Die Bergfreunde sind klimaneutral – was das genau bedeutet

3. März 2020

Es ist nicht von der Hand zu weisen: das Thema Nachhaltigkeit spielt in der Outdoor-Industrie gerade eine zentrale Rolle. Das ist ja auch nahe liegend, denn unsere Branche brüstet sich nur allzu gerne mit Naturverbundenheit, da sollte der Schutz eben dieser Natur doch mindestens eine wichtige Prämisse im Handeln der Outdoor-Firmen sein.

Und auch wir werden von unseren Kunden und Bergfreunden immer öfter gefragt: Was genau tut ihr als Bergfreunde eigentlich? Auf diese Frage haben wir nun eine sehr konkrete Antwort gefunden. Die Bergfreunde sind seit Ende 2019 klimaneutral bzw. klimaneutralisiert. Was genau das heißt und wo wir uns sonst noch stark machen, das erfahrt ihr in diesem formschönen Blogartikel.

Die Sache mit dem CO2

Wenn wir von Nachhaltigkeit und Umweltschutz reden, ist der Klimawandel sicher eine DER zentralen Herausforderungen unserer Generation. Die Wirkung von CO2 und anderen Treibhausgasen auf die Erderwärmung ist unumstritten und Lösungen sind gefragt. Wie schaffen wir es, unseren CO2-Ausstoß zu reduzieren oder gar komplett zu vermeiden?

Genau diese Frage haben wir uns im letzten Jahr auch gestellt und uns dafür entschieden, ein klimaneutrales Unternehmen zu werden – und das sogar rückwirkend. Wir mussten allerdings feststellen, dass das gar nicht so einfach ist.

Wie wird man ein klimaneutrales Unternehmen?

Die Antwort auf diese Frage scheint zunächst relativ einfach: In dem man alle CO2-Emissionen reduziert und letztlich verhindert. Über die letzten Jahre haben wir unseren gesamten CO2-Ausstoß durch verschiedene Maßnahmen schon um ein gutes Stück senken können:

  • Eine Photovoltaik-Anlage auf unserem Standort in Kirchentellinsfurt speist uns mit regenerativer Energie
  • Alles, was wir zusätzlich an Strom brauchen, beziehen wir zu 100% aus ökologischen Quellen
  • Durch eine Kartonzuschneidemaschine versenden wir bei einem sehr großen Teil der Bestellungen weniger Luft und können so LKWs effizienter beladen, was den CO2-Abdruck unseres Versands deutlich optimiert.
  • Mit der Einführung von JobRad kommen mehr und mehr Kollegen mit dem Rad

Wir mussten allerdings auch feststellen, dass es Emissionen gibt, die nicht so einfach aus der Gleichung zu streichen sind. Einige Kollegen haben lange Anfahrtswege und natürlich ist da der große Elefant im Raum: Der Versand und Rückversand unserer Ware. Eine Kompromisslösung muss also her. Und die heißt CO2-Kompensation.

CO2-Emissionen kompensieren – wie funktioniert das?

Das Gute bei der ganzen CO2-Problematik: Dem Klima ist es erstmal egal, wo genau die Treibhausgasemissionen entstehen. Oder wo sie eingespart werden. So können wir unseren Ausstoß, den wir gegenwärtig noch nicht reduzieren können, an anderer Stelle ausgleichen.

Damit das Ganze auch Hand und Fuß hat, haben wir uns einen Partner an die Seite geholt, der sich mit dem Thema auskennt. Mit dem Unternehmen ClimatePartner haben wir unseren Verbrauch gemessen, zurückgerechnet und Projekte heraus gesucht, mit denen wir unseren CO2-Ausstoß ausgleichen können – und zwar rückwirkend bis zu unserer Gründung im Jahre 2006.

Bei den Kompensationsprojekten haben wir darauf geachtet, nur solche auszuwählen, die dem hohen Gold-Standard für Klimazertifikate entsprechen, der vom WWF und 40 anderen NGOs entwickelt wurde. Zusätzlich dazu sind alle Projekte TÜV-zertifiziert.

Außerdem wichtig für uns: Entwicklungshilfe sollte bei den Projekten ebenfalls eine Rolle spielen. Und so stand nach kurzer Recherche fest, welche Initiativen wir mit unserem Kompensationsbeitrag unterstützen würden:

  1. Saubere Kochöfen in Peru: Ein großer Teil der Landbevölkerung Perus kocht noch auf offenem Feuer – und das in den Wohnräumen, denn das Feuer dient dort gleichzeitig als Wärmequelle. Das Projekt Qori Q’oncha leitet die Peruaner an, energieeffiziente Öfen zu bauen, die deutlich weniger CO2 emittieren. Dank eines Abluftsystems sammeln sich zudem keine schädlichen Gase mehr in den Häusern.
  2. Windparks in der Türkei: Die Türkei ist eines der Länder, in denen der Anteil an erneuerbaren Energien noch sehr gering ist. Das Potenzial für Windkraft und Co. ist dementsprechend groß. Durch den Ausbau von Windparks werden Treibhausgase sukzessive aus der Gesamtrechnung gestrichen
  3. Wasserfiltersysteme für Kambodscha: Vor allem die Landbevölkerung in Kambodscha kocht ihr Trinkwasser noch über offenem Feuer ab. Das dortige Projekt versorgt die Menschen mit Wasserfiltersystemen, so dass offenes Feuer gar nicht mehr nötig ist. Auch so werden CO2 und andere Treibhausgase schnell und zuverlässig verhindert.

Seid ihr jetzt wirklich klimaneutral?

Wie schon erwähnt, sind wir am Ende des Tages nicht zu 100% klimaneutral. Das ist aus den bereits beschriebenen Gründen rein praktisch noch nicht möglich. Der Begriff klimaneutralisierend trifft den Kern der Sache deutlich besser, denn eine Kompensation kann letztlich auch nur ausgleichen und nicht aktiv vermindern. Das können nur wir selbst tun. Und das wollen wir in den nächsten Jahren tun. 

Wir werden weitere Maßnahmen ergreifen, um unseren CO2-Ausstoß zu senken und uns auch anderen Themen, wie z.B. der Verpackung unserer Produkte widmen. Denn auch das ist Teil eines umfassenden Nachhaltigkeitskonzepts. 

Wir sind gespannt, was die Zukunft für uns und die Branche bringt. Denn ein wenig Vorreiter wollen wir mit unserem Engagement natürlich auch sein. Wir hoffen auf viele Nachahmer und wir hoffen, dass ihr diesen Weg mit uns beschreitet. 

Mit Hilfe unserer ClimatePartner-ID 13467-1912-1001 kannst du dir übrigens ganz einfach selbst ein Bild unserer Kompensationsmaßnahmen machen.

Unsere Urkunde von ClimatePartner

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Kai Zacharias sagte am 21. April 2020 um 07:30 Uhr

    Es handelt sich um eine Milchrechnung. Die Ohotovoltaikanlage ist nicht klimaneutralisierend, weil sie schon mit einer Negativbilanz entsorechend ca 17 Jahre Betriebsdauer aufs Dach kommt. Die Kochöfen in Peru sich selbst anzurechnen bedeutet, den Peruanerinnen zu verwehren, ihren Ofenfortschritt als eigenen Klimaschutzbeitrag anzusehen. Denn rechnerisch schreibt sich Bergfreunde den Klimaeffekt aufs Konto.
    Klimaschutz geht mit Photovoltaik ab Betriebsjahr 18 (dort bin ich jetzt), vergleichbares gilt für anderen grünen Strom, Wassersparen durch zB Regenwassereinsatz für WC Spülung und Umstellung der Wärmegewinnung auf Solarthermie und Holz. So mache ich es, allerdings ohne anderen weiszzmachen, ich sei klimaneutral.

  2. Jörn sagte am 28. April 2020 um 13:47 Uhr

    Hi Kai,

    danke für deine kritische Anmerkung. Ich habe gerade etwas recherchiert und so wie es sich für mich darstellt, kommt es bei Photovolatik-Anlagen vor allem darauf an, wie sie gefertigt werden und wie viel Energie die Anlage produziert. Laut den Daten des Frauenhofer Instituts liegt die Energy Payback Time für kristalline Silikon-Module aktuell bei 0,7 bis 2 Jahren. Der „schlechteste“ Wert, den ich finden konnte lag bei knapp über drei Jahren. Ich verlinke dir mal den Report: https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/Photovoltaics-Report.pdf

    Was für eine Anlage wir haben und wie viel sie aktuell produziert, kann ich gerade nicht nachvollziehen, da ich leider im Homeoffice sitze :/

    Was die Kochöfen angeht: Die Sichtweise kann ich verstehen, allerdings muss man auch anrechnen, dass ohne das u.a. von uns finanzierte Projekt, die Kochöfen vor Ort gar nicht erst ermöglicht werden würden. Natürlich darf man das in der Aufsummierung nachher nicht doppelt rechnen, aber das sagen wir auch nicht: Es geht lediglich darum, dass die Einsparung, die in Peru entstehen unsere Emission kompensiert. Und das ist eine andere Rechnung.

    Ich persönlich finde übrigens das Wort klimaneutralisierend, wie wir es auch im Text stehen haben, in dem Zusammenhang etwas präziser, als „klimaneutral.“

    Liebe Grüße, Jörn

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