Alle Artikel zum Thema ‘Die Bergfreunde’

Immer diese Vorurteile. Von wegen kleine Bude mit ein paar Kletterverrückten und Wanderlustigen im Hinterzimmer. Wird Zeit für ein Blick hinter die Kulissen. Klar, eins steht fest: Wir sind echte Bergfexe und in unser Freizeit kraxeln wir auch gerne mal an den senkrechten und überhängenden Wänden herum.

Aber um letztlich alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, erfährst Du hier was wir so treiben und was es neues bei den Bergfreunden gibt. Von Touren, über Mitarbeiter-Aktionen bis hin zu lustigen Geschichten aus den Bergen ist alles dabei.

Erlebt die Bergfreunde in voller Action. Ob beim kraftraubenden, akrobatischen Klettern der ultimativen Route oder der winterlichen Alpenüberquerung.

Zu Besuch bei Leki: von Bananen und Eiern

17. April 2018
Die Bergfreunde

Leki ist eine der Firmen, die eigentlich jeder Outdoor-Sportler kennt. Egal ob Skifahrer, Wanderer oder Trailrunner. Die Stöcke des Marktführers aus dem Baden-Württembergischen Kirchheim unter Teck sind irgendwie omnipräsent. Und das durchaus zurecht. Auch unter den Bergfreunden gibt es zahlreiche Leki-Fans, die mit Hilfe der Stecken stabil und sicher durch die Berge stapfen.

Umso schöner war es, als wir von den Kollegen zu einer Werksbesichtigung nach Tschechien eingeladen wurden, um uns die Produktion mal genauer anzusehen. Und ganz nebenbei durften wir noch erfahren, was Eier und Bananen mit einer der großen Innovationen der letzten Jahre zutun haben.

Auf der Suche nach dem Geheimrezept

Es ist Donnerstagnachmittag, als wir uns vom bayerischen Lenzkirch mit dem Bus nach Tachov aufmachen. Die kleine Gemeinde, die keine 13.000 Einwohner hat, liegt lediglich 15 km von der deutschen Grenze und ein kleines Stück südlich von dem besser bekannten Ort Marienbad entfernt.

Am Stadtrand von Tachov steht ein ziemlich unscheinbar wirkender, grauer Fabrikbau in dem aktuell jährlich über zwei Millionen Ski- und Wanderstöcke entstehen, die in die ganze Welt verkauft werden. Abstrakte Zahlen, die man sich gar nicht so recht vorstellen kann.

Bevor wir uns die Fertigung ansehen, gibt es erstmal sündhaft leckere Kolatsche, eine tschechische Süßspeise, die meinen Blutzuckerspiegel direkt durch die Decke gehen lässt. Mit dabei sind heute Jochen und Markus, sowie ein tschechischer Kollege von Leki, die uns in Kleingruppen durch die Fabrik führen.

Doch die erste Tür bleibt uns erstmal verschlossen. Denn dahinter liegt das große Geheimnis von Leki – quasi das Coca-Cola-Rezept: Das Härtungsverfahren für die Aluminium-Rohre. Wenn die angeliefert werden, sind sie erstmal sehr weich und können leicht verbogen werden. Erst die sogenannte Ausscheidungshärtung macht die Rohre so stabil, dass sie im Gebirge ihre gewohnt gute Performance abliefern können. Mein Forscherdrang wird also, durch das wohl behütete Firmengeheimnis, erstmal gebremst. Aber gut, weiter im Text.

Als nächstes sehen wir die Konifizierung. Hier werden die einzelnen Stocksegmente bearbeitet und geformt, indem die nackten Rohre in einer Maschine zurecht geschlagen werden.  Dementsprechend laut ist es hier und wir tragen – wie auch die Arbeiter – einen sehr stark dämmenden Gehörschutz. Die Konifizierung bewirkt, dass die Stockenden, also dort wo die Spitze sitzt, nochmals stabiler werden.

Im nächsten Raum werden wir Zeuge davon, wie die Stöcke eine Elektrolyse-Behandlung erfahren und so ihre Grundierung erhalten. Dazu werden sie in verschiedene Bäder mit Chemikalien gelegt und mit Strom behandelt, der die Reaktion letztlich auslöst. Durch die Elektrolyse wird die Lackierung der Stöcke extrem widerstandsfähig und kratzfest, was natürlich im Outdoor-Alltag durchaus Vorteile hat.

Was kommt nach Formung und Grundierung? Klar, die Lackierung. In einem weiteren Schritt wird zunächst eine weiße Basis auf die Stöcke aufgetragen, bevor Siebdruckmaschinen die weitere Arbeit übernehmen. Die Lackierung eines Stocks hat bis zu sieben verschiedene Lagen, die alle einzeln aufgebracht werden.

Ist auch das geschafft, sind die Stock-Segmente bereit für die Endmontage. Die nächste Halle ist voll von Kästen mit allerhand Kleinteilen, wie Spitzen, Griffe und Verbindungsstücke. Zahlreiche Leki-Mitarbeiter sind damit beschäftigt – meist unterstützt von Maschinen – die farbigen Rohre mit allem zu versehen, was sie letztlich zum vollwertigen Stock macht.

Beeindruckend…

…ist vor allem der Fakt, dass Leki fast alle Teile selbst herstellt. Das hat zum einen den Vorteil, dass alles passgenau und ohne größere Abstimmung mit externen Zulieferern gebaut werden kann; zum anderen, können ältere Stöcke problemlos repariert werden, da alle Gussformen aufgehoben werden und Ersatzteile in aller Regel immer vorrätig sind.

Die einzigen Teile, die nicht selbst produziert werden, sind die Rohre. Das Carbon stammt aus Fernost, was allein der Tatsache geschuldet ist, dass dort das Knowhow für die Carbon-Verarbeitung vorhanden und konzentriert ist. Gut, ok. Der Vollständigkeit halber: Die Muttern, die in den Schraubverschlüssen der Teleskopstöcke verarbeitet sind, kommen auch von extern. Aber das sehen wir mal nicht so eng.

Hat der Stock diese vielen Stationen hinter sich gelassen, findet zum Schluss die Qualitätssicherung statt. Hier werden stichprobenartig einzelne Stöcke heraus gezogen und geprüft. Ist auch dieser Test bestanden, macht sich der Stock auf den Weg in die große weite Welt.

Unsere letzte Station, die wir uns an diesem Tag anschauen, ist das Testlabor. Hier werden Prototypen, sowie neue und bestehende Technologien einem echten Härtetest unterzogen. Da gibt es zum Beispiel den Gehsimulator. Mit dessen Hilfe werden tausende Gehzyklen simuliert, um zu sehen, wie sich vor allem die Stockspitze und eventuell vorhandene Aufsätze im Zeitverlauf abnutzen. Natürlich gibt es auch einen Belastungstest für die Stöcke selbst, sowie für die Einstellsysteme. Immer wieder faszinierend, was das vermeintlich leichte Material so alles aushält.

Und da die Stöcke auch bei Expeditionen zum Einsatz kommen, werden die Eigenschaften natürlich auch unter Kälte getestet. Teilweise liegen Stockmodelle wochenlang in einer Gefriertruhe bei zweistelligen Minustemperaturen – gemütlich ist auf jeden Fall anders.

Gemacht für Profis

Leki ist gerade im Skisport einer der ganz Großen. Man sieht die Stöcke vor allem bei Langläufern und Biathleten, aber natürlich auch bei Abfahrtsläufern. Doch bevor z.B. der Skistock eines Felix Neureuther die Weltcuppisten sieht, wird er natürlich noch an die Wünsche des Athleten angepasst.

Das betrifft vor allem die Biegung des Stocks, die sich möglichst nah an der Körperkontur orientieren sollte. Diese Anpassung passiert allerdings nicht in Tachov sondern in der Zentrale in Kirchheim. Dennoch steht auch hier im tschechischen Werk eine Biegemaschine. Warum? Sie ist Teil der Qualitätssicherung und zudem werden diverse Serienmodelle für den Rennsport ebenfalls hier in Tschechien produziert.

Die Geschichte vom Ei und der Banane

Wenn ihr mein Geschreibsel jetzt bis hier durchgehalten habt, fragt ihr euch sicher immer noch, was das alles mit einer Banane und einem Ei zutun hat. Nun, wie uns Markus, Marketing-Leiter bei Leki in einer schönen Anekdote erzählt, begab es sich eines schönen Tages, dass der Firmengründer Klaus Lehnart mit eben diesen beiden Objekten ins Entwicklungsbüro kam.

Die Anforderung: Einen Stockgriff bauen, der sich von oben wie ein Ei anfasst und so gut in der Hand liegt wie eine Banane. Das war die Geburtsstunde des Aergon-Griffs, der heute vor allem bei Touren-, Trekking- und Trailrunning-Stöcken zum Einsatz kommt.

Fernab vom Boden: Bigwall-Klettern in Patagonien

20. April 2018
Bergfreunde Pro-Team

Bigwall-Klettern!? Ja genau. Die Form von Klettern, bei dem man an diesen großen, hohen Felswänden unterwegs ist! Mit einem Team aus weiteren Kletterern habe ich mich aufgemacht und mich an einigen Felsprojekten probiert, die Patagonien zu bieten hat. Dabei habe ich einiges erlebt, das nicht verschwiegen bleiben darf und ich mit euch teilen möchte. Vielleicht packt das Bigwall-Klettern in Patagonien ja auch jemanden von euch!?

Von schönem Wetter, einer Rettungsaktion und der ersten Höhenerfahrung

An meinem ersten Tag sagt der Wetterbericht gutes Wetter für Cochamo voraus. Ziemlich selten hier in Patagonien: kein Regen, sondern Sonne, Sonne und nochmals Sonne. Ich nehme den Bus von Bariloche nach Chile und laufe dieses wunderbare Tal hoch. Schnell treffe ich alte Freunde wieder und lerne neue kennen. Noch am selben Tag probieren wir ein Projekt; ein super Fingerriss.

Während der erste Tag super verlief, wird es am nächsten Tag etwas dramatischer. Wir helfen alle zusammen bei der Rettung eines Kletterers. Er hat sich den Fuß gebrochen und wir bringen ihn gemeinsam ins Tal.

Am dritten Tag stehen wir früh auf um direkt 25 Seillängen zu klettern. Ich führe die komplette Tour Gardens of the Galaxy auf la Junta hoch. Eine Wahnsinnsserfahrung: Anstrengend, aber auch sehr zufriedenstellend. Mit dem letzten Licht erreichen wir den Gipfel und sind spät in der Nacht wieder an unseren Zelten.

Nach etwas Pause finde ich schon den nächsten Kletterpartner: mit Carlos werde ich am nächsten Morgen zum Monstruo, der am weitesten entfernten und längsten Wand hier in Cochamo, aufsteigen.

Das Monster will erklimmt werden

Es ist wieder ein früher Start für uns. Bevor wir am Monstruo sind, müssen wir zunächst drei Stunden zum Wandfuss, durch Schrofen und vor allem den vertikalen Wald, absteigen. Das ist schon ein Abenteuer in sich und es ist unglaublich beeindruckend wie Nate, der Erstbegeher, diesen Pfad frei geschlagen hat.

Danach beginnt unsere Reise über 1600 m perfekten Granit. Wieder stockt einem der Atem. 28 Seillängen. Ziemlich viel für einen Tag und so ist Schnelligkeit gefragt. Nicht zögern, sondern immer weiter. Ich führe erneut einen Großteil aller Seillängen. Am Ende kommen wir dann an ein Schneefeld, für das wir einen Pickel dabei haben. Wer hätte gedacht, dass hier im Dschungel mal ein Pickel nötig ist! Den Abstieg meistern wir gerade noch mit dem letzten Licht und nach 15,5 Stunden harter Tour sind wir zurück im Camp.

Weiter geht’s

Nach Monstruo gönne ich mir nicht mal einen kompletten Ruhetag. Ich muss die Zeit nutzen, denn es sieht so aus, als ob Regen kommt. Also vorher nochmal schnell eine Bigwall klettern. Gemeinsam mit Chip klettern wir die ersten fünf Seillängen von Positive Affect. Das alles machen wir mit Rucksäcken um anschließend auf dem King Ledge zu biwakieren. Schon hier wird uns bewusst, dass eine harte Route vor uns liegt, denn wir müssen eine anspruchsvolle „stemming corner“-Länge (Verschneidung) überwinden.

Die letzten Tage, das viele Laufen und Klettern, machen sich bei mir bemerkbar, aber die Motivation ist groß und wir geben Vollgas. Die Längen sind technisch und fordern uns. Wir wechseln uns ab und steigen in Blöcken vor bis wir an die vorletzte Seillänge gelangen, die die Schlüsselstelle darstellt.

Bis hier waren die Längen anhaltend schwer, doch ich konnte alle onsighten. Jetzt stehe ich vor der letzten großen Herausforderung: eine steile blanke Verschneidung. Mit viel Druck muss ich Füße und Hände gegen die Wand pressen, um nicht abzurutschen. Dabei werden meine Beine immer müder und ich bin froh in der Mitte ein paar Tritte zu finden und kurz zu ruhen.

Dann heißt es wieder spreizen bis ans Ende, wo dann die Schwierigkeit wartet um aus der Verschneidung raus in einen geschlossenen Riss zu klettern. Ich bringe beide Füsse auf eine Seite, merke wie sie rutschen und meine Hände auch an den kleinen Griffen müde werde. Aber ich möchte nicht aufgeben; ich möchte einfach weiterkämpfen. Beinahe verliere ich das Gleichgewicht und ich kann den Haken vor mir nicht klippen. Egal, weiter! Ich erreiche endlich einen Tritt, kann den Haken auf Kniehöhe klippen und mir etwas Ruhe gönnen, bevor ich dann die letzten Meter bis zum Stand klettere.

Wahnsinn! Ich habe die 5.12b Schlüssellänge von Positive Affect geonsightet! Es ist ein super Hochgefühl, wenn mir etwas gelingt, das ich nicht erwartet hätte und für das ich hart kämpfen musste. Noch eine Seillänge und wir stehen am Ende dieser unglaublich guten Tour. Beim Abseilen verhängt sich unser Seil, ich muss wieder eine Seillänge hochklettern, es wird dunkel und dann setzt der Regen ein.

So kommen wir total durchgeweicht am Wandfuss und im Camp an. Aber das beste ist, dass unsere Freundin Paula Essen für alle gekocht hat. Das ist ein unglaublicher Glücksmoment nach dieser langen Kletterei.

Wer hat an aufhören gedacht?

Der Regen ist nur von kurzer Dauer und so hören wir nicht auf, sondern klettern danach gleich wieder weiter. Wir machen uns an einige Versuche am Projekt und dann hoch ins Amfiteatro um Doña Deborah Dedos. Wir spüren immer mehr die Ermüdung, aber das gute Wetter muss einfach ausgenutzt werden! Zu meinem Erstaunen kann ich die harte Fingerrissseillänge onsighten, allerdings bleibt keine Kraft mehr um die nächste harte Seillänge Rotpunkt zu klettern. So bleibt mir dieses Projekt für das nächste Mal. Überglücklich und komplett platt laufen wir im Regen raus.

Fazit

Meine Bilanz mit über 80 Seillängen (die meisten im Vorstieg), 3 Bigwalls und onsight von Positive Affect ist beeindruckend und überrascht mich selbst. Woher nehme ich diese Energie? Wahrscheinlich aus meiner unglaublich großen Motivation. Und alle diese Touren gelangen mir mit meinem Scarpa Maestro. Ich bin vollkommen begeistert von dem Schuh!

Jung stirbt, wen die Götter lieben

17. April 2018
Die Bergfreunde

Die Erstbegehung einer Kletterroute ist immer mit vielen Höhen und Tiefen verbunden. Man sammelt neue Eindrücke, wird aber auch mit den unterschiedlichsten Emotionen und Gefahren konfrontiert. Finn Koch und Fritz Miller berichten über die Erstbegehung einer alpinen Mixedkletterroute am Aggenstein Ostgipfel. Die beiden widmen diese Route ihren Freunden Lorenz Gahse und Franz-Xaver „Xari“ Mayr, die bei vorherigen Kletterexpeditionen tödlich verunglückt sind.

Ihr seid nicht mehr hier, aber ihr leuchtet weiter.

Prolog

Es geht bergauf und bergab, es gibt Zuversicht und Zweifel, Erfolg und Niederlage, Freude und Trauer, welchen Weg auch immer wir gehen. Vertrauen wir unserem inneren Kompass, dass er uns den richtigen Weg weist, denn es bleibt uns nichts, als ihm zu folgen.

Eine Wand, ein Weg und seine Botschaft

Und so stehen wir hier, vor einer Wand aus brüchigem Fels, Schnee, gefrorenem Gras und etwas Eis. Wir sehen eine Linie, wir sehen Risiken, wir sehen Chancen. Das Herz schlägt höher, wir brennen darauf, Antworten zu bekommen auf die vielen Fragen, die sich uns stellen. Wenn es gut läuft, werden wir hier etwas hinterlassen, das lebt, das Charakter hat, das Emotionen weckt, das eine Geschichte erzählt. Es wird seine eigene Sprache sprechen, aber wer sie spricht, wird auch die Botschaft verstehen.

Für einen Moment am Ziel

Der Ostgipfel des Aggenstein ist kein großer Berg, aber jetzt ragt er aus einem Meer aus Wolken heraus und ist einfach großartig. In der Abendsonne gehen wir die letzten Meter zum Gipfel. Für einen kurzen Moment sind wir am Ziel, bevor es weiter geht, hinein in die Wolken, in die Nacht, auf zu neuen Herausforderungen.

Was wirklich zählt

Es ist nicht schwer, eine Wand oder eine Route erstzubegehen. Die wirklichen Herausforderungen finden sich nicht in der Vertikalen, sondern in gänzlich anderen Bereichen: in der Einordnung des eigenen Tuns, der Wahrung der Balance zwischen Ehrgeiz und Freundschaft, im Umgang mit der Verantwortung für Andere.

Aggenstein Ostgipfel Nordwand – „Jung stirbt, wen die Götter lieben“ (400 m, M9+)

  1. Begehung (af): Finn Koch und Fritz Miller nach fünftägigen Vorarbeiten am 09.02.17
  2. Wiederholung und 1. Rotpunktbegehung: Fritz Miller mit Michaela Schuster am 22.03.18

Routenverlauf

  1. SL: 50 m, M5, 2 NH, 1 Grashaken. Offensichtliche Rampe mit Gras, Schnee und Eis. Stand an 2 BH.
  2. SL: 30 m, M6+, 4 BH, 1 SU-Schlinge. Brüchige Felsrampe, zuletzt exponiert zu Stand an 4 BH in Höhle.
  3. SL: 20 m, M9+, 3 BH, 4 NH mit Seilschlinge. Dachartige Verschneidung, überwiegend Drytooling. Stand an 2 BH.
  4. SL: 35 m, M7, 3 BH, 1 NH mit Seilschlinge. Zunächst exponierter Mixed-Quergang, dann einfach zu Stand an 2 BH (Abseilstand rechte Linie).
  5. SL: 60 m, Schnee, Eis und M3. Stand an 2 BH.
  6. SL: 30 m, Schnee und M2 (Band). Fixkeil mit Seilschlinge in der Mitte der SL. Stand an 2 BH (Abseilstand linke Linie).
  7. SL: 50 m, M7-, 1 BH. Rechtshaltend zu BH (vom Stand nicht sichtbar), dann gerade hoch und zuletzt durch Schnee zu einzelnem Baum.
  8. SL: 55 m, Gras/Schnee und Stellen M2-3. Route nicht genau definiert. Stand an einzelnem BH mit Seilschlinge (bei viel Schnee evtl. nicht auffindbar).
  9. SL: 70 m, Gras/Schnee und Stellen M2-3. Route nicht genau definiert. Stand an 2 BH am Ostgrat.

Abseilen rechte Linie: Vom Stand nach der 4. SL 50 m rechtshaltend in Rinne (2 BH u. Markierungsseil). Von dort 45 m zum Boden.

Abseilen linke Linie: Der direkte Weg, aber sehr exponiert und Seilabziehen z. T. mühevoll.

Vom Stand nach der 6. SL knapp 60 m zu großem Schneeband (2 BH). Von dort knapp 60 m auf die Rampe der 1. SL. 10 m hochklettern zum 1. Stand. Von dort 40 m zum Boden.

Empfohlenes Material:  Cams Gr. 0.2-3, Hammer + kleines Sortiment Schlaghaken, 1-2 Grasanker, 1 Eisschraube 13 cm

 

Win: Laufe mit Bergfreund Jörn bei den adidas Infinite Trails

29. März 2018
Die Bergfreunde

Gehörst du auch zu dieser Spezies von Bergsportlern, die leicht bekleidet, mit kleinem Rucksack und Laufschuhen auf den Berg raufhetzt. Oder bist du eher einer von der Sorte, der am Wegesrand steht und sich denkt „Was sind das für Bekloppte“? Solltest du dich zur ersten Gattung zählen, solltest du aufmerksam weiterlesen. Wenn nicht, dann darfst du dich hier ausklinken. Das hier geht nämlich raus an alle Trailrunner: Es gibt was zu gewinnen!

Ihr habt die große Ehre – wobei Ehre wohl laut meinen Kollegen hier eher relativ ist – mit mir zusammen als Team bei den adidas Infinite Trails in Bad Gastein an den Start zu gehen. Was ihr dafür tun müsst und was genau es für euch abzustauben gibt, soll euch dieser formschöne Beitrag näher bringen!

Was sind die adidas Infinite Trails?

Nun, dass es um Trailrunning geht ist bis hier hin klar. Dass es ein Team-Wettkampf ist, habe ich auch schon durchscheinen lassen. Aber wie läuft das Ganze genau ab? Hier kommen ein paar Eckdaten:

  • Wann: 22.06. bis 24.06.2018
  • Wo: Bad Gastein, Nationalpark Hohe Tauern
  • Wer: Ein Team aus drei verdammten coolen Bergfreunden
  • Welche Strecke:
    • 1. Prolog für alle Läufer mit 19 km und 1500 HM am Freitag
    • 2.  … Jetzt wirds kompliziert.

Deshalb weiter im Fließtext: Am Samstag findet kein Wettkampf statt. Am zweiten Tag des Events gibt es einen kleinen freiwilligen Morgenlauf, eine Yoga-Session, Brunch und das Race-Briefing für das Rennen. Am Abend werden – sofern das Wetter gut ist – noch einige Filme zu sehen sein. Am Sonntag beginnt dann das eigentliche Rennen.

Der Prolog am Freitag dient als Platzierungsrennen für den Jagdstart. Die Teams werden anhand der zusammengezählten Zeit eingruppiert. Läufer Nummero Uno (meine Wenigkeit) wird um 4:00 Uhr morgens den Staffelstab in die Hand nehmen und die erste Runde laufen. Die wartet mit 25 km und 1900 HM auf. Zurück in Bad Gastein geht Läufer Nummer Zwei auf die Strecke 57 km und 3400 HM sind zu absolvieren. Läufer Nummer Drei darf dann auf Runde Nummer Drei nochmal 40 km und 2100 Höhenmeter machen. Die letzte Runde – und damit auch den letzten Kilometer – laufen wir dann alle wieder gemeinsam.

Was gibt es zu gewinnen?

Nur falls es noch nicht ganz klar geworden ist: Ich will euch im Team. Konkret suche ich Läufer, die sich zutrauen, Strecke Zwei und Drei zu absolvieren. Natürlich nur jeweils eine davon. Ich opfere mich für euch und stehe schon um 4:00 Uhr auf! ;) Ganz wichtig: Es soll der Spaß im Vordergrund stehen, Zeiten sind relativ.

Natürlich war das noch nicht alles: adidas kommt außerdem für die Unterkunft auf und wir legen noch ein Bergfreunde-T-Shirt on top… Schließlich müssen wir ja als Team erkennbar sein. Last but not least: Ihr habt die einmalige Chance, einen echt sympathischen Typen kennen zu lernen. Wenn das mal nichts ist.

Was müsst ihr dafür tun?

Easy: Schickt uns einfach eine kleine Bewerbung an infinitetrails@bergfreunde.de. Diese sollte ein paar Infos zu euch beinhalten, einen kleinen Text, warum ihr Bock habt mitzukommen, welche Strecke ihr laufen möchtet und ein Bild wäre auch schön, damit ich meine zwei Team-Kameraden am 16.04. vorzeigen kann – denn an diesem Tag, endet das Gewinnspiel und die Gewinner werden per Los bestimmt. Hier findet ihr die ausführlichen Teilnahmebedingungen.

Und jetzt freue ich mich auf zahlreiche „bekloppte“ Bewerbungen!

Bis bald,

Jörn

Einsame Strände und aussichtsreiche Gipfel – Wandern auf den Lofoten

22. März 2018
Die Bergfreunde

Glazial geprägte Gebirgszüge, weiße einsame Sandstrände, tiefe Fjorde, steile Felsen und glasklare Seen – die Inselgruppe Lofoten vor der Küste Nordnorwegens in der Kommune Nordland zeichnet sich durch monumentale Schönheit aus. Das ist norwegische Landschaft wie aus dem Katalog.

Übersetzt bedeutet das norwegische Lofoten „Luchsfuß“ und schaut man die Karte etwas genauer an, erscheint es mit ein wenig Fantasie wirklich so, als bilde die gesamte Inselkette den Umriss eines Fußes. Die Lofoten liegen zwischen 100 und 300 Kilometer nördlich des Polarkreises und bestehen aus über 80 größeren und kleinen Inseln im europäischen Nordmeer. Vom Festland werden die Inseln vom Vestfjord getrennt und im Norden grenzt der Raftsund die Lofoten von den Vesteralen ab. Die Vesteralen sind eine weitere Inselgruppe, die jedoch touristisch gesehen etwas weniger erschlossen ist.

Insgesamt umfassen die Lofoten eine Fläche von 1227 km² mit einer Bevölkerungsdichte von nur 19 Menschen pro km². Einsamkeit lässt sich hier deshalb nach wie vor finden.

Vom Fischfang zum Tourismus

Seit über 6000 Jahren sind die Lofoten schon bewohnt, wobei man früher ausschließlich vom Fischfang und der Jagd lebte. Je nachdem wie groß der Fischfang war, erging es den Einwohnern entsprechend gut oder schlecht. Erste größere Siedlungen mit größeren Häuptlingshöfen entwickelten sich dann in der Wikingerzeit. Einen dieser Höfe kann man heute in Borg, 15 Kilometer nördlich von Leknes, besichtigen. Hier wurden bei Ausgrabungen Reste eines Langhauses gefunden, welches das Lofotr Viking Museum rekonstruiert hat.

Von den 100 Langhäusern, die vor langer Zeit hier standen, ist zwar nicht mehr viel erhalten, aber man bekommt dennoch einen sehr realistischen Einblick in das Dorfleben der Wikinger. Schmuck, verschiedene Gebrauchsgegenstände und Traditionen aus der Wikingerzeit werden hier vorgeführt und auf einem nachgebauten Wikingerboot kann man den Fjord unsicher machen.

Auch die kleinen Wikinger kommen hier auf ihre Kosten. Für sie gibt es Tiergehege mit Pferden, Schafen und Schweinen, sowie einen Erlebnispfad.

Wo früher das Boot das einzige Fortbewegungsmittel von Insel zu Insel war, ersetzen heute zahlreiche Tunnel unter den Fjorden und Brücken den Seeweg und verkürzen die Fahrtzeiten enorm. Die Einnahmequelle der Fischereien hat nach wie vor große Bedeutung, jedoch lockt auch die abwechslungsreiche und vielfältige Landschaft der Lofoten jährlich viele Touristen an. Ob zum Kajaken, Wandern, Klettern oder Skitourengehen, die Lofoten bieten so viele Möglichkeiten, dass die eingeplante Zeit dort immer zu kurz sein wird.

Die intensivste Zeit die Inseln zu bereisen, ist während der Mitternachtssonne. Das ist die Zeit, wenn im Sommer die Nacht zum Tag und die Landschaft in ein einzigartiges Licht getaucht wird.

Pfade mit Geschichte – Auf dem alten Fischerpfad nach Nusfjord

Früher wurden auch schmale Pfade zwischen Fischerdörfer an der Küste genutzt, um Handel zu betreiben. Einer dieser Pfade führt von Nesland nach Nusfjord, einem der ältesten Fischerdörfer der Welt. Möchte man diesem einen Besuch abstatten, biegt man kurz nach Flakstad von der Hauptstraße E10 nach Skjellfjord ab und folgt 10 Kilometer lang der Schotterstraße bis man das Fischerdorf Auster Nesland erreicht. Im Winter durch Sturm und Lawinen von der Außenwelt abgeschnitten, ist Auster Nesland heute nur noch im Sommer bewohnt.

Hinter den alten Häusern beginnt der gut sichtbare, mit einem roten „T“ beschilderten Pfad. Auch Schautafeln schmücken den Weg und informieren über die geschichtlichen Hintergründe.  Nach kurzer Zeit erreicht man eine Höhe von 40m über dem Meeresspiegel und blickt über den kleinen Ort. Auf dieser Höhe geht es gemütlich weiter, bis man zur Bucht Vedvika gelangt, zu welcher man entweder hinabwandern, oder sie über teils mooriges Gebiet umwandern kann. Der restliche Weg ist etwas steiniger und steiler, aber dafür mit Ketten und Leitern gut abgesichert. Häufig lassen sich sogar, unterhalb der Felsen, Robben beobachten.

Über Felsstürze und Blockgeröll gelangt man schließlich zu einem kleinen Aussichtsberg, auf dem der Weg hinab nach Nusfjord führt. Wer das malerische Fischerdorf mit seinen traditionellen bunten Häusern, den Rorbuern, besichtigen will, muss zwar Eintritt zahlen, aber lernt auch viel über die Geschichte der Fischerei auf den Lofoten. Hier gibt es auch die Möglichkeit zur Verpflegung und Übernachtung. Wer jedoch den Rückweg antritt, der geht einfach den Hinweg wieder zurück.

Von Haukland nach Uttakleiv – Strände mit einer historischen Verbindung

Ein weiterer historischer Weg befindet sich zwischen Haukland und Uttakleiv. Um diesen zu erreichen folgt man, ein wenig nördlich von Leknes, der E10 an der Offersoystraumen-Brücke Richtung Haukland. Unser Ausgangspunkt ist der große Parkplatz, der sich dort befindet. Schnell vorankommen ist bei dieser Tour jedoch nur schwer möglich, denn schon der Strand von Haukland lädt zum Verweilen ein. Rechts vom Parkplatz beginnt der Weg und führt direkt an der Halbinsel, immer am Meer entlang. Nicht nur man selber, sondern auch Schafe genießen hier die Aussicht.

Vorbei an einer kleinen Insel (Taa) sehen wir nun die Steilwand des Veggen, den wir umrunden. Mit ein wenig Glück sieht man hier Seeadler, manchmal auch Wale. Die gesamte Strecke lädt mit Sitzbänken und einem Grillplatz zum Pausieren ein, um die Aussicht zu bewundern und die Seele baumeln zu lassen.

Nachdem der Berg umrundet wurde, sieht man schon das Ziel der Wanderung: den Strand Uttakleiv. Dieser könnte mit einem Strand in der Südsee mithalten, nur mit dem Unterschied, dass hier bei einer Wassertemperatur von höchstens 10 Grad niemand badet.

Möchte man sich auf den Rückweg machen, kann man entweder den selben Weg zurückgehen oder sich für die historische Variante über den Pass entscheiden.

Für letztere Variante, geht man einfach ein kurzes Stück auf der Straße bis man einen Tunnel erreicht. Vor dem Tunnel biegt man dann auf den alten Fahrweg ab. Früher wurde dieser Weg mit Pferdekarren befahren, um die wenigen, dort lebenden Menschen zu versorgen. 1998 kam jedoch der Tunnel und erleichterte alles. Auf dem Fahrweg gewinnt man schnell an Höhe und bekommt einen fantastischen Ausblick über Uttakleiv.

Vor allem zur Mitternachtssonne ist der Weg ein Muss, da er dann sehr romantisch ist. Nach 230 Höhenmeter ist der Höhepunkt des Passes erreicht und kann von dort aus bereits wieder nach Haukland hinunterschauen.

Hat man keine Lust zu Fuß zu gehen, kann der Weg auch problemlos mit dem Fahrrad befahren werden. Und möchte man die Umgebung ein bisschen länger erleben, bieten beide Strände auch die Möglichkeit zum Campen oder Zelten.

Norwegischer Trend – der Sportberg

Norweger sind ein recht aktives, sportliches Volk, die gerne draußen trainieren. Hierfür eignet sich der Glomtinden (419 m) perfekt. Hat man den Glomtinden als seinen „Sportberg“ auserwählt, folgt man einer alten Passstraße, die an der Parkbucht am Rorvikvatnet, direkt an der E10 kurz vor Henningsvaer, startet. Nach einem großen eingezäunten Loch, das beim Bau des Tunnels entstand, zweigt man nach rechts ab und steigt über teils steinige, teils sandige Passagen weiter auf.

Den ersten kleinen Ausblick erhält man auf einer Höhe von etwa 300 Metern über die Dörfer am Vestfjord. In der Ferne entdeckt man die Lofotkathedralen, die nördlich von Trondheim mit über 1200 Sitzplätzen die größte Holzkirche ist. Die Lofotkathedrale selber liegt in Kabelvag, direkt an der Hauptstraße und kann gegen einen kleinen Betrag jederzeit besichtigt werden.

An diesem Aussichtspunkt kann man die Tour nun beenden oder man entscheidet sich dafür noch die letzten Höhenmeter des felsigen Gipfels zu erklimmen. Allerdings ist hier ein wenig Kraxelei angesagt. Ganz oben laden kleine Plateaus zum Rasten und Sonnen ein, von welchen man einen tollen Ausblick auf die höheren, benachbarten Berge und einem großen Teil der Küste hat. Zurück geht es auf dem selben Steig. Wer also einen kleinen Einblick in die gigantischen Ausmaße der Lofoten bekommen möchte, liegt mit dem Glomtinden Gipfel richtig und erleidet mit den knapp 400 Höhenmetern keine Überforderung.

Der Reinebringen – das Highlight

Dieser Berg, der direkt an der Hauptstraße liegt, ist für jeden Wanderer auf den Lofoten ein Muss, da er trotz relativ geringer Höhe ein atemberaubendes Panorama auf Berge und das offene Meer gibt. Leider zieht dies jedoch viele Wanderer an, weshalb man sich häufig auf einen großen Andrang gefasst machen muss und auch dieselbe Auf- und Abstiegszeit einplanen sollte. Durch Erosionsschäden sollte der Berg zudem mit Vorsicht und Vernunft angegangen werden. Es empfiehlt sich auf dem Hauptweg zu bleiben, um weitere Schäden zu verhindern.

Der Ausgangspunkt für die Tour ist der Parkplatz Reinehalsen, der gleichzeitig ein bekannter Aussichtspunkt auf den Ort Reine ist. Man folgt nun der E10 Richtung Å und biegt vor dem Tunnel ab. Von dort aus geht man auf der alten E10 ein Stück um den Berg herum, bis man nach kurzer Zeit den deutlich markierten Einstieg erreicht. Man durchquert die Zwergstrauchzone und gelangt zur Schlüsselstelle, einem kleinen Wasserfall mit Felsabsatz. Hier orientiert man sich rechts Richtung Rinne. Doch Achtung, hier gilt Steinschlag!

Nach einiger Zeit erreicht man schließlich den Sattel, von wo aus man hinunter zum Reinefjord blicken kann. Entweder geht man nun nach links weiter auf den Gipfel der Helvete, oder nach rechts auf den eigentlichen Gipfel des Reinebringen. Dieses Gebiet ist allerdings nur für schwindelfreie und trittsichere Wanderer geeignet. Dennoch lohnt sich der Weg, denn am Ende folgt ein atemberaubender Ausblick, der sich über den Ort Reine am Reinefjord, dem dunklen See Reinevatnet und dem entfernteren Kirkefjord, eingekesselt von weiteren Bergen, erstreckt. Richtung Süden blickt man zudem auf die unendliche Weite des Nordmeeres hinaus und die Ausläufer der Lofoten.

Lofoten – das Paradies für Entdecker

Wer den Lofoten noch etwas besser auf den Zahn fühlen möchte, besucht das Lofot Akvariet in Storvagan in Kabelvag. Vor allem Kinder kommen hier auf ihre Kosten. Es gibt zahlreiche Innenbecken mit vielen Fischarten, Krebsen und Krabben, die auf den Lofoten zu Hause sind. Auch über die Geschichte der Fischerei wird ausführlich berichtet. Das Highlight sind natürlich die Außenbecken mit Ottern und Robben. Bei der täglichen Fütterung kann man zusehen und lernt eine Menge über deren Lebensraum und Verhaltensweisen.

Das Aquarium ist auch eine gute Möglichkeit einen Ruhetag oder schlechtes Wetter aktiv zu nutzen. Denn wer auf den Lofoten unterwegs ist, wird sich durchaus mal über eine Pause freuen, denn irgendwann muss man die überwältigenden Eindrücke erstmal verarbeiten.

Zum Schluss noch ein paar Fakten zu den Touren

Von Nesland nach Nusfjord

Ausgangspunkt: Auster Nesland Parkplatz

Höhenmeter: 490 m

Gehzeit: 4 Stunden

Einkehr und Übernachtung in Nusfjord möglich

Von Haukland nach Uttakleiv

Ausgangspunkt: Haukland Parkplatz

Höhenmeter: 230 m

Gehzeit: 3 Stunden

Unterkünfte in Leknes, Zelten und Campen an beiden Stränden erlaubt

Glomtinden

Ausgangspunkt: Rorvikvatnet Parklplatz

Höhenmeter: 400 m

Gehzeit: 2,5 Stunden

Reinebringen

Ausgangspunkt: Reinehalsen Parkplatz

Höhenmeter: 470 m

Gehzeit: 2,5 Stunden

Unterkünfte in Reine

 

 

Die Peer Gynt Hytta

Rondane – Unterwegs im ältesten Nationalpark Norwegens

1. März 2018
Die Bergfreunde

Folgt man der Hauptverkehrsader Norwegens, der E6 Richtung Trondheim, bietet sich in der Nähe der Stadt Otta in der Kommune (Fylke) Oppland die Möglichkeit in den Rondane Nationalpark auf die Straße RV27 abzubiegen. Diese Abzweigung ist durchaus lohnenswert, denn obwohl man sich noch relativ im Süden des Landes befindet, bekommt man hier schon richtiges Nordland-Feeling. Und wenn man die richtige Hütte als Ziel auswählt, kann man sich auf geniale Waffeln freuen. Doch dazu später mehr.

Rentiere und Hochebenen

Der Rondane Nationalpark wurde 1962 gegründet und ist somit der älteste Nationalpark in ganz Norwegen. 2003 wurde er nochmals erweitert und heute hat er eine stolze Fläche von 963 km². Das Rondane ist ein typisches Hochgebirge mit Berggipfeln, die im nördlichen Teil des Parks mit insgesamt zehn Gipfeln die 2000er Marke überschreiten, dazwischen laden ausgedehnte Hochebenen zum Wandern und Trekken ein. Vor allem der südliche Bereich des Parks besteht aus scheinbar unendlich weiten Ebenen, die durch Seen und Täler unterbrochen werden.

Kleinere Schluchten wurden durch das schnelle Abschmelzen der Gletscher der letzten Eiszeit geformt. Es finden sich aber auch viele bewaldete Gebiete, die teilweise von Norwegern mit ihren Sommerhütten bewohnt werden.

Im ersten Moment denkt man, hier würde ja immer Schnee liegen, da der Boden so weiß aussieht. Doch sieht man genauer hin erkennt man, dass die Landschaft teils kilometerweit mit weißem Islandmoos und Rentierflechten überzogen ist.

Diese Flechten sind Hauptnahrungsmittel der hier freilebenden Rentiere, die nicht den einheimischen Samen gehören und somit auch nicht domestiziert sind. Bis zu 4000 Tiere befinden sich im Nationalpark und um diese noch besser zu schützen, wurden Wanderwege auch teilweise verlegt. Gelegentlich sieht man auch Moschusochsen, die hauptsächlich im angrenzenden Dovrefjell Nationalpark zu Hause sind.

Heute trennt nur noch ein schmaler Streifen mit einer Straße und wenigen Ortschaften beide Parks. Braunbären und Elche befinden sich eher in den niedrigeren Randgebieten. Da Bären relativ selten gesehen werden, ziert das Foto eines mächtigen Exemplars das schwarze Brett im Supermarkt.

Tourismus im Nationalpark

Das Allemannsretten (Jedermannsrecht) in Norwegen besagt, dass man die Natur genießen und deren Früchte nutzen darf, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen des jeweiligen Ortes. Klar ist, dass man nicht das Gemüsebeet des Nachbarn plündern sollte. Vielmehr ist damit gemeint, dass man campen und wandern kann wo man möchte. Voraussetzung dafür ist natürlich, keinen Müll zu hinterlassen und die Natur nicht negativ zu beeinflussen oder gar zu zerstören.

Der Norwegische Wanderverein DNT bewirtschaftet einige Hütten, die durch die Wanderwege verbunden sind. Die Wege werden allesamt durch ein rotes „T“, das auf Steine aufgemalt wird, gekennzeichnet. Im Winter gibt es hier auch reizvolle Skipfade zum ausgedehnten Langlaufen.

Peer Gynt Hytta – Waffeln wie aus einem Gedicht

Ob Mehrtagestour oder gemäßigte Wanderung, im Rondane Nationalpark kommt jeder auf seine Kosten. Besonders der leichte Höhenweg zur Peer Gynt Hytta ist ein Schmankerl mit 100% Rondane-Erlebnis. Den Ausgangspunkt Kampen erreicht man über die E6, von der man in Selsverket, nördlich von Otta in Richtung Reiret abbiegt.

Am Ende der kleinen Siedlung befindet sich ein Parkplatz, von welchem man nach links Richtung Peer Gynt Hytta geht. Gleich zu Beginn des Weges ziert ein altes Auto aus Kriegszeiten den Wegesrand, denn dieses Gebiet war ein wichtiger Rückzugsraum der Widerstandsbewegung gegen den deutschen Nationalsozialismus.

Wir wandern auf einem steinigen Weg aufwärts in die Hochebene hinein und es bietet sich ein fantastischer Ausblick auf das Smiubelgin-Massiv und dem See Furusjöen. Danach senkt sich der Weg leicht in ein Tal ab und man erreicht das moorige Gebiet Skorutbergmyre. Die Peer Gynt Hytta kann man nun bereits in der Ferne erkennen.

Am Rande des Moores geht es weiter, bis wir auf großen Steinen und einem Holzbrett den Fluss Vesle Ula überqueren. Der Endspurt geht wieder leicht bergauf bis man schließlich die Hütte erreicht. Zur Peer Gynt Hytta gehört neben der Hütte selbst auch eine kleine Siedlung von Steinhäusern, die man zum Übernachten mieten kann. Wer nun hungrig ist, kann sich selbstgemachte Waffeln vom Holzofen holen und einen Kaffee dazu genießen.

Obwohl es in Norwegen an jeder Ecke Waffeln zu kaufen gibt, war bisher keine so gut wie die in der Peer Gynt Hytta. Wenn man sich dann gestärkt hat, ist der Canyon Impertgulpen, der ein Resultat der Eiszeit ist, noch ein tolles Highlight. Dafür überquert man einfach die Wiese hinter der Hütte und folgt dem tosenden Geräusch des Flusses.

Für Kinder ist diese Tour ebenfalls ein schöner Ausflug, da es landschaftlich sehr interessant ist und die 200 Höhenmeter mit festem Schuhwerk auch von den kleinen Wanderern gut bewältigt werden können.

Geschichtlicher Exkurs

Ihren Namen verdankt die Hütte dem Autor Henrik Ibsen, der sich 1867 kritisch mit dem damaligen Nationalismus Norwegens auseinandersetzte. Die Ulöyhytta, eine Nebenhütte, soll geistige Geburtsstätte für sein dramatisches Gedicht „Peer Gynt“ gewesen sein.

Zunächst wurde 1925 die Bewirtschaftung in der Ulöyhytta aufgenommen. 1932 wurde die Peer Gynt Hytta erbaut, um von hier aus den Widerstandskampf gegen die Besatzung durch Hitler-Deutschland zu unterstützen. So ist die Hütte nicht nur eine schöne Wanderung im Rondane Nationalpark, sondern auch ein wichtiger Punkt in der Geschichte der norwegischen Literatur und Geschichte.

Zum Schluss noch ein paar Fakten

  • Ausgangspunkt: Kampen Parkplatz
  • Höhenmeter: 200 hm
  • Gehzeit: 2,5 Stunden
  • Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten: Peer Gynt Hytta; Übernachtung in Steinhütten mit Voranmeldung möglich
  • Ausrüstung: Tagestour mit festem Schuhwerk; ein paar Kronen für Kaffee und Waffel nicht vergessen

 

Bergsteigen in der Cordillera Blanca: Pisco Südwand und Huandoy – Teil 2

Bergsteigen in der Cordillera Blanca: Pisco Südwand und Huandoy – Teil 2

27. Februar 2018
Die Bergfreunde

Die ersten beiden Wochen mit der Besteigung des Alpamayo und des Artesonraju haben uns sichtlich gefordert. Zum Glück haben wir noch einen Tag “frei” in Huaraz, um die nächsten Touren zu planen, Ausrüstung zu sortieren und einzukaufen. Und wenn das noch nicht genug wäre, kommt uns die ganze Zeit unser ständiger Begleiter „Hunger“ dazwischen. So wurde die Tourenplanung direkt ins Cafe Andino verlegt. Das Cafe ist sozusagen der Bergsteiger Treffpunkt in Huaraz und wird schon die nötige Inspiration mit sich bringen. Wir freuen uns noch darüber, dass Michi und Lukas dazu gestoßen sind und wir jetzt zu siebt sind.

Beim Durchblättern des Führers kommen die ersten Luxusprobleme auf: Ein Berg schöner als der andere, dabei haben wir nur noch sieben Tage Zeit. Weit oben auf unserer Liste steht natürlich Peru’s Höchster – der Huascarán mit seinen 6768 Metern. Aber bei der Auswahl eines Berges zählt eben nicht nur die Höhe, weshalb wir uns für die Abenteuer Variante entscheiden.

Die Pisco Südwand wollen wir als Erstes angehen. Die ist schon gar nicht im Führer enthalten. Wer kam überhaupt auf die Idee? Den krönenden Abschluss soll der Huandoy Norte über die Nordost-Route bilden. Puh …beide Routen sehen im Jahr, wenn überhaupt, nur eine Handvoll Begehungen. Verhältnisse? Bisher ganz gut – wird schon passen. Zur Not haben wir auch noch einen Plan B. Also los geht’s!

Auf dem Weg zum Pisco Basislager

Wir sitzen nun wieder im Kleintransporter und biegen in das hinter dem Huascarán liegende Llanganuco Tal ein. Alleine hier erstrecken sich acht 6000er in die Höhe. Zurück in der Bergwelt ist die Vorfreude wieder bei uns angekommen.

Wir bleiben unserem Stil treu und nehmen die Esel nur wieder für den Gepäcktransport ins Basislager in Anspruch. Ab dort geht der 30 Kilo schwere Rucksack auf die eigenen Schultern und am nächsten Tag zu unserem eigentlichen Ausgangspunkt, dem Pisco Moränencamp. Von hier wollen wir die Südwand angehen und später ins Huandoy Hochlager aufsteigen.

Die wilde Pisco Südwand

Ich hatte fast vergessen, wie schön es ist, um Mitternacht aufzustehen – so hat man doch direkt mehr vom Tag! Im Lichtkegel der Stirnlampe geht es zum Anfang des Gletschers. Immer wieder stehen wir vor tiefen Spalten und müssen uns einen anderen Weg durch das Eislabyrinth suchen. Bis wir schließlich mit der Dämmerung an der Wand ankommen.

Die ersten Seillängen gehen noch einigermaßen zügig voran. Über eine kurze Felsstufe geht es weiter in ein Rinnensystem, das uns hoffentlich oben durch die Seracs schlüpfen lässt. Leider haben wir alles andere als schönen Trittfirn in der Wand.

Mit zunehmender Steilheit kommt immer mehr Schnee und Eis von oben herunter. Unsere persönliche Schneefräße Truffi gräbt sich allerdings unermüdlich nach oben und wir gewinnen Meter für Meter. Die Sicherungspunkte liegen bis zu einem Meter unter dem Schnee, was das Ganze nicht schneller macht. Teilweise stehen wir bis zu einer Stunde schlotternd am Stand, bis es endlich weiter geht und wir langsam wieder auftauen.

Es ist schon später Nachmittag, als wir die letzten Seillängen erreichen. Immer noch fragen wir uns, wie wir die riesigen Seracs überwinden sollen. Durch senkrechtes Eis geht es im wilden Zickzack kurz unter den Gipfel. Wir sind schon alle ziemlich mitgenommen, aber die letzten Meter lassen wir uns nicht entgehen. Geschafft! Mit dem Sonnenuntergang stehen wir alle Sieben auf dem Gipfel des Nevado Pisco (5752m). Ein gigantisches Gefühl dies mit seinen Freunden zu teilen.

Nun aber schnell weiter und mit der Stirnlampe den Normalweg runter. Nach gut 18 Stunden kommen wir endlich am Zelt an. Das hatten wir uns leichter vorgestellt. Morgen ist wohl erst mal ein Ruhetag angesagt. Trotz Müdigkeit wird noch richtig gut aufgekocht – selten hat ein Dosenbier so gut geschmeckt!

Am anschließenden Tag verabschieden wir Flo, der bereits zurück nach Huaraz muss, um seinen Flug zu erwischen. Ebenso entschließt sich Lukas gegen die Tour.

Auf ins Huandoy Hochlager auf 5700m

Der Zustieg ins Hochlager von Huandoy Norte ist schon eine Tour für sich, denn um dorthin zu gelangen, müssen wir einen nicht ganz objektiv sicheren Gletscher queren und dann noch eine 600 Meter hohe Firnflanke nach oben pickeln. Und das ganze Gepäck will ja auch noch mit nach oben.

So starten wir also wieder mitten in der Nacht und haben diesmal nur das Nötigste eingepackt. Die Außenwände der Zelte, Fäustlinge und sonstige Notfallreserven bleiben da. Es gilt möglichst schnell dort hoch und eben auch wieder runter zu kommen.

Der Zustieg über den Gletscher läuft gut und wir steigen mit dem ersten Licht in die Flanke ein. Der Schnee ist etwas besser als beim Pisco und wir kommen zügig voran. Doch auch hier steilt sich der letzte Teil der Wand immer mehr auf und wir klettern nur auf den Frontalzacken stehend auf den Grat nach oben.

Hier folgt gleich die nächste Überraschung. Das Wetter hat wohl genug von guter Laune und wir müssen aufpassen, dass uns der Wind nicht runter bläst. Nichts wie weg hier – nur wie? Der Plan war kurz auf das Gletscherplateau abseilen und gut. Leider stellt sich da nun eine riesige Randspalte in den Weg und wir müssen noch weitere zwei Seillängen halb abklettern. Jeder will nur noch schnellstmöglich in seinen Schlafsack. Die gefühlte Temperatur -20 Grad. Wo sind eigentlich die verdammten Fäustlinge?

Aufbruch zum Huandoy – Welcher soll es werden?

Mitten in der Nacht geht es erneut raus. Ich habe so gut wie nicht geschlafen. Das Zelt wurde die ganze Nacht durchgeschüttelt und es hat immer noch nicht nachgelassen. Wir kochen Wasser für das Frühstück, welches direkt wieder kalt aus der Müslipackung kommt. So macht das keinen Sinn – wir legen uns noch mal hin und entscheiden uns für den niedrigeren Huandoy Ostgipfel.

Drei Stunden später der nächste Startversuch. Der Berg hat sich ein wenig beruhigt und mit der Sonne wird es schon besser werden. Wir versuchen es! Zunächst über einen leichten Firnhang zu einer Steilstufe, über die ein Eisband führt. Sowas bin ich zuvor auch noch nicht geklettert – auf allen Vieren geht’s dort hindurch. Wenig später stehen wir bereits auf dem Gipfel.

Sensationell, ein weiterer 6000er! Das hätte in der Nacht noch keiner für möglich gehalten. Doch müssen wir heute noch runter ins Moränencamp, wo Lukas auf uns wartet. Abstieg, Zelte einpacken und die komplette Flanke abseilen. Natürlich wird es bereits dunkel, bis wir ankommen.

Wir verbringen den letzten Tag mit Abstieg und Rückfahrt nach Huaraz, wo die letzte große Feier steigt. Zum Tanzen ist wohl keiner mehr in der Lage, aber bei Pizza und Coca-Bier lässt es sich auch aushalten!

Ein großes Dankeschön

Die drei Wochen in Peru neigen sich somit dem Ende zu. Mit ihr eine richtig lässige Zeit und wir freuen uns, dass alle wohlbehalten die Heimreise antreten können. Ein großes Dankeschön geht an jeden Einzelnen für die Organisation, Motivation und super Stimmung in der Gruppe.

Ebenso bedanken wir uns für die Unterstützung von den Bergfreunden und Trek’n Eat! In einer selbst-organisierten Expedition steckt einiges an Arbeit, weshalb sie jedem von uns umso mehr in Erinnerung bleiben wird. Nun ist aber erst einmal Pause angesagt, bis uns das nächste Projekt wieder in die Ferne zieht.

Caro North unterwegs in Patagoniens Winter-Frühling

Caro North unterwegs in Patagoniens Winter-Frühling

22. Februar 2018
Bergfreunde Pro-Team

Im September nach Patagonien… klingt erst einmal falsch, denn die eigentliche Saison um an diesem Ende der Welt zu klettern ist doch unser europäischer Winter. Stimmt, aber wir suchen ganz bestimmt ein anderes, neues Abenteuer. Wir träumen davon geniale Mixed- und Eisrouten zu klettern, allein in dieser beeindruckenden Landschaft.

Doch ein Abenteuer in Patagonien wäre ja keines, wenn alles nach Plan läuft. Daher bleibt die Kletterei zunächst eine Traumvorstellung für mich mit meinen zwei Freundinnen und Kletterpartnerinnen Brette Harrington und Yvonne Koch.

Dauerregen, extremer Wind und große Schneemassen 

Zu unserer Ankunft zeigt sich El Chalten von seiner unangenehmsten Seite. Wind und Regen sind so stark, dass wir nur zum Einkaufen schon unsere komplette GORE-TEX® Ausrüstung anlegen. An Klettern geschweige denn Bouldern im Ort ist nicht zu denken und wir müssen uns mit Klimmzugsessions bei Laune halten.

Als dann endlich ein Wetterfenster auftaucht, ziehen wir motiviert los ins Torre Valley, hier sind wir ganz alleine. Eine Erfahrung, die es so im Sommer nicht mehr gibt. Kaum haben wir die Zelte aufgebaut, lässt der Regen nicht lange auf sich warten. Es regnet ununterbrochen bis zum nächsten Morgen. Wir können es nicht glauben und zu dritt in unserem Zweimannzelt wird es langsam auch etwas zu kuschelig.

Doch unsere Motivation ist nicht zu bremsen und wir ziehen am nächsten Tag los in Richtung Mocho. Noch vor dem Einstieg wühlen wir durch große Schneemassen und der Wind wird immer stärker, sodass wir zum Umdrehen gezwungen werden. Das Wetterfenster, was in der Vorhersage erschien, taucht nie wirklich auf und wir laufen viele Kilometer zurück ins Dorf.

Kilometer um Kilometer – der lange Weg der Erkenntnis

Diese Erfahrung steht sehr gut für die nächsten eineinhalb Monate. Wir tätigen viel Anläufe, laufen Kilometer um Kilometer bis ins Niponinos, mal mit Ski, mal ohne und scheitern doch immer wieder am extremen Wind, der uns nicht vorwärtskommen lässt, im Whiteout oder in gefährlich großen Schneemassen. Mit jedem Versuch lassen wir mehr Energie in den Bergen.

Langsam verstehen wir, warum die meisten hier im Sommer klettern: Die Bedingungen sind viel besser. Im Moment ist es kalt, es gibt kein Eis aber dafür extrem viel Schnee. Schwierig überhaupt ein kletterbares Ziel zu finden. Und noch dazu ist das Wetter patagonisch schlecht. Uns wird klar, dass dieser so schneereicher Winter sich besser zum Skifahren als zum Klettern eignet.

Planänderung: Tausche Eisgeräte gegen Spaß auf Skiern

Im nächsten Wetterfenster legen Brette und ich unsere Ski an und können so endlich von dem weißen Pulver profitieren. Wir entdecken El Chalten in einem ganz anderen Blickwinkel und uns wird plötzlich bewusst, wie gut es hier zum Skifahren ist. Wir fahren steile Wände mit bestem Powder, die das Herz  höher schlagen lassen: über 600 hm in 40° und mehr. Einfach unglaublich! Was will man mehr?

Dann noch einige spektakuläre Couloirs vor grandioser Kulisse des Fitzroys. Wir sind beeindruckt und motivieren uns immer mehr für technisch anspruchsvolle Skitouren. Aber es bleibt nach wie vor Patagonien und die Zustiege sind lang und beschwerlich – oftmals legen wir weite Strecken mit den Ski am Rucksack zurück, bevor wir das weiße Gold genießen können.

Ein letzter Kletterversuch am Piergiorgio

Ganz ungeschlagen wollen wir nicht von dannen ziehen, weshalb wir noch einen letzten Kletterversuch wagen. Auch dieser fordert wieder extrem viel Energie: Noch im Dunkeln im Zustieg müssen wir einen überhängenden Serac überwinden und das Gletschereis ist extrem hart und zudem abdrängend.

Zentimeter um Zentimeter kämpfe ich mich im Licht meiner Stirnlampe höher, während Brette beim Sichern einfriert. Als wir endlich die zwei Seillängen überwunden haben, sind wir trotzdem extrem glücklich endlich unsere Eisgeräte benutzt zu haben und über die Sonnenstrahlen, die uns nun etwas wärmen.

Die nächste große Herausforderung stellt der Bergschrund dar, den wir aufgrund des vielen Schnees kaum überwinden können. Als es endlich gelingt, wartet wieder Schwimmen durch steilen Pulverschnee auf uns. Wir kommen kaum voran und sind froh, als wir endlich auf etwas Eis stoßen. Dann endlich der erste Stand am Anfang eines Eiscouloirs, was von unten leicht ausschaut, entpuppt sich dann aber als extrem anspruchsvoll und nicht absicherbar.

Das Eis wird plötzlich so dünn, dass es kaum für Eisen und Pickel halt gibt und zudem keine Absicherungen zulässt. Ich weiß, dass Fallen jetzt keine Option mehr ist und muss mich vollkommen konzentriert und mit höchster Präzision fortbewegen, um heil am Stand anzukommen. Für mich sicherlich einer meiner anspruchsvollsten Mixedleads.

Brette übernimmt dann und erklimmt eine anspruchsvolle Risslänge im Fels. Währenddessen nimmt der Wind immer mehr zu und es ist so kalt, dass wir uns kaum bewegen können. Es fällt uns nicht leicht die Entscheidung zum Umdrehen zu fällen, aber wir beginnen trotzdem mit dem Abseilen und sind extrem froh, als wir wieder an unseren Ski ankommen und etwas Sonne spüren.

Nach einem sehr langen Tag haben wir wieder viel Energie gelassen. Trotzdem motivieren wir uns am nächsten Tag, der immer noch gutes Wetter verspricht, für eine Skitour in Richtung Cerro Grande. Die Beine sind schwer, aber die Anstrengung wird mit einer genialen Abfahrt belohnt.

Der Traum geniale Mixed- und Eisrouten zu klettern ist geplatzt

Uns bleiben nur noch wenige Tage und wir haben verstanden, dass wir im nächsten Wetterfenster Skifahren müssen, wenn wir unsere Zeit genießen wollen. So verbringen wir noch drei unglaubliche Skitourentage mit Traversierungen, Couloirs und steilen Abfahrten, bevor Yvonne und Brette ihre Rückflüge antreten.

Unsere Träume von großen Klettertouren konnten wir nicht erfüllen, wie so oft in Patagonien und nichtsdestotrotz hatten wir geniale Skitage, einmalige Erfahrungen, haben viel Neues gelernt, die Einsamkeit genossen, die Gewalt der Berge gespürt und unsere Motivation wieder zu kommen ist trotzdem oder genau deswegen groß.

Bergsteigen in der Cordillera Blanca: Alpamayo und Artesonraju - Teil 1

Bergsteigen in der Cordillera Blanca: Alpamayo und Artesonraju – Teil 1

25. Januar 2018
Die Bergfreunde

Als Bergsteiger ist die Frage nach dem nächsten Projekt allgegenwärtig. Ist einmal eines gefunden, dann fesselt es dich komplett und lässt deine Gedanken nicht mehr los. Du bist gefangen bis du es versucht hast. Wenn du gerade von einer Expedition wie dieser zurückkommst und vielleicht noch nicht einmal verarbeitet hast, was alles in den Wochen passiert ist, wie sollst du dann schon wieder ein neues Projekt finden? Projekt erledigt, Route geklettert, auf zur Nächsten!  Meistens ist es leider nicht so einfach. Große Projekte kosten mental viel Kraft. Doch dann reicht eben wieder ein einziges Foto von einem Berg, um diesen nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen.

Zeig mir ein Foto von einem schönen Berg und meine Abenteuerlust ist geweckt

Zeitsprung – Es ist September 2016 in Arco und ich komme nach einem langen Klettertag aus der Tür von Marco Gelato und schau’ auf mein Handy. Flo hatte mir ein Bild von der Alpamayo Südwestwand geschickt und sofort war die Begeisterung und Abenteuerlust geweckt. Seit diesem sonnigen Nachmittag sollte mich diese Wand nicht mehr loslassen.

Bis es allerdings soweit war, sollte noch einiges an Organisationsaufwand auf uns zukommen. Nach unzähligen Skype-Sessions, nächtelangem Studium des Kartenmaterials und abenteuerlichen Vorbereitungstouren, stehen wir endlich Mitte August 2017 bei 30 Grad in unseren 6000er Schuhen am Flughafen Frankfurt und warten darauf, dass die 20 Packungen Schokolade in Truffis Daunenjacke anfangen davon zu laufen.

Das richtige Team braucht es für solche Aktionen und ich hätte mir dieses mal kein besseres vorstellen können: Wir sind insgesamt zu fünft – Max, Truffi, Steffen, Flo und ich. Allesamt mit Erfahrung im Höhenbergsteigen und gute Alpinisten, der eine mehr, der andere weniger.

3000 Höhenmeter: Gestern Frankfurt, heute Lima, morgen Santa Cruz – die Akklimatisation läuft

Nach guten 16 Stunden landen wir in Lima und haben direkt die nächste Etappe vor uns. Bis zu unserem Ziel Huaraz sind es nochmal 7 Stunden mit dem Auto. Im Halbschlaf kommen wir nachts um 2:30 Uhr endlich nach 30 Stunden Reisezeit im Hotel Santa Cruz an und schon der Weg in den zweiten Stock lässt die Atmung kurz nach oben schießen. Wir befinden uns bereits auf 3000 Metern – wie praktisch, die Akklimatisation läuft! Diese war bereits im Vorfeld ein großer Diskussionspunkt: Sollten wir von Huaraz erst ein paar leichtere Touren unternehmen oder direkt durchstarten?

Wir entscheiden uns für letzteres. Für eine Stadtbesichtigung ist damit am nächsten Tag nur bedingt Zeit. Schließlich wollen wir am Tag danach aufbrechen. Also steht die Logistik auf dem Plan. Essen, Nationalpark-Tickets sowie Gas müssen besorgt werden. Der letzte Punkt auf der Liste bereitet uns allerdings ziemliche Kopfschmerzen. Zu unserer Zeit herrschte wohl ein ziemliches Gas-Monopol in Huaraz, das im kleinsten Outdoorladen erst einmal gefunden werden musste. Puh, wir haben alles und endlich kann es losgehen!

4300 Höhenmeter: Auf dem Weg ins Alpamayo Basislager

Es ist der dritte Tag und wir starten morgens in Richtung Santa Cruz Tal, dem Ausgangspunkt für Alpamayo und Artesonraju. Die offensive Akklimatisationsstrategie sollte sich allerdings noch etwas rächen. Wir wollen langsam aufsteigen und je nach Bedarf noch den ein oder anderen Ruhetag einplanen.

Willy, der Hotelmanager, fährt mit uns zum Taleingang nach Cashapampa, wo die von ihm organisierten Esel für den Transport ins Basislager warten. Über seine Unterstützung sollten wir uns nicht das letzte Mal freuen. Es ist einfach Goldwert einen lokalen Kontakt vor Ort zu haben!

Nach zwei Tagen kommen wir im Alpamayo Basislager an, welches mit seinen 4300m schon für die ersten Kopfschmerzen bei uns sorgt. Mit einer kurzen Akklimatationstour zur nah gelegenen Lagune Arhuaycocha passen wir uns weiter an die Höhe an. Wir verbringen eine weitere Nacht im Basislager und deponieren tagsüber den Großteil der Ausrüstung im nächsten Camp. Flo hat leider dermaßen Kopfschmerzen, dass er entscheidet über das Moränenlager hinaus nicht weiter aufzusteigen. Schade, aber sicher richtig.

5500 Höhenmeter: Aufstieg zum High Camp 

Von dort aus steht die letzte Etappe zum High Camp an und diese hat es nochmal in sich. Es geht durch einen steilen Gletscherbruch auf 5500m hoch. Der Rucksack wird gefühlt von Schritt zu Schritt schwerer und die dünne Luft zwingt uns öfters eine Pause auf. Die Sinnfrage schießt mir die ganze Zeit durch den Kopf, bis wir endlich am Pass ankommen und die Alpamayo Gipfelwand zu Gesicht bekommen.

Auf Bildern sieht die Wand schon beeindruckend aus, aber jetzt stehen wir endlich davor. Das gibt Kraft für den restlichen Tag. Jetzt heißt es Zelt aufbauen, kochen, packen und ab ins Bett – der Ablauf ist mittlerweile automatisiert. Erschöpft und aufgeregt zugleich, heißt es jetzt für ein paar Stunden die Augen zu machen, bis es schon wieder um zwei Uhr in der Nacht losgehen soll.

5947 Höhenmeter: Gipfelglück am Alpamayo

Dann ist es endlich soweit: Zunächst wenig schwierig zum Bergschrund, über den es senkrecht nach oben geht. Danach sind wir wach und gehen am laufenden Seil zügig die Wand hoch, bis wir im letzten Teil auf eine weitere Seilschaft auflaufen. Dort wird es nochmal steil und es folgen schöne Längen im Eis zum Gipfel. Die Aussicht ist an diesem Morgen unbeschreiblich und ich kann es kaum glauben, dass wir schon nach einer Woche hier oben am Gipfelpilz stehen – Wahnsinn!

Das Gleiche denkt sich wohl auch mein Körper während des Abstiegs. Die Sonne knallt mittlerweile mit voller Kraft und es hat gefühlte 40 Grad auf letzten Meter zurück ins Zelt. Nun streikt der Körper komplett und ohne einen Bissen runter zu kriegen geht es mit Kopfschmerzen ins Bett. Truffi geht es ähnlich und wir beide müssen den am nächsten Tag geplanten Quitaraju leider abschreiben. Wir wollen nur noch schnellstmöglich runter ins BC, wo Flo noch auf uns wartet. Schnell geht das leider nicht von statten, da auch noch am nächsten Tag keine große Regeneration zu sehen ist. Nachdem das Zelt abgebaut war, hätte ich mich gleich wieder reinlegen können. Puh – jetzt noch der Gegenanstieg wieder hoch zum Pass mit all dem Geraffel. Doch wie hat Hermann Buhl schon immer gesagt: “Es muss gehen!”

5500 Höhenmeter: Zurück im Basislager Alpamayo

Wie erwartet ist der Abstieg nochmal eine echte Kraftprobe. Doch mit jedem Meter, den es nach unten geht, kommen wir besser voran und schließlich am Abend im Basecamp an.

Am nächsten Tag gehen Flo und ich nochmals hoch ins Moränencamp, um den Rest der Ausrüstung zu holen. Das danken uns Steffen und Max, die ebenfalls ziemlich platt aber erfolgreich von der Quitaraju Nordwand zurückkommen. Somit sind wir wieder vereint und es geht nach einem Tag Pause im Basislager weiter in Richtung Artesonraju. Dessen Nordgrat hatten wir bereits die ganze Zeit im Blick und wundern uns nicht, warum er als Vorlage für Paramount Pictures gelten soll.

5000 Höhenmeter: Das Moränencamp des Artesonraju

Das Moränencamp des Artesonraju liegt auf der anderen Seite des Tales und ist vom Alpamayo BC in einem (langen) Tag zu erreichen. Wir vermissen die Esel und verfluchen des Öfteren die steile Gletschermoräne. In der Dämmerung kommen wir endlich auf 5000m an. Zum Abendessen gibt es eine Balkan-Reispfanne à la Trek’n Eat. Die Trockennahrung hatten wir für die Hochlager eingepackt – zum Glück, denn noch mehr Gewicht hätte ich hier nicht hochschleppen wollen. Wir malen uns noch schnell eine Route durch den Gletscher aus, bevor wir in die Schlafsäcke kriechen.

6025 Höhenmeter: Gipfelerfolg am Artesonraju

Gegen Mitternacht geht dann der Spießrutenlauf los. Der Neuschnee verdeckt die letzten Spuren. Steffen, der Erfahrenste, führt uns durch den wilden Gletscher und wir gewinnen Meter für Meter. Das vorab ganz gut vorausgesagte Wetter lässt noch auf sich warten. Mit dem Sonnenaufgang stechen wir durch die Wolkendecke. Hier oben ragen nur noch die höchsten Gipfel aus ihr hervor. “Wie muss das erst am Gipfel aussehen” – schießt es mir durch den Kopf. Bis dahin ist es allerdings noch ein gutes Stück: Ein steiles Eis-Couloir führt bis zum eigentlichen Grat hinauf, der sich dann noch in die Länge zieht und unsere Aufmerksamkeit bis zur letzten Minute fordert. Endlich zeigt der Höhenmesser die 6025m an. Gipfelerfolg am Artesonraju und die Cordillera Blanca liegt uns in einem Wolkenmeer zu Füßen. Da spar ich mir jede weitere Beschreibung – schaut euch die Bilder an!

So schön es hier oben auch ist – dies war erst die erste Hälfte des Abenteuers. Mit ein paar Mal abseilen ist es diesmal nicht getan. Der Abstieg wird nochmal ein schöner Ritt. Es geht den gleichen Weg retour und der weicher werdende Schnee macht es uns nicht leichter. Als wir wieder im Moränenlager ankommen werden die letzten Essens-Reserven mobil gemacht und auf den Tag angestoßen. So langsam wird das doch was mit der Akklimatisierung!

Keine Pause in Sicht – Eseltreiber Petro will nicht verpasst werden

In unserer Planung war natürlich kein Pausentag einkalkuliert, also ist an ausschlafen nicht zu denken. Wir müssen am nächsten Morgen unseren Eseltreiber Petro im Alpamayo Basislager erwischen, wo noch ein Großteil unserer Ausrüstung deponiert ist. Die Schleife muss also auch noch gedreht werden bevor es dann endgültig zurück ins Tal Cashapampa geht.

Es müssen bald an die 30 Kilometer gewesen sein, die es bei strahlendem Sonnenschein wieder nach unten ging. Gestrahlt haben auch wir über beide Ohren als uns Willy wieder empfangen hat, um uns schnellstmöglich zurück nach Huaraz zu Pizza und Bier zu bringen.

Das war Tag 13 von 22 der Expedition und wir haben die beiden Hauptziele Artesonraju und Alpamayo bereits erfolgreich abgehakt. Wie es weitergehen sollte, wussten wir zu diesem Zeitpunkt selber noch nicht. Wollen wir uns an Peru’s Höchstem, dem Huascaran (6768m), versuchen oder doch die technisch anspruchsvollere Pisco Südwand inklusive Huandoy Norte in Angriff nehmen? Ihr erfahrt es im zweiten Bericht!

Zwischen Hameln und Hochrhein: ein Streifzug durch deutsche Klettergebiete

Zwischen Hameln und Hochrhein: ein Streifzug durch deutsche Klettergebiete

30. Januar 2018
Die Bergfreunde

Deutschland ist immer noch ein verwöhntes Land. Zwar haben Andere mittlerweile noch dickere Brieftaschen und „wir“ sind auch nicht mehr Reiseweltmeister, doch hier und da spielen wir noch ganz oben mit. Klar, beim Fußball natürlich, aber auch – und das wissen viel weniger Leute – bei der Ausstattung der Landschaft mit kleinen und nicht ganz so kleinen Felsen. Die gibt es nämlich mit Ausnahme des wirklich hohen Nordens und wirklich tiefen Ostens in jedem Winkel der Republik. Und dabei überzeugt nicht nur die Quantität, sondern auch die Vielfalt und Qualität.

Das Angebot ist so üppig, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll: gut und gerne 20 ländliche Regionen und Mittelgebirge mit jeweils mehr als fünf Klettergebieten listet die Felsinfo des Deutschen Alpenvereins auf. Neben der glamourösen Felsprominenz wie Frankenjura oder Elbsandstein finden sich darunter auch viele weniger bekannte Perlen wie der Südschwarzwald oder das Weser-Leine-Bergland.

Deutsche Klettergebiete im Winter?

Zur Zeit des Erscheinens dieses Artikels ist es tiefster Januar. Das scheint nicht gerade die ideale Zeit für deutsche Klettergefilde, oder? Vor allem wenn der Flieger Richtung Mittelmeer weniger kostet als die Bahn Richtung Mittelfranken. Doch warum sollte man nicht auch hierzulande im Winter ab nach draußen? Sofern der Fels halbwegs trocken ist und es nicht gerade zweistellige Minusgrade hat, stehen dem Klettern keine wirklichen Hindernisse im Weg. Mit einer großen Thermoskanne voll heißem Tee oder heißer Suppe, einer dicken Sitzunterlage und einem Taschenofen in der Hand lässt sich auch das Sichern und Abwarten gleich viel besser aushalten. Das gilt erst recht, wenn man sich von vornherein leichtere Touren aussucht als die, die man unter sommerlichen Bedingungen klettern würde.

Die nötige positive Einstellung kommt vielleicht mit dem Wissen, dass es sehr hilfreich für das Immunsystem und gegen den winterlich trägen Kreislauf ist, sich öfter mal den dauerbeheizten Innenräumen zu entziehen und der Kälte ganz bewusst auszusetzen. Ein bisschen Abhärtung wie zu Opas Zeiten und etwas antrainierte Willenskraft sind ja nebenbei auch ganz nützlich für sommerliche Outdoorabenteuer … Also, auf geht’s, einen schönen Fels mit Südausrichtung gesucht! Davon gibt es in Deutschland eine ganze Menge und einige davon auch in schöner landschaftlicher Umgebung. Bei der folgenden kleinen Auswahl an Sportklettergebieten in Deutschland stelle ich Gebiete vor, in denen das Klettern auch für die Augen ein Genuss und damit maximal motivationsfördernd ist. Fangen wir im Norden an und arbeiten uns dann nach Süden vor:

Weser-Leine-Bergland

Die lang gestreckten Hügelzüge im südöstlichen Niedersachsen sind in großer Zahl mit „Klippen“ genannten Felsen gekrönt. Der bekannteste dieser Hügelzüge dürfte der Ith sein. Allein hier finden sich über 100 Felsen mit gut 1400 Kletterrouten.

Gesteinsart/Kletterei

Hier dominiert Jurakalk, und zwar in sehr fester und griffiger Form. Das Spektrum der Kletterei reicht von griffigen Löchern bis zu kompakten Platten. Am häufigsten trifft man auf steile, athletische Wandkletterei. Auffallend häufig sind auch die beeindruckenden Dächer mit ihren spektakulären Routen. Bekanntestes Beispiel hierfür ist das „Kamel“ genannte Massiv in den Lüerdisser Klippen. Die Absicherung mit Bohrhaken ist überwiegend gut. Für die meisten Routen sollte man jedoch das Legen von mobilen Sicherungen beherrschen (Danke für die Anmerkung, Mia!).

Kletterregelung – was ist wo erlaubt?

Große Gebiete stehen unter Naturschutz und unterliegen temporären oder ganzjährige Sperrungen. Eine detaillierte Liste findet sich bei der IG-Klettern Niedersachsen.

Besonderheiten

Man hat oft schöne Aussichten auf den Felsköpfen, die meist auf den Gipfeln der Hügelketten stehen und über die umgebenden Bäume herausragen. Außerdem tragen sie, wie das eben erwähnte Kamel, alle mehr oder weniger ausgefallene Namen. Bemerkenswert ist auch die Lebendigkeit der Kletterszene so hoch im Norden. So gibt es hier sogar ein eigenes, sehr originelles Szenemagazin namens „Der Klemmkeil“.

Reiseinfos

Wer es den Eingeborenen gleichtun will, logiert klassisch-zünftig auf dem Ith-Zeltplatz. Der ganz in der Nähe gelegene Ith-Campingplatz bietet auch ein paar gemütliche Gästezimmer an.

Die Anfahrt ins Weser-Leine-Bergland erfolgt vom Süden der Republik aus über Göttingen nach Alfeld (Leine). Weitere Anreiseinfos finden sich auf den Seiten der Campingplätze. Eine Auswahl an kostenlosen Topos bietet die Seite der IG-Klettern Niedersachsen.

Kletterführer

Ein Kletterführer über die Klettergebiete im Weser-Leine-Bergland: Hoch im Norden, Panico Alpinverlag, Preis: 39,80 €

Tipp für die Planung

In der DAV-Felsinfo lässt sich die Suche nach zahlreichen Kriterien filtern – so unter anderem auch nach der Ausrichtung des Felsens und der schnellen Trocknungszeit nach Regengüssen. Dafür sucht man sich auf der Startseite in der Deutschlandkarte die Region aus und findet dann im Menü auf der rechten Seite den Button „erweiterte Suche“. Es gibt zu den Regionen nicht nur Karten und Daten, sondern auch einführende Infotexte.

Elbsandstein

Unzählige Türme, Bastionen und Zinnen erheben sich nahe der tschechischen Grenze entlang der noch jungen Elbe. 1100 freistehende Gipfel mit etwa 17 000 Routen bilden das größte Klettergebiet Europas. Große Teile davon befinden sich im Nationalpark Sächsische Schweiz und sind deshalb besonders geschützt. Herausragend sind auch die landschaftliche Schönheit der Umgebung und die lange Geschichte dieses Gebiets. Das Elbsandstein gilt als die Wiege des freien Felskletterns überhaupt. Einen ausführlicheren Artikel mit vielen praktischen Infos zum „Elbi“ gibt es u.a. hier bei den Bergfreunden.

Gesteinsart/Kletterei

Der Name verrät es bereits. Rechts/nordöstlich der Elbe ist der Sandstein eher weich und vereinzelt auch sehr weich, links/südwestlich ist er überwiegend fest und scharfkantig. Der enorme Formenreichtum dieses Mittelgebirges bringt eine entsprechende Vielfalt der Klettereien mit sich – auf Höhen zwischen 10 und 90 Metern ist von plattigen und löchrigen Wänden über Risse und Kamine bis zu Verschneidungen und Dächern alles zu finden. Die Absicherung ist mit „normalen“ Sportklettergebieten nicht zu vergleichen und kann auf Neulinge abenteuerlich bis abschreckend wirken. Dennoch gibt es viele Routen mit guten Sicherungsmöglichkeiten und geringen objektiven Risiken.

Kletterregelung – was ist wo erlaubt?

Die sächsischen Kletterregeln sind speziell und streng. Das sportliche Ethos liegt weit über dem der meisten anderen Klettergebiete. So ist beispielsweise die Benutzung von Chalk untersagt und das Einhängen von Topropes nicht gern gesehen. Auch die Rücksichtnahme auf die Natur und speziell die Unversehrtheit der empfindlichen Felsen ist besonders ausgeprägt. Eine Übersicht der Regeln findet sich auf der Website des Sächsischen Bergsteigerbunds.

Besonderheiten

Die Frage ist eher, was im Elbsandstein nicht besonders ist. So gibt es besondere Klettertechniken (z.B. die „Überfälle“ genannten Bewegungen von Turm zu Turm), besondere Seilschafts- und Sicherungsmethoden oder auch eine eigene Schwierigkeitsskala. Die bekannteste Besonderheit dürften wohl die Knotenschlingen sein, die hier als (Zwischen)Sicherungen verwendet werden. Dabei handelt es sich um Bandschlingen, in die ein Knoten geknüpft wird, der dann anstatt eines metallenen Klemmkeils oder Friends in den Felsspalt oder Riss gelegt wird. Das Verfahren ist wohl begründet, denn metallene Klemmgeräte würden bei einem Fangstoß eher den Fels wegsprengen als den Stürzenden halten. Die Weiterentwicklung der Knotenschlinge ist das UFO. Es handelt sich hier nicht um ein Unbekanntes Felskletter Objekt, sondern um einen Klemmkeil, der in einer Tasche aus Gurtbandmaterial steckt. Nach vielen hitzigen Diskussionen hat man sich an das Ufo-Phänomen in Ostsachsen inzwischen gewöhnt.

Reiseinfos

Finder ihr in diesem Beitrag. Viele weitere Infos zu Anreise, Unterkunft und Aktivitäten finden sich auf Elbsandsteingebirge.de.

Kletterführer

Der Elbsandsteinführer, von Bernd Arnold, Panico Verlag

Tipp für die Planung

Auch hier sei wieder die Suchfunktion der DAV-Felsinfo empfohlen. Hier sind die Kriterien der Regengeschütztheit und des schnellen Trocknens besonders hilfreich, da im Elbsandstein das Klettern an nassen und feuchten Felsen verboten ist.

Donautal

Schroffe und leuchtend weiße Kalkmassive in beachtlicher Größe flankieren die junge Donau vor allem zwischen Beuron und Sigmaringen. Dieses Gebiet ist ein weiterer Klassiker mit tollem Ambiente, allerdings auch einigen sehr abgespeckte Routen in den unteren Schwierigkeitsgraden. Letzteres trübt den Gesamteindruck aber nur bei großem Andrang, denn ansonsten ist die Auswahl an festem und griffigem Gestein riesig. Die schöne Landschaft drum herum, das oft trockene Wetter und ein uriger Kletterer-Campingplatz in zentraler Lage sorgen vor allem im Sommer für  Urlaubsfeeling.

Gesteinsart/Kletterei

Es gibt viel kompakte Wandkletterei, oft plattig und gelegentlich mit Rissen und Verschneidungen. Kleine, bauchige Überhänge gibt es häufig, Dächer haben hingegen Seltenheitswert. Wenn man nicht gerade eine der blankpolierten Routen erwischt, klettert man meist an sehr rauen, festen und bisweilen scharfkantigen Löchern und Leisten. Bei manchem abgespeckten Vierer oder Fünfer kann  die Schwierigkeitsbewertung recht ambitioniert erscheinen, sodass Gebietsneulinge für den Anfang ruhig einen UIAA-Grad unter ihrem „normalen Können“ einsteigen sollten.

Bei beeindruckenden Wandhöhen von bis zu 120 m gibt es auch eine ganze Reihe Mehrseillängenrouten, die Einsteigern und Könnern des alpin angehauchten Kletterns sehr viel Freude bieten. Allerdings ist hier besonders rund um die Standplätze und Ausstiege der eine oder andere Stein locker, sodass ein Helm generell nicht schadet.

Die Absicherung ist umfassend, kann aber für weniger erfahrene oder ängstliche Kletterer bisweilen recht dünn wirken. Ein paar zusätzliche Keile und Friends helfen hier weiter.

Besonderheiten

Die Mischung macht‘s: die Felsklippen im Sonnenlicht erinnern an mediterrane Kletter-Hotspots, während das Drumherum mit seinen verwinkelten Tälern, bewaldeten Kuppen, malerischen Burgen und verwunschenen Ruinen an Idylle kaum zu überbieten ist.

Kletterregelung – was ist wo erlaubt?

Wie überall sonst auch gibt es einige Zonen mit temporären oder dauerhaften Sperrungen. Ansonsten sind lediglich ein paar der in stark frequentierten Gebieten eigentlich selbstverständlichen Anstandsregeln zu befolgen, wie die, dass die Wanderwege nicht verlassen werden. Regelmäßig aktualisierte Informationen hierzu veröffentlicht die ansässige IG-Klettern.

Reiseinfos

Da der Bahnhof Hausen in Gehweite des Campingplatzes Wagenburg und des Ebinger Hauses (Selbstversorgerhütte der DAhttp://www.ig-klettern-donautal.de/de/kletterfelsen/kletterregelung/V-Sektion Ebingen) ist, lässt sich die Anreise hier problemlos mit ÖPNV organisieren. Eine weitere Übersicht über die Felsen und Klettermöglichkeiten bietet neben der DAV-Felsinfo die Seite der IG-Klettern Donautal/ Zollernalb. Für genaue Routeninfos verweist die IG-Klettern auf die Routendatenbank von Climbing.de. Ein guter Einstieg ins Donautal inklusive vieler touristischer Infos ist dieser Artikel auf klettern.de.

Eine tolle Auswahl an 31 handgezeichneten Topos inklusive detaillierter Beschreibungen aus dem zentralen Bereich rund um die Hausener Klippen findet sich bei rocktopo.org (jpg- oder pdf-Version anklicken für gute Sichtbarkeit).

Kletterführer

Donautal + Zollernalb – Kletterführer, Panico Verlag

Südpfalz

Und schon wieder ein geschichtsträchtiger Klassiker mit viel Ambiente: die Südpfalz. Als größtes geschlossenes Waldgebiet in Deutschland wäre der Pfälzerwald auch ohne die vielen rötlichen Sandsteinformationen eine Besonderheit, doch er würde wohl kaum derart viele Kletterer, Wanderer und Naturgenießer aus dem In- und Ausland anziehen. Zwischen den Metropolen Pirmasens und Landau durchziehen rund um die französische Grenze um die 120 Sandsteintürme, 200 Klippen und zahllose Boulderblöcke die Baumwipfel.

Gesteinsart/Kletterei

Der Buntsandstein der Region bietet eine enorme Vielfalt von Klettereien in allen Schwierigkeitsgraden. Durch die oft waagerechte Schichtung des Gesteins finden sich hier viele ausladende Dächer und abenteuerliche Routenführungen. Auch die vielen wabenförmigen Verwitterungen mit ihren speziellen Griffen und Tritten sind eine Besonderheit der Pfalz. Vielfalt ist auch das Stichwort in Sachen Felsqualität: bombenfest und haarsträubend brüchig sind hier oft nur wenige Meter auseinander.

Die Absicherung genießt einen ähnlichen Ruf wie die des Elbsandsteins und kann mit „meist sparsam“ umschrieben werden. Klemmkeile und Friends sind unverzichtbar, wenn man nicht gerade ein Liebhaber langer Runouts ist. Allerdings ist auch dies keine allgemeingültige Regel: wenn man sucht, dann findet man hier auch in moderaten Schwierigkeitsgraden regelrechte Hakenleitern.

Besonderheiten

Auch die relativ strenge Kletterethik ähnelt der des Elbsandsteins, wobei es in der Pfalz in den letzten Jahren liberaler und pragmatischer zugeht, da ansonsten der Ausgleich vieler Interessen durch ideologische Grabenkämpfe blockiert wäre. So wird beispielsweise das Magnesiaverbot durchaus flexibel gehandhabt. Man soll eben so weit wie möglich drauf verzichten und nur in oberen Schwierigkeitsgraden sowie den frickeligen Kieselklettereien verwenden. Das hat auch gute Gründe, denn Magnesia schädigt auf Dauer die raue Sandsteinoberfläche.

Kletterregelung – was ist wo erlaubt?

Auf der Homepage der Vereinigung der Pfälzer Kletterer finden sich die „Richtlinien für sanftes Klettern im Naturpark Pfälzerwald“. Auch eine Liste der Sperrungen findet sich dort.

Reiseinfos 

Die meisten Felsen befinden sich in der Umgebung der Orte Dahn und Schindhard, beide an der von Karlsruhe nach Pirmasens führenden Bundesstraße 247 gelegen. Dorthin besteht auch Bahnanbindung.

Die erste Adresse in Sachen Unterkunft und Essen ist der mitten in der Felslandschaft nahe Schindhard gelegene Bärenbrunner Hof. Der uralte gegenwärtige Bio-Bauernhof ist Treffpunkt der Pfälzer Szene und bietet neben Ferienwohnungen und gutem Essen auch einen einfachen Zeltplatz. Des Weiteren gibt es in der ganzen Südpfalz eine breite Auswahl an Unterkünften.

Für den klettertechnischen Überblick sorgt die Vereinigung der Pfälzer Kletterer mit ihrer umfangreichen Tourendatenbank, die meist gute Fotos und detaillierte Routeninformationen zu sehr vielen Massiven und Felsen enthält.

Kletterführer

Kletterführer Pfalz, Panico Alpinverlag, 39,80 €

Schwarzwald – vom Battert zum Dreiländereck

Da auch beim Sporteln an kleinen Felsen das Ambiente zählt, gehört der Schwarzwald in diese kleine Auswahl mit herein. Zwischen Baden-Baden im Norden und Basel im Süden (wo der Basler Jura mit griffigem Kalk lockt) reihen sich die Klettergebiete wie eine Perlenschnur aneinander. Landschaftlich ist es hier meist besonders schön, vor allem in den hoch gelegenen, südlichen Gebieten rund um Freiburg. Hier wären vor allem das Gfäll bei Oberried und der Kandelfelsen unterhalb des Kandelgipfels zu nennen. Wintertauglich sind diese Massive mit ihren meist gut eingeschneiten Zugangswegen allerdings nur für Hartgesottene.

Beim wesentlich tiefer gelegenen Battert ist das etwas anders – hier können dank der überwiegenden Süd-Ausrichtung durchaus auch im Hochwinter passable Kletterbedingungen sein. Während man am Battert in den etwa 300 Routen alle Schwierigkeitsgrade vorfindet, sind die Gebiete im Südschwarzwald eher für die unteren und mittleren Grade bekannt.

Gesteinsart/Kletterei

Porphyr, Sandstein und sogar Granit: im Schwarzwald ist für Abwechslung gesorgt. Da die Geologie der Region durch den Oberrheingraben vulkanisch geprägt ist, sind im Schwarzwald Gesteinsarten vorherrschend, die ansonsten in Deutschland kaum vorkommen. Die Klettereien sind äußerst vielseitig, die Absicherung variiert sowohl von Gebiet zu Gebiet als auch innerhalb der Gebiete. Am Battert gibt es schöne Mehrseillängentouren mit alpinem Feeling, die Absicherung ist allerdings häufig ebenfalls ziemlich „alpin“.

Besonderheiten

Neben den besonderen Gesteinsmischungen ist die Einbettung vieler Klettergebiete in eine idyllische Umgebung eine weitere Spezialität des Schwarzwalds. Hinzu kommen unzählige Möglichkeiten, auch mal etwas anderes als Sportklettern zu machen, vor allem Wandern (z.B. den bekannten Karlsruher Grat), Mountainbiken, Paddeln oder Langlaufen.

Kletterregelung – was ist wo erlaubt?

In vielen Gebieten gelten spezielle Kletterregeln, Naturschutzgesetze und jahreszeitliche Felssperrungen, die meist vor Ort auf Schildern einzusehen sind. Zu den allgemeinen Regeln gehören, dass man Felsköpfe möglichst nicht betritt, temporäre Sperrungen (wegen Vogelbrut, etc.) respektiert und angelegte Zustiegswege nicht verlässt. Die Kletterregeln für den Battert sind auf Battertfelsen.de aufgelistet.

Reiseinfos

Im Südschwarzwald sind die meisten Felsen mit ÖPNV und einem mehr oder weniger langen  Fußmarsch zu erreichen. Mit dem Auto kommt man meist wesentlich näher an die Felsen heran. Der Battert erfordert sowohl mit ÖPNV als auch mit Auto nur einen kurzen Fußmarsch.

Überall im Schwarzwald finden sich Campingplätze, Pensionen, Jugendherbergen, Naturfreundehäuser und Hotels. Weitere Infos finden sich bei der Schwarzwald Tourismus GmbH.

Informationen zu den Gebieten und Felsen rund um Freiburg gibt es bei der IG-Klettern Südschwarzwald, für den gesamten Schwarzwald bei der DAV-Felsinfo

Kletterführer

Unser Versandversprechen zu WEihnachten 2017

Unser Versandversprechen zum Fest

8. Dezember 2017
Die Bergfreunde

Guten Morgen! Ja, ich meine Dich, Du Schlafmütze. Weihnachten steht vor der Tür und wenn Du Deinen Lieben etwas Gutes tun willst, dann wird es langsam Zeit, sich um Geschenke zu kümmern. Damit das auch alles rechtzeitig zum Fest klappt, haben wir noch ein paar Infos für Dich, was Du beachten solltest, wenn Dein Geschenk bergfreundig sein soll.

Garantierter Versand bis…

Die erste und wichtigste Frage: Bis wann muss ich eigentlich bestellen, damit die Sendung noch rechtzeitig da ist? Nun, die Antwort ist relativ leicht: Am besten gleich! Solltest Du Dir trotzdem noch etwas Zeit lassen wollen, können wir Dir versprechen, dass wir Bestellungen aus Deutschland, die bis zum 22.12. um 6 Uhr morgens bei uns einlaufen noch fristgerecht an DHL übergeben. Bei Bestellungen aus der Schweiz und Österreich gehen Bestellungen bis zum 18.12.2017 um 12 Uhr fristgerecht in den Versand.

Wichtig zu erwähnen: Wir können Dir zwar versprechen, die Pakete rechtzeitig an die DHL zu übergeben, die Zustellung liegt allerdings in deren Händen und dafür können wir leider keine Garantie übernehmen.

Weil wir hier immer von fristgerecht sprechen: DHL gibt uns einen „letzten Abgabezeitpunkt für eine vorweihnachtliche Zustellung“, dem wir mit unserem Versandversprechen gerecht werden.

Die zweite Frage: Gilt das für alle Bestellungen? Auch hier gibt’s eine klare Antwort: Leider nicht. Ausgenommen sind:

  • Bestellungen per Vorauskasse, da hier natürlich noch die Tage bis zum Geldeingang hinzu kommen
  • Sperrgut-Bestellungen. Diese können unter Umständen länger dauern, da Sperrgut nicht automatisiert versandt wird.

Passt nicht, gefällt nicht! Bis wann kann ich Geschenke zurückgeben?

Es liegt in der Natur der Sache, dass Geschenke auch mal nicht gefallen – gerade wenn der oder die Beschenkte keine eigenen Wünsche äußert (an dieser Stelle einen schönen Gruß an meine Eltern). Aber natürlich kann auch die Passform nicht stimmen oder ein anderer Grund ist dafür verantwortlich, dass Geschenke wieder den Weg zurück in unser Lager finden.

Natürlich hast Du – wie bei allen anderen Bestellungen auch – 30 Tage Zeit, alles ausgiebig anzuprobieren und zu begutachten. In unseren AGBs findest Du unter Paragraph §8 alle weiteren Infos zum Rückgaberecht. Oder du besuchst unsere Retouren-Infoseite, wo alle wichtigen Infos zusammengefasst sind.

Gut zu wissen: Kommentare verzögern den Versand

Noch eine nicht ganz unwichtige Info zum Schluss: Zwar freuen wir uns, wenn Du uns einen schönen Gruß im Notizfeld der Bestellungen hinterlässt, Deine Bestellung verzögert das aber, weil wir jede Notiz von einem Kundenservice-Mitarbeiter überprüfen lassen. Wenn also wirklich pressiert, verzichte lieber auf ein paar nett gemeinte Worte und schicke uns lieber direkt eine Email. Oder gleich ein Paket mit Schokolade. Die mögen wir hier sehr! ;)

Sodale, ich hoffe, nach der Lektüre dieses Beitrags bist Du ausreichend informiert. Falls Du dennoch Fragen haben solltest, zögere bitte nicht uns zu kontaktieren.

Speed - schnell unterwegs am Berg

Speed – schnell unterwegs am Berg

7. Februar 2018
Die Bergfreunde

Die im Führer angegebene Gehzeit unterschreiten – um vieles. An einer langen Schlange von aufsteigenden Wanderern oder Skitourengehern im schnellen, aber gleichmäßigen Rhythmus vorbeiziehen. Stehend abfahren im Geröll mit langen Schlittschuhschritten, während sich daneben eine Gruppe langsam und vorsichtig über den steilen Schotterweg hinabmüht. Der beeindruckende Zeitunterschied vom ersten mühsamen Aufstieg ins Hochlager an einem hohen Berg bis zum raschen Aufstieg mit guter Akklimatisation dank häufiger Auf- und Abstiege mit Gepäcklast.  Im spielerischen Wettlauf gegen die Seilgefährten von einem Block zum anderen springen und die beste und schnellste Abstiegsroute finden durch die chaotisch ineinander verkeilten Granitblöcke …

Es gibt viele Arten des schnellen Unterwegsseins in den Bergen, bei denen man viel Spaß haben kann, ohne direkt an Bergläufen, Ultra Trails oder Skitouren-Rennen teilzunehmen.

Geschwindigkeit als Sicherheitsaspekt

Schnell in den Bergen unterwegs zu sein macht viel Spaß, vor allem, wenn man top trainiert ist und noch keine Knieprobleme kennt. Man fühlt sich stark, bei schnellem Klettern im Fels oder bei technisch schwierigen Abstiegen in Rekordzeit sieht man sich fast schon als Artist und freut sich über seine Leistungsfähigkeit. Darauf darf man stolz sein.

Vor allem wenn man sich zusätzlich die Aufgabe stellt, im steilen Geröll beim raschen Auf- oder Abstieg keinen einzigen Stein loszutreten. Schnelle Auf- und Abstiege stehen für gutes Training, viel Erfahrung und jenes wunderbare Gefühl von Leichtigkeit am Berg, das einen manchmal fast besoffen machen kann vor Glück. Der Fachbegriff dafür heißt Flow.

Dies umso mehr, weil wirklich jeder die schlechten und zähen Tage am Berg kennt, wenn man sich – mangels Training, mangels Akklimatisation, wegen einer nicht auskurierten Erkältung, wegen Stress im Beruf oder was auch immer – „auffi quälen“ muss. Wenn nichts vorangeht, wenn man erstmals an einer Route abschmiert, die man schon x-mal vorgestiegen ist oder wenn man auf einer Skitour heftig keuchend in den Stöcken hängt, obwohl man langsam aufgestiegen und noch nicht lange unterwegs ist. Oder wenn man bei einer ganz normalen Wanderung mit knallroter Birne hinterher hechelt. Dann, ja dann, hat man wirklich keinen guten Tag erwischt!

Hinzu kommt, dass Zeit ein wichtiger Sicherheitsfaktor in den Bergen ist. Die Gehzeit spielt eine wesentliche Rolle bei allen Aktivitäten am Berg. Zum einen bietet die Gehzeitangabe im Führer eine wichtige Information zur persönlichen Tourenplanung daheim. Zum anderen ist sie ein Indiz für die eigene Leistungsfähigkeit und darüber, was man sich zutrauen darf oder nicht.

Für die Tourenplanung ist allerdings immer die aktuelle oder durchschnittliche Leistungsfähigkeit des Langsamsten der Gruppe ausschlaggebend – und nicht die eigene Bestleistung.
Das Einhalten der angegebenen Gehzeit und der eigenen Zeitplanung mit Puffer ist wichtig – vor allem im Hochgebirge. Nachmittags sind die Gletscher, Eiswände oder Mixed-Routen bei intensiver Sonneneinstrahlung wesentlich gefährlicher als frühmorgens, wenn Schnee und Eis noch beinhart gefroren sind.

Gewitter kommen wesentlich häufiger am Nachmittag vor, als am frühen Morgen. Und ein Abstieg im Dunkeln mit Stirnlampe macht weniger Spaß als bei Tageslicht. Wenn der nächtliche Abstieg dann trotz Stirnlampe zu schwierig oder schwer zu finden ist, dann muss man ungeplant biwakieren. Das kann trotz Biwaksack – je nach Witterungsverhältnissen und Exposition – ziemlich unangenehm werden.

Schnelligkeit am Berg ist also normalerweise ein Plus an Sicherheit. Sie kann aber auch lebensgefährlich werden, beispielsweise wenn man sich als Normalbergsteiger für die Akklimatisation an einem höheren Berg nicht genügend Zeit nimmt. Oder wenn das Tempomachen unterwegs auf Kosten der Trittsicherheit geht und derjenige abstürzt. Oder wenn im direkten Wettrennen zweier gestresster Bergsteiger der eine nicht mehr mithalten kann, stürzt oder kollabiert.

Speed-Bergsteigen

Schnelligkeit ist zudem ein leicht nachvollziehbarer Gradmesser, mit dem man die eigene Leistung besser verdeutlichen kann. Speed-Besteigungen von berühmten Bergen oder Wänden sind und waren daher schon immer in: Top-Athleten demonstrierten so auf berühmten Routen oder an hohen Bergen im Himalaya ihre sonst oft kaum mehr vermittelbare Überlegenheit gegenüber anderen Bergsteigern. Es sind die Superlative, die die Menschen interessieren. Ob Kilian Jornet am Everest, Kilimandscharo oder beim Ultra Trail du Mont Blanc, die Huber-Buam mit ihren herausragenden Speedbegehungen im Yosemite – immer geht und ging es um Rekordzeiten.

Die Eiger-Nordwand als Maßstab

Wenn einer wie der Schweizer Ueli Steck den Geschwindigkeitsrekord auf der klassischen Heckmair-Route in der Eiger Nordwand pulverisierte, dann verstand auch die breite Öffentlichkeit, was die modernen Profis heutzutage leisten können. Den Mythos der 1800 m langen Eiger Nordwand und die Geschichte(n) und Tragödien um ihre Erstbesteigung, kennen sehr viele Nichtbergsteiger.

Schwerer Riss, Hinterstoißer-Quergang, Todesbiwak, Götterquergang, Spinne, Ausstiegsrisse – das sind Begriffe, die auch Nichtbergsteigern vertraut sind, wenn sie sich für die Berge interessieren. Zwar müssten diese auch wissen, dass die Ausrüstung inzwischen viel leichter und wesentlich besser geworden ist als früher und es stark auf die Verhältnisse in der Wand ankommt. Dennoch ist der unfaire Vergleich viel beeindruckender, wenn man weiß, dass die Erstbegeher 1938 für die Route zwei Biwaks, (Anderl Heckmair, Ludwig Vörg), also drei lange Tage, und die andere Seilschaft drei Biwaks, also insgesamt vier Tage zur Routenfindung und Begehung der Route im vereisten V. Grad brauchten.

Das langsamere österreichische Team aus Fritz Kasparek und Heinrich Harrer hatte bereits einmal biwakiert, bevor sich alle vier zu einer Seilschaft zusammenschlossen. Wegen der vielen Quergänge beträgt die reale Kletterstrecke der Heckmair Route rund vier Kilometer im oft vereisten brüchigen Fels und den Eisfeldern.

Reinhold Messner und Peter Habeler zeigten bereits 1974 ihre Klasse und durchstiegen die lange berühmte Nordwand in knapp zehn Stunden. Thomas Bubendorfer und Reinhard Patscheider schafften es 1983 jeweils allein in unter fünf Stunden und 2003 brauchte der Südtiroler Bergführer Christoph Hainz im Alleingang nur noch 4,5 Stunden. Und dann kam Ueli Steck: Bereits im Alter von 18 Jahren stieg Ueli Steck zum ersten Mal durch die Eiger Nordwand und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem der besten und schnellsten Bergsteiger der Welt.

Ab 2007 jagten Ueli Steck und sein Freund, der Extrembergsteiger Dani Arnold, einander als Alleingeher jeweils den Durchsteigungsrekord ab. Für die beiden war die Heckmair-Route eher eine Joggingtour an ihrem Hausberg als eine heikle Kletterei wie Steck einmal in einem Interview sagte.

Ende 2015 rannte Ueli Steck, der am 30. April 2017 bei einer Akklimatisationstour am Lhotse tödlich verunglückte, in 2 Stunden 22 Minuten durch die Wand und holte sich seinen Rekord wieder zurück. Am Beispiel der Begehungszeiten der Heckmair Route versteht jeder, was damit verdeutlicht und erklärt werden soll. Die Route Young Spider in der Nordwand (1800 Hm bis zu 7a/A2 im Fels, WI 6 im Eis und M7 im Kombi-Gelände), die Ueli Steck an fünf eisigen Tagen in der Wand als zweite Begehung überhaupt und als Winter-Soloerstbegehung gelungen war, dürften nur extreme Alpinisten kennen oder Spezialisten, die sich zumindest vorstellen können was diese Schwierigkeitsbewertungen „in natura“ bedeuten. Die breite Öffentlichkeit kann mit solchen Beschreibungen der Schwierigkeitsgrade nichts anfangen.

Wer als normaler Kletterer oder Bergsteiger ohne das immense Trainingspensum und die Erfahrung eines Profibergsteigers „light and fast“ und womöglich als Solokletterer im Absturzgelände unterwegs sein will, der muss schon wissen, was er tut und sich darüber im Klaren sein, dass selbst Profis abrutschen können. Schnell unterwegs zu sein macht mächtig Spaß, kann aber auch zur Droge werden. Man muss selbst das richtige Maß finden und viel trainieren.

€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.