Alle Artikel zum Thema ‘Die Bergfreunde’

Immer diese Vorurteile. Von wegen kleine Bude mit ein paar Kletterverrückten und Wanderlustigen im Hinterzimmer. Wird Zeit für ein Blick hinter die Kulissen. Klar, eins steht fest: Wir sind echte Bergfexe und in unser Freizeit kraxeln wir auch gerne mal an den senkrechten und überhängenden Wänden herum.

Aber um letztlich alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, erfährst Du hier was wir so treiben und was es neues bei den Bergfreunden gibt. Von Touren, über Mitarbeiter-Aktionen bis hin zu lustigen Geschichten aus den Bergen ist alles dabei.

Erlebt die Bergfreunde in voller Action. Ob beim kraftraubenden, akrobatischen Klettern der ultimativen Route oder der winterlichen Alpenüberquerung.

Trekking im Atlas Gebirge – Auf dem höchsten Berg Nordafrikas

29. November 2018
Bergfreunde Tourenberichte

Nach 3,5 Stunden Flugzeit landen wir am späten Abend in Marrakesch, Marroko. Eine zehntägige Zelt-Trekking-Reise durch die atemberaubenden Berglandschaften Marokkos wartet auf uns. Genauer gesagt zieht es uns speziell in das Atlas Gebirge, das zahlreiche hohe Pässe, Viertausender und auch den höchsten Berg Nordafrikas, den Jebel Tobkal (4167 m) beheimatet.

Unser Trekking-Programm haben wir schon von zu Hause aus ganz nach unseren Wünschen zusammengestellt. Dafür haben wir direkt bei einer einheimischen Agentur über die Vermittlungs-Onlineplattform Evaneos gebucht, die uns am Flughafen abholt und uns ins Hotel bringt. Doch bevor wir ins Hotel ziehen können, müssen wir die Einreise-Passkontrolle meistern, an der wir mehrere Stunden stehen. Im Hotel angekommen fallen wir todmüde ins Bett und freuen uns auf den nächsten Tag, an dem unser Abenteuer so richtig beginnt.

Auf ins Atlas Gebirge

Nach einem entspannten Frühstück am Pool im Hotel packen wir unser Trekking-Equipment zusammen und genießen im Anschluss die sommerlichen Temperaturen am Pool. Noch einmal die Beine hochlegen, bevor uns um 14 Uhr unser Tour-Guide Momo abholen wird. In einem Kleinbus geht es von Marrakesch aus 1,5 Stunden ins Atlas-Gebirge hinein. Letzte Einkäufe werden in den sehr ländlichen Dörfern erledigt, Gasflaschen, Gemüse, Wasser, Klopapier. Eben alles was man für ein Zelttrekking mit 5 Personen und zwei Mulis benötigt.

Ziel und Ausgangspunkt unseres Trekkings ist der einzige Skiort in der Region, Qukaimeden auf 2600 m. Hier treffen wir unsere Begleitmannschaft, die beiden Mulitreiber Mohamed und Darsin mit ihren zwei weißen Mulis. Unser Gepäck und unsere Ausrüstung wie Zelt, Kochgeschirr, Lebensmittel, Gas, Kocher, etc. werden von den beiden Mulis getragen, sodass wir nur mit sehr leichtem Gepäck zu Fuß unterwegs sind.

Nach einem ersten Kennenlernen schlagen wir die beiden Zelte auf und trinken einen Begrüßungstee. Tee (mit viel Zucker) als Nationalgetränk, Tajine zum Mittagessen und Couscous am Abend sind traditionelle Bestandteile des Lebensgefühls und der Kultur Marokkos, wie wir in den nächsten Tagen erleben dürfen. Der Satz „Drink tea, always drink tea“, kommt uns während unserer Reise folglich öfters zu Ohren.

Nach dem Motto „go high and sleep down“ unternehmen wir, das sind Tina und ich, eine kleine Eingehtour.

Was ihr noch wissen solltet, bevor es losgeht: Wir haben uns bewusst für eine Trekking-Tour nur zu zweit entschieden, da wir so alles nach unseren Wünschen gestalten können. Wissenswert ist hierbei zudem, dass dies nicht wesentlich teurer ist, als wenn man mit einer Gruppe reist. Außerdem haben wir uns für das Trekking vorgenommen viele Fotopausen zu machen und das Erlebte zu dokumentieren.

In den Höhen (immer über 2000 m) ist viel trinken, auch für die Akklimatisation, sehr wichtig. 3-4 Liter täglich sind ein absolutes Muss. Nicht immer können wir das mit Mineralwasser abdecken. Die Einheimischen trinken das Wasser direkt aus dem Bach, wir benötigen allerdings einen Wasserfilter um das Wasser vor Ort zu filtern. Dafür haben wir uns einen neuen Wasserfilter (diese gibt es zum Beispiel von Katadyn) zugelegt. Wasserfilter-Tabletten, wie Micropur, gehören damit der Vergangenheit an.

Neben dem Wasserfilter hatten wir uns zuvor auch vorsorglich Trekking-Nahrung und Riegel, insbesondere für die kurzen Pausen, eingepackt. Da unsere Guides immer eine große Tüte mit köstlichen getrocknete Datteln, Feigen, Nüsse und Mandeln dabei hatten, durften die Riegel wieder mit nach Hause reisen. Unsere Begleitmannschaft war TOP organisiert, weshalb wir sie nur bestens weiterempfehlen können. Sie haben sich nicht nur um uns fürsorglich gekümmert, sondern auch ihre Tiere vorbildlich umsorgt.

Tag 1: Sonne, Gewitter, grüne Landschaften

(Hm Aufstieg 850 – Abstieg 1100, Gz 8 h) 

Bereits am frühen Morgen strahlt uns auf wundervolle Weise die Sonne entgegen. Als morgendliches Ritual bauen wir unser Zelt ab, stopfen die Schlafsäcke und legen die Matte zusammen. Wir sind glücklich und genießen mit einem gewissen „Inshallah“ (So Gott will) unser reichhaltiges Frühstück.

Nachdem unser Gepäck auf die Mulis verladen wurde, wandern wir mit leichtem Rucksack und viel Vorfreude zu unserem ersten Pass. Etwas später starten die Mulis, die uns allerdings schon nach kurzer Zeit einholen. Wir sind beeindruckt von der Trittsicherheit, der Kraft und der Geschwindigkeit, mit der die beiden „kleinen“ Mulis auf ihren vier Hufen den Berg gefühlt hochfliegen. In den nächsten Tagen werden wir noch öfters darüber staunen wie geschickt und clever die beiden kleinen Schimmel sind, wie sie die Wege finden und diese gehen.

Tizi bedeutet Pass und mit dem Tizi n’Ouhattar übersteigt der Weg erstmals die 3000-Meter-Marke. Danach geht es wieder bergab, wo das Berberdorf Agounss mit seinen weitläufigen grünen Terrassenfeldern in einsamer Großartigkeit zu Füßen steiler Felsen liegt.

Nach einer Mittagspause machen wir uns gestärkt zu dem letzten Pass, der auf unserer heutigen Agenda steht. Donner und Blitz überrollen uns jedoch kurz vor dem Erreichen des Passes und nachdem auch noch starker Regen mit Hagel einsetzt, sind wir gezwungen schneller abzusteigen. Gott sei Dank müssen wir in dieser Nacht nicht im Zelt schlafen. Wir haben eine bescheidene aber trockene Unterkunft bekommen. Ein reichhaltiges Abendessen und etwas Sonne am Abend runden den Tag ab.

Tag 2: Tal von Tacheddirt

(Hm Aufstieg 900 – Abstieg 1100, Gz 7 h) 

Heute hat sich das Wetter wieder zum Guten gewendet. Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen lassen uns hoffnungsvoll in den Tag starten. Durch ein sehr schönes Tal und steil aufragende Felsen kommen wir direkt zum Pass. Wären wir in den Alpen würde ich sagen, dass heute Föhnsturm ist. Starker Wind zwingt uns sofort zum Abstieg.

Nach einer Pause gelangen wir ins abgelegene Tal nach Tacheddirt auf 2300 m. Da der angestrebte Zeltplatz belegt ist, wird das Zeltlager kurzer Hand in ein einfaches Hotel am Rande des Dorfes verlegt. Das schöne ist, dass wenn man mit einer Begleitmannschaft unterwegs ist, gleich nach der Tour mit Tee und Brotzeit verwöhnt wird. Der Tag endet wie er angefangen hat mit viel Sonnenschein und einem wunderschönen Sonnenuntergang.

Tag 3: Viele Höhenmeter

(Hm Aufstieg 1200 – Abstieg 1100, Gz 8 h) 

Wir sind früh dran und die ersten 2 Stunden gehen wir mit der Stirnlampe. Die Mulis starten erst nach Sonnenaufgang, aber auch heute werden sie uns bis zum Pass wieder eingeholt haben. Die Tour beginnt mit einem langen, steilen Aufstieg. 1200 hm geht es für uns bergauf, für die wir 4,5 Stunden brauchen.

Der Pass Tizzi n’Likmet (3600 m) beschert uns einen wunderschönen Ausblick zurück ins Tal von Tacheddirt sowie auf die umliegende Bergwelt und die vielen Gipfel des Atlasgebirges. Auch unser angestrebtes Ziel, der 4167 m hohe Jebel Toubkal, können wir in der Ferne zum ersten Mal sehen. Nach einer Pause (Datteln, Nüsse und ein Fladenbrot mit Dosenfisch – ich wusste gar nicht, dass das so lecker schmecken kann),  steigen wir ins wunderschöne und einsame Tal ab. Rauschende Bäche, grüne Wiesen und jede Menge Zeit zum Relaxen runden den Tag ab. Spaghetti mit Tomatensoße (ich liebe Nudeln, wer auch?) stehen heute auf dem Speiseplan.

Tag 4: Zum Pass und Abstieg nach Amsourzerte

(Hm Aufstieg 650 – Abstieg 1300, Gz 8 h) 

Heute Morgen sind wir total müde und kommen nur schwer in die Gänge.  Nach einem Kaffee, Fladenbrot mit Butter und Marmelade werden wir allmählich wach. Unzählig viele Mulis (große und kleine Mulis, reitend, gehend, voll beladen und prächtig geschmückt) begegnen uns heute mit ihren Besitzern, da der Pass eine wichtige Versorgungsstrecke für die Einheimischen ist.

Der Anstieg durch das einsame und enge Tal ist wunderschön und es geht immer an einem Bach entlang. Weiter hinauf geht es zum Pass Tizi Tougroudadene (3260 m). Von hier aus steigen wir nach Amsourzerte ab, wo uns ein Hostel mit heißer Dusche erwartet. Zufälligerweise wird bei unserer Ankunft in Amsourzerte gerade eine traditionelle Hochzeit gefeiert, weshalb alles wunderschön und prächtig mit Blumen geschmückt ist.

Auf der sonnigen Terrasse entspannen wir mit Tee und genießen am Abend traditionelles Couscous mit Gemüse.

Tag 5: Berber-Frühstück, Bergseen und Sonne

(Hm Aufstieg 700 – Abstieg 100, Gz 5 h) 

Erneut liegt ein langer und sehr abwechslungsreicher Wandertag vor uns. Heute rücken der Jebel Toubkal (4167 m) und der Imouzzer (4010 m) in unser Blickfeld. Nach etwa einer Stunde hat einer unserer Guides eine Überraschung für uns parat: Er führt uns in ein einheimisches „Restaurant“ für ein traditionelles Berberfrühstück unter freiem Himmel. Frisches Fladenbrot, Honig, Salz und Olivenöl lassen wir uns dort schmecken. Nur schwer können wir uns von diesem köstlichen Essen losreisen. Doch für uns geht es weiter zum Lac de Ifni.

Der eiskalte Lac d’Ifni (2500m) ist der einzige natürliche Bergsee im westlichen Hohen Atlas und ein eiszeitliches Überbleibsel – eine tolle Kulisse zum Fotos machen. Da die Temperaturen heute auf 35 Grad klettern, legen wir am See eine sehr lange Mittagspause für Abkühlung und Trinken ein. Die meisten Gruppen übernachten sogar am See, wir ziehen es jedoch vor etwas einsamer zu zelten und laufen deshalb noch eine Stunde weiter ins Tal.

Ehrlich gesagt habe ich mir den heutigen Tag etwas entspannender vorgestellt. Ich dachte dass 600 hm doch nicht so schwer sein können, aber die Temperaturen und das Gehen in der prallen Sonne haben uns doch sehr gefordert.

Morgen steht ein weiterer langer Tag auf dem Programm und auch für den nächsten Tag sind wieder sehr heiße Temperaturen gemeldet. Da es bei einem Süd-Ostseitigen steilen Aufstieg durch eine steile, schmale Schult auch am Vormittag schnell bis zu 35 Grad heiß werden kann, entscheiden wir uns am nächsten Tag bereits um 5 Uhr zu starten. Auf diese Weise können wir die Hitze bestmöglich umgehen. Früh liegen wir also, mit einem Gutenachttee, in unseren Schlafsäcken.

Was ich euch noch nicht erzählt habe: Meine Freundin liest mir im Zelt jeden Abend eine Gutenachtgeschichte mit Bergabenteuern von großen Bergsteigern unserer Zeit vor. Wann habt ihr euch das letzte Mal eine Geschichte vorlesen lassen? Probiert es mal wieder aus, es ist einfach wunderschön und entspannend.

Tag 6: Die Toubkal-Hütten

(Hm Aufstieg 1200 – Abstieg 500, Gz 7 h) 

Wie geplant beginnt unser Tag um 5 Uhr morgens. Die ersten 1,5 Stunden weisen uns unsere Stirnlampen den Weg. Das Schöne am Morgen unterwegs zu sein ist, dass man mit der Sonne in den Tag zu starten scheint. Wir steigen langsam in die steile, teils ausgesetzte Schlucht ein, die sich über 1300 Höhenmeter zum himmelhohen Tizi Ouanamuss (3664 m) hinaufzieht. Auf 3000 m Höhe blitzen die ersten Sonnenstrahlen hervor.

Der Weg ist eine Herausforderung für Mensch und Tier. Immer wieder helfen die Mulitreiber ihren Tieren über steile hohe Stufen und enge Passagen hindurch. Nach mehreren Pausen erreichen wir schließlich den Pass. Tatsächlich verlief alles besser als wir es gedacht hatten. Eine gigantische Aussicht auf mehrere 4000er belohnt die Mühen. Wir genießen noch einmal die Ruhen oben am Berg, bevor wir zu den hoch frequentierten Toubkal-Hütten (3165 m) absteigen, die unser Basislager für die nächsten zwei Nächte sind.

Der kurze Abstieg zu den Toubkal-Hütten ist von vielen hohen Bergen umrandet. Bei den Hütten angekommen findet dort, wie erwartet, ein reges Treiben, Kommen und Gehen von Mulis, zahlreichen Trekking-Gruppen und Einheimischen statt, denn der bekannte Toubkal ist ein begehrtes Ziel von vielen Kurztripp-Wanderern und Einheimischen.

Neben den Zeltplätzen gibt es hier auch zwei Hütten, in denen übernachtet werden kann. Wir sind froh unser Zelt wenigstens abseits vom Trubel aufschlagen zu können.

Für den Rest des Tages heißt es für uns ausruhen, ausreichend trinken, genug essen und viel schlafen. Außerdem passen wir die Steigeisen an die Schuhe an, packen den Rucksack für die Gipfeltour, bestücken die Stirnlampe mit Batterien, usw.

Um den vielen Bergsteigergruppen am nächsten Tag beim Aufstieg aus dem Weg zu gehen, schlagen wir unserem Bergführer vor bereits in der Nacht zu starten. Somit sollten wir bereits bei Sonnenaufgang am Gipfel sein. Die Antwort unseres Guides: „No problem, it’s good.“ Also start am Morgen bzw. in der Nacht um 03:30 Uhr. Wir gehen früh schlafen und sind voller freudiger Erwartung auf den nächsten Tag.

Tag 7: Gipfeltag am Jebel Toubkal 

(Hm Aufstieg 1000 – Abstieg 1000, Gz 6.5 h) 

Der Wecker läutet um 2:30 Uhr. Wir sind sofort hellwach, denn die Vorfreude ist groß. Heute geht es auf die Spitze Nordafrikas! Der Jebel Toubkal (4167 m) ist unser Ziel. Rasch sind wir in unseren Bergschuhen, nehmen einen heißen Tee und einen Müsliriegel zu uns und dann geht es, mit der Stirnlampe auf dem Kopf, um 3:15 Uhr in der Nacht los. Über uns liegt ein wolkenloser Sternenhimmel.

Einsam und in der inspirierenden meditativen Stille der Nacht wandern wir los. Der Aufstieg erfolgt über teils blockiges Gelände. Nach circa zwei Stunden legen wir die Steigeisen an, denn der Schnee ist hart und das Gelände hinauf zum Tizi n’Toubkal (3940 m), über den es zum Gipfel geht, recht steil.

Nach knapp vier Stunden sind wir noch vor Sonnenaufgang auf der Spitze. Der Ausblick vom Gipfel ist auch im halbdunkeln schon einzigartig. Der für den Toubkal typische starke Wind ist heute zum Glück gut erträglich, sodass wir die noch circa 30 Minuten bis zum Sonnenaufgang genießen können. Wir beobachten wie die ersten Sonnenstrahlen über die Gipfel blitzen und der Tag ganz langsam erwacht. Ein spektakuläres Naturschauspiel mit „flammenden Wolken“. Wow, wir sind sprachlos und machen unzählige Fotos. Alle Mühen sind mit dem beeindruckenden und unvergesslichen Erlebnis entschädigt.

Nach dem Sonnenaufgang steigen wir wieder ab. Ab der Hälfte des Abstiegs kommen uns viele Bergfreunde, teils schon total erschöpft, teils in leichten Turnschuhen entgegen. Einige von diesen werden es nicht schaffen bzw. haben den Berg unterschätzt, denn nur mit Turnschuhen kannst du den Berg nicht besteigen. Wir befinden uns hier in einem hochalpinen Gelände, was bedeutet dass feste Berg- und Trekkingschuhe sowie ein Bergführer (insbesondere bei einem Aufstieg bei Nacht) ein Muss sind. Zudem sind um diese Jahreszeit Steigeisen absolut notwendig.

Nach zwei Stunden kommen wir wieder wohl behalten beim Zelt an. Mit einem späten ausgiebigen Frühstück und dem guten Gefühl es geschafft zu haben, relaxen wir den Rest des Tages in der Sonne.

Tag 8: Wasserfälle und die Sehnsucht nach einer Skitour

(Hm Aufstieg 400 – Abstieg 1400, Gz 6 h) 

Die Tourenplanung für den heutigen Tag ändern wir kurzerhand am Morgen, weil uns einfach danach ist und das Gipfelerlebnis vom Vortag noch so präsent ist. Statt einem weiteren 4000er entscheiden wir uns für das Tal durch den der „Assif n´Quonzane“ führt und das bekannt für seine hohen Wasserfälle und grünen Landschaften ist.

Mit dem Toubkal im Rücken geht es hinauf zu einem 3500 m hohen Pass. Nach circa einer Stunde Gehzeit holen uns die Mulis mal wieder ein und zeigen uns auch heute wie es auf den schmalen Wegen auf vier Hufen sicher den Berg hoch geht.

Am Pass angekommen erwartet uns bei Sonnenschein und wolkenlosem Himmel ein wunderbarer Rundblick auf das Atlas Massiv. Zeit für Pause mit Datteln, Orangen und Tee, bei der uns eine der vielen Schaf- und Ziegenherden Gesellschaft leistet.

Der lange Abstieg führt uns durch eine steile Rinne und in vielen Serpentinen talabwärts. Unten am Einstieg der Rinne angekommen, blicke ich zurück nach oben und bin mehr als beeindruckt. Mein nächster Gedanke: „Was wäre das für eine sensationelle Skitouren-Abfahrt!?“ Ich mache schnell ein Foto, um die Skitouren-Idee weiterzuverfolgen.

Weiter geht es in Richtung Tal. Wir gehen noch circa eine Stunde bis uns das nächste Naturschauspiel, ein hoher Wasserfall, auf unserer Reise erwartet. Mit frischem Orangensaft machen wir eine Pause und schauen dem Wasserfall zu, bevor es zu unserem letzten Zeltplatz geht.

Tag 9: Das Abenteuer neigt sich dem Ende

(Hm Aufstieg 250 – Abstieg 750, Gz 4 h) 

Letzter Tag. Nach einer ruhigen Nacht und einem sehr entspannten Frühstück sind wir auf unserer letzten Etappe unterwegs. Entspannt geht es zum letzten Pass, für welchen wir ins Berberdorf Imlil (1750 m) absteigen. Dort freuen wir uns auf eine Dusche und ein bequemes Bett.

Am Abend genießen wir, gemeinsam mit unserer Begleitmannschaft, Couscous mit Hühnchen. Dann sind wir an der Reihen uns zu bedanken, das Trinkgeld zu übergeben und auch Ausrüstungsgegenstände zu verschenken, die dort dringender benötigt werden als bei uns.

Am nächsten Morgen geht es mit dem Kleinbus zurück nach Marrakesch. Zwei Tage in der Königsstadt mit ihren bunten Märkten und engen Gassen bilden den stimmungsvollen Abschluss dieser eindrucksvollen Reise.

Viele Sehenswürdigkeiten, wie der Anima Garten, Jardin Majorelle oder die Medina mit dem wunderschönen Marktplatz, lassen keine Langeweile aufkommen.

Von unserer Hotelbesitzern haben wir außerdem noch einen Essens-Tipp bekommen und so lassen wir es uns am Tag vor der Heimreise noch im Restaurant Al Fassia schmecken. Das Restaurant ist international bekannt für die feinste Küche Marrakechs und die beste Tajine der Stadt – das dürft ihr nicht verpassen, wenn ihr mal nach Marrakech reist.

Schön war’s in Marokko.

 

Wer schreibt hier eigentlich? Der Bergfreunde Autoren-Check mit Stephan

5. Dezember 2018
Die Bergfreunde

Servus, mein Name ist Stephan und heute schreibe ich darüber, wie das so ist als Bergfreunde-Schreiber. Es war ja hier im Basislager-Blog immer gute Tradition, dass neue Bergfreunde im Interview portraitiert werden. Das läuft jetzt etwas anders: erstens bin ich nicht mehr ganz so neu und zweitens hat – soweit ich weiß – noch niemand sein Portrait hier selbst geschrieben. Ich frage mich, ob das eine Ehre ist oder Outsourcing… ;-)

Ich fand es jedenfalls cool als Basislager-Boss Jörn mir diese Vorstellungsrunde vorschlug. Doch da mein Lebenslauf Kurven, Sprünge und Loopings enthält, habe ich ihn um ein paar ordnende  „Interviewfragen“ gebeten. Die schaffen hoffentlich einen roten Faden entlang der Themen „Bergsport“ und „digitaler Nomade“.

Du fragst dich was zum Geier ein digitaler Nomade ist? Viehtreiber in einem Computerspiel? Nein, unter diesem Etikett fasst man die wachsende Zahl an Leuten zusammen, die für ihren Broterwerb nur ein Notebook und eine Internetverbindung brauchen. Und damit theoretisch von jedem „netzabgedeckten“ Winkel der Welt aus arbeiten können. So einer bin ich. Zumindest so halb, denn das ist etwas kompliziert. Vielleicht kann ich ja gleich noch etwas über das komplizierte digitale Nomadentum erzählen…

Erzähl erstmal unkompliziert in drei Sätzen, wer du bist…

Gegenfrage: Weißt du wer du im innersten Wesen wirklich bist? Nee? Kein Problem, klären wir im nächsten Selbstfindungsseminar. Hier erstmal Folgendes zu mir: Die meisten meiner Zeitgenossen beschreiben mich als einen eher zurückhaltenden, nachdenklichen Typen, der auch gern mal allein sein Ding durchzieht. Bei Bergtouren und Reisen stimmt das definitiv, ansonsten hängt das wohl hauptsächlich von der Tagesform ab.

Dein erster Kontakt mit den Bergfreunden?

Vor drei Jahren war das. Ich arbeitete zuvor schon als schreibender Freelancer und fühlte mich nicht mehr ganz zufrieden mit den Aufträgen und Themen, die ich hatte. Ich war bereit und reif, mal das Angestelltenleben zu versuchen. Also habe ich Bewerbungen verschickt. Allerdings nur zwei Stück und beide als Texter im Bereich Bergsport/Outdoor. Etwas anderes wollte ich als Vollzeitangestellter nicht machen. Leider hat es in beiden Fällen nicht für den Job gereicht. Oder sollte ich sagen zum Glück? Von den Bergfreunden kam nämlich stattdessen das Angebot als freier Produkttexter einzusteigen.

Was machst du hier genau?

Nach wie vor schreibe ich Produkttexte, also Beschreibungen neuer Produkte im Bergfreunde Shop sowie tabellarische Erfassungen von deren Attributen wie Material, Gewicht, Größen und Ausstattung. Manchmal ist das auch so trocken wie es sich liest ;-P

Vor einem Jahr kam dann coolerweise die Möglichkeit mit dem Basislager-Blog hinzu. Seitdem wechsle ich zwischen Produktbeschreibungen und Blog und das macht mir mehr Spaß als alle vorherigen Jobs.

Was qualifiziert dich hierfür? Wie sieht deine „bergsportliche Vita“ aus?

Mein Einstieg in die Berge war ein Buch namens „Unsere Alpen“, das mir als Achtjähriger in die Hände fiel. Die irgendwie märchenhaften Fotos darin zogen mich völlig in ihren Bann. Ich konnte kaum glauben, dass es solche großen und geheimnisvollen Dinger wie diese Berge tatsächlich gibt. Dazu kamen noch die tiefgründigen, poetischen Texte deren Aussagen einem Zweitklässler komplett unzugänglich sind, die aber dadurch umso faszinierender werden. Mittlerweile verstehe ich die Texte problemlos und die Bergfaszination ist geblieben.

Große Berge sind leider in Ostdeutschland und im Ruhrgebiet, wo ich aufgewachsen bin, nicht gerade um die Ecke. Erst während der Unizeit bin ich bergmäßig richtig zum Zug gekommen. Von Anfang an waren klassische Hochtouren mein Hauptding; hier laufen alle Fäden von Bergerlebnis und Bergsport zusammen.

Ich kann mich aber auch für Wanderungen, Waldläufe, Klettern und Bouldern begeistern. Und für ziemlich viele Gegenden dieser Welt. Hauptsächlich war ich bisher in der Schweiz auf diversen Hörnern unterwegs, auf dem einen oder Wintertrip nach Südeuropa oder Patagonien und zuletzt auf einem wetterbedingt ziemlich kurzen Sommertrekkingversuch in Norwegen. Dazwischen liegen viele Schwarzwaldgipfel und Felsen rund um Freiburg.

Jetzt bin ich zwar als Alpinist eher durchschnittlich und als Kletterer eher mäßig veranlagt, doch dafür verbinde ich das Ganze mit einer flotten Schreibe und der Lust am Reflektieren und Fabulieren.

Außerdem habe ich bei Bergen, leider ausschließlich bei Bergen, ein quasi fotografisches Gedächtnis. Aussehen, Name und Höhe bleiben fast immer hängen, auch wenn ich nur einmal ein Foto gesehen habe. Meine so erworbenen Fachkenntnisse gebe ich auf Tour und beim Panoramagucken stets ungefragt weiter. Mein langjähriger Tourenkumpel nannte das mal Inselbegabung. Was immer es auch ist, sein Nutzen im richtigen Leben pendelt etwa bei „Nagel im Kopf“ ein, aber für einen Bergschreiberling passt es doch ganz gut, oder?

Welche Ziele hast du? Was steht auf deiner Bucket-List?

Bei sehr vielen Fotos und Filmen von Gipfeln, Touren und Landschaften kommt in meinem Bauch so ein Ziehen auf, das mir sagt: „Boah geil, da will ich hin“. Das spüre ich vor allem bei den Namen Aiguille du Dru und Aiguille Noire de Peuterey. Das sind zwei Wahnsinnsgipfel im Montblanc-Gebiet, die für extreme Routen bekannt sind. In denen würde ich wohl nicht einmal vom Boden abheben, doch zum Glück gibt’s da auch „Normalwege“, die „nur“ Vierer sind. Die sehe ich als Must-do-Traumziele für die nächsten Jahre. Ansonsten hält die Bucketlist noch Gucken und Staunen in Nepal, Pakistan-Karakorum und Peru-Bolivien bereit.

Aber weißt du was? Mein wirkliches Ziel ist Bucket-Listen überflüssig zu machen. Und stattdessen in dem Seinsmodus zu verweilen, mit dem man auch die kleinsten Dinge am Wegrand als die Wunder sehen kann, die sie eigentlich sind. Also das ist dieses Erleben der Welt wie es kleine Kinder haben, mit dem Unterschied, das bewusst wahrzunehmen. Da ist dann das Grasbüschel oder das Loch in der Zaunlatte nicht weniger sehenswert als der Everestgipfel. Diese andere Wahrnehmung steckt glaube ich hinter dem zur Zeit arg strapazierten Wort Achtsamkeit. Sie soll ja ein bisschen tricky, aber gar nicht sooo schwer sein. Bis das Bewusstsein soweit geschärft ist, mache ich mal mit der Bucketlist weiter…

Für die Gipfel wirst du gutes Equipment brauchen. Verrat uns doch mal deine Lieblingsmarken – und warum sie es sind

Bei Klamotten stehe ich auf Patagonia. Mir reicht schon der Firmenname als Kaufargument, aber es gibt auch vernünftige Gründe. Die Firmenphilosophie ist super, der Firmengründer als wilder Hund und coole Socke glaubwürdig und die Sachen tragen sich super. Auch halten meine eigenen Patagonia-Teile schon ewig. Außerdem finde ich die Preise angesichts der guten Nachhaltigkeitsansätze sehr vernünftig.

Vaude finde ich aus ähnlichen Gründen ebenfalls richtig gut. Die stellen neben Klamotten eine riesen Bandbreite an Ausrüstung her, auf deren Qualitätsniveau ich vorbehaltlos vertraue. Dabei bieten sie das vielleicht höchste Nachhaltigkeitslevel aller Anbieter überhaupt UND gefallen mir ebenfalls mit den erstaunlich moderaten Preisen.

Eine kleine Spezialempfehlung habe ich bei den Rucksäcken: Schau dir mal die Firma mit dem unscheinbaren Namen Bach an. Bach-Rucksäcke sind super-duper-robust, kommen fast ohne jeden Schnickschnack aus und lassen sich sehr gut an die individuelle Oberkörperform anpassen. Meinen 30-Liter-Daypack von Bach vermisse ich jedenfalls immer noch, obwohl es fast zwei Jahre her ist, seit er geklaut wurde…

Zurück zum Thema digitaler Nomade: Wie lebt es sich als solcher? Was sind die Vor- und Nachteile?

Als digitaler Nomade lebt es sich ganz nett und die Vorteile liegen auf der Hand: Im nasskalten deutschen Winter Caipi schlürfen am Strand von Koh Samui und Piña Colada im Dschungel von Costa Rica. Ansonsten zwischen Nepal, Alaska und Feuerland herumdüsen. Zwischendurch den Rechner aus dem Rucksack holen und in der Hängematte, im Bus oder im wuseligen Straßencafe n bisschen Geld verdienen. Um die Energie hochzuhalten, gibt es regelmäßig Yogaretreats mit Smoothie-Fastenkur auf Bali. Dann ab und zu auf Konferenzen wie der DNX netzwerkeln und irgendwas mit Coaching machen.

Okay, das war jetzt ein Klischee-Lifestyle, den ich aus Eindrücken in der Blogo- und Facebook-Sphäre zusammengezimmert habe. In meinem Fall ist der Nomadenanteil am Digitalen Nomaden deutlich überschaubarer, denn über drei Monate Berge und Reisen pro Jahr bin ich noch nicht hinausgekommen. Das ist zwar immer noch deutlich länger als der Durchschnittsangestellte, läuft aber dafür auch auf einem eher bescheidenen Komfortniveau ab.

Denn – und damit wäre ich beim Hauptnachteil – ich mache kein Vermögen hier. Allerdings zelte ich als Outdoorer und Bergfreund sowieso gerne und brauche auch nicht ständig den städtischen Komfort und Luxus. Und außerdem bin ich in Sachen Lebensführung ein großer Fan des KISS-Prinzips: Keep It Simple, Stupid!

Als Hauptvorteil des „Nomadentums“ sehe ich die freie Zeiteinteilung und Tagesgestaltung – und das sieben Tage die Woche. Es gibt keinerlei Vorschriften und manchmal noch nicht einmal genaue Abgabefristen. Keine Zäune zu haben bedeutet aber auch: keine Leitplanken, keine Führung, kein liebevoller Arschtritt bei Bocklosigkeit. Geregelte Zukunftsvorsorge gehört ebenfalls nicht zu den Stärken meines Modells.

Wer Sicherheit und Kontinuität als Priorität sieht und die Finanzen noch nicht per Lottogewinn, Erbschaft oder Pferdewetten in trockenen Tüchern hat, wird hier folgerichtig auch eher einen weiteren Nachteil sehen. Am besten kultiviert man als digitaler Nomade einen stabilen Optimismus und einen gesunden Lebensstil, mit dem man möglichst bis ins hohe Alter nicht arbeitsunfähig wird :-)

Kann man in der freiberuflichen Schreiberzunft überhaupt „richtig Kohle scheffeln“?

Klar, man kann Bestsellerautor oder Starjournalist werden. Ansonsten bleiben folgende zwei Möglichkeiten:

  1. Wahllos jeden Auftrag von irgendwelchen Jobbörsen und Contentmühlen annehmen und tippen, bis die Tastatur qualmt. Dank der lächerlichen Bezahlung auf diesem Massenmarkt wird man den Schreibtisch nur noch zum Schlafen verlassen.
  2. Das Schreiben als erfolgreiches Business in der eigenen Nische aufziehen und zahlungskräftigen Kunden für maßgeschneiderten Service dicke Rechnungen schreiben. Das erfordert im Normalfall einige Monate bis Jahre an unternehmerischer Vorarbeit und funktioniert selten ohne Social-Media-Affinität mit reichlich Neigung zu Eigenmarketing und Selbstdarstellung. Letzteres ist ganz wertfrei gemeint, weil ganz ohne Rampensau-DNA ist es als Einsteiger ohne Kontakte und Netzwerke sehr unwahrscheinlich aus der Masse hervorzustechen.

Die bekannten und erfolgreichen Berg- und Outdoorblogger haben überwiegend solch ein Business aufgezogen und betreiben eine breite Mischung an Aktivitäten. Neben den (hoffentlich spannenden) Geschichten über ihre Touren verfassen sie Tipps und Anleitungen für Nachahmer, erstellen Ausrüstungs-Testberichte, machen Promotionen für Tourismusregionen, halten Vorträge und betreiben Affiliate-Marketing von Wanderführern, Bildbänden und anderen Produkten.

Was mich etwas wundert ist, dass noch niemand auf den Selbstoptimierungs-Zug aufgesprungen ist und seinem Publikum Workshops anbietet, damit dieses „sein geilstes Leben leben“ und „die beste Version von sich selbst kreieren“ kann…

Was mich betrifft, lassen die Rampensaufähigkeiten noch zu wünschen übrig und die Lust auf anonyme Fließbandtexterei hält sich arg in Grenzen. Deshalb setze ich auch weiter auf den Mittelweg der langfristigen Zusammenarbeit mit wenigen vertrauenswürdigen Special-Interest Medien und Kunden. So Läden wie den Bergfreunden eben ;-)

Kein „Voll normaaal“ Weg – DAV NRW Alpinkader gelingt Bigwall-Erstbegehung im Urner Granit

30. Oktober 2018
Bergfreunde Pro-Team

Mit dem NRW Alpinkader unterwegs zu sein, ist eine coole Sache. Nicht nur, weil ich der Trainer bin und deshalb immer Recht habe. Es ist eigentlich immer lustig, so wie im Sommer 2017 im Schweizer Voralptal: Sebastian kämpft seit Stunden mit der zweiten Seillänge der Techno-Route „The Shield“ (A3, 6c, 7 SL) und Moritz, der ihn sichert, ist gleichermaßen engagiert mit den Mücken.

Genau genommen befinden wir uns in einem kleinen Seitental des Voralptals. Gelegen, man könnte auch sagen versteckt, unterhalb des recht unspektakulären Mittleren Höhenbergs, überragt vom großen Kletterberg Salbitschijen. Aber: Dieses Tal hat es wirklich in sich. Neben vielen Stechmücken gibt es hier sehr sympathische Pflanzen, die einem mitunter zweitgradige Verbrennungen zufügen; und dann gibt es natürlich auch noch diesen perfekten Granitpfeiler, an dem gerade zwei Seilschaften unseres Teams klettern.

Der Rest der Mannschaft ist derweil weiter oben zugange, an einer etwas größeren Wand. Man erreicht diese von der Voralpkurve des Göschenertals in nur eineinhalb Stunden, doch die sind mühevoll. Vielleicht liegt es daran, oder auch an der Vegetation in der Wand, dass sie bisher wenig beachtet wurde. In einem grasigen Riss, nicht weit vom Boden entfernt, finden wir einen alten Fixkeil mit eingeknoteter Reepschnur, was auf einen früheren Versuch hindeutet. Sonst gibt es hier keinerlei menschliche Spuren.

Dave, der Held

Es ist der Sommer 2017. Martin, Charly und ich nehmen uns den unteren Teil der Wand zur Brust. Dieser Bereich ist leicht geneigt, während die Wand oben ordentlich überhängt. Nach einer tollen Platte wird das Gelände für zwei Seillängen – sagen wir mal – ungut.

Nicht nur etwas viel Grünzeug hängt hier in der Wand, sondern auch ein paar lose Schuppen und Blöcke. Als Erstbegeher muss man viele Entscheidungen treffen, unter anderem, was man mit dem losen Zeug tut. Ich persönlich will nicht, dass irgendwann irgendjemand davon zermatscht wird. Also schicken wir es entweder ins Tal, oder wir geben unser Projekt auf, bevor wir richtig losgelegt haben. Aber dafür sieht der obere Teil der Wand zu cool aus.

Dave steht unter uns und gibt per Funk grünes Licht, dass ihn nichts treffen kann. Es ist immer wieder unangenehm die Regel zu brechen, dass man keinen Steinschlag auslösen sollte. Aber abgesehen von Dave kann es in diesem Fall wirklich niemanden treffen…

Teil zwei – jetzt wird’s ernst…

Im Sommer 2018 führt die Reise erneut ins Göschenertal, zum Zeltplatz Mattli, unserem sehr geschätzten Basecamp und Ausgangspunkt, um in wechselnder Besetzung an unserem Projekt weiterzuarbeiten. Klar, klettern spielt dabei auch eine entscheidende Rolle, aber mit dem Anspruch eine gute Route zu hinterlassen trifft es der Begriff „arbeiten“ besser.

Konkret heißt das: einen Zustiegspfad anlegen, Material zur und in die Wand bringen, Fixseile verlegen, die beste Linie austüfteln, Fixpunkte anbringen, Risse ausputzen und so weiter. Es ist cool zu sehen wie alle Gas geben. Ich erlebe sogar den denkwürdigen Moment als Merlin eine Bürste ergreift und zum ersten Mal in seinem Leben putzt…

Blöderweise herrscht nur mal wieder instabiles Sommerwetter. Es ist zwar warm, aber das Wetter ist auch immer wieder für einen Regenschauer oder ein Gewitter gut. Gleichzeitig müssen wir länger am Stück in der Wand bleiben, denn sonst geht’s nicht richtig voran. Am großen Band nach der dritten Seillänge richten wir uns ein komfortables Lager ein, mit Portaledge samt Fly und einer zusätzlichen Plane, unter der wir uns zurückziehen können. Alles ist angerichtet. Jetzt wird’s ernst.

Techno-Spielchen und Fettnäpfchen

Die Seillängen vier und fünf haben es in sich sich. Zuerst diese Rissverschneidung, in der sich über 35 m kaum ein solider Fixpunkt anbringen lässt, dann eine kürzere Länge, die allerdings knifflig und anstrengend ist. An dieser Stelle hinterlassen wir einen der wenig gebohrten Zwischenhaken (den ersten nach der Einstiegsplatte) und einen fixierten Beak. So ist diese Länge nur circa A3+ und nicht A4 (oder mehr), aber ich denke dennoch, dass sich die wenigsten Wiederholer hier langweilen werden.

Bei den Gefahren, die eine Bigwall-Erstbegehung mit sich bringt, denken die wenigsten an Fettnäpfchen. Michaela fand meinen Witz an diesem Morgen, sie sei nur zum Kaffeekochen mit in der Wand, nicht so lustig (wirklich sehr unpassend, aber kann ja mal passieren…). Tatsächlich begleitet sie uns ein paar Tage, sagen wir mal im Rahmen eines Bigwall-Praktikums.

Jetzt ist sie noch ein bisschen wütend – ein idealer Zustand, um sie auf den nächsten zugewachsenen Riss loszulassen. Dieser führt sie direkt zum großen Dach, dem markantesten Detail der Wand. Nach gut 10 Metern Gartenarbeit bricht ihr ein Fixpunkt aus und sie fällt ins Leere. Ich werfe ihr ein Seil zu und ziehe sie zurück zum Stand.

Moritz übernimmt und meistert den Rest dieser spektakulären Seillänge – wir nennen sie „Great-Roof-Pitch“ – gewohnt souverän. Wir installieren ein Fixseil und seilen ab. Dabei stellt sich die Frage, ob man ohne Fixseil überhaupt runter kommt, denn selbst mit zwei sehr langen Seilen erreicht man die Wand unterhalb des Dachs wohl nicht mehr.

Und dann auch noch der Chockstone Crack

Sascha und Charly haben sich in Stellung gebracht. Ihr Portaledge hängt regensicher am Standplatz unterm „Great Roof“. Aber auch sie werden in der Folge nichts geschenkt bekommen. Die Wand bleibt steil und wild. Die achte Seillänge folgt einem immer breiter werdenden Riss. Als der 6er-Cam zu klein wird, sollen zwei eingeklemmte Felsbrocken zur Fortbewegung herhalten, doch die drohen aus der Wand zu fallen. Also nochmal bohren.

Es folgt ein Pendelquergang im überhängenden Gelände, eine unheimliche „A3-Schuppe“ und ein langer Runout. Nach 60 Metern ein perfekter Standplatz. Danach folgt noch eine Seillänge und ein letzter Cliff-Zug unter der großen Felsnase, die man schon vom Tal aus sehen konnte. Die letzten Meter sind ein Hakenriss. Alles löst sich perfekt auf. Welch ein Lohn für Einsatz, Schinderei, und – bei mir natürlich nicht, nur bei den Jungs – für den ein oder anderen Tropfen Angstschweiß! Yeah, so läuft das im Mosquito Circus!

Weitere Infos zur Erstbegehung und Einrichtung des Mosquito Circus (A3+, 6c, 285m).

Routenbeschreibung

  1. SL: 45 m 6c A2 bzw. 7a+ (linke Variante) oder 6c A2+ (rechte Variante). Erst Freikletterei in großer Platte, dann entweder nach links zur Schuppe (einfacher) oder rechtshaltend mit 2 x Bathook zum feinen Riss (besser).
  1. SL: 20 m A1 und 4. Dreckrampe und Podeste.
  1. SL: 40 m A1 und 4+. Linkshaltend bis zu Band, dort nach rechts queren zum „Ersten großen Band“.
  1. SL: 40 m A3+. Viele mittlere Pecker und mittlere Knifeblades. Erst Verschneidung, dann Rechtsquerung an Cam-Schuppe zum Stand: Achtung: am Ende der SL unbedingt den Bogen über links klettern, nicht direkt zum Stand, wegen loser Riesenschuppe!
  1. SL: 25 m A3+ und 4. Links haltend in überhängende Platte mit 8-mm-Bolt und fixiertem Pecker. Zuletzt einfach zum Stand.
  1. SL: 45 m A2+ und 4 „Great-Roof-Pitch“. Feiner Riss in der rechten Wand – luftig.
  1. SL: 10 m „Zweites großes Band“. Querung nach links. Offensichtlicher Stand an Cams.
  1. SL: 60 m A3 und 4 „Chockstone-Crack“. Geschwungener Offwith-Riss. Achtung, die Klemmsteine sind locker. Pendelquergang an Bolt zu heikler Schuppe.
  1. SL: 40 m 5 A2 „Nose“. Markanter Riss, Dachquerung nach rechts, kurze Ausstiegsverschneidung. Stand an Block.

Abstieg

Abstieg entweder über den Gipfel des Mittleren Höhenberges (20-30 min vom Ausstieg der Route) und Salbithütte oder besser durch Abseilen über die Route, beziehungsweise Abseilpiste.

Abseilen

  • SL 9 und SL 8 seilt man direkt ab (35 m, 55 m)
  • SL 7 zurückqueren zum 6. Stand („Zweites großes Band“)
  • 16 m zu Abseilstand mit Fixseil an der Dachkante des „Great Roof“
  • 20 m abseilen und sich zum Stand unterm Dach ziehen
  • 42 m zum „Ersten Großen Band“
  • 20 m direkt runter zu Podest
  • 50 m zu kleinem Absatz
  • 20 m zum Boden

Absicherung und Material

Die Stände sind gebohrt (jeweils zwei 10er-Bolts), abgesehen vom Cam-Stand am „Zweiten großen Band“. Außerdem stecken vereinzelt gebohrte Zwischenhaken und Schlaghaken (bitte nicht entfernen). Inklusiv Standhaken sind es im Schnitt drei Bohrhaken pro Länge. Davon wurde nur knapp die Hälfte während der Erstbegehung gesetzt, der Rest nachgebohrt, mit dem Gedanken, einzelne Stellen zu entschärfen und den Materialaufwand für Wiederholer in einem angemessenen Rahmen zu halten. Mit dem aufgeführten Material lässt sich die Route jetzt weitestgehend gut absichern.

  • 60-m-Seile
  • 2 x Cam #0.1 (besser Aliens)
  • 3 x Cam #0.2–0.5 (besser Aliens)
  • 2 x Cam #0.75–4
  • 1 x Cam #5
  • Rock 3–7
  • kleines Set Micro-Offset-Keile
  • 9 Beaks (1 x groß, 4 x mittel, 4 x klein)
  • 10 Knifeblades, verschiedene Längen und Dicken
  • 2–3 LAs, eher dünn
  • 2–3 Angles, eher dünn
  • 1–2 x Talon
  • 1 x Grappling Hook o. Ä.
  • Drahtbürste und Fugenkratzer
  • Mückenspray
  • für den Zustieg feste Schuhe und dünne Lederhandschuhe

Tipps und Taktik

Schnelle Seilschaften können die Route in zwei Tagen (Tal bis Tal) klettern. Biwak dann am besten am „Ersten großen Band“ (nach der 3. SL). Für die meisten Teams wird wohl ein weiteres Biwak fällig.

  • Die sichere Variante: Biwakzeug bis zum „Zweiten großen Band“ mitnehmen.
  • Die leichte Variante: Biwakzeug am „Ersten großen Band“ lassen und Gas geben. Die Cams #4–5, den 3. Satz #0.2–0.5 und 1 x #3 kann man bis zur „Great-Roof-Pitch“ im Haulbag lassen.

Zustieg und Einstieg

Von der Voralpkurve (1402 m, Parkplatz und Bushaltestelle) dem Weg zur Voralphütte folgen. Nach 20 min Gatter, kurz darauf Doppelkehre. 13 m nach der zweiten Kehre weglos rechts hoch in schwache Waldschneise (ca. 1565 m). Den Steinmännern folgen bis kurz vor den Einstieg der Route Traumschiff. Weiter zum Einstieg von Muja Hedder. Nun tendenziell rechts halten, an der Wand entlang (Wegspuren, vereinzelt kurze Fixseile). Nicht links im großen Couloir gehen (Steinschlaggefahr, mühevoll). Mit Bigwall-Gepäck insgesamt ca. 1,5 h. Einstieg auf ca. 1820 m bei dem kleinen Vorbau der markanten großen Platte (einzelner Bohrhaken).

Interview mit dem Wettkampfkletterer Steffen Hilger

17. Oktober 2018
Die Bergfreunde

Was reizt einen Kletterer, an Wettkämpfen teilzunehmen und vor allem, wie hält man die Fokussierung auf das Ziel aufrecht, wenn der Kopf mal nicht so will? Das und noch viele andere Fragen, habe ich Steffen Hilger, 25, gestellt. Der gebürtige Münchner klettert seit dem 14. Lebensjahr und konnte auch durch seine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann seine Leidenschaft quasi zum Beruf machen.

Neben dem Routenschrauben gibt er sein Wissen und seine Erfahrungen auch in Trainerstunden weiter und motiviert so nicht nur sich selbst sondern auch andere ihr Bestes zu geben.

Hi Steffen, danke, dass du dir Zeit genommen hast, wie geht’s dir?

Es freut mich auch heute hier zu sein, mir geht’s super! Vielen Dank!

Seit gut 7 Jahren bist du im Wettkampf aktiv und hast zahlreiche Erfolge vorzuweisen: den 1. Platz im Lead bei den Junioren bei den bayrischen Meisterschaften 2011. 2015 hast du gleich in Regensburg, Würzburg und Bad Tölz die Stadtmeisterschaften gewonnen. 2016 warst du Vize-Stadtmeister in Bad Tölz und hast auf der Climb free, einem Bouldercup, den zweiten Platz belegt genau wie bei der süddeutschen Meisterschaft 2017 in Neu-Ulm. Der Erfolg reißt also definitiv nicht ab.Was reizt dich so am Wettkampfklettern?

Ich finde das Wettkampfklettern total cool, weil man immer wieder die Leute aus dem ganzen Kletter-Zirkus trifft, die man sonst, vor allem entfernungsbedingt, nicht so oft sieht. Auf Wettkämpfen sind alle wieder da und es ist total schön, mit den Leuten zu plaudern, die man ewig nicht gesehen hat.

Auch die Aufgeregtheit vor dem Wettkampf reizt mich sehr und am Besten finde ich tatsächlich, wenn man dann zum Finale rauskommt, vor dem großen Publikum klettert und vor der tosenden Meute im Boulder oder in der Route alles geben kann. Das sind richtig starke Gefühle und Erlebnisse, die man so schnell nicht mehr vergisst.

Hast du einen Trainer, der dich gezielt darauf vorbereitet oder erarbeitest du dir alles selbst?

Früher war ich in der Jugendgruppe in der Münchner High-East Kletterhalle aktiv und hatte da einen Trainer. Seit einigen Jahren bin ich jetzt im Boulderwelt-Athletenteam und habe auch da zwei hervorragende Trainer, die mich aber eher beim Bouldern weiter bringen.

Fürs Lead Klettern (Vorstiegsklettern) habe ich im Moment keinen Trainer. Aber wenn man selbst einiges vom Training weiß oder in den letzten Jahren dazugelernt hat, dann kann man auch selbstständig daran weiterarbeiten. Die Grenzen sind meist eh nur die, die der eigene Kopf dir setzt. Wenn man da also gerade im Lead Klettern weiterarbeitet, spezifisch den Kopf trainiert, bringt das oft viel mehr als das pure körperliche Training.

Wenn du mal merkst, dass du im Training keine Fortschritte machst, was macht du dann? Wie motivierst du dich, das harte Training durchzuziehen?

Tatsächlich ist das bei mir eher selten der Fall, ich fühle mich eigentlich fast immer fit. Nur nach einer Krankheit bin ich gefühlsmäßig mal schwach, das ist ja dann auch klar. Oder eben nach einem Übertraining, wenn ich einfach viel zu viel gemacht habe.

Aber ansonsten fühle ich mich eigentlich immer fit und hab auch so viel Spaß am Klettern, dass ich immer motiviert bin mehr zu machen und mehr zu trainieren, damit ich noch besser werde. Aber das kommt von dem Spaß an sich, den mir das Training und das Klettern bereitet. Der Spaß motiviert mich!

Bist du vor oder während einem Wettkampf nervös?

Am Wettkampftag selber ist es ganz oft so, dass sich alles ganz normal anfühlt. Aber spätestens, wenn das Hinweisschild „Hier geht’s zum Kletterzentrum xy“ auftaucht, beginnt mein Herz schneller zu schlagen. Wenn ich dann die Halle vor mir sehe, werde ich immer aufgeregter. Aber das Gefühl finde ich cool!

Wenn ich dann die Halle betrete und die Routen anschaue, friert es mich immer ein wenig oder ich zittere sogar. Aber dieses Gefühl ist eben auch das Besondere daran. 

Hast du Selbstzweifel oder Angst? Und wie gehst du dagegen vor, falls solche Gefühle aufkommen?

Es kommt immer drauf an, finde ich, in welchem Bereich man gerade startet. Wenn ich bei einer Stadtmeisterschaft antrete, fühle ich mich als einer von den Besten und dann denke ich mir: „Okay, die Finalroute ist jetzt da und wenn ich das nicht klettere, dann klettert die auch sonst keiner.“ Das klingt jetzt ein wenig arrogant, aber das ist eine Einstellung, die dir beim Wettkampf unglaublich weiterhilft, weil man wirklich cool an die Sache ran geht. Du gehst dann in die Route rein und fühlst dich vom ersten Griff an stark und ohne Zweifel. Auf Basis dieser Gedanken klettere ich dann auch gut und bringe eine top Leistung.

Aber es gibt auch die anderen Wettkämpfe , die eine höhere Ebene haben. Zum Beispiel der Deutschland-Cup, wo ich mich eben nicht als einer von den Besten fühle und wenn ich da im Finale stehe, denke ich mir oft: „Oh die sind ja alle viel besser“. Da sind dann Selbstzweifel dabei und auch eine gewisse Furcht vor dem, was in dieser Route auf mich zukommt oder ob ich sie überhaupt schaffe. Das ist aber leider eine ziemlich schlechte Einstellung, weil ich da auch ganz oft auch nicht die Leistung bringe, die ich bringen könnte.

Am besten ist es, einen Wettkampf folgendermaßen anzugehen. Man sagt sich „Hey, hier bin ich und das kann ich!“ Wenn man so auftritt, bringt das einem die beste Leistung. Das ganze umzudrehen ist tatsächlich ein wenig schwierig, man muss sich wirklich gut zureden und das Selbstvertrauen aufbauen und sagen: „Okay das ist die Route, die nehme ich jetzt so wie sie ist und wenn da ein Sprung drin ist oder sonst irgendwas, ist das kein Problem; ich bin hier weil ich gut bin und das kann.“ Diesen Schalter umzulegen, das ist die eigentliche Kunst.

Wenn man vor dem Finale hinter dem Vorhang sitzt, sich gerade einbindet und hört wie das Publikum jubelt, weil der vor dir die Route getoppt hat, dann steigert das natürlich die Anspannung und den Druck, vor allem wenn man in der Qualifikation schon sehr gut war.

Dann stehst du vor all den Leuten, die quasi nur auf dich warten und weil du bisher ja schon sehr gut warst, schauen sie dir mit hohen Erwartungen beim Klettern zu. Da bist du dann total aufgeregt. Doch sobald du die ersten Griffe in der Hand hast, bist du in der Route drin und plötzlich ist diese Nervosität komplett weg, du hörst keine Jubelschreie mehr, keinen Moderator. Du bist dann wie in einem Tunnel und konzentrierst dich nur auf den nächsten Griff. Das ist ein wahnsinnig geiles Gefühl und wenn man das hat, dann ist man schon auf dem richtigen Weg.

Wenn man noch alles mögliche von außen hört, dann ist man nicht wirklich in dieser Route drin und dann bringst du auch nicht die Leistung, weil du an viel zu viele andere Sachen denkst. Absolut fokussiert zu bleiben und den Rest auszublenden ist ein wichtiger Aspekt im Wettkampf!

Wie sieht ein typischer Wettkampftag bei dir aus? Hast du besondere Rituale oder Glücksbringer?

Am Wettkampftag selbst schaue ich, dass ich so früh wie möglich vor Ort bin, dass ich auf jeden Fall genug Zeit habe, mir die Routen anzuschauen und mich in Ruhe ausgiebig aufwärmen kann und vor dem Einstieg in die Qualifikation auch noch eine richtige Pause habe. So kann ich mich gut vorbereiten. Zeitdruck wäre hier kontraproduktiv. Danach fachsimpelt man ein wenig mit den anderen Teilnehmern über die Routen.

Dann kommen die Qualifikationsrouten, die man im Flash klettern muss. Also entweder sieht man ein Video der Route oder sie wird vorgeklettert. Je nach Startnummer bekommt man seine Startzeit und darf dem Kletterer davor auch zusehen. Vom psychischen Aspekt her, finde ich es sehr wichtig, wie die erste Route für mich läuft. Sie bestimmt den Verlauf des ganzen Wettkampfes. Das heißt, wenn die erste Route gut funktioniert, habe ich eigentlich einen optimalen Auftakt für die zweite Route; da fühle ich mich einfach gut und gehe mit diesem positiven Gefühl in die nächste Runde hinein. Wenn die erste Route nicht so gut läuft, habe ich Zweifel und auch Druck für die nächste. Die zweite Route muss dann einfach laufen, sonst kommst du nicht weiter.

In der Quali werden die Routen zugelost, und wenn ich zuerst die bekomme, die mir mehr liegt, hilft mir das natürlich auch sehr. Nach der Quali gibt es eine längere Pause. Da esse ich dann nochmal was und schaue mir nach Möglichkeit die Final-Route an (bei Deutschland-Cups bleiben die Routen verdeckt). Danach gibt es eine Besichtigungszeit von 6 Minuten, wo sich alle die Routen gemeinsam anschauen. Schließlich wartet man in der Isolation, in der man den anderen nicht zu sehen kann. Die Route wird dann im Onsight-Modus geklettert, also ohne vorher gesehen zu haben, wie die einzelnen Bewegungen ablaufen sollen. Das ist dann die wirkliche Königsdisziplin. Nach dem Finale steht die Siegerehrung an und ganz groß geschrieben wird danach auch das Beisammensein mit den anderen Teilnehmern. War ich erfolgreich, fahre ich auch dementsprechend glücklich nach Hause.

Als Ritual kontrolliere ich meinen Knoten immer wieder, ob er auch passt. So ein Ritual gibt mir einfach Sicherheit und beruhigt mich, weil man den Ablauf schon kennt. Außerdem gibt es einen ausführlichen Partnercheck. Danach kann ich ohne Gedanken an die Stürze losklettern. Aber einen Glücksbringer in dem Sinn habe ich nicht.

Wie gehst du damit um, wenn du am Wettkampftag merkst, dass du irgendwie nicht richtig reinkommst, es nicht gut läuft?

In der Hinsicht kann ich von meinem dritten Wettkampf, der bayrischen Meisterschaft erzählen. Der war mir total wichtig und ich wollte unbedingt den bayrischen Meistertitel gewinnen. Ich war auch super in Form und die Entscheidung lief eigentlich nur zwischen meinem Konkurrenten und mir. Darauf habe ich mich super vorbereitet, sehr viel trainiert. Aber es lief überhaupt nicht. Die erste Quali-Route war zwar gut, aber die zweite habe ich vermasselt und bin deshalb nicht ins Finale gekommen. Das hat mir so richtig gestunken, ich war sauer, wütend und absolut enttäuscht.

Aber ich habe für mich als Erfahrung mitgenommen, dass ich das so in Zukunft nicht mehr machen werde, weil mich das bloß runterzieht und im Endeffekt gar nichts bringt. Es war ja trotzdem ein cooler Wettkampf, mit vielen coolen Leuten. Man sollte immer versuchen, die positiven Aspekte hervorzuheben.

Es ist nicht so wichtig, wenn ich mal nicht so gut war. Davon sollte man sich nicht runterziehen lassen.

Diese Gelassenheit ist ein Schlüssel, die dich insgesamt fröhlicher macht. Nichts desto trotz darf man seinen Ehrgeiz genauso weiter haben, auch für den nächsten Wettkampf. Man darf das Ziel schon fokussieren, aber diese gewisse Gelassenheit sollte man trotzdem haben.

Wie unterscheidet sich dein Training für den Wettkampf und für den Felsen? Sind die Anforderungen an einen Wettkampfkletterer anders als an einen Felskletterer?

Es gibt definitiv Unterschiede zwischen Fels- und Wettkampfkletterern. Beim Lead Klettern im Wettkampf ist es mehr ein Fitness-Test. Das heißt du bekommst die Route vorgesetzt und musst die ideal klettern, damit du so hoch wie möglich oder gar bis ganz nach oben kommst.

In den Wettkampfrouten bleibt normal nicht viel Zeit zum Rasten. Eine Route ist eigentlich zum Durchlaufen; also es gibt keine guten Möglichkeiten zum Schütteln. Das bedeutet folglich, dass die Route geklettert werden muss, da sonst die Kraft ausgeht. Die Routen sind nämlich von mittelschwer bis sehr schwer aufgebaut, sodass man nach oben hin irgendwann abfällt. Das heißt, je fitter du bist, desto besser stehen deine Chancen im Wettkampf.

Beim Felsklettern ist das ganz anders, da muss man nicht unbedingt schnell klettern können. Normalerweise gibt es hier immer wieder mal gute Griffe, Rastpositionen, wo man teilweise auch die Hände loslassen kann. Da ist die reine Kraftausdauer nicht unbedingt zielführend. Viel wichtiger ist da eine sehr gute Technik, ein gutes Auge, um in verschiedenen Felsarten die Griffe zu erkennen, sowie schnell zu analysieren welche Bewegungen mir weiterhelfen, auch in unübersichtlichen Situationen.

Und beim Alpinklettern, wo auch die Hakenabstände, anders als beim Sportklettern, ziemlich weit sind, da ist  der Kopf nochmal wichtiger. Das Einschätzen von gefährlichen Situationen ist essentiell und dass man die objektive und subjektiven Gefahren bewusst einschätzen kann. Eine gute Selbsteinschätzung ist hier unumgänglich. Natürlich müssen Sicherungstechniken und Seilhandling in großen Wänden optimal beherrscht werden.

Wo steht der Druck mehr im Vordergrund? Hast du Sturzangst? Wenn ja, wo tritt sie häufiger auf und was tust du dagegen?

Ich hatte tatsächlich sehr lange Sturzangst. Ich bin 9er geklettert, ohne einmal reinzufallen. Das war schon krass. Aber wenn man in den 10. Grad kommt, muss man irgendwie doch mal stürzen, sodass man etwas ausprobieren kann.

An das Sturztraining hab ich mich dann langsam herangetastet. Beim Training habe ich jedes Mal eine kleine Übung gemacht: Ich bin bis zur 5. Exe geklettert und hab mich reinfallen lassen, dann weiter zu 6. Exe und hab mich wieder reinfallen lassen und immer so weiter. Also ganz kleine Stürze.

Allerdings muss man da dran bleiben. Es bringt nichts, das Training ein- oder zweimal zu machen. Wenn man es über einen längeren Zeitraum durchzieht, bringt das viel. Das muss man aber auch wirklich wollen.

Wenn ich ein Projekt am Felsen habe, das ich unbedingt durchsteigen möchte, warte ich eine gewisse Zeit, bis ich in den nächsten Versuch starten kann, damit ich wieder genug Kraft gesammelt habe. Merke ich, dass ich nervös werde, steige ich ein bevor das Gefühl noch schlimmer und mir fast schon schlecht wird. Erwischt man den Moment davor richtig, passt es meistens auch. Vor allem nicht zu verbissen zu sein ist der Schlüssel. Ein wenig Abstand zum Projekt ist immer gut, dann geht es leichter und der Flow im Klettern kommt mit der Leichtigkeit. So baut man sich auch nicht unnötig viel Druck auf.

Wettkampf oder Fels? Was liegt dir mehr und was liebst du mehr?

Das Wettkampfklettern hat auf jeden Fall seine Reize. Gerade wenn man im Finale vor Publikum klettert, sind das ganz besondere Momente. Aber tatsächlich liebe ich das Felsklettern mehr. Das gibt mir einfach mehr. Es ist facettenreicher, auch vom mentalen Anspruch her, denn man muss sich einfach trauen, weiter zu klettern.

Außerdem ist man draußen in der Natur, in einer wahnsinnigen Umgebung und dann hast du dieses besonderer Gefühl, wenn der Wind dir ins Gesicht streift, wenn du die letzten Züge kletterst, wenn du total am Limit bist und dann den Umlenker erreichst. Hinter dir geht die Sonne gerade unter und taucht die Felsen in ein rotes Licht. Das sind unglaubliche Momente. Oder wenn man eine große Felswand durchsteigt. Das sind Erlebnisse, die kriegt man in der Halle, denke ich, nicht. Also mir gibt die Natur auf jeden Fall mehr.

Und zum Schluss, beschreibe einmal deinen perfekten Klettertag!

Der sieht folgendermaßen aus: ich bin mit meinen besten Freunden oder mit der Freundin am Felsen unterwegs, wo sonst niemand ist. In einer tollen Landschaft mit genialen Tiefblicken. Dort klettern wir ein paar tolle und auch schwere Routen, die uns fordern. Wo die Linie der Route an sich so genial ist, dass man sie klettern will und wo man sich total freut, dass man das erleben und gerade hier sein darf. Und wenn dann jeder seinen Erfolg hat und die Sonne untergeht, ist das was ganz Besonderes.

Wenn es dann zum Abschluss noch ein Eis in Arco gibt und man durch die Gassen läuft und sich am Marktplatz hinsetzt um die Erlebnisse zu verarbeiten und Revue passieren zu lassen, dann passt einfach alles zusammen.

Was sind deine weiteren Ziele?

Eines meiner weiteren Ziele ist es, die schweren Grade in Mehrseillängenrouten zu übertragen. Das wär total cool, eine 8a oder den 10. Grad auf eine große Wand zu projizieren, schon im Sportkletterstil, aber eben in mehreren Seillängen. Ein anderes Ziel sind die Nordwände der Drei Zinnen in den Sextener Dolomiten, die möchte ich unbedingt klettern. Das ist ein ewiger Traum von mir, da wollte ich schon immer durchklettern und ich hoffe, dass ich das ziemlich bald realisieren kann.

Vielen Dank Steffen für das motivierende und inspirierende Gespräch!

Mehr Informationen zu Steffen Hilger findet ihr auf seiner Website: www.steffenhilger.de

Jämtland Outdoor Experience – Zur Produktschulung nach Schweden

11. Oktober 2018
Die Bergfreunde

Unsere Kollegen aus dem Kundenservice sind die ersten Ansprechpartner, wenn Kunden Fragen zu unseren Produkten haben. Daher versuchen wir, ganz besonders unsere eingefleischten „Gearheads“ kontinuierlich und bestmöglich zu schulen. Und was kann es Besseres geben, als die Produkte selber unter echten Bedingungen zu testen?

Ein ganz außergewöhnliches Schulungskonzept bieten die drei schwedischen Hersteller Hilleberg, Lundhags und Woolpower an und so flog unser Kollege Robert aus dem Gearhead-Team für ein paar Tage nach Schweden und durfte gleich eine ganze Reihe von Produkten unter die Lupe nehmen. Im Folgenden könnt ihr lesen, was er erlebt und gelernt hat:

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich Anfang August die Einladung zur Jämtland Outdoor Experience, kurz JOE, in Östersund / Schweden, bekommen habe.

Die JOE  ist eine 4-tägige Trekkingtour (46 km, 1200hm), bei der zahlreiche Produkte auf Herz und Nieren getestet werden und wir intensive Schulungen mit umfangreichem Produkt-Knowhow sowie den besten Insider-Hacks erhalten.

Ihr könnt Euch vorstellen, ich war sofort Feuer und Flamme! Zum Einen kenne ich die drei Marken und war besonders gespannt, diese großartigen Produkte live zu testen, zum Anderen war ich aber auch noch nie in Schweden. Also habe ich mit großer Vorfreude und ohne lange zu überlegen zugesagt und kurzerhand die Flugtickets gebucht. Auf nach Jämtland, dem Land der Rentiere.

Anreise nach Östersund

Von Stuttgart aus geht es erst einmal nach Stockholm. Nach einem kurzen Zwischenstopp, dann der Weiterflug zum Flughafen Östersund. Dort treffe ich bereits einen Teil meiner Mitstreiter. Nach kurzem Vorstellen fahren wir also gemeinsam mit dem Bus in unsere Unterkunft, wo wir auf den anderen Teil der Gruppe treffen. Der erste Abend wird auch gleich mit einem original schwedischen Abendessen (Rentiergulasch) gekrönt.

Mein erster Eindruck von Schweden? Im Vergleich zu Deutschland geht hier alles etwas beschaulicher und höflicher zu. Die Schweden nennen das Lagom und Fika, wie ich in den nächsten Tagen lernen werde. Lagom lässt sich nicht wirklich übersetzen. Es ist mehr die Mentalität der Schweden, sozusagen deren Grundstimmung. Lagom ist, wenn alles stimmt und alles ausgewogen ist. Mindestens so wichtig wie Lagom ist Fika: Die Fika der Schweden ist ähnlich wie die Siesta der Spanier Die Fika ist aber nicht so sehr an einen Zeitraum gebunden. Es geht generell um Entschleunigung, egal ob bei einer kurzen Mittagspause mit viel Kaffee und viel Kuchen oder bei einem Sabbat-Jahr. Ganz so, wie du es gerade brauchst.

Lagom und Fika, zwei Dinge die ins Gepäck jeder Outdoor-Tour gehören.

Besichtigung bei Hilleberg

Nach einem ausgedehnten Frühstück werden wir am gemeinsamen Treffpunkt abgeholt und zum Start der JOE bei Hilleberg gefahren. Mit ‚wir‘ meine ich die bunt gemischte Gruppe aus 25 internationalen Teilnehmern (Bergfreunde aus Deutschland, Schottland, der Tschechischen Republik, Schweiz und den Niederlanden; plus Guides von Hilleberg, Lundhags und Woolpower).

Nach einer Besichtigung der Produktionsstätte von „Hilleberg the tentmaker“ bekommen wir schließlich unser komplettes Equipment. Von Schuhen, einem Rucksack, passender 3-Schicht-Bekleidung, bis hin zur Unterwäsche ist alles dabei. In den Rucksack kommen außerdem noch Schlafsack, Isomatte, Zelt, Outdoorkocher und Trekkingnahrung (by the way, mein Favorit nach 4 Tagen, Apfel-Zimt-Haferbrei von Bla Band) und natürlich alles andere was man an persönlichen Gegenständen noch so braucht. Insgesamt kommen so beachtliche 23 kg zusammen. Wasser in Trinkwasserqualität gibt es zum Glück überall am Wegesrand, was die Wasserversorgung deutlich vereinfacht und Trinkwasserfilter überflüssig macht.

Als staatlich geprüfter Bergführer habe ich schon einige Zelt-Trekking-Touren gemacht, aber diese hier ist die erste in Schweden. Und wisst Ihr, was ich mir als ersten Hack von den Einheimischen abgeschaut habe? Immer einen kleinen faltbaren Becher in der Jackentasche zu haben, um ständig Wasser aufzunehmen. Damit musst Du nicht ständig mit 2-3 Liter Flüssigkeit umher laufen. Praktisch, oder?

Die erste Nacht im Freien

Nach einem Briefing sowie einer kurzen Busfahrt zum ersten Zeltplatz weiht uns Robin von Hilleberg in die Kunst des Zeltaufbaus ein. Das richtige Aufbauen will gelernt sein. Erst das Zelt mit zwei Heringen befestigen und dann die flexiblen Stangen einführen, Laschen einhängen und schon steht das Zelt. Klingt einfach, oder? Für uns ist es das auf jeden Fall nicht auf Anhieb, aber wir sind ja auch zum Üben hier. Insgesamt haben wir acht verschiedene Zelttypen aufgebaut. Von Ein- bis Vier-Personenzelten ist alles dabei. Mein persönlicher Favorit sind schließlich die Tunnelzelte: viel Platz, viel Stauraum und für meine Körpergröße von 190 cm ideal. Nach einem ersten Outdoor Dinner am Lagerfeuer verschwinden wir  hundemüde in unsere persönlichen vier Wände.

Start der Trekking Tour

Wasser holen, Kaffee kochen, Ausrüstung packen und Zelt abbauen – das sind die Dinge, die uns die nächsten Tage begleiteten.

Bevor die Trekking Tour jedoch so richtig losgeht, steht erst einmal noch die Besichtigung von Lundhags, inklusive Produktschulung und Kennenlernen der Fabrikation, auf dem Zettel. Lundhags legt großen Wert auf eine umweltfreundliche, ressourcenschonende und nachhaltige Produktion. Ein höchster Qualitätsanspruch an die Produkte, verbunden mit echter Liebe zur Natur, lassen  einzigartige Outdoor-Ausrüstung im Bereich Bekleidung, Rucksack und Schuhe entstehen.

Begeistert von den Impulsen und darauf gespannt, wie sich die Ausrüstung im Livetest schlagen wird, nimmt unsere Trekking-Tour nun am Ausgangspunkt At Bunnran ihren Anfang.

Die ersten Meter sind – zugegeben – mit den 23 kg, ganz schön anstrengend. Ihr kennt das sicherlich, oder? Auch wenn man den Rucksack richtig gepackt hat und das Gewicht optimal verteilt ist, dauert es immer etwas, bis man sich an den schweren Rucksack gewöhnt hat. Zu Beginn führt uns die Tour über kleine Pfade und später auf weglosem Gelände ca. 10 km zu unserem ersten Lagerplatz an einem wunderschön gelegenen See.

Dort angekommen, heißt es Zelt aufbauen, Isomatte ausrollen, Schlafsack auspacken, Wasser kochen für den Tee, Abendmahl zubereiten – eben all die Dinge, die am Ende eines Trekking-Tages auf einen zukommen. Mein Tipp hier: nehmt euch eine richtig gute Isolierflasche mit. So habt ihr die ganze Nacht und, wenn das Fassungsvermögen ausreichend groß ist, auch direkt am nächsten Morgen noch heißes Wasser. Auf diese Weise kann man noch direkt im Zelt seinen ersten Tee oder Kaffee genießen.

Tag Zwei der Trekkingtour

Knackige 0°C sind es am Morgen. Nach dem ersten Kaffee, Frühstück und dem Packen, gibt es eine kurze Besprechung sowie einen Erfahrungsaustausch zu den Lundhags-Produkten, die wir im Einsatz hatten. Danach geht es auch schon weiter – allerdings mit der Aufgabe für mich, den Weg für die Tour zu finden. Nach einem Blick auf Kompass und Karte, ist mir klar, wo lang es geht. Am Ende wird es eine 16 km lange Strecke, die bergauf und bergab, einen 600 Hm Anstieg, Bachüberquerungen, wegloses Gelände und viel Landschaft mit reichlich Fotopausen mit sich bringt.

Mein absoluter Höhepunkt der Tour kommt jedoch etwa eine Stunde vor dem Ende dieser Tagesetappe. Eine Bachüberquerung – ist doch kein Problem, denke ich. Doch als mir das Wasser dann plötzlich bis zu den Oberschenkeln steht, ändere ich meine Meinung recht schnell.

Und an dieser Stelle auch gleich mein nächster Hack für euch: Johann, der Guide von Lundhags, erklärt, wie in Schweden fachmännisch ein Bach überquert wird: Bevor es losgeht, Schuhe ausziehen und Einlegesohlen raus, Socken ausziehen und Barfuß wieder rein in die Schuhe.

Wenn einem das Wasser in die Schuhe läuft, ist klar, was eine anspruchsvolle Bachüberquerung bedeutet. Auf der anderen Seite angekommen, komme ich mir vor, als hätte ich Gummistiefel an den Füßen.

Also heißt es, Schuhe ausziehen, Wasser rausschütten und eine Pause von ca. einer Stunde einlegen. Danach die Einlegesohlen wieder rein und Socken anziehen. Während der ganzen Prozedur komme ich mir etwas komisch vor. Doch es funktioniert.

Nachdem wir am Ende des zweiten Tages den Zeltaufbau gemeistert und das Essen gekocht haben, fallen wir alle abermals müde in unsere Schlafsäcke. Ein langer, aber schöner Tag geht so zu Ende.

Tag Drei der Trekkingtour

Am nächsten Tag heißt es nach dem Frühstück erneut: Zusammenpacken. Unsere Zelte lassen wir jedoch stehen, da zunächst die Produktschulung von Hilleberg auf dem Programm steht. Dabei werden vor allem die Besonderheiten, Vor- und Nachteile eines jeden einzelnen Zelt-Modells besprochen, bevor wir endgültig aufbrechen.

Nach dem von unseren Guides angeleiteten Briefing, wandern wir über zwei Pässe und einige Fotopausen später sind wir unserem Ziel wieder ein Stück näher gekommen. Vor allem das Ende der Strecke hat es noch einmal in sich, da an einem steilen Abstieg unsere ganze Konzentration gefordert ist und die Trekkingschuhe ausgiebig auf Grip getestet werden.

Nachhaltig beeindruckt mich vor allem die vollkommene Abgeschiedenheit in dieser großartigen Landschaft. Überall wo wir unterwegs sind, haben wir so gut wie keine anderen Menschen getroffen. Jämtland bietet unwahrscheinlich tolle Landschaft mit vielen Seen und unberührter Natur. Das macht das Gebiet unglaublich einzigartig. Auch das Wetter hat einiges zu bieten: von Wind, Regen und Sonne ist alles dabei. Wer also Ruhe und unberührte Natur entdecken möchte, ist hier genau richtig.

In einem kleinen Wald erwartet uns schließlich ein wunderschön gelegener Zeltplatz. Mittlerweile hat sich alles eingespielt: Zelt aufbauen, Abendessen kochen, Tee zubereiten und relaxen.

Der letzte Tag

Das morgendliche Standardprogramm geht am letzten Tag ganz entspannt von statten, haben wir doch nur noch etwa zwei Stunden Laufzeit bis zum Ziel vor der Nase. Nach einer weiteren Tasse Kaffee (ihr erinnert euch noch an Fika?), steht heute eine Produktschulung von Woolpower auf der Agenda. Wir tauschen unsere bisherigen Erfahrungen aus und – ganz wichtig – machen endlich den lange ersehnten Geruchstest nach vier Tagen on Tour. Zum Glück (und unserer Merinowäsche sei Dank) kippt niemand um. Geruchstechnisch ist also alles im grünen Bereich, und so können wir, ganz ohne Risiko, uns zurück in die Zivilisation trauen.

Kurz vor Ende überrascht uns letztlich noch eine abenteuerliche Bootsfahrt und ehe wir uns versehen, ist es auch schon geschafft. Abklatschen, glückliche Gesichter… und zu unserer Freude steht bereits ein Willkommens-Bier für uns bereit. Wow, geschafft!

So heißt es, endlich wieder eine Dusche zu nehmen und die Füße hochzulegen. So wird am Abend nach einer gemeinsamen Diashow noch kräftig gefeiert. Alle sind stolz, es geschafft zu haben.

Eine letzte Stippvisite bei Woolpower

Am letzten Morgen geht es zum Abschluss noch ins Werk und zum Hauptsitz von Woolpower. Hier ist fast alles richtige Handarbeit und ich kann euch sagen: Die Produkte sind nicht nur angenehm auf der Haut zu tragen, sondern haben für mich in Sachen Temperaturregulierung auch super funktioniert. Auch den 4-Tage-Trekking-Geruchstest haben sie bestanden. Als mein neues Lieblingsteil stellt sich schlussendlich ein Midlayer mit 200 g/m² Materialgewicht heraus. Aber auch das Crewneck 200 darf bei meiner nächsten Tour nicht fehlen.

Kurz darauf steige ich glücklich und mit vielen neuen Erfahrungen sowie Eindrücken im Gepäck, zurück ins Flugzeug nach Deutschland.

Zum Schluss noch ein dickes Dankeschön an Hillberg, Lundhags und Woolpower für dieses tolle Erlebnis.

Die Bergfreunde zu Besuch bei DMM Wales: Trad Climbing mit Hindernissen

13. Dezember 2018
Die Bergfreunde

Da stehen wir nun. Am Ufer des Llyn Padarn, in der kleinen Ortschaft Llanberis, im Reich der unaussprechlichen Worte und Namen. Wenige Minuten später: im lokalen Klettershop begrüßt man uns mit einem Grinsen im Gesicht. „Hey team ‚no shoes‘. How are you doin‘?“ Gut dass wir schon wieder lachen können. Kurz darauf hocken wir mit drei Paar neuen Kletterschuhen bei unserem Kumpel Ben von DMM vor der Haustür, futtern Fish & Chips, als Hazel Findlay vorbeischlendert. Ein paar Pommes wechseln den Besitzer, bevor auch wir unsere Rucksäcke packen und für ein paar entspannte Seillängen in den Abend stiefeln.

Doch was genau machen wir eigentlich hier? Wenige Stunden zuvor: Euphorisch erklären wir den Sicherheitsbeamten am Flughafen Stuttgart, dass der Klumpen Metall in unseren Dufflebags zum Klettern benötigt wird. Ungläubige Blicke. Achja, und das weiße Pulver in den kleinen Taschen ist weder Koks noch Sprengstoff. So sitzen wir nun also entspannt im Flieger nach Manchester und blättern freudig in unserem Selective Guide für Nord-Wales. Schiefer-Platten, Trad climbing, ein Besuch bei DMM und super Wetter – rosige Aussichten für die nächsten 4 Tage.

Vor Ort angekommen, dann jedoch die große Ernüchterung. Keines unserer drei aufgegebenen Gepäckstücke hat die Reise je angetreten. Am Schalter tummeln sich die Reisenden, denn scheinbar wurde eine ganze Fuhre Gepäck schlichtweg vergessen.

Auf unseren Hinweis, dass es sich dabei um Kletter-Equipment im Wert von mehreren Tausend Euro handelt, versichert man uns, dass wir uns mit dem Nötigsten eindecken können (selbstverständlich alles auf Kosten einer nicht näher genannten irischen Billig-Airline), und man unser Zeug so schnell wie möglich nachschicken wird. Soweit, so gut. Also schnappen wir uns unseren Leihwagen, brausen nach Wales und kaufen uns erstmal das Wichtigste: Kletterschuhe und Schlafsäcke. Versteht sich doch von selbst, oder?

Die ersten Klettererfahrungen an den walisischen Felsen

Glücklicherweise sind wir offiziell mit einer kleinen Delegation Bergfreunde zu Besuch bei DMM, sodass es uns zumindest an Exen, Cams und Keilen nicht weiter mangeln sollte.

Klettergurte, Halbseile, Helme und Co. bekommen wir ebenfalls leihweise vor Ort, Ben sei Dank. Dieser hat uns bereits einen Discount herausgehandelt und den örtlichen Kletterladen von unserer bevorstehenden Ankunft berichtet. Praktisch. Frisch ausgestattet machen wir uns also auf den Weg, endlich selbst Handanzulegen, an diesen wunderbaren walisischen Felsen…

Für mich persönlich waren die ersten vier Seillängen die Entjungferung im Trad climbing, ein großartiges Gefühl – keine Bohrhaken, keine Stände, keine Regeln. Nur eine Linie unter Hunderten, soweit einen die natürliche Struktur führt. Einzig meinen nigelnagelneuen Schuhen von Scarpa vertraue ich noch nicht so ganz, aber das kommt noch. So stehen wir erstmal im Sonnenuntergang am Rande des Tals und genießen die wahrhaft wildromantische Aussicht.

Ein Glücksmoment folgt dem anderen

Tags drauf, ein herrlicher Sonntag. Schon früh morgens klettert das Thermometer auf über 20°C und wir suchen uns einige der wenigen schattigen Plätzchen zum Klettern. Meine erste Trad Tour im Vorstieg – Yes! Und das noch vor dem Frühstück.

So gibt es zur Belohnung erstmal ein English Breakfast mit Speck, Bohnen, Eiern und Würstchen unter freiem Himmel. Nicht jedermanns Sache, aber ich liebe es! Die herrliche Kulisse mit dem unweit entfernten Snowdon (1.085 m) im Hintergrund tut ihr Übriges. Und ganz generell zeigt sich der Norden Wales als wahres El Dorado für Outdoorsportler… Wir sehen Mountainbiker, Rennradfahrer und Backpacker. Über uns zieht ein einzelner Gleitschirmflieger seine Bahnen in der Thermik des Steinbruchs, ach, und der Atlantik ist auch nicht weit. Sogar eine künstliche Welle soll es hier in einem der Baggerseen geben.

Daraufhin gestaltet sich die Suche nach einem der Witterung angemessenem Kletterspot nicht ganz so leicht. In den bekannten Slate Quarries mit ihrem dunklen Schiefer fühlt man sich bei dem wolkenlosen Himmel wie ein Fisch im Backofen. Und doch scheint hier die Zeit irgendwie stehengeblieben zu sein. Verlassene Bauten der ehemaligen Minenarbeiter, verrostete Schienen- und Seilzugsysteme, sengende, flimmernde Hitze – eine beeindruckende Reise in die Vergangenheit, wenn man bedenkt, dass der Dinorwic-Steinbruch (der ehemals zweitgrößte Schiefersteinbruch der Welt) seit 1969 stillgelegt ist.

Zum Glück haben wir jedoch ausgewiesene Kenner des Gebietes dabei, welche uns nicht nur die kletterhistorische Bedeutung des Gebietes näher bringen, sondern auch eines der wenigen schattigen Plätzchen ausfindig machen: die Serengeti. Hier verbringen wir den Rest des Tages mit einigen der rar gesäten, gebohrten Sportkletterrouten sowie schönen Rissverschneidungen, in denen wir die nahezu gesamte Palette der mitgebrachten DMM Dragon Cams, Wallnuts, Offset Nuts, Brass Offsets, Peenuts sowie I.M.P.‘s ausgiebig testen können. Das nenne ich mal ’ne Materialschulung vom Feinsten!

Werkbesichtigung in Llanberis

Pünktlich zum Wochenstart finden wir uns nun in den Büroräumen von DMM in Llanberis ein. Es folgen Gespräche mit verschiedenen Mitarbeitern sowie Produktentwicklern, bevor wir uns das Herzstück der walisischen Handwerkskunst aus nächster Nähe anschauen: die Produktionshallen. Dort, wo aus Aluminiumrohlingen Karabiner, Sicherungsgeräte und Seilrollen geformt, gepresst und geschmiedet werden, mitsamt eigener CNC-Fräse sowie Inhouse-Qualitätskontrolle.

Die Produkte von DMM durchlaufen den gesamten Produktionszyklus hier an Ort und Stelle. Einzig die Eloxierung findet aus umweltschutzrechtlichen Gründen an einem separaten Standort statt. Ein wirklich faszinierender Einblick, den wir hier bekommen, immerhin handelt es sich bei all diesen Produkten um sicherheitsrelevantes Material. Zeug, dem wir unser Leben anvertrauen!

Peek a boo, Gepäck wo bist du!?

Inzwischen am Flughafen Manchester: Unser Gepäck ist scheinbar auf dem Weg. Wie oder wo genau – die Antwort bleibt man uns schuldig. Also gehe ich meine einzige Unterhose kurzerhand im See waschen. Ob das so gut für die indigene Fauna ist? Ich wage es zu bezweifeln ;-) Da wir aber ohnehin den ganzen Tag auf Achse sind, macht es jetzt auch keinen großen Unterschied mehr, ob es noch ein T-Shirt zum Wechseln gibt oder nicht.

Vielmehr vermisse ich jedoch gescheite Zustiegsschuhe. Meine Sneaker sind zwar bequem, zum Wandern jedoch weniger geeignet. Denn am Nachmittag geht es zu den Idwall Slabs – ideales Gelände für einige richtig schöne Seillängen in gemäßigten Schwierigkeitsgraden (VD – HVS). Perfekt, um auch das Bauen verschiedener Standtypen mit mobilen Sicherungsgeräten zu üben. So vergehen die Stunden bis in den frühen Abend.

Erst das Donnern einer zweipropellerigen Royal Air Force Maschine lässt uns an den Horizont schielen, an welchem rasant und feuerrot die Dämmerung heraufzieht. Zeit für uns einzupacken und heimzufahren.

Mit eigens hergestellten Karabinern zur Rainbow Slab Area

Der letzte Tag vor dem Abflug, von unserem Gepäck immer noch keine Spur, aber inzwischen ist es uns auch egal. Vormittags geht es nochmal zu DMM. Als besonderes Highlight dürfen wir uns heute unter den wachsamen Augen der Mitarbeiter pro Person ein halbes Dutzend Karabiner selbst zusammensetzen, inklusive offizieller Abnahme, Laser-Gravur und stichprobenartigen Tests der Bruchlastwerte. Schon beeindruckend unter welchen Kräften Karabiner und Schlingen zerbersten – und wie diese Werte durch äußere Einflüsse wie Alterung, UV-Strahlung sowie Korrosion herabgesetzt werden.

Auf jeden Fall geht es im Anschluss mit jeder Menge Vertrauen in unser neu erworbenes Material, na klar, erstmal ’ne Runde klettern. Unser Ziel heute: Die Rainbow Slab Area. Dort angekommen zeigt ein markanter Riss im zentralen Wandteil den Weg nach oben. Mit „Bela Lugosi is Dead“ (E1 5b) klettern wir eine richtig schöne Vorzeigetour, in der von Cams und mittelgroßen Keilen, bis hin zu den richtig kleinen Brass Offsets wieder so ziemlich alles an Material gebraucht wird, das wir uns an die Gurte hängen können.

Spätestens jetzt sind alle von uns im Trad Fieber. Oder um es mit den Worten des Kletterführers zu sagen: „The Rainbow Slab itself is mostly old-school trad classics with minimal or no bolting giving run-out and technical routes requiring deft footwork, strong fingers and a very steady head“. Besser könnte man die großen Unterschiede zum klassischen Sportklettern, wie wir es hierzulande kennen, nicht umschreiben. So verlassen wir das Gebiet erst wieder mit dem Einbruch der Dunkelheit und gönnen uns zur Feier des Tages reichlich Guiness, Cider sowie Fish & Chips – so viel Zeit muss sein!

Wales, wir kommen wieder

Bevor nun unser Flug in Richtung Deutschland geht, testen wir noch schnell den einen oder anderen Boulder, um uns anschließend zu verabschieden und mit einem richtig dicken Dankeschön an Ben und DMM (nicht zuletzt für das ganze Leihmaterial) auf den Heimweg zu machen. So kümmern wir uns im Auto erstmal um unser bis dato verschollenes Gepäck, nur um mitgeteilt zu bekommen, dass sich dieses gerade eben per Kurier auf dem Weg nach Wales befindet. In diesem Sinne, Danke für nichts liebe Billigfluglinie aus Irland, dessen Namen ich hier lieber nicht nenne. Schließlich dauert es jetzt noch eine ganze weitere Woche, bis wir unsere geliebten Halbseile, Kletterschuhe sowie mehrere komplette Racks an Trad Gear wieder in Händen halten.

Zurück bleiben jedoch ausschließlich die positiven Erinnerungen und Eindrücke. So kann ich für das gesamte Team der mitgereisten Kolleginnen und Kollegen sprechen, wenn ich sage, dass es ein richtig gelungener Trip gewesen ist, der für die meisten von uns extrem lehrreich war. Wales, wir kommen definitiv wieder!

Caro North in Juneau, South East Alaska

26. September 2018
Bergfreunde Pro-Team

Rund um mich herum ist nur weiß – so weit das Auge reicht. Nichts als weiß. Wir befinden uns in einer riesigen, weiten Gletscherlandschaft im Südosten Alaskas. Es ist einsam hier, denn über viele Kilometer sind wir die einzigen Lebewesen in dieser Eiswüste. Wir, das sind ich, Caro, und meine Freundin Brette Harrington. Was wir hier machen? Klettern natürlich…

Wie alles begann

Etwas skurril ist es schon. Eigentlich war ich zu einem Rocktrip nach Nordamerika aufgebrochen um zwei Monate lang hohe Felswände und cleane Risse zu klettern. Mal keine Handschuhe und dicke Daunenjacken tragen, wie ich es schon die letzten 6 Monate in Patagonien getan hatte. Aber wie es eben immer so läuft: am Ende kommt doch alles anders.

Meine Freundin Brette Harrington hatte mich gefragt, ob ich sie auf das Eisfeld nach Juneau, South East Alaska begleite. Für mich klang es spannend und ich war sofort motiviert. Fortan hieß es also für mich Gletscher-, Eis- und Skimaterial zu besorgen. Zum Glück unterstützte mich Mammut USA, sowie einige von Brettes Freunden dabei, mich mit allerlei an Ausstattung zu versorgen.

Neben der Planung bin ich noch schnell eine Tour am Chief in Squamish geklettert (Freeway 5.11, onsight) und ehe ich mich versah, ging auch schon unser Flieger von Vancouver nach Juneau.

In Juneau, South East Alaska

Spätabends kamen wir in Juneau an. Doch wir verloren nicht viel Zeit, da das Wetter gut war. Deshalb ging es für uns auch schon am nächsten Mittag mit dem Helikopter raus auf das Eisfeld, das sich nicht weit von der kleinen Hafenstadt erstreckt.

Der Helikopter setzte uns in einer weiten Landschaft aus riesigen Gletschern ab. Überall um uns herum ragten die Gipfel aus Fels, Schnee und Eis hervor.

Nachdem wir unser Basislager auf einem flachen Stück Gletscher etablierten, erkundeten wir auch schon die nahen Wände. Allerdings zog sich auf dem Rückweg das Wetter zusammen, dass wir fast unsere Zelt wiederfinden konnten. Wir bekamen damit also schon einmal einen ersten Vorgeschmack davon, wie schnell sich das Wetter hier verändern konnte. Ohne Sicht hatten wir kaum Anhaltspunkte zur Orientierung und es fiel schwer uns überhaupt vorwärts zu bewegen.

Die Gipfel rufen

Am nächsten Morgen klingelte unser Wecker schon früh. Aber mit einem Blick aus dem Zelt erkannten wir sofort, dass unser Aufbruch erstmal nach hinten verschoben werden musste – wir befanden uns nämlich komplett im Whiteout. So gingen wir also erst um 10 Uhr mittags los in Richtung Dukes. Dukes war unser Ziel, da wir dort auf der Westseite eine interessante Mixedline gesehen hatten.

Allerdings merkten wir schnell, dass der Eisschlauch, den wir anvisiert hatten, leider nur noch aus schlechtem Eis und warmen Schnee bestand. So begannen wir zu queren und durch die Wand zu klettern. Eine gute Entscheidung, denn kurz darauf kamen über den Eisschlauch ziemliche Massen an Schnee herunter.

Wir kletterten anspruchsvolle Längen durch Fels und Schnee. Wir versuchten immer achtsam zu sein, verwendeten auch mal Moos zum hooken unserer Pickel, um keine lockeren Steine loszutreten.

Weiter oben angekommen, gelangten wir in ein Schneecouloir. Wir mussten dies also schnell erklimmen, um nur möglichst kurz unter der Gifelwächte exponiert zu sein. Danach folgten noch zwei Seillängen im Fels. Brette stieg sie mit ihren Kletterschuhen vor, während ich mit den Bergschuhen hinterher kam. Am Abend zuvor hatte ich bei Schere-Stein-Papier verloren, weshalb wir nur ihre Kletterschuhe dabei hatten. Zwei Paar Kleeterschuhe wären zu viel Gewicht gewesen.

Zwölf Stunden später standen wir dann endlich auf dem Gipfel. Es war immer noch hell und das Sonnenlicht beleuchtete die Mendenhall Towers in der Ferne. Dort waren Marc-André Leclerc und Ryan Johnson vor einigen Monaten im Abstieg ums Leben gekommen. Marc-André war Brettes Freund und auch ein guter Kumpel von mir. Unsere Erstbegehungen widmen wir diesen beiden inspirierenden Menschen, die leider viel zu früh von uns gehen mussten.

Nach kurzem inne halten machten wir uns an den Abstieg. Hier in Alaska wird es fast nicht dunkel, weshalb wir unsere Stirnlampe nur für eine gute Stunde auspacken mussten. So etwas habe ich bisher noch nie erlebt, aber es ist wirklich der Wahnsinn!

Das nächste Abenteuer wartet

Als nächste Tour wählten wir die Nordostseite des südlichen Dukes (sie ist 10b, M5+, 85°, 500m). Am nächsten Tag befuhren wir einige Gipfel mit Ski, bevor wir dann, wegen schlechtem Wetter, einen Ruhetag im Zelt einlegten. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Devils Paw, wo wir das Süd-Ost Couloir mit Ski befahren wollten. Doch die Distanzen hier sind enorm und so bedeutete die Route für uns, dass wir über 20 Meilen hin- und das ganze wieder zurück laufen mussten.

2 Tage lang liefen wir auf flachen Gletschern, erklimmten dann in anstrengender Spurarbeit das Couloir, um schließlich feststellen zu müssen, dass die Bedingungen zum befahren dort nicht gerade gut sind. Aber Schnee oder Lawinenlageberichte gibt es dort nicht und so mussten wir es ausprobieren, um die Bedingungen kennenzulernen.

Wir konnten ein paar Kurven fahren, mussten dann aber das 40-45° steile Couloir mit Pickel in der Hand abrutschen, da es so hart gefroren war. Aber immerhin konnten wir die Skier komplett anlassen und wir waren uns einig, dass es trotzdem ein gutes Abenteuer war.

Danach mussten wir erneut zwei Tage bis zu unserem Basislager zurücklaufen. Die Füße schmerzten und auch unsere Rücken, Schultern und Hütten hatten unter dem Gewicht der Rucksäcke zu leiden. Und auch das Wetter wechselte schnell zwischen Sonne, Schneefall und Hagel. Dementsprechend waren wir froh, als wir endlich wieder bei unseren Zelten ankamen.

Vom Eis in die Sonne

Da wir wohl nochmal ein gutes Wetterfest erwarten durften, entschieden wir uns noch eine Woche länger auf dem Eisfeld zu bleiben. Doch trotz der erwartungsvoll positiven Prognosen, saßen wir wegen eines Schneesturm, erst einmal drei Tage in unserem Zelt fest. Unsere Hoffnung noch etwas zu klettern, schwand damit jeden Tag mehr.

Doch dann klärte sich das Wetter tatsächlich auf und wir konnten an den Takku Towers noch eine Felslinie erstbegehen. Durch seine verrückten Formationen ist dieser Fels zum Klettern wirklich genial. Teilweise ist er auch so kompakt, dass es er ziemlich runout und ausgesetzt ist. Wir waren auf jeden Fall überglücklich, auch weil wir nach so langem Warten im T-Shirt klettern konnten.

Unseren letzten Abend auf dem Eisfeld verbrachten wir in wundervollem Lichtspiel, an dem sich auch die Mendenhall Towers beteiligten. In Gedanken verabschiedeten wir uns von Marc-André und Ryan, die noch immer am Fuße der Mendenhalls liegen und auch der Grund für unsere Expedition waren.

Am nächstem Tag ging unser Flieger wieder zurück in die Zivilisation. Ein starker Kontrast nach 13 Tagen Einsamkeit.

Paraclimbing – kein Platz für Schubladen

21. August 2018
Die Bergfreunde

Wenn jemand mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung klettern geht, dann nennt man das Paraclimbing. Die Einschränkungen, mit denen Paraclimber konfrontiert werden, können sehr unterschiedliche Ursachen haben, wie etwa Amputationen, Lähmungen oder extreme Sehschwächen, bis hin zur absoluten Blindheit. In den Kletterhallen sieht man bisher nur selten Kletterer mit Handicap und nur wenige wissen, dass man in der Vertikalen trotz allem sehr gut zurechtkommen kann.

In Deutschland ist das Klettern für Behinderte noch unterrepräsentiert, doch es gibt ein wachsendes Engagement in Form von Kletterkursen und Wettkämpfen, die explizit für Kletterer mit Handicap ausgelegt sind.

Viele Paraclimber berichten von einem neuen Lebensgefühl, das ihnen das Klettern gegeben hat. Sie haben Spaß daran, sich mit den Routen auseinanderzusetzen und entwickeln einen großen Ehrgeiz, um neue Ziele aus eigener Kraft zu erreichen. Diese gewonnene Erfahrung lässt sich für die Kletterer dann auch häufig in den Alltag übertragen.

Ein Wettkampf mit sich selbst

Wer in unserer Gesellschaft mit einer Behinderung lebt, trifft auf Hindernisse – unweigerlich. Eigentlich eine Art Analogie zum Klettern, denn an der Wand ist man ja auch permanent damit beschäftigt, Hindernisse zu überwinden. Ist der Klettersport am Ende ein großer Gleichermacher?

Man könnte fast darauf kommen, denn im Gegensatz zu anderen Behindertensportarten werden beim Paraclimbing keine zusätzlichen – und oft sehr teuren – Hilfsmittel benötig. Deshalb besteht die größte Hürde meist darin, sich zu überwinden und den ersten Schritt zu wagen. Schön ist es, wenn Vorbilder im Paraclimbing zeigen, dass man mit ein wenig Training und Willenskraft die ersten Züge oder Routen schaffen kann und auf die eigene Leistung stolz sein darf.

Davon berichtet beispielsweise die Paraclimbing Weltmeisterin Melinda Vigh in einem Interview mit der Tageszeitung TAZ: „Klettern hilft mir, die Perspektive zu wechseln. Weil man das für schwere Routen braucht. Das kann ich auf das Leben außerhalb der Kletterhalle übertragen“.

Durch die ständige Anpassung an die wechselnden Ansprüche im Klettern steht man jedes Mal vor einer neuen Hürde, die es zu überwinden gilt. Doch ist diese gemeistert, kommt der Gedanke „Ich kann‘s ja doch, geil!“. Mit der wachsenden Erfahrung entwickelt man ein neues Körpergefühl und Selbstbild. Damit gehen die Paraclimber dann in den Alltag zurück und versuchen, eigenständig Lösungen für aufkommende Probleme zu finden (und das finden sie auch). Ebenfalls gibt ihnen das verbesserte Körpergefühl Sicherheit – sich im Alltag zu bewegen und ihrem Körper zu vertrauen.

Umso besser ist es, wenn es für die Betroffenen die Möglichkeit gibt, das Klettern mit Behinderung genauer kennen zu lernen. Dazu gehören zum Beispiel Inklusionsgruppen in den Kletterhallen und Wettkämpfe, wie der erste nationale Paraclimbing Cup in der DAV Kletterhalle in Karlsruhe.

Erster nationaler Paraclimbing Cup Deutschland

Dieses Jahr hat der erste nationale Paraclimbing Cup in der Kletterhalle der DAV Sektion Karlsruhe stattgefunden. Schon bei der Planung ihrer Kletterhalle hat die Sektion das Thema Inklusion berücksichtigt und die gesamte Halle barrierefrei gestaltet. So kann sich die Inklusionsgruppe der Sektion wöchentlich zum Klettern treffen und in ihrer Teilnehmerzahl wachsen. Durch den Erfolg dieses Angebots fühlten sich die Betreiber motiviert, den ersten nationalen Paraclimbing Cup in Karlsruhe zu veranstalten.

Mit knapp 75 Teilnehmern war die Halle prall gefüllt. Mitmachen durfte natürlich jeder: vom Anfänger bis hin zum Leistungssportler. Sogar die Athleten des DAV Paraclimbing Nationalkaders waren dabei. Das führte zu einer schönen Mischung aus Hobby- und Leistungssportlern und erfüllte den Tag ganz nach dem Motto „Bei uns ist jeder ein Gewinner“.

Denn das Ziel der Veranstaltung war es nicht, den besten Paraclimber Deutschlands ausfindig zu machen, sondern eine Kulisse zu bieten, in der sich die Kletterer mit Handicap kennen lernen und austauschen konnten – und natürlich weniger erfahrenen Paraclimbern einen Rahmen zu geben, um sich weiter auszuprobieren.

Letztendlich entwickelte sich eine lockere Atmosphäre, in der die Teilnehmer großen Spaß hatten, was sich in diversen offenen Gesprächen zeigte. So erzählte eine Teilnehmerin, es sei echt super, so viele starke Kletterer zu sehen von denen sie lernen könne. Am Ende stand auch sie grinsend auf dem Treppchen.

Wenn diese positiven Erlebnisse nun Andere dazu motivieren, solche Events zu planen, wäre das genau der Erfolg, den sich die Veranstalter wünschen. Sie möchten nämlich diese kleine Sparte unseres Sports vorantreiben. In diesem Sinne: Danke an die Helfer der DAV Sektion Karlsruhe für das große Engagement!

Paraclimbing als Wettkampfformat

Wie in vielen anderen Sportarten, gibt es natürlich auch im Paraclimbing ganz offizielle Weltmeisterschaften. Es kommt unweigerlich die Frage auf, wie viele unterschiedliche Wertungsgruppen es wohl geben wird. Schließlich hat ein erblindeter Sportler ganz andere Hindernisse zu überwinden, wie ein amputierter. Wie kann da ein fairer Wettkampf stattfinden? Wir schauen uns das mal an…

Wie wird geklettert?

Selbst wenn viele Teilnehmer den Vorstieg sicher beherrschen, wird in den Wettkämpfen generell im Toprope geklettert. Wie bei den anderen Weltmeisterschaften gewinnt dann die Person, welche die meisten Züge in der Finalroute schafft. Wenn mehrere Kletterer die gleiche Anzahl an Zügen schaffen, gewinnt der schnellste. Wer sich das einmal genauer anschauen möchte, kann sich die Replays der Paraclimbing Weltmeisterschaft von diesem Jahr auf YouTube anschauen – es lohnt sich!

(Un)Fair?

Paraclimbing ist eine vergleichsweise junge Kletterdisziplin, die erst seit 2011 vom International Federation of Sportclimbing (iFSC) veranstaltet wird. Seither gibt es regelmäßig Weltmeisterschaften im Paraclimbing, an denen unter anderem auch schon deutsche Kletterer auf dem Podium standen.

Durch die großen Unterschiede in Bezug auf die jeweiligen Einschränkungen fällt eine faire Einteilung in Leistungsklassen allerdings schwer.

Um die Leistungen der Kletterer mit Behinderung dennoch so objektiv wie möglich zu vergleichen, gibt es offizielle Regelungen der iFSC. Hier werden die Kletterer abhängig vom Handicap in verschiedene Kategorien eingeteilt. Je nach Wettkampfgröße gibt es dann auch eine Unterteilung in die jeweiligen Schweregrade der Einschränkung (1 bis 3).

Daraus ergeben sich bei den internationalen Wettkämpfen folgende Klassen:

  • „B“ – Blinde Athleten (1 bis 3)
  • „AL“ – Athleten mit Beinamputation (1 bis 3)
  • „AU“ – Athleten mit Armamputation (1 bis 3)
  • „RP“ – Athleten mit neurologischer Beeinträchtigung (1 bis 3)

Auf einer WM wird eine Kategorie jedoch nur gebildet, wenn mindestens 6 Athleten aus 4 verschiedenen Nationen teilnehmen. So kommt es dann doch vor, dass es zu nicht ganz „fairen“ Zusammensetzungen kommt. So kletterte zum Beispiel eine amerikanische Teilnehmerin mit nur einem Arm in einer Kategorie mit Teilnehmern, denen lediglich die Hand fehlt. Durch den Mangel an Mitstreitern war es nicht anders möglich. Wenn sie teilnehmen wollte, musste sie das Klettern unter ungleichen Voraussetzungen akzeptieren.

Die Paraclimber hoffen, dass mit steigender Bekanntheit und der damit verbundenen höheren Teilnehmerzahl die Kategorien stärker ausdifferenziert werden können, um faire Bedingungen zu schaffen. Solange gilt immer noch: „Dabei sein ist alles!“

Fest steht: Es ist war und ist sehr beeindruckend, welche Leistungen Paraclimber an die Wand bringen und wieder einmal ein guter Grund, etwaige Vorurteile in der Schublade zu lassen.

Grillen mit dem Kuchoma von Primus

Drei-Gänge-Menü à la Bergfreund

3. August 2018
Die Bergfreunde

Bunter Salat mit selbst geräuchertem Lachs, Entrecote mit Rosmarinkartoffeln und Ratatouille sowie gegrillte Pfirsiche mit Eis. Klingt nach ’nem ziemlich leckeren Menü, oder? Und lecker wars, das kann ich euch sagen! Das wirklich bewundernswerte kommt aber jetzt: Alle Gänge sind nicht etwa in einem gut ausgestatteten Sternerestaurant entstanden… also, eigentlich schon. Wenn man man die Sterne am Himmel meint. Kochersystemhersteller Primus hatte zum Grill & Chill eingeladen und da durfte ich natürlich nicht fehlen – wie immer, wenn es was zu essen gibt! ;)

Aller Anfang ist schwer

Eigentlich ist geplant – ganz outdoorsy – mit dem Boot zur Eventlocation zu paddeln. Gemächlich über den schönen Brombachsee südlich von Nürnberg. Das Wetter hat leider andere Pläne und schickt uns kurz bevor wir ablegen wollen ein ordentliches Gewitter. Die Wasserwacht will uns partout nicht auf den See lassen und so geht es eben zu Fuß weiter.

Nach kurzem Marsch erreichen wir die Location, die mit einer ziemlich beeindruckenden Outdoor-Küche ausgestattet ist. Zahlreiche Kuchomas – der neue portable Gasgrill von Primus – ebenso viele Kocher, Töpfe, Pfannen und Besteck türmen sich förmlich vor uns auf – klar, knapp 20 hungrige Mäuler wollen schließlich gestopft werden – da braucht es halt ein größeres Arsenal!

Mittendrin steht Markus Sämmer, der Münchner Profikoch ist selbst passionierter Bergfreund und hat mit seinen „The Great Outdoors“-Kochbüchern zwei schöne Nachschlagewerke für kulinarisch ambitionierte Camper herausgebracht. Ich sage hier bewusst Camper, weil die meisten Rezepte ein paar mehr Zutaten benötigen, als man gemeinhin auf Trekkingtour dabei hat. Nichtsdestotrotz sind die Bücher aber sehr empfehlenswert – auch als Geschenk!

In jedem Fall ist Markus der passende Ansprechpartner, wenns ums kochen geht. Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise – wir werden in drei Gruppen aufgeteilt und legen ohne Umschweife los. Der Magen wird schließlich nicht von alleine gefüllt.

Ein satter Bergfreund ist ein glücklicher Bergfreund

Zur Vorspeise gibt es geräucherten Lachs mit einer Honig-Senf-Marinade dazu bunten Salat. Wir platzieren einige befeuchtete Räucherbretter auf den Kuchomas und geben Gas – im wahrsten Sinne des Wortes. Es dauert zum Glück nicht lange, bis der Fisch fertig ist. Leicht glasig, richtig schmackhaft. Ein epischer Auftakt.

Der Hauptgang ist dran. Die Crew hat schon gut vorgearbeitet, so dass wir eigentlich nur noch die Entrecotes auf den Grill werfen und die Kartoffeln in der Pfanne anschwenken müssen. Dank Markus‘ feinem Gespür für den richtigen Garpunkt kommen die Steaks perfekt vom Grill. Bemerkenswert, was man alles in der Campingküche zaubern kann.

Der Magen ist nach dem Hauptgang ordentlich gefüllt. Der Hunger gestillt. Passt da überhaupt noch Nachtisch rein? Ich halte es da mit folgender Lebensweisheit:

Egal wie voll die Kirche ist, es gibt immer einen Platz für den Pastor!

Und wer kann zu gegrillten, mit Amarettini gefüllten Pfirsichen und Vanille-Eis schon Nein sagen. Ich jedenfalls nicht. Also geht der fröhliche Futterreigen weiter. Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass der Nachtisch großartig geschmeckt hat. Ok, ich machs doch: Er war richtig genial!

Die korrespondierenden Weine runden den Genuss ab, das lauschige Lagerfeuer im Anschluss sorgt für Atmosphäre. Auch wenn die ganze Aktion jetzt sehr nach „Fine Dining“ klingt – das alles ist wie erwähnt auf Geräten und mit Besteck gegrillt/gekocht worden, die für den Außeneinsatz gedacht sind. Falls ihr also Lust habt, beim nächsten Camping-Trip selbst mal den Kochlöffel zu schwingen, kommen hier die Rezepte zum Nachkochen:

Vorspeise – Lachs auf Eichenholzplanken geräuchert

Holzplanken eine Stunde vorher in kaltem Wasser einweichen und danach auf den Grillrost legen. Den Fisch zehn Minuten im geschlossenen Grill auf den Holzplanken räuchern – nicht bei voller Power, sondern mit gemäßigter Hitze – rasch kommt leckerer Rauch durch die Belüftungsschlitze.

Fisch zu 80 Prozent auf der Haut räuchern, damit er nicht austrocknet. Auf einem Salatbouquet und mit einem Topping aus zerstoßenen Koriander- und Senfkörnern, Dill, Ahornsirup, Balsamico und Orangenabrieb servieren.

Hauptspeise – Dry Aged Entrecote als Tagliata

Fleisch vor dem Grillen leicht salzen – Geheimtipp von Spitzenkoch Markus Sämmer – mit braunem Zucker sanft einmassieren, damit es kross karamellisiert. Grill auf Höchststufe kurz vorheizen und danach je nach Dicke und Geschmack das Fleisch zwei bis drei Minuten pro Seite grillen – Deckel geschlossen halten und nur zum einmaligen wenden öffnen. Danach den Grill ausschalten und noch kurz das Fleisch bei geschlossenem Deckel ruhen lassen. In Streifen geschnitten servieren. Dazu Rosmarinkartoffeln und ein klassisches Ratatouille.

Dessert – Pfirsichhälften mit Amarettini Füllung und Vanille-Eis

Pfirsich-Hälften auf dem Grill für ca. 10 Minuten gargrillen. Amarettini zerstampfen, mit Honig verrühren und in die Aushöhlung der gegrillten Pfirsiche füllen, mit einem kleinen Rosmarinzweig dekorieren und mit Vanille-Eis anrichten.

Portrait Phunjo Lama

In 38 Stunden auf den höchsten Gipfel der Welt

26. September 2018
Die Bergfreunde

Ich,  Phunjo Jhangmu Lama, 33 Jahre alt, startete meine Mount Everest Expedition am 13. April 2018, beginnend von Kathmandu nach Lukla, per Helikopter. Lukla ist der höchste Flughafen der Welt, auf 3500 Meter gelegen. Von Lukla aus ging meine Tour zu Fuß weiter nach Namche, von Namche nach Dingboche, dann nach Lobuche, wo ich am 18. April 2018 im Mount Everest Base Camp ankam. Mein ambitioniertes Vorhaben war in maximal 20 Stunden vom Base Camp aus den Gipfel des höchsten Berges der Welt über die Südroute zu erreichen…

Jedes Abenteuer beginnt mit dem ersten Schritt

Wie es unsere buddhistische Tradition vorgibt, hielten wir zunächst eine religiöse Puja-Zeromonie ab, bevor wir in die gefährliche Route über den „Icefall“ aufbrachen. Sie wird von buddhistischen Mönchen abgehalten und dient dazu, die Götter gnädig zu stimmen und für einen sicheren Aufstieg zu bitten.

Nach Beendigung stieg ich zum Camp 2 auf und erreichte es nach ein paar Stunden. Am selben Tag stieg ich wieder zum Base Camp ab und verblieb eine Weile dort, um mich zu akklimatisieren. Die Höhenkrankheit wollte ich natürlich vermeiden.

Am 28. April ging es wieder zum Camp 2 und einen Tag später zum Camp 3. Dort angekommen machte ich mich nach einer Pause wieder an den Abstieg zum Camp 2, da das Wetter im Camp 3 keinen weiteren Aufstieg erlaubte.

Portrait Phunjo LamaAm darauffolgenden Tag entschied ich mich, ins Base Camp zurück zu kehren, um danach nach Kalopathar Pumari aufzubrechen. Dort gibt es ein alternatives Hochcamp, mit einer hoffentlich besseren Wetterlage. Und ich sollte Glück haben.

Das Wetter besserte sich tatsächlich, sodass ich am 15. Mai 2018 doch wieder ins eigentliche Everest Base Camp zurückkehrte.

Es wird ernst…

Dort waren an diesem Tag bereits ein Beauftragter der internationalen „Mountain Guide“ Vereinigung und ein nepalesischer Regierungsbeamter anwesend, um ganz offiziell meine Zeit zu stoppen. Als Begleiter wurde wurde mir Passang Lama zugeteilt, ebenfalls ein Bergsteiger aus dem Volk der Sherpas. Seit ein paar Jahren sind Solobesteigungen nicht mehr erlaubt, da sich die Todesfälle bei Alleingängen häuften, nicht zuletzt auch, wegen der meist nicht vorhandenen Möglichkeit einen Notruf abzusetzen, wenn der Bergsteiger alleine unterwegs war.

Um 15:31 Uhr Ortszeit startete ich meinen Versuch. Mein erstes Ziel war es, das Camp 2 in fünf Stunden zu erreichen. Auf dem Weg zu Camp 1 fiel mein Begleiter Passang Lama unglücklicherweise von einer zu überquerenden Leiter.

Er trug zum Glück keine Verletzungen davon, aber bis ich ihn aus der misslichen Lage befreien konnte, dauerte es ca. 20 Minuten bevor wir unseren Aufstieg zum Camp 2 fortsetzen konnten. Das Zeitlimit, das ich zu erfüllen gehabt hätte, war somit um schon um knapp 15 Minuten überschritten. Wir erreichten das Camp 2 um 18.45 Uhr Ortszeit und nicht wie geplant um 18.30 Uhr Ortszeit.

Im Camp 2 erhielten wir während unserer Pause ein Nachtessen, danach wechselten wir unsere Bekleidung und gingen um 21.40 Uhr Ortszeit Richtung Camp 3.

An der Westflanke des Lhotse, der sogenannten „Lhotse Face“, starteten wir mit dem Zuführen von Sauerstoff, da das Atmen immer schwerer wurde. Unglücklicherweise stellte sich heraus, dass die Sauerstoffmaske meines Begleiters defekt war. Ohne diesen benötigten Sauerstoff, war es ihm fast unmöglich weiter zu gehen, da jeder Schritt zur Qual wurde.

Natürlich ließ ich ihn immer wieder von meinem Sauerstoff atmen, was jedoch das Problem des weiteren Aufstieg nicht löste. Darum versuchte ich alles, um seine Maske zu reparieren, leider ohne Erfolg. Es war ca. 22.30 Uhr Ortszeit und schon tiefe Nacht.

Wie geht es weiter?

Wir hatten in diesem Moment keine Möglichkeit Hilfe anzufordern, wir waren ganz alleine und auf uns gestellt. Meine Gedanken waren konfus und ich war unsicher, wie ich für das weitere Vorgehen entscheiden sollte, vor allem in Anbetracht der Gefahr für meinen Begleiter und mich.

Auf der einen Seite wollte ich meinen Rekordversuch natürlich nicht aufgeben, auf der anderen Seite wollte ich Passang nicht alleine lassen.

In einer solchen Höhe – wir befanden wir uns knapp bei 7000 Meter – ist das Denken trotz zugeführtem Sauerstoff enorm eingeschränkt. Es erfordert eine enorme Willenskraft, Entscheidungen überhaupt treffen zu können.

Wir sprachen uns ab und wir entschieden uns zunächst dafür, dass ich alleine weitergehe und er langsam nachkommt – so wie es ihm ohne zusätzlichen Sauerstoff möglich ist.

Doch das schlechte Gewissen plagte mich. Während meines Aufstiegs fühlte ich mich so schlecht, dass meine Gedanken Karussell fuhren. Was könnte alles mit ihm passieren, jetzt wo er alleine unterwegs ist. Ich konnte zu dem Zeitpunkt nicht mehr unterscheiden, was richtig oder falsch war. Sollte ich weiter versuchen, mein Ziel zu erreichen oder meinen Begleiter in ein sicheres Umfeld bringen?

Der läuft nicht weg!

Während des weiteren Aufstiegs klärten sich meine Gedanken und ich kann zu dem Entschluss, dass der Mount Everest auch noch in vielen Jahren da stünde, aber das Leben meines Begleiters im Zweifel nicht und dass dies eine Schuld wäre, die ich nicht tragen wollte.

So entschloss ich mich, auf ihn zu warten und eventuell einen Notruf abzusetzen, falls er es nicht bis zu mir schaffte. Meine „Gebete“ wurden erhört und er kam langsam seines Weges – bei guter Gesundheit.

Nach einer Pause stiegen wir gemeinsam langsam ab Richtung Camp 3. Als es in Sicht kam, ließ ich ihn nochmals zurück um Hilfe zu holen – diesmal ohne schlechtes Gewissen.

Ich weckte meine zwei befreundeten Sherpas Dorje und Pemba auf, um ihnen die Situation zu erklären und um Hilfe zu bitten. Beide machten sich sofort mit einer intakten Sauerstoffmaske auf den Weg zu meinem Begleiter Passang Lama.

Bange Stunden

Nachdem die zwei aufgebrochen waren, hielt ich telefonische Rücksprache mit dem Vorgesetzten meiner Expeditionsfirma. Er riet mir, eine Schweizer Bergsteigerin an meine Seite zu holen, welche mich bei meinem weiteren Unterfangen begleiten sollte. Es schien mir aber zu dem Zeitpunkt nicht die beste Lösung, ich kam mir egoistisch vor sie von ihrer eigenen Tour und Route abzubringen, also entschied ich mich dagegen.

Rat und Hilfe fand ich bei dann bei Dorje (ein anderer Dorje), einem bedachten und erfahrenen Bergführer. Die erklärte Mission, den Gipfel von Camp 3 in fünf Stunden zu erreichen, befand er als möglich und trotz aller vorangegangenen Probleme als durchführbar.

Er bot mir an, mich am nächsten Tag zum Gipfel zu begleiten, falls Passang Lama nicht mehr in der Verfassung wäre an meiner Seite aufzusteigen. Für sein Angebot und seine emotionale Unterstützung war ich ihm sehr dankbar, war er doch auch der Erfahrene und ich die „Erstbesteigende“.

Drei Stunden, nach meiner Ankunft in Camp 3 brachten meine zwei Sherpa-Freunde meinen erschöpften Begleiter Passang Lama ins Camp 3. Seine Sauerstoff Maske war nach wie vor unbrauchbar und es war kein Ersatz im Camp 3 vorhanden.

Somit entschied ich, dass er so schnell wie möglich ins Camp 2 gebracht werden sollte, da dort natürlich mehr Sauerstoff in der Luft vorhanden ist und es zweitens funktionierende Sauerstoffmasken gibt. So könnte er sich optimal für einen weiteren Gipfelversuch erholen.

Frühmorgens am nächsten Tag,  spielten meine Gedanken wieder einmal verrückt und ich war mir nicht sicher, was nun die richtige Entscheidung war: Auf meinen Begleiter Passang zu warten oder den ganzen Aufstieg nochmals vom Start aus in Angriff zu nehmen.

So erhoffte ich mir Hilfe, indem ich meine Familie per Satelliten Telefon kontaktierte. Meine Familie hat zwar nicht viel Erfahrung in Sachen Extrembergsteigen, aber ich fragte sie um Trost und emotionale Unterstützung. Meine Familie war sehr besorgt um mich und sie rieten mir, nicht noch einmal die ganze Tour neu zu starten.

Als einzige weibliche Sherpa meine Heimatdorfs ist meine Familie ohnehin sehr stolz, dass ich es überhaupt versuche – ganz abseits von Rekorden und dem Durchbrechen von irgendwelchen Grenzen.

Die Stunden, die ich darauffolgend auf Passang wartete, kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Die Entscheidung auf ihn zu warten oder doch meinen Weg, zusammen mit Dorje zu gehen, lasteten schwer auf meiner Seele. Die Zeit verging mit zähen Gedanken, Ängsten und Panik. Aber meine Ängste waren alle unbegründet, denn Passang kam in Begleitung anderer Bergsteiger gegen 14.00 Uhr Ortszeit wohlbehalten und ausgeruht im Camp 3 an.

Der nächste Versuch

Im Nachhinein fiel mir auf, dass das größte Problem bei der ganzen Sache die Kommunikation war, denn es gab schlicht und ergreifend keine. Kein Funkgerät, kein Satellitentelefon mit dem ich mich mit Passang hätte verständigen können um eben jene Zweifel und Ängste zu zerstreuen.

Ich schwor mir das zu ändern, sollte ich je wieder eine solche Tour in Angriff zu nehmen. Das und natürlich für jeden Begleiter eine Ersatzsauerstoffmaske im Gepäck zu haben.

Nun da Passang wieder anwesend war, starteten wir zusammen um 16:00 Uhr Ortszeit vom Camp 3 Richtung Camp 4, wo wir gegen 21 Uhr ankamen. Dort wurden wir mit heißem Tee versorgt und um Mitternacht nahmen wir den weiteren Aufstieg in Richtung Gipfel in Angriff. Passangs neue Sauerstoffmaske war Gott sei Dank in Ordnung und er konnte gut mit meinem Tempo mithalten, da er nun auch  genügend Zusatzsauerstoff einatmen konnte.

Am „Balcony“ auf knapp 8400 m trafen wir weitere Bergsteigerkollegen, die bereits einige Stunden vor uns aufgebrochen waren. Wir waren also recht zügig unterwegs und mein Begleiter Passang zum Glück nach wie vor in guter Verfassung.

Auf dem Dach der Welt

Um 06.26 Uhr Ortszeit erreichten wir dann endlich den Gipfel des Mounts Everest über die Südroute, mit einer Gesamtzeit von 38 Stunden 51 Minuten. Ohne etwas auf die Tube zu drücken benötigt man dafür eigentlich drei bis vier Tage. Wir waren die zwei Einzigen, die den Gipfel an dem Tag von der Südroute aus erreichten, von der tibetischen Seite aus aufgestiegen, waren zwei andere Gruppen, die fast zeitgleich mit uns auf dem Gipfel eintrafen.

Wir verbrachten alle zusammen zwei Stunden auf dem höchsten Gipfel der Welt, bis wir uns wieder an den Abstieg zum Camp 4 aufmachten. Die Freude, als wir wohlbehalten im Camp eintrafen, war groß, ist doch gerade der Abstieg sehr gefährlich und keinesfalls zu unterschätzen. Meine sehr guten Freunde Samantha McMoun und Sherpa Gesman waren vor Freude gerührt, uns wohlbehalten im Camp 4 zu begrüßen. Die Zeit danach verbrachten wir gemeinsam, um über unsere emotionalen Momente der Freude, der Verzweiflung und der Hoffnung zu sprechen.

Samantha und Gesman würden einen Tag später auch in Richtung Gipfel aufbrechen.

Was bleibt…

Die Belastungen, die man während einer solchen Expedition erlebt, gehen weit über das körperliche hinaus. Sie erfordert auch emotionale und psychische Höchstleistungen. Es gibt viele Momente der Ohnmacht, man fühlt sich der Natur ausgeliefert und weiß fast zu keiner Zeit, ob man sein Ziel überhaupt erreichen wird. Zu viele tote Körper sind nach wie vor am Wegesrand zu finden, erzählen von tragischen Geschichten und Schicksalen. Keiner von uns Bergsteigern möchte sich dazu gesellen, keiner möchte in Einsamkeit und Kälte seine letzten Atemzüge tun, jeder möchte wieder

gesund nach Hause kommen und seine Liebsten in die Arme schließen.

Ich hatte viel Glück und Hilfe auf meiner Expedition, konnte mein gesetztes Ziel, den Gipfel des Everest zu erklimmen, erreichen. Es gab viele Momente, in denen ich drauf und dran war abzubrechen, Momente der Angst, der Verzweiflung, dann wieder Momente der Hoffnung und schließlich der Willen, es zu schaffen.

Dies nehme ich zum Anlass, mein Erfolg all denen zu widmen, denen es nicht gelungen ist, wieder heil und gesund zuhause anzukommen und all denen die nie die Möglichkeit hatten oder haben, eine solche Tour machen zu dürfen.

Mein Erfolg und meine Durchhaltekraft soll auch denen dienen, die sich nicht zutrauen eigene Grenzen zu durchbrechen. Nichts ist unmöglich, man muss sich nur trauen es zu versuchen.

Oft ist es nicht das Ziel, dass vermeintlich zu hoch gesteckt ist. Man hat einfach noch nicht den richtigen Weg gefunden.

Phunjo Jhangmu Lama

Anm. der Red.: Phunjo ist die erste nepalesische Frau aus dem Tsum Valley zwischen Manaslu und Ganesh Himal, die den Gipfel des Mount Everest bestieg. Dafür wurde sie vom Tsum Wellfare Commitee, der Nepalesischen Bergsteigervereinigung und dem Ministerium für Kultur, Tourismus und zivile Angelegenheiten im Nachgang ihrer Expedition geehrt.

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt! – Trekkingmahlzeiten im Überblick

8. August 2018
Die Bergfreunde

Ohne Mampf keinen Kampf! Das ist wahrscheinlich das Motto vieler Mehrtagestouren. Ob beim Wandern, Klettern oder Radfahren, wer längere Zeit unterwegs ist und sich körperlich fordert, der muss auch was Anständiges essen. Gerade jedoch wenn es darum geht die komplette Verpflegung von Anfang an mitzunehmen, wird schnell am Gewicht und somit leider oft auch an der kulinarischen Vielfalt gespart. Eine abwechslungsreiche Auswahl an Trekkingmahlzeiten kann diesbezüglich Abhilfe schaffen.

Um herauszufinden, welche Gerichte gut ankommen und wo die jeweiligen Highlights liegen, haben wir einmal ein großes Testessen veranstaltet und uns durch die unterschiedlichsten Gerichte gefuttert. Heute auf dem Speiseplan: die Highlights von Bla Band bis Voyager.

Bla Band

Bekannt wurde der schwedische Hersteller Bla Band in den 50er und 60er Jahren. Zu den ersten Produkten zählten damals vor allem Tütensuppen, Puddingpulver und Co. Seit gut 10 Jahren bringt Bla Band nun aber auch Trekkingmahlzeiten auf den Markt und überzeugt dabei durch eine gute Qualität, sowie eine große Produktvielfalt.

Das Besondere: Viele Gerichte von Bla Band gibt es sowohl gefriergetrocknet, als auch bereits fertig mit Wasser versetzt. Ebenfalls umfasst das Sortiment vegetarische und gluten- und/oder laktosefreie Gerichte. Hier sollte also jeder fündig werden.

Auch bei unserem Testessen zeigt sich das Ergebnis äußerst positiv, denn alle verkosteten Gerichte kamen durchweg gut an. Die beste Bewertung des gesamten Tests räumte das Couscous mit Chili gewürztem Gemüse bei uns ab.

Des Weiteren ist uns bei Bla Band das leichte Handling der Gerichte aufgefallen. Die bereits mit Wasser versetzten Mahlzeiten müssen nur erhitzt werden. Bei den gefriergetrockneten Produkten erfolgt das Erhitzen durch Zugabe von kochendem Wasser. Zudem verfügen alle Tüten über einen praktischen Zipper, mit welchem sie problemlos und jederzeit verschließbar sind.

Expedition Foods

Die Marke Expetition Foods kommt aus Großbritannien und stellt seit 1995 gefriergetrocknete Mahlzeiten her. Das Sortiment besteht aus einer Bandbreite von herzhaften und süßen Gerichten, die unterwegs für die notwendige Energie und eine abwechslungsreiche Ernährung sorgen.

Die unterschiedlichen Gerichte gibt es in verschiedenen Verpackungsgrößen, die sich jeweils nach der jeweiligen Kalorienzahl richten:

  • Die Verpackungsgröße ‚Regular‘ umfasst ca. 450 kcal.
  • ‚High Energy‘ beinhaltet mehr als 800 kcal,
  • ‚Extreme Energy‘ oder ‚Regular For Two‘ ca. 1000 kcal.

Darüber hinaus sind auch bereits komplett zusammengestellte Tagesrationen (Hauptgericht, Frühstück und Snacks) erhältlich.

Auch Vegetarier oder Personen mit bestimmten Lebensmittelunverträglichkeiten kommen bei Expedition Foods nicht zur kurz. Abgestimmt auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse, gibt es auch hier keinen Verzicht, sondern eine Auswahl an zahlreichen Mahlzeiten.

In unserem Test erreichten die Gerichte von Expedition Foods das vordere Mittelfeld. Abzüge gab es vor allem bei der Zubereitung und der Optik der Gerichte. Geschmacklich wurden jedoch durch die Bank gute Noten erzielt. Besonders beliebt war bei uns das Thai Green Chicken Curry/Rice. Platz zwei belegte eine süße Nascherei: Porridge With Strawberries.

Summit to Eat

Die Portionspackungen von Summit to Eat sind kaum zu übersehen. Dies ist vor allem ihrer gelb-leuchtenden Verpackung, sowie den an der Vorderseite gut leserlich und strukturiert angebrachten Nährwertinformationen zuzuschreiben.

Die Verpackungen der Trekkingmahlzeiten sind aus einem hitzebeständigen Material gefertigt, was die Zubereitung der Mahlzeit in der Packung erlaubt. Zudem kommen auch diese Tüten mit einer Art Zipper, der das nachträgliche Verschließen ermöglicht.

Alle der Summit to Eat Mahlzeiten wurden mittels Gefriertrocknung haltbar und leicht transportabel gemacht. Sie können daher problemlos durch die Zugabe von heißem Wasser zubereitet werden, fallen aber beim Transport im Rucksack nicht sonderlich ins Gewicht. Von süß bis herzhaft bietet Summit to Eat ein breites Sortiment, das auch wieder in Form von kompletten Rationen für Mehrtagestouren erhältlich ist.

Unsere Testesser waren bei Summit to Eat in erster Linie von den süßen Nachspeisen überzeugt. Gerade der Reispudding mit Erdbeeren, sowie das Schokoladen Mousse mit Granola und Kirschen sorgten für strahlende Gesichter. Knapp dahinter lagen Hauptspeisen wie das Würzige Curryhühnchen (Tikka) mit Reis.

Travellunch

Von Travellunch kamen bei unserem Testessen vergleichsweise wenige Gerichte auf den Tisch. Die folgenden Ergebnisse sind daher wahrscheinlich nicht ganz repräsentativ. Hinter den Produkten von Travellunch verbirgt sich die in Augsburg sitzende Simpert Reiter GmbH. Alle Produkte von Travellunch werden in Deutschland produziert und sind je nach Verpackung und Lagerart drei bis fünf Jahre haltbar.

Travellunch bietet dabei vom Frühstück, dem kleinen Snack für zwischendurch, bis hin zur Hauptmahlzeit alles an, was das Herz begehrt. Die unterschiedlichen Produkte gibt es aber nicht nur einzeln, sondern können auch in Kombination als komplette Tagesration erworben werden. Von fleischhaltig bis vegetarisch, von süß bis herzhaft – hier ist alles dabei, das kulinarisch zu einer gelungenen Tour beiträgt.

In unserem Test wurde vor allem das Chili con Carne mit Rindfleisch sehr gelobt, aber auch vegetarische Gerichte wie das Gemüserisotto kamen gut an.

Voyager

Voyager ist eine Marke des französischen Lebensmittelherstellers Falièrs Nutrition. Schaut man sich das Nahrungsangebot von Voyager einmal genauer an, stellt man auch hier schnell fest, dass es an nichts fehlt. Neben den üblichen Gerichten mit und ohne Fleisch, gibt es auch Mahlzeiten, die mit dem Biosiegel des französischen Agrarministeriums, sowie mit dem Biosiegel der EU ausgezeichnet sind.

Besonders praktisch: Alle Tüten sind farblich gekennzeichnet, sodass man bereits auf den ersten Blick erkennen kann, um welche Art von Gericht es sich handelt.

Hier eine schnelle Übersicht:

  • rot = Fleischgerichte
  • grün = vegetarische Gerichte
  • blau = Gerichte mit Fisch oder Meeresfrüchten
  • weiß = Gerichte in Bioqualität
  • gelb = Frühstück
  • rosa = Nachtisch/Süßspeisen

In unserem Test belegten die Mahlzeiten von Voyager allesamt Mittelfeldplätze. Wie so oft war es mal wieder das Aussehen der fertigen Gerichte, das für Abzug sorgte. Geschmacklich fiel unserem Testteam vor allem das Rindfleisch mit Reis und Sauce positiv auf.

Fazit

Wer auch bei langen Touren in entlegenen Gebieten lecker essen möchte, der sollte sich vorab gut überlegen, was er mitnimmt. Denn Essen sollte nicht nur satt, sondern auch zufrieden und glücklich machen. Wer hier bewusst kombiniert und auch auf Abwechslung setzt, hat sicherlich schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gesetzt.

Richtige Ausreiser nach unten gab es bei unserem Test nicht, doch stellten sich klare Favoriten heraus. Aber ob das letzten Endes auch eurem Geschmack entspricht, müsst ihr natürlich selbst herausfinden :-) Schreibt uns gerne mal in die Kommentare, was unterwegs zu euren Favoriten zählt.

Die Bergfreunde holen den Shop Usability Award 2018

27. Juli 2018
Die Bergfreunde

Ja ja, wir wissen schon, was du sagen willst. „Eigenlob stinkt“ – und prinzipiell hast du ja recht. Aber es gibt auch Momente im Leben, da sollte man alte Konventionen über Bord werfen. Und deshalb feiern wir uns mit diesem Beitrag mal ein bisschen, denn wir sind frisch gebackener Träger des „Shop Usability Award 2018“. Was das heißt? Lass es uns erklären.

Shop Usability – was ist das überhaupt?

Als Shop Usability, meistens auch nur die Usability, bezeichnet man die Gebrauchstauglichkeit eines Produkts. In unserem Fall ist das die Nutzerfreundlichkeit des Bergfreunde-Shops. Dabei achten wir darauf, dass du dich gut zurecht findest und alle Funktionen intuitiv bedienen kannst, um dir ein möglichst nahtloses Einkaufserlebnis zu ermöglichen.

Dazu zählt aber zum Beispiel auch, dass du bei Bedarf alle wichtigen Informationen zu einem Produkt findest. Deshalb helfen wir dir im Basislager-Blog mit allerlei Tipps und Tricks zur Pflege und Wartung deiner Ausrüstung oder mit unserem Größenberater für Kletterschuhe, die passende Größe für dich herauszusuchen. Lobend erwähnt wurden auch unsere Icons auf der Produktseite, mit denen Du auf den ersten Blick erkennen kannst, was die wichtigsten Features des Produkts sind.

Was der Jury ebenfalls gut gefallen hat ist die Bewertungsfunktion bei den Produkten. So kann es schon mal sein, dass du zu einem Produkt hunderte Rezensionen findest, die dir Auswahl und letztlich natürlich den Kauf erleichtern.

Warum ist das eigentlich so cool?

Naja, erstmal freut man sich natürlich, wenn jemand einem anerkennend auf Schulter klopft. Da es sich hier aber um die Jury eines der größten Online-Awards in Deutschland handelt, sind wir nicht nur froh, sondern supermegaduperhappy – vor allem als Kategorie-Sieger „Sport und Outdoor“. Das heißt ja schon, dass wir offensichtlich einiges richtig machen!

Ebenfalls ziemlich cool: Wir stehen in einer Reihe mit Branchengrößen wie Matratzen Concorde, Eismann oder Ortovox, was sich für uns immer noch irgendwie ein bisschen seltsam anfühlt. Zwar sind wir inzwischen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus gewachsen, aber irgendwie verstehen wir uns immer noch als die kleine, gemütliche Bude von früher. Aber wie es immer ist im Leben – irgendwann muss man erwachsen werden. Ein bisschen zumindest! ;)

 

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