Alle Artikel zum Thema ‘Die Bergfreunde’

Immer diese Vorurteile. Von wegen kleine Bude mit ein paar Kletterverrückten und Wanderlustigen im Hinterzimmer. Wird Zeit für ein Blick hinter die Kulissen. Klar, eins steht fest: Wir sind echte Bergfexe und in unser Freizeit kraxeln wir auch gerne mal an den senkrechten und überhängenden Wänden herum.

Aber um letztlich alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, erfährst Du hier was wir so treiben und was es neues bei den Bergfreunden gibt. Von Touren, über Mitarbeiter-Aktionen bis hin zu lustigen Geschichten aus den Bergen ist alles dabei.

Erlebt die Bergfreunde in voller Action. Ob beim kraftraubenden, akrobatischen Klettern der ultimativen Route oder der winterlichen Alpenüberquerung.

Grillen mit dem Kuchoma von Primus

Drei-Gänge-Menü à la Bergfreund

3. August 2018
Die Bergfreunde

Bunter Salat mit selbst geräuchertem Lachs, Entrecote mit Rosmarinkartoffeln und Ratatouille sowie gegrillte Pfirsiche mit Eis. Klingt nach ’nem ziemlich leckeren Menü, oder? Und lecker wars, das kann ich euch sagen! Das wirklich bewundernswerte kommt aber jetzt: Alle Gänge sind nicht etwa in einem gut ausgestatteten Sternerestaurant entstanden… also, eigentlich schon. Wenn man man die Sterne am Himmel meint. Kochersystemhersteller Primus hatte zum Grill & Chill eingeladen und da durfte ich natürlich nicht fehlen – wie immer, wenn es was zu essen gibt! ;)

Aller Anfang ist schwer

Eigentlich ist geplant – ganz outdoorsy – mit dem Boot zur Eventlocation zu paddeln. Gemächlich über den schönen Brombachsee südlich von Nürnberg. Das Wetter hat leider andere Pläne und schickt uns kurz bevor wir ablegen wollen ein ordentliches Gewitter. Die Wasserwacht will uns partout nicht auf den See lassen und so geht es eben zu Fuß weiter.

Nach kurzem Marsch erreichen wir die Location, die mit einer ziemlich beeindruckenden Outdoor-Küche ausgestattet ist. Zahlreiche Kuchomas – der neue portable Gasgrill von Primus – ebenso viele Kocher, Töpfe, Pfannen und Besteck türmen sich förmlich vor uns auf – klar, knapp 20 hungrige Mäuler wollen schließlich gestopft werden – da braucht es halt ein größeres Arsenal!

Mittendrin steht Markus Sämmer, der Münchner Profikoch ist selbst passionierter Bergfreund und hat mit seinen „The Great Outdoors“-Kochbüchern zwei schöne Nachschlagewerke für kulinarisch ambitionierte Camper herausgebracht. Ich sage hier bewusst Camper, weil die meisten Rezepte ein paar mehr Zutaten benötigen, als man gemeinhin auf Trekkingtour dabei hat. Nichtsdestotrotz sind die Bücher aber sehr empfehlenswert – auch als Geschenk!

In jedem Fall ist Markus der passende Ansprechpartner, wenns ums kochen geht. Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise – wir werden in drei Gruppen aufgeteilt und legen ohne Umschweife los. Der Magen wird schließlich nicht von alleine gefüllt.

Ein satter Bergfreund ist ein glücklicher Bergfreund

Zur Vorspeise gibt es geräucherten Lachs mit einer Honig-Senf-Marinade dazu bunten Salat. Wir platzieren einige befeuchtete Räucherbretter auf den Kuchomas und geben Gas – im wahrsten Sinne des Wortes. Es dauert zum Glück nicht lange, bis der Fisch fertig ist. Leicht glasig, richtig schmackhaft. Ein epischer Auftakt.

Der Hauptgang ist dran. Die Crew hat schon gut vorgearbeitet, so dass wir eigentlich nur noch die Entrecotes auf den Grill werfen und die Kartoffeln in der Pfanne anschwenken müssen. Dank Markus‘ feinem Gespür für den richtigen Garpunkt kommen die Steaks perfekt vom Grill. Bemerkenswert, was man alles in der Campingküche zaubern kann.

Der Magen ist nach dem Hauptgang ordentlich gefüllt. Der Hunger gestillt. Passt da überhaupt noch Nachtisch rein? Ich halte es da mit folgender Lebensweisheit:

Egal wie voll die Kirche ist, es gibt immer einen Platz für den Pastor!

Und wer kann zu gegrillten, mit Amarettini gefüllten Pfirsichen und Vanille-Eis schon Nein sagen. Ich jedenfalls nicht. Also geht der fröhliche Futterreigen weiter. Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass der Nachtisch großartig geschmeckt hat. Ok, ich machs doch: Er war richtig genial!

Die korrespondierenden Weine runden den Genuss ab, das lauschige Lagerfeuer im Anschluss sorgt für Atmosphäre. Auch wenn die ganze Aktion jetzt sehr nach „Fine Dining“ klingt – das alles ist wie erwähnt auf Geräten und mit Besteck gegrillt/gekocht worden, die für den Außeneinsatz gedacht sind. Falls ihr also Lust habt, beim nächsten Camping-Trip selbst mal den Kochlöffel zu schwingen, kommen hier die Rezepte zum Nachkochen:

Vorspeise – Lachs auf Eichenholzplanken geräuchert

Holzplanken eine Stunde vorher in kaltem Wasser einweichen und danach auf den Grillrost legen. Den Fisch zehn Minuten im geschlossenen Grill auf den Holzplanken räuchern – nicht bei voller Power, sondern mit gemäßigter Hitze – rasch kommt leckerer Rauch durch die Belüftungsschlitze.

Fisch zu 80 Prozent auf der Haut räuchern, damit er nicht austrocknet. Auf einem Salatbouquet und mit einem Topping aus zerstoßenen Koriander- und Senfkörnern, Dill, Ahornsirup, Balsamico und Orangenabrieb servieren.

Hauptspeise – Dry Aged Entrecote als Tagliata

Fleisch vor dem Grillen leicht salzen – Geheimtipp von Spitzenkoch Markus Sämmer – mit braunem Zucker sanft einmassieren, damit es kross karamellisiert. Grill auf Höchststufe kurz vorheizen und danach je nach Dicke und Geschmack das Fleisch zwei bis drei Minuten pro Seite grillen – Deckel geschlossen halten und nur zum einmaligen wenden öffnen. Danach den Grill ausschalten und noch kurz das Fleisch bei geschlossenem Deckel ruhen lassen. In Streifen geschnitten servieren. Dazu Rosmarinkartoffeln und ein klassisches Ratatouille.

Dessert – Pfirsichhälften mit Amarettini Füllung und Vanille-Eis

Pfirsich-Hälften auf dem Grill für ca. 10 Minuten gargrillen. Amarettini zerstampfen, mit Honig verrühren und in die Aushöhlung der gegrillten Pfirsiche füllen, mit einem kleinen Rosmarinzweig dekorieren und mit Vanille-Eis anrichten.

Portrait Phunjo Lama

In 38 Stunden auf den höchsten Gipfel der Welt

19. Juli 2018
Die Bergfreunde

Ich,  Phunjo Jhangmu Lama, 33 Jahre alt, startete meine Mount Everest Expedition am 13. April 2018, beginnend von Kathmandu nach Lukla, per Helikopter. Lukla ist der höchste Flughafen der Welt, auf 3500 Meter gelegen. Von Lukla aus ging meine Tour zu Fuß weiter nach Namche, von Namche nach Dingboche, dann nach Lobuche, wo ich am 18. April 2018 im Mount Everest Base Camp ankam. Mein ambitioniertes Vorhaben war in maximal 20 Stunden vom Base Camp aus den Gipfel des höchsten Berges der Welt über die Südroute zu erreichen…

Jedes Abenteuer beginnt mit dem ersten Schritt

Wie es unsere buddhistische Tradition vorgibt, hielten wir zunächst eine religiöse Puja-Zeromonie ab, bevor wir in die gefährliche Route über den „Icefall“ aufbrachen. Sie wird von buddhistischen Mönchen abgehalten und dient dazu, die Götter gnädig zu stimmen und für einen sicheren Aufstieg zu bitten.

Nach Beendigung stieg ich zum Camp 2 auf und erreichte es nach ein paar Stunden. Am selben Tag stieg ich wieder zum Base Camp ab und verblieb eine Weile dort, um mich zu akklimatisieren. Die Höhenkrankheit wollte ich natürlich vermeiden.

Am 28. April ging es wieder zum Camp 2 und einen Tag später zum Camp 3. Dort angekommen machte ich mich nach einer Pause wieder an den Abstieg zum Camp 2, da das Wetter im Camp 3 keinen weiteren Aufstieg erlaubte.

Portrait Phunjo LamaAm darauffolgenden Tag entschied ich mich, ins Base Camp zurück zu kehren, um danach nach Kalopathar Pumari aufzubrechen. Dort gibt es ein alternatives Hochcamp, mit einer hoffentlich besseren Wetterlage. Und ich sollte Glück haben.

Das Wetter besserte sich tatsächlich, sodass ich am 15. Mai 2018 doch wieder ins eigentliche Everest Base Camp zurückkehrte.

Es wird ernst…

Dort waren an diesem Tag bereits ein Beauftragter der internationalen „Mountain Guide“ Vereinigung und ein nepalesischer Regierungsbeamter anwesend, um ganz offiziell meine Zeit zu stoppen. Als Begleiter wurde wurde mir Passang Lama zugeteilt, ebenfalls ein Bergsteiger aus dem Volk der Sherpas. Seit ein paar Jahren sind Solobesteigungen nicht mehr erlaubt, da sich die Todesfälle bei Alleingängen häuften, nicht zuletzt auch, wegen der meist nicht vorhandenen Möglichkeit einen Notruf abzusetzen, wenn der Bergsteiger alleine unterwegs war.

Um 15:31 Uhr Ortszeit startete ich meinen Versuch. Mein erstes Ziel war es, das Camp 2 in fünf Stunden zu erreichen. Auf dem Weg zu Camp 1 fiel mein Begleiter Passang Lama unglücklicherweise von einer zu überquerenden Leiter.

Er trug zum Glück keine Verletzungen davon, aber bis ich ihn aus der misslichen Lage befreien konnte, dauerte es ca. 20 Minuten bevor wir unseren Aufstieg zum Camp 2 fortsetzen konnten. Das Zeitlimit, das ich zu erfüllen gehabt hätte, war somit um schon um knapp 15 Minuten überschritten. Wir erreichten das Camp 2 um 18.45 Uhr Ortszeit und nicht wie geplant um 18.30 Uhr Ortszeit.

Im Camp 2 erhielten wir während unserer Pause ein Nachtessen, danach wechselten wir unsere Bekleidung und gingen um 21.40 Uhr Ortszeit Richtung Camp 3.

An der Westflanke des Lhotse, der sogenannten „Lhotse Face“, starteten wir mit dem Zuführen von Sauerstoff, da das Atmen immer schwerer wurde. Unglücklicherweise stellte sich heraus, dass die Sauerstoffmaske meines Begleiters defekt war. Ohne diesen benötigten Sauerstoff, war es ihm fast unmöglich weiter zu gehen, da jeder Schritt zur Qual wurde.

Natürlich ließ ich ihn immer wieder von meinem Sauerstoff atmen, was jedoch das Problem des weiteren Aufstieg nicht löste. Darum versuchte ich alles, um seine Maske zu reparieren, leider ohne Erfolg. Es war ca. 22.30 Uhr Ortszeit und schon tiefe Nacht.

Wie geht es weiter?

Wir hatten in diesem Moment keine Möglichkeit Hilfe anzufordern, wir waren ganz alleine und auf uns gestellt. Meine Gedanken waren konfus und ich war unsicher, wie ich für das weitere Vorgehen entscheiden sollte, vor allem in Anbetracht der Gefahr für meinen Begleiter und mich.

Auf der einen Seite wollte ich meinen Rekordversuch natürlich nicht aufgeben, auf der anderen Seite wollte ich Passang nicht alleine lassen.

In einer solchen Höhe – wir befanden wir uns knapp bei 7000 Meter – ist das Denken trotz zugeführtem Sauerstoff enorm eingeschränkt. Es erfordert eine enorme Willenskraft, Entscheidungen überhaupt treffen zu können.

Wir sprachen uns ab und wir entschieden uns zunächst dafür, dass ich alleine weitergehe und er langsam nachkommt – so wie es ihm ohne zusätzlichen Sauerstoff möglich ist.

Doch das schlechte Gewissen plagte mich. Während meines Aufstiegs fühlte ich mich so schlecht, dass meine Gedanken Karussell fuhren. Was könnte alles mit ihm passieren, jetzt wo er alleine unterwegs ist. Ich konnte zu dem Zeitpunkt nicht mehr unterscheiden, was richtig oder falsch war. Sollte ich weiter versuchen, mein Ziel zu erreichen oder meinen Begleiter in ein sicheres Umfeld bringen?

Der läuft nicht weg!

Während des weiteren Aufstiegs klärten sich meine Gedanken und ich kann zu dem Entschluss, dass der Mount Everest auch noch in vielen Jahren da stünde, aber das Leben meines Begleiters im Zweifel nicht und dass dies eine Schuld wäre, die ich nicht tragen wollte.

So entschloss ich mich, auf ihn zu warten und eventuell einen Notruf abzusetzen, falls er es nicht bis zu mir schaffte. Meine „Gebete“ wurden erhört und er kam langsam seines Weges – bei guter Gesundheit.

Nach einer Pause stiegen wir gemeinsam langsam ab Richtung Camp 3. Als es in Sicht kam, ließ ich ihn nochmals zurück um Hilfe zu holen – diesmal ohne schlechtes Gewissen.

Ich weckte meine zwei befreundeten Sherpas Dorje und Pemba auf, um ihnen die Situation zu erklären und um Hilfe zu bitten. Beide machten sich sofort mit einer intakten Sauerstoffmaske auf den Weg zu meinem Begleiter Passang Lama.

Bange Stunden

Nachdem die zwei aufgebrochen waren, hielt ich telefonische Rücksprache mit dem Vorgesetzten meiner Expeditionsfirma. Er riet mir, eine Schweizer Bergsteigerin an meine Seite zu holen, welche mich bei meinem weiteren Unterfangen begleiten sollte. Es schien mir aber zu dem Zeitpunkt nicht die beste Lösung, ich kam mir egoistisch vor sie von ihrer eigenen Tour und Route abzubringen, also entschied ich mich dagegen.

Rat und Hilfe fand ich bei dann bei Dorje (ein anderer Dorje), einem bedachten und erfahrenen Bergführer. Die erklärte Mission, den Gipfel von Camp 3 in fünf Stunden zu erreichen, befand er als möglich und trotz aller vorangegangenen Probleme als durchführbar.

Er bot mir an, mich am nächsten Tag zum Gipfel zu begleiten, falls Passang Lama nicht mehr in der Verfassung wäre an meiner Seite aufzusteigen. Für sein Angebot und seine emotionale Unterstützung war ich ihm sehr dankbar, war er doch auch der Erfahrene und ich die „Erstbesteigende“.

Drei Stunden, nach meiner Ankunft in Camp 3 brachten meine zwei Sherpa-Freunde meinen erschöpften Begleiter Passang Lama ins Camp 3. Seine Sauerstoff Maske war nach wie vor unbrauchbar und es war kein Ersatz im Camp 3 vorhanden.

Somit entschied ich, dass er so schnell wie möglich ins Camp 2 gebracht werden sollte, da dort natürlich mehr Sauerstoff in der Luft vorhanden ist und es zweitens funktionierende Sauerstoffmasken gibt. So könnte er sich optimal für einen weiteren Gipfelversuch erholen.

Frühmorgens am nächsten Tag,  spielten meine Gedanken wieder einmal verrückt und ich war mir nicht sicher, was nun die richtige Entscheidung war: Auf meinen Begleiter Passang zu warten oder den ganzen Aufstieg nochmals vom Start aus in Angriff zu nehmen.

So erhoffte ich mir Hilfe, indem ich meine Familie per Satelliten Telefon kontaktierte. Meine Familie hat zwar nicht viel Erfahrung in Sachen Extrembergsteigen, aber ich fragte sie um Trost und emotionale Unterstützung. Meine Familie war sehr besorgt um mich und sie rieten mir, nicht noch einmal die ganze Tour neu zu starten.

Als einzige weibliche Sherpa meine Heimatdorfs ist meine Familie ohnehin sehr stolz, dass ich es überhaupt versuche – ganz abseits von Rekorden und dem Durchbrechen von irgendwelchen Grenzen.

Die Stunden, die ich darauffolgend auf Passang wartete, kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Die Entscheidung auf ihn zu warten oder doch meinen Weg, zusammen mit Dorje zu gehen, lasteten schwer auf meiner Seele. Die Zeit verging mit zähen Gedanken, Ängsten und Panik. Aber meine Ängste waren alle unbegründet, denn Passang kam in Begleitung anderer Bergsteiger gegen 14.00 Uhr Ortszeit wohlbehalten und ausgeruht im Camp 3 an.

Der nächste Versuch

Im Nachhinein fiel mir auf, dass das größte Problem bei der ganzen Sache die Kommunikation war, denn es gab schlicht und ergreifend keine. Kein Funkgerät, kein Satellitentelefon mit dem ich mich mit Passang hätte verständigen können um eben jene Zweifel und Ängste zu zerstreuen.

Ich schwor mir das zu ändern, sollte ich je wieder eine solche Tour in Angriff zu nehmen. Das und natürlich für jeden Begleiter eine Ersatzsauerstoffmaske im Gepäck zu haben.

Nun da Passang wieder anwesend war, starteten wir zusammen um 16:00 Uhr Ortszeit vom Camp 3 Richtung Camp 4, wo wir gegen 21 Uhr ankamen. Dort wurden wir mit heißem Tee versorgt und um Mitternacht nahmen wir den weiteren Aufstieg in Richtung Gipfel in Angriff. Passangs neue Sauerstoffmaske war Gott sei Dank in Ordnung und er konnte gut mit meinem Tempo mithalten, da er nun auch  genügend Zusatzsauerstoff einatmen konnte.

Am „Balcony“ auf knapp 8400 m trafen wir weitere Bergsteigerkollegen, die bereits einige Stunden vor uns aufgebrochen waren. Wir waren also recht zügig unterwegs und mein Begleiter Passang zum Glück nach wie vor in guter Verfassung.

Auf dem Dach der Welt

Um 06.26 Uhr Ortszeit erreichten wir dann endlich den Gipfel des Mounts Everest über die Südroute, mit einer Gesamtzeit von 38 Stunden 51 Minuten. Ohne etwas auf die Tube zu drücken benötigt man dafür eigentlich drei bis vier Tage. Wir waren die zwei Einzigen, die den Gipfel an dem Tag von der Südroute aus erreichten, von der tibetischen Seite aus aufgestiegen, waren zwei andere Gruppen, die fast zeitgleich mit uns auf dem Gipfel eintrafen.

Wir verbrachten alle zusammen zwei Stunden auf dem höchsten Gipfel der Welt, bis wir uns wieder an den Abstieg zum Camp 4 aufmachten. Die Freude, als wir wohlbehalten im Camp eintrafen, war groß, ist doch gerade der Abstieg sehr gefährlich und keinesfalls zu unterschätzen. Meine sehr guten Freunde Samantha McMoun und Sherpa Gesman waren vor Freude gerührt, uns wohlbehalten im Camp 4 zu begrüßen. Die Zeit danach verbrachten wir gemeinsam, um über unsere emotionalen Momente der Freude, der Verzweiflung und der Hoffnung zu sprechen.

Samantha und Gesman würden einen Tag später auch in Richtung Gipfel aufbrechen.

Was bleibt…

Die Belastungen, die man während einer solchen Expedition erlebt, gehen weit über das körperliche hinaus. Sie erfordert auch emotionale und psychische Höchstleistungen. Es gibt viele Momente der Ohnmacht, man fühlt sich der Natur ausgeliefert und weiß fast zu keiner Zeit, ob man sein Ziel überhaupt erreichen wird. Zu viele tote Körper sind nach wie vor am Wegesrand zu finden, erzählen von tragischen Geschichten und Schicksalen. Keiner von uns Bergsteigern möchte sich dazu gesellen, keiner möchte in Einsamkeit und Kälte seine letzten Atemzüge tun, jeder möchte wieder

gesund nach Hause kommen und seine Liebsten in die Arme schließen.

Ich hatte viel Glück und Hilfe auf meiner Expedition, konnte mein gesetztes Ziel, den Gipfel des Everest zu erklimmen, erreichen. Es gab viele Momente, in denen ich drauf und dran war abzubrechen, Momente der Angst, der Verzweiflung, dann wieder Momente der Hoffnung und schließlich der Willen, es zu schaffen.

Dies nehme ich zum Anlass, mein Erfolg all denen zu widmen, denen es nicht gelungen ist, wieder heil und gesund zuhause anzukommen und all denen die nie die Möglichkeit hatten oder haben, eine solche Tour machen zu dürfen.

Mein Erfolg und meine Durchhaltekraft soll auch denen dienen, die sich nicht zutrauen eigene Grenzen zu durchbrechen. Nichts ist unmöglich, man muss sich nur trauen es zu versuchen.

Oft ist es nicht das Ziel, dass vermeintlich zu hoch gesteckt ist. Man hat einfach noch nicht den richtigen Weg gefunden.

Phunjo Jhangmu Lama

Anm. der Red.: Phunjo ist die erste nepalesische Frau aus dem Tsum Valley zwischen Manaslu und Ganesh Himal, die den Gipfel des Mount Everest bestieg. Dafür wurde sie vom Tsum Wellfare Commitee, der Nepalesischen Bergsteigervereinigung und dem Ministerium für Kultur, Tourismus und zivile Angelegenheiten im Nachgang ihrer Expedition geehrt.

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt! – Trekkingmahlzeiten im Überblick

8. August 2018
Die Bergfreunde

Ohne Mampf keinen Kampf! Das ist wahrscheinlich das Motto vieler Mehrtagestouren. Ob beim Wandern, Klettern oder Radfahren, wer längere Zeit unterwegs ist und sich körperlich fordert, der muss auch was Anständiges essen. Gerade jedoch wenn es darum geht die komplette Verpflegung von Anfang an mitzunehmen, wird schnell am Gewicht und somit leider oft auch an der kulinarischen Vielfalt gespart. Eine abwechslungsreiche Auswahl an Trekkingmahlzeiten kann diesbezüglich Abhilfe schaffen.

Um herauszufinden, welche Gerichte gut ankommen und wo die jeweiligen Highlights liegen, haben wir einmal ein großes Testessen veranstaltet und uns durch die unterschiedlichsten Gerichte gefuttert. Heute auf dem Speiseplan: die Highlights von Bla Band bis Voyager.

Bla Band

Bekannt wurde der schwedische Hersteller Bla Band in den 50er und 60er Jahren. Zu den ersten Produkten zählten damals vor allem Tütensuppen, Puddingpulver und Co. Seit gut 10 Jahren bringt Bla Band nun aber auch Trekkingmahlzeiten auf den Markt und überzeugt dabei durch eine gute Qualität, sowie eine große Produktvielfalt.

Das Besondere: Viele Gerichte von Bla Band gibt es sowohl gefriergetrocknet, als auch bereits fertig mit Wasser versetzt. Ebenfalls umfasst das Sortiment vegetarische und gluten- und/oder laktosefreie Gerichte. Hier sollte also jeder fündig werden.

Auch bei unserem Testessen zeigt sich das Ergebnis äußerst positiv, denn alle verkosteten Gerichte kamen durchweg gut an. Die beste Bewertung des gesamten Tests räumte das Couscous mit Chili gewürztem Gemüse bei uns ab.

Des Weiteren ist uns bei Bla Band das leichte Handling der Gerichte aufgefallen. Die bereits mit Wasser versetzten Mahlzeiten müssen nur erhitzt werden. Bei den gefriergetrockneten Produkten erfolgt das Erhitzen durch Zugabe von kochendem Wasser. Zudem verfügen alle Tüten über einen praktischen Zipper, mit welchem sie problemlos und jederzeit verschließbar sind.

Expedition Foods

Die Marke Expetition Foods kommt aus Großbritannien und stellt seit 1995 gefriergetrocknete Mahlzeiten her. Das Sortiment besteht aus einer Bandbreite von herzhaften und süßen Gerichten, die unterwegs für die notwendige Energie und eine abwechslungsreiche Ernährung sorgen.

Die unterschiedlichen Gerichte gibt es in verschiedenen Verpackungsgrößen, die sich jeweils nach der jeweiligen Kalorienzahl richten:

  • Die Verpackungsgröße ‚Regular‘ umfasst ca. 450 kcal.
  • ‚High Energy‘ beinhaltet mehr als 800 kcal,
  • ‚Extreme Energy‘ oder ‚Regular For Two‘ ca. 1000 kcal.

Darüber hinaus sind auch bereits komplett zusammengestellte Tagesrationen (Hauptgericht, Frühstück und Snacks) erhältlich.

Auch Vegetarier oder Personen mit bestimmten Lebensmittelunverträglichkeiten kommen bei Expedition Foods nicht zur kurz. Abgestimmt auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse, gibt es auch hier keinen Verzicht, sondern eine Auswahl an zahlreichen Mahlzeiten.

In unserem Test erreichten die Gerichte von Expedition Foods das vordere Mittelfeld. Abzüge gab es vor allem bei der Zubereitung und der Optik der Gerichte. Geschmacklich wurden jedoch durch die Bank gute Noten erzielt. Besonders beliebt war bei uns das Thai Green Chicken Curry/Rice. Platz zwei belegte eine süße Nascherei: Porridge With Strawberries.

Summit to Eat

Die Portionspackungen von Summit to Eat sind kaum zu übersehen. Dies ist vor allem ihrer gelb-leuchtenden Verpackung, sowie den an der Vorderseite gut leserlich und strukturiert angebrachten Nährwertinformationen zuzuschreiben.

Die Verpackungen der Trekkingmahlzeiten sind aus einem hitzebeständigen Material gefertigt, was die Zubereitung der Mahlzeit in der Packung erlaubt. Zudem kommen auch diese Tüten mit einer Art Zipper, der das nachträgliche Verschließen ermöglicht.

Alle der Summit to Eat Mahlzeiten wurden mittels Gefriertrocknung haltbar und leicht transportabel gemacht. Sie können daher problemlos durch die Zugabe von heißem Wasser zubereitet werden, fallen aber beim Transport im Rucksack nicht sonderlich ins Gewicht. Von süß bis herzhaft bietet Summit to Eat ein breites Sortiment, das auch wieder in Form von kompletten Rationen für Mehrtagestouren erhältlich ist.

Unsere Testesser waren bei Summit to Eat in erster Linie von den süßen Nachspeisen überzeugt. Gerade der Reispudding mit Erdbeeren, sowie das Schokoladen Mousse mit Granola und Kirschen sorgten für strahlende Gesichter. Knapp dahinter lagen Hauptspeisen wie das Würzige Curryhühnchen (Tikka) mit Reis.

Travellunch

Von Travellunch kamen bei unserem Testessen vergleichsweise wenige Gerichte auf den Tisch. Die folgenden Ergebnisse sind daher wahrscheinlich nicht ganz repräsentativ. Hinter den Produkten von Travellunch verbirgt sich die in Augsburg sitzende Simpert Reiter GmbH. Alle Produkte von Travellunch werden in Deutschland produziert und sind je nach Verpackung und Lagerart drei bis fünf Jahre haltbar.

Travellunch bietet dabei vom Frühstück, dem kleinen Snack für zwischendurch, bis hin zur Hauptmahlzeit alles an, was das Herz begehrt. Die unterschiedlichen Produkte gibt es aber nicht nur einzeln, sondern können auch in Kombination als komplette Tagesration erworben werden. Von fleischhaltig bis vegetarisch, von süß bis herzhaft – hier ist alles dabei, das kulinarisch zu einer gelungenen Tour beiträgt.

In unserem Test wurde vor allem das Chili con Carne mit Rindfleisch sehr gelobt, aber auch vegetarische Gerichte wie das Gemüserisotto kamen gut an.

Voyager

Voyager ist eine Marke des französischen Lebensmittelherstellers Falièrs Nutrition. Schaut man sich das Nahrungsangebot von Voyager einmal genauer an, stellt man auch hier schnell fest, dass es an nichts fehlt. Neben den üblichen Gerichten mit und ohne Fleisch, gibt es auch Mahlzeiten, die mit dem Biosiegel des französischen Agrarministeriums, sowie mit dem Biosiegel der EU ausgezeichnet sind.

Besonders praktisch: Alle Tüten sind farblich gekennzeichnet, sodass man bereits auf den ersten Blick erkennen kann, um welche Art von Gericht es sich handelt.

Hier eine schnelle Übersicht:

  • rot = Fleischgerichte
  • grün = vegetarische Gerichte
  • blau = Gerichte mit Fisch oder Meeresfrüchten
  • weiß = Gerichte in Bioqualität
  • gelb = Frühstück
  • rosa = Nachtisch/Süßspeisen

In unserem Test belegten die Mahlzeiten von Voyager allesamt Mittelfeldplätze. Wie so oft war es mal wieder das Aussehen der fertigen Gerichte, das für Abzug sorgte. Geschmacklich fiel unserem Testteam vor allem das Rindfleisch mit Reis und Sauce positiv auf.

Fazit

Wer auch bei langen Touren in entlegenen Gebieten lecker essen möchte, der sollte sich vorab gut überlegen, was er mitnimmt. Denn Essen sollte nicht nur satt, sondern auch zufrieden und glücklich machen. Wer hier bewusst kombiniert und auch auf Abwechslung setzt, hat sicherlich schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gesetzt.

Richtige Ausreiser nach unten gab es bei unserem Test nicht, doch stellten sich klare Favoriten heraus. Aber ob das letzten Endes auch eurem Geschmack entspricht, müsst ihr natürlich selbst herausfinden :-) Schreibt uns gerne mal in die Kommentare, was unterwegs zu euren Favoriten zählt.

Die Bergfreunde holen den Shop Usability Award 2018

27. Juli 2018
Die Bergfreunde

Ja ja, wir wissen schon, was du sagen willst. „Eigenlob stinkt“ – und prinzipiell hast du ja recht. Aber es gibt auch Momente im Leben, da sollte man alte Konventionen über Bord werfen. Und deshalb feiern wir uns mit diesem Beitrag mal ein bisschen, denn wir sind frisch gebackener Träger des „Shop Usability Award 2018“. Was das heißt? Lass es uns erklären.

Shop Usability – was ist das überhaupt?

Als Shop Usability, meistens auch nur die Usability, bezeichnet man die Gebrauchstauglichkeit eines Produkts. In unserem Fall ist das die Nutzerfreundlichkeit des Bergfreunde-Shops. Dabei achten wir darauf, dass du dich gut zurecht findest und alle Funktionen intuitiv bedienen kannst, um dir ein möglichst nahtloses Einkaufserlebnis zu ermöglichen.

Dazu zählt aber zum Beispiel auch, dass du bei Bedarf alle wichtigen Informationen zu einem Produkt findest. Deshalb helfen wir dir im Basislager-Blog mit allerlei Tipps und Tricks zur Pflege und Wartung deiner Ausrüstung oder mit unserem Größenberater für Kletterschuhe, die passende Größe für dich herauszusuchen. Lobend erwähnt wurden auch unsere Icons auf der Produktseite, mit denen Du auf den ersten Blick erkennen kannst, was die wichtigsten Features des Produkts sind.

Was der Jury ebenfalls gut gefallen hat ist die Bewertungsfunktion bei den Produkten. So kann es schon mal sein, dass du zu einem Produkt hunderte Rezensionen findest, die dir Auswahl und letztlich natürlich den Kauf erleichtern.

Warum ist das eigentlich so cool?

Naja, erstmal freut man sich natürlich, wenn jemand einem anerkennend auf Schulter klopft. Da es sich hier aber um die Jury eines der größten Online-Awards in Deutschland handelt, sind wir nicht nur froh, sondern supermegaduperhappy – vor allem als Kategorie-Sieger „Sport und Outdoor“. Das heißt ja schon, dass wir offensichtlich einiges richtig machen!

Ebenfalls ziemlich cool: Wir stehen in einer Reihe mit Branchengrößen wie Matratzen Concorde, Eismann oder Ortovox, was sich für uns immer noch irgendwie ein bisschen seltsam anfühlt. Zwar sind wir inzwischen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus gewachsen, aber irgendwie verstehen wir uns immer noch als die kleine, gemütliche Bude von früher. Aber wie es immer ist im Leben – irgendwann muss man erwachsen werden. Ein bisschen zumindest! ;)

 

Unterwegs im Karwendel – Wandern im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern

24. Mai 2018
Die Bergfreunde

Das Gute liegt doch oft so nah, dachte ich mir, als ich mir meine nächsten Wanderziele aussuchte. Da ich eine waschechte Oberländlerin aus dem Isarwinkel bin, liegt es quasi auf der Hand, das angrenzende Karwendel einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Zwar befinden sich rund 80% dieses Gebirgszuges eigentlich in Österreich, doch erreicht man das große Wanderparadies auch ganz schnell von München aus.

Knapp 2 Stunden Anfahrt und schon eröffnet sich eine wild romantische Bergwelt, in der für jeden etwas dabei ist. Zahlreiche Täler laden zum gemütlichen Wandern ein und naturbelassene Flussläufe glitzern in der Sonne. Auch für Kinder ist dieses Gebiet das richtige Gelände um erste Wandererfahrungen auf kleinen Touren zu sammeln und Abenteuer in der Wildnis zu erleben. Wenn man die ursprünglichen Bachläufe und die weiten Wälder sieht fühlt man sich hier sogar fast ein wenig wie in Kanada.

Erstmals 1280 entdeckt, wurde das Karwendel schnell von nur einem Ursprungstal auf das gesamte Gebiet ausgeweitet, das sich heute von West nach Ost etwa 45 Kilometer erstreckt und von Nord nach Süd 30 Kilometer umfasst. Genug Platz also für alle Bergfreunde (egal ob Bergsteiger, Wanderer oder Familien). Es gibt allein 125 Gipfel, die eine Höhe von 2000 Metern übersteigen.

So fällt mir die Auswahl zwar nicht ganz leicht, jedoch schiebt sich der Schafreiter sofort in mein Blickfeld, denn genau auf seinem Gipfel verläuft die Grenze zwischen Bayern und Tirol und wer ist denn nicht gern Grenzgänger!

Auf geht’s zum Schafreiter

Um zum Ausgangspunkt der Rundtour zu kommen, folgt man der B13 von Bad Tölz in Richtung Sylvensteinsee und biegt am Staudamm nach rechts Richtung Fall/Vorderriß/Eng ab. Von nun an folgt man der Straße bis zur Oswaldhütte. An der Oswaldhütte angekommen, gelangt man auf einen Parkplatz. Ganz nach dem Motto der frühe Vogel fängt den Wurm, lohnt es sich hier jedoch früh dran zu sein, da im Sommer die Plätze ziemlich flott weg sind. Das Auto geparkt, geht es an einer gut beschilderten Forststraße bergauf. Die Höhe nimmt schnell zu und man erreicht schon nach etwa einer Stunde Gehzeit die Moosenalm.

Da der Steig in der Sonne liegt und die Latschensträucher ihr Übriges tun, wird uns ganz schön schnell warm. Spätestens jetzt sollte es sich also noch mehr auszahlen zeitig dran zu sein. Mit dem Gipfel fest im Blick wandert man nun direkt am Nordwestgrat des Schafreiter entlang. Knapp zwei Stunden geht es bergauf, weshalb ein bisschen Ausdauer gefragt ist. Das immer größer werdende Panorama ist die Anstrengung dabei aber auf alle Fälle wert und bietet eine willkommene Abwechslung.

Nach etwa drei Stunden erreichen wir den Gipfel, den man sich im Sommer mit einer Menge Schafen teilen darf. Der Name des Gipfels ist uns damit nun auch klar. Auf einer Höhe von 2101 Metern hat man das Karwendel auf dem Präsentierteller. Auch Zugspitze, Walchensee und Sylvensteinspeicher liegen zu unseren Füßen.

Nachdem wir uns satt gesehen haben, entscheiden wir uns zu einer Rundtour und wählen deshalb einen anderen Abstieg. Statt auf dem Grat zurückzuwandern, gehen wir nun gleich nach links abwärts zur Tölzer Hütte, in der man auch einkehren und übernachten kann. Ein etwas steiler, teilweise mit Drahtseilen gesicherter Weg führt uns schnell bergab Richtung Wald. Mit ein wenig Trittsicherheit ist dieser Abschnitt aber leicht zu bewältigen. Sobald man den Bergwald erreicht hat, wird der Weg wieder gemütlicher und man kann die Tour schön ausklingen lassen.

Was man bei der Rundtour und nach knapp 1150 Höhenmeter jedoch nicht vergessen sollte ist, dass unser Auto ja woanders steht und man noch etwas Zeit und Kraft einplanen muss um auf der Straße zurück zum Ausgangspunkt zu laufen. Doch mit diesen tollen Eindrücken im Gepäck spulen wir die restlichen vier Kilometer Asphalt ganz easy ab. Wer noch Durst oder Hunger hat, findet in der Kaiserhütte oder in der Oswaldhütte einen Platz zum entspannen und kann echte Tiroler Spezialitäten genießen. Den Kaiserschmarren hat man sich jetzt aber auch verdient!

Tour ins zentrale Karwendel

Für unsere Tour zieht es uns außerdem noch ins zentrale Karwendel. Um ins Karwendel zu gelangen muss man nur der selben Straße (Hinterriß/Eng) bis zu ihrem Ende folgen und schon ist man im Engtal angekommen. Bevor man sein Auto verlassen hat bekommt man schon einen Eindruck von der Schönheit dieser Natur. Auffallend sind die vielen Ahornbäume, die die Landschaft prägen. Auch viele alte Bergahorn-Bestände, die zum Naturdenkmal erklärt wurden, findet man hier. Nicht umsonst heißt der Abschnitt hier also großer Ahornboden. 1988 wurde der große Ahornboden mit seinen 300 bis 600 Jahre alten Bäumen zum Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und ist seither Teil des Naturparks Karwendel.

Am Alpengasthof Eng parken wir an dem großen kostenlosen Parkplatz (sämtliche Parkplätze sind im Gebiet Ahornboden und Eng kostenlos! Es fällt lediglich eine Mautgebühr von 4,50 € an). Auf einer unbefahrenen Straße wandern wir an einer kleinen Siedlung vorbei, in der man Bergkäse, Speck und Souvenirs kaufen kann. Hier gibt es auch urige Übernachtungsmöglichkeiten und eine Wirtschaft mit einem Abenteuerspielplatz für die Kleinen.

Unser Ziel ist heute die Falkenhütte (1848m) und folgen deshalb fortan der entsprechenden Beschilderung. Die Beschilderung führt uns einen Weg rechts bergauf, die man eigentlich nicht übersehen kann, da diese Tour bei Familien sehr beliebt ist und diese demnach die Strecke einschlagen. Zu Beginn geht es mäßig bergauf. Man durchquert einen Wald, bis man schließlich die Baumgrenze erreicht und von nun an auf die Engalmen herabsehen kann.

Nach etwa 1,5 Stunden Wanderung erreichen wir das Hohljoch (1794m). Die Hälfte haben wir somit geschafft und sehen unser Ziel schon direkt gegenüber. Vor uns liegen nun die mächtigen Laliderernordwände, in denen es auch zahlreiche alpine Abenteuer zu erleben gibt. Ein Stück muss man nun absteigen, um dann unterhalb der Wände bis zum finalen Aufstieg entlangzugehen.

Auf der gegenüberliegenden Seite, am Spielissjoch, angekommen, ist es nicht mehr weit bis zur Falkenhütte. Eine halbe Stunde lang steigt man nun noch auf der Forststraße bis zur Hütte auf. Hierbei entschädigt uns die bezaubernde Aussicht für die Strapazen. Nicht nur die Lalidererwände und das Laliderertal liegt vor uns, sondern auch der höchste Berg des Karwendels, die Birkkarspitze. Die Falkenhütte lädt zum längeren Aufenthalt ein, denn es gibt nicht nur Brotzeiten und Bier sondern auch Liegestühle, in denen man die Seele baumeln lassen kann. Sich hier loszureißen fällt definitiv schwer. Da der Abstieg auf dem selben Weg erfolgt wie der Aufstieg können wir hier nochmal die imposanten Nordwände bewundern, bis wir schließlich wieder in die Eng absteigen. Hier tummeln sich am Nachmittag Touristen aus aller Welt, die ein wenig Bergluft schnuppern wollen.

Erkundung des Gamsjoch

Für die Tour des Gamsjoch sind unser Ausgangspunkt erneut die Engalmen. Von den Engalmen aus gibt es allgemein unendlich viele Möglichkeiten das Karwendel zu erkunden. Unsere heutige Tour, das Gamsjoch, ist allerdings ein wenig ambitionierter. Knapp 7 Stunden Gehzeit sollten hierfür eingeplant werden. Auch ein früher Start ist hier ein großer Vorteil, da der Gipfelanstieg südseitig und komplett in der Sonne liegt.

Wir starten also wieder am Alpengasthof Eng aber nehmen nicht den großen Weg Richtung Engalmen, sondern halten uns links vom Bach auf der etwas kleineren Straße. Nach kurzer Zeit ist schon das Gamsjoch (2452 m) beschildert und man folgt einem Pfad rechts in den Wald hinauf. Da es hier keinen eindeutigen Weg gibt, ist ein wenig Orientierung gefragt, doch nach kurzer Zeit entdeckt man zwischen den Büschen schmale Pfade, die uns dennoch zuverlässig bergauf führen.

Der Anstieg über die Geröllfelder des Gumpenkars ist nicht zu unterschätzen und erfordert durchaus Kondition. Knappe 2 Stunden gehen wir steil bergauf, bis wir auf einen breiten Weg stoßen, dem wir dann weiter folgen. Hier queren wir ins Gumpenkar hinein und sehen den Gipfelvorbau schon vor uns.

Zunächst erreichen wir das Lalidererjoch (1974m) und steigen nun über Schrofen und kleine Felsen steil bergauf. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind hier absolut erforderlich! Nachdem der steile Teil hinter uns liegt, folgt nun ein kräftezehrendes Finale. Mäßig aber stetig bergauf geht man nun bis zum Westgipfel, überschreitet diesen und erreicht schließlich den Hauptgipfel mit dem mächtigen Gipfelkreuz.

Der Aus- und Tiefblick ist faszinierend. Nicht nur die höchsten Berge, sondern auch die Weiten der Täler mit ihren glasklaren Bächen ragen vor einem. Hier fühlt man sich sogar selbst ein wenig erhaben, da das Gamsjoch alle umstehenden Berge deutlich überragt.

Nach einer kurzen Pause geht es wieder bergab. Zum Abstieg wählen wir diesmal den breiteren Weg, der uns nicht zurück ins Kar führt, sondern rüber zum Hohljoch. Das Hohljoch kennen wir schon von der Wanderung zur Falkenhütte. Der Weg ist gemütlich und führt relativ flach, vorbei an ein paar kleineren Almen, zum Hohljoch hinüber. Immer im Blickfeld liegt unter uns die Eng und der große Ahornboden. Da man dieses Wegstück meist am späten Nachmittag zurücklegt, ist das Licht hier im Herbst besonders schön und bietet tolle Fotomotive. Für diesen Abstecher sollte man auf jeden Fall eine Stunde mehr Gehzeit einplanen als für den Normalweg, doch es lohnt sich auf jeden Fall.

Vom Hohljoch führt uns der Weg direkt in die Eng hinunter. Es schließt sich damit der Kreis und wir kehren mit müden Füßen und wunderbaren Eindrücke zufrieden zurück.

Noch ein bisschen Naturkunde gefällig?

Wer sich noch ein wenig über die Geologie und Geschichte des Karwendels informieren möchte, der ist beim Naturpark Karwendel an der richtigen Adresse. Das Naturparkhaus Hinterriß bietet mit einem spannenden Museum einen umfassenden Einblick in die Natur, Geschichte und Jagd im Karwendel. Der Eintritt beläuft sich für Erwachsene auf rund 3 €. Kinder bis 14 Jahre haben umsonst Spaß.

Fazit

Obwohl das beschriebene Gebiet nur einen kleinen Teil des Karwendels umfasst, bekommt man dennoch einen vielseitigen Einblick in die wilden Täler und steilen Berge dieses geschichtsträchtigen Teiles der Alpen zwischen Bayern und Tirol. Ob Grenzgänger, Hobbyranger oder Genusswanderer, die Touren im Karwendel werden dir niemals ausgehen.

Zum Schluss noch ein paar Daten und Fakten

  • Schafreiter Rundtour 2101 m
    Ausgangspunkt: Parkplatz neben der Oswaldhütte
    Höhenmeter: 1150 m
    Charakter: Trittsicherheit und Ausdauer erforderlich
    Gehzeit gesamt: 5 Stunden
    Beste Jahreszeit: Mitte Mai bis Oktober
    Einkehrmöglichkeiten: Oswaldhütte, Tölzer Hütte, Kaiseralm
  • Falkenhütte über Engalmen 1848 m
    Ausgangspunkt: Parkplatz Alpengasthof Eng
    Höhenmeter: 650 m
    Charakter: Trittsicherheit erforderlich, geeignet für Familien
    Gehzeit gesamt: 4,5 Stunden
    Beste Jahreszeit: Mitte Mai bis Ende Oktober
    Einkehrmöglichkeiten: Alpengasthof Eng, Emgalmen, Falkenhütte
  • Gamsjoch Rundtour 2452 m
    Ausgangspunkt: Parkplatz Alpengasthof Eng
    Höhenmeter: 1360 m
    Charakter: Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, sehr gute Kondition
    Gehzeit gesamt: 7 Stunden (6 Stunden Normalweg)
    Beste Jahreszeit: Anfang Juli bis Ende Oktober
    Einkehrmöglichkeiten: Alpengasthof Eng, Engalmen
Women in Adventure - Bergfreundin Cora beim SHAFF

Eigentlich…

24. Mai 2018
Die Bergfreunde

„Hey, da gibt es einen Filmwettbewerb über abenteuerlustige Frauen. Das wäre doch was für dich“.

So ähnlich lautete damals die Nachricht einer Freundin auf Facebook. Ich schüttelte nur den Kopf darüber. Was bitte hatte ich da verloren? Ich kletterte doch erst seit kurzem und filmen konnte ich gleich dreimal nicht. Schnapsidee… gleich vergessen.

Ein Jahr später, der gleiche Wettbewerb, eine ähnliche Nachricht. Diesmal sah die Sache etwas anders aus. Jetzt kannte ich ein paar mehr Aspekte der Klettergemeinschaft, ich hatte eine Idee und das Wichtigste: Ich hatte inzwischen Freundschaft mit dem genialen Filmemacher Leon Buchholz geschlossen.

Der Filmwettbewerb um den es geht heißt „Women in Adventure“. Er wird seit fünf Jahren jedes Jahr vom BMC (dem britischen DAV) ausgerichtet und die Gründe für eine Teilnahmen klingen durchaus vielversprechend:

  • Der Gewinnerfilm wird bei mehreren Outdoorfilmfestivals gezeigt.
  • Die Anzahl der Frauen in Outdoorfilmen (ob vor oder hinter der Kamera) soll gefördert werden.
  • Motiviere andere Frauen nach draußen zu gehen.
  • Und es gibt sogar noch etwas Preisgeld.

Was will man mehr? Dem eigenen Hobby nachgehen, etwas filmen und dabei vielleicht noch ein paar andere mit der eigenen Begeisterung anstecken. Das klingt doch eigentlich nicht schlecht. Eigentlich.

Nachdem der Entschluss gefasst war, ging es ans Planen. Wenn man noch keinen 6000er bestiegen oder eine schicke 10+ im Sack hat, über was spricht man dann? Nach einigem brainstormen kam ich auf ein Thema, dass mich zu dieser Zeit sehr beschäftigte: die Sturzangst.

Wäre das vielleicht etwas für den Film? Schließlich kennt jeder Kletterer diese Angst. Manche geben es nie zu, manche überwinden sie schnell, manche irgendwann und manche hoffen noch. Oft sind es vor allem Frauen, die das Thema zur Sprache bringen und nicht selten hatte ich erlebt, wie meine Geschlechtsgenossinnen sich dafür schämen. Das Thema passt doch eigentlich perfekt. Eigentlich.

Ein Film entsteht…

Wie es oft ist, wenn man etwas noch nicht gemacht hat, zäumten wir das Pferd gekonnt von hinten auf.

Nur mit einer groben Idee im Gepäck, ging es direkt an den Fels zum Filmen. Sehr viele Stürze und fast ebenso viele Beinah-Herzinfarkte später waren zahlreiche Takes im Kasten und ich machte mich an das Schreiben des Voice-Overs.

Wegen Terminprobleme lag aber alles erst mal etwas auf Halde. Ich kletterte munter weiter und überlegte hin und wieder was ich denn schreiben solle und ob das Ganze am Ende nicht doch zu deprimierend wird. Wer schaut schon gerne jemandem zehn Minuten lang beim Angst haben zu.

Es kam ja dann doch alles anders mit der Angst, wie ihr im finalen Film selbst sehen könnt:

 

15 Minuten Ruhm

Alles entwickelte sich zu einem absoluten Höhenflug: Leons Filmmagie machte aus den schönen Tagen draußen einen noch schöneren Film. Mein Arbeitgeber, die Bergfreunde, waren ebenfalls begeistert und man sagte uns sogar eine kleine monetäre Unterstützung zu.

Drei Tage nach der Veröffentlichung des Films hatte ich schon 11.000 Zuschauer. Auf allen Kanälen auf denen wir ihn teilten, hagelte es positives Feedback. Es war klar: Wir waren nicht mehr einzuholen. Von allen eingereichten Film war unserer der mit Abstand am meist gesehene.

Und natürlich wollten wir bei der Preisverleihung und der Vorführung des Films in Sheffield dabei sein. Flug gebucht, Preis für den meist geschauten Film gewonnen, Komplimente ohne Ende. Alles hätte eigentlich perfekt sein können. Eigentlich.

Die Ernüchterung

Als ich den Text für den Film schrieb, war ich hoch motiviert. Mein großes Ziel war es, nicht nur möglichst viel Inspiration zu versprühen, sondern gerade Frauen zu zeigen, dass es völlig normal ist Angst zu haben und man sich dessen nicht zu schämen braucht. Ich freute mich auf inspirierende Filme mit vielen Zuschauern, andere Frauen und auch viele interessierte Männer, mit denen man Erfahrungen über verschiedene Outdoor-Sportarten austauscht und etwaige Mauern zumindest zum Bröckeln bringt. Die meisten dieser Hoffnungen wurden allerdings bitter enttäuscht.

Auf den Karten, die wir für das Filmfestival bekamen, war die Adresse verzeichnet. Ein Kino. Gezeigt wurden die Filme aber nicht etwa in einem Saal. Nein, das Screening fand in einem Durchgangsfoyer im oberen Stockwerk statt.

Von unten dröhnte die meiste Zeit die Musik der ausstellenden Outdoorfirmen nach oben. Vor ungefähr vierzig Zuschauern (die meisten weiblich) saßen vorne an einem Tisch fünf Frauen, die sich über alle möglichen Outdoor-Themen und -filme unterhielten – allerdings nicht über die gezeigten Filme. Die Mikros funktionierten nicht, weshalb die Versuche der Moderatorin, die Diskussion zu steuern, von vorneherein zum Scheitern verurteilt waren.

Die „Leinwand“ entpuppte sich als ein Fernsehbildschirm – verbunden mit einem Laptop. Durch die Störgeräusche und den schwachen Sound aus der Röhre, was es sehr anstrengend zuzuhören.

Am Schluss gewannen drei Filme, die vor allem eines auszeichnete: Sie waren sehr künstlerisch und nutzten das Thema „Outdoor“ eher als Leinwand, als dass sie motivierten nach draußen zu gehen (diese Meinung ist natürlich subjektiv).

Auch solche Filme waren beim Wettbewerb eingereicht worden (man konnte sich alle im Internet anschauen) und sie wurden auch mehrmals lobend erwähnt, aber gezeigt wurden sie beim eigentlichen Festival trotzdem nicht.

Einen wirklich schönen Teil gab es: Nach den Vorführungen stand man in Gruppen zusammen und diskutierte, genau wie ich es mir vorgestellt hatte… mit der kleinen Schattenseite, dass hinter uns ein Mann alle Stühle verräumte und uns bat doch unsere Sachen aus dem Weg zu schaffen. Nicht sehr gemütlich.

Das hört sich alles eher so nach ‚schlechter Verliererin‘ an. Und natürlich war ich etwas enttäuscht, dass es unser Film – obwohl er beim Internetpublikum sehr gut ankam – so wenig Beachtung fand. Die größere Enttäuschung fand allerdings auf einer ganz anderen Ebene statt.

Ein fader Beigeschmack

Ich muss zugeben, ich war ziemlich verwirrt und fassungslos als ich das Gelände verließ. Ich begann noch stärker als zuvor darüber nachzudenken, was eigentlich der Sinn dieses Filmfestivals war.

Denn immer wieder tauchen derlei Veranstaltungen auf: Sie sollen Frauen in bestimmten Gebieten fördern oder ihnen „Privatsphäre“ geben, um sich ungestört von vermeintlicher männlicher Dominanz entwickeln zu können.

Der Outdoor-Bereich ist da kein Unterschied: Es gibt Klettergruppen nur für Frauen, Kurse nur für Frauen und Wettkämpfe nur für Frauen.

Dem stehe ich schon immer sehr gespalten gegenüber und hatte durchaus große Hoffnungen in das Festival. Ich ging davon aus hier wird die Botschaft gesendet: „Seht her, wir müssen uns nicht verstecken. Wir sind genauso outdoor-verrückt wie jeder Mann und genauso gut.“

Aber warum fühlte es sich so an, als ob eine halbherzige Veranstaltung um ihre Daseinsberechtigung kämpfen musste? Was nützt es, groß etwas anzukündigen, wenn es dann kaum jemand sieht?

Anstatt sich in den Vordergrund zu drängen, hat sich die Filmschau durch den Platz im Durchgangsfoyer im wahrsten Sinne des Wortes selbst in die Ecke gestellt. Meine männlichen Begleiter schüttelten oft den Kopf über die Themen und die Atmosphäre und ich konnte es ihnen nicht verdenken.

Anstatt Geschlechter zu verbinden wird immer wieder – auch hier – eine Mauer errichtet: Männer werden ausgeschlossen statt eingeladen, wenn nicht physisch, dann zumindest bei der Themenauswahl.

Ein gutes Beispiel hierfür gab traurigerweise eine Teilnehmerin selbst: In der lockeren Runde am Schluss überreichte sie mir einen Flyer für ihren Podcast über Outdoor-Frauen. Als mein Begleiter sie erwartungsvoll ansah meinte sie nur trocken „Nur für Frauen“. Was bitte würde denn passieren, wenn er ihn sich anhört? Stürzt der Podcast ab?

Was bleibt…

Diese Veranstaltung hat meiner Ansicht nach einmal mehr gezeigt, worin die Kommunikation zwischen den Geschlechtern beim Klettern, im Outdoorbereich und in vielen anderen Bereichen des Lebens oft kränkelt: Anstatt Brücken zu bauen und die Gemeinschaft zu feiern, kapseln Frauen sich ab um sich „mehr verstanden“ zu fühlen.

Kurzfristig mag das helfen, zu motivieren und „uns“ aus einer Ecke zu holen, in der wir meiner Ansicht nach eigentlich gar nicht stehen. Auf lange Sicht ist dieser Plan aber zum Scheitern verurteilt. Was bringt es mit den Leuten zu reden, die sowieso schon die gleiche Meinung haben wie man selbst? Warum treten wir nicht hinaus und suchen den Diskurs?

Bei einem Spaßwettkampf an dem ich neulich teilnahm erzählte mir der Veranstalter – eine namhafte Sportmarke -, dass sie den gleichen Wettkampf später im Jahr nur für Frauen machen. Im letzten Jahr sei dies sehr gut angekommen, sie hätten sogar Hair- und Nailstylisten da gehabt.

Einerseits denke ich: „Wow cool, ein Mädelstag.“ Andererseits frage ich mich: Warum, warum machen sie so etwas nicht einfach wenn alle da sind? Warum die Eigenbrödelei? Männern wird dies nicht eingeräumt, also warum uns?

Vielleicht habe ich hier eine verzerrte Sicht. Die meisten meiner Kletterpartner sind Männer und ich fand das noch nie seltsam. Wenn mich jemand mit zweideutigen Sprüchen genervt hat, gab es meinerseits eine verbale Klatsche und der Kerl war von meiner Partnerliste gestrichen. Wenn ich jemandem buchstäblich mein Leben anvertraue, muss ich ihn mögen, aber das Geschlecht macht da keinen Unterschied.

Ich plädiere also hiermit: Mädels, geht raus und sagt den Männern wie ihr euch beim Klettern fühlt. Wenn euch jemand komisch kommt, schreibt ihn ab, aber igelt euch nicht ein. Veränderung erreicht man nur durch Beharrlichkeit und die müssen wir hier an den Tag legen. Klettern ist eine dieser wunderbaren Sportarten bei der es völlig egal ist ob du Mann oder Frau bist. Jeder kämpft mit seinen eigenen Problemen und muss diese selbständig überwinden. Unterstützen kann dich dabei jeder.

Packen wir es an. Nur Miteinander können wir zeigen was für einen wunderbaren Sport wir betreiben und was für Abenteuer vor der Tür auf uns warten. Das ist doch nicht so schwer.

Eigentlich.

Real Turmat – Lecker Essen für die Tour

8. August 2018
Ausrüstung, Die Bergfreunde

Wenn man auf langen (Trekking)Touren darauf angewiesen ist, die komplette oder zumindest einen Großteil der Nahrung von Anfang an mit im Rucksack zu tragen, ist man froh, wenn man zumindest ein wenig am Gewicht sparen kann. Wie gut, dass es Trekkingnahrung, also gefriergetrocknete Mahlzeiten mit einfacher Zubereitung und hohem Nährwert gibt. Was aber taugen diese Gerichte und viel wichtiger noch: Schmecken sie denn?

Um diese und andere Fragen zu klären, hat unser Testteam einmal den Kochlöffel geschwungen und zahlreiche Gerichte von unterschiedlichen Herstellern für euch ausprobiert. Heute auf dem Speiseplan: Real Turmat.

Real Turmat  – kurz vorgestellt

Real Turmat kommt aus dem hohen Norden und ist eine Marke der Drytech AS. Hierbei handelt es sich um ein familiengeführtes Unternehmen mit Sitz in Tromsø, Norwegen. Familienoberhaupt und gleichzeitiger Chef der Firma ist Rolf Hansen, der bereits 1989 die Idee verfolgte leckere Gerichte haltbar zu machen. Anlass hierzu war den Eintopf seiner Frau, den er nach Möglichkeit auch auf längeren Touren in unverfälschter Qualität genießen wollte. Die Idee zu Drytech wurde geboren. In den darauffolgenden Jahren experimentierte Hansen viel mit neuen Methoden der Gefriertrocknung. Hierdurch entstand ein neues Verfahren, das laut Firmenangaben bis heute eine unverwechselbare Qualität der Nahrung liefert.

Real Turmat kann außerdem mit einem ausgewogenen Sortiment punkten. Vom Müsli bis zur deftigen Hauptmahlzeit gibt es zahlreiche unterschiedliche Gerichte. Auch Snacks, Energieriegel und Kleinigkeiten für zwischendurch dürfen im Sortiment nicht fehlen.

Handling, Verpackung und Zubereitung

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Real Turmat um gefriergetrocknete Nahrung. Das heißt, dass für die Zubereitung der Mahlzeiten eine vorgegebene Menge an Wasser benötigt wird. Das heiße Wasser kann man dann einfach in den jeweiligen Beutel gießen und mit der darin enthaltenen Trockennahrung verrühren. Nach einer kurzen Wartezeit, in der die Mahlzeit „ziehen“ muss, ist das Essen auch schon fertig. So gesehen ist die Zubereitung der Mahlzeiten recht einfach. Auf Tour sollte man aber immer darauf achten, genug Wasser im Gepäck zu haben. Denn ist der Wasservorrat fast aufgebraucht, gibt es entweder nichts zu Essen oder kein Getränk dazu…

Die Beutel, in denen die Nahrung geliefert wird sind sehr robust. Durchsticht man sie beim Transport im Rucksack nicht gerade mit einem spitzen oder scharfkantigen Gegenstand, sind sie nahezu unverwüstlich. Außerdem sind die Beutel stark hitzebeständig, sodass ihnen selbst kochendes Wasser nichts anhaben kann.

Wie bei gefriergetrockneten Trekkingmahlzeiten üblich, können auch die Essen von Real Turmat direkt im Beutel zubereitet werden. Zum Zubereiten und Verzehren der Mahlzeiten reichen daher ein Kocher mit Topf oder Kessel zum Erhitzen des Wassers und ein Löffel zum Umrühren und essen. Somit kann das Gepäck, was die Küchenutensilien anbelangt, sehr schlank gehalten werden. Auch lästiges Spülen lässt sich so weitestgehend vermeiden.

Übrig bleibt dennoch – und das soll natürlich nicht unerwähnt bleiben – die Verpackung. Die kann aber nach dem Verzehr einfach ausgespült, verpackt und in der Zivilisation entsorgt werden.

Gerichte

Cremige Pasta mit Schweinefleisch und Kräutern

Pasta kommt unterwegs immer gut an. Kein Wunder also, dass dieses Gericht bei unseren Testern hoch im Kurs lag. Geschmacklich gab es hier die Höchstpunktzahl und auch bei er Zubereitung konnte diese Mahlzeit punkten. In Sachen Aussehen gingen die Meinungen jedoch ein wenig auseinander, sodass es hier einen leichten Abzug gab.

Hähnchen Tikka Masala

Bei diesem Gericht handelt es sich um einen echten Klassiker, wenig verwunderlich also, dass es in dieser Testreihe die beste Bewertung erreichte. Dieses Gericht bringt einen Hauch von Indien mit. Durch zahlreiche Gewürze wie Ingwer und Koriander, aber auch leckeres Hühnerfleisch und Reis sorgt diese Mahlzeit für eine angenehm exotische Abwechslung im Speiseplan. Aussehen und Zubereitung wurden von unseren Testessern ebenfalls positiv bewertet.

Lachs mit Pasta und Sahnesoße

Dieses Gericht schaffte es in unserem Test auf einen Platz im vorderen Mittelfeld. Mit Pasta macht man halt selten was falsch. Außerdem sind Nudeln ein guter Energieträger. Leckerer Lachs und eine feine Soße sorgen außerdem für ein gutes Geschmackserlebnis. Auch die Zubereitung ist bei diesem Gericht kein Problem, lediglich für das Aussehen gab es hier Punktabzug.

Pasta Bolognese

Der Klassiker unter den Nudelgerichten! Eine würzige Soße, zahlreiche Gewürze und leckeres Rindfleisch sorgen hier für ein großes Geschmackserlebnis. Kein Wunder also, dass hier die volle Punktzahl vergeben wurde. Abzug gab es jedoch leider für die Zubereitung. Wie sich herausstellte, war es nicht ganz einfach, die Nudeln so ziehen zu lassen, dass sie weder zu hart noch zu weich waren. Hier braucht es ein wenig Erfahrung, wann genau das Gericht seine optimale Konsistenz erreicht hat.

Rindfleisch mit Reis und Gemüse

Dieses Gericht ist leicht beschrieben: würziges Rindfleisch, leckeres Gemüse und eine ordentliche Portion Reis. Alles in allem eine Mahlzeit, die nicht nur satt, sondern auch glücklich macht. Dementsprechend fiel auch das Votum unseres Teams aus: Platz zwei und zwar ohne wenn und aber. Sowohl Geschmack, als auch Aussehen und Zubereitung wurden hier positiv bewertet.

Rindfleischtopf mit Brokkoli

Und noch mal Rindfleisch. Dieses Mal allerdings als Eintopf. Geschmacklich ist dieses Gericht weit vorne zu sehen. Herzhafte Zutaten und leckere Gewürze verfehlen ihre Wirkung hier nicht. Leider mussten unsere Tester jedoch sowohl bei der Optik, als auch bei der Zubereitung ein paar Punkte abziehen, sodass es bei dieser Mahlzeit nur für einen Platz im hinteren Mittelfeld gereicht hat.

Wildtopf

Wer es unterwegs gerne auch mal ausgefallen mag, der ist hier genau richtig. Geschmacklich mischt dieses Gericht ganz weit vorne mit. Deutlichen Abzug gab es aber für die Zubereitung und das Aussehen. Man kann eben nicht alles haben. Wer sich aber davon nicht abschrecken lässt, erhält hier eine qualitativ hochwertige Mahlzeit und obendrein eine angenehme Abwechslung im Speiseplan.

Fazit

Wieder einmal hat unser Team den Kochlöffel geschwungen und einige Gerichte getestet. Ausrutscher nach unten gab es bei Real Turmat nicht. Die Gerichte von Real Turmat mischen alle vorne mit. In unserem Test erreichten alle Gerichte eine gute Wertung, nennenswerten Abzug aufgrund des Geschmacks gab es hier nie. Manchmal war es das Aussehen, das in der Wertung ein paar Punkte kostete, bei anderen Gerichten sorgte die Zubereitung für Abzug.

Alles in allem sind die Gerichte von Real Turmat aber sehr zu empfehlen. Die Zutaten sind von hoher Qualität und es stehen außerdem zahlreiche unterschiedliche Gerichte zur Auswahl. Somit ist auch bei längeren Touren ausreichend Abwechslung gegeben und es kommt nicht zum Lagerkoller durch einseitig langweiliges Essen. Personen, die unter Unverträglichkeiten leiden sollten jedoch genauer auf die Lebensmittelkennzeichnung achten, da viele Gerichte mit Gluten, Lactose und Co. daher kommen.

Nachhaltigkeit: Problemfall Mikroplastik

3. Mai 2018
Die Bergfreunde

„Plaste und Elaste“ hieß es einst einprägsam in der DDR. Damals waren die Wundermaterialien auf Kohlenwasserstoff-Basis hüben wie drüben noch frisch auf ihrem Siegeszug. Mittlerweile hat dieser Komplex der Kunststoffe jede Menge Namen. In der Outdoorwelt weißen Bezeichnungen wie „Tex“, „Pro“ oder „Tech“ im Produktnamen darauf hin, dass hier wohl Kunststoff verarbeitet ist. Und seien wir ehrlich: Die Vorteile von Polyester, Polyamid, Polyethylen und Co. sind kaum von der Hand zu weisen. Aber seit einiger Zeit legt sich ein großer Schatten über die einst so heile Kunststoffwelt. Der Begriff Mikroplastik ist in aller Munde… und das leider nicht nur sprichwörtlich.

Das Problem

Leider hat das erdölbasierte Material neben den für uns nützlichen Funktionen auch gewisse unerfreuliche Eigenschaften. Diese Eigenschaften führen seinen Siegeszug sehr viel weiter, als man es beabsichtigte – nämlich bis in den letzten Winkel und die hinterste Pore unseres Heimatplaneten.

Der Grund ist, dass so gut wie alle Kunststoffe im Laufe ihrer (Ab)Nutzung in unzählige winzige Partikel zerfallen, die ihrerseits fast unzerstörbar sind. Im Falle der Outdoorprodukte sind es  Kunstfasertextilien, die beim Waschvorgang Kunststoffpartikel ins Abwasser abgeben. Am stärksten ist die Absonderung bei aufgerauten Fleece-Materialien, aber auch bei Windbreakern oder Wandersocken tritt sie auf. Aus dem Abwasser gelangen die Partikel dann in sämtliche Wasserkreisläufe und schließlich in alle Weltmeere.

Aufgrund ihrer Leichtigkeit sind die mini Kunststoffteilchen sehr „agil“ und beweglich. Da wundert es nicht, dass man diese Teilchen, die man mittlerweile Mikroplastik getauft hat, einfach überall wiederfindet – zu Lande und zu Wasser, in allen Ökosystemen weltweit. Selbst auf den abgelegensten Eilanden gibt es wohl keinen Strand mehr, wo man Mikroplastik nicht nachweisen könnte.

Die traurige Prognose: in den Ozeanen sollen nach Hochrechnungen bis 2050 mehr Plastikteile als Fische schwimmen. Doch nicht nur „außen“ zieht der Plastik seine Kreise, sondern auch „innen“. Denn selbstverständlich gelangt das Material auch in die Organismen sämtlicher Lebewesen, einschließlich des Menschen (wo es auch bereits nachgewiesen wurde).

Als visuelle Veranschaulichung haben wir hierfür noch ein Video (dieses ist zwar auf englisch, aber der Untertitel kann auf deutsch eingestellt werden):

Dringend benötigt: erste Gegenmaßnahmen

Dass solch ein Vorgang eine große Gefahr für Mensch und Umwelt darstellt, leuchtet ein. Neben der Verbreitung liegt das Problem von Mikroplastik vor allem darin, dass die Partikel wie ein Magnet für Giftstoffe wirken – und zwar aufgrund der Oberflächenbeschaffenheit. Dem will man natürlich nicht tatenlos zusehen.

Die zunehmende Erforschung des Problems macht natürlich Sinn, genauso wie es Sinn macht, dass nun auch die großen Player aus Politik und Industrie reagieren. Bis 2030 will die EU-Kommission alle Plastikbehälter in der EU wiederverwertbar machen. Eine löbliche Absicht, doch wie wir von „Klimazielen“ und anderen wohlmeinenden (Umwelt)Vorhaben wissen, klaffen in der großen Politik bisweilen gewisse Lücken zwischen Ankündigung und Umsetzung. Und zudem ist bis 2030 noch eine lange Zeit.

Auch der Sportartikelindustrie lässt es an guten Absichten nicht mangeln. So hat sich die europäische  Interessenvertretung EOG (European Outdoor Group) „ebenfalls zum Thema Mikroplastik Gedanken gemacht, und im Rahmen des EU-Plans Maßnahmen aufgesetzt“, wie es im Branchenjournal SAZSport heißt. Dabei geht es in allererster Linie um die Vermeidung der Partikelabsonderung beim Waschen von Outdoortextilien.

Bislang gibt es Übereinkünfte der EOG mit der europäische Vereinigung für Textilien und Bekleidung (EURATEX), der internationalen Vereinigung für Seifen, Waschmittel und Reinigungsprodukte (A.I.S.E.), der europäischen Kunstfaser-Vereinigung (CIRFS) und anderen. Die Partner wollen gemeinsame Maßnahmen definieren sowie sich dafür zu verpflichten, Wissen zu teilen und gemeinsam zu forschen. „Ein erster Vorschlag für bindende Maßnahmen soll der EU-Kommission Ende 2018 vorgelegt werden“ heißt es bei SAZSport.

Es soll allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass die Outdoor- und Bekleidungsindustrie nicht die Hauptverursacher der Mikroplastik-Schwemme sind. Verglichen mit den Hauptquellen, nämlich dem Abrieb von Reifen und dem Verlust von Pellets bei der Produktion von Kunststoffen, ist die Mikroplastikbelastung, die auf Bekleidung, aber auch Kosmetika entfällt, verschwindend gering und liegt laut Studien aus Norwegen und des Umweltbundesamts bei geringen einstelligen Prozentbeträgen. Freilich kein Grund, sich zurück zu lehnen und nichts zu tun…

Konkrete Lösungsansätze

Einzelne „übliche Verdächtige“ der Outdoorindustrie sind schon gut zwei Schritte weiter. Im November 2017 stellte man auf der Textil-Fachmesse Performance Days in München den ersten Fleecestoff vor, der kein Mikroplastik mehr abgeben soll. Der Grund für dieses scheinbar technische Wunder ist einfach: der Stoff, der auf den Namen Biopile hört und vom italienischen Produzenten Pontetorto hergestellt wird, besteht auf der angerauten Innenseite aus Naturfasern.

Das Material, das aus Holz gewonnen wird und hervorragende Funktionseigenschaften haben soll, gibt zwar ebenfalls Mikropartikel ab, doch diesse können sich im Meerwasser vollständig biologisch abbauen. Den Anstoß für die Entwicklung hat Vaude gegeben, jener deutsche Hersteller, der seit Jahren immer wieder zu den zuvor genannten „üblichen Verdächtigen“ zählt, wenn es um konkrete Maßnahmen in Sachen Nachhaltigkeit geht.

Diese Technologie ist also eine richtig gute Nachricht, die künftig auch die Verantwortung mehr in Richtung von uns „Outdoor-Endverbrauchern“ rückt. Denn dadurch ist die technische Lösung, die funktional UND umweltfreundlich ist, direkt verfügbar. Auch wenn das Gewebe vor allem in der Anfangszeit sicher nicht zu den Billigangeboten für die breite Masse zählen wird. Das liebe Geld ist ja leider häufig ein Problem bei wirklich nützlichen und wertvollen technischen Innovationen – am Anfang entscheidet vor allem die Kaufkraft.

In unserem Falle der Mikroplastik gibt es aber eine weitere gute Nachricht: der Entwicklungsweg lässt sich mit einer eleganten, sprich definitiv bezahlbaren und auch schon greifbaren Zwischenlösung abkürzen. Das Berliner Zwei-Mann-Startup namens „Guppy Friend“ hat sich nämlich etwas genial einfaches einfallen lassen: den Guppybag.

Der Guppybag, auch Guppyfriend genannt, ist ein 70 x 50 cm großer Waschbeutel, der die Kunstfaser-Bruchstücke daran hindert, ins Abwasser und damit in den Wasserkreislauf zu gelangen. Die Synthetikkleidung wird einfach in den Beutel gesteckt und dann ganz normal gewaschen. Der Guppybag fängt die Fasern nicht nur auf, sondern verhindert durch seine glatte Oberfläche teilweise auch deren Abbrechen. Damit wird ganz nebenbei noch die Lebensdauer der Outdoorkleidung verlängert. Die angesammelte Plastikwolle kann mit einfachen Handgriffen herausgelöst und in den Restmüll entsorgt werden. Meist ist dies jedoch erst nach mehreren Wäschen nötig. Der Beutel selber besteht aus hochqualitativen Polyamiden und kann am Ende seiner Nutzungszeit ebenfalls vollständig recycelt werden. Auch hier haben wir nochmal ein Video in petto:

Wirklich billig ist der Guppybag mit seinen 30 Euro zwar auch nicht, doch gemessen an dem, was er für die Umwelt und für seine Besitzer leistet, ist er wirklich preisgünstig. Der Preis trägt auch dem Guppy Friends Vorsatz der nachhaltigen Unternehmensführung Rechnung, „denn allein die Einrichtung einer Webmaschine für 2,5 Meter breiten Guppy-Friend-Stoff dauert etwa fünf Wochen, da 62.500 Fäden von Hand eingefädelt werden müssen. Zeit, die fair bezahlt werden soll und auch das abbaubare Material der Waschbeutel fordert seinen Preis.“

Da kann man als Berg- und Naturfreund nicht wirklich meckern – der Guppybag ist sicher kein weiterer grüngewaschener Luxuskonsum, sondern eine kleine Investition mit großer Wirkung. Dass ich den Guppybag als Zwischenlösung bezeichnet habe, ist übrigens keine Abwertung, denn gerade dessen Entwickler betonen, dass das Problem Mikroplastik noch viel umfassender angegangen werden muss.

  • Hier findet ihr noch mehr Infos zu Biopile und weiteren Vaude-Projekten gegen Mikroplastik in der Vaude Pressemitteilung vom 18.1.2018
  • Und hier gelangt hier zu weiteren Infos über das Berliner Unternehmen Guppy Friend und dessen Projekt Stop!Microwaste
  • Für einen tieferen Einblick in die Mikroplastiktragödie, gibt es auch von dem dänischen Umweltministerium eine interessante Studie

Kennt oder benutzt ihr den Guppybag schon? Oder welchen weiteren Tipp habt ihr um Mikroplastik in unserer (Outdoor-)Welt zu vermeiden? Wir freuen uns über eure Kommentare!

Gewinnspiel The North Face Mountain Festival 2018

Win: Mit den Bergfreunden zum Mountain Festival

30. April 2018
Die Bergfreunde

Es gibt ja so Events, von denen erzählt man jedem. Ständig. Erzählt, wie ultra cool es war, wie viel Spaß man hatte und dass man da auf jeden Fall wieder hin muss. Der Titel des Beitrags verrät es schon: Das Mountain Festival von The North Face war eines dieser Events. Und ja: Wir fahren auch dieses Jahr wieder hin. Und du kannst mit! Was Du dafür tun musst, wollen wir dir hier verraten…

Oh, sweet Memories!

Paragliding, Canyoning, Wandern, Bergsteigen, Trailrunning, Kayaking, Partying, Camping – gerade für alle Festivalkenner unter euch Outdoorern sollte das Mountain Festival eigentlich ein Pflichttermin sein. Vereint es doch alles, was man für ein dementsprechend gelungenes Wochenende braucht: Berge, inspirierende Vorträge und Party mit guter Musik. Teilweise bis spät in die Nacht. Dementsprechend geschafft waren wir auch nach diesen vier Tagen im schönen Lauterbrunnen. Die ganze Geschichte könnte ihr übrigens in unserem Blogartikel zum Mountain Festival 2017 nachlesen.

Tschau Schweiz, ciao bella Italia!

Wo geht die Reise 2018 hin? Lauterbrunnen ist – leider – nicht mehr der Austragungsort des Mountain Festivals. Stattdessen hat The North Face aber einen neuen Kracher im Angebot: Mit Courmayeur dürfen wir in diesem Jahr im Aostatal unsere Zelte aufschlagen. Im Schatten des großen Mont Blanc. Der liegt nämlich nur 10 km entfernt und bietet eine ebenso beeindruckende Kulisse, wie die hohen Steilwände im Lauterbrunnental.

Das genaue Programm ist bis dato noch nicht bekannt, dürfte aber ähnlich ausfallen, wie in den letzten Jahren. Du scharrst jetzt schon mit den Hufen und kannst es wie wir kaum abwarten? Dann sichere dir hier 2 x 2 Karten und verbringe ein unvergessliches Wochenende mit deinem besten Bergfreund bei einem der coolsten Events diesseits des Äquators (ok, vielleicht übertreiben wir hier ein bisschen. Aber es war und wird wirklich ziemlich cool!).

Herrgott, …zefix, was muss ich denn jetzt genau tun?

Also gut, kommen wir zum Eingemachten: Wie auch im letzten Jahr, gibt es einen Fotowettbewerb. Teilnehmen ist relativ einfach: Wir wollen ein Bild von dir und deinem besten Bergfreund – bestenfalls ein Mensch, denn wir haben ja zwei Tickets. Und so gehts:

  1. Bild auf Facebook oder Instagram posten
  2. Tagge uns mit @Bergfreunde.de (Facebook) oder @bergfreundede (Instagram) UND dem Hashtag #mountainfestival2018 
  3. Alle Postings, die bis zum 31.05. das Licht der Welt erblicken, nehmen automatisch teil.
  4. Am 31.05. werden die Gewinner per Los ermittelt.

Hier könnt ihr die ausführlichen Teilnahmebedingungen nachlesen. Wir freuen uns auf eure Schnappschüsse!

Zu Besuch bei Leki: von Bananen und Eiern

8. August 2018
Die Bergfreunde

Leki ist eine der Firmen, die eigentlich jeder Outdoor-Sportler kennt. Egal ob Skifahrer, Wanderer oder Trailrunner. Die Stöcke des Marktführers aus dem Baden-Württembergischen Kirchheim unter Teck sind irgendwie omnipräsent. Und das durchaus zurecht. Auch unter den Bergfreunden gibt es zahlreiche Leki-Fans, die mit Hilfe der Stecken stabil und sicher durch die Berge stapfen.

Umso schöner war es, als wir von den Kollegen zu einer Werksbesichtigung nach Tschechien eingeladen wurden, um uns die Produktion mal genauer anzusehen. Und ganz nebenbei durften wir noch erfahren, was Eier und Bananen mit einer der großen Innovationen der letzten Jahre zutun haben.

Auf der Suche nach dem Geheimrezept

Es ist Donnerstagnachmittag, als wir uns vom bayerischen Lenzkirch mit dem Bus nach Tachov aufmachen. Die kleine Gemeinde, die keine 13.000 Einwohner hat, liegt lediglich 15 km von der deutschen Grenze und ein kleines Stück südlich von dem besser bekannten Ort Marienbad entfernt.

Am Stadtrand von Tachov steht ein ziemlich unscheinbar wirkender, grauer Fabrikbau in dem aktuell jährlich über zwei Millionen Ski- und Wanderstöcke entstehen, die in die ganze Welt verkauft werden. Abstrakte Zahlen, die man sich gar nicht so recht vorstellen kann.

Bevor wir uns die Fertigung ansehen, gibt es erstmal sündhaft leckere Kolatsche, eine tschechische Süßspeise, die meinen Blutzuckerspiegel direkt durch die Decke gehen lässt. Mit dabei sind heute Jochen und Markus, sowie ein tschechischer Kollege von Leki, die uns in Kleingruppen durch die Fabrik führen.

Doch die erste Tür bleibt uns erstmal verschlossen. Denn dahinter liegt das große Geheimnis von Leki – quasi das Coca-Cola-Rezept: Das Härtungsverfahren für die Aluminium-Rohre. Wenn die angeliefert werden, sind sie erstmal sehr weich und können leicht verbogen werden. Erst die sogenannte Ausscheidungshärtung macht die Rohre so stabil, dass sie im Gebirge ihre gewohnt gute Performance abliefern können. Mein Forscherdrang wird also, durch das wohl behütete Firmengeheimnis, erstmal gebremst. Aber gut, weiter im Text.

Als nächstes sehen wir die Konifizierung. Hier werden die einzelnen Stocksegmente bearbeitet und geformt, indem die nackten Rohre in einer Maschine zurecht geschlagen werden.  Dementsprechend laut ist es hier und wir tragen – wie auch die Arbeiter – einen sehr stark dämmenden Gehörschutz. Die Konifizierung bewirkt, dass die Stockenden, also dort wo die Spitze sitzt, nochmals stabiler werden.

Im nächsten Raum werden wir Zeuge davon, wie die Stöcke eine Elektrolyse-Behandlung erfahren und so ihre Grundierung erhalten. Dazu werden sie in verschiedene Bäder mit Chemikalien gelegt und mit Strom behandelt, der die Reaktion letztlich auslöst. Durch die Elektrolyse wird die Lackierung der Stöcke extrem widerstandsfähig und kratzfest, was natürlich im Outdoor-Alltag durchaus Vorteile hat.

Was kommt nach Formung und Grundierung? Klar, die Lackierung. In einem weiteren Schritt wird zunächst eine weiße Basis auf die Stöcke aufgetragen, bevor Siebdruckmaschinen die weitere Arbeit übernehmen. Die Lackierung eines Stocks hat bis zu sieben verschiedene Lagen, die alle einzeln aufgebracht werden.

Ist auch das geschafft, sind die Stock-Segmente bereit für die Endmontage. Die nächste Halle ist voll von Kästen mit allerhand Kleinteilen, wie Spitzen, Griffe und Verbindungsstücke. Zahlreiche Leki-Mitarbeiter sind damit beschäftigt – meist unterstützt von Maschinen – die farbigen Rohre mit allem zu versehen, was sie letztlich zum vollwertigen Stock macht.

Beeindruckend…

…ist vor allem der Fakt, dass Leki fast alle Teile selbst herstellt. Das hat zum einen den Vorteil, dass alles passgenau und ohne größere Abstimmung mit externen Zulieferern gebaut werden kann; zum anderen, können ältere Stöcke problemlos repariert werden, da alle Gussformen aufgehoben werden und Ersatzteile in aller Regel immer vorrätig sind.

Die einzigen Teile, die nicht selbst produziert werden, sind die Rohre. Das Carbon stammt aus Fernost, was allein der Tatsache geschuldet ist, dass dort das Knowhow für die Carbon-Verarbeitung vorhanden und konzentriert ist. Gut, ok. Der Vollständigkeit halber: Die Muttern, die in den Schraubverschlüssen der Teleskopstöcke verarbeitet sind, kommen auch von extern. Aber das sehen wir mal nicht so eng.

Hat der Stock diese vielen Stationen hinter sich gelassen, findet zum Schluss die Qualitätssicherung statt. Hier werden stichprobenartig einzelne Stöcke heraus gezogen und geprüft. Ist auch dieser Test bestanden, macht sich der Stock auf den Weg in die große weite Welt.

Unsere letzte Station, die wir uns an diesem Tag anschauen, ist das Testlabor. Hier werden Prototypen, sowie neue und bestehende Technologien einem echten Härtetest unterzogen. Da gibt es zum Beispiel den Gehsimulator. Mit dessen Hilfe werden tausende Gehzyklen simuliert, um zu sehen, wie sich vor allem die Stockspitze und eventuell vorhandene Aufsätze im Zeitverlauf abnutzen. Natürlich gibt es auch einen Belastungstest für die Stöcke selbst, sowie für die Einstellsysteme. Immer wieder faszinierend, was das vermeintlich leichte Material so alles aushält.

Und da die Stöcke auch bei Expeditionen zum Einsatz kommen, werden die Eigenschaften natürlich auch unter Kälte getestet. Teilweise liegen Stockmodelle wochenlang in einer Gefriertruhe bei zweistelligen Minustemperaturen – gemütlich ist auf jeden Fall anders.

Gemacht für Profis

Leki ist gerade im Skisport einer der ganz Großen. Man sieht die Stöcke vor allem bei Langläufern und Biathleten, aber natürlich auch bei Abfahrtsläufern. Doch bevor z.B. der Skistock eines Felix Neureuther die Weltcuppisten sieht, wird er natürlich noch an die Wünsche des Athleten angepasst.

Das betrifft vor allem die Biegung des Stocks, die sich möglichst nah an der Körperkontur orientieren sollte. Diese Anpassung passiert allerdings nicht in Tachov sondern in der Zentrale in Kirchheim. Dennoch steht auch hier im tschechischen Werk eine Biegemaschine. Warum? Sie ist Teil der Qualitätssicherung und zudem werden diverse Serienmodelle für den Rennsport ebenfalls hier in Tschechien produziert.

Die Geschichte vom Ei und der Banane

Wenn ihr mein Geschreibsel jetzt bis hier durchgehalten habt, fragt ihr euch sicher immer noch, was das alles mit einer Banane und einem Ei zutun hat. Nun, wie uns Markus, Marketing-Leiter bei Leki in einer schönen Anekdote erzählt, begab es sich eines schönen Tages, dass der Firmengründer Klaus Lehnart mit eben diesen beiden Objekten ins Entwicklungsbüro kam.

Die Anforderung: Einen Stockgriff bauen, der sich von oben wie ein Ei anfasst und so gut in der Hand liegt wie eine Banane. Das war die Geburtsstunde des Aergon-Griffs, der heute vor allem bei Touren-, Trekking- und Trailrunning-Stöcken zum Einsatz kommt.

Fernab vom Boden: Bigwall-Klettern in Patagonien

20. April 2018
Bergfreunde Pro-Team

Bigwall-Klettern!? Ja genau. Die Form von Klettern, bei dem man an diesen großen, hohen Felswänden unterwegs ist! Mit einem Team aus weiteren Kletterern habe ich mich aufgemacht und mich an einigen Felsprojekten probiert, die Patagonien zu bieten hat. Dabei habe ich einiges erlebt, das nicht verschwiegen bleiben darf und ich mit euch teilen möchte. Vielleicht packt das Bigwall-Klettern in Patagonien ja auch jemanden von euch!?

Von schönem Wetter, einer Rettungsaktion und der ersten Höhenerfahrung

An meinem ersten Tag sagt der Wetterbericht gutes Wetter für Cochamo voraus. Ziemlich selten hier in Patagonien: kein Regen, sondern Sonne, Sonne und nochmals Sonne. Ich nehme den Bus von Bariloche nach Chile und laufe dieses wunderbare Tal hoch. Schnell treffe ich alte Freunde wieder und lerne neue kennen. Noch am selben Tag probieren wir ein Projekt; ein super Fingerriss.

Während der erste Tag super verlief, wird es am nächsten Tag etwas dramatischer. Wir helfen alle zusammen bei der Rettung eines Kletterers. Er hat sich den Fuß gebrochen und wir bringen ihn gemeinsam ins Tal.

Am dritten Tag stehen wir früh auf um direkt 25 Seillängen zu klettern. Ich führe die komplette Tour Gardens of the Galaxy auf la Junta hoch. Eine Wahnsinnsserfahrung: Anstrengend, aber auch sehr zufriedenstellend. Mit dem letzten Licht erreichen wir den Gipfel und sind spät in der Nacht wieder an unseren Zelten.

Nach etwas Pause finde ich schon den nächsten Kletterpartner: mit Carlos werde ich am nächsten Morgen zum Monstruo, der am weitesten entfernten und längsten Wand hier in Cochamo, aufsteigen.

Das Monster will erklimmt werden

Es ist wieder ein früher Start für uns. Bevor wir am Monstruo sind, müssen wir zunächst drei Stunden zum Wandfuss, durch Schrofen und vor allem den vertikalen Wald, absteigen. Das ist schon ein Abenteuer in sich und es ist unglaublich beeindruckend wie Nate, der Erstbegeher, diesen Pfad frei geschlagen hat.

Danach beginnt unsere Reise über 1600 m perfekten Granit. Wieder stockt einem der Atem. 28 Seillängen. Ziemlich viel für einen Tag und so ist Schnelligkeit gefragt. Nicht zögern, sondern immer weiter. Ich führe erneut einen Großteil aller Seillängen. Am Ende kommen wir dann an ein Schneefeld, für das wir einen Pickel dabei haben. Wer hätte gedacht, dass hier im Dschungel mal ein Pickel nötig ist! Den Abstieg meistern wir gerade noch mit dem letzten Licht und nach 15,5 Stunden harter Tour sind wir zurück im Camp.

Weiter geht’s

Nach Monstruo gönne ich mir nicht mal einen kompletten Ruhetag. Ich muss die Zeit nutzen, denn es sieht so aus, als ob Regen kommt. Also vorher nochmal schnell eine Bigwall klettern. Gemeinsam mit Chip klettern wir die ersten fünf Seillängen von Positive Affect. Das alles machen wir mit Rucksäcken um anschließend auf dem King Ledge zu biwakieren. Schon hier wird uns bewusst, dass eine harte Route vor uns liegt, denn wir müssen eine anspruchsvolle „stemming corner“-Länge (Verschneidung) überwinden.

Die letzten Tage, das viele Laufen und Klettern, machen sich bei mir bemerkbar, aber die Motivation ist groß und wir geben Vollgas. Die Längen sind technisch und fordern uns. Wir wechseln uns ab und steigen in Blöcken vor bis wir an die vorletzte Seillänge gelangen, die die Schlüsselstelle darstellt.

Bis hier waren die Längen anhaltend schwer, doch ich konnte alle onsighten. Jetzt stehe ich vor der letzten großen Herausforderung: eine steile blanke Verschneidung. Mit viel Druck muss ich Füße und Hände gegen die Wand pressen, um nicht abzurutschen. Dabei werden meine Beine immer müder und ich bin froh in der Mitte ein paar Tritte zu finden und kurz zu ruhen.

Dann heißt es wieder spreizen bis ans Ende, wo dann die Schwierigkeit wartet um aus der Verschneidung raus in einen geschlossenen Riss zu klettern. Ich bringe beide Füsse auf eine Seite, merke wie sie rutschen und meine Hände auch an den kleinen Griffen müde werde. Aber ich möchte nicht aufgeben; ich möchte einfach weiterkämpfen. Beinahe verliere ich das Gleichgewicht und ich kann den Haken vor mir nicht klippen. Egal, weiter! Ich erreiche endlich einen Tritt, kann den Haken auf Kniehöhe klippen und mir etwas Ruhe gönnen, bevor ich dann die letzten Meter bis zum Stand klettere.

Wahnsinn! Ich habe die 5.12b Schlüssellänge von Positive Affect geonsightet! Es ist ein super Hochgefühl, wenn mir etwas gelingt, das ich nicht erwartet hätte und für das ich hart kämpfen musste. Noch eine Seillänge und wir stehen am Ende dieser unglaublich guten Tour. Beim Abseilen verhängt sich unser Seil, ich muss wieder eine Seillänge hochklettern, es wird dunkel und dann setzt der Regen ein.

So kommen wir total durchgeweicht am Wandfuss und im Camp an. Aber das beste ist, dass unsere Freundin Paula Essen für alle gekocht hat. Das ist ein unglaublicher Glücksmoment nach dieser langen Kletterei.

Wer hat an aufhören gedacht?

Der Regen ist nur von kurzer Dauer und so hören wir nicht auf, sondern klettern danach gleich wieder weiter. Wir machen uns an einige Versuche am Projekt und dann hoch ins Amfiteatro um Doña Deborah Dedos. Wir spüren immer mehr die Ermüdung, aber das gute Wetter muss einfach ausgenutzt werden! Zu meinem Erstaunen kann ich die harte Fingerrissseillänge onsighten, allerdings bleibt keine Kraft mehr um die nächste harte Seillänge Rotpunkt zu klettern. So bleibt mir dieses Projekt für das nächste Mal. Überglücklich und komplett platt laufen wir im Regen raus.

Fazit

Meine Bilanz mit über 80 Seillängen (die meisten im Vorstieg), 3 Bigwalls und onsight von Positive Affect ist beeindruckend und überrascht mich selbst. Woher nehme ich diese Energie? Wahrscheinlich aus meiner unglaublich großen Motivation. Und alle diese Touren gelangen mir mit meinem Scarpa Maestro. Ich bin vollkommen begeistert von dem Schuh!

Jung stirbt, wen die Götter lieben

17. April 2018
Die Bergfreunde

Die Erstbegehung einer Kletterroute ist immer mit vielen Höhen und Tiefen verbunden. Man sammelt neue Eindrücke, wird aber auch mit den unterschiedlichsten Emotionen und Gefahren konfrontiert. Finn Koch und Fritz Miller berichten über die Erstbegehung einer alpinen Mixedkletterroute am Aggenstein Ostgipfel. Die beiden widmen diese Route ihren Freunden Lorenz Gahse und Franz-Xaver „Xari“ Mayr, die bei vorherigen Kletterexpeditionen tödlich verunglückt sind.

Ihr seid nicht mehr hier, aber ihr leuchtet weiter.

Prolog

Es geht bergauf und bergab, es gibt Zuversicht und Zweifel, Erfolg und Niederlage, Freude und Trauer, welchen Weg auch immer wir gehen. Vertrauen wir unserem inneren Kompass, dass er uns den richtigen Weg weist, denn es bleibt uns nichts, als ihm zu folgen.

Eine Wand, ein Weg und seine Botschaft

Und so stehen wir hier, vor einer Wand aus brüchigem Fels, Schnee, gefrorenem Gras und etwas Eis. Wir sehen eine Linie, wir sehen Risiken, wir sehen Chancen. Das Herz schlägt höher, wir brennen darauf, Antworten zu bekommen auf die vielen Fragen, die sich uns stellen. Wenn es gut läuft, werden wir hier etwas hinterlassen, das lebt, das Charakter hat, das Emotionen weckt, das eine Geschichte erzählt. Es wird seine eigene Sprache sprechen, aber wer sie spricht, wird auch die Botschaft verstehen.

Für einen Moment am Ziel

Der Ostgipfel des Aggenstein ist kein großer Berg, aber jetzt ragt er aus einem Meer aus Wolken heraus und ist einfach großartig. In der Abendsonne gehen wir die letzten Meter zum Gipfel. Für einen kurzen Moment sind wir am Ziel, bevor es weiter geht, hinein in die Wolken, in die Nacht, auf zu neuen Herausforderungen.

Was wirklich zählt

Es ist nicht schwer, eine Wand oder eine Route erstzubegehen. Die wirklichen Herausforderungen finden sich nicht in der Vertikalen, sondern in gänzlich anderen Bereichen: in der Einordnung des eigenen Tuns, der Wahrung der Balance zwischen Ehrgeiz und Freundschaft, im Umgang mit der Verantwortung für Andere.

Aggenstein Ostgipfel Nordwand – „Jung stirbt, wen die Götter lieben“ (400 m, M9+)

  1. Begehung (af): Finn Koch und Fritz Miller nach fünftägigen Vorarbeiten am 09.02.17
  2. Wiederholung und 1. Rotpunktbegehung: Fritz Miller mit Michaela Schuster am 22.03.18

Routenverlauf

  1. SL: 50 m, M5, 2 NH, 1 Grashaken. Offensichtliche Rampe mit Gras, Schnee und Eis. Stand an 2 BH.
  2. SL: 30 m, M6+, 4 BH, 1 SU-Schlinge. Brüchige Felsrampe, zuletzt exponiert zu Stand an 4 BH in Höhle.
  3. SL: 20 m, M9+, 3 BH, 4 NH mit Seilschlinge. Dachartige Verschneidung, überwiegend Drytooling. Stand an 2 BH.
  4. SL: 35 m, M7, 3 BH, 1 NH mit Seilschlinge. Zunächst exponierter Mixed-Quergang, dann einfach zu Stand an 2 BH (Abseilstand rechte Linie).
  5. SL: 60 m, Schnee, Eis und M3. Stand an 2 BH.
  6. SL: 30 m, Schnee und M2 (Band). Fixkeil mit Seilschlinge in der Mitte der SL. Stand an 2 BH (Abseilstand linke Linie).
  7. SL: 50 m, M7-, 1 BH. Rechtshaltend zu BH (vom Stand nicht sichtbar), dann gerade hoch und zuletzt durch Schnee zu einzelnem Baum.
  8. SL: 55 m, Gras/Schnee und Stellen M2-3. Route nicht genau definiert. Stand an einzelnem BH mit Seilschlinge (bei viel Schnee evtl. nicht auffindbar).
  9. SL: 70 m, Gras/Schnee und Stellen M2-3. Route nicht genau definiert. Stand an 2 BH am Ostgrat.

Abseilen rechte Linie: Vom Stand nach der 4. SL 50 m rechtshaltend in Rinne (2 BH u. Markierungsseil). Von dort 45 m zum Boden.

Abseilen linke Linie: Der direkte Weg, aber sehr exponiert und Seilabziehen z. T. mühevoll.

Vom Stand nach der 6. SL knapp 60 m zu großem Schneeband (2 BH). Von dort knapp 60 m auf die Rampe der 1. SL. 10 m hochklettern zum 1. Stand. Von dort 40 m zum Boden.

Empfohlenes Material:  Cams Gr. 0.2-3, Hammer + kleines Sortiment Schlaghaken, 1-2 Grasanker, 1 Eisschraube 13 cm

 

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