner und ist damit ein großes Dorf. Ein sehr schönes nebenbei bemerkt. Doch man könnte es auch als Kuhdorf bezeichnen, denn das Rindvieh ist hier nicht nur optisch präsent, sondern auch olfaktorisch. Ja, es riecht ab und zu a bissl zünftig, aber ist das wirklich ein Nachteil? Wenn ich an die Abgaswolken, den Urindunst und die Müllaromen lauschiger Großstadtwinkel denke, kommt mir das „Landparfüm“ eher angenehm vor. Erst recht, wenn es sich in der warmen Jahreszeit mit dem Holz und Harz der Wälder und diesem aromatischen Hauch der Wiesen, Moore und Blumen mischt. Also, der Provinzmief hat klar die Nase vorn.

Da ist doch nix los.“

Stimmt, das große Bespaßungsprogramm mit Multiplexkino, Oper und Vereinen für jedes Hobby gibts hier nicht. Aber auf den zweiten Blick kann man feststellen, dass auch in „kleinen Käffern“ manchmal mehr los ist, als es zunächst scheint. So beherbergt beispielsweise Benediktbeuern eine kleine aber waschechte Hochschule mit Studentenleben und Kulturangebot.

Und was, wenn dieses „nix los“ auch positive Seiten hat? Nämlich dass du, mit weniger Reizen, Informationen und Einflüssen beschossen, mehr zu dir selbst kommst? Ich für meinen Fall bin jedenfalls auch deshalb ein „Stadtflüchtling“, weil ich viele der Stadteindrücke zunehmend als überflüssiges Getöse empfunden habe. Was soll an 100.000 Autos pro Tag so besonders cool sein? Was soll ich mit wuselnden Fußgängermassen, wenn die Mehrheit davon eher mäßig gelaunt dreinschaut? Warum in Kneipen, Clubs oder Parks treffen, wenn auf dem Dorf fast jedeR einen Garten hat? Und dann hast du den Wald, die Wiese und die Natur nach fünf Gehminuten statt nach zwanzig S-Bahn-Stationen erreicht.

Da fährt doch kein Zug und nix.“

Apropos S-Bahn. Ja, auch das stimmt teilweise, hier auf dem Land gibt’s kein dichtes Öffi-Netz und es lebt niemand ohne Auto. Außer gewisse Zugezogene vielleicht, die meinen, mit schmalem Geldbeutel nach Oberbayern kommen zu können. Die sind dann halt nicht ganz so mobil. Jedenfalls war ich mein ganzes erstes Jahr über abgesehen vom Fahrrad „nicht mobil“. Das Problem löste ich aber, indem ich vom Fahrradverächter zum Fahrradverfechter wurde.

Abgesehen davon kommt die Bahn bei mir im Ort eben doch vorbei. Wenn auch die Anschlüsse in Oberbayern fast alle nur sternförmig nach München führen. Da musst du dann erstmal eine halbe Stunde in Gegenrichtung der Berge fahren, bevor du in Tutzing Richtung Wetterstein oder Karwendel umsteigen kannst. Trotzdem kommst du so mit diesem Werdenfelsticket für schlappe zweiundzwanzig Euro binnen eines Tages ins „richtige“ Hochgebirge rein und wieder zurück.

Die Schönheit ist doch bald nix Besonderes mehr.“

Ja, auch die schönsten Dinge nutzen sich irgendwann ab. Doch hier bei mir hat sich nach einem Jahr noch nichts abgenutzt. Das Tölzer Land, in dem ich gelandet bin, ist halt auch bekannt für außergewöhnliche Schönheit. Und für die Farben, denn es grenzt im Westen an das „Blaue Land“, das seit jeher Maler und Künstler anzieht. In der Tat erlebt man hier manchmal einen regelrechten Farbenrausch der Landschaft und des Himmels – auch ohne bewusstseinsverändernde Substanzen. Und es kommt noch besser: am Fuß der Berge genießt man die Vorteile zweier Welten. Die Weiten des Flachlands und die Höhen der Bergwelt treffen hier aufeinander. Und ganz nebenbei wimmelt es auch noch von schönen Seen.

Die Extramotivation für den Bergsport lässt doch irgendwann nach.“

Mein erstes Jahr im Oberbayrischen war mit den vielen Berg- und Wandertouren eine Art Dauerekstase, da ständig neue Blicke und Eindrücke auf mich einprasselten, die in ihrer Schönheit jede Erwartung übertrafen. Dann kam noch die „besondere Lage“ hinzu, die dazu führte, dass ich weniger Arbeit hatte und dafür mehr Muße für Berge, Touren und Exkursionen. Ab Spätherbst hat das Ganze nachgelassen, was aber nichts mit Abnutzungserscheinungen zu tun hatte. Im Gegenteil, jetzt kommt der Frühling und ich bin gespannter denn je auf’s neuerliche erkunden und durchstreifen der Bergwelt. Die unmittelbare Umgebung hat natürlich nicht mehr den aufregenden Reiz des Neuen, doch von „langweilig“ ist sie immer noch weit entfernt. Und da ich dieses Jahr mobilitätsmäßig „upgegradet“ bin, ist der Aktionsradius groß genug für weitere Neuentdeckungen.

Damit schalten wir endlich mal zu Bergfreund Jörn rüber, dem es in seiner Bergler-Zeit in Immenstadt während und nach der ersten Euphoriewelle folgendermaßen erging:

Ins Allgäu ziehen! Mensch, das war damals 2012 ein echter Traum, der da in Erfüllung ging. Ich hatte gerade meine Liebe zu den Bergen entdeckt und quasi nur Trailrunning im Kopf. Nach einigen kleineren Startschwierigkeiten unter anderem hatte ich mich bei knapp einem halben Meter Neuschnee im Immenstädter Hinterland etwas verfranzt liefs dann aber schnell rund. Ich hatte eine großartige 16km-Hausrunde zu einem kleinen, vorgelagerten Berg in der Nähe des Grünten und genoss die neugewonnen „Bergheit“ in vollen Zügen.

Die Wochen vergingen und ich lernte immer mehr von meiner neuen Heimat kennen. Doch wie es immer ist, wenn man nicht aufpasst: Dinge werden selbstverständlich. Und dann ist da ja noch der Alltag. Samstags runter nach Oberstdorf für ne Bergtour? Puh, die Wohnung muss eigentlich mal wieder geputzt werden. Und der Kühlschrank schreit auch vor gähnender Leere.

Rückblickend sage ich heute immer, dass ich in den eineinhalb Jahren, die ich im Allgäu gelebt habe, weniger in den Bergen war, als in der Zeit danach. Sicher nur eine gefühlte Wahrheit, aber für mich sind die Berge so nach wie vor etwas ganz besonderes.

Das stimmt, heiße Ware wird durch Verknappung irgendwie noch heißer. Aber Jörns „Strategie“ war auch anderen Umständen geschuldet:

Meine damalige Freundin hatte Schichtdienst, da war dann Wochenends oft kein Auto da. Und ich hatte zu der Zeit nur ein sehr teures Rennrad, dass ich nicht am Fuße des Berges stehen lassen wollte. Dann kam noch sowas wie Bequemlichkeit dazu, was am Ende dazu geführt hat, dass mein Aktionsradius eher bei den näheren Hügel rund um den Großen Alpsee lag als bei den weiter entfernten, hohen Berge um Oberstdorf. Aber wie gesagt: Jetzt genieße ich die Aufenthalte umso mehr!

An diesem Punkt kann man tatsächlich skeptisch werden, denn der Reiz des Unbekannten kann jederzeit verfliegen. Das spricht aber nicht grundsätzlich gegen den Wohnsitz am Berg, sondern nur dafür, die Sache gut zu überdenken und genau nachzufühlen, was man wirklich will.

Also nochmal: lohnt es sich?“

Was mich angeht: ja, es lohnt sich, aber sowas von! Nach einem Jahr finde ich nach wie vor keinen Grund, der rückwirkend gegen meine Ortsveränderung oder für einen Verbleib an alter Stätte sprechen würde. Und auch was die weiteren „Langzeitfolgen“ angeht, halte ich mein „Experiment Bergwohnen“ für relativ ungefährlich …

Abschließen möchte ich mit einer Einladung zum Austausch. Falls sich hier unter den Lesern andere Zum-Berg-Gezogene befinden, oder vielleicht gar „alte Hasen“ dabei sind, die schon lange „an der Quelle“ wohnen: Lasst gerne eure Kommentare mit Eindrücken und Erfahrungen da. Auch potentielle Nachahmer, die über eine ähnliche Luftveränderung nachdenken, können sich gerne melden. Vielleicht ergibt sich daraus noch die eine oder andere spannende Anregung …

Bergfreundinnen treffen Bergfreundinnen – Auf ein Wort!

5. März 2021
Die Bergfreunde

Wie steht es eigentlich um das Thema Gleichberechtigung im Bergsport? Nicht schlecht, würde man vielleicht in Anbetracht größer Women-Only-Werbekampagnen von Marken wie The North Face, adidas oder Salomon denken. Und überhaupt: Im Angesicht der Berge sind doch eh alle gleich, oder? Naja, nicht so ganz… Wie wir schon in unserem kleinen Bergfreundinnen-Portrait aus dem letzten Jahr schrieben, war Bergsport sogar bis kurz vor der Jahrtausendwende in einigen DAV-Sektionen noch eine rein männliche Angelegenheit.

Das hat sich zum Glück geändert. Ablesen kann man das z.B. am stark wachsenden Anteil an Outdoor-Produkten, die auf Bergfreundinnen zugeschnitten sind. Eine gute Entwicklung, keine Frage. Rosig ist deshalb allerdings auch noch nichts. Es gibt durchaus noch viele Marken, die „klischeebeladene“ Produkte verkaufen. Da finden sich knallig pinke Schuhe neben pastellfarbenen Kleidungsstücken. Gedecktere Farben? Sorry, nur für Jungs! Und was ist eigentlich mit Bekleidung für richtig anspruchsvolle bergsteigerische Unternehmungen? Auch hier gibt es einzelne Marken, die ihre technischen Produkte lediglich für die Herren der Schöpfung fertigen.

Grundsätzlich passiert sowas nicht aus Böswilligkeit, sondern am Ende schlicht aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Eine kleine, sehr spezialisierte Marke mit niedrigen Stückzahlen muss sich natürlich überlegen, für welche Zielgruppe sie ihre Produkte anbietet. Das gehört sicherlich auch zur Wahrheit. Drehen wir den Gedanken weiter, kommen wir aber schnell wieder beim Henne-Ei-Problem an, das sich schwer lösen lässt… oder?

Gleichberechtigung: Lasst uns drüber reden!

Das Prinzip ist nicht neu: Probleme lassen sich lösen, in dem man sie offen anspricht und darüber diskutiert. Und das wollen wir tun. Dafür haben wir uns die Bergfreundinnen eingeladen. Moment, denkt ihr jetzt zurecht, Bergfreundinnen arbeiten doch bei euch? Ja, auch.

In diesem Fall sprechen wir allerdings von den drei Podcasterinnen Katharina, Toni und Anna, die seit Mitte 2020 mit ihrem Podcast „Bergfreundinnen“ die Podcast-Landschaften aufmischen und zu allen möglichen Themen rund um Frauen & Bergsport diskutieren. Der Podcast wird vom bayerischen Rundfunk produziert und erscheint wöchentlich.

Und weil wir Bergfreunde unbedingt mitdiskutieren wollen, setzen wir uns natürlich dazu. Namentlich sind das die Bergfreunde-Kolleginnen Cora, Christa und Hannah, die ihr garantiert schon mal auf einem unserer Channels gesehen habt. Hannah haben wir euch in unserem Post aus dem letzten Jahr bereits vorgestellt. Christa ist die Abteilungsleiterin unserer Personalabteilung und ist begeisterte Bergsteigerin. Cora arbeitet in unserem Gearhead-Team und liebt die Kletterei.

Neben dem oben bereits angesprochenen Thema rund um die Sortimente im Outdoor-Bereich, geht es in unserem Talk außerdem um Frauencommunities im Bergsport, die generelle Gleichberechtigung in der Bergsport-Szene und natürlich auch um die Gleichberechtigung bei den Bergfreunden.

Nun wollen wir euch aber nicht mehr länger auf die Folter spannen. Hier findet ihr das Video, viel Spaß beim Anschauen, zuhören und mitdiskutieren:

Das Gender Data Gap und die Schlange vor dem Damenklo

8. März 2021
Die Bergfreunde

Wer kennt sie nicht, die altbekannte Schlange vor dem Damenklo? Stoff von Legenden, Liedern und zahlreichen Witzen. Doch warum entsteht sie überhaupt? Genau diese Frage (und viele weitere in Bezug auf Frauen) sind in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten oft unbeantwortet geblieben. Kuriose kleine und große Phänomene des Alltags, die einfach so hingenommen wurden. Sammelt und untersucht man diese, stößt man auf eine Gemeinsamkeit, die seit einigen Jahren einen Namen hat: Der Gender Data Gap.

Ganz banal herunter gebrochen besagt dieser: Über Frauen und ihren Alltag wurden und werden in allen Bereich des Lebens, wie z.B. Medizin, Gesellschaft und Wirtschaft, weniger Daten gesammelt als über Männer. Wer ein großes Datenschützerherz hat, findet das sicher erstmal ganz cool, doch der Gender Data Gap entwickelt sich im normalen Alltag zu einem Problem und birgt teilweise handfeste Gefahren.

Woher kommt der Gender Data Gap?

Ein Bereich, der uns als Outdoorsportler und mich als Kletterer am meisten Betrifft ist die Trainingslehre und im weitesten Sinne die Medizin. „Warum soll es denn da bitte ein Problem geben? Der menschliche Körper wird doch schon seit Jahrhunderten ausgiebigst erforscht!“, fragen sich vielleicht jetzt manche von euch. Tja, genau da liegt der Hund, bzw. die Kletterin begraben!

Einer der einflussreichsten und in den folgenden Jahrtausenden meistzitiertesten Forscher der Antike ist Aristoteles. Dieser sah den Mann als Prototyp des Menschen an, die Frau hingegen galt als eine Abweichung von diesem Prototypen. Nun ist der gute Aristoteles ja schon einige Jährchen unter der Erde und vermeintlich sind wir heutzutage viel weiter und haben einen differenzierten Blick auf die Materie… oder?

Die Antwort ist ein klares Jein! Da Frauen lange Zeit überhaupt nicht erforscht wurden, fehlt es an allen Ecken an Daten. Sehr, sehr vielen Daten. Bei klinischen Studien gilt bpsw. noch heute ein Mann von 70kg als „Norm“ für die Bevölkerung. Dass schon das eine starke Vereinfachung ist, ist nochmal ein eigenes Thema.

Weibliche Körper werden bei klinischen Tests oft außen vor gelassen. Der banale Grund: Aufgrund des Zykluses sind sie zu „komplex“ und sorgen für eine schwierigere Interpretation der Ergebnisse. So kommt es vor, dass regelmäßig Ergebnisse aus klinischen Studien universal für Frauen und Männer als gültig angesehen werden, obwohl keine einzige Frau an den Studien teilgenommen hat!

Sind Männer und Frauen anatomisch und physiologisch so unterschiedlich?

Nun ist natürlich die Frage: Ist es überhaupt notwendig, so einen Wirbel um das Thema zu machen? Sind wir, abgesehen von ein paar Geschlechtsorganen und ein paar komischen Hormonen, nicht alle gleich?

Die Forschung zur Gender Data Gap aus den letzten Jahr hat deutlich gezeigt: Das sind wir leider nicht. In jedem Gewebe und Organsystem gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede, sogar in so grundlegenden Funktionen wie dem Herzen oder der Lungenkapazität.

Aber wie können dann Frauen nach den gleichen Plänen trainieren wie Männer? Das ist doch dann nur zum Scheitern verurteilt, oder?  Zum Glück ist das auch inzwischen vielen Trainern und Firmen klar geworden. Wer eine Frau trainieren lässt wie einen Mann, bekommt im besten Fall schlechtere Ergebnisse und im schlechtesten Fall eine gesundheitsgeschädigte Athletin.

Dinge wie die Veränderung der Hormone während des Zyklus, ob es überhaupt eine Periode gibt und wie oft, sollten – wenn es ums Training geht – eine Rolle spielen. Auch die Stärken und Schwächen bei direktem Vergleich von Männern und Frauen helfen dabei heraus zu finden, wo man beim Training den Schwerpunkt setzen muss.

Eine Firma, die diesen Themen bei der Erforschung und Umsetzung viel Raum gibt, ist Lattice Training. Der Gründer Tom Randall erklärt uns im angeschlossenen Interview, was genau sie erforschen und wie die Ergebnisse im Alltag umgesetzt werden können.

Doch bevor wir uns dem Interview widmen: Was hat es denn nun mit der Schlange vor dem Damenklo auf sich?

Nachdem viele, vorher unbeachtete Daten zusammengetragen wurden ergibt sich folgendes Bild: Frau „müssen“ von Natur aus öfter, da sie kleinere Blasen haben. Gleichzeitig sind die Grundrisse von öffentlichen Toiletten für Männer und Frauen gleich groß. Ein Pissoir braucht allerdings viel weniger Platz als eine ganze Kabine! Folglich gibt es für das Geschlecht, das öfter muss, weniger Raum um das Geschäft zu verrichten.

Und schon haben wir eine wunderhübsche Menschentraube.

Tom Randall (Lattice.com) Im Interview zur Gender Data Gap

Eine Firma, die den Themen Frauen und spezifische Trainingsmethoden bei der Erforschung und Umsetzung viel Raum gibt ist Lattice Training. Der Gründer Tom Randall erklärt uns im Interview, was genau sie erforschen und wie die Ergebnisse im Alltag umgesetzt werden können.

Cora: Als Firma setzt Lattice Training sehr darauf Kletterer auf Herz und Nieren mit speziellen Leistungstest zu prüfen, um dann mit den Daten maßgeschneiderte Trainigspläne zu erstellen.
Für Menschen, die euch noch nicht kennen, wie lange gibt es euch schon, wie sammelt ihr eure Daten und was ist euer Hintergrund?

Tom: Als Firma gibt es uns seit 2016, aber das Konzept und die Anfänge der Datenforschung begannen schon 2016. Am Anfang gab es nur mich, der mit privaten Kunden und dem UK Kletterteam gearbeitet hat, aber nach 2016 habe ich mich mit einem zweiten Coach (Ollie) und einem Datenanalysten (Remus) zusammengetan. Als Firma ist es unser Ziel das beste kletterspezifische Leistungsprofiling, Coaching, als auch die besten Trainingspläne und Produkte anzubieten. Heutzutage sind wir ein 20-köpfiges Team, welches aus Doktoranden, Biochemikern, Berufskletterern und internationalen Wettkampfkletterern besteht. Sehr breit aufgestellt!

Die UN hat zum ersten Mal im Jahr 2006 versucht auf den Gender Data Gap aufmerksam zu machen, aber das allgemeine Publikum ist erst richtig 2019 auf das Thema gestoßen, als Caroline Criado Perez diesen Begriff in ihrem Buch “Unsichtbare Frauen” nutzte. Wann und wie ist euch dieses Thema zum ersten Mal bei euren Recherchen untergekommen?

Uns ist der Unterschied zum ersten Mal beim Vergleichen der Ergebnisse von Fingerkraft zwischen Männer und Frauen in Abhängigkeit zu ihrem gekletterten Grad aufgefallen. Es ist ein sehr deutlicher Unterschied!

Sammelt ihr eure Daten in einem zwei verschiedenen Pools, oder liegen sie bei euch als Gesamtpaket vor, egal welches Geschlecht der Kletterer hatte?

Die Antwort ist: Beides. Wir haben aufgeteilte Datenmodelle, sowie allumfassende Modelle. Wir versuchen diese Form kontinuierlich zu verbessern sowie ihre Aussagekraft richtig zu bewerten.

Was sind die größten Unterschiede im Training für Männer und Frauen?

Wenn man die Daten heran zieht liegen die größten Unterschiede bei der Kraft (Finger und Oberkörper), Flexibilität (Unter- und Oberkörper), sowie Schnellkraft (welche, wenn man es genau nimmt, ein Teil der generellen Kraft ist). Wenn man es ganz herunter bricht, kann man sagen, dass Frauen schwerere Grade bei weniger Kraft, aber mit einer größeren Flexibilität klettern, als die männliche Vergleichsgruppe.

2019 fand zum ersten man das „Womens climbing symposium“ unter eurer Führung statt, bei der ihr Tests an einer reinen Frauengruppe durchgeführt habe. Gab es da ein paar interessante Erkenntnisse?

Ja, auf jeden Fall! Hier ein paar Ergebnisse:

Kürzlich hat Dr Dave Giles, ein Forscher hier bei Lattice Training, mit der Hilfe von Ollie Tor (Coach) einen Artikel mit dem Titel „Anthropometry and performance characteristics of recreational advanced to elite female rock climbers“ (Anthropometrie und Leistungscharakteristika von weiblichen Freizeit- und Leistungskletterinnen) herausgebracht. Obwohl einige der Erkenntnisse auf den ersten Blick logisch erscheinen, gab es einige große Erkenntnisse, die wir daraus ziehen konnten – für Frauen haben Oberkörperschnellkraft, Fingerkraft, und Hüftflexibilität einen großen Einfluss auf ihre Kletterleistung.

Warum ist diese Erkenntnis hilfreich? Beim Training kann es schwer sein zu wissen, wo man anfangen sollte was den größten Effekt hat. Wenn man versucht überall gleichzeitig eine Basis aufzubauen, ist es leicht zu viel zu machen, womit dann offensichtlich die Chancen für eine Verletzung steigen. Diese Forschungsergebnisse helfen uns dabei, wo wir den Schwerpunkt beim Training legen müssen. Natürlich muss die Person als Individuum und ihre Ziele mit angeschaut werden! Oberkörperschnellkraft mag vielleicht nicht die höchste Priorität besitzen, wenn man gerne 50m Ausdauerrouten klettert, aber wenn die Hüftflexibilität im Vergleich eine Schwäche ist, dann kann man darauf den Focus legen, um effizienter zu klettern und die restlichen Stärken besser zu nutzen. Auf der anderen Seite kann eine Boulderin mit großartiger Hüftflexibilität sich dafür entscheiden den Fokus eher auf Fingerkraft und Oberkörperschnellkraft zu richten.

Die nächste Frage ist dann, wie trainiert man diese Bereiche?

Oberkörperschnellkraft – Kraft ist die Basis für Schnellkraft, also ist es wichtig zwischen der maximalen Zugkraft und dem Training des Oberkörpers hin und her zu wechseln. Übungen wie Klimmzüge mit extra Gewicht und TRX Zugübungen sind gut, um generelle Kraft aufzubauen. Wenn wir den Fokus auf die Schnellkraft legen, dann geht es darum ein Maximum an Kraft in einer kurzen Zeit zu nutzen. Bouldern ohne Nutzung der Füße, sowie dynamisches Klettern sind kletterspezifische Übungen für diesen Bereich.

Das Campus Board ist das bekannteste Gerät, es ist aber gut daran zu denken, dass eine eintönige vertikale Bewegung nicht so viel bringt wie Bouldern ohne Füße. Dies sind natürlich alles Übungen am oberen Ende des Leistungsspektrums – was also, wenn man nicht ohne Füße bouldern kann? Eine gute Übung sind sehr schnelle Klimmzüge. Eine Gewichtsabnahme kann hier helfen sich ganz auf die Schnelligkeit zu konzentrieren. Diese Fähigkeit kann man nun langsam ins Klettern einbauen, z.B. indem man weiter festhält, wenn die Füße im stark überhängenden Gelände abfallen oder indem man ein paar Züge ohne Füße im steilen Gelände macht.

Fingerkraft – Das klassische Trainingswerkzeug hier ist das Fingerboard, wo man maximalkräftiges Hängen nutzen kann, um die statische Kraft zu verbessern. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass, obwohl Fingerboardtraining ein guter Zusatz zum Klettern bietet, es sich hierbei um eine statische Übung handelt, während Klettern dynamisch ist. Aus diesem Grund muss auch dieses Training mit dem Klettern von schweren Routen oder Bouldern kombiniert werden, damit die Kontaktkraft nicht zurückbleibt. Wenn man das Fingerboard zum ersten Mal beim Training verwendet, ist es wichtig, sich an die hängende Position zu gewöhnen, während man die Schultern anspannt. Die Dauer und Intensität sollten hier langsam gesteigert werden. Falls das Fingerboardtraining eine zu große Belastung für die Schultern, neben dem Klettern darstellt, kann man auf tragbare, beschwerte Leisten und Blöcke (Zangengriff) zurückgreifen.

Hüftflexibilität – Wenn wir beim Klettern die Hüftflexibilität einsetzen, versuchen wir hier eine Ebene zu erreichen, z.B. wenn der Körper näher an die Wand kommen soll, was eine geringere Krümmung der Hüfte voraussetzt. Dehnungen wie Froschbeine sowie der Seitspagat und seine Vorstufen sind sehr hilfreich, um diese Flexibilität zu trainieren.

Zusammenfassend, nach euren Daten, worauf sollten sich Frauen beim Training am meisten konzentrieren und wo liegen hier die Männer im Vergleich?

Die logische Antwort ist natürlich die Schnellkraft (Finger, Arme, Rücken und Schultern). Im Vergleich dazu sollten Männer mehr Flexibilität machen.

Was sind die nächsten Themen, die ihr tiefer recherchieren möchtet?

Tracking und Überwachung von Athleten. Die besten Methoden und welchen Einfluss dies auf die Leistung und die Langzeitentwicklung des Athleten haben Frauenspezifische Trainingsmethoden und wie diese mit und um den weiblichen Zyklus geplant werden können.

Vielen Dank für das Interview!
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Weiterführende Quellen für die, die es interessiert:

  • Lattice Training
  • Caroline Criado Perez: Unsichtbare Frauen: Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert, 2019
  • Stacey Sims: Peak – Performance für Frauen: Wie Sie Ernährung und Fitness perfekt auf den weiblichen Organismus abstimmen, 2018
  • David Giles: Anthropometry and performance characteristics of recreational advanced to elite female rock climbers, 2020

Tagebuch DIMB Ausbildung MTB Guide… der letzte Lehrgang und dann Prüfung!

22. Januar 2021
Die Bergfreunde

Was sollte ein Mountainbike-Guide auf jeden Fall können? Genau, er sollte sich da wo er unterwegs ist doch einigermaßen auskennen und wissen wo er sich aufhält. Gerade dann, wenn es mal nicht läuft wie es sollte, und man Rettungskräfte an Ort und Stelle bringen muss.

Daher ist das ein ganz zentrales Thema des Aufbaulehrgangs vor der Guide-Prüfung. Darüber hinaus geht es aber auch um Themen wie Wetterkunde, Tourendurchführung, Konflikte und gruppendynamische Prozesse, Haftung und noch einiges mehr…bevor es dann gilt das gesammelte Wissen an einem Wochenende in Theorie und Praxis bei der Prüfung auf den Punkt zu bringen.

Aufbaumodul Guiding – 5 Tage intensives Beschäftigen mit geführten Touren auf dem MTB

Erneut geht es, dieses Mal für volle fünf Tage ins wunderschöne Fichtelgebirge und an den Ochsenkopf, um mich ganz intensiv mit dem Thema MTB Guiding zu beschäftigen. Mit mir sind noch 5 weitere Teilnehmer plus unser Ausbilder Michi Hacker von der DIMB dabei.
Eine kleine, aber ganz feine Truppe!

Tag 1 startet mit sehr intensiver Arbeit an Karte und GPS. Was sind die wichtigsten Bestandteile einer Papierkarte und welche Maßstäbe sind denn überhaupt sinnvoll?
Selbiges gilt für unsere elektronischen Portale und Helferlein. Was kann ich wie am besten für mich nutzen?

So kommen wir relativ schnell zu der Erkenntnis, dass die große Herausforderung nicht das Finden der richtigen Informationen, sondern vielmehr das Filtern von Informationen aus der Fülle an uns zugänglichen Quellen ist.

Am Mittag versuchen wir eine von uns geplante Tour ins Gelände zu übertragen… mit Erfolg.  Denn wir finden den Weg am späten Nachmittag erfolgreich zurück ans Bullhead-House, unserem Seminar-Zentrum.

Von der Thematik der Tourendurchführung über die einfache Wetterkunde stoßen wir an Tag zwei und drei dann an die Themen „Sozialverträglichkeit“ und „Konfliktmanagement“.
Wo darf ich  in Deutschland eigentlich legal als Mountainbiker auf Pfaden und Wegen unterwegs sein. Geht das überhaupt?

Wie schaut es hier in den einzelnen Ländern aus und welche Unterschiede gibt es? Was wenn ein anderer Naturnutzer, den wir unterwegs treffen so gar nicht mag was wir da gerade machen und wie kann ich einen eventuellen Konflikt lösen?

Sehr spannende Themen, die mich – da es ja in Baden Württemberg mit der 2-Meter Regel im Landeswaldgesetz eine bundesweite einmalige Sonderstellung hat – besonders interessieren.
Ehrlich gesagt ist das einer der Hauptgründe die Ausbildung zu machen und das Gelernte dann auch an andere Biker weiter zu vermitteln. Nur gemeinsam und mit gegenseitigem Respekt füreinander können wir zukünftig alle gemeinsam den uns zur Verfügung stehenden Naturraum für unsere individuelle Erholung nutzen. Denn eines muss man mal festhalten, ein Weg, egal ob für Wanderer oder Biker, ist immer ein Eingriff in die Natur. Denn bei den Dinosauriern gab es die Wanderwege der diversen Vereine sicher noch nich.

Ja, was mache ich aber jetzt als Guide mit einem „Unverbesserlichen“? Ob in der Gruppe oder als Begegnung auf dem Trail. Nun, es gilt die im Konflikt vordergründige Emotionsebene zu durchbrechen, um dann wieder vernünftig auf Sachebene kommunizieren zu können. Im Zweifel kann das auch mal bedeuten mit ungewöhnlichen Methoden zu agieren. Beispielsweise den Gegenüber auf dem Höhepunkt des Streits zu fragen, „Was ist denn Dein Lieblings-Eis? Meines ist ja Himbeer!“. 

Rasend schnell gehen die 5 Tage Lehrgang vorbei, auch weil wir jeden Tag das Gelernte auf den Trails rund um den Ochsenkopf anwenden und sehr viel unterwegs sind. Klar gibt es auch sehr „trockene“ Themenbereiche. Haftungsrechtliche Fragen und Verkehrssicherungspflichten, aber das gehört halt leider auch dazu und ist heutzutage wirklich sehr wichtig.

Wirklich Klasse und super spaßig ist aber der letzte Tag an dem wir spezielle Guiding.Techniken anwenden dürfen, bspw. im Doppel-Guiding mit einer größeren Gruppe.
Hier hatte ich mit meinem Partner Manni aus Aachen und der gesamten Gruppe enorm viel Spaß.
Damit war die Woche aber vorbei und auf der Fahrt nach Hause hat mir doch der Kopf ganz schön geschwirrt. Nachdem wir im Anschluss das Script geschickt bekommen haben, fing eigentlich auch direkt die Lernerei für die Prüfung los.

Grand Finale – 2 Tage Prüfung in Theorie und Praxis

Ein letztes Mal heißt es für mich: Sachen packen und ab Richtung Ochsenkopf. Die Prüfung steht an und man trifft viele, mittlerweile lieb gewonnene Gesichter. Allerdings hab ich schon geschwitzt, ob es überhaupt klappen würde an diesem Wochenende die Prüfung abzulegen, denn Corona mit Beherbergungsverbot in Bayern hatte alles sehr unsicher ausschauen lassen. Schlussendlich hatte aber Politik und Gesetzgebung ein Einsehen. Es steht alles auf „Go“!

Ungewohnte Anspannung macht sich unter den Teilnehmern breit und am Samstag wurde in zwei getrennten Gruppen die Theorie Prüfung abgelegt. Sage und schreibe 16 Seiten galt es handschriftlich mit dem eigenen Wissen zu füllen…nix Multiple Choice!

Am späten Nachmittag treffen wir uns alle nochmal gemeinsam zur Teilabschnitts-Verlosung der Praxisprüfung am nächsten Tag. Jeder Teilnehmer guidet einen Abschnitt der Prüfungstour und irgendein Szenario wird in diesem dann passieren.

Das kann ein Notfall sein, ein technischer Defekt, ein fahrtechnisch unsicherer Teilnehmer, eine Wegsperrung welche eine Umfahrung erfordert oder ein „schwieriger Teilnehmer“. Man weiß vorher aber nicht was kommt. Gott sei Dank haben wir nach der Verlosung bereits gesagt bekommen, dass alle die theoretische Prüfung bestanden haben….yeehaawww!

Prüfungstag 2 – die Praxis

Ich hab den letzten Abschnitt des Tages gezogen. Das bedeutet ich fahre erstmal relativ entspannt die ersten Meter mit den Anderen mit. Doch so nach und nach und mit jedem absolvierten Szenario wird die Anspannung  in mir größer. Ständig überlege ich was wohl bei mir kommen wird. Dann ist es so weit, Laienschauspieler und Tour Teilnehmer Michi Hacker fragt mich als Guide um Rat.

Er fühlt sich beim Bremsen sehr unsicher und da der letzte Abschnitt durch den Bikepark des Ochsenkopfs geht, fragt er nach ein paar Tipps und praktischen Übungen zu dem Thema. Für mich als angehender Guide und Fahrtechniktrainer natürlich kein Problem! Ich zeige Übungen zum dosierten Bremsen und fahre den Teilnehmern vor. Diese üben in einem kleinen Umlauf, bevor es dann in den Bikepark geht und an dessen Ende die Tour endet und die Teilnehmer verabschiedet werden.

Nach gefühlt ewig andauernden Minuten, werden uns im Einzel-Feedback die Ergebnisse mitgeteilt.

Alle haben bestanden! 

Ich bin happy, erleichtert und einfach froh. Gleichzeitig aber auch irgendwie traurig, weil diese sehr intensive, spannende und interessante Zeit nun vorbei ist.

An dieser Stelle nochmal Danke an alle Teilnehmer, Ausbilder und Biker da draußen.
Falls jemand Fragen oder Interesse an der DIMB Ausbildung bekommen hat, kann er sich gerne bei mir melden. Sehr gerne werde ich meine Erfahrungen dazu weiter geben.
Ansonsten sehen wir uns vielleicht im nächsten Jahr auf einem Lehrgang der DIMB zum Fahrtechniktrainer.

Euer Sebbo

Zurück in die Berge…

15. Januar 2021
Die Bergfreunde

Zum Anfang des Jahres 2021 ein paar Worte zu Ereignissen, die nun schon länger zurückliegen, für mich aber immer noch täglich präsent sind.

Es sollte klar sein, dass die Art und Weise, wie Bergsport üblicherweise dargestellt wird, etwas unausgewogen ist.  Es dominieren die Erfolgsgeschichten, denn die erzählt man einfach lieber. Und wenn etwas schief geht, dann lässt sich meist doch noch irgendeine Form von Happy End finden (was natürlich gut ist!).

Zur Realität gehört aber auch, dass nicht alles in dieses Schema passt. Ich denke, wir sollten uns dazu bekennen, diesen Teil nicht zu unterschlagen.

Blick zurück

Ruth Gorge im Denali Nationalpark, April 2019. Über unser Satelliten-Kommunikationssystem haben wir die traurige Nachricht erhalten, dass David Lama, Hansjörg Auer und Jess Roskelley nach einem Lawinenabgang in den kanadischen Rocky Mountains vermisst werden. Die Gedanken drehen sich mehr und mehr um das Thema Lawinen. Mein Interesse, hier in einer Lawine zu verunglücken, ist nicht allzu groß, aber – eh klar – die Berge interessiert das keine Spur.

Eine Woche später, am Westgrat des Mount Dan Beard. Risse in der Schneedecke, ich begreife sofort was geschieht. Es zieht mir die Füße weg, es dreht mich. Zwischen den Schneeblöcken schieße ich auf die 500 m hohe Wand zu, die unter mir liegt. Das Unterbewusstsein gibt mir zu verstehen, dass ich sterben werde. Über mir sehe ich Martin im freien Flug, von mir mitgerissen – bis ich realisiere, dass das aufgrund meiner Seilführung nicht passiert sein kann.

Die ersten Felsen, scharfe Kanten. Ein einzelnes 8-mm-Seil hat einer Granitkante wenig entgegenzusetzen. In meinem Kopf entstehen Bilder des kommenden Seilrisses. Plötzlich, mit einem harten Schlag, der glücklicherweise nur den Mantel des Seils zerfetzt, wird mein Flug gestoppt.

Ich checke, ob ich mich bewegen kann, greife meine Eisgeräte, klettere zitternd zurück zum Grat, um die Zeit zu nützen, bevor die Schmerzen kommen.

Zurück zu meinen Freunden Hans und Martin, Daunenjacke an, weiterer Abstieg, abseilen, abklettern, Schmerzmittel. Auflösen des vorgeschobenen Lagers, Skiabfahrt, völlig überladen. Tage später erst der Mut, daheim Bescheid zu geben, dass etwas gründlich schief ging.

Die Kehrseite der Medaille

Schon länger hatte ich das Gefühl, dass ein großer Sturz auf mich zukommen würde. Irgendwann, irgendwo beim Klettern in den winterlichen Bergen. Nun war es geschehen, doch die wahre Fallhöhe sollte sich erst später zeigen.

Klettern und Bergsteigen wurde zu meinem Leben – zu einem Leben, das mich immer wieder mit gefährlichen wie auch mit potentiell traumatischen Ereignissen konfrontiert. Über die Jahre hat sich viel angesammelt: Überlastungsschäden und körperliche Verletzungen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite: Verletzungen der Seele, die noch schwerer wiegen, da sie weniger offensichtlich sind, und weniger heldenhaft.

Ich habe immer wieder angesetzt zu schreiben und immer wieder aufgegeben. Warum? Weil diese Geschichte nicht zu unserer Branche und nicht in unsere Zeit passt, in der die Selbstdarstellung und Inszenierung alles dominiert. Und weil ich nicht klingen will wie ein Fußballmillionär, der nach Karriereende die Härte seines früheren Berufs moniert.

Also hart bleiben, weitermachen, weiterkämpfen. Hoffen, dass man verstanden wird.

Ein Auf und Ab

Frühjahr 2020. Ein Jahr ist vergangen seit meinem Unfall in Alaska, der mich unter anderem das hintere Kreuzband im rechten Knie gekostet hat (gerade, als das linke Knie nach einer dreijährigen Verletzungsmisere wieder weitestgehend schmerzfrei war). Doch irgendwie ging es weiter, wie immer bisher. Zurück in die Berge. Zurück an gefrorene Wasserfälle, zurück in verschneite Wände. Hart sein. Nicht aufgeben. Weiter trainieren. Ein kleiner Crash beim Training, angebrochene Rippen. Zähne zusammenbeißen, weiter geht’s.

Juni 2020. Ein Stück Leichtigkeit ist zurück und die Freude über wiedergewonnene Möglichkeiten. Es geht noch nicht alles, aber ich bin bereit für den kommenden Sommer.

Dann verunglückt mit Ralf Gantzhorn ein Freund, fünf Tage später mit Andreas Lindner einer meiner Jungs des DAV Expeditionskaders. Leere, Schmerz, Orientierungslosigkeit. Und wieder zurück in die Berge, in kleinen, unsicheren Schritten.

Eine Spur von Hoffnung. Und Dankbarkeit, für die vielen zweiten Chancen, die anderen verwehrt blieben.

Rezept: Nussecken à la Bergfreunde

8. Dezember 2020
Die Bergfreunde

Nussecken!!! Wer liebt sie nicht? Also ich kenne zumindest keinen Bergfreund, der hier ‚Nein‘ sagen würde. Gut, vielleicht sind wir auch nur von den fantastischen Nussecken von Kollege Robert verwöhnt – kann sein! Sind aber auch verdammt gut, die Dinger. Und damit du auch in den Genuss jener wunderbaren Leckerei kommen kannst, haben wir unserem Gearhead/Bergführer/Bäcker mal eben das Rezept aus den Rippen geleiert!

Zutaten für die Bergfreunde Nussecken:

Für den Teig

  • 300 g Dinkelmehl 1050
  • 200 g Butter
  • 100 g Zucker
  • 1 Ei
  • Vanillearoma
  • Prise Salz

Für den Belag

  • 400 g Haselnüsse (gemahlen)
  • 100 g Mandeln (gemahlen)
  • 300 g Zucker
  • 100 g Wasser
  • 2 Eier
  • 1 TL Zimt,
  • 100g Marzipanrohmasse
  • 100 g Honig

Zum Eintauchen 400 gr. Zartbitter-Kuvertüre.

Zum Bestreichen des Bodens: Aprikosenmarmelade.

Die Zubereitung

Schritt 1: Mürbteig herstellen 

Wichtig bei der Herstellung der Nussecken ist, den Boden vorzubacken und dann auskühlen zu lassen. Danach wird er mit Aprikosenmarmelade bestreichen.

Für den Mürbteig die kalte Butter in grobe Stücke zerteilen und zum Zucker geben. Beides gut verkneten und danach das Ei hinzufügen. Nun noch Mehl, Salz und Vanillearoma zur Masse geben und alles so lange bearbeiten, bis ein glatter Teig entsteht. Diesen formen wir zu einer Kugel und legen diese mindestens eine Stunde in den Kühlschrank. Vor dem Weiterverarbeiten nochmal kurz kneten, damit der Teig wieder geschmeidig wird. Auf einem Backblech auslegen und bei ca. 180 Grad für 10 Minuten backen. Auskühlen lassen und mit Aprikosenmarmelade bestreichen.

Schritt 2: Nussmasse herstellen

Die Marzipanrohmasse mit Wasser weichkneten und mit den Nüssen, dem Zucker, Wasser, den Eiern und Zimt zu einer zähflüssigen Masse verrühren. Zirka eine Stunde lang stehen lassen.

Schritt 3: Die Nussmasse verteilen.

Nun wird die Nussmasse gleichmäßig auf dem Mürbteig verteilt und mit einer Winkelpalette glattgestrichen. Wer sowas nicht hat, kann natürlich auch ein Messer nehmen. Bei 180 Grad im Ofen auf der zweituntersten Schiebeleiste nochmal 50 min backen. Auskühlen lassen und die Nussecken zurechtschneiden.

Letzter Schritt: Kuvertüre!

Die Kuvertüre im Wasserbad auflösen und Nussecken eintauchen. Wie viel Kuvertüre, das ist euch überlassen! ;)  Danach auf Backpapier auslegen, bis die Kuvertüre ausgehärtet ist. Nussecken können gekühlt mehrere Wochen aufbewahrt werden.

Viel Spaß beim Nachbacken und guten Hunger!

Rezept: Apfelbrot mit Apfel-Ingwer Marmelade

2. Dezember 2020
Die Bergfreunde

Sich auch mal was Gönnen. Das muss sein – von Zeit zu Zeit. Und wie könnte man das besser, als mit einem leckeren Backwerk aus dem heimischen Ofen. Das himmlisch weihnachtliche Apfelbrot von Bergfreundin Lisa ist da genau das Richtige. Dazu gibts Apfel-Ingwer-Marmelade. Auch selbstgemacht, natürlich. Und das beste ist: Das schmeckt nicht nur daheim vorm Kamin, sondern auch auf Tour, denn man kann es prima im Rucksack transportieren.

So wirds gemacht:

Zutaten für 1 Brot:

  • 750g Äpfel (z.B. Boskop)
  • 120g Zucker
  • 2TL Zitronensaft
  • 3EL brauner Zucker
  • 140g Rosinen
  • 100g ganze Nüsse (Walnüsse, Haselnüsse)
  • 2TL Zimtpulver
  • 400g Mehl
  • 1 Päckchen Backpulver
  • Zubereitungszeit: ca. 25 min
  • Backzeit: ca. 70 min.
  • Ruhezeit: ca. 4 Stunden
  • Utensilien: Kastenform (Länge 26cm)

Zutaten Apfel-Ingwer Marmelade

  • 1kg Äpfel
  • 1 Stück Ingwer (ca.5cm lang und Daumendick)
  • 500g Gelierzucker (2:1)
  • Zubereitungszeit: ca. 35 min.
  • Ruhezeit: über Nacht
  • Utensilien: 4-6 Einmachgläser, je nach Größe

Zubereitung Apfelbrot

Wir raspeln die Äpfel in eine große Schüssel und geben Zucker und Zitronensaft hinzu. Das Ganze vermengen wir gut und lassen es ca. 4 Stunden ruhen. Das Anstrengendste ist geschafft und wir haben uns eine kurze Auszeit verdient. Also am besten gleich ab ins Grüne! Wieder zurück, geben wir zur Apfelmischung den braunen Zucker, die Rosinen, die Nüsse und den Zimt hinzu und verrühren alle Zutaten. In einer separaten Schüssel mischen wir Mehl und Backpulver und sieben das Gemisch über die Apfelmasse. Anschließend alles zu einem geschmeidigen Teig verrühren. Zu guter Letzt heizen wir den Backofen auf 175°C vor, fetten die Kastenform ein und füllen den Teig hinein. Das Brot backen wir auf mittlerer Schiene ca. 70 min. FERTIG :)

Zubereitung Apfel-Ingwer Marmelade

Wir schälen und raspeln die Äpfel. Das Stück Ingwer schälen wir ebenfalls und schneiden es in kleine Würfel. Anschließend geben wir alles mit dem Gelierzucker in einen Topf und lassen die Apfel-Ingwer Masse über Nacht ziehen. Am nächsten Tag bereiten wir die Marmelade gemäß der Anleitung auf der Gelierzuckerpackung zu. Jetzt nur noch die Masse gleichmäßig in die Einmachgläser füllen. Geschafft!

Eine genussvolle Vesperzeit auf eurer nächsten Tour wünschen die Bergfreunde!

Die Bergfreunde Klimabilanz 2019

27. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Alles beginnt mit dem ersten Schritt. Und den sind wir Ende letzten Jahres gegangen, indem wir die Bergfreunde klimaneutralisiert haben. Wir haben versprochen, nicht stehen zu bleiben und den Weg weiter zu gehen, den wir eingeschlagen haben. Und Versprechen soll man halten!

Also haben wir in den letzten Monaten mal eben unsere Nachhaltigkeits-Taskforce an den Start gebracht, haben uns der Dopper Wave angeschlossen und Ansätze gefunden, wie wir Einwegplastik in der Retoure reduzieren können. Jetzt kommt das neueste Puzzle-Stück dazu, das eine wichtige Basis für unsere weiteren Bemühungen bildet: Unsere Bergfreunde-Klimabilanz für das Jahr 2019.

Unterm Strich

2.327,5 Tonnen CO2. Wir wollen hier gar nicht lange um den heißen Brei herum reden. Denn auch das gehört für uns dazu, Offenheit und Transparenz. 2.327,5 Tonnen CO2 haben die Bergfreunde 2019 in die Luft geblasen. Das entspricht in etwa der Menge, die bei einer 7.228.362 km langen PKW-Fahrt oder von 277 EU-Bürgern emittiert wird. Auf der anderen Seite bräuchte es etwas mehr als 180.000 Buchen, um die Menge wieder zu binden.

Ok, gut. Jetzt wissen wir also Bescheid. Doch was fangen wir jetzt mit diesen Zahlen an?

Eine Grundlage schaffen

Eines unserer großen Ziele für die nächste Jahre ist es, unsere CO2-Emissionen zu senken. Natürlich geht das aber nur dann vernünftig, wenn wir wissen, wie hoch unsere Emissionen eigentlich sind und wo genau sie verursacht werden. Der logische Schritt war also, alles möglichst genau aufzusummieren, wobei uns hier – wie in allen Fragen rund um das Thema CO2 – die Profis von ClimatePartner zur Seite standen. Es galt jetzt, alle Karten auf den Tisch zu legen, also sammelten wir fleißig alle möglichen Daten ein und fragten alle Bergfreunde-Mitarbeiter ausführlich, wie denn z.B. ihr Weg zur Arbeit so aussieht…

Wenige Überraschungen

Nun beschäftigen wir uns nicht erst seit gestern mit unseren Auswirkungen auf die Umwelt und so war uns eigentlich im Vorfeld schon klar, wo die größten Brocken liegen. An erster Stelle steht die Ausgangslogistik, d.h. der Versand selbst, gefolgt von der Verpackung mit und auf dem dritten Platz steht schon die Anfahrt der Mitarbeiter. Die genauen Verteilung seht ihr weiter unten.

Was machen wir mit den Zahlen?

Wir nehmen sie als Ausgangspunkt und setzen uns klare Ziele. Konkret: Wir wollen bis Ende 2022 unsere CO2-Emissionen pro versendetem Paket um satte 30% reduzieren. Natürlich wollen wir die darüber hinaus anfallenden Emissionen weiterhin kompensieren und sind gerade dabei, die Projekte zu definieren, in die unser Kompensationsbeitrag fließen wird.

Besonderen Wert legen wir dabei auf Projekte, die nicht nur die Klimabilanz glätten, sondern gleichzeitig auch einen Entwicklungshilfeaspekt beinhalten. Selbstverständlich werden wir euch an dieser Stelle auch weiterhin über unsere Bemühungen informieren und stehen euch für alle Fragen Rede und Antwort.

Die komplette Klimabilanz könnt ihr unter diesem Link einsehen.

Back‘ dir einen Bergfreunde-Apfelstrudel

22. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Man kann Glück nicht kaufen, aber man kann es backen! :) Und zwar in Form eines leckeren Bergfreunde-Apfelstrudels. Der hat uns schon den einen oder anderen Arbeitstag mächtig versüßt und weil wir euch dieses leckere Backwerk nicht vorenthalten wollen, habe ich Kollege Robert aus unserem Bergfreunde-Gearhead-Team das Rezept entlockt. Viel Spaß beim Nachbacken!

Zutaten für einen Strudel

Teig

  • 300 Gramm Mehl
  • 160 ml Wasser
  • 2 EL Öl

Füllung

  • 2 kg Äpfel (Kochäpfel, z.B. Braeburn und Granny Smith)
  • 100 g Nüsse (Mandel oder Haselnüsse, gehobelt)
  • Zimt und Zucker nach belieben

Sonstiges

  • Butter zum Bestreichen
  • Optional: 1 Ei

Und so geht unser Apfelstrudel

Als erstes bereiten wir den Teig zu. Mehl, Öl und Wasser in eine Schüssel geben und so lange kneten, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Dieser sollte etwas fester und nicht zu weich sein. Danach ist 30 Minuten Teigruhe angesagt.

In der Zwischenzeit kümmern wir uns um die Füllung. Die Äpfel werden gehobelt und anschließend mit den Nüssen, Zimt und Zucker vermischt. Bei sauren Äpfeln kann gerne etwas mehr Zucker hinzugegeben werden und wer möchte, rundet das Ganze mit einem kleinen Schuß Schnapps ab. Beiseite stellen und ziehen lassen.

Jetzt ist der Teig wieder dran: Zuerst legen wir Backpapier aus, das erleichtert das Rollen. Darauf geben wir den Teigklumpen, den wir nun ganz vorsichtig ausrollen. Er sollte hauchdünn sein. Nutzt besser das Nudelholz, mit den Händen ist die Gefahr von Löchern größer. Bestreicht den Teig zum Schluss noch mit flüssiger Butter.

Nun belegen wir den Teig mit der Füllung. Diese wird gleichmäßig auf der Teigfläche verteilt. Sollte die Masse viel Flüssigkeit lassen, gebt nach dem Ausbreiten eine kleine Hand voll Semmelbrösel draüber.

Lasst ein paar Zentimeter Platz zum Rand, damit ihr den Strudel gut einrollen könnt. Klappt nun die Ränder ein, so dass sie die Füllung etwas überdecken und rollt das Kunstwerk mit Hilfe des Backpapiers zu einem Strudel.

Auf einem Backblech kommt das gute Stück jetzt bei 200 Grad Ober/Unterhitze für ca. 45 min in den Ofen. Nach 30 Minuten könnt ihr den Apfelstrudel noch mit Ei bestreichen, das gibt eine schöne braune Farbe.

Für das i-Tüpfelchen – oder besser: Das Bergfreunde-Tüpfelchen – schnappt ihr euch einen Karton und schneidet ihn in der Form unseres Logos aus. Das legt ihr auf den Strudel und bestreut die Oberfläche dann mit Puderzucker. Voila: Der Bergfreunde-Apfelstrudel ist fertig.

Dazu passt ein Kleks Sahne, eine Kugel Vanilleeis oder Vanille-Soße! :) Wir wünschen guten Apetitt!

Gib dem Ellenbogen deine Aufmerksamkeit!

9. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Sofort merken wir sportlichen Menschen, wenn unser Ellenbogengelenk beschädigt ist und nicht mehr reibungslos funktioniert.

Unsere Ellenbogen brauchen wir. Und ohne Ellenbogen die Wände hochklettern, das ist fast unmöglich. Wie ihr eure Armmuskulatur und den Ellenbogen schützen könnt und ob gezieltes Trainieren Sinn macht, erklären wir euch hier.

Über die Anforderungen an den Ellenbogen im Klettersport habe ich mit Dr. med. Andreas Thannheimer, Chefarzt am Klinikum Garmisch-Partenkirchen gesprochen. 

Das Ellenbogengelenk ist sehr gut geführt und auch die starken Muskeln haben beste Voraussetzungen, da sie nicht über das Gelenk verlaufen.

Das Ellenbogengelenk besteht aus drei Gelenken, die zusammen von einer Gelenkkapsel überdeckt werden. Die feste Gelenkkapsel wird unterstützt von fächerförmigen Seitenbändern, Innenbändern, sowie den kräftigen Sehnen der Bizeps-, und Trizepsmuskeln.

Beim Beugen und Strecken unseres Arms sorgen die Muskeln und weitere kleinere Muskeln auch nochmals dafür, dass das Gelenk eingespannt wird und stabil ist. Ein Meisterwerk! 

Bei Menschen, die viel trainieren und lange Klettersport betreiben, können Überlastungsschäden auftreten.

Bemerkbar werden die Überlastungen durch anhaltende Schmerzen am oder im Gelenk. Oft sind es Reizungen oder Entzündungen an den Sehnenansätzen, die erst einmal durch geringere Belastungen und Pausieren des Sports gemildert werden können. Diese sogenannten Ansatztendinosen halten in fortgeschrittenen Stadien lange an und müssen langwierig therapiert werden. 

„Der Tennis- und Golfer-Ellenbogen kann auch bei Kletterern auftreten. Da gibt es ungefähr tausend Methoden in der Behandlung. Bei diesen Überlastungsschäden hilft jedem Mensch etwas anderes. Die Heilung kann langwierig sein und chronische Schmerzen können bleiben. Mikroverletzungen an den Sehnen oder überlastungsbedingte Instabilitäten lassen sich erfolgreich operativ behandeln.“ 

Um den Ellenbogen wirklich schwer zu verletzen, muss im Gegensatz zum Schulterbereich viel direkte Kraft einwirken. 

Stürze gegen die Wand oder mit Bodenkontakt können ein Auslöser sein. Besonders gefährdet ist das Gelenk, wenn ein Auf- oder Anprall in der Beugestellung passiert 

„Bei einem Sturz mit Boden- oder Wandkontakt kommt die Stützfunktion mit der einhergehenden Stauchung über die Hand und den Unterarm in Frage. Es wird ja immer versucht sich doch noch abzufangen. Wenn der Ellenbogen in der Beugestellung ist, kann es zum Auskugeln des Gelenks kommen. Ein direkter Anprall führt oft zu Weichteilverletzungen oder Brüchen der Elle.“ 

Nach einem Sturz oder Anprall ist es wichtig zu klären, ob die Funktionalität noch erhalten ist und zu beobachten wie sich die Schwellungen und Schmerzen entwickeln. Wenn ihr das Gelenk nicht mehr strecken oder beugen könnt, ist es ratsam, direkt in die Klinik zu gehen oder eine entsprechende Praxis aufzusuchen.

Ein wenig ungünstig liegt im Falle von größeren Schwellungen und Hämatomen der Ellennerv (Nervus ulnaris).

Da solltet ihr kontrollieren, ob die Sensibilität im kleinen Finger sowie in der Hand gestört ist. Es kann sein, dass die Hämatome beim stärkeren Abdrücken des Nervs operativ entfernt werden müssen. Ansonsten gilt auch beim Ellenbogen: Hochlagern, kühlen und pausieren. Aber nicht ruhigstellen! Wenn die Schmerzen und Einschränkungen so stark sind, dass ihr das Gefühl habt, dass Gelenk ruhigstellen zu müssen, solltet ihr in eine Praxis oder Klinik gehen.

„Eine längerfristige Ruhigstellung des Ellenbogengelenkes sollte möglichst vermieden werden, da durch eine Ruhigstellung dauerhafte Bewegungseinschränkungen begünstigt werden können.“ 

Bei Luxationen, Verschiebungen oder Brüchen wird fast immer operiert.

Die Operationen sind meist etwas aufwendiger und komplexer, da das Ellenbogengelenk wieder so hergestellt werden muss, dass es hundertprozentig passt. Erfahrene Unfallchirurginnen und Sportmediziner sind dann eure Adresse! Einfache Luxationen, die reponiert und in der Führung bleiben, müssen nicht operiert werden.

„Für das Ellenbogengelenk ist eine hundert prozentige Kongruenz wichtig. Operativ muss versucht werden die Funktionalität bzw. Beweglichkeit bis auf wenige Millimeter wieder richtig und passend herzustellen. Bei wenigen Millimetern Fehlstellung reagiert das Gelenk sehr empfindlich und es kann schnell zu Arthrose kommen. Es gibt auch Sehnenrupturen der Bizeps- oder Trizepssehnen. Bei höherer Gewalteinwirkung kann die Bizepssehne abreißen. Bei einem direkten Anprall am Ellenhaken kann hier die Trizepssehne knöchern ausreißen. Bizeps- oder Trizepssehnenabrisse werden in aller Regel wieder operativ refixiert.“ 

Wichtig ist bei Wiederaufnahme des Trainings langsam anzufangen und auf die Schmerzen zu achten. 

Für mehr Mobilisation helfen euch diese Übungen, die ihr selbst machen könnt. 

Der Klassiker: 

Den Arm vor dem Körper gerade ausstrecken. Die Hand nach unten beugen und mit der anderen Hand Druck auf die gebeugte Hand ausüben bis ihr eine Dehnung verspürt. Der Arm ist im ersten Bild gerade vom Körper gestreckt. Im zweiten Bild ist die Handinnenfläche nach oben gedreht und zeigt zur Decke. Durch diese Variationen der Übung dehnt ihr alle Strukturen.

Den Ellenbogen unterstützen, könnt ihr mit Hilfe von kleinen Zwei-Kilo-Hanteln und einem Tisch. Euren Arm platziert ihr so auf dem Tisch, dass der Ellenbogen auf der Platte liegt und das Handgelenk an der Tischkante frei ist und überhängt. Mit der Hantel in der Hand geht ihr in die Extension und Flexion des Handgelenks. Die Übung macht ihr einmal mit der euch zugewandten Handinnenfläche und mit der euch zugewandten Handaußenfläche. 

Und hier eine Allround-Übung für Alle! Besonders gut für den Schulterbereich und Ellenbogen, ist das Aushängen. Dazu müsst ihr nicht euren ganzen Körper halten! Es reicht das Lehnen in die Streckung. Bei den Übungen unterstützen euch natürlich auch Physiopraxen, wie die Praxis von Tayfun Babayigit, die ihr auf den Bildern sehen könnt.

Azubi a.D.: IT-Bergfreund Jonas im Interview

5. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Etwas mehr als drei Jahre ist es jetzt her, dass unser Bergfreunde-IT-Azubi Jonas seinen ersten Arbeitstag bei uns antreten durfte. Für ihn sicher so aufregend wie für uns, denn er ist seit einer langen Zeit der erste Azubi, der die Bergfreunde-Bühne betritt.

Und letztens war es dann soweit: Jonas hat seine Abschlussprüfung in der Tasche und ist seitdem Vollzeit-Bergfreund! Wir haben das zum Anlass genommen und ihn mal zu einem kleinen Interview gebeten…

Jonas – Hand aufs Herz: Warum die Bergfreunde? Zufall? Fan? Was hat dich zu uns gebracht?

Es war tatsächlich – soweit ich mich erinnern kann – Zufall. Ich war damals noch auf dem technischen Gymnasium und in der 12. Klasse. Als ich immer weniger Lust hatte, mein Abi fertig zu machen, hab ich angefangen, mich über Ausbildungsberufe zu informieren und mir schließlich mal einen Überblick über potenzielle Stellen verschafft. Irgendwann wurde mir die Jobseite der Bergfreunde auf Facebook vorgeschlagen.

Die Bergfreunde kannte ich schon, da hab ich immer mein Kletterzeug bestellt, deshalb habe ich mal geschaut was die so für Jobs haben. Dort habe ich dann die Azubistelle gesehen und mich beworben. Ich dachte mir, wenn ich genommen werde, mach ich statt Abi nur Fachhochschulreife und eine Ausbildung. Falls nicht, mache ich mein Abi fertig und schau dann was passiert. Das war auch die einzige Stelle auf die ich mich beworben habe, die anderen Unternehmen haben mich nicht so Interessiert, als dass ich dafür mein Abi abgebrochen hätte.

Als du dich bei uns beworben hast, gab es eine lustige Geschichte wegen deines Tattoos: Erzähl mal. 

Die Bewerbungsphase war durch und mündlich war schon alles geklärt, soweit ich weiß hab ich nur noch auf den Ausbildungsvertrag gewartet. Zu dem Zeitpunkt war ich drauf und dran, mir ein Tattoo stechen zu lassen und war mir etwas unsicher, wie die Bergfreunde mit so etwas umgehen, daher hab ich damals nachgefragt, ob ein sichtbares Tattoo in Ordnung ist. Unterschrieben hätte ich auf jeden Fall, aber mein Tattoo hätte ich vielleicht an einer anderen Stelle stechen lassen.

Zu meiner Beruhigung war es kein Problem und ich habe sogar einen neuen Tattoovorschlag bekommen: ein schönes Tribal mit der Überschrift “System Administrator”. Spoiler: Ich habe mich für ein anderes Motiv entschieden. ;)

Kannst du dich noch an deine erste Woche erinnern? Wie war dein Eindruck von der Firma und den Kollegen?

Die erste Woche war – wenig verwunderlich – ganz anders als in der Schule und hat mir vor allem deutlich mehr Spaß gemacht. Die Kollegen waren alle super nett und ich wurde erstmal vielen Leuten vorgestellt, wurde herumgeführt, habe anderen über die Schulter geschaut, meinen Arbeitsplatz eingerichtet und das eine oder andere einfache Helpdesk-Ticket erledigt. Viel mehr ist glaube ich in der ersten Woche auch nicht passiert.

Hat sich der Eindruck gegenüber den Kollegen nach der ersten Neujahrsfeier grundlegend geändert?

Die Neujahrsfeier war richtig gut. Ich dachte ja eigentlich, Betriebsfeiern wären eine eher steife Angelegenheit. Ich sollte aber schnell eines besseren belehrt werden. Nach der Neujahrsfeier habe ich mich mit vielen Kollegen, die ich davor nicht so richtig kannte oder mit denen ich nicht viel zu tun hatte, viel mehr unterhalten und ich fand, das hat alles auch etwas gelockert.

Vor allem aber erinnere ich mich an den Kater am nächsten Tag, der war nicht ganz so angenehm.

Wie bist du eigentlich im Berufsfeld IT gelandet?

Ich war schon immer gerne am Computer und hatte da schon das eine oder andere Projekt. In der Schule war Informatik auch nie ein Problem. Meine Alternative wäre übrigens die Schreinerei gewesen, aber in der Informatik sind die Berufsaussichten doch etwas besser.

Neben Klettern und bei den Bergfreunde arbeiten, was machst du sonst so. Erzähl uns alle schmutzigen Geheimnisse! ;)

Ach, lauter nerdigen Kram. Die Klischees muss man ja auch bedienen. Ich spiele gerne Brettspiele, verbringe Zeit an der Playstation, sitze am Computer. Wenn dann der Nerd in mir mal im Keller bleibt und ich nicht beim Klettern bin, mache ich hin und wieder “Gettoworkout” im Rahmen des Unisport-Programms mit oder lass den Hobbyschreiner raus und bastle mir irgendwas aus Holz, meistens Trainingsgeräte fürs Klettern.

Wenn du die Wahl hättest: Welche drei Ausrüstungsgegenstände aus dem Bergfreunde-Shop würdest du dir sofort bestellen?

Neue Kletterschuhe könnte ich mal wieder gebrauchen, aber sonst fällt mir momentan nichts Spezielles ein. Kletterzeug kann man aber immer gebrauchen, einen Satz Cams oder ein paar Offset Nuts wären auch noch nützlich.

So, genug gequasselt: Die letzten Worte gehören dir. Was willst du den Bergfreunden da draußen noch sagen?

Passt auf euch auf und habt Spaß.

Kaufberatung MTB-Reifen

DIMB Ausbildung zum MTB Guide: Fahrsicherheit und Erste Hilfe

30. September 2020
Die Bergfreunde

Lockdown, das Unwort des Jahres?

Vielleicht! Denn auch für die Teilnehmer der MTB Ausbildung beim DIMB und erst recht für die Verantwortlichen der DIMB stellt die gegebene Situation eine enorme Herausforderung dar.
Umso glücklicher war ich als dann die Nachricht von der Geschäftsstelle kam, dass die Ausbildungen wieder aufgenommen werden können. Ein strenges Hygiene- und Sicherheitskonzept macht den Unterricht wieder möglich und natürlich auch die Tatsache, dass wir uns viel an der frischen Luft aufhalten. An dieser Stelle nochmal ein ganz dickes Dankeschön alle Beteiligten bei der DIMB. Ich bin Euch sehr dankbar für die Möglichkeit meine Ausbildung weiter machen zu können.

Basismodul Fahrsicherheit – Tag 1 

So heißt es für mich dann also wieder Sachen packen und Aufbruch in Richtung Fichtelgebirge an den Ochsenkopf zum Basismodul Fahrsicherheit.
Ehrlich gesagt hab ich mir auch hier gedacht: „Naja…ich kann ja Rad fahren, aber ich muss es halt machen und es gehört dazu.“

Ich sollte recht schnell eines Besseren belehrt werden.

Der erste Tag startet mit einer kurzen Vorstellung des Tagesablaufs und einer theoretischen Einführung in den „Roten Faden Fahrsicherheit“. Was bedeutet das?
Er beschreibt die Grundsätze der modernen Fahrtechnik: 

  1. Der Körperschwerpunkt bleibt grundsätzlich zentral
  2. Der Kopf/Oberkörper bleibt ruhig das Bike bewegt sich
  3. Das Bike wird hauptsächlich durch Neigung gesteuert
  4. Vorausschauende Fahrweise (1-3 Sek)
  5. Bewegungen werden aus dem Sprunggelenk initiiert
  6. Bewegungen fließen ineinander Bewegungsfluss entsteht

Im Grundlagenbereich der Fahrsicherheit/-technik geht es also um das Vermitteln und Heranführen an

Dies soll dem Teilnehmer eines Fahrtechnikkurses oder auch auf einer geführten Tour anschaulich näher gebracht werden, um ihm so Sicherheit und folglich hoffentlich mehr Spaß auf den Trails zu ermöglichen.

Die Theorie war schnell abgehakt und es geht hinaus auf den Parkplatz um mit den ersten Übungen zu beginnen.
Ich merke schnell, dass es mir schwer fällt zu unterscheiden, ob es nun um meine eigene Technik geht oder um das übertriebene Demofahren für den virtuellen Kursteilnehmer. Unsere Ausbilder möchten von uns quasi übertriebene Bewegungsabläufe sehen, damit der Schüler überdeutlich den Unterschied zwischen richtig und falsch sehen und nachvollziehen kann. Das ist gar nicht so einfach.

Sehr kurzweilig geht der erste Tag des Lehrgangs zu Ende und es wird bei bestem Wetter im Biergarten des Bullheadhouse am Ochsenkopf gefachsimpelt.

Basismodul Fahrsicherheit – Tag 2 

Zweiter Tag, Frühstück und direkt raus an die Luft.
Nach dem „selbst“ erfahren der Grundsätze am Vortag geht es heute um das Erkennen und eventuelle Korrigieren von Bewegungsmustern bei anderen im Gelände.

Die Herausforderung: wie formulieren ich pädagogisch sinnvolles Feedback, so dass der Teilnehmer es auch verstehen und umsetzen kann. Das ist gar nicht so einfach, wie ihr vielleicht denkt!

Der Tag geht rasend schnell vorbei und gegen 16 Uhr ist leider schon Schluss. Es folgt noch Einzel-Feedback und eine Einschätzung der Ausbilder zum weiteren Weg. Dann treten wir den Heimweg an.

An dieser Stelle ganz besonderen Dank an die beiden DIMB Ausbilder Michi Hacker und Stefan Stark. Ebenso möchte ich mich bei Marcus Euerle bedanken, der mir die Möglichkeit gibt bereits jetzt mein erlerntes Wissen in seiner Fahrtechnikschule TrailSkills anzuwenden.

Jetzt wird’s blutig!

Dreieinhalb Wochen nach dem letzten Lehrgang, stehe ich wieder auf dem Parkplatz des Ochsenkopfs im Fichtelgebirge und freu mich auf das Lehrgangsmodul, das ich wahrscheinlich am allerdringendsten gebrauchen kann. Heute geht es darum, wie wir im Notfall am besten Erste Hilfe leisten können.

Basismodul Outdoor Erste Hilfe – Tag 1 

Außer mir sind noch sechs weitere Teilnehmer zu diesem Lehrgang gemeldet und wir treffen uns, völlig Corona-gerecht, im extra vom Wirt des Bullheadhouse aufgestellten Partyzelt zu den ersten Stunden Theorieunterricht.

Gleich zu Beginn bekommen wir von DIMB Ausbilder Michi Hacker das wichtigste Werkzeug für Notfallsituationen an die Hand: den Erste Hilfe Algorithmus.

Diese Vorgehensweise stellt den zentralen Leitfaden für die Verhaltensweise als Ersthelfender an einer Unfallstelle dar. Anhand des Algorithmus kann man sich immer wieder selbst auf den richtigen Weg bringen bis Rettungskräfte die Unfallstelle erreichen. Im Falle des Falles kann diese Vorgehensweise dem Verunfallten das Leben retten.

Weiter geht es mit diversen Methoden zur Versorgung von Wunden (Druckverband, Armschlaufe) oder was man bspw. machen kann, wenn sich einer das Schlüsselbein gebrochen hat (Rucksackverband).

Ganze üben wir natürlich noch an der frischen Luft, denn es ist in großer Unterschied, ob die Schulung unter Laborbedingungen in einer Turnhalle stattfindet, oder auf unebenem Waldboden auf dem man bspw. direkt selbst spüren kann, wie schnell man eigentlich auskühlt.

Also raus in die Natur. Anhand diverser Fallbeispiele verinnerlichen wir nochmal den Erste-Hilfe-Algorithmus und darüber hinaus lernen wir, was man machen kann um einen verstauchten Knöchel zu kühlen und man gerade kein Eis dabei hat. Ganz simpel eigentlich, man nehme einen Einweghandschuh und fülle ihn mit Wasser aus der Trinkflasche oder mit feuchter Erde. Der Effekt ist wirklich erstaunlich.

So geht auch dieser Tag sehr schnell zu Ende und ich merke wie ich selbst immer souveräner mit den vorgegebenen Situationen umzugehen lerne. Stressig und fordernd bleiben die Rollenspiele trotzdem, aber allmählich weiß man schon dass man sich auf sein Wissen verlassen kann.  

Sehr müde und mit vielen neuen Erfahrungen falle ich an diesem Abend ins Bett.

Basismodul Outdoor Erste Hilfe – Tag 2

Nach einem ausgiebigen Frühstück und der nicht ganz einfachen Klamottenwahl heute (Regen am Morgen), treffen wir uns wieder an unserem „Theoriezelt“. Heute stehen Themen wie Reanimation, Integralhelm abnehmen und speziellere internistische Fälle (Herzinfarkt, Schlaganfall, allergischer Schock, usw.) auf dem Programm.

Ausbilder Michi hat für uns draußen heute einen „1 zu 1 Erste Hilfe Zirkel“ vorbereitet. Das bedeutet, ein Teilnehmer spielt ein Opfer und wird von einem anderen Teilnehmer gefunden. Das Szenario wird abgespult dann aufgelöst und besprochen. Die Stationen waren: ein Herzinfarkt, undefinierte Schmerzen im Unterleib, Überanstrengung/Hungerast, allergischer Schock.
Der Ersthelfer muss herausfinden, was das Opfer hat und mit Hilfe des Algorithmus entscheiden, was zu tun ist.

Zum Ende des Lehrgangs gibt es dann nochmal ein kleines „Highlight“. Erneut gibt es ein etwas größeres Unfallszenario mit einer größeren Bike-Gruppe. Ich darf auch mal Opfer sein und hab mir bei einem Sturz über den Lenker denselben in den Bauch gerammt. Während ich gefunden werde und der Ersthelfer mit meiner Behandlung beginnt, verliere ich das Bewusstsein und bin nicht mehr ansprechbar. Meine Retter stellen sehr schnell fest, dass ich wohl innere Verletzungen habe. Dafür hat mir Michi sogar einen blauen Fleck auf den Bauch „geschminkt“.

Spektakulärer ist der Fall meines Opfer-Kollegen: Er ist auf den Kopf gefallen, hat eine Gehirnerschütterung und sich den linken Arm an einem Ast aufgespießt. Jetzt fließt sogar „richtig“ Blut! 

Es ist zwar alles nur gespielt und beim Blut handelt es sich um Lebensmittelfarbe, aber es verstärkt doch unbewusst den Stressfaktor um ein paar Prozent. Alle zusammen kehren wir gesund und munter zurück zum Parkplatz und sind an diesem froh dass alles „nur“ gespielt war.

In der Abschiedsrunde geben wir uns Feedback und wir bedanken uns nochmal ausgiebig bei Michi Hacker. Es ist schon sehr beeindruckend wie professionell und empathisch er auf alle Fragen und Belange eingeht und er sein Wissen an uns Teilnehmer weiter gibt.

Ist das Thema Erste Hilfe an sich ist ja schon recht komplex, nicht zuletzt oder vielleicht auch vor allem auf der emotionalen Ebene, so haben die Corona-Schutzmaßnahmen die Sache nicht unbedingt einfacher gemacht. Es muss ständig auf den Abstand geachtet werden, da es ohne Körperkontakt aber nicht geht sind Einweghandschuhe und Maske das elementarste Handwerkszeug des Wochenendes.

Vielen Dank an die Verantwortlichen der DIMB, die das Sicherheits- und Hygienekonzept erarbeitet haben, ohne welches die Ausbildung sonst in diesen verrückten Zeiten nicht möglich wäre.

Und an alle Outdoor-Dudes da draußen die, wie ich, das letzte Mal beim Führerschein machen was mit Erste Hilfe zu tun hatten. Dani Hornsteiner, ebenfalls Ausbilderin bei der DIMB, bietet auf ihrer Seite www.danihornsteiner.de spezialisierte Erste Hilfe Kurse auch für Kletterer, Skitourengeher, Biker, usw. an. Jeder Euro lohnt sich und kann im Zweifel Leben retten.

Ich kann eine Woche verschnaufen, dann geht es für mich Anfang September mit dem Aufbaumodul Guiding weiter. Da geht’s dann viel um Psychologie….stay tuned!

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