Die „bekanntesten“ Fernwanderwege Deutschlands

20. November 2018

Sportart

Das Netz an Wanderwegen in Deutschland soll etwa 190.000 km lang sein. Wer das alles abwandert, hat knapp viermal die Erde umrundet. Da sieht selbst das Deutsche Autobahnnetz mit seinen läppischen 13.000 Kilometern alt aus. Zudem kommt man auf den Wanderwegen ohne Stau und Baustellen voran. Ist das nicht schon ein guter Grund, die Schuhe zu schnüren?

Auf jeden Fall, doch vorher gibt es noch ein paar Fragen zu klären. Wie viele dieser unzähligen Wege sind Fernwanderwege? Ab wann gilt überhaupt ein Weg als echter FERNwanderweg? Und ist das dann das Gleiche wie ein Weitwanderweg? Die Begriffe werden ja häufig synonym verwendet.

Der Alpenverein definiert zur Abgrenzung des Weitwanderwegs von anderen Wegebezeichnungen „eine Mindestlänge von 300 Kilometern sowie einen Verlauf durch mindestens drei Bundesländer/Kantone“. Zum Fernwanderweg wird ein Weg laut Alpenverein, wenn er 500 km oder länger ist und durch mehrere (Bundes-)Staaten verläuft.

Manche der bekanntesten Fernwanderwege in Deutschland wären demnach kein echter FERNweg, einige davon sind sogar kürzer als 300 km. Nimmt man die 500 km Marke als Maßstab, bleibt kaum noch einer übrig. Nicht einmal der „Goldsteig“, der zwar 660 km lang ist, aber keine Bundesgrenze überschreitet. Vielleicht hängt die Messlatte des Alpenvereins ja etwas hoch. Hängt man sie allerdings zu tief und betrachtet jeden ausgewiesenen Wanderweg mit mehr als einer Tagesetappe als Fernwanderweg, wird es ziemlich unübersichtlich. Die Liste an solchen Wanderwegen ist nämlich sehr lang …

Woher kommt der Fernwandertrend?

Vor der eigenen Haustüre gibt es so viel zu entdecken.

Warum auch in das Ausland reisen, wenn es doch vor der eigenen Haustüre so viel zu entdecken gibt.

Den meisten der immer zahlreicheren Fernwanderer in Deutschland dürfte egal sein, welcher Kategorie der Weg, auf dem sie gerade gehen, definitionsgemäß korrekt angehört. Die wachsende Zahl an Fernwanderbegeisterten bestärkt wiederum Tourismusregionen und Wandervereine noch mehr Wegabschnitte zu mehrtägigen oder gar mehrwöchigen Routen auszubauen und professionell zu promoten. So gibt es mittlerweile zu zahlreichen Fernwanderwegen eigene Websites, die reichlich Infos zu besonderen Orten und wanderfreundlichen Unterkünften bieten. Hinzu kommen Marketingplattformen mit „Dachmarken“ wie „Top Trails of Germany“.

Auch an der Infrastruktur wird gefeilt. So warten immer mehr Wege mit „Trekkingplätzen“ auf. Damit sind Grill- und Feuerstellen entlang der Wege gemeint, die als Zeltübernachtungsplätze ausgewiesen sind oder zu solchen ausgebaut wurden.

Doch Förderung und Marketing allein können nicht der Grund sein, warum so viele Leute mitten in Deutschland auf Weit- oder Fernwanderung gehen. Denn mal ehrlich: klar hat Deutschland eine erstaunliche Menge an prallen Landschaftseindrücken und -stimmungen zu bieten, manchmal nur wenige Kilometer hinter Autobahn und Gewerbegebiet. Doch ist das im Vergleich zu anderen Weltregionen nicht eher eine lauwarme Erlebnissuppe? Es lässt sich schließlich nicht abstreiten, dass die ganz großen visuellen Wow-Momente in deutschen Mittelgebirgswäldern und Feld-Wald-Wiese-Landschaften eher selten sind. Da können auch Werbung und Marketing nicht viel aufhübschen.

Vielleicht brauchen sie das auch gar nicht, denn das Interesse scheint schon „von allein“ da zu sein. Zumindest wenn man nach dem Erfolg der zahlreichen Wanderbücher von Prominenten, Stars und Sternchen geht. Diese befeuern ebenfalls den Trend, zusammen mit der wachsenden Zahl an euphorischen Berichten in Magazinen, Portalen und Blogs. Berichtet wird da längst nicht mehr nur von Jakobsweg und Alpenüberquerungen, sondern eben gerade auch von Wegen bei uns vor der Haustür, in vermeintlich unspektakulären Gegenden wie Sauerland, Westerwald und Harz.

Viele nennen das innere Erleben als den ausschlaggebende Erfahrung des Fernwanderns.

Warum das Fernwandern immer beliebter wird? Vermutlich liegt es an der ganzheitlichen Erfahrung von Lebendigkeit.

Es muss also mehr hinter der Attraktivität der Fernwanderwege stecken. Vielleicht ist es ja das innere Erleben. Das spielt beim Fernwandern eine deutlich größere Rolle als beim Tageswandern. Viele der begeisterten Berichte im Netz beschreiben vor allem innere Prozesse und inneres Erleben statt großer äußerer Schauwerte. Nicht Wenige beschreiben das Fernwandern als eine ganzheitliche Erfahrung von besonderer Lebendigkeit, die im heutigen Alltagsleben kaum noch vorhanden ist. Vielleicht ist der Fernwandertrend tatsächlich so etwas wie die moderne Pilgerfahrt…

Was sind die bekanntesten Wege?

Wie soll man aus der Vielzahl nun die bekanntesten Routen der neuen Pilgerbewegung heraussuchen? Gibt es überhaupt „die“ Bekanntesten“? Oder ist das nicht ähnlich schwer zu fassen wie „die Besten“ oder „die Schönsten“? Die Fragen kann bestenfalls jemand beantworten, der schon viele Fernwanderwege gegangen ist. Der Wander- und Minimalismusexperte Christof Herrmann ist so jemand. In seinem Blog einfachbewusst.de beschreibt er Fernwanderungen in Deutschland und Europa und regt auf überzeugende Weise zu einem einfachen und natürlichen Lebensstil an. Netterweise hat er mir folgende drei Fragen beantwortet:

Was sind deine persönlichen Highlights und Empfehlungen?

Ich kenne natürlich nur einen kleinen Teil der Fernwanderwege Deutschlands, aber den Fränkischen Gebirgsweg, den Albsteig, den Goldsteig, den Hochrhöner und den Heidschnuckenweg kann ich empfehlen, weil sie tagelang durch schöne Naturlandschaften und Mittelgebirge führen.

Wie sieht es mit dem „Bekanntheitsgrad“ von Wegen aus?

Die bekannten Wege sind zuweilen so bekannt, da sie mit viel Geld von Tourismusverbänden gepusht werden. Oft gefallen mir die kleineren Wege besser. Wie der Nurtschweg, auf dem wir tagelang keine anderen Wanderer gesehen haben.

Wie kann man einen schönen Fernwanderweg finden, wenn man nicht einfach irgendeiner subjektiven Empfehlung folgen will?

Die von wanderbares-deutschland.de zertifizierten Wege sind meist gehenswert und ein guter Anhaltspunkt.“

Die Websiten geben Aufschluss über den Weg.

Um den richtigen Weg zu finden, kann man auf einige der zahlreichen Websiten zurückgreifen.

Fernwander-Vorschläge

Da es so viele Fernwanderwege gibt, ist es eine eher schwierige und willkürliche Angelegenheit daraus „die Bekanntesten“ herauszufiltern. Deshalb übernehme ich einfach mal die Vorschläge von Christof Herrmann und runde sie mit zwei persönlichen Zusatztipps ab, um etwas mehr kartographische Verteilung über unser schönes Heimatland zu schaffen. Der Erste führt in den hohen Norden und sorgt dafür, dass die einzigartige deutsche Küste nicht vernachlässigt wird. Doch wir sind ja nicht die „Küstenfreunde“, deshalb müssen hier natürlich auch die „richtigen“ Berge rein – im zweiten Zusatztipp, der in den ganz tiefen Süden Deutschlands führt.

Den Anfang macht ein dritter Zusatztipp, weil er der Älteste und wohl auch Bekannteste von allen Fernwegen ist. Und vom Rennsteig hat schließlich jeder schonmal irgendwo gehört. Oder? Falls du tatsächlich noch nichts vom Rennsteig mitbekommen haben solltest, kannst du diese peinliche Wissenslücke jetzt schnell und diskret schließen, indem du der Website des Rennsteigs einen Besuch abstattest.

Fränkischer Gebirgsweg

In einem wilden Zickzack führt der Fränkischen Gebirgsweg auf etwa 420 Kilometern durch den Naturpark Frankenwald, das Fichtelgebirge, die Fränkische Schweiz und die Frankenalb. Der Wanderweg führt „über einige der stattlichsten Gipfel Frankens und vermittelt eindrucksvolle Landschaftsimpressionen und vielfältige Naturerlebnisse. Kulturelle Sehenswürdigkeiten wie in Bayreuth, Pottenstein oder Waldsassen liegen direkt an der Strecke.

Albsteig

Bei dieser Auswahl sollte hoffentlich für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Bei dieser Auswahl sollte hoffentlich für jeden Geschmack etwas dabei sein. Also worauf noch warten? Stift und Papier gezückt und schon kann das Fernwander-Abenteuer in Angriff genommen werden.

Immer entlang am Albtrauf, der nördlichen Kante der schwäbischen Alb, führt der Albsteig mit seinen vielen weitläufigen Aussichten. Der auch als HW1 bezeichnete Weg führt auf über 350 Kilometern von Donauwörth bis Tuttlingen. Der Schwäbische Alb-Nordrand-Weg ist über 100 Jahre alt und damit einer der echten Klassiker unter den Fernwanderwegen. Viele seiner Abschnitte verlaufen auf naturbelassenen Pfaden.

Goldsteig

Mit seinen 660 Kilometern ist der Goldsteig offiziell der Längste unter den ausgewiesenen Fernwanderwegen Deutschlands. Auf ihm erkundet man zwischen Marktredewitz im Norden und Passau im Süden die vielfältigen und beeindruckenden Mittelgebirgslandschaften von Oberpfälzer Wald und Bayerischem Wald. Man kann am Goldsteig zwischen zwei Varianten wählen und unterwegs viel erleben. So lassen sich beispielsweise an einem Tag die Achttausend vollmachen, genauer, über acht Tausender wandern.

Hochrhöner

„Durch das Herz Deutschlands über die Ländergrenzen von Bayern, Hessen und Thüringen hinweg“ verläuft der Hochrhöner, dessen Name ein eingetragenes Markenzeichen ist. Seine 180 km führen in 8 oder 9 Etappen (je nach Variante) über die Kuppenrhön (9 Etappen) oder das Plateau der Hochrön (8 Etappen). Er verbindet schöne Mittelgebirgslandschaften mit kulturellen Höhepunkten wie dem Franziskanerkloster auf dem Kreuzberg, dem Segelflugzentrum auf der Wasserkuppe oder Bad Salzungen mit seinen Fachwerk-Gradierbauten.

Aus der Vielzahl an Fernwanderwegen haben wir ein paar zum Vorschlag.

Das Hauptziel bei einer Fernwanderung? – Die Natur und Umgebung genießen!

Ostseeküstenweg

Maximiliansweg

Wer jetzt aber denkt, dass damit genug ist, der täuscht sich, denn wir haben mal ein paar unserer Blogger gefragt, wo es noch ein paar Fernwander-Schmankerl zu entdecken gibt.

Was meinen unsere Bergfreunde-Blogger?

Der Moselsteig

Björn Ahrndt von bergtouren-im-allgäu.de empfiehlt besonders gerne den Moselsteig in Rheinland-Pfalz, da dieser Wandern mit Kultur und Genuss verbindet. Mit seinen 6 Etappen ist der Grenzgänger im Naturschutzgebiet Bad Hindelang „Heimat pur“ für ihn.

Wanderbares Franken

Neben Natureindrücken wird man bei Fernwanderungen auch kulturell und kulinarisch verwöhnt.

Neben den Natureindrücken kommen bei einer Fernwanderung oftmals auch die Kultur und lokale Küche nicht zu kurz.

Laut Thomas Harrer von mehr-berge.de ist Franken definitiv eine Wanderreise wert. Nicht nur der zuvor genannte Frankenweg lohnt sich seiner Meinung nach, sondern auch der Altmühl-Panoramaweg oder der neue „Seeländer“. Neben fränkischer Gastlichkeit (nicht nur bei Schäuferla und Kloß) bieten die Wanderwege abwechslungsreiche Landschaften an der Altmühl und im noch jungen Fränkischen Seenland. Auch die einfache Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln sprechen sich für eine Wanderung in Franken aus – und haben wir schon das gute fränggische Bier erwähnt?

Der Salzalpensteig

Stefanie Dehler, die auf der Seite gipfel-glueck.de schreibt, schwärmt für den Salzalpensteig und seine Salzalpenwege, auf die man in ihren heimischen Chiemgauer und Brechtesgadener Alpen trifft. Ihr Ziel: „Irgendwann gehe ich mal alle 18 Etappen mit den 10.333 Höhenmetern.“

Der Westweg

Sven Giersig, dessen Arbeit man auf aufundab.eu bewundern kann, empfiehlt den Westweg im Schwarzwald. Sein Prädikat: „Gar nicht so ohne!“

Der Nord-Ostsee-Wanderweg

Wer jetzt aber doch nochmal ein bisschen Meerluft schnuppern möchte, der sollte sich laut Jens von hiking-blog.de von Küste zu Küste auf den Nord-Ostsee-Wanderweg begeben. Obwohl Jens einige Teilstücke des Nord-Ostsee-Wanderwegs verflucht hat, war die Wanderung von der Nordsee zur Ostsee durch Schleswig-Holsteins Mittel ein besonderes Erlebnis für ihn: Die weite, flache Landschaft hat ihren ganz besondern Reiz. Vor allem, wenn sie zusammen mit dem Wolkenspiel zu einem Gesamtkunstwerk verschmilzt, wie es nur die Natur arrangieren kann.

Während der Weg dabei entlang des Kanals mit den riesigen Containerschiffen, der Eider, durch Alleen, Wälder, saftig grüne Wiesen und idyllische Seen-und Moorlandschaften führt, hinterlässt er einen imponierenden Eindruck. Dazu noch die frische Brise Meerluft um die Nase, sorgt unterwegs für eine typische nordische Atmosphäre. Der Nord-Ostsee-Wanderweg zeigt eindrucksvoll, dass man auch im Norden Deutschlands ansprechend Fernwandern kann.

Alternativ empfiehlt Jens noch den Heidschnuckenweg, der durch die einzigartige norddeutsche Heidelandschaft führt. Gerade in der Blütezeit der Heide (im August und September) erlebt man auf dem Heidschnuckenweg einen wahren Farbenrausch. Das kräftige Lila und das leuchtende rosarot der blühenden Heide im Kontrast mit dem grünen Wacholder und den weißen Birken ergibt ein unglaublich schönes Naturgemälde. Bei schönem Wetter und warmen Temperaturen kann auf den sandigen Pfaden schnell mediterranes Flair aufkommen.

Bei dieser Auswahl sollte hoffentlich für jeden Geschmack etwas dabeigewesen sein. Wer Lust auf mehr bekommen hat und weiter forschen will, kann auf vielen Websites Anregungen finden. So zum Beispiel auf den Seiten des Lebedraußen-Blogs. Dort sind zahlreiche Highlight-Wanderwege der Länge nach geordnet beschrieben. Doch ganz egal auf welchen deutschen Fernwanderweg es euch schließlich hinverschlägt, wünschen wir euch eine schöne Tour! Ach ja – und falls ihr noch Ausrüstung sucht… ihr wisst ja, es gibt so einen Shop.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. HappyHiker sagte am 22. November 2018 um 10:53 Uhr

    Die geschilderten Eindrücke vom Nurtschweg entsprechen auch unseren Erfahrungen und den Fränkischen Gebirgsweg haben wir erst vor wenigen Wochen in voller Länge durchwandert – traumhaft im „Goldenen Oktober“: https://happyhiker.de/fraenkischer-gebirgsweg/

  2. Bergfreund Marco sagte am 22. November 2018 um 11:49 Uhr

    Hey,

    schön dass sich die Eindrücke decken! Auch weiterhin Happy Trails wünschen die Bergfreunde!

    Viele Grüße,

    Marco

  3. Andi sagte am 28. November 2018 um 13:13 Uhr

    Hallo zusammen,

    schöne Zusammenfassung. Jetzt noch einen Trekkingessen-Kalkulator dazu, der Außentemperaturen, Tageskilometer und Tageshöhenmeter sowie Grundumsatz berücksichtigt und fertig ist eine spannende Planungsseite.

    Fernwandern ist auch zum Abbau von Resturlaub im Winter spannend und der nahe fränkische Gebirgsweg bietet dabei sogar einige wintertaugliche Biwakspots:
    http://www.hikr.org/tour/post128750.html

    Allein die Ausrüstungsliste ist dramatisch länger als bei den happyhjkers…

    Grüße aus Franken

  4. Bergfreund Marco sagte am 28. November 2018 um 14:11 Uhr

    Hi Andi,

    nehmen wir als Idee gerne einmal auf und schauen, dass wir so etwas in der Art bald umsetzen! So etwas grob in der Art findest Du hier:

    https://www.bergfreunde.de/kalorienverbrauch-sport-rechner/

    Viele Grüße,

    Marco

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